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	<title>freud-und-leid &amp;laquo; WordPress.com Tag Feed</title>
	<link>http://en.wordpress.com/tag/freud-und-leid/</link>
	<description>Feed of posts on WordPress.com tagged "freud-und-leid"</description>
	<pubDate>Wed, 30 Dec 2009 13:27:54 +0000</pubDate>

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	<language>en</language>

<item>
<title><![CDATA[Hohe Hürden]]></title>
<link>http://manfredjosef.wordpress.com/2009/11/27/hohe-hurden/</link>
<pubDate>Fri, 27 Nov 2009 10:56:56 +0000</pubDate>
<dc:creator>Manfred J. A. Dempf</dc:creator>
<guid>http://manfredjosef.wordpress.com/2009/11/27/hohe-hurden/</guid>
<description><![CDATA[Eine Entwicklung lässt sich die letzten Jahre beobachten: Wenn man etwas beantragen will, dann wird ]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Eine Entwicklung lässt sich die letzten Jahre beobachten: Wenn man etwas beantragen will, dann wird das immer komplizierter und aufwändiger. Die Antragsformulare legen an Umfang zu, und man benötigt immer noch mehr Nachweise.</p>
<p>Ein Beispiel, die Mobilitätshilfe für Behinderte, habe ich <a href="http://manfredjosef.wordpress.com/geistige-behinderungen">früher </a>schon mal beschrieben. Ein weiteres Beispiel von vielen ist die Zuzahlungsbefreiung in der gesetzlichen Krankenversicherung.</p>
<p>Früher gab&#8217;s da eine Einkommensgrenze. Wenn man da drunter lag, musste man keine Zuzahlungen für Medikamente, Krankenhausbehandlung usw. zahlen. Man reichte bei der Krankenkasse einen einseitigen Antrag und einen Einkommensnachweis ein und wurde dann für mehrere Jahre befreit.</p>
<p>Heute muss man grundsätzlich 2 % seines Einkommens zuzahlen. (Womit schon mal Sozialhilfe-Empfänger wieder die Blöden sind. Die steigerten sich von 0 % auf 2 %. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.) Man muss erst mal die Quittungen für die ganzen Zuzahlungen sammeln, grob kalkulieren, wann man damit 2 % seines Einkommens erreicht hat, dann die Antragsunterlagen bei der Krankenkasse anfordern und dann ausfüllen: Einen zweiseitigen Antrag mit den persönlichen Daten und den Einkommensverhältnissen, eine Zinsbescheinigung, die von der Bank zu bestätigen ist und &#8211; wenn man nur 1 % zuzahlen will, weil man diese Ermäßigung für chronisch Kranke in Anspruch nehmen will &#8211; ein entsprechendes Attest vom Arzt. Dazu in diesem Fall noch eine Kopie des Schwerbehindertenausweises bzw. des Bescheids der Pflegeversicherung. Das alles reicht man zusammen mit den gesammelten Zuzahlungsbelegen bei der Krankenkasse ein und wird dann für den Rest des Jahres befreit.</p>
<p>Fürs nächste Jahr beginnt dann die ganze Prozedur wieder von vorn.</p>
<p>Nun könnte man das Ganze als normalen Auswuchs von Bürokraten abtun, die halt irgendwie ihre Daseinsberechtigung nachweisen müssen. &#8211; Wenn es denn nur das wäre. Aber (nicht nur) ich habe den Verdacht, dass da mehr dahintersteckt.</p>
<p>Denn je umfangreicher und schwieriger eine Antragstellung wird, umso weniger Menschen nehmen sie auf sich. Uns beruflichen Betreuer ist das wurscht. Wir sind verpflichtet, diese Anträge auszuführen, auch wenn sie noch so bescheuert gestaltet sind. Bei uns wächst halt das Gemotze proportional zum Umfang des Antrags.</p>
<p>Aber die 80jährige Witwe mit kleiner Rente, bei der immer der verstorbene Mann den Behördenkram gemacht hat, und die noch zu fit ist um einen Betreuer zu bekommen, die sagt sich: &#8220;Ach, da verzichte ich doch lieber auf die paar Euro.&#8221;</p>
<p>Und da es sehr viele solcher Menschen gibt, spart der Staat mit jeder zusätzlichen Seite bei einem Antrag ein paar Millionen mehr ein. Auf Kosten der Schwachen, die keine Hilfe haben.</p>
<p>Sehr sozial. Ich bin für die Einführung eines neuen Paragraphen im Strafgesetzbuch: &#8220;Wer Anträge für Sozialleistungen aller Art mehr als notwendig verkompliziert, muss alle diese Anträge selbst ausfüllen. Während der Dauer dieses Vorgangs wird der Täter bei Wasser und Brot in Einzelhaft gehalten.&#8221;</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Der Reiz des Neuen]]></title>
<link>http://manfredjosef.wordpress.com/2009/09/18/der-reiz-des-neuen/</link>
<pubDate>Fri, 18 Sep 2009 08:41:33 +0000</pubDate>
<dc:creator>Manfred J. A. Dempf</dc:creator>
<guid>http://manfredjosef.wordpress.com/2009/09/18/der-reiz-des-neuen/</guid>
<description><![CDATA[Gestern habe ich wieder mal eine neue Betreuung übertragen bekommen. Mein neuer Klient ist Alkoholik]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Gestern habe ich wieder mal eine neue Betreuung übertragen bekommen. Mein neuer Klient ist Alkoholiker und nach einem Schädel-Hirn-Trauma völlig orientierungslos. Er befindet sich im Krankenhaus.</p>
<p>Als der gerichtliche Beschluss bei mir eintraf, war das oben Gesagte meine komplette Information über den neuen Fall.  Keiner wusste Näheres, wo der Betroffene wohnt, wovon und unter welchen Umständen er lebt. Nur eine Handynummer der geschiedenen (getrennt lebenden? was auch immer) Frau: Das war alles an Detailinformationen.</p>
<p>Das ist das, was mich an meinem Beruf reizt: Dieser völlig ungewisse Neubeginn. Alles ist offen. Man lernt einen Menschen völlig neu kennen, sein Leben, sein Umfeld. Das hat regelmäßig was von Detektivarbeit. Das ist spannend.</p>
<p>Später kommt dann der Alltag, der sich gerade bei Alkoholikern oft nur im Kreis dreht. Das ist dann mehr belastend als spannend.</p>
<p>Aber der Anfang, der ist immer reizvoll. Zumindest für mich. Die Klienten denken nicht immer so. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Ein Wunder]]></title>
<link>http://manfredjosef.wordpress.com/2009/08/18/ein-wunder/</link>
<pubDate>Tue, 18 Aug 2009 16:23:50 +0000</pubDate>
<dc:creator>Manfred J. A. Dempf</dc:creator>
<guid>http://manfredjosef.wordpress.com/2009/08/18/ein-wunder/</guid>
<description><![CDATA[Als Betreuer erlebt man das absonderlichste Verhalten. Man hat mit irrational, psychotisch, menschen]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Als Betreuer erlebt man das absonderlichste Verhalten. Man hat mit irrational, psychotisch, menschenverachtend oder einfach dumm handelnden Menschen zu tun.</p>
<p>Und das sind nur die Erlebnisse, die man mit den Mitarbeitern von Kabel Deutschland, Deutscher Telekom AG und anderen hat.</p>
<p>Ich habe <a title="Keine Leistung für viel Geld" href="http://manfredjosef.wordpress.com/kabel-deutschland" target="_blank">hier </a>schon einmal über meine Lieblingsfirmen geschrieben, mit denen ich viel zu tun habe und die mir immer wieder viel Freude bereiten.</p>
<p>Eine dieser Lieblinge ist die erwähnte Deutsche Telekom AG. Wer liebt dieses Vorbild an Service und Kompetenz auch nicht?</p>
<p>Bei mir sah der Service so aus, dass die Deutsche Telekom AG mich und meine Kollegin aus dem Telefonbuch warf, als wir vor vier Jahren den Tarif änderten. Kein Mensch weiß warum das so kam.</p>
<p>Drei Jahre lang bemühten wir uns, wieder ins Telefonbuch reinzukommen. Es ist schließlich ziemlich lästig, wenn man als Selbständiger nur für Eingeweihte zu erreichen ist. Die Telekom verwies uns an den Telefonbuch-Verlag, dieser erklärte uns, dass er nur die Daten verarbeitet, die die Telekom ihm liefert. So lief das immer fröhlich im Kreis.</p>
<p>Letztes Jahr stiegen wir wieder auf einen anderen Tarif um. Die Telekom verstand das als Kündigung des Anschlusses, wodurch wir dann plötzlich nicht mehr zu erreichen waren. Immerhin: Nur zwei Stunden nach unserem Protestanruf bei der Hotline hatten wir wieder einen Anschluss. Da wurde dann hinterher wahrscheinlich dem dafür Verantwortlichen gekündigt, weil er im Sinne des Kunden gearbeitet hatte.</p>
<p>Im Zuge dieser Anschluss-Neueinrichtung bekamen wir ein Schreiben, in dem unter anderem stand, dass wir noch ein weiteres Schreiben wegen des Telefonbucheintrags bekommen würden.</p>
<p>Nachdem nach zehn Monaten dieses Schreiben immer noch nicht kam, schrieb ich der Telekom, sie mögen uns doch bitte, bitte wieder eintragen.</p>
<p>Und jetzt kommt das Wunder: Zwei Tage später standen wir im Telefonbuch!</p>
<p>Es könnte so einfach sein!</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Ungehörige Angehörige]]></title>
<link>http://manfredjosef.wordpress.com/2009/06/11/ungehorige-angehorige/</link>
<pubDate>Thu, 11 Jun 2009 09:14:15 +0000</pubDate>
<dc:creator>Manfred J. A. Dempf</dc:creator>
<guid>http://manfredjosef.wordpress.com/2009/06/11/ungehorige-angehorige/</guid>
<description><![CDATA[Ich habe ja schon mal hier über eine der eher nervenraubenden Begleiterscheinungen des Betreuerdasei]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Ich habe ja schon mal <a title="Schau mal hier rein!" href="http://manfredjosef.wordpress.com/die-liebe-familie" target="_blank">hier </a>über eine der eher nervenraubenden Begleiterscheinungen des Betreuerdaseins geschrieben: Die Angehörigen der Betreuten.</p>
<p>Vorneweg: Ich betone nochmals, dass ein Teil der Eltern, Kinder und Geschwister meiner Klienten völlig okay sind, teilweise sogar eine große Hilfe sind für die Klienten und damit auch für mich.</p>
