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	<title>deutschland-kulturvergleich &amp;laquo; WordPress.com Tag Feed</title>
	<link>http://en.wordpress.com/tag/deutschland-kulturvergleich/</link>
	<description>Feed of posts on WordPress.com tagged "deutschland-kulturvergleich"</description>
	<pubDate>Mon, 07 Dec 2009 03:35:56 +0000</pubDate>

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<item>
<title><![CDATA[Warum verdienen Frauen weniger?]]></title>
<link>http://homosociologicus.de/2009/03/08/warum-verdienen-frauen-weniger/</link>
<pubDate>Sun, 08 Mar 2009 18:34:18 +0000</pubDate>
<dc:creator>Martin</dc:creator>
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<description><![CDATA[von Martin Booker Zum heutigen Weltfrauentag wird eine altbekannte Sau durchs Dorf getrieben. Deutsc]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p><em>von Martin Booker</em></p>
<p>Zum heutigen Weltfrauentag wird eine altbekannte Sau durchs Dorf getrieben. Deutschland gehört zu den Ländern in der Europäischen Union, in denen Frauen noch am schlechtesten bezahlt werden. Das durchschnittliche Gehalt liegt hier bei gleicher Arbeit 23 Prozent unter dem von Männern, womit nur Österreich und Estland schlechter abschneiden. Schuld daran ist neben diversen strukturellen Faktoren, die etwa <a href="http://www.heise.de/tp/blogs/8/133988">in diesem Artikel</a> (Telepolis) erörtert werden, nicht zuletzt der Mangel an soziologischer Intelligenz, die fehlende Verbreitung eines soziologischen Blickes. <!--more--></p>
<p>Der Zusammenhang wird klarer, wenn man einige andere Vorfälle in den vergangenen Jahren betrachtet. Gerade drei Monate ist es her, dass eine UN-Konvention das deutsche Sonderschulwesen aufbrach. Hunderttausende von geistig und körperlich behinderter junger Menschen werden in Deutschland immer noch von der Normalöffentlichkeit abgedrängt, trotz zahlreicher Studien, die dies als falschen Weg identifiziert haben, und trotz der Tatsache, dass fast alle europäischen Nachbarländer fortschrittlicher sind. Deutschland musste erst mit einer UN-Konvention auf den Weg rationaler Politik gezwungen werden.</p>
<p>Erst vor wenigen Jahren entdeckte die deutsche Öffentlichkeit, dass hier wie in kaum einem anderen Land der OECD der Bildungserfolg von der sozialen Herkunft abhängt. Auch hier gab es bereits vorher zahlreiche sozialwissenschaftliche Studien, die dies bemängelten, aber erst durch die vergleichende PISA-Studie wurde Handlungsbedarf erkannt. Wieder kam der Impuls von außen, wieder von einer als übergeordnet angesehenen Organisation.</p>
<p>Alle drei Beispiele haben ein gemeinsames Muster: Zunächst wird durch sozialwissenschaftliche  Studien festgestellt, dass eine bestimmte Gruppe in einem bestimmten Bereich benachteiligt wird. Diese Studien werden jedoch von Politik und Medien nicht sonderlich ernst genommen, erfahren wenig Öffentlichkeit, und nichts oder nicht viel passiert. Fast alle anderen entwickelten Demokratien reagieren jedoch auf ähnliche Studien und entwickeln sich weiter. In Deutschland dauert es dann einige Jahrzehnte, bis irgendwann eine internationale Organisation an die nationale Politik herantritt und Änderungen einfordert. Noch ist dies für Frauen noch nicht geschehen, zumindest nicht in einem Ausmaß, dass Politik und Wirtschaft zum Handeln genötigt hätte. Im Gesamttrend gehört Deutschland zu den großen Profiteuren der Globalisierung, denn durch internationale Vernetzung werden gesellschaftliche Modernisierungsprozesse angestoßen, die ansonsten nicht stattfinden würden.</p>
<p>Warum jedoch versagt das System? Zunächst versagen die Akteure. Die Medien nehmen ihre Kontrollfunktion nicht wahr. Ihre Aufgabe wäre es, Missstände aufzudecken und deren Behebung einzufordern. Dasselbe gilt für die jeweilige politische Opposition. Hier fehlt offensichtlich eine Kultur der Kritik, des Hinterfragens und der Einforderung einer aufgeklärten Gesellschaft – also typische Elemente einer soziologischen Intelligenz. Politik und Medien versagen aber vor allem deshalb, weil diese Intelligenz nicht von den Bürgern eingefordert wird.</p>
<p>Es wird deutlich, dass die Sensibilität für Diskriminierung allgemein und im Vergleich mit anderen entwickelten Gesellschaften, niedrig ist. Tatsächlich wird diese Tatsache von den <a href="http://ec.europa.eu/employment_social/publications/2003/cev403001_de.pdf">Erhebungen von Eurobarometer</a> [PDF] bestätigt – auch hier gehört Deutschland zu den Schlusslichtern.</p>
<p>Der mangelnden Sensibilität liegt wiederum ein mangelndes soziologisches Interesse zu Grunde. Den Menschen ist zu wenig bewusst, wie sehr sie durch ihre Zugehörigkeiten zu bestimmten Gruppen definiert werden, wie sehr ihre Chancen und Möglichkeiten damit verbunden sind. Wie sollte es auch anders sein? Die Tradition des Privatismus sieht das Interesse an sozialen Zusammenhängen nicht vor. Die Mehrheit der Bürger interessiert sich vor allem für sozialstaatliche Absicherung, eine ordentliche Rente, ein solides Auto heimischer Produktion, einen Bausparvertrag und ein Feierabendbier.</p>
