<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><!-- generator="wordpress.com" -->
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	>

<channel>
	<title>gattungsgeschichte &amp;laquo; WordPress.com Tag Feed</title>
	<link>http://en.wordpress.com/tag/gattungsgeschichte/</link>
	<description>Feed of posts on WordPress.com tagged "gattungsgeschichte"</description>
	<pubDate>Wed, 19 Jun 2013 19:20:45 +0000</pubDate>

	<generator>http://en.wordpress.com/tags/</generator>
	<language>en</language>

<item>
<title><![CDATA[Geschichte III: Erst wenn der Kopf oben ist, gehen wir aufrecht.]]></title>
<link>http://maennlich.wordpress.com/2009/05/18/geschichte-iii-erst-wenn-der-kopf-oben-ist-gehen-wir-aufrecht/</link>
<pubDate>Mon, 18 May 2009 17:40:02 +0000</pubDate>
<dc:creator>Panther Ray</dc:creator>
<guid>http://maennlich.wordpress.com/2009/05/18/geschichte-iii-erst-wenn-der-kopf-oben-ist-gehen-wir-aufrecht/</guid>
<description><![CDATA[Den aufrechten Gang haben sich unsere Vorfahren nicht aus Naturnotwendigkeit zugezogen. Als sich vor]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div id="post-531" class="post hentry category-das-mannliche-in-natur-und-geschichte category-kultur-und-gesellschaftsgeschichte tag-anpassung tag-aufrechter-gang tag-auslese tag-becken tag-biomechanik tag-corpus-callosum tag-darwin tag-dreieck tag-entspezialisierung tag-feuchtsavanne tag-gattungsgeschichte tag-gehirn tag-geschlechtergegensatz tag-gleichgewicht tag-glutaeus-maximus tag-hominisation tag-klimawandel tag-mannliche-morphologie tag-oberschenkelknochen tag-ostafrikanischer-graben tag-oval tag-pendeln tag-plastizitat tag-sezialisierung tag-vaganz tag-wanderer tag-weibliche-morphologie tag-zurichtung entry entry-4" style="font-family:Garamond;text-align:left;">
<div class="entrytitle">
<h2><a title="Permanent-Link zu III. Erst wenn der Kopf oben ist, gehen wir aufrecht" rel="bookmark" href="http://ebmeierjochen.wordpress.com/2008/09/13/erst-wenn-der-kopf-oben-ist-gehen-wir-aufrecht/"></a></h2>
</div>
<div class="entrybody">
<div class="snap_preview">
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><a href="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/09/aufrechtttjpg.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-534" title="aufrechter Gang" src="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/09/aufrechtttjpg.jpg?w=237&#038;h=186#38;h=186&#038;h=186" alt="" width="237" height="186" /></a></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:left;"><span style="font-size:medium;">Den aufrechten Gang haben sich unsere Vorfahren nicht aus Naturnotwendigkeit zugezogen. Als sich vor zwei, drei Millionen Jahren in Ostafrika das Klima erwärmte und den Regenwald zu einer Feuchtsavanne ausdünnte, zogen sie sich nicht, wie ihre äffischen Vettern, mit dem Dschungel zurück, sondern stiegen stattdessen auf den Boden herab.</span><a name="_ednref1" href="http://ebmeierjochen.wordpress.com/category/kultur-und-gesellschaftsgeschichte/das-mannliche-in-natur-und-geschichte/#_edn1"><span class="MsoEndnoteReference"><span class="MsoEndnoteReference"><span style="font-size:medium;">[1]</span></span></span></a><span style="font-size:medium;"><br />
</span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:left;"><span style="font-size:medium;">Eine Feuchtsavanne ist kein einheitlicher Lebensraum, sie besteht aus vielen Vegetations- und Klimainseln, von denen keine als dauernder Wohnort reichen mochte. Jedenfalls gewöhnten sie sich an, von einer zur andern zu wechseln, und dabei werden sie sich aufgerichtet haben. Das</span><span style="font-size:medium;"> war eine Anpassung an einen Zustand, der sich durch seine Veränderlichkeit auszeichnete.Spezialisierung auf einen unspezifischen Lebensraum ist Entspezialisierung. Der Normalzustand, für den er sich zugerichtet hat, war der Wechsel. Er entschied sich fürs Unbestimmte. Indem der männliche Anteil sich erstmals selbst behauptete, gewann er seinen Platz im ‚Plan der Natur’. Die Plastizität (Gehlen) des Homo sapiens ist sein eigentümlicher Beitrag zum Gattungscharakter. Und seither erst kann es einen Geschlechtergegensatz überhaupt geben &#8211; als Folge der Emanzipation des Männlichen.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size:medium;"><span style="color:#008080;"><em>Ob Frauen oder Männer</em></span></span><span style="font-size:medium;"> die Pioniere des aufrechten Ganges waren, kann die Paläontologie nicht selbst erweisen, denn dazu schweigen die fossilen Funde. Doch die vergleichende Anatomie kann helfen, so daß wir auf bloße Phantasie nicht angewiesen sind. Die Anatomie des Menschen sei der Schlüssel zur Anatomie des Affen, sagt Marx, und umso mehr die des modernen Menschen zu jener der Hominiden. Im Unterschied zu ihren nächsten Verwandten ist bei den Menschen der Geschlechtsdimorphismus &#8211; der Gestalt- unterschied zwischen männlichen und weiblichen Individuen &#8211; auffällig schwach ausgeprägt: ein stammesgeschichtlicher </span><span style="font-size:medium;">Neuerwerb! </span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size:medium;">Am deutlichsten fällt er indes an drei Punkten aus: der Breite der Schultern, der Weite des Beckens und der Länge der Oberschenkelknochen.</span><a name="_ednref2" href="http://ebmeierjochen.wordpress.com/category/kultur-und-gesellschaftsgeschichte/das-mannliche-in-natur-und-geschichte/#_edn2"><span class="MsoEndnoteReference"><span class="MsoEndnoteReference"><span style="font-size:medium;">[2]</span></span></span></a><span style="font-size:medium;"> Und alle drei Punkte haben ihren </span><a href="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/09/idolino-di-pesaro.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-532" title="Idolino di Pesaro, Florenz Museo Nazionale" src="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/09/idolino-di-pesaro.jpg?w=194&#038;h=300#38;h=300&#038;h=300" alt="" width="194" height="300" /></a><span style="font-size:medium;">ausgezeichneten Platz in der Mechanik des Gehens auf zwei Beinen. Denn wir gehen nicht so sehr mit der Kraft unserer Muskeln als mit der Schwungkraft, dem Drehen und Pendeln des Rumpfes und der Gliedmaßen. Nun wird, wie es scheint quer durch die Kulturen, die männliche Figur durch ein auf der Spitze stehendes Dreieck, die weibliche Figur durch ein Oval veranschaulicht: Die Bedeutung fürs Drehen und Pendeln sticht ins Auge.<br />