<p>Aber eben nur ein Teil und nur teilweise. Der größere Teil der Angehörigen ist &#8230; nun ja, sagen wir mal: anstrengend. Das liegt ja auch in der Natur der Sache. Denn wenn eine Betreuung eingerichtet wird und es um die Frage geht, wer Betreuer werden soll, sind per Gesetz immer die nächsten Angehörigen erste Wahl. Berufliche Betreuer kommen erst ins Spiel, wenn keine Angehörigen da sind, oder zu weit weg, oder zu zerstritten untereinander oder sie überfordert wären, entweder weil der Fall zu schwierig ist oder ihre geistigen Kapazitäten zu gering.</p>
<p>Und so kriegt der berufliche Betreuer im Übermaß die Negativseiten des Familienlebens ab. Wo unter Eltern, Kindern und Geschwister gestritten, geprügelt, betrogen, missbraucht, bestohlen, beleidigt und verleumdet wird, da ist der berufliche Betreuer mittendrin. Manchmal sehnt man sich nach Klienten, die Vollwaisen und Einzelkinder sind.</p>
<p>Bei dem Ganzen gilt eine klare Regel: Je unfähiger der Angehörige, je mehr er selber verbockt, umso lauter beklagt er sich über den unfähigen, bösen Betreuer. Je dümmer, desto schrei.</p>
<p>Zur Zeit habe ich es in dieser Hinsicht mit einer Hardcore-Sippe zu tun. Aber was heißt &#8220;zur Zeit&#8221;! Die nerven mich schon seit zehn Jahren. Ihr Bruder ist in dieser Zeit wegen familiär bedingten Alkoholmissbrauchs immer mehr in die Demenz abgeglitten. Die Anzahl der Kontakte der Geschwister sank dabei proportional zur Zunahme der Demenz. Ich musste die komplette Haushaltsführung (Kochen, Putzen, Waschen, Einkaufen) in fremde Hände geben. Als der Klient wegen der mittlerweile völlig fehlenden Kontakte in Depressionen verfiel, organisierte ich einen Besuchsdienst &#8211; gegen Bezahlung.</p>
<p>Und dann kommen die Geschwister daher und beklagen sich, dass ich die Kontakte ihres Bruders zu ihnen unterbinden würde und für teures Geld Tätigkeiten organisieren würde, die sie doch sooo gerne machen würden. Sie drücken das aber nicht so gewählt aus. Überhaupt bestehen ihre Anrufe bei mir überwiegend AUS GROSSBUCHSTABEN.</p>
<p>Vor einiger Zeit kündigte ich den Telefonanschluss meines Klienten. Er hatte seit Jahren nicht mehr telefoniert und konnte auch nur noch mit viel Glück einen Anruf entgegennehmen &#8211; falls mal einer kam. Ein halbes Jahr später rief mich eine seiner Schwestern an, WAS MIR EINFÄLLT, IHREN BRUDER VON KONTAKTEN ZU IHR ABZUSCHNEIDEN, GERADE HABE SIE GEMERKT, DASS ER KEIN TELEFON MEHR HAT. Auf meine Antwort, dass er schon seit einem halben Jahr kein Telefon mehr hat und sie ihn folglich seit einem halben Jahr weder besucht noch angerufen hat, folgten GROSSGESCHRIEBENE BEMERKUNGEN, die ich hier nicht widergeben möchte. Es könnten ja auch Kinder mitlesen.</p>
<p>Letzte Woche meinte eine der Verwandten meines Klienten: &#8220;Sie kennen ja Ihren Betreuten nicht so gut wie seine Schwestern. Oder sehen Sie ihn einmal pro Woche? Seine Schwester kommt nämlich jede Woche zu ihm.&#8221; &#8211; Stimmt; falls man eine Woche mit 100 Tagen ansetzt. Aber das habe ich mir nur gedacht.</p>
<p>Und so geht das fröhlich seit zehn Jahren. Wenigstens sind zwischendrin immer lange Pausen. Immer so lang wie die lieben Geschwister ihren Bruder vergessen. Zweimal im Jahr überfällt sie dann das schlechte Gewissen und sie fallen bei ihrem Bruder ein und besänftigen ihr schlechtes Gewissen, indem sie über den blöden, bösen Betreuer lästern und ihm hinterher wieder GROSSBUCHSTABEN an den Kopf werfen, getreu dem Motto: Wenn unser Leben schon versaut ist, soll der Betreuer auch keine Freude am Leben haben.</p>
<p>So. Das war jetzt alles nicht sehr konstruktiv, was ich geschrieben habe. Aber es hat gut getan. Ich habe mich abreagiert und kann mich nun ungestört vier freien Tagen hingeben, im Kreise meiner Familie, in der bei allen Mitgliedern alle Gehirne noch im vollen Umfang funktionieren. Ich genieße es.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Freud  und Leid]]></title>
<link>http://pfarreheiligefamilie.wordpress.com/2009/05/29/freud-und-leid/</link>
<pubDate>Fri, 29 May 2009 07:13:47 +0000</pubDate>
<dc:creator>mwhlf</dc:creator>
<guid>http://pfarreheiligefamilie.wordpress.com/2009/05/29/freud-und-leid/</guid>
<description><![CDATA[Die Taufe haben empfangen: 18. April 09, Jessica Mayer, Salurner Str. 4, Tochter von Alexandra und F]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Die Taufe haben empfangen:</p>
<h2><span style="color:#0000ff;">18. April 09,</span></h2>
<p>Jessica Mayer,<br />
Salurner Str. 4,<br />
Tochter von Alexandra und<br />
Franz Joseph Mayer</p>
<h2><span style="color:#0000ff;">16. Mai 09,</span></h2>
<p>Dominik Kinzl,<br />
Emanuel v. Hiblerstr. 4<br />
Sohn von Sabine Kinzl<br />
Anna Lena Lobenwein,<br />
Dolomitenstr. 33d<br />
Tochter von Claudia und<br />
Daniel Lobenwein</p>
<h2><span style="color:#0000ff;">Tauftermine</span></h2>
<p>Sa, 30. Mai, 10.30 Uhr<br />
So, 07. Juni, 13.30 Uhr<br />
Sa, 20. Juni, 13.30 Uhr<br />
Sa, 11. Juli, 13.30 Uhr<br />
Sa, 8. August, 13.30 Uhr<br />
Sa, 12. September, 13.30 Uhr<br />
Sa, 10. Oktober, 13.30</p>
<p>Zu Gott heimgekehrt:</p>
<h2>21.03.09,</h2>
<p>Hildegard Puschnig<br />
Beda-Weber-Gasse 34<br />
30.03.09,</p>
<h2>Karl Gussnig</h2>
<p>Simon v. Taistenweg 3</p>
<h2>11.04.09,</h2>
<p>Josef Eichhorner<br />
Meraner Str. 13</p>
<h2>24.04.09,</h2>
<p>Berta Pfurtscheller<br />
Beda-Weber-Gasse 34</p>
<h2>28. 04.09,</h2>
<p>Werner Eder<br />
Dolomitenstr. 33</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Womit ich den Tag verbringe]]></title>
<link>http://manfredjosef.wordpress.com/2009/05/13/womit-ich-den-tag-verbringe/</link>
<pubDate>Wed, 13 May 2009 18:15:25 +0000</pubDate>
<dc:creator>Manfred J. A. Dempf</dc:creator>
<guid>http://manfredjosef.wordpress.com/2009/05/13/womit-ich-den-tag-verbringe/</guid>
<description><![CDATA[Einer meiner Klienten will gerade umziehen. Ich bin für Wohnungsangelegenheiten zuständig, sein Vate]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Einer meiner Klienten will gerade umziehen. Ich bin für Wohnungsangelegenheiten zuständig, sein Vater hat die Betreuung u.a. für Vermögenssorge. Seine bisherige Vermieterin will ihn loswerden, weil er nachts oft schreit, weil er seine Wohnung verwahrlosen lässt, weil er oft unfreundlich zu ihr ist, und vor allem weil er im selben Haus wie sie wohnt. Der Klient hat auf eigene Faust eine neue Wohnung aufgetrieben, die alte gekündigt und will in vierzehn Tagen in die neue Wohnung einziehen. Die ist noch nicht bezugsfertig, der Klient renoviert sie mit einem Kumpel auf eigene Faust. Er kann erst umziehen, wenn der Jobcenter, der die Miete bezahlt, dem Umzug zustimmt. Außerdem ist er nicht geschäftsfähig und kann folglich den neuen Mietvertrag nicht selbst rechtswirksam unterschreiben.</p>
<p>Soweit die Situation. Wir haben es also zu tun mit:</p>
<p>a) einem naiven, leicht beeinflussbaren Klienten,</p>
<p>b) einem beruflichen Betreuer,</p>
<p>c) einem ehrenamtlichen Betreuer, der hauptamtlich Vater ist,</p>
<p>d) einer gestressten und genervten Vermieterin,</p>
<p>e) einem potentiellen neuen Vermieter, der möglichst bald die Wohnung gefüllt und bezahlt haben will.</p>
<p>Kaum hat b) des morgens an seinem Schreibtisch Platz genommen, ruft a) an und sagt, dass e) die Wohnung jetzt definitiv zum 1.6. an ihn vermietet, aber d) auf der Kündigungsfrist zum 1.8. besteht. Kurz darauf ruft c) bei b) an und will wissen, wer jetzt den Mietvertrag dem Jobcenter zur Genehmigung vorlegt. b) sagt, dass c) dafür zuständig ist, weil das zur Vermögenssorge gehört. Kaum hat b) aufgelegt, ruft e) an und will wissen, ab wann er denn die Wohnung vermieten kann. b) sagt ihm, dass d) die alte Wohnung erst zum 1.8. freigibt. d) fügt sich murrend in sein Schicksal, hätte aber gerne noch, dass b) nochmal mit d) redet. b) ruft also bei d) an. d) beharrt auf ihrem Recht. b) ruft c) an und teilt ihm den Sachstand mit. c) ist damit zufrieden, nicht jedoch a), der kurz darauf anruft und trotz allem gern zum 1.6. umziehen möchte. b) erklärt ihm die Sachlage und fragt, wie weit denn die Wohnungsrenovierung fortgeschritten sei. a) sagt, dass er &#8220;ganz bestimmt&#8221; diese Woche damit fertig wird. b) erklärt ihm nochmals, dass ohne die Zustimmung von b), c) und Jobcenter gar nichts läuft. Dann ruft b) wieder e) an und erklärt ihm, dass es vor dem 1.8. definitiv nicht geht. Anschließend schreibt b) an d) einen Brief mit dem Inhalt, dass er und c) der Kündigung von a) zustimmen. Diesen Brief bringt er c) zur Unterschrift und Weiterleitung an d).</p>
<p>So war es gestern, so war es heute, und so wird es morgen laufen.</p>
<p>Ich kann jetzt nachfühlen, wie sich Hillary Clinton auf Friedensmission im Nahen Osten fühlt.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Meteorologie und Betreuung]]></title>
<link>http://manfredjosef.wordpress.com/2009/04/01/meteorologie-und-betreuung/</link>
<pubDate>Wed, 01 Apr 2009 17:36:04 +0000</pubDate>
<dc:creator>Manfred J. A. Dempf</dc:creator>
<guid>http://manfredjosef.wordpress.com/2009/04/01/meteorologie-und-betreuung/</guid>