<p>Sind diese Mindestanforderungen erfüllt, ist Regierung gut. Ob nun Behinderte wider besserer Erkenntnis in Sonderschulen abgeschoben werden, ob Bildungserfolg durch soziale Herkunft bestimmt wird oder Frauen bei gleicher Arbeit deutlich weniger verdienen, ist nicht wichtig, solange man nicht selbst davon betroffen ist.</p>
<p>Bereits Almond und Verba diagnostizierten den Deutschen Anfang der 60er Jahre in ihrer berühmten Studie über die politische Kultur eine ausgeprägte Output-Orientierung und eine schwache Prozessorientierung. Dies bedeutet, dass die Bürger sehr daran interessiert waren, was für sie am Ende herauskam, aber wenig Interesse für die Prozesse von Politik zeigten, also wie Politik gemacht wurde und ob sie moralisch-ethischen Wertvorstellungen entsprach. Letzteres wiederum geht Hand in Hand mit dem soziologischen Blick, mit dem Interesse für (gesamt-)gesellschaftliche Zusammenhänge, und dafür, wie sie unser Leben bestimmen.</p>
<p>Die Impulse der 68er-Bewegung mögen hier einiges verändert haben. Doch offensichtlich nicht genug. Wie die obigen Beispiele zeigen, sind einige der Strukturen in Deutschland verkrusteter als fast überall anders.</p>
<p>Auf den Punkt gebracht: Die Tradition des Privatismus und das mangelnde Interesse an den Prozessen von Politik bedingt in Deutschland einen Mangel an soziologischer Perspektive, Sensibilität und Intelligenz. Dies wiederum führt dazu, dass Politik weniger rational-aufgeklärt gestaltet wird, sondern von Parteien vor allem erwartet wird, dass sie die materiellen Bedürfnisse ihrer jeweiligen Klientele bedienen. Dadurch ist Deutschland zu einem der Schlusslichter in einigen Bereichen moderner gesellschaftlicher Entwicklung geworden. Die Tatsache, dass Frauen deutlich weniger verdienen als Männer ist nur ein Aspekt dieser Rückständigkeit.</p>
<p>Wie kann man diese Rückständigkeit aufholen? Es wäre mit Sicherheit nicht falsch, mit der Verbreitung einer soziologischen Perspektive zu beginnen.  Besonders wichtig erscheint mir ein sinnvoller Soziologie-Unterricht an Schulen, in dem vermittelt wird, hinter die Kulissen zu blicken, kritisch zu denken, die Welt zu hinterfragen und sich der sozialen Zusammenhänge bewusst zu werden, in die man tagtäglich eingebunden ist. Im 21. Jahrhundert werden dies die Schlüsselkompetenzen sein, die eine Gesellschaft braucht, um in einer komplex gewordenen Welt nicht den Verlockungen des Populismus oder der Ineffizienz einer Bananenrepublik zu verfallen. Deutschland hat keinen guten Start hingelegt.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[UN-Konvention beendet Diskriminierung im deutschen Schulsystem]]></title>
<link>http://homosociologicus.de/2008/12/30/un-konvention-beendet-diskriminierung-im-deutschen-schulsystem/</link>
<pubDate>Tue, 30 Dec 2008 15:49:31 +0000</pubDate>
<dc:creator>Martin</dc:creator>
<guid>http://homosociologicus.de/2008/12/30/un-konvention-beendet-diskriminierung-im-deutschen-schulsystem/</guid>
<description><![CDATA[von Martin Booker Deutschland ist ein sonderbares Land. Zwar rühmen sich seine Bewohner des Verfassu]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p><em>von Martin Booker</em></p>
<p>Deutschland ist ein sonderbares Land. Zwar rühmen sich seine Bewohner des Verfassungsstolzes, der Rechtsstaatlichkeit und geschichtlichen Aufgeklärtheit, der Liberalität und Toleranz, nicht selten beanspruchen sie Vorbildcharakter. Wenn es jedoch um die konkrete Umsetzung der europäischen Aufklärung und ihrer Forderungen geht, so müssen diese allzu oft erst von außen an das Land herangetragen werden. <!--more--></p>
<p>Erst die von der OECD in Auftrag gegebenen PISA-Studien entfachten eine breite Diskussion um die Klassenabhängigkeit von Bildungserfolg. Erst durch die Antidiskriminierungsgesetze der EU wurde vielen Arbeitgebern, Bildungsinstitutionen und Vergabestellen jeglicher Art überhaupt gewahr, dass sie bestimmte Gruppen systematisch diskriminierten.</p>
<p>Natürlich gab es schon vorher Stimmen, die auf diese Problemlagen hinwiesen, aber auf die Soziologie hört man bekanntlich hierzulande nicht so gerne. Es ist kein Zufall, dass den Deutschen von diversen EUROBAROMETER-Erhebungen eine der im europäischen Vergleich niedrigsten Sensibilitäten für Diskriminierungen im Alltag attestiert wird.</p>
<p>Die gute Nachricht zum Ende des Jahres: Behinderte sollen künftig an Regelschulen unterrichtet werden. Was in anderen Ländern bereits lange üblich ist, soll es nun auch in Deutschland geben. Frank Drieschner von der ZEIT stellt in seinem <a href="http://www.zeit.de/2009/01/Sonderschulen?page=all">sehr einsichtigen Artikel</a> fest:</p>
