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	<title>10-thesen &amp;laquo; WordPress.com Tag Feed</title>
	<link>http://en.wordpress.com/tag/10-thesen/</link>
	<description>Feed of posts on WordPress.com tagged "10-thesen"</description>
	<pubDate>Tue, 05 Jan 2010 08:07:19 +0000</pubDate>

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	<language>en</language>

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<title><![CDATA[AbsolventInnenumfrage]]></title>
<link>http://yussipick.wordpress.com/2009/06/08/absolventinnenumfrage/</link>
<pubDate>Mon, 08 Jun 2009 16:56:53 +0000</pubDate>
<dc:creator>Yussi Pick</dc:creator>
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<description><![CDATA[Neben meinen 10 Thesen hat die Uni Wien mir freundlicherweise die Möglichkeit gegeben, meinem Ärger ]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p style="text-align:justify;">Neben meinen 10 Thesen hat die Uni Wien mir freundlicherweise die Möglichkeit gegeben, meinem Ärger Luft zu machen. Ich durfte an einer AbsolventInnenumfrage mitmachen. Die Fragen zeigen vor allem zwei Dinge: Die VerfasserInnen dieser Umfrage haben a) ähnliche Vorstellungen von Uni, wie ich und b) keine Ahnung von der Realität. Hier ein Auszug der Fragen, die ich alle mit &#8220;wo ist der button links von trifft absolut überhaupt nicht zu&#8221; beantwortet habe:</p>
<p style="text-align:justify;">Die/Der Lehrende unterstützt und leitet sehr gut an</p>
<p style="text-align:justify;">Die/Der Lehrende ist sehr enthusiastisch und begeisternd</p>
<p style="text-align:justify;">Die/Der Lehrende trägt sehr viel selbst vor, erläutert sehr viel</p>
<p style="text-align:justify;">Die/Der Lehrende lässt Studierende relevante Literatur mitdefinieren</p>
<p style="text-align:justify;">Die/Der Lehrende gibt ausführliches u. hilfreiches Feedback zu Leistungen</p>
<p style="text-align:justify;">Die/Der Lehrende legt sachliche, transparente Benotungskriterien an</p>
<p style="text-align:justify;">Die/Der Lehrende benotet differenziert und leistungsbezogen</p>
<p style="text-align:justify;">Die Lehrveranstaltung ist sehr interaktiv</p>
<p style="text-align:justify;">Die Lehrveranstaltung ist intellektuell sehr stimulierend</p>
<p style="text-align:justify;">ie Lehrveranstaltung ist abwechslungsreich im Ablauf</p>
<p style="text-align:justify;">Wie beurteilen Sie die Betreuung durch Lehrende?</p>
<p style="text-align:justify;"><strong>Fachliche Beratung/Betreuung</strong></p>
<p style="text-align:justify;">Planende Besprechung von Referaten und schriftlichen (Haus)Arbeiten</p>
<p style="text-align:justify;">Bewertende Besprechung von Referaten und schriftlichen (Haus)Arbeiten</p>
<p style="text-align:justify;">Allgemeine Hilfsbereitschaft der Lehrenden</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[10 Thesen für eine bessere Uni - Thesen 10 plus]]></title>
<link>http://yussipick.wordpress.com/2009/06/04/10-thesen-fur-eine-bessere-uni-thesen-10-plus/</link>
<pubDate>Thu, 04 Jun 2009 08:05:57 +0000</pubDate>
<dc:creator>Yussi Pick</dc:creator>
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<description><![CDATA[Ich gehöre zu den Menschen, die sich immer schon gewundert haben, warum man sich als ersten Wunsch v]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p style="text-align:justify;"><em>Ich gehöre zu den Menschen, die sich immer schon gewundert haben, warum man sich als ersten Wunsch von der Glücksfee nicht einfach unendlich viele Wünsche wünscht. Dementsprechend sind hier kleinere Thesen als eine zehnte zusammengefasst.</em></p>
<h3 style="text-align:justify;"> <strong>Textbasierte Vorlesungen</strong></h3>
<p style="text-align:justify;">Vorlesungen sind autodidakte Lehrveranstaltungen. Das heißt, man muss nicht hingehen. Aus einem mir nicht nachvollziehbaren Grund werden Studierende dennoch gezwungen in VOs zu gehen, weil es für viele einfach kein Skriptum gibt und sich Studierende auf schlecht zusammenfassende Mitschriften von KollegInnen verlassen oder selbst in die VO schleppen müssen. Selbst wenn man ProfessorInnen die Faulheit zugesteht, kein Skriptum für ihre Vorlesung zu schreiben, sollte dennoch Pflicht werden, eine Basis an Texten zu veröffentlichen mit Hilfe derer die Prüfung ohne Anwesenheit in der VO mit einem Sehr Gut bestanden werden kann. Wenn man besonders studierendenfreundlich ist, könnte man den Stoff noch auf eine gewisse Seitenanzahl beschränken. Wir wollen aber nicht übermütig werden.</p>
<h3 style="text-align:justify;"> <strong>Studierende sind keine Bürde</strong></h3>
<p style="text-align:justify;">Ich hätte gerne an einer Uni studiert an der ProfessorInnen Studierende nicht als Bürde ansehen. Ja, eine Stunde Sprechstunde in der Woche hält vom Schreiben und damit Publizieren ab. Ich weiß, ich bin nicht der einzige StudentIn, der Ihnen ein Email schreibt, aber in 48 Stunden kann das wohl beantwortet werden. Und wenn sie schon „Herr Kollege“ zu mir sagen, dann meinen sie das doch auch so. Nur ein bisschen.</p>
<h3 style="text-align:justify;"> <strong>Einrichtung eines Learning Centers</strong></h3>
<p style="text-align:justify;">Das steht wirklich ganz ganz unten auf der Liste. Aber irgendwann, wenn alle anderen Verbesserungen erreicht sind, könnte man anerkennen, dass manche Studierende Lernschwächen haben könnten und trotzdem eine Daseinsberechtigung an der Uni haben. Wenn man diesen Schritt getan hat, dann könnte man ein Learning Center einrichten, in dem man diesen Studierenden einen Rahmen gibt in dem sie die Prüfung absolvieren können, etwa durch Ausdehnung der Prüfungszeit. Dort könnten die Studierenden dann auch hingehen, um ihr Lernen zu verbessern, sich neue Techniken anzueignen.</p>
<h3 style="text-align:justify;"> <strong>Weg mit der Bürokratie</strong></h3>
<p style="text-align:justify;">Ich habe am 18. Juni mein Diplomarbeitsthema eingereicht. Genau zwölf Monate später werde ich meine Sponsion haben. In den ersten sechs Monaten habe ich 20 Stunden gearbeitet, 16 Semesterwochenstunden absolviert und 130 Seiten Diplomarbeit geschrieben. In den folgenden sechs Monaten habe ich auf Formulare gewartet, sie abgeholt, gewartet, unterschreiben lassen, abgegeben gewartet und abgeholt. Die Bürokratie (vor allem) am Ende des Studiums macht dieses unerträglich und unnötig lang &#8211; aber auch wesentlich leichter.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[10 Thesen für eine bessere Uni - These 9: BibliothekarInnen als Ressource]]></title>
<link>http://yussipick.wordpress.com/2009/06/02/10-thesen-fur-eine-bessere-uni-these-9-bibliothekarinnen-als-ressource/</link>
<pubDate>Tue, 02 Jun 2009 08:28:48 +0000</pubDate>
<dc:creator>Yussi Pick</dc:creator>
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<description><![CDATA[Mein Studium ist vorbei und diese 10 Thesen auch bald. Die 8. war bisher die umstrittenste, vor alle]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p><em>Mein Studium ist vorbei und diese 10 Thesen auch bald. Die 8. war bisher die umstrittenste, vor allem, weil es bereits nicht funktionierende übergreifende Eingangsphasen gibt (etwa auf der WU und auf den Sozialwissenschaften der Uni Wien). Deshalb eine Klarstellung: Diese Thesen umgesetzt sind noch nicht das Maß aller Dinge. Wir wissen, dass was österreichische Unis umsetzen meistens in die Hose geht. Zwischen Theorie und Umsetzung ist ein großer Schritt. Zwischen Umsetzung und guter Umsetzung ein noch einmal so großer.</em></p>
<h3>These 9: BibliothekarInnen als Ressource, nicht als VerwalterInnen</h3>
<p>Die wichtigste Institution des akademischen Schreibens sind die Bibliotheken. Leider sind viele der Fachbibliotheken an der Uni Wien keine Bibliotheken sondern nur Räume in denen Bücher stehen. Die besseren Bibliotheken sind zumindest gleichzeitig Arbeitsräume für Studierende &#8211; allerdings nur für die einsamste aller Arbeiten: dem Schreiben. Nachdem LehrveranstaltungsleiterInnen zum Leid vieler Gruppenarbeiten eingeführt haben hätten die Bibliotheken längst reagieren müssen und Gruppenarbeitsräume einrichten müssen. Denn von den Studierenden eine Sozialform abzuverlangen, aber nicht einmal den Hauch einer Infrastruktur dafür zur Verfügung zu stellen ist eigentlich ein Witz. Das Argument des fehlenden Raumes sei der Fairness halber erwähnt. Eine Verbesserung ist allerdings sehr schnell, sehr leicht zu treffen: In Moment sind die BibliothekarInnen vor allem BücherschlichterInnen und EinordnerInnen. Die einzige Auskunft, die sie einem/r wissenschaftlich arbeitenden Studierenden geben können ist, in welchem Regal das Buch steht. Das ist eine Verschwendung an Potential. Alle Angestellten in den Fachbibliotheken sollten ebenfalls das sein: vom Fach. Sie sollten Studierenden als Ressource dienen, als Recherchehilfe. Natürlich können sie nicht zu jedem Thema SpezialistInnen sein, aber sie sollten einen grundsätzlichen Überblick  über Forschungsliteratur, aktuelle Diskurse, Fragestellungen haben und damit Studierenden als erste Anlaufstelle bei Rechercheproblemen dienen.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[10 Thesen für eine bessere Uni - These 8: Orientierungsphase sinnvoll gestalten]]></title>
<link>http://yussipick.wordpress.com/2009/05/28/10-thesen-fur-eine-bessere-uni-these-8-orientierungsphase-sinnvoll-gestalten/</link>
<pubDate>Thu, 28 May 2009 06:47:39 +0000</pubDate>
<dc:creator>Yussi Pick</dc:creator>
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<description><![CDATA[Mein Studium ist vorbei und heute Abend auch die ÖH Wahlen. Wer auch immer die nächsten zwei Jahre i]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p style="text-align:justify;"><span style="font-weight:normal;"><em>Mein Studium ist vorbei und heute Abend auch die ÖH Wahlen. Wer auch immer die nächsten zwei Jahre in der Studierendenvertretung verbringen wird, muss sich mit Zugangsbeschränkungen auseinandersetzen. Mein Luxus ist, dass &#8211; nachdem ich nicht mehr in der ÖH aktiv bin &#8211; nicht mehr dogmatisch gegen Zugangsbeschränkungen sein muss (auch wenn ich es zu weiten Teilen bin), deshalb geht es in folgender These NICHT darum, gegen Zugangsbeschränkungen in Orientierungsphasen zu argumentieren, sondern für Orientierungsphasen, die Studierende orientieren und ZuGaBe weitgehend zu ignorieren. </em></span></p>
<h3 style="text-align:justify;">These 8: Orientierungsphase sinnvoll gestalten</h3>
<p style="text-align:justify;">Orientierungsphasen sind der neueste Trend an der Uni Wien. Sie sind eine einfache Möglichkeit für die Uni, lang ersehnte Zugangsbeschränkungen einzuführen („Nicht nur die Studierenden orientieren sich, ob das Studium das Richtige für sie ist, auch die Uni orientiert sich, ob Studierende das Richtige für sie sind). Auch wenn ich Zugangsbeschränkungen sehr kritisch gegenüberstehe, sollen sie hier nicht die Debatte prägen. Zugangsbeschränkungen sind nur ein kleiner Teil der Thematik Orientierungsphase.</p>
<p style="text-align:justify;">Woran bei den Diskussionen um Orientierungsphasen nie gedacht wird, ist die Situation nach der negativen Orientierung. Damit meine ich, was ein/e StudierendeR macht, wenn er/sie sich gegen die Studienrichtung entschieden hat oder auch die Uni sich gegen den/die StudierendeN entschieden hat. Zu dem Zeitpunkt, wo die Entscheidung gefällt ist, sind nämlich alle anderen Orientierungsphasen auch schon angelaufen und der/die Studierende muss ein Semester warten, um sich in die nächste Orientierungsphase zu stürzen. Die Entscheidung für ein Studium muss man absurderweise noch immer vor der Orientierungsphase treffen. NACH der Orientierungsphase kann man sich nicht für Studium A oder B entscheiden, sondern nur mehr für oder gegen Studium A.</p>
<p style="text-align:justify;">Dieses Dilemma ist leicht aufzulösen: Die Entscheidung für eine Studienrichtung soll erst nach einer Orientierungsphase fallen müssen. Es gibt genug Lehrinhalte, die in einem ersten Semester disziplinübergreifend gelehrt werden können und die in einer solchen allgemeinen Orientierungsphase abgewickelt werden können. Dabei will ich die Uni in ihrer Phantasie nicht überfordern: Die allgemeinen Orientierungsphasen können durchaus in größere Disziplinen (Fakultäten) unterteilt werden, wie ja auch die Interessen der Erstsemestrigen meist in eine Richtung gehen. Es soll aber durchaus möglich sein, Lehrveranstaltungen aus absolut anderen Disziplinen anzusehen.</p>