<description><![CDATA[Meteorologie und Betreuung &#8211; was hat das jetzt miteinander zu tun? Dieser Tage sehr viel. Ein ]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Meteorologie und Betreuung &#8211; was hat das jetzt miteinander zu tun?</p>
<p>Dieser Tage sehr viel. Ein Winter, der niemals zu enden scheint, Regen und Trostlosigkeit seit Monaten &#8211; da wird nicht nur der Betreuer depressiv. Im Laufe der letzten acht Tage kamen vier Betreute von mir ins Krankenhaus, mit psychischen und somatischen Beschwerden. Und bei meinen Kollegen ringsherum ist es genauso. Alles spinnt und stirbt. Ganz sicher kein Zufall, dass sich das gerade jetzt so häuft.</p>
<p>Man sehnt sich nach dem Frühling. Schon allein um seiner Klienten willen.</p>
<p>Manchmal hat eben auch der Wetterbericht eine betreuungsrechtliche Relevanz.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Geistige Behinderungen, Teil I: Bürokratie]]></title>
<link>http://manfredjosef.wordpress.com/2009/03/26/geistige-behinderungen-teil-i-burokratie/</link>
<pubDate>Thu, 26 Mar 2009 10:30:04 +0000</pubDate>
<dc:creator>Manfred J. A. Dempf</dc:creator>
<guid>http://manfredjosef.wordpress.com/2009/03/26/geistige-behinderungen-teil-i-burokratie/</guid>
<description><![CDATA[Wenn man über die Arbeit eines Betreuers berichtet, kommt man unweigerlich auf ein Thema zu sprechen]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Wenn man über die Arbeit eines Betreuers berichtet, kommt man unweigerlich auf ein Thema zu sprechen: Bürokratie.</p>
<p>Bürokratie halte ich für die schlimmste geistige Behinderung in unserem Land. (Knapp gefolgt vom Journalismus.) Wobei ich damit nicht die Menschen in den Ämtern meine. Das sind meistens ja nur die armen Schweine, die das ausbaden müssen, was die wirklich Behinderten ihnen einbrocken. Nein, die unheilbar (und uneinsichtig) geistig Behinderten sitzen in Berlin, München, Stuttgart usw. und nennen sich Abgeordnete, Ministerialdirigenten und wie die Krankheitsbezeichnungen alle heißen.</p>
<p>Kleines Beispiel aus dem Alltag:</p>
<p>Es gibt seit jeher eine Hilfe für Behinderte (also &#8220;Behinderte&#8221; im konventionellen Sinn), die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Das nennt sich naheliegenderweise &#8220;Mobilitätshilfe für Behinderte&#8221; und funktioniert so: Jeder, der diese Hilfe erhält, hat pro Monat ein bestimmtes Kontingent an Kilometern, die er beim Transportdienst des Roten Kreuzes beanspruchen kann. Damit kann er zu Freizeitaktivitäten, Arztbesuchen und anderen Terminen fahren. Das Rote Kreuz führt Buch, wieviel Kilometer er verbraucht hat und rechnet dann mit dem Sozialhilfeträger ab.</p>
<p>So war es bis 31.12.2008. Eine einfache Sache, die gut funktionierte. Zu gut, weshalb ein paar Leute, die an Ministerialdirigismus leiden, das dringend ändern mussten. Nun funktioniert alles so:</p>
<p>Jeder Behinderte bekommt pro Monat 80 Euro, mit denen er einen Fahrtdienst seiner Wahl beauftragen kann. Er rechnet direkt mit dem Fahrtdienst ab und sammelt die Quittungen. Diese legt er dann einmal im Jahr dem Sozialhilfeträger vor. Wenn er einen höheren Bedarf an Fahrten hat, kann er diesen beantragen, allerdings nur, wenn er diesen Bedarf auch nachweisen kann. Das heißt, er muss einen Monat vorfinanzieren, dann die Belege über die höhere Summe einreichen und dann bekommt er bis zu 150 Euro im Monat. Dieses Prozedere wiederholt sich dann jedes Jahr.</p>
<p>Also: Was bisher von allein funktionierte, ohne Zutun des Betreuers, ohne dass sich die Betroffenen groß mit irgendwas befassen mussten, benötigt nun einen immensen Verwaltungsaufwand aller Beteiligten.</p>
<p>Die Behinderten müssen wissen, dass die 80 Euro, die jeden Monat auf ihr Konto kommen, nicht zum Ausgeben da sind, sondern für die Fahrten. Sie müssen kalkulieren, wie weit sie mit diesen 80 Euro kommen. Sie müssen Belege sammeln.</p>
<p>Der Betreuer (oder der Zuständige in der Einrichtung) muss die Belege einkassieren und sammeln. Er muss für jeden Betroffenen ein Konto führen und darauf achten, dass der Betroffene nicht zu viel verfährt. Er muss gegebenenfalls einen höheren Bedarf beantragen.</p>
<p>Der Bearbeiter beim Sozialhilfeträger muss für jeden einzelnen Behinderten die Belege prüfen, bei den meisten den höheren Bedarf prüfen und für alles Bescheide verschicken.</p>
<p>Und das alles jedes Jahr von neuem.</p>
<p>Um es so richtig prickelnd zu machen, haben die Berufsbehinderten noch einen kleinen Clou eingebaut: Das Gesetz zu dem Ganzen wurde im Herbst 2008 verabschiedet und trat zum 1.1.2009 in Kraft. Die Ausführungsbestimmungen dazu kamen erst Anfang 2009. Es wusste also bei Inkrafttreten des Gesetzes niemand, wie das nun praktisch abläuft. Zum Beispiel, ob Geld, das am Monatsende nicht verbraucht wurde, verfällt und zurückgezahlt werden muss, oder ob es in den nächsten Monat übertragen werden kann. Kommentar eines Bearbeiters beim Sozialhilfeträger: &#8220;Jetzt fangen wir halt mal an, dann sehen wir schon, wie es läuft.&#8221;</p>
<p>Und noch eine kleine Gemeinheit am Rande: Durch diese Änderung haben die Betroffenen nur noch etwa halb so viele Fahrtkilometer zur Verfügung wie bisher. Das Ganze wird aber verkauft als &#8220;Größere Selbstbestimmung für Behinderte&#8221;.</p>
<p>Irgendwann beantrage ich mal die geschlossene Unterbringung für alle Abgeordneten und Ministeriumsmitarbeiter.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Freud und Leid in der Pfarrgemeinde]]></title>
<link>http://pfarreheiligefamilie.wordpress.com/2009/03/15/freud-und-leid-in-der-pfarrgemeinde/</link>
<pubDate>Sun, 15 Mar 2009 09:58:41 +0000</pubDate>
<dc:creator>mwhlf</dc:creator>
<guid>http://pfarreheiligefamilie.wordpress.com/2009/03/15/freud-und-leid-in-der-pfarrgemeinde/</guid>
<description><![CDATA[Die Taufe haben empfangen: 22. November 2008, Lorena Unterluggauer Dolomitenstr. 29, Tochter von Ver]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p><strong><span style="color:#0000ff;">Die Taufe haben empfangen:</span></strong><br />
22. November 2008,<br />
<strong>Lorena Unterluggauer</strong><br />
Dolomitenstr. 29,<br />
Tochter von Verena Unterluggauer und<br />
Richard Kerschbaumer<br />
6. Dezember 2008,<br />
<strong>Laura Pitscheider</strong><br />
Albin Egger Str. 7,<br />
Tochter von Sandra und<br />
Andreas Pitscheider<br />
13. Dezember 2008,<br />
<strong>Hanna Maria Dreer</strong><br />
Salurner Str. 20,<br />
Tochter von Karoline Amon &#8211; Dreer<br />
und Johannes Dreer</p>
<p><strong><span style="color:#0000ff;">Zu Gott heimgekehrt:</span></strong><br />
26. Nov. 08, <strong>Josef Kozubek,</strong><br />
Sterzinger Weg 6<br />
5. Dez. 08, <strong>Rosina Steiner,</strong><br />
Beda- Weber- Gasse 34<br />
6. Dez. 08, <strong>Anna Wendlinger,</strong><br />
Salurner Str. 31<br />
24. Dez. 08, <strong>Anna Hadwiger,</strong><br />
Andreas Hofer Str. 20<br />
12. Jän. 09, <strong>Erika Fürhapter,</strong><br />
Weidengasse 14b<br />
14. Jän. 09,<br />
<strong>Rudolf Wallensteiner,</strong><br />
Fr. Pachergasse 2<br />
15. Jän. 09, <strong>Eleonore Winkler,</strong><br />
Andreas Hofer Str. 40c<br />
19. Jän. 09, <strong>Rosa Walder,</strong><br />
Salurner Str. 9<br />
20. Jän. 09, <strong>Marianne Schedl,</strong><br />
Andreas-Hofer-Str. 58<br />
27. Jän. 09, <strong>Anni Mödritscher,</strong><br />
Speckbacherstr. 1</p>
<p><span style="color:#0000ff;"><strong>Geheiratet haben:</strong></span><br />
02. August 2008<br />
<strong>Pfeifhofer Michael und</strong><br />
<strong>Elena Pfeifhofer, geb. Veider</strong><br />
Salurner Str. 7</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Eine Betreuung hat auch was Gutes]]></title>
<link>http://manfredjosef.wordpress.com/2009/02/17/eine-betreuung-hat-auch-was-gutes/</link>
<pubDate>Tue, 17 Feb 2009 18:50:52 +0000</pubDate>
<dc:creator>Manfred J. A. Dempf</dc:creator>
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<description><![CDATA[Anruf heute von Frau Ammann, für die ich gestern zum Betreuer bestellt worden bin. Sie ist eine älte]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Anruf heute von Frau Ammann, für die ich gestern zum Betreuer bestellt worden bin. Sie ist eine ältere, alleinstehende Dame. Mit begeisterter Stimme erzählt sie mir: &#8220;Sie, Herr Dempf, das ist toll mit der Betreuung. Heute waren zwei Vertreter bei mir, die wollten mir so eine Versicherung andrehen. Aber ich kann mich doch nicht wehren gegen solche Leute. Was ich schon alles unterschrieben habe deswegen! Ich habe den zwei gesagt, dass ich erst meinen Betreuer fragen muss. Und daraufhin sind die ruckzuck wieder abgehauen. Also ich finde das mit der Betreuung echt klasse!&#8221;</p>
<p>Und ich musste noch nicht mal was tun dafür.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Eine geht noch]]></title>
<link>http://manfredjosef.wordpress.com/2009/02/04/eine-geht-noch/</link>
<pubDate>Wed, 04 Feb 2009 18:35:54 +0000</pubDate>
<dc:creator>Manfred J. A. Dempf</dc:creator>
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<description><![CDATA[Es ist gerade Fasching. Da gehen meine Gedanken wieder zurück an meine allerersten Arbeitstage als B]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Es ist gerade Fasching. Da gehen meine Gedanken wieder zurück an meine allerersten Arbeitstage als Betreuer.</p>