<blockquote><p>Für Deutsche mag dieser Gedanke gewöhnungsbedürftig sein; in weiten Teilen der Welt ist er selbstverständlich. Fast fünf Prozent der Kinder werden in Deutschland aussortiert, weil sie an herkömmlichen Schulen angeblich nicht zu unterrichten sind; in etlichen Nachbarländern liegt der Anteil der Sonderschüler dagegen im Promillebereich.</p></blockquote>
<p>Wie zahlreiche Studien bestätigen, steht diese eigenwillige Abschiebung von ganzen Bevölkerungsgruppen in gesellschaftliche Randbereiche einer optimalen Integration der Betroffenen entgegen. Doch auch der ethisch-moralische Verlust, den die Mehrheit einer Gesellschaft erleidet, sowie der Verlust an Potentialen, wenn sie sich von Behinderten abspaltet, kann kaum überschätzt werden. Warum also leistet sich ein vermeintlich forschrittliches und aufgeklärtes Land wie Deutschland ein solches Highlight an struktureller Diskriminierung? Frank Drieschner resümiert hierzu:</p>
<blockquote><p>Es ist, allen Befunden der Bildungsforschung zum Trotz, die Angst des Bürgertums um das Leistungsniveau in den Schulen ihrer Kinder, die in Deutschland die Integration Behinderter verhindert.</p></blockquote>
<p>Entsprechende Befürchtungen nämlich ließen laut Drieschner die Kultusminister bisher vor einer entsprechenden, rational-aufgeklärten Politik zurückschrecken.</p>
<p>Die politische Soziologie begegnet hier einer alten Bekannten, mit der sie einst von Almond und Verba in den 1950er Jahren bekannt gemacht wurde: Jene attestierten den Deutschen im Vergleich mit anderen politischen Kulturen eine ausgeprägte Output-Orientierung. Dies bedeutet, dass die Bürger vor allem an ihrem eigenen Vorteil interessiert waren und wenig für das Gemeinwesen, für gesamtgesellschaftliche oder ethische Fragen übrig hatten.</p>
<p>Die alte Dame mag 50 Jahre älter sein und zweifellos ist sie im Rahmen von globalen Werteentwicklungen schwächer geworden, lebendig ist sie jedoch immer noch. Spezialinteressen, Besitzstandswahrung und die Verteidigung der eigenen Pfründe prägen nach wie vor das politische Leben der Bundesrepublik und gehen auf Kosten von kleineren Gruppen. Und während viel geklagt wird, scheint es doch kaum jemanden wirklich zu stören &#8211; es könnten ja irgendwann die eigenen Spezialinteressen sein!</p>
<p>Es ist daher kein Zufall, dass erst eine UN-Konvention, die verlangt, dass Behinderte an Regelschulen unterrichtet werden, nun zu Veränderungen in Deutschland führen wird. Wenigstens war die Politik so mutig, sie zu ratifizieren! Nun kann sie also endlich starten, die große Debatte um ein brennend wichtiges Thema: um Inklusion, Exklusion und die Verteilung von Lebenschancen &#8211; nicht nur für Menschen, die durch sog. Behinderungen mit Benachteiligungen zu tun haben.</p>
<p>In diesem Sinne wünscht einen Guten Rutsch und ein Frohes Jahr 2009,</p>
<p>das homo sociologicus-Autorenteam</p>
<p><em>P.S.: Worüber schreiben behinderte Blogger? Christiane Link (<a href="http://www.behindertenparkplatz.de/">Behindertenparkplatz</a>) hat eine ausführliche <a href="http://www.behindertenparkplatz.de/disability-blogroll/">Blogrolle</a> zusammengestellt.</em></p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Bayern-Wahl: Erste Ergebnisse und Analysen]]></title>
<link>http://homosociologicus.de/2008/09/28/bayern-wahl-erste-ergebnisse-und-analysen/</link>
<pubDate>Sun, 28 Sep 2008 16:14:57 +0000</pubDate>
<dc:creator>Martin</dc:creator>
<guid>http://homosociologicus.de/2008/09/28/bayern-wahl-erste-ergebnisse-und-analysen/</guid>
<description><![CDATA[von Martin Booker Bayern hat gewählt. Ganz Bayern? Nein, laut ersten Hochrechnungen haben sich nur 5]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p><em>von Martin Booker</em></p>
<p>Bayern hat gewählt. Ganz Bayern? Nein, laut ersten Hochrechnungen haben sich nur 57 Prozent der Wahlberechtigten am Urnengang beteiligt. Die Zahlen werden sich im Laufe des Abends noch verändern, doch hier die ersten <strong>Hochrechnungen um 18 Uhr</strong> (unbereinigt):</p>
<p>43 % CSU</p>
<p>19 % SPD</p>
<p>9,5 % GRU</p>
<p>8,0 % FDP</p>
<p>10,5 % FW</p>
<p>4,5 % Linke</p>
<p><strong>Bereinigt nach der Wahlbeteiligung </strong>sehen die Zahlen ganz anders aus: <!--more--></p>
<p>41 % Nichtwähler</p>
<p>25,4 % CSU</p>
<p>11,2 % SPD</p>
<p>5,6 % GRU</p>
<p>4,7 % FDP</p>
<p>6,1 % FW</p>
<p>Gestern habe ich mich weit aus dem Fenster gelehnt und einige <a href="http://homosociologicus.de/2008/09/27/wahlprognose-bayern/">Vermutungen zur Bayern-Wahl angestellt</a>. Nun können die Hypothesen überprüft werden:</p>
<p><strong>Wahlbeteiligung:</strong></p>
<p>Meine Prognose 59 Prozent, erste Hochrechnung 57 Prozent</p>
<p>Wie ich vermutete, war die Wahlbeteiligung niedrig. Das gute Wetter und die Desillusionierung einer bestimmten Gruppe von Wählern haben hier ihr Übriges getan. Einige Experten hatten eine hohe Wahlbeteiligung prognostiziert, da der Ausgang als spannend angesehen wurde, und die Wähler den Eindruck haben würden, dass es tatsächlich auf ihre Stimme ankommen würde.</p>