<p style="text-align:justify;">Konkret: Im ersten Semester machen Studierende eine Hand voll Kernlehrveranstaltungen der jeweiligen Fakultät; Sozialwissenschaftliches Arbeiten, Methoden, Wissenschaftstheorie, etc. Zusätzlich dazu besuchen die Erstsemestrigen je eine Lehrveranstaltung aus zwei bis vier Studienrichtungen ihrer Wahl, die ihnen natürlich im späteren Studienverlauf problem- und bürokratielos angerechnet werden. Als begleitende Maßnahme besuchen sie ein Tutorium, das von einem/r Doktoratsstudienden geleitet wird und in dem sie über Studienwahl, Startschwierigkeiten, etc. mit Studierenden interdisziplinär reflektieren. Nach einem Semester entscheiden sie sich dann für eine Studienrichtung.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[10 Thesen für eine bessere Uni - These 7: Shopping Week]]></title>
<link>http://yussipick.wordpress.com/2009/05/25/10-thesen-fur-eine-bessere-uni-these-7-shopping-week/</link>
<pubDate>Mon, 25 May 2009 06:49:21 +0000</pubDate>
<dc:creator>Yussi Pick</dc:creator>
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<description><![CDATA[Mein Studium ist beendet. Endlich ist Zeit ständig über lange Wochenenden auf Kurzurlaub zu fahren. ]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p style="text-align:justify;"><em>Mein Studium ist beendet. Endlich ist Zeit ständig über lange Wochenenden auf Kurzurlaub zu fahren. Daher heute zum ersten Mal seit einer Woche eine neue These.</em></p>
<p style="text-align:justify;"> </p>
<h3 style="text-align:justify;">These 7:  Shopping Week</h3>
<p style="text-align:justify;"> </p>
<p style="text-align:justify;">Der Weg weg von Referaten hin zu Texten und weg von Seminararbeiten hin zu Essays hätte noch einen Vorteil: Studierende könnten vor Begin der Lehrveranstaltung besser einschätzen, ob sie ihren Vorstellungen entspricht. Bisher gibt es über die Lehrveranstaltung nicht viel mehr Informationen als den Titel. Das wäre nicht so schlimm, könnte man sich die LV für eine gewisse Zeit ansehen. Das wird aber durch die Anmeldephase vor Beginn des Semesters verhindert: Zwar kann man sich gegen eine Lehrveranstaltung entscheiden, aber nicht ohne sein Studium zu verzögern.</p>
<p style="text-align:justify;">Diesen blinden Entscheidungen für  Lehrveranstaltungen kann eben dadurch entgangen werden, dass Lehrende vor Beginn des Semesters den Seminarfahrplan mit Angaben zu zu lesenden Texten online stellen. Zusätzlich dazu sollte die Anmeldephase in die zweite oder dritte Semesterwoche verschoben werden. Zugegeben, ein Alptraum für jene Kräfte an der Uni, die Qualität gerne mit Zahlen ausdrücken und unter dem Schlagwort „Planbarkeit“ die Anmeldesysteme in ihre Kontrolle gebracht haben. Dennoch: Studierenden die Möglichkeit zu geben, eine Lehrveranstaltung und ihre/n -leiterIn ein bis zwei Wochen lang anzusehen, bevor sie sich ein ganzes Semester verpflichten würde die Uni ein großes Stück besser und Studierende ein großes Stück interessierter machen.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[10 Thesen für eine bessere Uni - These 5: Mehr Texte in Seminaren]]></title>
<link>http://yussipick.wordpress.com/2009/05/13/10-thesen-fur-eine-bessere-uni-these-5-mehr-texte-in-seminaren/</link>
<pubDate>Wed, 13 May 2009 07:32:25 +0000</pubDate>
<dc:creator>Yussi Pick</dc:creator>
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<description><![CDATA[Mein Studium ist zu Ende. Nachdem ich mir nicht zu blöd war mit Emails diverse Personen zu nerven, d]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p style="text-align:justify;"><em>Mein Studium ist zu Ende. Nachdem ich mir nicht zu blöd war mit Emails diverse Personen zu nerven, durfte ich mir gestern mein Zeugnis holen und mich daher schon ab gestern und nicht erst ab in 4 Wochen offiziell Magister nennen. Die folgende These wird unter Umständen von Menschen unterschiedlicher Studienrichtungen unterschiedlich bewertet. Aus germanistischer und historischer(*hust*lehramtlicher*hust*) Sicht lautet sie wie folgt:</em></p>
<h3 style="text-align:justify;">These 5: Mehr Texte in Seminaren</h3>
<p style="text-align:justify;">Eine Problematik, mit der sich die Unis in Österreich seit neuestem beschäftigen, ist die Frage, wie „Forschungsgeleitete Lehre“ funktionieren kann. Die einfache Antwort: Gebt uns aktuelle Artikel und Bücher/Kapitel zu lesen! Eine Studienkollegin von mir muss für ihre Diplomprüfung in einer Sprachwissenschaft einen Artikel lesen, in dem sinngemäß steht: „Bald werden silberne Scheiben, von denen der Computer mit Laser Daten ablesen kann, die Verwendung von Wörterbüchern revolutionieren.“ Es wäre schön, könnte diese Geschichte als Ausnahme vom Tisch gewischt werden. Die gute Nachricht ist: Diese Lehrperson arbeitet zumindest mit Artikeln/Kapitel. Das ist nicht immer der Fall. Oft gibt es nicht einmal Literaturlisten in Seminaren (geschweige denn aktuelle), viele Studierende können keine fünf akademischen Journale ihrer Disziplin aufzählen, weiß selten was der/die ProfessorIn eigentlich forscht und wissen nicht über aktuelle Publikationen Bescheid. Das ist nicht ihre Schuld. Es ist die Schuld der Referatskultur (siehe These 1). Wäre es nicht viel sinnvoller, anstatt sinnloser wöchentlicher Referate zur Vorbereitung des Themas jede Woche ein bis zwei Texte zu lesen zu geben? Bisher wurden Referate &#8211; angeblich um den Teilaspekt eines Themas zu beleuchten &#8211; gehalten und danach (irgendetwas) diskutiert. Die DiskutantInnen (also alle nicht referatshaltenden Studierenden, die die Scheu vor dem in der LV den Mundaufmachen überwunden haben) hatten dabei zwei Ressourcen für ihre Argumente: Das Referat, dessen durchschnittliche Qualität im Laufe dieser Thesen bereits mehrfach angezweifelt wurde, und ihr Vorwissen &#8211; beides keine besonders stichhaltigen Quellen. Würde man Studierenden statt Referate Texte vorlegen, wäre die Diskussion im Seminar qualitätvoller und die Summe aller Teilaspekte nachhaltiger vermittelt, als durch schlecht gehaltene Referate.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[10 Thesen für eine bessere Uni - These 4: Writing Center]]></title>
<link>http://yussipick.wordpress.com/2009/05/11/10-thesen-fur-eine-bessere-uni-these-4-writing-center/</link>
<pubDate>Mon, 11 May 2009 12:13:56 +0000</pubDate>
<dc:creator>Yussi Pick</dc:creator>
<guid>http://yussipick.wordpress.com/2009/05/11/10-thesen-fur-eine-bessere-uni-these-4-writing-center/</guid>
<description><![CDATA[Mein Studium ist zu Ende. Endlich ist Zeit, über Verbesserungen in dem Betrieb nachzudenken. Bisher ]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p style="text-align:justify;"><em>Mein Studium ist zu Ende. Endlich ist Zeit, über Verbesserungen in dem Betrieb nachzudenken. Bisher sind schon 3 Thesen erschienen. Diese ist eine der wichtigsten, gleichzeitig auch die am leichtesten umzusetzende These. Es braucht: Einen Raum, ein Wenig Geld,  eine Homepage mit Terminkoordinationssystem.</em></p>
<h3 style="text-align:justify;">These 3: Writing Center</h3>
<p style="text-align:justify;">Schreiben ist eine der Haupttätigkeiten des wissenschaftlichen Arbeitens. Trotzdem kümmert sich die universitäre Lehre nicht darum, dass Studierende es können &#8211; sie setzt es voraus. In der Schule wird es nicht gelehrt, wie sollen Studierende es also können? Soll die Universität es ihnen beibringen? Nein, Schreiben kann nicht beigebracht werden. Es soll keine Lehrveranstaltung „Wissenschaftliches Schreiben“ in den ersten Semestern des Studiums geben.</p>
<p style="text-align:justify;">Hier zeigt sich die Unkreativität universitärer Lehre. Sie glaubt, zu Lernendes kann nur in Lehrveranstaltungen vermittelt werden. Dabei würde eine Institution, die an vielen anderen Unis der Welt völlig selbstverständlich ist, reichen: Ein Writing Center. Es soll die erste Anlaufstelle für Studierende sein, die an irgendeiner Stelle im wissenschaftlichen Schreibprozess Schwierigkeiten haben. Sei es bei der Formulierung einer These, beim Erstellen einer Gliederung, Argumentieren oder in der Endredaktion: Eine universitäre Einrichtung &#8211; am besten in der Bibliothek angesiedelt &#8211; in der Studierende von SchreibtrainerInnen Hilfe und Feedback erhalten, würde die Qualität von wissenschaftlichen Arbeiten enorm heben. Nicht der/die ProfessorIn ist die erste Person, die eine Seminararbeit sieht und sofort benotet, sondern Peers, die nur dafür bezahlt werden, Texte besser zu machen. Wissenschaftliches Schreiben ist ohnehin lange genug eine sehr einsame Arbeit.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[10 Thesen für eine bessere Uni - These 3: Weniger Seminararbeiten, mehr Essays]]></title>
<link>http://yussipick.wordpress.com/2009/05/06/10-thesen-fur-eine-bessere-uni-these-3-weniger-seminararbeiten-mehr-essays/</link>
<pubDate>Wed, 06 May 2009 06:52:35 +0000</pubDate>
<dc:creator>Yussi Pick</dc:creator>
<guid>http://yussipick.wordpress.com/2009/05/06/10-thesen-fur-eine-bessere-uni-these-3-weniger-seminararbeiten-mehr-essays/</guid>
<description><![CDATA[Mein Studium ist abgeschlossen und während ich mich mit der letzten Bürokratiestufe beschäftige (das]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p style="text-align:justify;"><em>Mein Studium ist abgeschlossen und während ich mich mit der letzten Bürokratiestufe beschäftige (das Protokoll der Diplomprüfung reicht nicht, als Beweis eines abgeschlossenen Studiums, um sich für die Sponsion anzumelden, dazu braucht es das Abschlusszeugnis. Das Abschlusszeugnis ist Aufgabe des S&#8221;S&#8221;c, das mit der Ausstellung dieses Zettels Papier vier Wochen beschäftigt ist. Die schicken das dann &#8211; mit einer Anmeldung für die Sponsion &#8211; dem Veranstaltungsreferat, die mir einen Termin brieflich zusenden. Dass dieser dann friss oder stirb ist, versteht sich von selbst.) Zu schöneren Themen: meiner Fantasie. </em></p>
<p style="text-align:justify;"><em></em></p>
<h3 style="text-align:justify;">These 3: Weniger Seminararbeiten, mehr Essays</h3>
<p style="text-align:justify;">Die beiden vorhergegangenen Thesen haben eine Fragestellung von zwei Seiten aufgeworfen: Unter welchen Voraussetzungen ist es Studierenden zumutbar, wissenschaftliche Arbeiten unter dem Semester und nicht in der vorlesungsfreien Zeit zu verfassen? Und unter welchen Voraussetzungen ist es Lehrenden zumutbar, diese Arbeiten fundiert und individuell zu kritisieren. Die Antwort ist einfach: Weg von (Pro)Seminararbeiten &#8211; vor allem in den ersten Semestern/Proseminaren &#8211; hin zu argumentativen Texten. Proseminararbeiten und auch die meisten Seminararbeiten sind Zusammenfassungen wissenschaftlicher Erkenntnisse, also nichts anderes als die Tätigkeit, auf 12-20 Seiten Wortwolken rund um herausgesuchte Zitate zu bauen. Statt dieser meist stupiden Tätigkeit ist es für die weitere Studienkarriere wesentlich hilfreicher, das Aufstellen von Thesen und schriftliches Verteidigen/Argumentieren dieser zu üben. Diese Texte, die nicht länge, als sieben Seiten sein müssen, haben den Vorteil auch unter dem Semester geschrieben und werden zu können. Es ist Studierenden sogar zuzumuten, zwei dieser Papers zu verfassen und so auf einen gleichhohen Seitenzahlgesamtschreibaufwand bei höherer Qualität zu kommen als bei einer Proseminararbeit.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[10 Thesen für eine bessere Uni - These 2: Feedbackkultur einführen]]></title>
<link>http://yussipick.wordpress.com/2009/05/04/10-thesen-fur-eine-bessere-uni-these-2-feedbackkultur-einfuhren/</link>
<pubDate>Mon, 04 May 2009 11:23:33 +0000</pubDate>
<dc:creator>Yussi Pick</dc:creator>
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<description><![CDATA[Mein Studium ist abgeschlossen. Endlich ist die Zeit, Überlegungen und Argumente aufzuschreiben. Die]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p style="text-align:justify;"><em>Mein Studium ist abgeschlossen. Endlich ist die Zeit, Überlegungen und Argumente aufzuschreiben. Die 10 Thesen sind nichts Revolutionäres, nichts Teures und vor allem nichts Unmögliches. Sie würden meiner Ansicht nach die Uni &#8211; die Lehre an der Uni &#8211; besser machen ohne viel Aufwand oder Geld zu kosten.</em></p>
<p style="text-align:justify;"><em></em></p>
<h3>These 2: Feedbackkultur einführen</h3>