<p>Ich begann diese Tätigkeit nämlich an einem 1. Februar, mitten im Fasching. Ich übernahm eine Vollzeitstelle in einem Betreuungsverein. Von null auf 42 Betreuungen in einem Tag. Unter dem vielen neuen, das auf mich einstürmte, war auch die geballte Begegnung mit König Alkohol.</p>
<p>In meinem bis dahin behüteten Leben war mir Alkoholismus nur so am Rande begegnet. Irgendwelche bedauernswerten, manchmal auch schrulligen Menschen, die halt ein bisschen zu viel tranken.</p>
<p>Doch nun bekam ich das ungeschminkte Gesicht des Alkohols zu sehen. Abgewrackte Menschen ohne Erinnerungsvermögen, körperlich am Ende, mit zerstörten Beziehungen, verarmt, verdreckt, mit nur noch einem Gedanken im Kopf: Saufen.</p>
<p>Und abends wirkte ich dann bei unserer örtlichen Faschingsunterhaltung mit. Man sang fröhlich &#8220;Eine geht noch rein&#8221;, &#8220;Wenn das so weitergeht bis morgen früh, steh&#8217;n wir im Alkohol bis an die Knie&#8221; und die ganze Drogen-Verherrlichungs-Hitparade.</p>
<p>Ich fand es auf einmal nicht mehr lustig.</p>
<p>Ich finde es bis heute nicht mehr lustig.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Die schönen Seiten des Lebens]]></title>
<link>http://manfredjosef.wordpress.com/2009/01/26/die-schonen-seiten-des-lebens/</link>
<pubDate>Mon, 26 Jan 2009 17:29:36 +0000</pubDate>
<dc:creator>Manfred J. A. Dempf</dc:creator>
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<description><![CDATA[Wenn man meine Beiträge so liest, könnte man meinen, das Betreuerdasein bestehe überwiegend aus nega]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Wenn man meine Beiträge so liest, könnte man meinen, das Betreuerdasein bestehe überwiegend aus negativen Dingen. Das ist entspricht durchaus der Realität. Als Betreuer hat man es zum größten Teil mit den Schattenseiten des Lebens zu tun: mit Krankheit und Tod, mit Leid und Elend, mit Kabel Deutschland und Deutscher Telekom.</p>
<p>Aber eben nur überwiegend. Als Betreuer erlebt man auch immer wieder die schönen Seiten des Lebens.</p>
<p>Schön ist zum Beispiel das Verhältnis zu vielen meiner Klienten. Okay, für einige bin ich eine Nervensäge, die nicht zulässt, dass der Betreute Schulden machen kann. Für einige bin ich nur ein Dienstleister, mit denen mich ein rein geschäftliches Verhältnis verbindet. Manchen bin ich einfach wurscht. Aber zu einigen habe ich eine fast familiäre Beziehung.</p>
<p>Das sind vor allem Bewohner von Regens Wagner, einer großen Einrichtung für Menschen mit geistiger Behinderung. Nicht, dass geistig Behinderte automatisch auf der Sonnenseite des Lebens stehen würden. Eine geistige Behinderung bewahrt einen nicht vor psychischen und körperlichen Erkrankungen. Und dass alle geistig Behinderten sympathische Wonneproppen sind, ist ein Mythos aus Film und Fernsehen. Aber auch wenn jede(r) Bewohner(in) von Regens Wagner mit ihren persönlichen Einschränkungen zu kämpfen hat, so ergibt sich doch in den meisten Fällen eine sehr positive Beziehung zu ihnen.</p>
<p>Eine Außenwohngruppe des Heims befindet sich gleich neben meiner Wohnung. Dort habe ich zwei Betreute. Verstößt zwar gegen alle meine Prinzipien, weil ich Beruf und Privatleben eigentlich streng trenne. Aber die zwei sind einfach so nette Menschen, dass mir das wurscht ist. Die kommen dann auch gelegentlich zum Kaffee oder zum Fußball schauen zu mir. (Bitte nicht weitersagen! Das ist nämlich wirklich absolut unprofessionell!)</p>
<p>Bei einer von den beiden, nennen wir sie Martina, habe ich mal angeregt, die Betreuung aufzuheben, weil es eigentlich nichts zu tun gab, was Martina nicht selbst mit Hilfe der ErzieherInnen hätte erledigen können. Zunächst war Martina damit einverstanden. Ein paar Tage später kam sie zu mir und meinte: &#8220;Die Betreuung muss weitergehen. Ich bin sonst die einzige im Heim, die keinen Betreuer hat. Wie stehe ich denn dann da!&#8221;</p>
<p>Der Betreuer als Statussymbol. Hat auch was. Bei den Bewohnern von Regens Wagner gilt aber nicht nur die Betreuung an sich als prestigefördernd, sondern noch mehr die Person des Betreuers. Folgenden Dialog habe ich in einer Wohngruppe mal mitgehört: <em>(Vorbemerkung: Frau A. ist eine Kollegin von mir mit sehr vielen Klienten im Heim, und ich ändere gelegentlich meine Haarfarbe.)</em></p>
<p>Bewohner A<em> (stolz)</em><em>: </em>Meine Betreuerin ist die Frau A.!</p>
<p>Meine Betreute <em>(noch stolzer)</em>: Und mein Betreuer hat blaue Haare!</p>
<p>***</p>
<p>Schön ist auch zu erleben, wieviel Hilfsbereitschaft und menschliches Entgegenkommen man in den Ämtern erlebt. Von wegen &#8220;faule Beamte&#8221;! Gut, die erlebt man auch. Aber vor allem in den Sozialämtern, mit denen ich zu tun habe, gibt es sehr viele Mitarbeiter, die nicht nur Dienst nach Vorschrift machen. Ein ganz aktuelles Beispiel von heute: Bei meinem Lieblings-Messie steht wieder mal eine Entmüllung an. Die für ihn zuständige Mitarbeiterin des Sozialamts besorgt ein paar Zimmer weiter für ihn Sperrmüllkarten, damit das Ganze für ihn billiger wird. Und das, obwohl er vorübergehend gar keine Grundsicherung bezieht!</p>
<p>***</p>
<p>Schön sind auch die kleinen und großen Zeichen der Anerkennung, die man immer wieder bekommt. Eine Tafel Schokolade zu Weihnachten von jemand, der mit 86 Euro Barbetrag im Monat auskommen muss; eine Ansichtskarte aus dem Urlaub; ein Anruf des Betreuten, einfach so, &#8220;um zu schauen, wie es Ihnen geht&#8221;; die Frage am Ende eines Besuchs: &#8220;Wann kommen Sie denn wieder?&#8221;</p>
<p>***</p>
<p>Und schön ist es, wenn man mit den Betreuten lachen kann. Oder mal Kicker spielen oder FIFA spielen auf der Playstation. Und wenn der Betreute (auch ein Bewohner von Regens Wagner) mich dabei jedes Mal in Grund und Boden spielt, ist das so richtig schön &#8230; für den Betreuten.</p>
<p>***</p>
<p>Nachbemerkung: Ich habe gerade diesen Beitrag noch mal durchgelesen. Er klingt irgendwie kitschig. Tut mir leid, aber so ist das Betreuerleben eben manchmal auch.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Jenny - ein Nachruf]]></title>
<link>http://manfredjosef.wordpress.com/2009/01/17/jenny-ein-nachruf/</link>
<pubDate>Sat, 17 Jan 2009 21:30:26 +0000</pubDate>
<dc:creator>Manfred J. A. Dempf</dc:creator>
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<description><![CDATA[Dies ist ein Nachruf auf Jenny. Ihr Leben und ihr Sterben geht mir immer noch nach, obwohl es seit d]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Dies ist ein Nachruf auf Jenny. Ihr Leben und ihr Sterben geht mir immer noch nach, obwohl es seit drei Jahren vorbei ist.</p>
<p>Ich habe die Betreuung für Jenny übernommen als sie knapp neunzehn war. Hinter ihr lagen zu dem Zeitpunkt die Erfahrung von sexuellem Missbrauch, der Tod ihres Vaters an AIDS und eine jahrelange Drogenkarriere.</p>
<p>Jenny war nie unfreundlich. Sie war auch nie freundlich. Sie war &#8230; wie soll ich es beschreiben? &#8211; Sie war einfach nicht da. Das einzige, was man von ihr zu spüren bekam war eine massive Abwehrmauer um sie herum. Sie zeigte keine Gefühle, verriet keine Gedanken, zeigte keine Zustimmung und keine Ablehnung.</p>
<p>Man konnte ihre Wünsche nur aus ihren Handlungen erahnen. Wenn sie eine Verabredung nicht einhielt. Wenn sie nicht mehr zum Schulunterricht kam. Wenn sie für einige Tage verschwand.</p>
<p>Aber auch dann wusste man nie, waren das jetzt die Drogen, die sie dazu trieben, oder war sie selbst es.</p>
<p>Immerhin, anlässlich eines Aufenthaltes in der Psychiatrie erklärte sie sich bereit, eine Reha-Maßnahme anzutreten. So etwas hatte sie schon einmal abgebrochen, aber diesmal zog sie es durch. Weg von Zuhause, weg vom vertrauten Drogenmilieu, hin in eine Einrichtung mit strengen Regeln und absolutem Suchtmittel-Verbot.</p>
<p>Ein halbes Jahr hielt sie durch, ohne Drogen, mit festen Regeln. Es muss ein starker Wille in ihr gewesen sein, darin waren wir uns alle, die sie unterstützten, einig. Aber die Mauer um sie herum bröckelte nicht. Der Mensch wurde nicht sichtbar.</p>
<p>Dann, nach sechs Monaten, der Rückfall. Sie haute ab, nahm wieder Drogen, musste wieder in die Psychiatrie.</p>
<p>Entgegen ihren Regeln nahm die Reha-Einrichtung sie wieder auf. Alle waren überzeugt, dass Jenny es schafft und diese Chance verdient hat.</p>
<p>Ein weiteres halbes Jahr später (ohne Drogen verbracht), wurde sie als so stabil eingeschätzt, dass sie in eine offene Wohngemeinschaft umziehen konnte. Dort sollte sie wieder ein selbstbestimmtes Leben lernen.</p>
<p>In der WG hatte sie zunächst eine Woche lang keinen Ausgang, um sich dort erst einmal einzufinden. Nach dieser Woche durfte sie allein zu einem Arzt in der Nähe. Unterwegs besorgte sie sich Heroin, ging in eine öffentliche Toilette, spritzte sich eine Überdosis und starb.</p>
<p>Jenny wurde 20 Jahre alt.</p>
<p>Und bis heute frage ich mich: Warum?</p>
<p>Warum dieser Tod? Warum dieses Leben?</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Alltag]]></title>
<link>http://manfredjosef.wordpress.com/2008/12/15/alltag/</link>