<p><strong>CSU</strong></p>
<p>Meine Prognose 51 Prozent (Umfragen 47 bis 48 Prozent), Erste Hochrechnungen 43 Prozent</p>
<p>Erfreulicherweise lag ich hier völlig falsch! Ein guter Tag für die bayerische Demokratie und ein großer Schritt Richtung westeuropäischer Normalität. Wer schlecht regiert und sich im Laufe der Jahre immer stärker in  Korruptionsskandale verwickelt, sollte früher oder später abgewählt werden. Dies scheint sich langsam auch hier herumzusprechen. Dennoch &#8211; 43 Prozent wären in jedem anderen Land im Jahre 2008 ein Traumergebnis und spiegeln in keinster Weise die schwache Politik der letzten Jahre wieder.</p>
<p><strong>SPD</strong></p>
<p>Meine Prognose 20 Prozent (Umfragen ca. 20 Prozent), Erste Hochrechnungen 19 Prozent.</p>
<p>Alle hatten recht.</p>
<p><strong>Grüne, FDP, FW. Linke</strong></p>
<p>Meine Prognose 9,5 % GRU, 6 % FDP, 6 % FW, 4.9 % Linke</p>
<p>Erste Hochrechnungen 9,5 GRU, 8,0 FDP, 10,5 FW, 4,5 Linke</p>
<p>Meine Vermutung, dass die Grünen an der 10 Prozent-Marke kratzen würden, trifft wohl zu. Ich vermute, dass die sich im Laufe des Abends noch etwas verbessern werden und die FW vielleicht sogar noch überholen. Für die Linken wird es, wie erwartet, knapp.</p>
<p>Die Zahlen sind natürlich alles andere als endgültig. Erfahrungsgemäß können sich die Ergebnisse noch um 2 bis 3 Prozent verändern pro Partei, und einige der Aussagen hier könnten sich relativieren oder umdrehen. Insbesondere kann eine Schwächung von CSU und FW erwartet werden. Die Ergebnisse der ersten Prognosen beziehen sich nämlich vor allem auf Stimmen, die bereits früh abgegeben wurden &#8211; und das waren vor allem ältere Wähler und Kirchgänger, also die klassischen CSU-Wähler (und wohl auch FW-Wähler).</p>
<p>Ich werde jetzt erst einmal selbst das schöne Wetter nutzen, gehe eine Runde laufen und melde mich später wieder.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Wahlprognose Bayern - Warum es doch anders kommt und Alles beim Alten bleibt]]></title>
<link>http://homosociologicus.de/2008/09/27/wahlprognose-bayern/</link>
<pubDate>Sat, 27 Sep 2008 18:31:56 +0000</pubDate>
<dc:creator>Martin</dc:creator>
<guid>http://homosociologicus.de/2008/09/27/wahlprognose-bayern/</guid>
<description><![CDATA[von Martin Booker Der Wahlkampf ist vorbei, morgen wird in Bayern gewählt. Damit es morgen abend nic]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p><img class="aligncenter size-full wp-image-315" title="Bayernflagge" src="http://homosociologicus.wordpress.com/files/2008/09/800px-flag_of_bavaria_28lozengy29_svg1.png" alt="" width="480" height="140" /><em>von Martin Booker</em></p>
<p>Der Wahlkampf ist vorbei, morgen wird in Bayern gewählt. Damit es morgen abend nicht heisst &#8220;Im Nachhinein kann das jeder sagen&#8221;, hier meine kleine Prognose zum Wahlausgang:</p>
<p>Vorweg die nackten Zahlen: <!--more--></p>
<p>CSU 51% (<a href="http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/16/0,3672,7298832,00.html?dr=1">ZDF-Politbarometer </a>47%) SPD 20% (20) Grüne 9,5% (8) FDP 5,5% (9) FWG 6% (8) DIE LINKE 4,9% (4), Sonstige 3,1% (4)</p>
<p>Wahlbeteilligung niedrig, vielleicht 59% &#8211; bei einer derart niedrigen Wahlbeteilgung müsste man die Ergebnisse fast halbieren, d.h. dass nur noch ca. 30 Prozent der Wahlbevölkerung die CSU wählten, und nur noch jeder achte (!) bayerische Wähler die SPD. Das vorhergesagte gute Wetter morgen wird wohl viele Wankelmütige von den Wahllokalen fernhalten.</p>
<p>Ich vermute eine deutlich stärkere Tendenz zur CSU als in den Umfragen, die sie bei 47 oder 48 Prozent sehen. Wir wissen nicht, wer morgen tatsächlich zur Wahl gehen wird. Zwar wird in den Befragungen durchaus versucht, diesen Faktor zu erfassen, wer aber dann den Wahlurnen tatsächlich fernbleibt, ist eine andere Geschichte.</p>
<p>Wer also wird morgen zu Hause bleiben oder lieber spazieren gehen? Wie die Umfragen auch ergeben haben, herrscht eine große Unzufriedenheit bezüglich des Führungsduos der CSU, Beckstein und Huber. <a href="http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/16/0,3672,7298832,00.html?dr=1">58%, so erhob das ZDF</a>, sind gegen eine weitere Alleinherrschaft der CSU mit absoluter Mehrheit - aber genau diese Unzufriedenen werden wohl morgen in größeren Zahlen zuhause bleiben. Dagegen stehen 36%, die eine Fortsetzung der absoluten Mehrheit wollen, und sie werden durch eine hohe Wahlbeteiligung auch dafür sorgen.</p>
<p>Welche Parteien werden darunter leiden? Sowohl CSU als auch SPD scheinen dieses mal Schwierigkeiten zu haben, ihr Wählerpotential zu mobilisieren. Doch während die Gründe bei der CSU offenkundig sind (Stoiber-Zerwürfnis, Transrapid, Landesbank, durchwachsener Wahlkampf), ist dies bei der SPD ein komplexeres Problem. Warum kann sie nicht von der Schwäche der CSU profitieren?</p>