<p style="text-align:justify;">Eigentlich ein No-Brainer, gleichzeitig aber ein durchaus schwieriges Unterfangen. In der Schulpolitik ist es noch relativ leicht, transparentere Benotung zu gewährleisten: Anonymisierung von Schularbeiten; Benotung der anonymisierten Schularbeiten von fremden LehrerInnen, etc. Auf der Uni ist das nicht mehr so leicht möglich. Dennoch gibt es ein paar Grundregeln, die leicht implementiert werden können: Seminararbeiten dürfen nicht einfach so benotet werden. Es muss eine Überarbeitungsphase geben. In meiner Unikarriere habe ich ein einziges Mal eine Seminararbeit mit Anmerkungen zurück bekommen. Zwar war sein größter Kritikpunkt, dass mir die Überschrift des vierten Kapitels auf Seite 8 gerutscht ist, dennoch hatte ich zum ersten und einzigen Mal das Gefühl, dass meine Seminararbeit aktiv von einer Lehrperson gelesen wurde. Natürlich ist die ProfessorInnenseite verständlich, die mit einem Stapel von 50 Seminararbeiten pro Seminar schon ohne zweite Phase überfordert sind. Das spricht wieder für den für Studierende gewöhnungsbedürftige bis unangenehme Vorschlag in These Nr. 1 die Arbeiten nicht nach dem Semester sondern während des Semesters zu verlangen. Außerdem &#8211; und das wird in These 3 diskutiert werden &#8211; ist nicht einzusehen, an dieser sinnfreien Seitenanzahl von 20 festgehalten wird.</p>
<p style="text-align:justify;"> </p>
<p style="text-align:justify;">Fazit: Durch das Schreiben von Seminararbeiten allein werden wissenschaftliche Skills der Studierenden nicht besser. Durch die Diskussion der Arbeit mit einer Lehrperson schon.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[10 Thesen für eine bessere Uni - These 1: Referatsflut eindämmen]]></title>
<link>http://yussipick.wordpress.com/2009/04/30/10-thesen-fur-eine-bessere-uni-these-1-referatsflut-eindammen/</link>
<pubDate>Thu, 30 Apr 2009 11:23:25 +0000</pubDate>
<dc:creator>Yussi Pick</dc:creator>
<guid>http://yussipick.wordpress.com/2009/04/30/10-thesen-fur-eine-bessere-uni-these-1-referatsflut-eindammen/</guid>
<description><![CDATA[Mein Studium ist abgeschlossen. Endlich ist die Zeit, Überlegungen und Argumente aufzuschreiben. Ein]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p><em>Mein Studium ist abgeschlossen. Endlich ist die Zeit, Überlegungen und Argumente aufzuschreiben. Ein letztes Mal will ich mich also mit dem Thema Uni beschäftigen, vor allem, weil praktische Überlegungen zur Uni-Lehre in meiner aktiven Zeit in der Studierendenvertretung viel zu kurz gekommen sind.</em></p>
<h3>These 1: Referatsflut eindämmen</h3>
<p><!--StartFragment--></p>
<p class="MsoListParagraphCxSpFirst" style="text-align:justify;"><span lang="DE-AT">Es gibt zwei Argumente für die Methode „Studierendenreferate in Seminaren“. Erstens ist ein großer Teil von akademischer Arbeit die Präsentation von Ergebnissen, was während des Studiums geübt werden soll; Zweitens besteht die romantische Vorstellung, Studierende würden Teilbereiche eines Themas bearbeiten und präsentieren. Die Realität sieht anders aus. Referate blockieren echtes Lernen und echte Diskussionen. Studierende lernen nichts, wenn sie Referate von KollegInnen anhören. Referate sind durchschnittlich schlecht gehalten (Wie können sie auch gut sein, wenn Studierende nie Rückmeldung darauf bekommen) und basieren nicht auf vorhergegangenem Forschen. Will man in Seminaren wissenschaftliche Konferenzen simulieren, so müssten Studierende zuerst eine Arbeit schreiben und erst dann ihre Ergebnisse präsentieren. Stattdessen halten Studierende Referate die zwar informieren, aber dadurch das Thema nicht aus einer wissenschaftlichen Perspektive vorstellen (Wie können sie auch, wenn sie noch nicht begonnen haben das Thema wissenschaftlich zu bearbeiten). </span></p>
<p class="MsoListParagraphCxSpLast" style="text-align:justify;"><span lang="DE-AT">Es gibt zwei Möglichkeiten, darauf zu reagieren: Entweder Studierende müssen vor Präsentation ihres Themas eine wissenschaftliche Arbeit dazu abgeben oder es muss auf Referate verzichtet werden. Auch wenn ich sie nicht während meiner Unikarriere gesehen habe, kann ich mir nicht vorstellen, dass es außer Referate keine andere Lehrmethode in der Hochschuldidaktik gibt.</span></p>
<p><!--EndFragment--></p>
<p style="text-align:justify;"><em><br />
</em></p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Dr. Jürgen Todenhöfer - 10 Thesen]]></title>
<link>http://newscream.wordpress.com/2008/08/20/dr-jurgen-todenhofer-10-thesen/</link>
<pubDate>Wed, 20 Aug 2008 08:26:07 +0000</pubDate>
<dc:creator>newscream</dc:creator>
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<description><![CDATA[Über den Autor: Dr. Jürgen Todenhöfer (67) ist seit über zwanzig Jahren Manager eines europäischen M]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Über den Autor:</p>
<p>Dr. Jürgen Todenhöfer (67) ist seit über zwanzig Jahren Manager eines europäischen Medienunternehmens. Zuvor war er 18 Jahre lang Abgeordneter des Deutschen Bundestages und Sprecher der CDU/CSU für Entwicklungspolitik und Rüstungskontrolle.</p>
<p>Er schrieb zwei Bestseller über den Afghanistan- und den Irakkrieg. Mit seinem Honorar errichtete er ein Kinderheim in Afghanistan, ein Kinderkrankenhaus im Kongo ist zurzeit im Bau. Mit dem Autorenhonorar für „Warum tötest du, Zaid?“ wird er im Mittleren Osten ein israelisch-palästinensisches Versöhnungsprojekt sowie ein Hilfsprojekt für irakische Flüchtlingskinder finanzieren.</p>
<p>1. Der Westen ist viel gewalttätiger als die muslimische Welt. Millionen arabische Zivilisten wurden seit Beginn der Kolonialisierung getötet.</p>
<p>2. Angesichts der Kriegspolitik des Westens ist es nicht wirklich erstaunlich, dass muslimische Extremisten immer mehr Zulauf bekommen.</p>
<p>3. Islamisch getarnte Terroristen sind Mörder. Für christlich getarnte Anführer völkerrechtswidriger Angriffskriege kann nichts anderes gelten.</p>
<p>4. Muslime waren und sind mindestens so tolerant wie Juden und Christen. Sie haben die westliche Kultur entscheidend mitgeprägt.</p>
<p>5. Nicht nur in der Bibel, auch im Koran sind die Liebe zu Gott und die Liebe zum Nächsten die zentralen Gebote.</p>
<p>6. Die westliche Politik gegenüber der muslimischen Welt leidet unter einer erschreckenden Ignoranz einfachster Fakten.</p>
<p>7. Der Westen muss die islamische Welt genauso fair und großzügig behandeln, wie er Israel behandelt. Muslime sind so viel wert wie Juden und Christen.</p>
<p>8. Die Muslime müssen sich wie ihr Prophet Mohammed für einen Islam des Fortschritts und der Toleranz einsetzen. Sie müssen dem Terrorismus die religiöse Maske vom Gesicht reißen.</p>
<p>9. Nichts fördert den Terrorismus mehr als die „Antiterrorkriege“ des Westens. Die muslimischen Länder müssen ihre Probleme mit dem radikalen Islamismus selber ausfechten.</p>
<p>10. Das Gebot der Stunde heißt Staatskunst, nicht Kriegskunst – im Irankonflikt, im Irakkonflikt und im Palästinakonflikt.</p>
<p>Quelle: <a href="http://www.warum-toetest-du-zaid.de/" title="Warum tötest du, Zaid? - Dr. Jürgen Todenhöfer" target="_blank">www.warum-toetest-du-zaid.de</a></p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Meine 10 Thesen (Jürgen Todenhöfer)]]></title>
<link>http://muslime.wordpress.com/2008/05/14/meine-10-thesen-jurgen-todenhofer/</link>
<pubDate>Wed, 14 May 2008 18:11:12 +0000</pubDate>
<dc:creator>alime</dc:creator>
<guid>http://muslime.wordpress.com/2008/05/14/meine-10-thesen-jurgen-todenhofer/</guid>
<description><![CDATA[printversion Pdf (720kb) 1. Der Westen ist viel gewalttätiger als die muslimische Welt. Millionen ar]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><h2><img class="alignnone" src="http://uploads.screenshot-program.com/my.php?image=upl4862367578.jpg" alt="" /></h2>
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<h2><img src="http://uploads.screenshot-program.com/upl4862367578.jpg" alt="" /></h2>
<h2>1. Der Westen ist viel gewalttätiger als die muslimische Welt. Millionen arabische Zivilisten wurden seit Beginn der Kolonialisierung getötet.</h2>
<p>Der große französische Historiker und Politiker Alexis de Tocqueville war ein leidenschaftlicher Vorkämpfer individueller Freiheit. Sie hatte für ihn stets Vorrang vor Gleichheit. Ungleichheit kam für ihn „unmittelbar von Gott“. Kein Wunder also, dass der aufgeklärte Staatsmann wie die meisten seiner Zeitgenossen für Rassengleichheit nicht zu haben war.</p>
<p>In seinem 1835 erschienen Hauptwerk <em>Über die Demokratie in Amerika </em>stellte Tocqueville<em> </em>die für jene Zeit bezeichnende Frage: „Hat man beim Anblick der Vorgänge in der Welt nicht den Eindruck, dass der Europäer für die Menschen anderer Rassen das ist, was der Mensch für die Tiere bedeutet? Er macht sie seinem Dienst untertan, und wenn er sie nicht mehr unterjochen kann, vernichtet er sie.“ Für den liberalen Denker gab es konsequenterweise “keinen Grund, die muslimischen Subjekte so zu behandeln, als wären sie uns gleich“.</p>
<p>Nicht anders hat der Westen die muslimische Welt während der letzten zweihundert Jahre behandelt. Arabische Familien wurden in der Kolonialzeit wie „Hyänen, Schakale und räudige Füchse“ gejagt. Die Strategie, mit der die Kolonialherren im 19. Jahrhundert den Widerstand gegen ihre „Zivilisierungsmission“ brechen wollten, hieß: „ruinieren, jagen, terrorisieren“ (Olivier Le Cour Grandmaison). In Algerien wurden mehrfach ganze Stämme, die sich in Höhlen geflüchtet hatten, „ausgeräuchert“ („Enfumades“). Der französische Oberst Lucien-François de Montagnac schrieb 1842 in einem Brief aus Algerien: „Wir töten, wir erwürgen. Die Schreie der Verzweifelten, der Sterbenden mischen sich mit dem Lärm des brüllenden, blökenden Viehs. Ihr fragt mich, was wir mit den Frauen machen. Nun, wir behalten einige als Geiseln, andere tauschen wir gegen Pferde, der Rest wird wie Vieh versteigert.“ Um seine dunklen Gedanken zu vertreiben, lasse er manchmal einfach „Köpfe abschneiden. Keine Artischockenköpfe, Menschenköpfe.“</p>
<p>Louis de Baudicour, französischer Schriftsteller und Kolonist in Algerien, schilderte eine der vielen Schlächtereien: „Hier schnitt ein Soldat aus Spaß einer Frau die Brust ab, dort nahm ein anderer ein Kind an den Beinen und zerschmetterte seinen Schädel an einer Mauer.“ Victor Hugo berichtet von Soldaten, die sich gegenseitig Kinder zuwarfen, um sie mit der Spitze ihrer Bajonette aufzufangen. Für in Salz eingelegte Ohren gab es hundert Sous. Abgeschnittene Köpfe wurden noch höher prämiert. Arabische Gebeine wurden zeitweise zu Tierkohle verarbeitet (Oliver Le Cour Grandmaison).</p>
<p>Napoleon III. sah trotzdem die Hand Gottes am Werk: „Frankreich ist die Herrin Algeriens, weil Gott dies gewollt hat.“ Die Algerier sahen das anders. Aber sie mussten für ihre Freiheit einen hohen Blutzoll zahlen. Allein im Unabhängigkeitskrieg zwischen 1954 und 1962 wurden achttausend algerische Dörfer von der französischen Luftwaffe durch Napalmbomben zerstört. Auch vonseiten des FLN, des algerischen Front de Libération National, gab es grauenvolle Akte des Terrors. Albert Camus hat zu Recht darauf hingewiesen. Aber zahlenmäßig stehen sie in keinem Verhältnis zu den Gewalttaten der Kolonialisten. Insgesamt töteten diese während ihrer 130 Jahre dauernden `Zivilisierungsmission´ nach algerischen Angaben weit über zwei Millionen Algerier. Französische Schätzungen gehen von über einer Million getöteten Algeriern und hunderttausend getöteten Franzosen aus.</p>
<p>Den von Großbritannien kolonisierten Irakern erging es nicht wesentlich besser. Winston Churchill warf ihnen wegen ihres Aufstands gegen die britische Unterdrückung im Jahr 1920 „Undankbarkeit“ vor und setzte chemische Waffen ein – „mit ausgezeichneter moralischer Wirkung“, wie er anmerkte. „Bomber Harris“, der geistige Vater des „moral bombing“, erklärte nach einem Luftangriff stolz: „Die Araber und Kurden wissen jetzt, was eine richtige Bombardierung ist. In 45 Minuten fegen wir ein ganzes Dorf weg.“ Bombenangriffe galten im Irak auch als effektive Methode zum Eintreiben von Steuern. Der Royal-Air-Force-Offizier Lionel Charlton quittierte 1924 erschüttert seinen Dienst, nachdem er in einem Krankenhaus die verstümmelten Opfer gesehen hatte. Er ahnte nicht, dass sein Land achtzig Jahre später den Irak erneut bombardieren würde.</p>
<p>In Libyen warfen die italienischen Kolonialisten Fässer mit Phosgen- und Senfgas auf Aufständische und Zivilbevölkerung. Stammesführer wurden in Flugzeuge gepackt und aus schwindelnder Höhe abgeworfen. Über hunderttausend Zivilisten wurden in Wüstenlager deportiert, die Hälfte ging kläglich zugrunde. Libysche Mädchen wurden für die Kolonialtruppen als Sexsklavinnen gehalten. Auch die Spanier setzten während der Kabylenaufstände in Marokko chemische Waffen ein. Die Folgen waren grauenvoll.</p>
<p>Als Vorbild für die Behandlung der Araber galt die Ausrottungsstrategie gegenüber den Indianern Amerikas. Der rassistisch-zivilisatorische Überlegenheitswahn jener Zeit kannte keine Grenzen. Gustave Le Bon, Begründer der Massenpsychologie und Kämpfer gegen den „Gleichheits-Aberglauben“, teilte die Menschen in vier Klassen ein: Die australische und amerikanische Urbevölkerung galten als „primitive Rasse“, die „Neger“ als „niedere“, die Araber und Chinesen als „mittlere“ und die Indoeuropäer als „höhere Rasse“.</p>