</span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:left;"><span style="font-size:medium;"><span style="color:#008080;"><em>Schultern, die breiter</em></span></span><span style="font-size:medium;"> sind als das Becken, begünstigen das Pendeln</span> <span style="font-size:medium;">der Arme, lange Oberschenkel steigern die Schwungkraft der Beine. Voraussetzung für Pendeln der Gliedmaßen und Drehung des Rumpfes ist Gleichgewicht: Ein hoher Schwerpunkt – lange Beine, breiter Oberkörper – fördern das Gleichgewicht. Bleibt als Hauptproblem: eine gerade Wirbelsäule. Ihr wunder Punkt sind die Hüftgelenke, mit denen sie auf den Beinen lastet. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:right;"><span style="font-size:medium;">Ein enges, zylindrisches Becken bietet dem Großen Gesäßmuskel <span style="color:#45818e;">(</span><em>glutaeus maximus</em></span><span style="font-size:medium;"><span style="color:#45818e;">)</span>, der den Rumpf </span><a href="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/09/venus3.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-533" title="Xenus von Willendorf, Altsteinzeit" src="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/09/venus3.jpg?w=162&#038;h=300#38;h=300&#038;h=300" alt="" width="162" height="300" /></a><span style="font-size:medium;">gerade hält, eine bessere Ansatzfläche</span><span style="font-size:medium;"> als ein breites, trichterförmiges Becken, und erleichtert ihre Kontraktion; zugleich ermöglicht seine kompakte Bauchmuskulatur.<br />
(Waschbrettbauch und Knack… gelten als sekundäre Geschlechtsmerkmale.) Und zur Wahrung des Gleichgewichts müssen die Füße möglichst eng aneinander vorbeigeführt werden, auch da sind schmale Hüften offenbar von Vorteil; und schließlich für die Optimierung im Zusammenspiel von Hüft-, Knie- und Fußgelenken.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size:medium;">Ob nun häufigeres Gehen auf zwei Beinen die männliche Morphologie ausgeprägt oder ob die männliche Morphologie zum Aufrechtgehen besser „zugerichtet“ war, ist ein Streit um das Ei und die Henne. Aber immerhin &#8211; einen Geschlechtsdimorphismus im Bereich der Fortbewegungsmechanik gibt es nur beim Zweibeiner.</span></p>
<p class="MsoPlainText"><span style="font-size:medium;"><span style="color:#008080;"><em>An dieser Stelle</em></span></span> <span style="font-size:medium;">offenbart sich übrigens der Dogmatismus, der dem Streit von Naturalisten und Kulturalisten in der Geschlechterfrage zugrunde liegt. „Alles Veranlagung“ sagen die einen, „alles nur Erziehung“ sagen die andern. Aber der Mensch hat nicht nur seine Kultur (Erziehung), sondern auch seine Naturgeschichte (Veranlagung) selber gemacht; nämlich an all den Punkten, an denen sich seine Gattung von den andern unterscheidet. Das mögen nicht viele sein, aber es sind die, auf die es ankommt. Über die Schicksale des Homo sapiens entscheiden nicht die Anlagen, die er „mitbringt“, sondern &#8211; mit Alfred Adler zu reden &#8211; das, was er daraus macht. Und daß er die Wahl hat, verdankt er jener Selbstbehauptung seines männlichen Anteils an der Schwelle von der Nische zur Welt. (Nur </span><em>ob</em><span style="font-size:medium;"> er wählen will &#8211; das kann er nun nicht mehr wählen.)</span></p>
<div>
<hr size="1" />
<div id="edn1">
<p class="MsoEndnoteText"><a name="_edn1" href="http://ebmeierjochen.wordpress.com/category/kultur-und-gesellschaftsgeschichte/das-mannliche-in-natur-und-geschichte/#_ednref1"><span class="MsoEndnoteReference"><span class="MsoEndnoteReference"><span style="font-size:x-small;">[i]</span></span></span></a> Daß die progressive Krümmung des Schädelkeilbeins sie darauf vorbereitet hat, steht auf einem andern Blatt.</p>
</div>
<div id="edn2">
<p class="MsoEndnoteText"><a name="_edn2" href="http://ebmeierjochen.wordpress.com/category/kultur-und-gesellschaftsgeschichte/das-mannliche-in-natur-und-geschichte/#_ednref2"><span class="MsoEndnoteReference"><span class="MsoEndnoteReference"><span style="font-size:x-small;">[ii]</span></span></span></a><br />
Die Unterschiede im Gehirn sind geringfügiger, als vermutet wurde, und betreffen v. a. den sog. „Balken“, der die beiden Hemisphären verbindet und bei Frauen etwas dicker ist. Frauen könnten emotive und analytische Leistungen leichter verbinden, Männer könnten sie leichter trennen.<br />
Aber was ist der Vorteil, wenn sich z. B. bei der Lektüre von Kant jederzeit das Gefühl und in die Empfindungen jederzeit Berechnung einmischen könnte? Dieses ist sachlich, jenes ist menschlich unerwünscht.</p>
</div>
</div>
</div>
</div>
</div>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Geschichte des Männlichen I: Pflicht und Kür]]></title>
<link>http://maennlich.wordpress.com/2009/04/25/geschichte-des-mannlichen-i-pflicht-und-kur/</link>
<pubDate>Sat, 25 Apr 2009 08:37:37 +0000</pubDate>
<dc:creator>Panther Ray</dc:creator>
<guid>http://maennlich.wordpress.com/2009/04/25/geschichte-des-mannlichen-i-pflicht-und-kur/</guid>
<description><![CDATA[oder Die Ausnahme von der Regel. &#8230;.. Frauen sind, was sie sind. Männer müssen immer erst etwas]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal"><span style="color:#cc9900;"><span style="font-size:16pt;font-family:TimesNewRoman;">oder Die Ausnahme von der Regel.</span></span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:left;"><span style="color:#999999;"><span style="color:#000000;"><em><span style="font-size:24pt;font-family:Garamond;">&#8230;.</span></em></span><em><span style="font-size:24pt;font-family:Garamond;"><span style="color:#000000;">.</span><br />
</span></em></span></p>
<p style="text-align:left;"><span style="color:#c0c0c0;"><em><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Frauen sind, was sie sind. Männer<br />
müssen immer erst etwas tun, um etwas zu sein…</span></em></span></p>
<p><span style="color:#999999;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">… hieß es mal in einem feministischen Radioessay. Soll heißen, Frauen sind Natur, Männer sind künstlich. Früher war es die Überlegenheit des Mannes, die “natürlich” begründet wurde: Frauen seien das schwächere Geschlecht. Die klassische Frauenbewegung war daher kulturalistisch. Alle Geschlechts- charaktere, die über den sprichwörtlich kleinen Unterschied hinaus gehen, seien erst historisch erworben. Alles nur Erziehung! Als Frau wird man nicht geboren, zur Frau wird man erst gemacht, sagte die <a href="http://www.aerzteblatt.de/V4/archiv/artikel.asp?src=heft&#38;id=58544">Beauvoir</a>.</span></span></p>
<p><em><span style="color:#c0c0c0;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">X und Y</span></span></em></p>