<p>Der Wahlkampf war nach meiner Beobachtung gut organisiert und durchgeführt. Insbesondere wurde versucht, das populäre Thema Bildung zu besetzen. Entsprechend wird der SPD vergleichsweise viel in diesem Bereich zugetraut, der laut Umfragen von den Bürgern als der wichtigste angesehen wird. Hinzu kamen einige prominente Auftritte: Während Münteferings Rückkehr in die Politik publikumswirksam in München zelebriert wurde, erholte sich die Bundes-SPD mit der Ernennung Steinmeiers zum Kanzlerkandidaten, der dann auch munter im bayerischen Wahlkampf mitmischte.</p>
<p>In der Bierzelt-Tournee profilierte sich Maget im Gegensatz zu Beckstein als eindrucksvoller Redner. Schließlich verhalf das Bayerische Fernsehen dem Spitzenkandidat im sog. Fernsehduell zu einer Prominenz, die ihm zuvor verwehrt geblieben war. Es ist daher schwer zu verstehen, dass die Partei nun sogar um die 20 Prozent kämpfen muss.</p>
<p>Eine wichtige Rolle dabei spielen wohl die Medien. Denn die SPD wurde meist als unscharf und konturenlos dargestellt &#8211; eher als Reaktion auf Umfragen denn als Spiegelung des tatsächlichen Wahlkampfes und der tatsächlichen Inhalte und Inhaltsvermittlung. Doch das Label konnte sie nicht abstreifen und im Zuge einer <em>self-fulfilling prophecy </em>wird die angeblich schwache SPD am Ende tatsächlich schwach dastehen.</p>
<p>Die Umfragewerte zeigen allerdings auch eine Kluft zwischen CSU- und SPD-Wählern. Offensichtlich will kaum einer der unzufriedenen CSU-Wähler zur SPD wechseln, wählt lieber FDP oder Freie Wähler, oder bleibt gleich zu hause. Dies ist in meinen Augen ein Hinweis darauf, welche Sektionen der CSU-Wähler besonders unzufrieden sind, nämlich der sog. rechte Flügel, der von den &#8220;Sozn&#8221; besonders weit entfernt ist. Ein Flügel, der die autoritäre Hand eines unbestrittenen Parteiführers und Ersatzmonarchen vermisst?</p>
<p>Von der FDP erwarte ich ein deutlich schlechteres Ergebnis (6%) als in den Umfragen (ZDF 9%). Die FDP ist aktuell nicht im Landtag vertreten und hat in den vergangenen Wahlen auf keine bedeutende Basis in Bayern bauen können. Wer also in der Befragung angegeben hat, er wolle FDP wählen, war vermutlich ein verkappter CSU-Wähler. Im letzten Moment könnte er mit dem Traditionsbruch überfordert sein und sein Kreuzchen doch wieder bei der CSU machen, oder er bleibt gleich zu hause. Ähnliches gilt für die Freien Wähler.</p>
<p>Die Grünen hingegen dürften mal wieder zur drittstärksten Kraft werden, und ich vermute, dass sie an der 10 Prozent-Marke kratzen, sie vielleicht sogar überbieten werden. Die Grünen haben sich erfolgreich ein volkstümeliges bayerisches Image verschafft, ihr Vorsitzender Sepp Daxenberger ist bekannt und beliebt. Ich glaube daher nicht, das sie hinter die FDP oder FWG zurückfallen werden.</p>
<p>Soweit meine kleine Prognose und meine Gedanken zur morgigen Wahl. Ehrlich gesagt hoffe ich, dass dies nicht so eintritt. Ich selbst werde morgen nicht wählen gehen, denn als EU-Ausländer darf ich leider nur in lokalen Angelegenheiten mitmischen. <img src='http://s.wordpress.com/wp-includes/images/smilies/icon_sad.gif' alt=':-(' class='wp-smiley' /> </p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Pro Sieben und der "Sex-Report": Nette Idee, aber fehlerhafte Umsetzung]]></title>
<link>http://homosociologicus.de/2008/09/21/sex-report-auf-pro-sieben-wer-sind-denn-nun-wir-deutsche/</link>
<pubDate>Sun, 21 Sep 2008 16:56:58 +0000</pubDate>
<dc:creator>Martin</dc:creator>
<guid>http://homosociologicus.de/2008/09/21/sex-report-auf-pro-sieben-wer-sind-denn-nun-wir-deutsche/</guid>
<description><![CDATA[von Martin Booker Ich gebe zu: Ich habe den gestrigen &#8220;Sex-Report&#8221; des Privatsenders Pro]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p><em>von Martin Booker</em></p>
<p>Ich gebe zu: Ich habe den gestrigen &#8220;<a href="http://www.prosieben.de/lifestyle_magazine/sexreport_2008/">Sex-Report</a>&#8221; des Privatsenders ProSieben nicht gesehen. Meine Zeit ist mir dafür zu wertvoll. Doch jene Vorabmeldungen, die in den letzten Tagen durch Presse und Fernsehen geisterten, geben Anlass zu einigen kritischen Kommentaren:</p>
<p>Zunächst fand ich auffällig, dass hier offenbar ein Privatsender an einem sozialwissenschaftlichen Projekt nicht nur interessiert war, sondern dies sogar initiierte. <em>Sex sells </em>scheint eben auch für die Wissenschaft zu gelten. Doch trotz aller Bemühungen von ProSieben, das Projekt als &#8220;sozialwissenschaftlich&#8221; zu verkaufen, und die Zusammenarbeit mit der &#8220;<a href="http://www.sexologie.org">Deutschen Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Sexualforschung </a>&#8221; in den Vordergrund zu rücken, bleiben erhebliche Zweifel an dem Wert der Studie. <!--more--></p>