<p>Auch nach dem Zweiten Weltkrieg hat der Westen die Araber oft als Untermenschen „auf der Stufe eines höheren Affen“ behandelt (Jean-Paul Sartre). Dies gilt für die Entkolonisierungskriege, für die Interventionen zur Sicherung der Rohstoffwege, für die Palästinafrage wie für die von den USA und Großbritannien erzwungenen Irak-Sanktionen. Allein durch diese laut Vatikan „perversen“ Strafmaßnahmen gegen den Irak starben nach UNICEF-Angaben über 1,5 Millionen Zivilisten, darunter rund 500 000 Kinder.</p>
<p>Der aktuelle Irakkrieg zeigt ebenfalls eine atemberaubende Missachtung der muslimischen Welt. Schon beim Einmarsch der US-geführten Truppen wurden tausende Zivilisten getötet. Unzählige wurden – zum Teil durch uranverseuchte Munition – zu Krüppeln gebombt. Eine in der Medizinfachzeitschrift <em>„Lancet“</em> veröffentliche Studie unabhängiger amerikanischer und irakischer Ärzte, geht von über 600 000 Irakern aus, die bis Juni 2006 durch das von den Besatzungstruppen angerichtete Kriegschaos ihr Leben verloren. Danach wurden 31 Prozent unmittelbar von den US-geführten Koalitionstruppen getötet, 24 Prozent durch konfessionelle Gewalt und Selbstmordattentate. Bei 45 Prozent der Toten waren die Täter unbekannt; laut <em>Lancet</em> weist die hohe Zahl der Schusstoten jedoch auch hier „auf eine direkte Beteiligung des US-Militärs“ hin.</p>
<p>Eine Untersuchung des unabhängigen britischen Forschungsinstituts ORB vom Herbst 2007 kommt auf inzwischen über eine Million getötete und etwa genauso viele verwundete Iraker. In Bagdad hat fast jeder zweite Haushalt ein Mitglied verloren. Saddam Hussein hatte in den dreiundzwanzig Jahren seiner Herrschaft laut „Human Rights Watch“ den Tod von 290 000 irakischen Zivilisten zu verantworten.</p>
<p>Seit Herbst 2007 ist die Zahl der Toten im Irak erfreulicherweise zurückgegangen. Trotzdem sterben nach vorsichtigen Schätzungen von Experten jeden Monat noch immer 6.000 irakische Zivilisten im Chaos des Krieges. Das sind doppelt so viel Menschen, wie am 11. September 2001 im World Trade Center. Der Bevölkerung geht es heute schlechter als unter Saddam (Kofi Annan). Es dürfte nicht viele Iraker geben, die sagen: „Großartig, unser Land ist zerstört, über eine Million Mitbürger sind tot, viereinhalb Millionen sind auf der Flucht, die Kindersterblichkeit ist eine der höchsten der Welt, es gibt kaum Strom, Wasser und Medikamente, Arbeitslosigkeit und Inflation sind auf über 50 Prozent gestiegen, auf die Straße kann man kaum noch – aber es hat sich gelohnt, Saddam ist weg.“</p>
<p>Nicht ein einziges Mal in den letzten zweihundert Jahren hat ein muslimisches Land den Westen angegriffen. Die europäischen Großmächte und die USA waren immer Aggressoren, nie Angegriffene. Seit Beginn der Kolonialisierung wurden Millionen arabische Zivilisten getötet. Der Westen führt in der traurigen Bilanz des Tötens mit weit über 10 : 1. Die aktuelle Diskussion über die angebliche Gewalttätigkeit der muslimischen Welt stellt die historischen Fakten völlig auf den Kopf. Der Westen war und ist viel gewalttätiger als die muslimische Welt. Nicht die Gewalttätigkeit der Muslime, sondern die Gewalttätigkeit einiger westlicher Länder ist das Problem unserer Zeit.</p>
<p>Wer den muslimischen Extremismus verstehen will, muss versuchen, die Welt wenigstens einmal aus der Sicht eines Muslims zu betrachten. Unser Horizont ist nicht das Ende der Welt. Ein junger Muslim, der Fernsehnachrichten verfolgt, sieht Tag für Tag, wie im Irak, in Afghanistan, in Palästina, im Libanon, in Somalia und anderswo muslimische Frauen, Kinder und Männer durch westliche Waffen, westliche Verbündete und westliche Soldaten sterben.</p>
<p>Es ist zynisch, wenn westliche Geistesgrößen mit sorgenvoller Miene fragen, wie es denn zum Niedergang der einst „militärisch, ökonomisch und kulturell weit überlegenen arabischen Zivilisation“ kommen konnte (Hans Magnus Enzensberger). Der Westen hat dazu entscheidend beigetragen. Er hat bei seinem Rückzug aus den Kolonien ausgeplünderte und ausgeblutete Länder zurückgelassen. Zu Beginn der Kolonialisierung im Jahr 1830 war die Alphabetisierungsquote Algeriens mit 40 Prozent höher als die Frankreichs und Englands. 1962, beim Abzug der französischen Besatzungstruppen, lag sie unter 20 Prozent. Der Kolonialismus hat der arabischen Welt weit über hundert Jahre Entwicklung gestohlen. Resigniert stellte Tocqueville siebzehn Jahre nach der Eroberung Algeriens durch Frankreich fest: „Die Lichter sind erloschen. Wir haben die muslimische Gesellschaft ärmer, unwissender und unmenschlicher gemacht.“</p>
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<h2>2. Angesichts der Kriegspolitik des Westens ist es nicht wirklich erstaunlich, dass muslimische Extremisten immer mehr Zulauf bekommen.</h2>
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<p>Der westliche Kolonialismus wütete in fast allen Teilen der Welt. Aber in den erdölreichen Staaten des Mittleren Ostens hat er bis heute nicht aufgehört. Das unterscheidet diese Region von anderen Regionen der Welt und macht sie zum Nährboden des Terrorismus.</p>
<p>Terrorismus ist kein muslimisches, sondern ein weltweites Phänomen. Es gab ihn zu allen Zeiten und unter allen Vorzeichen. Neben arabischen Terroristen, die jüdische Siedler ermordeten, gab es auch „zionistische Terrororganisationen“ wie die „Irgun“ Menachem Begins und die sich selbst als terroristisch bezeichnenden „Kämpfer für die Freiheit Israels“ Jitzchak Schamirs. Sie kämpften mit terroristischen Mitteln gegen Briten und Araber für ein freies Israel – auch gegen Zivilisten.</p>
<p>Einer der bekanntesten Sätze der aktuellen Terrorismusdiskussion lautet: „Nicht alle Muslime sind Terroristen, aber alle Terroristen sind Muslime“. Er ist schlicht falsch. Bis zum 11. September 2001 galten die „tamilischen Befreiungstiger“ aus Sri Lanka unstreitig als tödlichste Terrororganisation der Welt. Sie ermordeten Tausende unschuldiger Zivilisten. Sie professionalisierten den Selbstmordterrorismus bis zur Perfektion und wurden weltweit bis ins Detail kopiert, vor allem im Mittleren Osten. Sie bomben und morden auch heute noch. Sie sind Hindus, keine Muslime. Und sie töten keine Westler. Über ihre Anschläge wird daher nur in Kurzmeldungen berichtet.</p>
<p>36 der 48 von der EU 2006 offiziell als terroristisch eingestuften Organisationen haben mit dem Islam nichts zu tun. Diese „antiimperialistischen“, „antikapitalistischen“, „antiindischen“ oder „antisinghalesischen“ Terrororganisationen haben in Lateinamerika, Asien und Schwarzafrika unzählige Zivilpersonen auf dem Gewissen. Im öffentlichen Bewusstsein des Westens spielen sie keine Rolle. Weil sie keine Menschen unseres Kulturkreises töten.</p>
<p>Im Mittleren Osten traten nach dem offiziellen Ende der Kolonialzeit an die Stelle der Kolonialmächte häufig finanziell und militärisch abhängige Marionettenregierungen, Schachfiguren im geopolitischen Spiel der westlichen Großmächte. Wer nicht mitspielte, wurde belehrt, dass es ein Selbstbestimmungsrecht der Völker nur dort gibt, wo dies westlichen Interessen nicht widerspricht. Freiheit hieß nie Freiheit von uns. Man kann dies in Erinnerung an den 1951 demokratisch gewählten und zwei Jahre später von der CIA und den Briten gestürzten iranischen Ministerpräsidenten Mohammad Mossadegh das „Mossadegh’sche Gesetz“ nennen. Wer diesem Gesetz zuwiderhandelt, wird weggeputscht oder im Rahmen einer intensiven Medienkampagne zum „Schurken“ umtituliert. Die mediale Produktion von Bösewichten ist eine Spezialität westlicher Außenpolitik. Wie das Beispiel Gaddafi zeigt, kann die Ernennung zum „Schurken“ auch jederzeit rückgängig gemacht werden.</p>
<p>Selbst der vom „Partner“ zum „Schurken“ umbenannte Saddam Hussein könnte noch heute ungehindert schalten und walten, wenn er Partner der USA geblieben wäre. Das Massaker von Dujail mit 148 Toten, für das er hingerichtet wurde, fand 1982 statt. Saddam war damals für die USA einer der wichtigsten Akteure im Mittleren Osten und führte mit westlicher Unterstützung Krieg gegen den Iran Khomeinis. Donald Rumsfeld besuchte Saddam ein Jahr später, 1983, als Sonderbeauftragter des amerikanischen Präsidenten, obwohl er über Dujail genau informiert war. Saddam war schließlich unser antiislamistischer Kampfgenosse, den Deutschland mit Komponenten für chemische Waffen, Frankreich mit Kampfflugzeugen und die USA mit Satellitendaten über iranische Stellungen versorgten. Dem Westen ging es im Nahen und Mittleren Osten nie um Menschenrechte und Demokratie. Er kämpfte und kämpft ums Öl.</p>
<p>Die zynische Entmenschlichung im Namen der Menschenrechte, an die die blutigen Bilder aus dem Irak, Afghanistan und anderen muslimischen Ländern jeden Tag erinnern, hat sich tief in das kulturelle Gedächtnis der Muslime eingebrannt. Samuel Huntington hat zumindest mit einer Aussage recht: „Der Westen hat die Welt nicht durch die Überlegenheit seiner Ideen, seiner Werte oder seiner Religion erobert, sondern durch seine Überlegenheit beim Anwenden organisierter Gewalt. Westler vergessen diese Tatsache oft, Nicht-Westler nie.“ Wie soll die muslimische Welt an unsere Werte Menschenwürde, Rechtsstaat und Demokratie glauben, wenn sie von uns nur Unterdrückung, Erniedrigung und Ausbeutung erlebt? Ist es wirklich erstaunlich, dass Extremisten immer mehr Zulauf bekommen? Dass einige Menschen irgendwann zurückschlagen, wenn ihre Familien wieder und wieder von unseren Vernichtungsmaschinen niedergewalzt werden? Niemand kommt als Terrorist auf die Welt.</p>
<p>Trotz allem sind die Liebenswürdigkeit und Gastfreundschaft, die westlichen Besuchern in orientalischen Ländern noch immer entgegengebracht werden, überwältigend. Ohne Probleme kann man nicht nur im säkularen Syrien, sondern auch im theokratischen Iran religiöse Stätten besichtigen –Kirchen, Synagogen und Moscheen. Die meisten Muslime haben mehr Respekt vor Judentum und Christentum als wir selbst. Trotz Ablehnung der US-Außenpolitik bewundern sie den Westen in vielem. Junge Muslime tragen mit Vorliebe (imitierte) westliche Turnschuhe, Jeans und T-Shirts. Sie wären unter Beibehaltung ihres Glaubens in vielen Dingen gerne wie wir – frei, modern und auf ihre Weise demokratisch. Sie würden auch Amerika gerne lieben, wenn es dieses Amerika, einst der Hoffnungsträger der Unterdrückten der Welt, ohne seine blutige Außenpolitik gäbe.</p>
<p>Die muslimische Welt ist ganz anders, als sie von westlichen TV-Medien dargestellt wird, wenn diese uns selbstproduzierte Zerrbilder eines gegen den Westen randalierenden Mobs präsentieren. Im September 2001 zeigten viele TV-Sender nach den Anschlägen auf das World Trade Center jubelnde palästinensische Kinder. Doch die Bilder waren gestellt. Nach Berichten der israelischen Tageszeitung <em>Haaretz</em> hatte man den Kindern Süßigkeiten geschenkt, damit sie vor den Kameras jubelten. Antiwestliche Demonstrationen finden in der arabischen Welt in der Regel nur dann statt, wenn ihre “Spontaneität“ in Zusammenarbeit mit westlichen Fernsehsendern präzise organisiert und inszeniert  wird. Sobald die Kameras abgeschaltet sind, werden die „TV-Demonstranten“ in denselben Lastwagen, in denen sie angekarrt wurden, mit einem „Bakschisch“ wieder nach Hause transportiert.</p>
<p>Anders als bei uns gibt es in der muslimischen Welt das Phänomen „Fremdenfeindlichkeit“ überhaupt nicht. Wir sind diesen Ländern wirtschaftlich und technisch weit überlegen – aber nicht menschlich. In Sachen Nächstenliebe, Familiensinn und Gastfreundschaft könnten wir viel von den Muslimen lernen.</p>
<p>Diese Herzlichkeit aber kann, wie im Irak, in rasende Wut umschlagen, wenn der Westen die Rechte der Muslime wieder einmal hohnlachend mit Füßen tritt. Jean-Paul Sartre hat diese selbstzerstörerische Verzweiflung schon 1961 während des Freiheitskrieges der Algerier beschrieben:„Die zurückgehaltene Wut dreht sich im Kreis und richtet unter den Unterdrückten selbst Verheerungen an. Um sich von ihr zu befreien, schlachten sie sich untereinander ab. Die Stämme kämpfen gegeneinander, weil sie den eigentlichen Feind nicht angreifen können – und man kann sich darauf verlassen, dass die Kolonialpolitik ihre Rivalitäten schüren wird. Die Sturmflut der Gewalt reißt alle Schranken nieder. Das ist der Moment des Bumerangs. Die Gewalt schlägt auf uns zurück, und wir verstehen so wenig wie früher, dass es unsere eigene Gewalt ist.“</p>
<p>Die „Koalition der Willigen“ hat den Irakern alles genommen, was ihnen die Chance gegeben hätte, sich so „edel, hilfreich und gut“ zu verhalten, wie wir uns gerne selbst sehen. Sie hat alle Strukturen ihres Staates zertrümmert, sie hat ihre Würde, ihren Stolz in den Staub getreten. Sie hat die Iraker systematisch gegeneinander aufgehetzt. Was ist das für eine Scheinheiligkeit, mit der sich der Westen nun „wundert“, dass diese Strategie tatsächlich funktioniert und dass die Verzweiflung der Iraker manchmal in Selbstvernichtung umschlägt?</p>