<p><span style="color:#999999;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Der neuere Feminismus denkt naturalistisch. </span><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Jetzt heißt es, die Frau sei das eigentlich starke Geschlecht. Zugespitzt in dem Satz “Mannsein ist der am </span><a href="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/09/xy2.jpg"><img class="size-full wp-image-78 alignleft" title="das heile Y, das verkümmerte Y" src="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/09/xy2.jpg?w=227&#038;h=221#38;h=221" alt="" width="227" height="221" /></a><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">weitesten verbreitete genetische Defekt auf der Welt”, der dem Berliner Molekularbiologen Jens Reich zugeschrieben wurde (der sich selber nicht daran erinnern kann). Eigentlich sei das Leben, und der Mensch zumal, weiblich. </span></span></p>
<p><span style="color:#999999;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Das Männliche sei nur eine nachträgliche Ab- oder Aus- schweifung der Evolution. Und tatsächich ist ja das Y-Chromosom stammesgeschichtlich nur eine späte, verstümmelte Abart des X-Chromosoms. Während die (starke) Frau in ihrer doppelt gesicherten Geschlechtsidentität ruht &#8211; XX -, hat das männliche Individuum gegen seinen einen heilen, weiblichen Anteil nur ein beschädigtes Gechlechtsstummelchen aufzubieten, das noch nicht einmal überall mit ‚Information’ besetzt ist: XY!</span></span></p>
<p><span style="color:#999999;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Und nie bringt er es zu einem guten Ende, immer wieder muss er von vorn anfangen, von Zweifeln zerfressen und ohne Rast, als müsse er etwas beweisen. Rechtfertigung ist ein männliches Thema. Frauen sind, was sie sind, aber Männer müssen immer erst irgendwas tun, um irgendwas zu werden. Während sie in sich ruht, ist er einer, der ‚von Natur’ immer strebt. Sie ist Substanz, er nur Akzidenz, das Weibliche ist sicher, das Männliche ist prekär. So sind die Befunde der Molekularbiologie.</span></span></p>
<p><span style="color:#999999;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Die feministische Interpretation liegt auf der Hand. Aber flach auf der Hand. Erst wenn man sie umkehrt, bekommt sie Tiefe. Und einen historischen Sinn. Nämlich so: ‚Weiblich’ war die Grundsuppe; doch ‚Männlich’ ist die Spiel-Art. Hier die Norm, da die Varianz. Das Zentrum und die Peripherie. Bewahrung und Risiko.</span></span></p>
<p style="text-align:left;"><span style="color:#999999;"><span style="color:#c0c0c0;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;"><em>Der Fuß ist eine verkrüppelte Hand, doch sind<br />
seine Mehrleistungen auf der Erde evident.</em> </span></span><span style="color:#808080;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Alfred Adler</span></span></span></p>
<p><span style="color:#999999;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Durch drei Milliarden Jahre hat sich das Leben einfach reprodu- ziert: ein-, d. h. ungeschlechtlich. Und entsprechend eintönig blieb das genetische Material. Das Spiel von Mutationssprüngen, Selektion und Ausbildung neuer Formen zog sich hin &#8211; unter Umständen länger als die Veränderung der sachlichen Lebensbedingungen, und eine Art um die andere ging ein: Für die Umstellung auf veränderte Umstände fehlte ihnen der Spielraum.</span></span></p>
<p><span style="color:#999999;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Die Ab- und Ausweichung eines andern Geschlechts, die Erfindung des Männlichen als Spielart des “weiblichen” Grund- musters hat nur den einen biologischen Sinn: das Erbgut zu diversifizieren und durch vermannigfachte Kombinationsmöglich- keiten die Mutationssprünge breit zu streuen &#8211; und eo ipso die Auslese zu beschleunigen. Die männlichen Individuen sind dabei lediglich als Erbgutträger, als Samenbank erforderlich. Für alle andern Reproduktions- funktionen sind sie entbehrlich. Selber lebenstauglich müssen sie nicht sein.</span></span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="color:#999999;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Sprichwörtlich wurden die Drohnen bei Bienen, Hummeln und Hornissen. Den männlichen Ameisen geht es auch nicht besser. Zuerst gehätschelt und verwöhnt; doch haben sie ihren Beitrag zum Arterhalt einmal entrichtet, werden sie abgeschoben und wohl auch als Nahrung verwertet. Symbolhaft sprechend ist die Gestalt eines tropischen Tiefseefischs, </span><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">des Peitschenanglers: Das weibliche Tier trägt sein “Zwergmännchen” wie einen Torpedo an seinem Unterleib, als stets verfügbares genetisches Reservoir. </span></span></p>
<p style="text-align:right;"><span style="color:#999999;"><span style="font-size:14pt;"><a href="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/09/angler.jpg"><span style="text-decoration:none;"><img class="alignright size-medium wp-image-202" title="Peitschenangler" src="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/09/angler.jpg?w=300&#038;h=202#38;h=202" border="0" alt="" width="300" height="202" /></span></a></span></span></p>
<p style="text-align:right;"><span style="color:#999999;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Doch der Schein trügt. Das Männchen ist nicht als weiblicher Körperauswuchs zur Welt gekommen. Nur hat es schon im Kindesalter seine Bestimmung gekannt: zeugen, punctum. Und so hat es sich dem erstbesten Weibchen, das ihm begegnete, buchstäblich einverleibt, nämlich in seinen Bauch verbissen, sich seinem Blutkreislauf angeschlossen und das eigene Wachstum eingestellt. Es trägt den Samen, und damit gut. Andere Lebensaufgaben sind ihm in der ökologischen Nische des Peitschenanglers nicht beschieden. Entsprechend dürftig ist es ausgestattet.</span></span></p>
<p><em><span style="color:#c0c0c0;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Prekär</span></span></em></p>
<p><span style="color:#999999;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Noch heute weiß jede achtsame Mutter, dass Jungen eher kränkeln als Mädchen &#8211; und dass die Väter wehleidig sind: Das ist die Spur der Stammesgeschichte. Es scheint, als sei das Immunsystem der männlichen Individuen schon im Mutterleib herabgestimmt, um die Gefahr einer Abwehr- reaktion des Trägerorganismus gegen das heranwachsende fremde Erbgut zu mindern. Und davon erholt es sich dann sein Lebtag nicht ganz. Eine neuere, verblüffend schlichte Erklärung für die höhere Krankheitsneigung und kürzere Lebensdauer der Männer besagt, dass ihr größerer Körper einfach mehr Angriffsfläche böte für Schädigungen aller Art. </span></span></p>