<p>Dreh- und Angelpunkt jeglicher Kritik muss die Art der Erhebung sein. Offensichtlich konnte man einige Wochen lang bei einem Besuch der <a href="http://www.prosieben.de/">Homepage von ProSieben </a>an der Befragung teilnehmen. Dies beinhaltet jedoch eine massive Selektion und lässt wenig Rückschlüsse auf die Gesamtheit der &#8220;Deutschen&#8221; zu, die in dem Report immer wieder zitiert wurde.</p>
<p><strong>Erstens: Wer ist überhaupt im Internet?</strong> Zwar sind inzwischen die meisten Bundesbürger online, dennoch gibt es bei der Intensität und Häufigkeit der Nutzung große Unterschiede. Man kann also mit ziemlicher Sicherheit unterstellen, dass in der Studie jene Auswahl von Menschen zu Wort kommen, die sich häufiger als andere im Internet aufhalten. Wer oft im Internet unterwegs ist und im Laufe der Zeit viele Seiten besucht, landet mit höherer Wahrscheinlichkeit auch einmal bei ProSieben. Wer aber sieht sich wohl am ehesten Pornos im Internet an (die Studie interessierte sich u.a. für den durchschnittlichen Porno-Konsum der &#8220;Deutschen&#8221;)? Es ist wohl genau diese Gruppe der intensiven Internet-Nutzer! Insofern dürfte bei der Befragung eine starke Überrepräsentation von Porno-Konsumenten vorhanden sein.</p>
<p><strong>Zweitens: Wer geht auf die Homepage von ProSieben?</strong> Ich persönlich war (bis eben) noch nie dort, und eine Blitzumfrage unter einigen Bekannten hat ergeben, dass sich keiner erinnern konnte, jemals dort gewesen zu sein. Auch wenn mir keine Studien zu den Besuchern von ProSieben.de vorliegen (vermutlich gibt es die auch gar nicht) und dies reine Spekulation ist, so liegt doch der Verdacht auf der Hand, dass die Seite eher von Mitgliedern bildungsferner Milieus besucht wird. Wie ich mich eben überzeugen konnte, bietet die Seite keine relevanten Nachrichten, sondern lediglich Informationen zu den Sendungen und den üblichen Promi-Tratsch, den der Bildungsbürger wohl doch lieber (und v.a. heimlicher) auf den Seiten seines email-Anbieters einsehen kann.</p>
<p>Kurzum: In der Regel dürfte die Seite nur Menschen anziehen, die an den meist eher niveaulosen Unterhaltungssendungen von ProSieben interessiert sind. Also eher den Bild-Leser, der gerne über &#8220;Hass, Sex, Titten und den Wetterbericht&#8221; nachliest, wie die Ärzte so schön formulierten. Ob die Angehörigen dieser Gruppe auch ein anderes Sexualleben als die Gesamtheit der Deutschen führen, sei dahingestellt. Eine seriöse Studie jedenfalls müsste dies ausschließen können.</p>
<p><strong>Drittens: Wer beantwortet online-Fragebögen zum Thema &#8220;Sex&#8221;? </strong>Online-Fragebögen werden immer häufiger und ich unterstelle, dass die meisten Internetnutzer diese in der Regel einfach wegklicken. Wenn &#8220;Sex&#8221; darauf zu lesen ist, mag dies wiederum eine bestimmte Gruppe ansprechen, z.B. Menschen, für die Sexualität der wichtig ist und die eine Verpflichtung fühlen, sich dazu zu äußern. Oder Menschen mit viel Zeit, etwa Schüler, Studierende, Arbeitslose oder Rentner, und vielleicht haben die auch mehr Zeit für Sex?</p>
<p>Die Studie meint bespielsweise herausgefunden zu haben, dass &#8220;die Deutschen&#8221; immer öfter und immer länger kopulierten. Waren es laut ProSieben Ende der 60er Jahre durchschnittliche 130 mal pro Jahr, seien es jetzt 139. Eine wohl seriösere Studie der Universitätsklinik Hamburg hat allerdings Anfang diesen Jahres herausgefunden, dass deutsche Männer angeblich nur noch ein Drittel (!) so oft Sex haben wie in den 70er Jahren. Dies wurde vor allem auf die Zeitfresser Job, PC und Handy zurückgeführt (<a href="http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/120/300118/text/">Bericht der SZ hierzu</a>).</p>
<p>Auch wenn ich weder die genauen Umstände der Hamburger Studie kenne, noch den Vergleichswert, auf den sich die ProSieben-Studie bezieht (wie wurde dieser in den 60ern erhoben? Wohl kaum durch eine vergleichbare online-Befragung!), weist dies auf massive Defizite der neuen Studie hin. Man muss davon ausgehen, dass in vielen (vielleicht allen) Werten, die der Privatsender erhoben hat, die Realität nicht erfasst werden konnte. Umso schlimmer könnte in einigen Fällen genau das Gegenteil der Fall sein.</p>
<p>Was uns ProSieben hier präsentiert hat, dient der Wahrheitsfindung nur wenig. Vielmehr muss man vermuten, dass der Privatsender auch kein großes Interesse daran hatte, sondern lediglich möglichst billig (denn billig ist eine online-Befragung) eine &#8220;Sendung mit Sex und Titten&#8221; produzieren wollte, die es unter dem Deckmantel der Wissenschaftlichkeit zur <em>Prime Time </em>um 20:15 Uhr senden durfte.</p>
<p>Auch die Präsentation der Studie scheint (soweit ich dies aus diversen Trailern schließen konnte) wenig aufklärerisch gewesen zu sein. Die jungen Models und Schauspieler/innen, die in diversen Einspielungen gezeigt wurden, sind nicht gerade eine Repräsentation des Durchschnittsbürgers. Vielmehr gaukeln sie ihm und ihr (wie die Studie selbst) falsche Vorstellungen von Normalität vor.</p>