<p>Das mit rassistischem Ekel ausgesprochene „Bei uns würde so etwas nie passieren“ fällt in sich zusammen, wenn man daran erinnert, dass 1977 in New York schon ein Stromausfall und 2005 in New Orleans ein Hurrikan genügten, um massenhafte Plünderungen, Mord und Totschlag auszulösen. Homo homini lupus – der Mensch ist dem Menschen ein Wolf (Thomas Hobbes). Das gilt nicht nur für Muslime, sondern auch für Juden und Christen.</p>
<h2>3. Islamisch getarnte Terroristen sind Mörder. Für christlich getarnte Anführer völkerrechtswidriger Angriffskriege kann nichts anderes gelten.</h2>
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<p>Die von arabischen Terroristen seit Mitte der 90er-Jahre verübten Anschläge gegen westliche Einrichtungen sind aus deren Sicht eine Antwort auf den nicht endenden „organisierten Raubmord“ des Westens. Sie kosteten, einschließlich der Anschläge auf das World Trade Center, über 5.000 westliche Zivilisten das Leben. Sie sind moralisch völlig inakzeptabel. Der Zweck heiligt nie die Mittel. Die Anschläge auf das World Trade Center wurden daher von allen muslimischen Regierungen, von Syrien und dem Iran, ja sogar von Hisbollah und Hamas, verurteilt. In vielen muslimischen Ländern legten Menschen erschüttert Blumen vor der US-Botschaft nieder. Terroristen, die Unschuldige töten, sind keine Freiheitskämpfer, keine Widerstandskämpfer, keine heiligen Krieger und keine Märtyrer. Sie sind Mörder.</p>
<p>Aber sind nicht auch die Hintermänner völkerrechtswidriger Angriffskriege Terroristen und Mörder – auch ihrer eigenen Soldaten? Muss man, wenn man über die 5.000 von Al-Qaida ermordeten Westler spricht, nicht auch über die hunderttausenden irakischen Zivilisten sprechen, die durch George W. Bushs völkerrechtswidrigen Krieg getötet wurden? Gelten die rechtlichen Maßstäbe, die wir an Saddam Hussein oder Slobodan Milosevic anlegen, nicht auch für westliche Regierungschefs? Warum wagen die westlichen Eliten nicht einmal die <em>Frage</em> zu stellen, ob George W. Bush und Tony Blair wegen ihres auf Lügen gebauten Irakkriegs nicht vor ein internationales Strafgericht gestellt werden müssten?</p>
<p>In der Urteilsbegründung des Nürnberger Kriegsverbrechertribunals heißt es: „Die Entfesselung eines Angriffskriegs ist das größte internationale Verbrechen, das sich von anderen Kriegsverbrechen nur dadurch unterscheidet, dass es in sich alle Schrecken vereinigt und anhäuft.“ Der amerikanische Chefankläger Robert Jackson formulierte damals: „Nach dem gleichen Maß, mit dem wir heute die Angeklagten messen, werden wir morgen von der Geschichte gemessen werden.“</p>
<p>Angriffskriege sind „der Terrorismus der Reichen“, sagt Peter Ustinov. Für ein irakisches Kind macht es keinen Unterschied, ob es von einem „islamischen“ Selbstmordattentäter oder von einer „christlichen“ Bombe zerfetzt wird. Für dieses Kind sind George W. Bush und Tony Blair genauso Terroristen wie Bin Laden für uns.</p>
<p>Die hohe Zahl ziviler Opfer militärischer Einsätze wird häufig mit dem Argument entschuldigt, diese „Kollateralschäden“ entstünden nicht vorsätzlich. Das ist – zumindest bei Luftangriffen – unredlich, denn der Tod von Zivilisten wird dabei fast immer billigend in Kauf genommen. „Billigende Inkaufnahme“ aber bedeutet in entwickelten Rechtssystemen Vorsatz. Die meisten Bombenangriffe sind zudem uneffektiv. Mit Kommandoeinsätzen am Boden könnte man meist viel mehr erreichen. Allerdings müsste man dann eine größere Zahl eigener Opfer in Kauf nehmen. Das aber könnte Wählerstimmen kosten. So lässt man lieber Streubomben abwerfen und nimmt den Tod von Zivilisten in Kauf. Streubombenabwürfe aus sicheren Pilotenkanzeln sind die feigste Form des Terrorismus der Mächtigen. Die Legende vom anständigen Krieg ist die größte Lüge der Menschheit. „Dulce bellum inexpertis – Krieg ist nur süß für die, die ihn nicht kennen“ (Erasmus von Rotterdam).</p>
<p>Bewaffneter Widerstand gegen völkerrechtswidrige Kriege und Besatzung ist trotzdem nur dann legitim, wenn er sich an das humanitäre Kriegsvölkerrecht hält. Selbstmordanschläge gegen andersgläubige Zivilisten, wie wir sie jeden Tag im Irak und anderswo erleben, sind  Terrorismus. Mit legitimem Widerstand haben sie nichts zu tun. Die spektakulärsten Anschläge gegen Zivilisten im Irak sind allerdings meist von außen gesteuert. Nach einer Stellungnahme des Sprechers der multinationalen Streitkräfte im Irak, General Kevin Bergner, vom 11. Juli 2007 stammen zwischen 80 und 90 Prozent der Selbstmordattentäter aus dem Ausland.</p>
<p>Von diesem fast immer ausländischen Terrorismus gegen Zivilisten streng zu unterscheiden ist der legitime, multikonfessionelle irakische Widerstand gegen die ausländische Besatzung. Dieses Widerstandsrecht kann den Irakern niemand nehmen. Es ist ein zeitloses, unantastbares Recht aller Völker. Die große Mehrheit der irakischen Bevölkerung steht hinter diesem Widerstand, der Angriffe auf Zivilisten ausdrücklich ablehnt. An diesem Widerstand beteiligen sich nicht nur sunnitische und schiitische Muslime, sondern auch Christen. Die Zahl der christlichen Widerstandskämpfer im Irak ist höher als die der Al-Qaida-Kämpfer. Auch Frauen kämpfen im multikonfessionellen irakischen Widerstand. Ist das wirklich überraschend? Was würden wir tun, wenn feindliche Panzer auf unseren Straßen stünden? Sind nur befreundete Widerstandskämpfer „Freiheitskämpfer“, andere aber immer „Terroristen“?</p>
<p>Den Medienkrieg haben die Iraker längst verloren. Täglich gibt es noch immer mindestens hundert militärische Aktionen der Besatzungsstreitkräfte gegen die irakische Bevölkerung und etwas gleichviele Gegenangriffe des Widerstands auf die Besatzungstruppen und ihre Verbündeten. Die Zahl der Selbstmordanschläge gegen Zivilisten liegt nur bei einem Bruchteil, maximal bei zwei oder drei pro Tag. Trotzdem strahlen TV-Medien fast ausschließlich Bilder dieses schrecklichen, meist ausländischen Selbstmordterrors aus, als sei er typisch für den Kampf der Iraker gegen die USA. Sie zeichnen so ein völlig verzerrtes Bild der Lage im Irak. Den wirklichen Krieg sehen wir nicht. Das Pentagon nutzt sein Informationsmonopol im besetzten Iral gnadenlos aus.</p>
<p>Selbstverständlich wären gewaltfreie Aktionen im Stil Mahatma Gandhis oder Martin Luther Kings jedem gewaltsamen Widerstand vorzuziehen, auch dem legitimen Widerstand. Im Glaubenskrieg zwischen den Stadtstaaten Mekka und Medina erzielte Mohammed seinen faszinierendsten Erfolg, als er zur Verblüffung seiner mekkanischen Gegner mit seinen Gefolgsleuten unbewaffnet vor den Toren Mekkas erschien und Zugang zu den heiligen Stätten forderte. Passiver Widerstand aus der Kraft des Glaubens würde auch den irakischen Widerstand glaubwürdiger machen. Aber haben wir der Welt nicht jahrhundertelang vorgeführt, dass nur der Gewalttätige Erfolg hat?</p>
<h2>4. Muslime waren und sind mindestens so tolerant wie Juden und Christen. Sie haben die westliche Kultur entscheidend mitgeprägt.</h2>
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<p>Es waren keine Muslime, die den „heiligen Krieg“ erfanden und auf Kreuzzügen unter dem Motto „Deus lo vult – Gott will es“ (Urban II.) über vier Millionen Muslime und Juden niedermetzelten. Es waren keine Muslime, die in Jerusalem „bis zu den Knöcheln im Blut“ wateten, bevor sie „glücklich und vor Freude weinend“ zum Grab des Erlösers gingen, wie ein Zeitzeuge berichtet. Der Islam kennt das Wort „heilig“ im Zusammenhang mit Krieg überhaupt nicht. Djihad heißt „Anstrengung, sich abmühen auf dem Weg zu Gott“ (Hans Küng), eine Anstrengung, die bis zum Verteidigungskrieg führen kann. Nirgendwo im Koran heißt Djihad „heiliger Krieg“. Kriege sind nie „heilig“, heilig ist nur der Frieden. Der „heilige Krieg“ ist ein Begriff des Alten Testaments (vgl. Jeremia 51,27).</p>
<p>Es waren auch keine Muslime, die im Namen der Kolonisierung Afrikas und Asiens bis zu 50 Millionen Menschen massakrierten. Es waren keine Muslime, die den Ersten und Zweiten Weltkrieg mit fast 70 Millionen Toten anzettelten. Und es waren keine Muslime, sondern wir Deutsche, die in einem industriemäßig organisierten Zivilisationsbruch sechs Millionen Juden – Mitbürger, Freunde und Nachbarn – schändlich ermordeten. Keine andere Kultur war in den vergangenen Jahrhunderten gewalttätiger und blutiger als die abendländische. Wann haben sogenannte „christliche“ Politiker dem Christentum, dieser wunderbaren Religion der Liebe, jemals Ehre gemacht?</p>
<p>Niemand kann bestreiten, dass die territoriale Expansion der muslimischen Dynastien zwischen dem 7. und dem 17. Jahrhundert – wie die der europäischen Mächte jener Zeit – meist mit dem Schwert geführt wurde. Auch von muslimischer Seite gab es unentschuldbare Massaker. Muslimische Eroberer haben in der Regel jedoch nicht versucht, Christen und Juden den Islam aufzuzwingen, sie zu vertreiben oder auszurotten. Als Saladin 1187 nach hartem Kampf Jerusalem zurückeroberte, verzichtete er demonstrativ auf Rache und schenkte der christlichen Bevölkerung gegen ein Kopfgeld die Freiheit. Armen Christen erließ er das Kopfgeld. Toleranz gegenüber Christen und Juden war Gesetz und Stolz der muslimischen Zivilisation. Unter muslimischer Herrschaft blieben ganze Völker christlich oder jüdisch, während die „christliche“ Inquisition Andersgläubige auf Scheiterhaufen verbrannte.</p>
<p>Als der muslimische Feldherr Tariq ibn-Ziyad 711 auf der Iberischen Halbinsel landete, begannen über siebenhundert Jahre kultureller und wissenschaftlicher Blüte, von deren Ausstrahlung die westliche Zivilisation bis heute profitiert. Im damals modernsten Staat Europas entwickelte sich ein beispiellos erfolgreiches Miteinander von Muslimen, Juden und Christen. Den Juden ging es unter muslimischer Herrschaft viel besser als unter „christlicher“. Erst als der „christliche“ König Ferdinand von Aragon 1492 im Rahmen der Reconquista Granada, die letzte muslimische Bastion in Spanien, eroberte, begann eine erbarmungslose Judenvertreibung. Hunderttausende Juden, die, jahrhundertelang angesehen und mit höchsten Ämtern ausgezeichnet, mit ihren muslimischen Mitbürgern harmonisch zusammengelebt hatten, wurden aus dem Land gejagt. Die meisten flohen in muslimische Länder rund um das Mittelmeer. Risse bekam das Miteinander von Christen, Juden und Muslimen in den muslimischen Ländern erst durch den Kolonialismus und den Nationalismus des 19. und 20. Jahrhunderts. Die armenische Tragödie ist ein Ergebnis nationalistischer, nicht religiöser Intoleranz.</p>
<p>Muslime überlieferten uns im aufgeklärten andalusischen Zeitalter nicht nur die versunkenen Schätze griechisch-römischer Kultur und Philosophie. Sie schufen auch neue Wissenschaften. Ihnen sind die Anfänge der experimentellen Optik, der Kompass, die Kenntnis der Planetenlaufbahnen und wesentliche Teile der modernen Medizin und Pharmazie zu verdanken. Auch wenn wir es nicht wahrhaben wollen: Wir leben heute in einer jüdisch, christlich <em>und</em><strong> </strong>islamisch geprägten Kultur.</p>
<h2>5. Nicht nur in der Bibel, auch im Koran sind die Liebe zu Gott und die Liebe zum Nächsten die zentralen Gebote.</h2>
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<p>Beim Vergleich der Texte erweist sich der Koran als mindestens so tolerant wie das Alte und das Neue Testament. Zwar drücken sich Gott und seine Propheten in allen drei Schriften teilweise sehr martialisch aus. So heißt es im Alten Testament im Buch Numeri 31,7.15.17: „Sie zogen gegen Midian zu Feld, wie der Herr es Mose befohlen hatte, und brachten alle männlichen Personen um (&#8230;) Er (Mose) sagte zu ihnen: Warum habt ihr alle Frauen am Leben gelassen? (&#8230;) Nun bringt alle männlichen Kinder um und ebenso alle Frauen, die schon (&#8230;) mit einem Mann geschlafen haben.“</p>
<p>Im Neuen Testament wird Jesus bei Matthäus 10,34 zitiert: „Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert.“ In seinen Tischreden erklärte der wortgewaltige Protestant Martin Luther: „Mit Ketzern braucht man kein langes Federlesen zu machen. Während sie auf dem Scheiterhaufen zugrunde gehen, sollte der Gläubige das Übel an der Wurzel ausrotten und seine Hände im Blute der Bischöfe und des Papstes baden.“ Nicht weniger kriegerisch heißt es im Koran in Sure 4,89: „Sie wünschen, dass ihr ungläubig werdet, wie sie ungläubig sind (&#8230;). Nehmt (&#8230;) keinen von ihnen zum Freund, ehe sie sich nicht auf Allahs Weg begeben. Und wenn sie (in offener Feindschaft) den Rücken kehren, ergreift und tötet sie, wo immer ihr sie findet.“</p>