<p><span style="color:#999999;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Für diese ihre Körpergröße seien allerdings die Frauen verantwortlich: weil sie vorzugsweise große Männer zur Fortpflanzung wählen. Tatsächlich sind große Männer wohl fruchtbarer als kleine. Gesünder brauchen sie aber nicht zu sein. Denn da sie eigentlich nur für die Arterhaltung, nicht aber für die Selbsterhaltung taugen sollten, ist ihr Organismus nur mangelhaft fürs Überleben ausgerüstet. In Darwins Welt gilt das Gesetz vom Survival of the fittest, dem Überleben des am besten Zugerichteten. Zugerichtet wofür? Für die ökologische Nische, in der die Gattung sich eingenistet hat. Überleben heißt Zugerichtetsein: Spezialisierung auf den Status quo.</span></span></p>
<p><span style="color:#999999;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Waren die untätigen Drohnen ein Hohn der Männlichkeit, so war der Löwe ihre Zier, die sie stolz in ihre Wappen malte. Bis die Verhaltensforschung auch diese Prahlerei zu Schanden machte. Für den Lebensunterhalt der Seinen ist der Löwe genauso nutzlos wie die Drohne. Nicht er macht Beute, sondern sein Harem. Die Frauen ernähren die Jungen und ziehen sie groß. Der Pascha bedient sich mit dem, was sie ihm bieten, und zeugt. </span></span></p>
<p><span style="color:#999999;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Und er verteidigt seinen Besitzstand gegen die Rivalen &#8211; bis er an einen Stärkeren gerät. Dann tauschen ihn seine Damen gegen den Neuen aus und </span><a href="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/09/loewe1.jpg"><span style="text-decoration:none;"><img class="alignleft size-medium wp-image-206" title="Pascha" src="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/09/loewe1.jpg?w=180&#038;h=154#38;h=154" border="0" alt="" width="180" height="154" /></span></a><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">schicken ihn in die Wüste, wo er allein nicht durchkommt. Wie die Drohne hat er seine Schuldigkeit getan und geht. Bis dahin hat er wohl eine bessere Figur gemacht. Doch außer seiner Zeugungskraft wurde keine seiner Fähigkeiten wirklich gebraucht, und seinem Ersatzmann wird es genauso gehen. Spezialisiert ist er als wandelnde Samenbank, und wenn er im Kampf der Rivalen sein Leben wagt, dann auch nur, damit der Sieger mit seinem besseren Erbgut dienen darf.</span></span></p>
<p><span style="color:#999999;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;"><em><span style="color:#c0c0c0;">Risikokapital</span></em><br />
</span></span></p>
<p><span style="color:#999999;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Ansonsten hat das Männliche “von Natur aus” keinen eignen Platz im Erhaltungsplan der Gattung, für den es zugerichtet sein und für den es reifen müsste. Im Vergleich zur heilen Weiblichkeit wirkt es immer ein wenig unfertig, unbestimmt und beliebig: Es ist nicht “festgestellt”. Während der Zellteilung im Mutterleib treten bei den männlichen Geschlechtszellen fünfmal so viele Fehler auf wie bei den weiblichen! Freilich ist diese organische Unbestimmtheit auch ein Reichtum an neuen Möglichkeiten. Die männliche Seite kann Eigenschaften entwickeln, die “von Natur” nicht geplant waren. Weibliche Ganzheit sichert den Erhalt des Lebens, doch männliche Unreife macht es dynamisch und bildsam. Das Weibliche ist das Standbein, das Männliche ist das Spielbein der Natur &#8211; ihr Risikokapital. Sie ist positiv, er ist problematisch.</span></span></p>
<p><span style="color:#999999;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Die feministische These von der natürlichen Zweitrangigkeit des Männlichen gehört </span><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;"> </span><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">daher ins rechte Lot gerückt: Mannsein ist, wo es gelingt, die Überkompensation einer Organ- minderwertigkeit &#8211; und darum der Treibstoff unserer Geschichte. Das Weibliche ist die Pflicht, das Männliche ist die Kür. Regel und Ausnahme. Sicherheit und Risiko; Haushalt und Kunst, Ernst und Spiel.</span></span></p>
<p><span style="color:#000000;">.</span><span style="color:#999999;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;"><img class="size-full wp-image-239 alignleft" title="Überkompensation" src="http://maennlich.files.wordpress.com/2009/04/sw-1-gruppenstunden-freizeit-programme.gif?w=300&#038;h=225" alt="Überkompensation" width="300" height="225" /></span></span></p>
<p><span style="color:#999999;"><em><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">folgt:</span></em><strong><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;"> <span style="color:#c0c0c0;">Mythos und Ur-Sprung, oder: Biologie und Bedeutung</span></span></strong></span></p>
<p style="text-align:right;"><span style="color:#999999;"><br />
</span></p>
<p style="text-align:right;"><span style="color:#999999;"><br />
</span></p>
<p style="text-align:right;"><span style="color:#999999;"><br />
</span></p>
<p style="text-align:right;">
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Das Männliche in Natur und Geschichte (Schluss): Das Kind ist der Vater des Mannes]]></title>
<link>http://ebmeierjochen.wordpress.com/2008/10/09/das-mannliche-in-natur-und-geschichte-schluss-das-kind-ist-der-vater-des-mannes/</link>
<pubDate>Thu, 09 Oct 2008 19:32:22 +0000</pubDate>
<dc:creator>Panther Ray</dc:creator>
<guid>http://ebmeierjochen.wordpress.com/2008/10/09/das-mannliche-in-natur-und-geschichte-schluss-das-kind-ist-der-vater-des-mannes/</guid>
<description><![CDATA[L&#8217;enfant est le père de l&#8217;homme. französische Redensart Infantil nennen wir das zur Scha]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p><!--[if gte mso 10]&#62; &#60;!   /* Style Definitions */  table.MsoNormalTable 	{mso-style-name:"Normale Tabelle"; 	mso-tstyle-rowband-size:0; 	mso-tstyle-colband-size:0; 	mso-style-noshow:yes; 	mso-style-parent:""; 	mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt; 	mso-para-margin:0cm; 	mso-para-margin-bottom:.0001pt; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:10.0pt; 	font-family:"Times New Roman";} --> <!--[endif]--></p>
<p class="MsoPlainText"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:right;" align="right"><a href="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/10/donatello_david_1430.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1587" title="David mit dem Haupt Goliaths" src="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/10/donatello_david_1430.jpg?w=436&#038;h=1010" alt="" width="436" height="1010" /></a><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;color:#008080;">L&#8217;enfant est le père de l&#8217;homme.</span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:right;" align="right"><span style="color:#008080;"><em><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">französische Redensart</span></em></span></p>