<p>Was unter dem Deckmantel der Liberalität und sexuellen Aufklärung daherkommt, entpuppt sich so als zwiespältige Unternehmung. Zwar dient es sicherlich der sexuellen Befreiung der Gesellschaft, über Sex zu reden &#8211; und dies wiederum hat ohne Zweifel positive psychologische Effekte für die befreiten Menschen. Doch verspielt man diese Vorteile, wenn man mit falschen Zahlen agiert. Zudem wird durch die Macht der Bilder ein neuer Leistungsdruck und neue Unsicherheiten gefördert &#8211; ein anti-aufklärerischer und anti-befreiender Effekt also.</p>
<p>Die mediale Aufklärung über Sexualität sollte man daher nicht den Geldinteressen von Privatsendern überlassen. Und vielleicht sollte die Fernsehzensur weniger naiv agieren. Nicht umsonst heisst es bei ProSieben &#8220;We love to entertain you&#8221; und nicht &#8220;we love to liberate you&#8221;.</p>
<p><strong>Nachtrag am 22.09.2008:</strong></p>
<p>Der Stern hat heute ein <a href="http://www.stern.de/wissenschaft/mensch/:Sexreport-2008-Sex,-Quoten-Wissenschaft/639826.html">Interview mit einem der wissenschaftlichen Berater der Studie</a>, Jakob Pastötter veröffentlicht. Darin zeigt er eine erfrischende Distanz zu der Studie und bestätigt einige der hier angebrachten Kritikpunkte:</p>
<blockquote>
<div class="H5"><strong>Herr Pastötter, wir haben beim Sexreport 2008 von ProSieben gelernt: Ein Erwachsener hat heutzutage durchschnittlich 139 Mal im Jahr Sex, angeblich neun Mal mehr als Ende der 1960er. Sind wir sexuell aktiver geworden? </strong></div>
<p>Das kann man so nicht sagen. Unsere Studie ist nicht vergleichend angelegt. Das liegt vor allem daran, dass uns schlicht keine zuverlässigen Zahlen zur Sexualität 1968 vorliegen. Auch das, was in anderen Studien dargelegt wird, ist statistisch häufig nicht sehr sauber. Aber auch bei den 139 Mal muss man vorsichtig sein, denn &#8220;den&#8221; deutschen Erwachsenen gibt es natürlich überhaupt nicht.</p>
<p>[...]</p></blockquote>
<blockquote><p><strong>Was hätten Sie wissenschaftlich anders gemacht?</strong></p>
<p>Ich hätte mir mehr in die Tiefe gehende Fragen gewünscht und gerne mehr Zeit gehabt. Wie wahrscheinlich jeder Wissenschaftler&#8230; Eine tiefgehende Studie braucht zwei bis drei Jahre Zeit. Meine Kollegen von der City University London und ich hatten ein Jahr. [...] Manche Fragen mussten zudem hereingenommen werden, weil die Programm-Verantwortlichen argumentierten: &#8220;Wir brauchen irgendeine Zahl für unsere Fernsehreihe.&#8221; Da blieb mir nur übrig zu sagen: &#8220;Wenn die Zeit fehlt, etwas wissenschaftlich fundiert anzugehen, kriegen Sie Müllzahlen, die nichts aussagen.&#8221; Wir Wissenschaftler mussten uns damit abfinden &#8211; ProSieben hat die Studie schließlich finanziert. Etwas das öffentlich-rechtliche Sender mit einem Bildungsauftrag und Milliarden an Gebühren jedoch Jahrzehnte verschlafen haben.</p></blockquote>
<p>Das ganze Interview im Stern findet sich <a href="http://www.stern.de/wissenschaft/mensch/:Sexreport-2008-Sex,-Quoten-Wissenschaft/639826.html">mit diesem Link</a>.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
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<title><![CDATA[Nach Hessen: Deutschland braucht eine Erneuerung der politischen Kultur]]></title>
<link>http://homosociologicus.de/2008/01/27/nach-hessen-deutschland-braucht-eine-erneuerung-der-politischen-kultur/</link>
<pubDate>Sun, 27 Jan 2008 13:49:54 +0000</pubDate>
<dc:creator>Martin</dc:creator>
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<description><![CDATA[Posted by Martin Booker © 2008 Heute sind Wahlen in Hessen und Niedersachsen. Wenn sich der Staub ge]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p><i>Posted by Martin Booker © 2008</i></p>
<p>Heute sind Wahlen in Hessen und Niedersachsen. Wenn sich der Staub gelegt hat, der Donner des Wahlkampfs verhallt ist, Plakate und Flugblätter entsorgt sind, muss Deutschland weiter debattieren. Es geht um die Richtung, in die sich die politische Kultur entwickeln soll. <!--more--></p>
<p>Roland Koch hat Wahlkampf auf Kosten von Minderheiten betrieben. Wie schon 1999 hat er bewusst und gezielt latent vorhandene Stimmungen in Teilen der Bevölkerung  gegenüber Ausländern mobilisiert. Über Jugendkriminalität zu sprechen, und darüber zu streiten, wie man ihr am besten Herr (oder Frau) wird, ist eine legitmime Sache. Aber der Versuch, diese Debatte trotz gegenteiliger Beweise und wider besseren Wissens auf Jugendliche mit Migrationshintergrund umzuleiten, ist mit einm demokratischen Verständnis von Politik nicht vereinbar. Denn dazu gehört ohne Frage der Respekt vor und der Schutz von Minderheiten, seien diese ethnischer, weltanschaulicher oder sexueller Natur.</p>
<p>Schlimmer noch, die CDU hat den Populismus á la Wiesbaden unterstützt &#8211; so zumindest die offizielle Linie. Angela Merkel hat sich zu dem Kommentar hinreissen lassen, im Wahlkampf dürfe es keine Tabus geben. Eine schallende Ohrfeige für die demokratische Kultur in Deutschland!</p>