<p>Extremisten und Hassprediger in Ost und West vernachlässigen fast immer den historischen Kontext dieser Passagen. Moses, Jesus und Mohammed wurden nicht in ein geschichtliches Vakuum hineingeboren, sondern in eine kriegerische Welt. Bei oberflächlicher Betrachtung wäre das Alte Testament in seinen historischen Ausführungen übrigens das blutigste der drei heiligen Bücher – viel blutiger als der Koran. Jeder Kenner des Alten Testaments weiß jedoch, dass dessen zentrales Gebot  – nach dem Gebot der Gottesliebe und der Gerechtigkeit – lautet: „Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst!“ (Levitikus 19,18). Auch für Christen sind Nächstenliebe und Gerechtigkeit nach der Liebe zu Gott die wichtigsten Gebote (Matthäus 5,6.10).</p>
<p>Für Muslime stellt der Koran fest: „Seid gut (&#8230;) zu dem Nachbarn, sei er einheimisch oder aus der Fremde“ (Sure 4,36). Auch im Islam gelten die „Zehn Gebote“ einschließlich des Tötungsverbots – mit Ausnahme des Sabbat-Gebotes, da Gott nach islamischer Auffassung nach der Erschaffung der Welt keinen Ruhetag benötigte. Der Koran plädiert für „mehr Menschlichkeit und mehr Gerechtigkeit“ (Hans Küng). Das Hauptproblem der westlichen Korandebatte besteht darin, dass jeder über ihn redet, aber kaum einer ihn gelesen hat. Die kriegerischen Passagen des Korans beziehen sich „erkennbar auf die damaligen Glaubenskriege zwischen Mekka und Medina und damit ausschließlich auf die Mekkaner und Medinesen jener Zeit“, wie der ägyptische Religionsminister Mahmoud Zakzouk zu Recht festgestellt hat.</p>
<p>In Sure 29,46 heißt es: „Unser Gott und euer Gott ist ein und derselbe“, auch wenn Gott auf Hebräisch Jahwe und auf Arabisch Allah heißt – selbst für arabische Christen. Ist es nicht eine ungeheuerliche Gotteslästerung, wenn Juden, Christen und Muslime die Bibel und den Koran als Waffe missbrauchen, um sich gegenseitig ihre Vorstellung von diesem einen Gott einzubläuen?</p>
<p>Terror ist nie religiös: Es gibt keinen „islamischen“ Terrorismus, so wie der Terrorismus der nordirischen IRA nie „christlich“ oder „katholisch“ war. Wer sich als Terrorist teuflischer Methoden bedient, kann sich nicht auf Gott berufen. Es gibt lediglich einen islamisch maskierten Terrorismus, und der führt, wie christlich oder demokratisch maskierte Angriffskriege, nicht ins Paradies, sondern in die Hölle. Die Behauptung, Gewalt sei vor allem ein religiöses Problem, ist eine atheistische Legende. Die Menschen mordeten, bevor es Religionen gab und danach. Die Massenmorde der Nationalsozialisten wie auch der sowjetischen und der chinesischen Kommunisten sind der traurige Beweis dafür, dass der Mensch das grausamste aller Geschöpfe ist – mit und ohne Religion.</p>
<p>Die erschreckende Faszination des heutigen Selbstmordterrorismus beruht auf zwei Schamlosigkeiten: Auf der Schamlosigkeit einiger westlicher Politiker, die noch immer im 10 : 1-Rhythmus muslimisches Blut vergießen. Und auf der Schamlosigkeit, mit der die Hintermänner des Terrorismus den Koran verdrehen und jungen Muslimen vorgaukeln, sie müssten sich nur als Selbstmordattentäter in die Luft sprengen, um zu Märtyrern des Islam zu werden.</p>
<h2>6. Die westliche Politik gegenüber der muslimischen Welt leidet unter einer erschreckenden Ignoranz einfachster Fakten.</h2>
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<p>Einer der Lieblingssätze westlicher Stammtischstrategen lautet: „Wer den Ruf des Muezzins in unseren Städten verlangt, sollte auch in Teheran das Glockenläuten zulassen.“ Die Realität jedoch ist: In Teheran läuten die Glocken von 34 Kirchen, und christliche Kinder haben ihren eigenen Religionsunterricht. In Teheran existieren sieben Synagogen, rund 4000 jüdische Kinder besuchen jüdische Schulen. Es gibt sechs koschere Metzger, zwei koschere Restaurants und ein jüdisches Krankenhaus, dem kürzlich sogar Irans Zündler Mahmud Ahmadinedschad Geld spendete.</p>
<p>Den 25 000 Juden steht verfassungsrechtlich ein Parlamentssitz zu, ähnlich wie den Christen. Selbst Ayatollah Khomeini verfasste 1979 kurz nach der Revolution eine „Fatwa“ zum Schutz der Juden. An vielen iranischen Synagogen stehen seine Worte: „Wir achten die religiösen Minderheiten, die Teil unseres Volkes sind. Der Islam erlaubt nicht, sie zu unterdrücken.“</p>
<p>Die Beziehungen zwischen Juden und Persern sind seit Urzeiten gut. Es war ein persischer König, Kyros der Große, der 538 v. Chr. die Juden aus der Babylonischen Gefangenschaft befreite. Die Bibel nennt ihn den „geliebten Hirten und Gesalbten Gottes“. Juden und Christen haben als „Schutzbefohlene“ im Iran zwar nicht die gleichen politischen Rechte und Pflichten wie Muslime. Aber gewähren wir den Muslimen im Alltag Europas die gleichen Rechte wie Christen und Juden? Gewährt Israel seinen arabischen Mitbürgern in der täglichen Praxis wirklich die gleichen Rechte wie seinen jüdischen Bürgern?</p>
<p>Es gibt in der Tat jene bösartigen „antizionistischen“, antiisraelischen Äußerungen Ahmadinedschads. In der iranischen Bevölkerung hat diese aggressive Position, die reich an politischer Torheit und arm an geschichtlicher Einsicht ist, jedoch kaum Rückhalt. Selbst die geistliche Führung des Iran hat Ahmadinedschad mehrfach dafür gerügt. Allerdings ist dieser törichte Antizionismus nicht gleichbedeutend mit Judenhass und Antisemitismus. Auch orthodoxe Juden, wie etwa die chassidischen Satmar, lehnen einen israelischen Staat „vor Ankunft des Messias“ ab und nehmen damit eine „antizionistische“ Position ein.</p>
<p>Wirklichen Antisemitismus und staatliche Judenverfolgung wie in Europa hat es im Iran und in anderen muslimischen Staaten nie gegeben. Während der Nazi-Zeit flohen viele europäische Juden über den Iran in die Freiheit. Die Juden im Iran sind angesehene Mitbürger. Der jüdische Direktor des jüdischen Krankenhauses von Teheran, Ciamak Morsathegh, brachte es auf eine für Europa peinliche Formel: „Antisemitismus ist kein islamisches, sondern ein europäisches Phänomen.“</p>
<p>Das ist keine Entschuldigung für die schlimmen Provokationen Ahmadinedschads, der mit außenpolitischem Getöse versucht, von seinem innenpolitischen Versagen abzulenken. Das konservative iranische Blatt <em>Jomhuri-ye Eslami</em> warf ihm im Februar 2007 zu Recht vor, sein Ton sei „so widerwärtig, dass die internationale Öffentlichkeit völlig unnötig den Eindruck von Feindseligkeit gewinnt“. Er solle endlich mit „seiner Phrasendrescherei und seinen Pöbeleien“ aufhören. Auch die für das repressive iranische System verantwortlichen Mullahs sind bei der iranischen Jugend äußerst unbeliebt. Sie werden nur noch als lästige Fortschrittsbremse, als Relikt der Vergangenheit empfunden. Das revolutionäre religiöse Feuer der späten siebziger und frühen achtziger Jahre ist längst erloschen. Die Zeit der Mullahs und der Ahmadinedschads läuft ab.</p>
<p>Vor Ahmadinedschad hatte der Iran übrigens mit Mohammed Chatami acht Jahre lang einen weltoffenen, reformbereiten Regierungschef. Er stand für Demokratie, Menschenrechte und für eine Stärkung der Rechte der Frauen. Aber er war zum Ärger der US-Regierung ein unabhängiger Kopf und keine Marionette. Die USA haben ihm nie eine Chance gegeben. Die außen- und innenpolitische Erfolglosigkeit Chatamis war einer der Hauptgründe für die massive Wahlenthaltung der reformbereiten Mittelschicht, die 2005 zur überraschenden Wahl Ahmadinedschads führte. Der Westen ist am Aufstieg dieses lauten Volkstribuns nicht unschuldig. Trotzdem hat der Iran, diese große Kulturnation mit ihren liebenswerten und vornehmen Menschen, eine weltoffenere, tolerantere, menschenrechtsfreundlichere Regierung verdient. Aber gilt das nicht auch für manches westliche Land?</p>
<p>Die westliche Ignoranz gegenüber der muslimischen Welt zeigt sich auch in viel banaleren Fragen als dem Irankonflikt – zum Beispiel in der vor allem in Europa weit verbreiteten Einstufung des muslimischen Kopftuchs als „Kampftuch“ oder als „Symbol für die Unterdrückung der Frau“. Die USA sind in dieser Frage viel toleranter. Das US-Justizministerium nennt die Intoleranz, die sich im Kopftuchverbot zeige, „unamerikanisch und moralisch verwerflich“.</p>
<p>„Wer fünf muslimische Frauen mit Kopftuch befragt“, amüsiert sich die Wochenzeitung <em>Die Zeit</em> über den Kreuzzug für ein kopftuchfreies Europa, „wird fünf verschiedene Botschaften finden. Die eine trägt ihr Kopftuch für Gott, die andere, weil es so gut zu ihren H&#38;M-Klamotten passt. Die dritte Kopftuchträgerin wird sich als vehemente Feministin entpuppen, die vierte verweist auf die dörfliche Sitte, der fünften schließlich hat es ihre ultrasäkulare Mutter verboten, also trägt sie es erst recht.“ Natürlich ist der Zwang, ein Kopftuch zu tragen, nicht hinnehmbar. Aber gilt das Gleiche nicht auch für den Zwang, das Kopftuch abzunehmen?</p>
<p>Auch die Diskussion über die Zwangsehe, die Beschneidung der Frau oder den Ehrenmord wird auf einem erschreckend niedrigen Kenntnisniveau geführt. Über diese völlig inakzeptablen frauenfeindlichen Praktiken steht weder etwas im Koran noch in den „Hadithen“ von Mohammed. Sie stammen aus vorislamischer, patriarchalisch-heidnischer Zeit. Teilweise sind sie mehrere tausend Jahre alt – wie etwa die grauenvolle „pharaonische“ Beschneidung der Frauen. Diese brutale Verstümmelung findet nicht nur in einigen muslimischen Ländern wie Ägypten und Sudan statt, sondern auch in überwiegend christlichen Staaten wie Äthiopien und Kenia. Ihre Opfer sind Musliminnen, Christinnen, jüdische Falashas und Angehörige anderer Religionen. Sogenannte Ehrenmorde gibt es leider ebenfalls unter Christen, etwa in den christlichen Ländern Brasilien, Argentinien oder Venezuela. Die meisten muslimischen (und christlichen)Regierungen gehen zu Recht gesetzlich gegen diese vor- und unislamischen Unsitten und Verbrechen vor.</p>
<p>In manchen muslimischen Ländern ist die „Frauenförderung“ in Teilbereichen weiter fortgeschritten als im Westen. In Ägypten sind 30 Prozent aller Professoren weiblich, in Deutschland nur 10 Prozent. Im Iran sind weit über 60 Prozent aller Studierenden weiblich, sodass nun die Einführung einer Männerquote von 30 Prozent beschlossen wurde. Auch Regierungschefinnen haben in muslimischen Ländern eine längere Tradition als im Westen.</p>
<p>Trotzdem ist noch viel zu tun, um in allen muslimischen Ländern, vor allem in unseren Partnerländern Saudi-Arabien und Afghanistan, aber auch im Iran die volle Gleichberechtigung der Frau zu erreichen. Aber das ist kein Problem des Islam, sondern ein Problem der Politik und antiquierter patriarchalischer Gesellschaftsstrukturen. Dass im Westen die „Frauenhäuser“ aus den Nähten platzen, zeigt, dass auch bei uns Gewalt gegen Frauen ein unbewältigter gesellschaftlicher Missstand ist.</p>
<p>Wir sollten überhaupt mehr vor unserer eigenen Tür kehren: Bis 1957 konnte ein deutscher Mann kraft seines gesetzlich garantierten „Direktionsrechts“ entscheiden, ob seine Frau einen Beruf ausüben durfte. Die Schweizer Männer lehnten bis 1970 das Wahlrecht der Frauen ab – schließlich fordern das Alte wie das Neue Testament die Unterwerfung der Frau unter den Willen des Mannes (vgl. Genesis 3,16 sowie 1 Korinther 14,34f.).</p>
<p>Wer Hass und Intoleranz überwinden will, sollte vor allem die eigene Ignoranz besiegen. Jeder hat ein Recht auf eigene Meinung, aber keiner auf eigene Fakten. Wer hindert uns daran, nach Syrien oder in den Iran zu reisen, um uns eine eigene Meinung über diese fremde, angeblich so gefährliche Welt zu bilden? Die Straßen von Damaskus und Teheran sind viel sicherer als die Straßen von New York oder Detroit. Nach einer UN-Statistik kamen in den USA im Jahr 2006 auf 100 000 Einwohner 5,9 Morde. Im Iran lag diese Quote bei 2,93 und in Syrien bei 1,4. Die meisten muslimischen Staaten sind sicherer als die USA, ja sogar sicherer als die Schweiz, die 2,94 Morde pro 100 000 Einwohner zu verzeichnen hat.</p>
<p>Warum beginnen wir mit dem Dialog der Kulturen nicht in unserem persönlichen Umfeld? Warum bauen wir nicht einen Schüleraustausch zwischen muslimischen und christlichen Ländern – vielleicht sogar mit Israel – auf? Warum stöbern wir nicht in der wunderbaren arabischen Literatur oder bei dem großen deutschen Aufklärer Gotthold Ephraim Lessing, der in <em>Nathan der Weise </em>die berühmte Ringparabel erzählt. Darin vererbt ein Vater (Gott) seinen drei Söhnen, die er gleichermaßen liebt (Judentum, Christentum und Islam) je einen Ring. Das Original hat die Eigenschaft, seinen Besitzer „vor Gott und den Menschen angenehm zu machen“. Die beiden anderen Ringe sind Duplikate. Die Brüder wollen durch einen Richter klären lassen, wer den echten Ring besitzt. Dieser entscheidet salomonisch, Träger des echten Rings sei, wer es schaffe, sich die Liebe seiner Mitmenschen zu verdienen.</p>