<p class="MsoPlainText"><em><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;"> </span></em></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:left;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Infantil nennen wir das zur Schau gestellte Bedürfnis. Dabei können die Kinder gar nichts dafür. </span></p>
<p class="MsoPlainText"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:right;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Als der Mann aus seiner häuslichen Botmäßigkeit in die Öffentlichkeit floh und zum Weltbürger erwuchs, hat er Weib und Kinder als Unerwachsene zurückgelassen. Und so, wie es sich bei dem substantivierten Partizip ‚der Erwachsene’ deutlich hörbar um eine verlegene Spätschöpfung handelt, ist auch das Kind ein semantischer Neuerwerb. Ursprünglich bezeichnet <span style="color:#008080;"><em>daz kint</em></span> ein Verwandtschaftsverhältnis, nämlich Söhne und Töchter, unabhängig vom Alter. In Wolframs Parzival kann dann </span><a href="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/10/wolfram.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-1589" title="Wolfram von Eschenbach" src="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/10/wolfram.jpg?w=210&#038;h=300" alt="" width="210" height="300" /></a><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">jeder Jüngere gegenüber jedem Älteren als <span style="color:#008080;"><em>kint</em></span> erscheinen &#8211; ein Genera- tionenverhältnis. Als Angehö- riger eines definierten gesell- schaftlichen Standes ist das Kind allerdings eine Kreation der bürgerlichen Gesellschaft. Denn weil die Frau ihre öffentliche Anerkennung schließlich durch Arbeit rechtfertigen konnte, bleibt das Kind in seiner Uner- wachsenheit alleine übrig. Und jetzt sieht es so aus, als bilde es den bestimmten (bedürftigen) Gegensatz zur Erwachsenheit. Es ist aber kein Gegensatz, sondern ein Residuum. Als solches steht es nicht nur dem gemeinsamen Ursprung, sondern ironischerweise auch der gemeinsamen Zukunft näher als manche andern.</span></p>
<p class="MsoPlainText"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:left;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Ernsthafte Leute halten das Kindliche nämlich für die wahre Bestimmung des Menschen. „Neotenie“: so heißt die These, wonach sich der Evolutionsprozeß von Homo sapiens dadurch </span><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">auszeichnet, daß er im Lauf der Generationen zu solchen Gestaltformen zurückkehrt, die im Tierreich die spezifisch kindlichen waren. Die auffälligsten (aber nicht einzigen) Kennzeichen dieser „ewigen Unreife des Menschen“, wie sie Leszek Kolakowski nennt und die der Beitrag seines männlichen Anteils ist, sind die relative Übergröße des Kopfes, der Verlust des Haarkleids und die<span> </span>Überlänge der Gliedmaßen bei verkürztem Rumpf. </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><a href="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/10/evolution385_410799a.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-1646" title="Evolution" src="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/10/evolution385_410799a.jpg?w=385&#038;h=185" alt="" width="385" height="185" /></a></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:left;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Doch wäre das Morphologische alles &#8211; es wäre nur ein naturgeschichtliches Kuriosum. Ihren Sinn erhält die Kindlichkeit unserer Körperformen aber durch unsere spezifisch kindliche Zugewandtheit zur Welt: die Neugier. „Nur der Mensch behält &#8211; neben den körperlichen Merkmalen der Jugendlichkeit &#8211; auch die kindliche Neugier bis ins hohe Alter. Unsere permanente Wißbegier ist ein persistierendes Jugendmerkmal, unser exploratives Forschen ist dem Spiel des Kindes verwandt“, sagt Konrad Lorenz. „Dieses Kind im Manne ist ein echter Lausbub. In der Brust des normalen Erwachsenen leben zwei Seelen, eine, die den hergebrachten Traditionen treu ist, und daneben die Seele des Revolutionärs.“</span></p>
<p class="MsoPlainText"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:right;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Und daß der Volksmund das Kind im Manne ansiedelt und nicht in der Frau, hat einen offenbaren guten Sinn. Mutwille, Vergeudung von Material und Lebenskraft, Unrast und Ungeduld, ewiges Streben nach Lob und Anerkennung, Größentraum und der Blick in die Sterne &#8211; kaum ein Merkmal des spezifisch Kindlichen, das sich nicht auch als „typisch Mann“ verlästern ließe. Ein rein humaner Neuerwerb ist die charakteristische Nähe der Männlichkeit zum Kindlichen übrigens nicht. Sie ist in der Naturgeschichte vorgezeichnet. Quer durch die Tierwelt, </span><a href="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/10/zenzmeierstier.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-1605" title="Ruhender Stier" src="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/10/zenzmeierstier.jpg?w=300&#038;h=250" alt="" width="300" height="250" /></a><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">mindestens jedoch bei den Säugern, scheint das Leis- tungsschema der weiblichen Orga- nismen auf eine konstante, durch- schnittliche Dauer- belastung angelegt zu sein, ohne dabei den kriti- schen Punkt zu erreichen. Dagegen strebt das männliche Individuum, wie es scheint, immer wieder bis an die Leistungsgrenze, aber „von Natur“ fehlt ihm die Ausdauer; er braucht Muße. Und das ist ein spezifisch kindlicher Zug &#8211; nämlich das energetische Prinzip eines Organismus, der noch wächst. Womöglich sind also Neotenie und Selbstbehauptung des Männlichen in der Gattungsgeschichte von Homo sapiens zwei Seiten desselben Vorgangs (und man verstünde, wie Michael Jackson zum Größten Star Aller Zeiten werden konnte).<a name="_ednref1" href="#_edn1"><span class="MsoEndnoteReference"><span><!--[if !supportFootnotes]--><span class="MsoEndnoteReference"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">[1]</span></span><!--[endif]--></span></span></a></span></p>