<p>Doch die sogenannten christlichen Parteien sind nicht die alleinigen Übeltäter. Auch Gerhard Schröder und Otto Schily von der sogenannten Sozialdemokratischen Partei Deutschlands machten einst mit ähnlich populistischen Sprüchen von sich Reden. Mit Oskar Lafontaines Warnung vor zu vielen Fremdarbeitern griff auch die Linkspartei einst im Wahlkampf auf rechtes Gedankengut zurück. Der Mangel an demokratischer Kultur ist in breiten Teilen der politischen Klasse und über alle Parteigrenzen hinweg ein Problem.</p>
<p>Verliert Roland Koch heute die Landtagswahlen in Hessen, so wäre dies ein positives Signal für die demokratische Entwicklung in Deutschland. Glaubt man den Umfragen, so wäre die Niederlage dann auch darauf zurückzuführen, dass die Bürger den politischen Stil ihres Ministerpräsidenten ablehnen &#8211; eine dramatische Entwicklung seit dem Hetzwahlkampf von 1999, als Koch nicht zuletzt aufgrund seiner Polterei das Amt erobern konnte.</p>
<p>Gewinnt Koch hingegen die heutige Wahl knapp, werden sich Kommentatoren einig darin sein, dass er dies nicht wegen, sondern trotz seiner &#8220;Kriminellen Ausländer&#8221;-Kampagne getan hat. In jedem Falle also eröffnet sich eine Chance, die sich Presse und Öffentlichkeit, im besonderen aber die politische Klasse nicht entgehen lassen dürfen. Abseits von Wahlkampfgetöse und parteipolitischer Opportunität muss eine Debatte darüber geführt werden, was im Wahlkampf erlaubt sein darf und was nicht. Deutschland braucht eine Erneuerung der politischen Kultur und hat durch den Hessen-Wahlkampf eine Steilvorlage dafür bekommen. Als Vorbild könnte das Pressewesen dienen.</p>
<p>Der Deutsche Presserat hat bereits 1973 erstmals seinen sog. Pressekodex ausgearbeitet, der die Mitglieder auf bestimmte Grundsätze des seriösen Journalismus verpflichtet. Wird gegen die Richtlinien verstoßen, so spricht das Gremium zunächst nicht-öffentlich einen Hinweis oder eine Mißbilligung aus, bei härteren Fällen aber auch eine öffentliche Rüge.</p>
<p>Ähnlich könnte ich mir dies in der Politik vorstellen. Auf Druck der Öffentlichkeit gründen die im Bundestag vertretenen Parteien einen &#8220;Rat der politischen Kultur&#8221;. Sie einigen sich auf gewisse Grundsätze seriöser Politik und verpflichten sich parteiübergreifend darauf, auch im Falle des Wahlkampfes auf weniger seriöse Mittel zu verzichten. Dazu gehören z.B. die wissentliche Verdrehung von Tatsachen (also Wählertäuschung) oder die Zuspitzung von Wahlkampfthemen auf gesellschaftliche Minderheiten. Wie auch im Presserat möglich, kann der Rat für politischen Kultur dann angezeigte Verstöße beraten und zunächst nicht-öffentlich, im härteren Fällen aber auch öffentlich, Rügen erteilen.</p>
<p>Dies würde nicht nur den politischen Stil in Deutschland verbessern, sondern auch seinen Ruf im Ausland. Während Nachbarländer wie Frankreich, Österreich oder Dänemark immer anfälliger auf Populisten von rechts und links werden, geht Deutschland neue Wege und wandelt sich von der bisherigen grauen Maus der <i>Civic Culture</i> zu einem Leuchtturm der europäischen Demokratien im 21. Jahrhundert. Na gut, vielleicht übertriebe ich jetzt ein bisschen&#8230; Doch zumindest im Sinne der wehrhaften Demokratie wäre so einiges getan. Nicht nur das demokratische System, sondern auch die für sein Überleben so wichtige demokratische Kultur wären so mit einem (hoffentlich) effektiven Bollwerk versehen.</p>
<p>Ein Problem bliebe dennoch. Der Populismus, der offensichtlich von breiten Teilen der Bevölkerung nachgefragt wird, würde den radikalen Parteien von links und rechts überlassen. Gerade den sogenannten christlichen Parteien kommt bis heute das Verdienst zu, das politische Spektrum so weit rechts abzufischen, dass wenig Potential für NPD und DVU bleibt. Diese Funktion würde mit einer Verpflichtung auf seriöse Politik nur noch schwer zu erfüllen sein.</p>
<p>Wird das tieferliegende Problem, die Nachfrage nach Politikern, die an niedere Instinkte appellieren, durch einen besseren politischen Stil beseitigt? Wohl kaum. Mit Sicherheit aber würde ein &#8220;Rat für politische Kultur&#8221;, wenn er erst einmal seine ersten öffentlichen Rügen ausgesprochen hat, die Sensibilität auch in der breiteren Bevölkerung für die wichtigen Fragen einer modernen demokratischen Kultur sensibilisieren. Der erste Anstoß dazu muss aber eine breit geführte öffentliche Debatte über das Thema sein.</p>
<p>Verwandter Artikel:</p>
<p><a href="http://homosociologicus.wordpress.com/2008/01/16/roland-koch-konnte-sich-doch-noch-als-glucksfall-fur-die-politische-kultur-erweisen/">Die Causa Koch könnte sich doch noch als Glücksfall für die politische Kultur erweisen</a></p>
</div>]]></content:encoded>
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