<p>Für die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel ist die „schönste Stelle des Stücks“ jene, an welcher der Muslim Saladin den Juden Nathan bittet: „Sei mein Freund.“ Könnten wir nicht alle von dieser alten sephardisch–jüdischen Parabel und ihrem Traum vom friedlichen Wettstreit der Religionen lernen?</p>
<h2>7. Der Westen muss die islamische Welt genauso fair und großzügig behandeln, wie er Israel behandelt. Muslime sind so viel wert wie Juden und Christen.</h2>
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<p>In einer Mischung aus Selbstgerechtigkeit, Ignoranz und Hass halten viele Menschen im Westen den Islam für eine blutrünstige Religion, Muslime gelten als potenzielle Terroristen, als demokratie-, frauen-, juden- und christenfeindlich. Der Freund und geistliche Berater des amerikanischen Präsidenten George W. Bush, Frank Graham, nennt den Islam „eine richtig bösartige und verlogene Religion“. Bill O’Reilly, Fernsehidol der amerikanischen Konservativen, erklärt: „Wir können nicht immer wieder in der muslimischen Welt intervenieren. Was wir tun können, ist, sie in Grund und Boden zu bomben.“ Und die amerikanische Fernsehkommentatorin Ann Coulter meint: „ Wir sollten in ihre Länder einmarschieren, ihre Führer totschlagen und die Bevölkerung zum Christentum bekehren.“ „Wir sollten unseren nationalen Arschkriecherwettbewerb beenden, Syrien ins Steinzeitalter zurückbomben und danach den Iran dauerhaft entwaffnen.“ Die Liste derartiger Äußerungen ließe sich endlos weiterführen.</p>
<p>Man stelle sich nur eine Sekunde vor, Graham, O’Reilly oder Coulter hätten anstelle von „Islam“ die Worte „jüdischer Glaube“ und anstelle von „muslimische Länder“ das Wort „Israel“ verwendet. Hätte sich nicht zu Recht ein Orkan der Entrüstung erhoben? Warum darf man über Muslime und ihre Religion faschistoide Dinge sagen, die in Bezug auf Christen und Juden zu Recht geächtet sind? Wir müssen diese Dämonisierung des Islam und der Muslime beenden. Sie ist nicht nur beschämend, sie schadet auch unseren Interessen.</p>
<p>Die zunehmende Vertiefung des Grabens zwischen Orient und Okzident gefährdet auch die Sicherheit Israels. Die langfristig sicherste Garantie für das Überleben Israels und seiner fünf Millionen Juden ist nicht die Feindschaft, sondern die Freundschaft seiner 300 Millionen näheren und ferneren arabischen Nachbarn. Hierzu muss der Westen, aber auch Israel einen fairen Beitrag leisten.</p>
<p>Seine sittliche Größe erlangte das jüdische Volk nicht durch seine militärischen Siege und auch nicht durch die beeindruckende Zahl seiner Talente. Seine sittliche und Einzigartigkeit erreichte es durch seine Gottesfurcht, seine Weisheit, seinen Humanismus und seine Kreativität sowie durch seinen langen, tapferen und oft listigen Kampf für Gerechtigkeit und gegen Unterdrückung. Dass Israel nach dem Holocaust auch auf Waffen setzt, ist verständlich. Auch die Härte, mit der es legitime Interessen vertritt. Aber Härte ohne Gerechtigkeit ist eine Strategie ohne Perspektive. Wenn das schöpferische Israel nur noch zerstört, zerstört es sich selbst. Israel muss, wie der gesamte Westen, mindestens so viel in Gerechtigkeit investieren wie in Waffen. Die Behandlung der Palästinenser entspricht nicht der sittlichen Größe und Einzigartigkeit des jüdischen Volkes. Gerade als Bewunderer der jüdischen Kultur kommt man an dieser Feststellung nicht vorbei.</p>
<p>Auch die Palästinenser müssen ihre Politik ändern. Der Westen hat recht, wenn er von ihnen einen Gewaltverzicht gegenüber Israel verlangt. Aber muss er nicht auch von Israel einen Gewaltverzicht gegenüber den Palästinensern fordern? Nach Angaben der israelischen Menschenrechtsorganisation B’Tselem wurden 2007 im israelisch-palästinensischen Konflikt 13 Israelis getötet. Ihnen standen jedoch 384 von israelischen Sicherheitskräften getötete Palästinenser gegenüber.</p>
<p>Eine Aussöhnung zwischen Juden und Arabern ist genauso möglich wie das Wunder der Aussöhnung zwischen Deutschen und Franzosen. Juden und Araber haben religiös, kulturell und geschichtlich mehr gemeinsam, als den meisten bewusst ist. Sie haben „mit Abraham und Moses dieselben Eltern“, wie Israels Präsident Schimon Peres treffend formulierte. Jahrhundertelang wurden sie gemeinsam gejagt – nicht nur während der Kreuzzüge und der Reconquista. Die französische Vichy-Regierung beispielsweise wendete gegen die Juden die gleichen rassistischen Diskriminierungsgesetze an, die sie vorher mit „Erfolg“ an den Algeriern getestet hatte (Olivier Le Cour Grandmaison).</p>
<p>Wir Deutsche haben eine historische Verantwortung gegenüber Israel und seinem Existenzrecht – gestern, heute und morgen. Das jüdische Volk hat aufgrund seiner Geschichte und nach all dem, was es jahrtausendelang erdulden und erleiden musste, eine sichere Heimat in Palästina verdient. Aber genau aus diesem Grund haben wir auch eine historische Verantwortung gegenüber den Palästinensern. Sie tragen die Schuld ab, die Deutschland mit dem Holocaust für immer auf sich geladen hat. Hat der jüdische Politologe Alfred Grosser nicht recht, wenn er sagt: „Wer Hitler abschütteln will, muss (auch) die Palästinenser verteidigen“?</p>
<p>Die eigentliche Lehre aus dem Holocaust heißt, dass wir nie wieder tatenlos zusehen dürfen, wenn Menschen unterdrückt, entrechtet und gedemütigt werden. Wir hätten uns für die Juden schon damals einsetzen müssen, als sie noch schwach waren, und nicht erst heute, da sie stark und einflussreich sind. Verspäteter Mut ist der opportunistische Bruder der Feigheit. Es ist schon ein bizarres Schauspiel, das manche westliche Politiker aufführen, wenn sie von Jahr zu Jahr entschlossener und mutiger gegen das Unrecht von gestern „kämpfen“, während sie zum Unrecht von heute schweigen. Man kann auch durch Schweigen schuldig werden.</p>
<p>Die Herausforderung unserer Zeit heißt mitzuhelfen, die offenen Wunden im Nahen und Mittleren Osten zu schließen. Durch Sicherheitsgarantien für Israel, zu denen Europa einen robusten militärischen Beitrag leisten muss, aber auch durch Hilfen beim Aufbau eines lebensfähigen palästinensischen Staates. Wir müssen Brücken bauen, keine Mauern. Ein vom Westen geförderter palästinensischer Modellstaat, der das Existenzrecht Israels in gerechten Grenzen anerkennt und sich jeder Form von Terrorismus entgegenstellt, wäre ein wirklicher Neubeginn für den Mittleren Osten, aber auch für das Verhältnis der westlichen Welt zur muslimischen Welt.</p>
<p>So wie bisher können wir nicht weitermachen. Die „Antiterrorkriege“ gegen die muslimischen Länder Afghanistan und Irak haben mit 700 Milliarden Dollar inzwischen mehr gekostet als der Vietnamkrieg. Allein im Irak geben die USA jährlich mehr als hundert Milliarden Dollar für den Krieg aus, aber weniger als fünf Milliarden für den wirtschaftlichen Wiederaufbau. Kann man angesichts dieser Zahlen wirklich ernsthaft fragen, wie eine erfolgreiche Alternative zur augenblicklichen „Anti-Terror-Politik“ aussehen könnte?</p>
<p>Wir müssen dieses Zahlenverhältnis umdrehen. Wir müssen die muslimische Welt genauso fair und großzügig behandeln, wie wir zu Recht Israel behandeln. Wir müssen dem internationalen Terrorismus endlich die Argumente entziehen.</p>
<h2>8. Die Muslime müssen sich wie ihr Prophet Mohammed für einen Islam des Fortschritts und der Toleranz einsetzen. Sie müssen dem Terrorismus die religiöse Maske vom Gesicht reißen.</h2>
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<p>Nicht nur der Westen, auch die muslimische Welt muss ihr Verhalten fundamental ändern. Gerade gemäßigte Muslime müssen – unter Wahrung ihrer religiösen Identität – mutiger für Freiheit und Rechtsstaatlichkeit eintreten. Für eine Staats- und Wirtschaftsordnung, die dieTalente der Menschen entfesselt, statt sie zu lähmen. Für die völlige Gleichberechtigung von Mann und Frau. Für wirkliche Religionsfreiheit – für einen Islam der Toleranz und des Fortschritts. Die vielen Millionen im Westen lebenden Muslime könnten dabei eine wichtige Rolle übernehmen.</p>
<p>Die gemäßigte Mehrheit der Muslime muss die faszinierende Botschaft ihres Propheten Mohammed in die Neuzeit übersetzen und die gesellschaftlichen Reformen fortführen, die dieser unter Einsatz seines Lebens begonnen hatte. Sie muss den vorislamischen Ballast abwerfen, der die Renaissance der muslimischen Zivilisation behindert. Sie muss eine Bildungselite schaffen, die die muslimische Welt erfolgreich ins dritte Jahrtausend führt. Mohammed, Marktwirtschaft und Moderne passen sehr wohl zusammen.</p>
<p>Anders als viele muslimische Politiker unserer Tage war Mohammed kein Reaktionär. Er sehnte sich nicht wie diese 400 Jahre zurück. Er war ein kühner, nach vorne blickender, egalitärer Revolutionär, der den Mut hatte, die Fesseln der Tradition zu sprengen. Sein Islam war keine Religion des Stillstands oder des Rückschritts, sondern der Erneuerung und des Aufbruchs. Wenigstens etwas von der Dynamik dieses großen Reformators würde der teilweise in Fatalismus und Selbstmitleid versunkenen muslimischen Welt gut tun.</p>
<p>Mohammed kämpfte mit Leidenschaft für soziale Veränderung, er trat für die Armen und Schwachen ein und – zum Ärger vieler seiner männlichen Anhänger – für eine massive Stärkung der Rechte der Frauen, die in vorislamischer Zeit in fast allen Kulturen nahezu rechtlos waren. Frauenunterdrücker können sich weder auf Mohammed noch auf den Koran berufen.</p>
<p>Mohammed war, wie unsere jüdischen Urväter Abraham, Moses und König Salomo, der laut Bibel tausend Haupt- und Nebenfrauen hatte, mit mehreren Frauen verheiratet – darunter einer Jüdin und einer Christin, die ihrer Religion auch nach der Eheschließung treu blieben. Er mahnte seine Anhänger: „Wer einem Juden oder Christen Unrecht tut, dem werde ich am Tage des Jüngsten Gerichts entgegentreten.“ Mohammed war kein Fanatiker und kein Extremist. Er wollte den damals polytheistischen Arabern den Gott der Juden und Christen nahe bringen – in unverfälschter, reinster Form. Der Koran ist streckenweise eine wunderbare Nacherzählung der zentralen Botschaften der Bibel, „ein Buch, das das Buch Moses in arabischer Sprache bestätigt“ (Sure 46,12). Aus muslimischer Sicht ist der Koran das „Neueste Testament“.</p>
<p>Als Mohammed im Jahr 628 nach der Kapitulation Mekkas die Kaaba betrat und – im Stile der Tempelreinigung Jesu – eine Götzenstatue nach der anderen zerschmetterte, verschonte er voller Respekt nur das Bildnis Jesu und seiner Mutter Maria. Beide waren für ihn rein und unantastbar. Immer wieder kündigte Mohammed die Auferstehung Jesu vor dem Jüngsten Gericht an: „Wie glücklich werdet ihr sein, wenn der Sohn Marias zu euch herabsteigen wird“, erklärte er. Jesus und Maria werden im Koran äußerst liebevoll als „Zeichen für alle Welt“ beschrieben (Sure 21,91). Auch die großen jüdischen Propheten, allen voran Moses, werden im Koran als Vorbild dargestellt. „Ein Muslim, der nicht an Mohammeds Vorgänger Moses und Jesus glaubt, ist kein Muslim“ (Mahmoud Zakzouk).</p>
<p>Der heutige Terrorismus ist eine absurde Entstellung der Lehren Mohammeds. Er ist ein Verbrechen gegenüber dem Islam. Islam heißt Gottergebenheit und Frieden. Die muslimische Welt darf nicht zulassen, dass ihre große, stolze Religion mit ihrem Ethos der Humanität und Gerechtigkeit durch blindwütige Terroristen in den Schmutz gezogen wird. Niemand hat dem Ansehen des Islam in seiner fast tausendvierhundertjährigen Geschichte mehr Schaden zugefügt als der islamisch maskierte Terrorismus. Die muslimische Welt muss ihm die religiöse Maske vom Gesicht reißen. Sie muss den Götzen Terrorismus genauso zerbrechen, wie Mohammed die Götzen der vorislamischen Zeit zerbrach.</p>
<h2>9. Nichts fördert den Terrorismus mehr als die „Antiterrorkriege“ des Westens. Die muslimischen Länder müssen ihre Probleme mit dem radikalen Islamismus selber ausfechten.</h2>
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<p>Wir müssen auch den westlichen Angriffskriegern die Maske vom Gesicht reißen. Angriffskriege sind nicht nur die unmoralischste, sondern auch die unintelligenteste Form, Terror zu bekämpfen. Der islamisch maskierte Terrorismus ist eine Ideologie. Ideologien kann man nicht erschießen. Man muss ihnen die Grundlage entziehen, sie widerlegen.</p>
<p>Der radikale Islamismus war zu Beginn des Jahres 2001 weltweit am Ende. Der Traum, die innenpolitischen Probleme des Iran, Afghanistans oder des Sudan durch radikale Islamisierung zu lösen, war zum Albtraum verkommen. Verbittert realisierten die Muslime, dass die rigorosen Mullahs aus ihren Ländern trostlose (Religions-)Polizeistaaten gemacht hatten. Im Blitzkrieg der USA hat das afghanische Volk die Taliban demonstrativ allein gelassen – in der Geschichte Afghanistans ein ungewöhnlicher Vorgang.</p>