<pubDate>Mon, 15 Dec 2008 18:38:57 +0000</pubDate>
<dc:creator>Manfred J. A. Dempf</dc:creator>
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<description><![CDATA[Bisher habe ich hier nur über Grundsätzliches und Außergewöhnliches berichtet. Ich denke mir aber, d]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Bisher habe ich hier nur über Grundsätzliches und Außergewöhnliches berichtet. Ich denke mir aber, dass wer auf diesen Blog kommt, auch wissen möchte, wie ein ganz normaler Arbeitstag eines beruflichen Betreuers aussieht.</p>
<p>Nun denn. Nehmen wir den Montag, 15.12.2008:</p>
<p>Mitten in der Nacht um 8.00 Uhr Fahrt in die Nachbarstadt. (Dieser frühe Arbeitsbeginn ist jetzt nicht Alltag bei mir. Wofür ist man denn selbstständig!) Dort zu Herrn Bergmann, meinem Lieblings-Messie (s. <a href="http://manfredjosef.wordpress.com/schicksale" target="_blank">Schicksale</a>). Der muss ins örtliche Krankenhaus, weil er morgen an einem Leistenbruch operiert wird.</p>
<p>Diese Begleitung gehört nicht unbedingt zu den Kernaufgaben eines Betreuers. Aber Herr Bergmann würde sich von allein nie aufraffen, rechtzeitig zur OP im Krankenhaus zu sein. Ich müsste jede Menge telefonieren, faxen und organisieren, damit das hinhauen würde. Da mache ich lieber alles gleich selber, das dauert genauso lang und funktioniert besser. Und wenn es nicht funktioniert, kann ich den Schuldigen wenigstens hemmungslos beschimpfen.</p>
<p>Herr Bergmann ist sogar fast fertig, als ich komme. Erstaunlich. Sonst muss er immer noch seinen reichlich vorhandenen Besitz sortieren. Normales Messie-Verhalten. Aber: Die Einweisung des Hausarztes fürs Krankenhaus ist nicht da. Herr Bergmann war zwar beim Arzt, aber der Arzt will das Formular nur mir selber geben.</p>
<p>Also schnell zum Arzt, Formular holen, zurück zu Herrn Bergmann. Der ist immer noch fast fertig. Nach zehn Minuten ist er ganz fertig und geht zu meinem Auto. Ich gehe voraus um aufzusperren. Als ich mich umdrehe, ist Herr Bergmann verschwunden. Sachen sortieren.</p>
<p>Dennoch sind wir pünktlich um 9.00 Uhr im Krankenhaus. Ich begleite Herrn Bergmann durch die Aufnahmeprozedur, regle die Zuzahlung, überzeuge die Ärzte und Schwestern, dass Herr Bergmann zwar unter Betreuung steht, aber nicht blöd ist und deshalb in die Behandlung selber einwilligen kann. Um 10.15 Uhr hat Herr Bergmann ein Bett und ich fahre ins Büro.</p>
<p>Dort sortiere ich die Post des Wochenendes und von heute. Meine Kollegin ist wieder mal klare Siegerin mit 12:8 Briefen. Schön für mich <img src='http://s.wordpress.com/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' />  Ich lese die Briefe, lese die Mails, werfe die unangeforderten Werbefaxe weg, kontrolliere ob Vergütungen eingegangen sind, gieße die Blumen und mache mich an die Schreibtischarbeit.</p>
<p>Als erstes informiere ich die Sozialarbeiterin der Werkstätte, in der Herr Bergmann arbeitet. Dann folgen mehrere Briefe, darunter die Kündigung einer Mitgliedschaft eines Betreuten beim TSV 1860 München. Ich schreibe ein P.S. dazu: &#8220;Diese Kündigung zu schreiben schmerzt mich als alten 60er sehr, aber ich muss den Wünschen meiner Betreuten folgen.&#8221;</p>
<p>Dann Mittagspause im Kreise der Familie. Dann wieder Briefe, Telefonate und Faxe: Eine Änderung des Einkommens bei einem Betreuten ans Sozialamt weiterleiten, weil der Betreute ergänzende Grundsicherung bekommt; <!--more-->Mobilitätshilfe (= Fahrtdienst für Behinderte) beantragen; eine Mutter eines Klienten informieren, dass entgegen ihren Vorstellungen ihr Sohn keinen Anspruch auf Wohngeld hat; mit dem Sozialarbeiter des Betreuten Einzelwohnens über den aktuellen Stand unserer Klienten austauschen; mit der Sozialarbeiterin eines Betreuten Wohnens die mögliche Krisenbetreuung  während der Weihnachtsfeiertage regeln usw.</p>
<p>Dann noch zwei Hausbesuche bei zwei jungen Bewohnern von Regens Wagner, dem hiesigen Heim für Menschen mit geistiger Behinderung. Vor allem der erste Besuch bei einer 28jährigen ist immer etwas Besonderes. Wir kennen uns jetzt seit neun Jahren und wir haben so etwas wie ein Vater-Tochter-Verhältnis. Auch der andere Klient ist schon lange mein &#8220;Kunde&#8221;, auch erst Mitte zwanzig und auch mit einem sehr lockeren Verhältnis zu mir.</p>
<p>Das sind so die Momente der Entspannung, vor allem wenn beide &#8211; so wie heute &#8211; gut drauf sind und ihre schweren psychischen Probleme mal im Hintergrund stehen.</p>
<p>Um 17.30 Uhr wieder daheim. Feierabend. Blog schreiben. Morgen geht&#8217;s erst einmal mit einem Arbeitsfrühstück mit drei anderen Kollegen los. Gut dass mein Büro über einem Café liegt &#8230;</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Kabel Deutschland - gezielte Unfähigkeit]]></title>
<link>http://manfredjosef.wordpress.com/2008/11/20/kabel-deutschland/</link>
<pubDate>Thu, 20 Nov 2008 19:43:38 +0000</pubDate>
<dc:creator>Manfred J. A. Dempf</dc:creator>
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<description><![CDATA[In einem früheren Artikel habe ich festgestellt, dass die Betreuertätigkeit viel aus langweiliger Sc]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>In einem früheren Artikel habe ich festgestellt, dass die Betreuertätigkeit viel aus langweiliger Schreibtischarbeit besteht. Das stimmt so nicht ganz. Der Teil mit der Schreibtischarbeit: der stimmt. Aber langweilig: Nicht wenn man mit den richtigen Leuten zu tun hat.</p>
<p>Es gibt einige Menschen, genauer gesagt: Gruppen von Menschen, die einem den trockenen Alltag ungeheuer bereichern mit soviel Realsatire, dass man keinen Comedian mehr braucht. Eine Gruppe kennen und schätzen Sie sicherlich: Die Deutsche Telekom AG. Ich bin sicher, Franz Kafkas Romane entstanden, nachdem er versucht hatte, seinen Telefonbucheintrag ändern zu lassen. Bei einem solchen Vorhaben muss man zwangsläufig zu der Einsicht kommen, dass das Leben leer und sinnlos ist und keinen erkennbaren Regeln folgt.</p>
<p>Meine weiteren Lieblinge sind die Gebühreneinzugszentrale, die Rechtsanwälte Wehnert &#38; Koll. und die Postbank. Aber die kommen alle nicht an gegen die größte Komikertruppe in Deutschland, die Stars der Realsatire: Kabel Deutschland.</p>
<p>Bei dieser Firma verbinden sich in perfekter Weise kriminelle Energie und bodenlose Blödheit. Bei jedem (wirklich jedem!) meiner Klienten, der bisher einen Nutzungsvertrag mit Kabel Deutschland abgeschlossen hat, wurden die Gebühren falsch berechnet. Statt 16,90 € für den vertraglich vereinbarten normalen Kabelanschluss wurden immer (immer!) 24,20 € für einen Digital-Anschluss abgebucht. Halt, stimmt nicht ganz! Beim letzten Fall vor einigen Wochen wurden 63,67 € abgebucht, und weil&#8217;s so schön war, am gleichen Tag noch einmal mit einer anderen Vertragsnummer 67,87 €. Man kann&#8217;s ja mal probieren.</p>
<p>Auf Beschwerden folgen dann oft völlig wirre Korrekturberechnungen, die sich auch mit Mathe-Abitur nicht nachvollziehen lassen. Aber solange meine Klienten dann mehr erstattet kriegen als ihnen zustünde, soll&#8217;s mir recht sein.</p>
<p>Kabel Deutschland (KD) habe ich meine schönsten Stunden am Schreibtisch zu verdanken. Es begann im Juni 2007. Bei einem meiner Klienten funktionierte der Fernseher nicht mehr. Nach einigem Ausprobieren merkte ich: Es liegt am Kabelanschluss. Mein Haus- und Hofelektriker stellte wenig später fest, dass draußen am Haus der Anschluss abgeklemmt und plombiert war. Kann nur von KD gemacht worden sein.</p>
<p>Ich schicke sofort ein Fax zu KD mit der Bitte um a) Aufklärung über die Gründe der Abklemmung, b) sofortige Behebung. Es wurde Abend und es wurde Morgen: Der erste Tag. Nichts geschah. Am zweiten Tag nach dem zweiten Fax: dito. Am dritten Tag: <!--more-->dito. Am vierten Tag schicke ich ein Fax, dass keine Gebühren mehr bezahlt werden, bis mein Klient wieder fernsehen kann.  Das bewirkt immerhin eine Reaktion: Auf meinem AB spricht ein Techniker von KD, dass der Anschluss <strong>in der Wohnung</strong> gestört sei und dies zu reparieren Sache des Kunden sei. Er hinterlässt keine Rückrufnummer, nur den Vorwurf, dass ich ja nie zu erreichen bin. Auf meinem AB ist die Ansage, dass ich montags bis donnerstags bis 17 Uhr im Büro zu sprechen bin. Der Anruf des Technikers kam donnerstags um 19 Uhr. Konsequenterweise ruft er das nächste Mal am folgenden Freitag an.  Er hinterlässt die Nachricht, dass er am Montag wieder anruft. Ich sage für Montag alle Termine ab, um den ganzen Tag für KD erreichbar zu sein. Kein Anruf. Die ganze Woche nicht. Bis Freitag. Da ist wieder ein wütender Techniker auf dem AB.</p>
<p>Ich schicke KD wieder ein Fax, und wieder eins und noch eins usw. Mittlerweile ist ein Monat vergangen. Die einzige Reaktion ist eine Mahnung über die Gebühren, die ich für meinen Klienten nicht mehr zahle. Ich schicke KD dasselbe Fax im Abstand von einer Stunde, vier Tage lang. Ich hab ja &#8216;ne Flatrate. Dann habe ich dummerweise meinen Urlaub gebucht.</p>
<p>Nach meiner Rückkehr aus dem Urlaub finde ich auf meinem Schreibtisch zwei Schreiben von KD: Mahnungen. Sonst nichts. Ich probiere es noch eine Woche lang mit Fax-Terror. Dann schicke ich ein Schreiben: Ich trete wegen Nichterfüllung vom Vertrag zurück, mit sofortiger Wirkung zum 1.9.07. Für meinen Klienten kaufe ich eine Satellitenschüssel.</p>