<p class="MsoPlainText"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:left;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">„Zweierlei will der echte Mann: Gefahr und Spiel“, heißt es in den <span style="color:#008080;"><em>Reden Zarathustras</em></span>. „Besser als ein Mann versteht das Weib die Kinder“, geht es zwar weiter, und nach nichts ringt (sagt Schiller) die weibliche Gefallsucht so sehr wie nach dem Schein des Kindlichen &#8211; von wegen der reinen Bedürftigkeit. „Aber der Mann ist kindlicher als das Weib. Im echten Manne ist ein Kind versteckt, das will spielen.“ Denn das Kind ist eben keine reine Bedürftigkeit: Es will ja auch Gefahr und Spiel. Körperkraft und biologische Fruchtbarkeit teilt es wohl nicht mit den Männern &#8211; aber dieses, worauf es viel mehr ankommt: das bestimmte Gefühl, daß etwas fehlt. „Ich bin, was ich bin“ ist so unkindlich wie unmännlich. Denn es gibt Eines, was das Kind auf jeden Fall will: größer sein. <em><span style="color:#008080;">L&#8217;enfant est le père de l&#8217;homme</span> </em>- der des Menschen sowieso, und der des Mannes erst recht. </span></p>
<p class="MsoPlainText"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:right;" align="right"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;color:#008080;">Ein Mann kann nicht wieder zum Kind</span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:right;" align="right"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;color:#008080;">werden, oder er wird kindisch. Aber muß er</span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:right;" align="right"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;color:#008080;">nicht selbst wieder auf einer höheren Stufe</span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:right;" align="right"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;color:#008080;">bestrebt sein, seine Wahrheit zu reproduzieren? </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:right;" align="right"><span style="color:#008080;"><em><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Marx</span></em></span></p>
<p class="MsoPlainText"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:left;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Natürlich sind nicht Frauen so und Männer so. Sondern manche Neigungen wurden durch das Spiel von Auslese und Anpassung unter den Geschlechtern ungleichmäßig verteilt. Es ist </span><a href="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/10/image029.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-1592" title="Terminator" src="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/10/image029.jpg?w=238&#038;h=300" alt="" width="238" height="300" /></a><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">keine Sache von entweder-oder, sondern von mehr oder weniger, und auch das nur im breiten Durchschnitt. Was im einzelnen zutrifft, muß sich im einzelnen erweisen. Wieviel daran Natur ist und wieviel bloß Kultur, ist interessant, aber nicht wichtig, denn über Wert und Unwert sagt es nichts. Allerdings gibt es historische Momente, da sind gewisse Neigungen mehr gefragt als andere.</span></p>
<p class="MsoPlainText"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:right;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Der aktuelle Moment ist die Ablösung der Wirtschafts- und Arbeitsgesellschaft durch&#8230; was? Immerhin ist es, nach dem aufrechten Gang und der Erfindung der Arbeit, unser dritter großer Sprung. Da wird es noch einige Generationen brauchen, bis sich die Konturen des Werdenden abzeichnen. </span><a href="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/10/mj6.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-1593" title="größter Star aller Zeiten" src="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/10/mj6.jpg?w=242&#038;h=300" alt="" width="242" height="300" /></a><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Es ist aber das erstemal, daß wir in vollem Bewußtsein springen. Darum wissen wir immerhin, was nicht wieder werden wird: ein Reich von Kreislauf und Gleichgewicht. Es wird eine Zeit der Umbrüche. Und dafür wird das Genügen am eignen Hiersein und seinen Notdürften weniger taugen als der Mutwille mit dem eingewachsenen Stachel, daß er seine Werke rechtfertigen muß.</span></p>
<p class="MsoPlainText"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:left;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Ob auch die neue Welt aus sich heraus eine ‚Substanz’ generiert, die sich zum ‚Maß’ ihrer Werte eignet, steht in den Sternen. Die Emergenz neuer Werte ist gar nicht abzusehen, aber die alten verfallen. Was in der Zwischenzeit immer Geltung beansprucht, wird sich<span style="color:#008080;"> <em>foro publico</em></span> selber rechtfertigen müssen, jedes auf eigne Faust. Anders gesagt, an die Stelle </span><a href="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/10/image031.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-1594" title="image031" src="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/10/image031.jpg?w=214&#038;h=300" alt="" width="214" height="300" /></a><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">der unter der Verkleidung von ‚ökonomischer Notwendig- keit’ um Befriedigung wett- eifernden Notdurften treten politische Entscheidungen im eminenten Sinn. Ob sich die weltliche Öffentlichkeit von der viralen Infektion durch nischige Privatismen reinigen kann, wird dabei zur Exis- tenzfrage. Das postmoderne Bedürfnisbefriedigungs- und Selbstverwirk-lichungsyndrom ist das Caput mortuum einer schon verflossenen Zeit. Freiwillig wird es nicht abtreten. </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:left;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">So wird es nötig, im öffentlichen Raum eine Zulassungsordnung einzurichten: Öffentliches Auftreten läßt sich nur rechtfertigen durch die Abenteuer des Selberdenkens und den Stolz, für seine Resultate gradezustehn &#8211; immer eingedenk, daß noch was fehlt. Es ist eine Bildungsaufgabe;<em> <span style="color:#008080;">die</span></em><span style="color:#008080;"> </span>Bildungsaufgabe. Da trifft es sich gut, daß unsre Spezies darauf nicht erst wieder durch einen jahrtausendelangen Domestikationsprozeß schmerzhaft zugerichtet werden muß. Die Neigung dazu ist ihr doppelt gattungsgeschichtlich eingepflanzt, indem wir unter allen Lebensformen nicht nur die männlichste, sondern eben auch die kindlichste sind. Sie muß nur freigesetzt werden.</span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><a href="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/10/bambi_edited.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-1591" title="Bamberger Reiter" src="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/10/bambi_edited.jpg?w=460&#038;h=575" alt="" width="460" height="575" /></a></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<div><!--[if !supportEndnotes]--><br />