<p>Angesichts dieses offenkundigen Scheiterns des radikalen Islamismus war der Angriff von Al-Qaida auf New York und Washington nicht nur ein Racheakt, sondern auch der Versuch eines Befreiungsschlags: Er sollte durch diabolische Kühnheit und geniale mediale Inszenierung den radikalen Islamisten die Sympathien der Massen zurückgewinnen. Er sollte die USA zu einer Überreaktion provozieren, die dem radikalen Islamismus wieder Rückenwind geben würde. Dass die Falken der U.S.-Regierung auf eine solche Gelegenheit gewartet hatten, macht alles noch absurder.</p>
<p>Die Rechnung von Al-Qaida ist voll aufgegangen. Die unzähligen Bomben auf die Häupter talibanmüder afghanischer Zivilisten haben dem am Boden liegenden radikalen Islamismus wieder auf die Beine geholfen. Die Afghanen wollten zwar die von den Geheimdiensten der USA, Saudi-Arabiens und Pakistans geschaffenen Taliban und Al-Qaida gerne wieder loswerden. Aber dass dafür Tausende afghanischer Zivilisten zu Tode gebombt wurden, verstanden sie nicht.</p>
<p>Kein einziger der Terroristen, die das World Trade Center angegriffen hatten, stammte aus Afghanistan oder dem Irak. Sie kamen aus Deutschland, Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, dem Libanon und Ägypten. Und um Bin Laden, ihr saudi-arabisches ideologisches Oberhaupt in den Bergen des Hindukusch, auszuschalten, hätte es intelligentere Methoden gegeben als die Bombardierung Kabuls.</p>
<p>So konnte der radikale Islamismus, wie bereits beim sowjetischen Einmarsch 1979, erneut weltweit zum Kampf gegen fremde Invasoren und gegen die eigenen autoritären, prowestlichen Regierungen aufrufen. Die Wahlsiege Ahmadinedschads und der Hamas, der Aufstieg des radikalen Islamismus im säkularen Irak und das Wiedererstarken der Taliban in Afghanistan haben viel mit der Brutalität und Torheit der Antiterrorkriege zu tun. Die radikalen Kräfte im Westen und in der muslimischen Welt haben sich gegenseitig hochgeschaukelt. Letztlich sind Bin Laden und Ahmadinedschad die besten Stichwortgeber George W. Bushs und umgekehrt. Wir müssen dieses tödliche Schaukelspiel so schnell wie möglich beenden.</p>
<p>Der Westen ist nicht legitimiert, überall auf der Welt militärisch gegen radikal-islamische Bewegungen vorzugehen – genauso wenig wie er legitimiert ist, weltweit links- oder rechtsradikale Organisationen militärisch zu bekämpfen. Er hat nicht das Recht, die Welt in ein blutig-chaotisches Schlachtfeld zu verwandeln, um seine Vorstellungen von der Welt durchzusetzen. Westliche <em>Kampf</em>truppen (und deutsche Tornados) haben im Irak, in Afghanistan oder in Somalia nichts verloren. Die muslimischen Länder müssen ihre Probleme mit dem radikalen Islamismus selbst ausfechten. Auch dort, wo dieser in Terrorismus abgleitet, ist es vorrangig Aufgabe nationaler Kräfte, ihn zu bekämpfen. Sie sollten nur in extremen Ausnahmefällen mit Zustimmung des UN-Sicherheitsrats durch internationale Polizei-Sonderkommandos verstärkt werden.</p>
<p>Der Schaden ausländischer Interventionen ist auch dort, wo ehrliche humanitäre Motive dahinterstehen, fast immer größer als der Nutzen. Man muss das Gute nicht nur wollen, sondern auch erreichen. Der Kampf gegen den Terrorismus wird weder am Hindukusch noch in Bagdad <em>militärisch </em>entschieden. Die Entscheidung fällt <em>in den Herzen</em> der 1,4 Milliarden Muslime, die in Ost und West, Nord und Süd die Politik des Westens genau beobachten. Mit jedem durch westliche Bomben getöteten muslimischen Kind wächst der Terrorismus. Wir versinken jeden Tag tiefer im Sumpf unserer eigenen Politik.</p>
<p>Vor allem der Luftkrieg ist als Mittel der Terrorismusbekämpfung kläglich gescheitert. Bin Laden konnte trotz pausenloser Bombenangriffe aus Tora Bora entkommen, weil sich rund um die Höhlen, in denen er vermutet wurde, mehr Journalisten befanden als amerikanische Soldaten. Fast gleichzeitig konnte Taliban-Chef Mullah Omar auf einem Motorrad die lichten Reihen der amerikanischen Truppen durchbrechen. Tora Bora ist das groteske Symbol der Torheit des Antiterror-Kreuzzuges. Ein bizarreres Slapstick-Finale wäre selbst Cervantes, dem Schöpfer Don Quijotes, nicht eingefallen.</p>
<h2>10. Das Gebot der Stunde heißt Staatskunst, nicht Kriegskunst – im Irankonflikt, im Irakkonflikt und im Palästinakonflikt.</h2>
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<p>Die jahrelange, fast kindliche Weigerung des amerikanischen Präsidenten, mit missliebigen Politikern wie Arafat, Assad, Saddam oder Ahmadinedschad persönlich zu sprechen, und die Entscheidung, stattdessen Strategien zu entwickeln, wie man diese – nach Rücksprache mit Gott – aus dem Amt bomben könnte, zählen zu den absurdesten Fehlentscheidungen unserer Zeit. „Wer als Staatsmann dem Frieden dienen will, muss mit dem Staatsmann auf der Gegenseite reden“ (Helmut Schmidt). Auch der Ost-West-Konflikt der Nachkriegsjahre konnte nur gelöst werden, weil sich Ronald Reagan nie zu schade war, die Herrscher des damaligen „Reichs des Bösen“ persönlich zu treffen.</p>
<p>Es stimmt einfach nicht, dass es im Irankonflikt außer der Strategie immer härterer Sanktionen nur noch die „katastrophale Alternative&#8221; „iranische Bombe oder Bombardierung Irans“ gibt (Nicolas Sarkozy). Die entscheidende Alternative zur Ausgrenzung und Dämonisierung großer Kulturnationen wie des Iran ist ihre Wiedereingliederung in den Kreis gleichberechtigter Nationen – mit allen Rechten, aber auch mit allen Pflichten.</p>
<p>Der Iran ist für den Westen vor allem deshalb ein Problem, weil er ihn zur Strafe für die Vertreibung des prowestlichen Schahregimes geächtet und ausgegrenzt und dadurch jeden Einfluss auf seine Politik verloren hat. Diese Entwicklung ist nicht unumkehrbar. „Wenn du einen Feind nicht besiegen kannst, umarme ihn“, sagt ein weises Sprichwort. Die Mehrheit der Iraner ist prowestlich eingestellt. Sie wartet und hofft auf den Westen. Aber nicht auf seine Bomben, die wieder vor allem Unschuldige töten würden. Und auch nicht auf die Invasion seiner Soldaten, sondern auf die „Invasion“ seiner Geschäftsleute und Touristen. Leidenschaftlich plädiert selbst die iranische Regimekritikerin und Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi gegen militärische Aktionen der USA, weil diese „nahezu alle Anstrengungen gefährden, die demokratisch gesinnte Iraner in den letzten Jahren unternommen haben“.</p>
<p>Die komplexen Probleme des Mittleren Ostens lassen sich nur politisch lösen – am besten durch eine KSZE-ähnliche <em>Langfrist-Konferenz</em> für die gesamte Region. An ihr müssen neben dem UN-Sicherheitsrat alle wichtigen Akteure der Region beteiligt werden – einschließlich Syriens und des Iran sowie einschließlich der demokratisch gewählten Repräsentanten Palästinas und der Führung des legitimen irakischen Widerstands. Eine Lösung des Irakkonflikts wird es ohnehin nur geben, wenn die USA wie im Vietnamkrieg mit den Führern des Widerstands verhandeln – natürlich ohne die Terroristen von Al-Qaida. Die Führer des nationalistischen, baathistischen und gemäßigt islamischen Widerstands sind fast alle zu diesen Verhandlungen bereit.</p>
<p>Die Alternative zu verantwortungslosen Kriegen und genauso verantwortungslosem Nichtstun besteht wie im Ost-West-Konflikt der 70er und 80er Jahre in umfassenden harten, aber fairen Verhandlungen. Diese Politik wird wie der KSZE-Prozess nur Sieger kennen. Der brachte Osteuropa nach über anderthalb Jahrzehnten schwieriger Verhandlungen Freiheit, Menschenrechte, Demokratie und wachsenden Wohlstand. Gesamteuropa schenkte er stabilen Frieden und Abrüstung. „Aus Todfeinden wurden Freunde – ohne dass ein einziger Schuss fiel“ (Hans-Dietrich Genscher). Genau das muss das Ziel einer solchen „Middle-East-KSZE“ sein. Vielleicht entsteht auch im Nahen und Mittleren Osten eines Tages ein gemeinsamer Wirtschaftsraum oder sogar noch mehr. Wer hätte vor sechzig Jahren ein Vereintes Europa für möglich gehalten? Politik braucht Visionen, auch im Nahen und Mittleren Osten.</p>
<p>Wie man diese Politik angesichts der gigantischen militärischen Überlegenheit der USA mit der feigen „Beschwichtigungspolitik“ vor dem Zweiten Weltkrieg vergleichen kann, bleibt ein neokonservatives Geheimnis. Es ist keine „Appeasementpolitik“, wenn die jetzige US-Führung aufhört, immer neue Horrormärchen über muslimische Länder zu erfinden, wenn sie aufhört, sich den Weg zu den Rohstoffquellen freizubomben, wenn sie aufhört, die großen Ideale zu zerstören, für die viele Menschen Amerika einst so geliebt haben – und für die sie Amerika so gerne wieder lieben würden.</p>
<p>Welches muslimische Land soll denn – angesichts der nichtausschaltbaren nuklearen und konventionellen Zweitschlagfähigkeit der USA und Israels – den Westen oder Israel auch nur mit minimalen Erfolgsaussichten angreifen können? Selbst für einen nuklear bewaffneten Iran, der in der Tat nicht wünschenswert ist, würde das kleine Einmaleins der Nuklearstrategie gelten: Wer zuerst schießt, stirbt als Zweiter. Wer die USA oder Israel nuklear angreift, kann sich gleich selbst in die Luft sprengen. Die USA können mit ihren Atomwaffen rein rechnerisch 20 Milliarden Menschen töten. Sie könnten die knapp 70 Millionen Iraner dreihundertmal zu Asche verbrennen. Der Iran weiß das – auch sein großspuriger Präsident. Sein Verteidigungshaushalt beträgt gerade mal ein Hundertstel des amerikanischen. Anders als die westlichen Großmächte hat der Iran seit hundertfünfzig Jahren kein anderes Land angegriffen, obwohl er mehrfach angegriffen wurde – auch mit Hilfe des Westens. Noch heute leben dort 400 000 im Krieg mit dem Irak schwer verletzte Invaliden, darunter 50 000 Chemiewaffenopfer, an deren Leid wir nicht unschuldig sind.</p>
<p>Das Iranproblem ist lösbar. Die US-Führung muss hierzu endlich über ihren Schatten springen und sich auf höchster Ebene bilateral oder im Rahmen einer Middle-East-KSZE mit der iranischen Führung an einen Tisch setzen. Sie muss dem Iran – genauso wie sie das gegenüber Nordkorea und letztlich auch gegenüber Libyen getan hat – wesentliche Sicherheitsgarantien anbieten gegen wesentliche Zugeständnisse im Nuklearprogramm und gegen einen nachprüfbaren Verzicht  des Iran auf jede Form der Einmischung im Irak.</p>
<p>Allerdings gehören nicht nur die potentiellen nuklearen Schubladenpläne des Iran, sondern auch die sehr realen Atomwaffen der heutigen Kernwaffenstaaten auf den Schrotthaufen der Geschichte. <em>Alle</em> Nuklearwaffen, auch die amerikanischen, sind – wie Ronald Reagan schon 1986 festgestellt hat – „völlig irrational, völlig inhuman und zu nichts zu gebrauchen als zum Töten“. Sie sind <em>alle</em> eine „Gefahr für unsere Zivilisation“. Selbst Henry Kissinger hat sich 2007 dieser „kühnen Vision einer nuklearwaffenfreien Welt“ angeschlossen. Auch der Atomwaffensperrvertrag fordert unmissverständlich die Abschaffung aller Atomwaffen. Die aktuellen Kernwaffenstaaten befinden sich alle im Zustand permanenter Vertragsverletzung.</p>
<p>Die Hauptgefahr unserer Zeit besteht nicht im Appeasement. Sie besteht darin, dass abendländisch-patriotische Sofa-Strategen, die sich ihren klammheimlichen Rassismus von niemandem nehmen lassen wollen, die Welt in einen ähnlich törichten Automatismus von Gewalt und Gegengewalt hineinschlittern lassen wie jenen, der zum Ersten Weltkrieg führte.</p>
<p>Staatskunst statt Kriegskunst, wachsames, geduldiges und zähes Verhandeln – das ist wie im Ost-West-Konflikt die richtige Strategie gegenüber der muslimischen Welt. Nur in einer gerechten Weltordnung finden Terroristen keinen Nährboden. Unser Motto muß lauten: Härte und Gerechtigkeit. Härte gegenüber den Terroristen, Gerechtigkeit gegenüber der muslimischen Welt.</p>
<p>Ziel muss eine Weltordnung sein, die von allen Staaten als gerecht akzeptiert werden kann. Eine Welt, in der Schluss ist mit der Diskriminierung von Muslimen im Westen und Schluss mit der Diskriminierung von Juden und Christen in der muslimischen Welt. Eine Welt, die aufhört mit der gegenseitigen Dämonisierung von Religionen und Kulturen. Eine Welt, die auch die westlichen Massenvernichtungswaffen und Lügenmaschinen abrüstet. Eine Welt, in der die USA wieder Symbol des Friedens und der Freiheit und nicht mehr des Krieges und der Unterdrückung sind. Eine Welt, in der jeder den Balken im eigenen Auge sieht und nicht nur den Splitter im Auge seines Bruders.</p>
<p>Quelle: http://www.warumtoetestduzaid.de/de/10-thesen/alle-zehn-thesen.html#c285</p>
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