<p>Nach nur einem Monat kommt die Antwort von KD: Sie bedauern meine Kündigung zum 1.7.08 und wenn ich doch bitte noch rund 200,- € überweisen würde. Ich schreibe einen freundlichen Brief zurück, dessen Inhalt zusammengefasst heißt: Haha!</p>
<p>Nach nur zwei Monaten kommt wieder ein Brief. Der Anschluss sei <strong>in der Wohnung</strong> des Klienten gestört und damit sein Problem. Wenn ich doch bitte 250,- € überweisen würde &#8230;</p>
<p>Ich schreibe zurück, dass der Anschluss <strong>am Haus</strong> abgeklemmt und plombiert war und damit das Problem von KD war.  Im übrigen gilt: Keine Leistung, kein Geld. Schon drei Tage später kommt &#8230; eine Mahnung.</p>
<p>Einige Wochen danach &#8211; mittlerweile ist ein halbes Jahr vergangen &#8211; schreibt mir eine Inkasso-Firma. Sie wollen über 300,- €. Ich antworte, das ich mich freue, es nun endlich mit vernunftbegabten Wesen zu tun zu haben und dass ich selbstverständlich nichts bezahle.</p>
<p>Drei Monate später die Antwort: KD beharrt auf seiner Forderung, da der Anschluss <strong>in der Wohnung</strong> gestört war. Ich schicke der Inkasso-Firma meinen gesamten bisherigen Schriftverkehr mit KD. Die sollen auch was zu lachen haben.</p>
<p>Wieder drei Monate später der nächste Brief: KD wäre mit 200,- € zufrieden. Ich biete 50,- €, die Gebühren für die drei Monate vor meinem Vertragsrücktritt. Eine Woche darauf kommt die Zustimmung der Inkasso-Firma.</p>
<p>Ich überweise die 50,- €. Es wurde Abend und es wurde Morgen: der vierhundertdreißigste Tag. Und der Betreuer sah, dass es zumindest unterhaltsam war. Man hat ja sonst nichts zu tun.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Schicksale]]></title>
<link>http://manfredjosef.wordpress.com/2008/11/14/schicksale/</link>
<pubDate>Fri, 14 Nov 2008 15:13:21 +0000</pubDate>
<dc:creator>Manfred J. A. Dempf</dc:creator>
<guid>http://manfredjosef.wordpress.com/2008/11/14/schicksale/</guid>
<description><![CDATA[Was mich immer wieder berührt, sind die Lebensgeschichten der Menschen, für die ich da bin. Was sie ]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Was mich immer wieder berührt, sind die Lebensgeschichten der Menschen, für die ich da bin. Was sie durchgemacht haben, wie sie leben, wie sie überleben &#8211; wenn man es nicht selbst miterlebt, kann man es sich nicht vorstellen.</p>
<p>Zum Beispiel einer meiner liebsten Klienten: Herr Bergmann, ein Mann im mittleren Alter mit dem ausgeprägtesten Messie-Syndrom, das ich je gesehen habe. Ein &#8220;Messie&#8221; ist jemand, der alles sammeln muss und nichts wegwerfen kann. Das führt zwangsläufig zu Wohnungen, die Nicht-Messies als &#8220;vermüllt&#8221; bezeichnen. Bei &#8220;meinem&#8221; Messie geht das so weit, dass seine Ein-Zimmer-Wohnung in einer Notunterkunft komplett voll ist und er an guten Tagen auf einer Matratze schläft, die auf seinen Habseligkeiten drauf liegt. An schlechten Tagen schläft er im Freien oder in der Gemeinschaftsdusche. Das Umfeld um seine Wohnung herum ist ebenfalls vollgestellt, genauso wie die drei Gemeinschaftsklos. Einmal im Jahr lässt die Stadt das Umfeld und die Klos räumen. Als wir beim letzten Mal auf die Arbeiter des Bauhofs warteten, verbrachte Herr Bergmann die Wartezeit damit, in den Mülltonnen der anderen Bewohner zu kramen und den Inhalt in seine Wohnung zu bringen. Als ich vorgestern mit ihm zum Arzt fuhr, nahm er sieben Plastiktüten mit seinem Besitz mit. Das macht er immer, wenn er irgendwo hin geht, z.B. in die Arbeit. Das Zeug könnte ja sonst gestohlen werden, sagt er.</p>
<p>Am meisten gehen mir die Schicksale der Frauen (und Männer) nahe, die missbraucht wurden. Dass es so viele sind, hätte ich mir nie vorstellen können. Fast alle meine Klientinnen, die drogen- oder alkoholabhängig sind, sind durch sexuellen Missbrauch da hingekommen. Von den psychischen Folgen ganz zu schweigen.</p>
<p>Und dann habe ich einen Klienten, der im Knast saß, weil er seine beiden Töchter über Jahre hinweg missbraucht hat &#8230; Da braucht man viel Professionalität, um auch diesem Menschen ein würdiges Leben zu ermöglichen.</p>
<p>Ein anderes Schicksal: Ein Manager in einem Konzern, <!--more-->hohes Einkommen, Traumhaus am Ufer eines bayerischen Sees. Gerät in Alkoholabhängigkeit, verliert seine Stelle, macht sich selbständig. Gerät an iranische Geschäftspartner, die ihn restlos ausnehmen, bevor sie ihn in den Konkurs treiben und verschwinden. Steigender Alkoholkonsum und Starrsinn lassen ihn immer weiter abrutschen. Als ich die Betreuung übernehme ist er im siebenstelligen Bereich verschuldet, seine Frau trennt sich gerade von ihm, das Haus wird verkauft und er ist obdachlos und trinkt mittlerweile reinen Alkohol aus der Apotheke. Ich besorge eine Wohnung, in die er einzieht. Möbel hat er keine mehr. Als ich mit ihm zur Möbelbörse fahren will, liegt er tot in der leeren Wohnung, nackt. Vom erfolgreichen Manager zum einsamen, nackten Toten in einer leeren Wohnung. Ein verpfuschtes Leben.</p>
<p>Oft bewundere ich meine Klienten, wie sie ihren Handicaps und ihren Schicksalen trotzen. Zum Beispiel jener etwa 70jährige, der körperlich völlig am Ende ist, seit Jahrzehnten schon, der nicht lesen und schreiben kann, dessen IQ sich im unteren Bereich bewegt. Aber er schafft es, sein Leben zu gestalten, sich immer Hilfe zu besorgen, wo er allein nicht weiterkommt &#8211; und er ist zäh wie ein Hähnchen im Wienerwald. Seine Erkrankungen reichen um zehn Menschen zu töten, aber er lebt.</p>
<p>Am meisten bewundere ich Herrn Christ. Am Tag, als ich die Betreuung übernah, wurde seine Wohnung zwangsgeräumt. Seine Frau war mit dem Vermieter zusammengezogen, selbiger Vermieter hatte ihn um mehrere tausend DM betrogen. Herr Christ war aus Kummer zum Alkoholiker geworden, hatte seinen Job verloren, lebte nun in der Notunterkunft, war verschuldet und musste für einige Wochen ins Gefängnis, weil er eine Gerichtsverhandlung verschlafen hatte.</p>
<p>Drei Jahre später wurde die Betreuung aufgehoben. Herr Christ war trocken, hatte eine neue Arbeit, keine Schulden mehr und zog mit seiner neuen Freundin in eine neue Wohnung. Das alles hatte er aus eigener Kraft geschafft, ich hatte ihn eigentlich nur begleitet und ihn gelegentlich von neuen Dummheiten abgehalten.</p>
<p>Bewundernswert, solch ein Mensch, nicht?</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Die liebe Familie]]></title>
<link>http://manfredjosef.wordpress.com/2008/11/12/die-liebe-familie/</link>
<pubDate>Wed, 12 Nov 2008 16:44:47 +0000</pubDate>
<dc:creator>Manfred J. A. Dempf</dc:creator>
<guid>http://manfredjosef.wordpress.com/2008/11/12/die-liebe-familie/</guid>
<description><![CDATA[Fragt man einen beruflichen Betreuer nach seinen Erfahrungen mit Angehörigen von Betreuten, wird man]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Fragt man einen beruflichen Betreuer nach seinen Erfahrungen mit Angehörigen von Betreuten, wird man in der Regel einen langen Seufzer als Antwort erhalten.</p>
<p>Okay, natürlich sind viele der Eltern, Kinder und Geschwister unserer Klienten völlig in Ordnung, beziehungsweise sind uns sogar eine große Unterstützung in der Hilfe für &#8220;unsere Leute&#8221;. Genau so hatte ich das auch erwartet, als ich in diesem wunderbaren Beruf angefangen hatte. Was ich nicht erwartet hatte, war, wieviel Neid, Hass, Hinterfotzigkeit, Habgier und schlichte Blödheit in deutschen Familien verbreitet ist.</p>
<p>Den härtesten Fall erlebte ich gleich zu Beginn meiner Tätigkeit: Frau Lehmann, Bewohnerin eines Pflegeheims, kaum ansprechbar, über eine Magensonde ernährt. Der Sohn hatte eine Generalvollmacht, war aber zu blöd zu allem (na ja, zu fast allem, wie ich dann bald merkte), weshalb ich zum Betreuer bestellt wurde.</p>
<p>Frau Lehmann war privat versichert. Der Sohn hatte die Rechnungen für die Sondennahrung bei der Krankenkasse eingereicht. Die Kasse hatte das Geld auf das Konto des Sohnes überwiesen. Der Sohn bezahlte aber nicht die Rechnungen, sondern verabschiedete sich mit dem Geld zu einem mehrmonatigen Urlaub auf die Malediven.</p>
<p>Der Lieferant der Sondennahrung stellte die Lieferung ein, als die Zahlungsrückstände einige tausend DM erreicht hatten (was bei Sondennahrung relativ schnell geschieht). Frau Lehmann wäre verhungert, wenn nicht das Heim die weitere Sondennahrung aus dem eigenen Budget bezahlt hätte. Der Sohn war währenddessen auf den Malediven natürlich nicht zu erreichen.</p>
<p>Oder die Familie Waldmann. Vater Ende siebzig, schwer dement, zwei Söhne. Der Ältere ist Berufssoldat wie sein Vater, diszipliniert, erfolgreich. Der Jüngere ist Möchtegern-Musiker ohne Engagement und Einkommen. Der eine hat ein eigenes Haus 800 km vom Vater entfernt, der andere lebt beim Vater und von Ausreden.</p>
<p>Zwischen den Söhnen tobt ein Krieg bis aufs Blut um die Zuneigung des Vaters. Eindeutiger Sieger <!--more-->ist der Loser-Sohn, denn er schafft es, dem Vater vorzugaukeln, dass er sich rührend um ihn kümmert. während der andere ja weit weg ist. Vielleicht kümmert er sich ja wirklich, aber nach drei Jahren sind die gesamten Ersparnisse des Vaters weg. Ich als Betreuer muss machtlos zuschauen, denn es ist eindeutig der freie Wille des Vaters, seinen Sohn zu unterstützen.</p>