<hr size="1" /><!--[endif]--></p>
<div id="edn1">
<p class="MsoEndnoteText"><a name="_edn1" href="#_ednref1"><span class="MsoEndnoteReference"><span><!--[if !supportFootnotes]--><span class="MsoEndnoteReference"><span style="font-size:10pt;font-family:&#34;">[1]</span></span><!--[endif]--></span></span></a> s. J. Ebmeier, <em>Michael Jackson – Das Phänomen,</em> Mainz 1999</p>
<p class="MsoEndnoteText">
<p class="MsoEndnoteText">
<p class="MsoEndnoteText">
<p class="MsoEndnoteText">
</div>
</div>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[III. Erst wenn der Kopf oben ist, gehen wir aufrecht]]></title>
<link>http://ebmeierjochen.wordpress.com/2008/09/13/erst-wenn-der-kopf-oben-ist-gehen-wir-aufrecht/</link>
<pubDate>Sat, 13 Sep 2008 13:08:57 +0000</pubDate>
<dc:creator>Panther Ray</dc:creator>
<guid>http://ebmeierjochen.wordpress.com/2008/09/13/erst-wenn-der-kopf-oben-ist-gehen-wir-aufrecht/</guid>
<description><![CDATA[Den aufrechten Gang haben sich unsere Vorfahren nicht aus Naturnotwendigkeit zugezogen. Als sich vor]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-3440" title="aufrechter Gang" src="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/09/aufrechtttjpg1.jpg?w=355&#038;h=279" alt="aufrechter Gang" width="355" height="279" /></p>
<p><!--[if gte mso 10]&#62; &#60;!   /* Style Definitions */  table.MsoNormalTable 	{mso-style-name:"Normale Tabelle"; 	mso-tstyle-rowband-size:0; 	mso-tstyle-colband-size:0; 	mso-style-noshow:yes; 	mso-style-parent:""; 	mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt; 	mso-para-margin:0cm; 	mso-para-margin-bottom:.0001pt; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:10.0pt; 	font-family:"Times New Roman";} --> <!--[endif]--></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;">
<p class="MsoPlainText" style="text-align:left;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;">Den aufrechten Gang haben sich unsere Vorfahren nicht aus Naturnotwendigkeit zugezogen. Als sich vor zwei, drei Millionen Jahren in Ostafrika das Klima erwärmte und den Regenwald zu einer Feuchtsavanne ausdünnte, zogen sie sich nicht, wie ihre äffischen Vettern, mit dem Dschungel zurück, sondern stiegen stattdessen auf den Boden herab.<a name="_ednref1" href="#_edn1"><span class="MsoEndnoteReference"><span><!--[if !supportFootnotes]--><span class="MsoEndnoteReference"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;">[1]</span></span><!--[endif]--></span></span></a> Eine Feuchtsavanne ist kein einheitlicher Lebensraum, sie besteht aus vielen Vegetations- und Klimainseln, von denen keine als dauernder Wohnort reichen mochte. Jedenfalls gewöhnten sie sich an, von einer zur andern zu wechseln, und dabei werden sie sich aufgerichtet haben. Das war eine Anpassung an einen Zustand, der sich durch seine Veränderlichkeit auszeichnete. </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:left;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:left;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;">Spezialisierung auf einen unspezifischen Lebensraum ist Entspezialisierung. Der Normalzustand, für den er sich zugerichtet hat, war der Wechsel. Er entschied sich fürs Unbestimmte. Indem der männliche Anteil sich erstmals selbst behauptete, gewann er seinen Platz im ‚Plan der Natur’. Die Plastizität (Gehlen) des Homo sapiens ist sein eigentümlicher Beitrag zum Gattungscharakter. Und seither erst kann es einen Geschlechtergegensatz überhaupt geben &#8211; als Folge der Emanzipation des Männlichen.</span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:left;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:left;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"><span style="color:#008080;"><em><strong>Ob Frauen oder Männer</strong></em></span> die Pioniere des aufrechten Ganges waren, kann die Paläontologie nicht selbst erweisen, denn dazu schweigen die fossilen Funde. Doch die vergleichende Anatomie kann helfen, so daß wir auf bloße Phantasie nicht angewiesen sind. Die Anatomie des Menschen sei der Schlüssel zur Anatomie des Affen, sagt Marx, und umso mehr die des modernen Menschen zu jener der Hominiden. Im Unterschied zu ihren nächsten Verwandten ist bei den Menschen der Geschlechtsdimorphismus &#8211; der Gestaltunterschied zwischen männlichen und weiblichen Individuen &#8211; auffällig schwach ausgeprägt: ein stammes- geschichtlicher </span><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;">Neuerwerb! </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:left;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;">Am deutlichsten fällt er indes an drei Punkten aus: der Breite der Schultern, der Weite des Beckens und der Länge der Oberschenkelknochen.<a name="_ednref2" href="#_edn2"><span class="MsoEndnoteReference"><span><!--[if !supportFootnotes]--><span class="MsoEndnoteReference"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;">[2]</span></span><!--[endif]--></span></span></a> Und alle drei Punkte haben ihren </span><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;">ausgezeichneten Platz in der Mechanik des Gehens auf zwei Beinen. Denn wir gehen nicht so sehr mit der Kraft unserer Muskeln als mit der Schwungkraft, dem Drehen und Pendeln des Rumpfes und der Gliedmaßen. Nun wird, wie es scheint quer durch die Kulturen, die männliche Figur durch ein auf der Spitze stehendes Dreieck, die weibliche Figur durch ein Oval veranschaulicht: Die Bedeutung fürs Drehen und Pendeln sticht ins Auge. </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:left;"><span style="border:1pt none windowtext;background:black none repeat scroll 0 0;font-size:14pt;font-family:&#34;"><span> </span></span><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"><span> </span></span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:left;">