<p>Oder Herr Baumann. Mitte vierzig, alkoholbedingte Demenz (Korsakoff-Syndrom), lebt in der eigenen Wohnung. Vater unbekannt, Mutter tot. Die Geschwister ziehen sich umso mehr zurück, je weiter die Demenz fortschreitet. Sie waschen nicht mehr die Wäsche ihres Bruders &#8211; ich lasse die Wäsche im örtlichen Altenheim reinigen. Sie putzen nicht mehr die Wohnung &#8211; ich engagiere eine Putzfrau. Sie kaufen nicht mehr &#8211; ich organisiere einen Einkaufsdienst. Sie besuchen ihren Bruder nur noch ein- oder zweimal im Jahr, der Bruder wird depressiv vor Einsamkeit &#8211; ich besorge einen Besuchsdienst.</p>
<p>Jedesmal wenn dann doch mal eine Schwester vorbeischaut, gibt es hinterher wüste Beschimpfungen für den unfähigen Betreuer, der nichts tut. Bei einem der seltenen Besuche hatte Herr Baumann kurz zuvor einen Krankheitsschub erlitten, so dass er nicht mehr ansprechbar war. Als drei Stunden davor der Pflegedienst bei Herrn Baumann gewesen war, war dieser noch fit gewesen.</p>
<p>Was macht die Schwester, als sie ihren nicht mehr ansprechbaren Bruder sieht? Den Notarzt rufen? &#8211; Viel zu naheliegend und zu intelligent. Den Pflegedienst oder den Betreuer anrufen? &#8211; Da würde sie ja tatsächlich helfen! &#8211; Nein, sie fährt nach Hause und ruft bei der Betreuungstelle an, um sich über diesen absolut unfähigen Betreuer zu beschweren, der ihren Bruder völlig unversorgt sterben lässt.</p>
<p>Oder die vielen alkohol- und/oder psychisch kranken Frauen, die das nur deshalb sind, weil sie vom Ehemann / Vater / Bruder vergewaltigt und missbraucht wurden. Bei aller Professionalität: Aber da kommt mir jedesmal wieder das Kotzen.</p>
<p>Kurz und gut - bei Betreuungen gilt: Nur ein toter Angehöriger ist ein guter Angehöriger*. Von den erfreulichen Ausnahmen mal abgesehen.</p>
<p>* Natürlich in dem Sinn, dass ein Betreuer die Angehörigen am liebsten hat, die schon lange verstorben sind. Wir wünschen ja niemandem was schlechtes, gell.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Mein schwierigster Arbeitstag]]></title>
<link>http://manfredjosef.wordpress.com/2008/11/05/mein-schwierigster-arbeitstag/</link>
<pubDate>Wed, 05 Nov 2008 17:04:04 +0000</pubDate>
<dc:creator>Manfred J. A. Dempf</dc:creator>
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<description><![CDATA[3. Mai 2001: Mein bisher schwierigster Arbeitstag. Und das wird er hoffentlich auch bleiben. Ich ver]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>3. Mai 2001: Mein bisher schwierigster Arbeitstag. Und das wird er hoffentlich auch bleiben.</p>
<p>Ich verbringe diesen Tag überwiegend mit Herrn Preuß. Die Betreuung für ihn habe ich vor ein paar Monaten übernommen. Er lag damals nach einem alkoholbedingten Unfall im Koma in einer Spezialklinik einige hundert Kilometer entfernt. Nun ist er wieder bei Bewusstsein und körperlich und physisch so weit hergestellt, dass er entlassen werden kann. Allerdings fehlt ihm die Erinnerung an die letzten 30 Jahre, und er ist in seinen Bewegungen sehr eingeschränkt.</p>
<p>In den letzten Monaten hatte ich regelmäßig in der Klinik angefragt, ob Herr Preuß entlassfähig ist. Es war klar, dass er nicht mehr in seine Wohnung zurück kann und ins Heim muss. Deshalb hatte ich seine Wohnung aufgelöst. Bei jeder Anfrage erhielt ich die Auskunft: Herr Preuß braucht noch längere Behandlung, ich muss noch keinen konkreten Heimplatz suchen. So auch bei meiner letzten Anfrage Anfang April.</p>
<p>Zwei Wochen später ein Anruf von der Sozialarbeiterin der Klinik: Herr Preuß wird in einer Woche entlassen, ich soll doch bitte einen Heimplatz organisieren. Ich versuche möglichst höflich die Frage zu formulieren, ob sie den Arsch offen hat. Nein, hat sie nicht, nur großen Druck von den Ärzten. Falls ich keinen Heimplatz finde, kommt Herr Preuß in Kurzzeitpflege in wechselnde Heime, so lange, bis ein dauerhafter Platz da ist. Wäre sehr förderlich für die weitere Genesung <img src='http://s.wordpress.com/wp-includes/images/smilies/icon_sad.gif' alt=':-(' class='wp-smiley' /> </p>
<p>Ich rufe in den folgenden Tagen 30 Heime an, aber natürlich ist nirgends was frei. Ich kann die Klinik noch um eine Woche Aufenthalt für Herrn Preuß raufhandeln, aber am 2.5. ist definitiv Schluss. Am 2.5. vormittags habe ich noch ein Heim übrig (von 30), das möglicherweise einen Kurzzeit-Platz hat. Um 14.15 Uhr will die Klinik Herrn Preuß verlegen. Um 14.13 Uhr kommt ein Anruf vom Heim: Sie haben nicht nur einen Kurzzeitplatz, sondern einen Dauerplatz ab morgen!</p>
<p>Am 3.5. kommt Herr Preuß mit dem Taxi von der Klinik zu mir ans Büro. Ich soll ihn dann ins 50 km entfernte Heim bringen. Ein letzter Anruf von der Klinik-Sozialfrau: Herr Preuß ist gerade losgefahren, und &#8211; ach ja &#8211; wir haben ihm nicht gesagt, dass er keine Wohnung mehr hat und dass er jetzt ins Heim muss. Er wäre sonst aggressiv geworden. Bitte informieren doch Sie ihn!</p>
<p>Na klasse. Um 14 Uhr kommt Herr Preuß an, voller Vorfreude auf seine Wohnung, die er seit Monaten nicht mehr gesehen hat, und bekannter Neigung zu Aggressivität, wenn was nicht nach seinem Kopf läuft. (Er saß deswegen auch im Knast.) Und bis zum Abend muss ich ihn im Heim haben, auf freiwilliger Basis, eine andere Lösung gibt es nicht.</p>
<p>Herr Preuß kommt an, gut gelaunt. Er lädt mich erst mal auf ein Bier in der benachbarten Wirtschaft ein. Mich von Betreuten einladen zu lassen ist zwar gegen meine Prinzipien, aber wenn&#8217;s ihn friedlich stimmt &#8230; Im Wirtshaus eröffne ich Herrn Preuß, dass seine Wohnung &#8220;gerade renoviert wird&#8221; und er &#8220;momentan&#8221; nicht da rein kann. Er reagiert gelassen: &#8220;Na, dann zieh ich derweil zu meinen Eltern. Da können wir jetzt gleich hinfahren&#8221; Die Eltern sind seit 20 Jahren tot. Aber &#8220;na gut&#8221;, denke ich, dann mach ich&#8217;s halt auf die harte Tour.</p>
<p>Ich fahre mit ihm zur (früheren) Wohnung der Eltern. Herr Preuß läutet, ein junger Mann öffnet. Natürlich hat er nie was von Herrn Preuß&#8217; Eltern gehört. Herr Preuß setzt sich zu mir ins Auto, völlig verstört. &#8220;Wo soll ich jetzt hin?&#8221; Mein Stichwort: &#8220;Ich hätte da ein Heim, wo Sie &#8211; natürlich nur vorübergehend &#8211; einen Platz hätten.&#8221; Nach längeren Diskussionen sagt Herr Preuß:<!--more--> &#8221;Ist gut, dann geh ich ins Heim.&#8221;</p>
<p>Jubel! Ungefähr drei Sekunden. Dann öffnet sich die Autotür, eine Frau schaut herein: &#8220;Sie, Sie haben da einen Fisch auf dem Auto kleben. Heißt das, dass Sie Christ sind? Ich bin nämlich auch Christ.&#8221; Und sie erzählt mir in epischer Breite die Geschichte ihrer Bekehrung. Als sie geht, will Herr Preuß vom Heim nichts mehr wissen. So nah war ich noch nie dran, eine Mitchristin zu erwürgen.</p>
<p>Klasse. Mittlerweile sind zwei Stunden vergangen. Herr Preuß will seine alten Kumpel sehen, danach lässt er wieder mit sich übers Heim reden, teilt er mir mit. Seine Kumpel sitzen alle im Café Anders. Dies ist ein Ausschank ohne Ausschankerlaubnis, in dem sich die Alkoholiker-Haute Volé der Stadt trifft. Der Bierumsatz dort ist größer als in der größten Wirtschaft des Ortes.</p>
<p>Na gut, dann geh ich halt auf Staatskosten in eine illegale Kneipe. Eine knappe Stunde lang ertrage ich hochgeistige Gespräche, die aber immerhin das Fazit haben: &#8220;Preuß, du gehörst ins Heim!&#8221; Und Herr Preuß steigt dann tatsächlich zu mir ins Auto und fährt mit!</p>
<p>Allerdings merkt er mit der Zeit, dass 50 km ziemlich weit weg sind. &#8220;Ich will in die Nähe meiner Stadt&#8221;, sagt er immer lauter und aggressiver. Mit Mühe kann ich ihn im Auto halten, bis wir endlich am Heim sind. Dort drängt er massiv wieder weg, fängt zu weinen an. Irgendwann wird er in sein Zimmer gebracht und ich fahre heimlich davon.</p>
<p>Auf dem Heimweg fühle ich mich beschissen. Ich habe gelogen und meinen Klienten hintergangen. Aber was blieb mir übrig? Ihn ins Taxi setzen und zurück an den Absender schicken? Ihn in die Notunterkunft der Stadt einweisen lassen?</p>
<p>Am nächsten Tag folge ich meinem Grundsatz, meinen Ärger immer dort abzureagieren, wo er entstand. Ich schreibe einen heftigen Beschwerdebrief an die Klinikleitung. Tatsächlich ruft auch der Klinikleiter an und entschuldigt sich. Immerhin.</p>
<p>Epilog: Herr Preuß beruhigte sich in den nächsten Tagen und blieb zumindest aus juristischer Sicht freiwillig im Heim. Mein schlechtes Gewissen hielt sich länger.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Unsere Verstorbenen - September und Oktober 2008]]></title>
<link>http://pfarreheiligefamilie.wordpress.com/2008/10/10/unsere-verstorbenen-september-und-oktober-2008/</link>
<pubDate>Fri, 10 Oct 2008 08:51:22 +0000</pubDate>
<dc:creator>dahlf</dc:creator>
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<description><![CDATA[16. September 2008, Erika Scheriau; Patterergasse 10 25. September 2008, Marianna Krautgasser; Beda-]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>16. September 2008, <strong>Erika Scheriau</strong>; Patterergasse 10</p>
<p>25. September 2008, <strong>Marianna Krautgasser</strong>; Beda-Weber-Gasse 34</p>
<p>25. September 2008, <strong>Gertrude Zlöbl</strong>; Mühlangergasse 1</p>
<p>28. September 2008, <strong>Maria Gliber</strong>; Haspinger Str. 1</p>
<p>3. Oktober 2008, <strong>Martina Ritscher</strong>; Lienz</p>
<p>5. Okotber 2008, <strong>Aloisia Lublasser</strong>, Andreas-Hofer- Str. 40c</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Zu Gott heimgekehrt:]]></title>
<link>http://pfarreheiligefamilie.wordpress.com/2008/09/27/zu-gott-heimgekehrt/</link>
<pubDate>Sat, 27 Sep 2008 08:08:35 +0000</pubDate>
<dc:creator>pahlf</dc:creator>
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<description><![CDATA[15. Jänner 2008, Wilhelm Sprenger; Drahtzuggasse 7 22. Juni 2008, Louise Kohlsaat-Devich; Rotterdam,]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>15. Jänner 2008, <strong>Wilhelm Sprenger;</strong> Drahtzuggasse 7</p>
<p>22. Juni 2008, <strong>Louise Kohlsaat-Devich</strong>; Rotterdam, Holland</p>
<p>11. Mai 2008, <strong>Miralem Cosic</strong>; Dolomitenstr. 33e</p>
<p>16. Juli 2008, <strong>Rosina Saiger</strong>; Beda-Weber-Gasse 34</p>
<p>16. Juli 2008,<strong> Maria Rainer</strong>; Beda-Weber-Gasse 34</p>
<p>5. August 2008, <strong>Mathilde Brandstätter</strong>; Beda -Weber- Gasse 34</p>
<p>29. August 2008, <strong>Frieda Wurnitsch</strong>; Beda &#8211; Weber &#8211; Gasse 34</p>
<p>10. September 2008, <strong>Josef Klocker</strong>; Laurinweg 1</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Geheiratet haben:]]></title>
<link>http://pfarreheiligefamilie.wordpress.com/2008/09/27/geheiratet-haben/</link>
<pubDate>Sat, 27 Sep 2008 08:07:34 +0000</pubDate>
<dc:creator>pahlf</dc:creator>
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<description><![CDATA[19. Juli 2008 Robert Fuchs und Sonja Fuchs, geb. Zlöbl Mittenwaldweg 5, 6020 Innsbruck 19. Juli 2008]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>19. Juli 2008</p>
<p><strong>Robert Fuchs und Sonja Fuchs, geb. Zlöbl</strong></p>
<p>Mittenwaldweg 5, 6020 Innsbruck</p>
<p>19. Juli 2008</p>
<p><strong>Helmut Mayr-Infeld und Carolina Mayr</strong></p>
<p>Speckbacherstr. 12</p>
<p>08. August 2008</p>
<p><strong>Matthias Ebenberger und Abelina Ebenberger, geb. Neckstaller</strong></p>
<p>Sepp Innerkofler Str. 10</p>
<p>09. August 2008</p>
<p><strong>Günther Gietl und Anita Gietl, geb. Jud</strong></p>
<p>Andreas &#8211; Hofer Str. 40b</p>
<p>06. September 2008</p>
<p><strong>Daniel Lobenwein und Claudia Lobenwein, geb. Bidner</strong></p>
<p>Dolomitenstr. 33d</p>
<p>13. September 2008</p>
<p><strong>Anton Zandanell und Cornelia Zandanell, geb. Tributsch</strong></p>
<p>Preßguts 37, 8211 Preßguts</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Die Taufe haben empfangen:]]></title>
<link>http://pfarreheiligefamilie.wordpress.com/2008/09/27/die-taufe-haben-empfangen/</link>
<pubDate>Sat, 27 Sep 2008 08:06:21 +0000</pubDate>
<dc:creator>pahlf</dc:creator>
<guid>http://pfarreheiligefamilie.wordpress.com/2008/09/27/die-taufe-haben-empfangen/</guid>
<description><![CDATA[26. April 2008, Moritz Leonie Wolkensteiner  Str. 7, Tochter von Nadja Moritz und Daniel Pirkebner 2]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>26. April 2008, <strong>Moritz Leonie</strong></p>
<p>Wolkensteiner  Str. 7,</p>
<p>Tochter von Nadja Moritz und Daniel Pirkebner</p>
<p>24. Mai 2008, <strong>Gailer Sophie</strong></p>
<p>Spitzkofelstr. 22,</p>
<p>Tochter von Claudia und Johannes Gailer</p>
<p>24. Mai 2008, <strong>Santner Shania Ursula Seraphine</strong></p>
<p>Andreas &#8211; Hofer- Str. 7,</p>
<p>Tochter von Claudia und Peter Santner</p>
<p>07. Juni 2008, <strong>Palfinger Isabella</strong></p>
<p>Salurner Str. 22,</p>
<p>Tochter von Cornelia und Erwin Palfinger</p>
<p>28. Juni 2008, <strong>Pirker Tristan David</strong></p>
<p>Dolomitenstr. 37e,</p>
<p>Sohn von Cornelia Pirker und Franz Rappold</p>
<p>06.Juli.2008, <strong>Senfter Judith</strong></p>
<p>Tristacher Str. 42,</p>
<p>Tochter von Magdalena Senfter und Peter Schönegger</p>
<p>06. Juli 2008, <strong>Senfter Jakob</strong></p>
<p>Gries 52, 9900 Leisach</p>
<p>Sohn von Christine Senfter und Günther Bachmann</p>
<p>2. August 2008, <strong>Cheyenne Pfeifhofer</strong></p>
<p>Salurner Str. 7</p>
<p>Tochter von Elena und Michael Pfeifhofer</p>
<p>13. September 2008, <strong>Kollreider Luca Andreas</strong></p>
<p>Spitzkofelstr. 15,</p>
<p>Sohn von Klaudia Kollreider und Karl Wibmer</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Veränderungen in Haus Abendschein]]></title>
<link>http://woertersalat.wordpress.com/2008/06/15/veranderungen-in-haus-abendschein/</link>
<pubDate>Sun, 15 Jun 2008 18:23:01 +0000</pubDate>
<dc:creator>Norella</dc:creator>
<guid>http://woertersalat.wordpress.com/2008/06/15/veranderungen-in-haus-abendschein/</guid>
<description><![CDATA[Nichts bleibt wie es ist. Leider gibt es nicht nur Gutes und Erfreuliches zu berichten. Man könnte m]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Nichts bleibt wie es ist.</p>
<p><span>Leider gibt es nicht nur Gutes und Erfreuliches zu berichten. Man könnte meinen, dass das Sterben in einem Pflegeheim nichts Ungewöhnliches sei. Es stimmt natürlich, dass im Laufe von Jahren immer wieder Lücken im Speisesaal zu entdecken sind, wenn man als Besucher kommt. Manchmal erfährt man, dass der Vermisste leider bettlägerig geworden ist und seine Mahlzeiten im Zimmer einnimmt. Man nimmt es anteilnehmend zur Kenntnis, ist aber nicht direkt betroffen, freut sich, dass der Bewohner immerhin noch unter den Lebenden ist.</span></p>
<p><span>Dies kann ich leider von den wichtigsten Bezugspersonen meines Schützlings im Pflegeheim nicht sagen. In den letzten drei Wochen trafen ihn zwei schwere Schicksalsschläge hintereinander. Der wichtigste Mensch, der Außenkontakte für die Bewohner herstellte, indem er sich um einen Reigen von Veranstaltungen von Niveau im Haus Abendschein kümmerte, ist einer unheilbaren Krankheit nach kurzer Besserung nun doch noch erlegen. Er hinterlässt eine Lücke, die sich nur schwer schließen lässt. Dieser freundliche, umtriebige und unermüdliche Mann, der früher in seiner Stadt einen leitenden Posten in der Familienfürsorge hatte, nutzte seine alten Kontakte zu Vereinen, sozialen Einrichtungen und zur Stadt, um immer wieder Menschen ins Haus zu holen, die Vorträge hielten, Konzerte veranstalteten, Liedernachmittage begleiteten, einzelne Bewohner in ihren besonderen Anliegen oder Problemen unterstützten. Besonders beliebt waren auch die Dia-Vorträge, die Dr. F. über seine Reisen (mit seiner Frau) in alle Welt hielt. Für Menschen, die ans Haus gebunden sind, waren das „Fenster“ in eine Welt, die ihnen verschlossen ist. Nun kann man sagen, dass es doch Filme über andere Länder auch im Fernsehen gibt. Das stimmt schon. Die alten Menschen im Heim schätzten aber den Bezug zu der vortragenden Person, die sich durch die Bekanntschaft mit Dr. F. ergab und ziehen deshalb solche Vorträge sehr.</span></p>
<p><span>Kaum hatte mein Schützling die Trauerfeier für Dr. F. hinter sich, da traf die Nachricht ein, dass der zweite ehrenamtliche Betreuer, der sich in rührender Weise seit Jahren um den gehunfähigen und sprachlich gestörten J. kümmert, ins Krankenhaus kam und am Herzen operiert wurde. Nun ist auch er nicht mehr unter den Lebenden und J. fühlt sich (nach dem Tod seiner Mutter) zum zweiten Mal als „verwaist“. Er hat ja noch mich als Ehrenamtliche (und fürsorgliche Pflegekräfte im Heim) als Bezugsperson, aber der Kontakt zu einem männlichen Helfer war für ihn doch besonders wichtig und erfreulich und bedeutete einen großen Zuwachs an Lebensqualität. Eine Frau ist nicht der beste Kumpel für einen Besuch (per Rollstuhl) im Biergarten, im Eiscafé, im großen berühmten Dom oder in der Einkaufsmeile der Stadt. Schon allein meine fehlende Körperkraft für den Rollstuhl ist ein Hindernis. Es fehlt aber auch die typisch männliche Art, solche Ausflüge zu gestalten und zu genießen. Ich muss also passen und hoffe inständig, dass das Schicksal irgendwann wieder einmal ein männliches Wesen in das Haus Abendschein leitet, das Kraft und Mut genug hat, den Kampf mit den Tücken eines Rollstuhls aufzunehmen. </span></p>
<p><span>Viel Geduld wird nötig sein in der Zwischenzeit und mein Schützling muss sich auf seine eher „häuslichen“ Tugenden besinnen, seine Bücher wieder hervorholen, Musik hören und  vorläufig mit der kleinen Rundfahrt um die Anlage von Haus Abendschein vorliebnehmen. Die schaffe ich gerade noch mit ihm. Nun hoffe ich auf einen schönen trockenen Sommer, denn das ist die Voraussetzung für solche Ausflüge.<em> </em></span></p>
<p><span><em>Ich verweise in diesem Zusammenhang auch auf die Kategorie „Texte, Kurzgeschichten, Essays“ in der ich das Schicksal von J.M. in der Geschichte „Glück zwischen zwei Rädern“ beschrieben habe).</em></span></p>
<div><em><br />
</em></div>
</div>]]></content:encoded>
</item>

</channel>
</rss>