<p class="MsoNormal" style="text-align:left;"><img class="size-full wp-image-3444 alignleft" title="Idolino di Pesaro, Florenz, Museo Nazionale Bargello" src="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/09/kopie-2-von-idolino-di-pesaro.jpg?w=322&#038;h=497" alt="Idolino di Pesaro, Florenz, Museo Nazionale Bargello" width="322" height="497" /></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:left;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"><span style="color:#008080;"><strong><em>Schultern, die breiter</em></strong></span> sind als das Becken, begünstigen das Pendeln<span> </span>der Arme, lange Oberschenkel steigern die Schwungkraft der Beine. Voraussetzung für Pendeln der Gliedmaßen und Drehung des Rumpfes ist Gleichgewicht: Ein hoher Schwerpunkt – lange Beine, breiter Oberkörper – fördern das Gleichgewicht. Bleibt als Hauptproblem: eine gerade Wirbelsäule. Ihr wunder Punkt sind die Hüftgelenke, mit denen sie auf den Beinen lastet. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:left;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;">Ein enges, zylindrisches Becken bietet dem Großen Gesäßmuskel (<em>glutaeus maximus</em>), der den Rumpf </span><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;">gerade hält, eine bessere Ansatzfläche</span><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> als ein breites, trichterförmiges Becken, und erleichtert ihre Kontraktion; zugleich ermöglicht es eine kompakte Bauch- muskulatur. (Waschbrettbauch und Knack… gelten als sekundäre Geschlechtsmerkmale.) Und zur Wahrung des Gleichgewichts müssen die Füße möglichst eng aneinander vorbeigeführt werden, auch da sind schmale Hüften offenbar von Vorteil; und schließlich für die Optimierung im Zusammenspiel von Hüft-,Knie- und Fußgelenken.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:left;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:left;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"><img class="alignnone size-full wp-image-3445" title="die Venus von Willendorf" src="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/09/venus2.jpg?w=460&#038;h=847" alt="die Venus von Willendorf" width="460" height="847" /></span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:left;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;">Ob nun häufigeres Gehen auf zwei Beinen die männliche Morphologie ausgeprägt oder ob die männliche Morphologie zum Aufrechtgehen besser „zugerichtet“ war, ist ein Streit um das Ei und die Henne. Aber immerhin &#8211; einen Geschlechtsdimorphismus im Bereich der Fortbewegungs- mechanik gibt es <a href="http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-7539-2007-12-14.html">nur beim Zweibeiner</a>.</span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:left;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"><span> </span></span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:left;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"><span style="color:#008080;"><em><strong>An dieser Stelle</strong></em></span> offenbart sich übrigens der Dogmatismus, der dem Streit von Naturalisten und Kulturalisten in der Geschlechterfrage zugrunde liegt. „Alles Veranlagung“ sagen die einen, „alles nur Erziehung“ sagen die andern. Aber der Mensch hat nicht nur seine Kultur (Erziehung), sondern auch seine Naturgeschichte (Veranlagung) selber gemacht; nämlich an all den Punkten, an denen sich seine Gattung von den andern unterscheidet. Das mögen nicht viele sein, aber es sind die, auf die es ankommt. Über die Schicksale des Homo sapiens entscheiden nicht die Anlagen, die er „mitbringt“, sondern &#8211; mit Alfred Adler zu reden &#8211; das, was er daraus macht. Und daß er die Wahl hat, verdankt er jener Selbstbehauptung seines männlichen Anteils an der Schwelle von der Nische zur Welt. (Nur <em>ob</em> er wählen will &#8211; das kann er nun nicht mehr wählen.)</span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:left;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"><img class="alignnone size-full wp-image-3441" title="Schwelle" src="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/09/schwelle_bild2_1.jpg?w=460&#038;h=612" alt="Schwelle" width="460" height="612" /></span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:left;"><!--[if gte mso 9]&#62;  Normal 0 21       MicrosoftInternetExplorer4  &#60;![endif]--><br />
<strong><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Wie Dreieck und Oval</span></strong><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;"> den Geschlechtsunterschied morphologisch symbolisieren, gibt es &#8211; ebenfalls als interkulturelle Konstante &#8211; auch ein topologisches Symbol. Das Weibliche wird dem Innen zugeordnet, das Männliche dem Außen. Das Weib ist im Zentrum, der Mann an der Peripherie. Über wenigstens eine Million Jahre kannte unsere Gattung etwas, das es nirgends sonst gibt &#8211; eine Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern. </span></p>
<p><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Dass sich Männchen und Weibchen bei ihren Tätigkeiten abwechseln, kommt allenthalben vor. Aber nur beim Menschen verrichten sie regelmäßig unterschiedliche Arbeit; nämlich Jagen <em>oder</em> Sammeln. Das eine draußen in der Ferne, das andre dicht beim Lager. Und wenn auch der Mann das Feuer entfacht, ist es doch immer die Frau, die es hütet. Die Frau, die die Kinder besorgt, neigt zum Bleiben. Der jagende Mann neigt zum Weitergehn.</span></p>
<p><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Eine dramatische Spannung kommt ins Gattungsleben. In der Formel „Jäger und Mütter“ (Hans Blumenberg) wurde der Geschlechtsunterschied in der Gattung Homo zum Geschlechtsgegensatz &#8211; von Mutwille und Sorge. Der Mann machte die Unsicherheit zum Merkmal der Condition humaine, und das Risiko wurde regulär. Das heißt, regulativ. Und als Spezialist fürs Risiko wurde der Mann zum Kämpfer.</span></p>
<p><strong><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">In der <em>Um</em>welt</span></strong><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;"> ist das Specimen „bei sich“ und aufgehoben; gewiss und heil, aber unfrei. In der <em>Welt</em> wird das Ich zu einer Aufgabe „außer sich“. Frei, aber riskant &#8211; und zerrissen. Denn es bedarf jetzt der Rechtfertigung. Wodurch? Durch seine Leistung. Rechtfertigung ist ein „typisch männliches“ Thema, und darum muss er „immer etwas tun“. Und um sich zu rechtfertigen, braucht er ein Wovor, und das nennt er (typisch Mann) die Idee; nicht sowohl ein Maß, das es zu erfüllen gilt, sondern der Fluchtpunkt, an dem ich mich orientiere. Kurz, was ihn rechtfertigen könnte, findet er nie bei sich, sondern nur woanders. Es ist auch nie zuhanden, sondern muss erst vorgestellt werden.</span></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-3528" title="hand-grabbing-the-cloud-in-the-sky" src="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/09/hand-grabbing-the-cloud-in-the-sky.jpg?w=460&#038;h=532" alt="hand-grabbing-the-cloud-in-the-sky" width="460" height="532" /></p>
<p><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Derlei braucht die bloße Erhaltung des Lebens nicht. Die Sorge hat ihr eignes Maß, das Bedürfnis. Der Philosoph Max Scheler umschrieb das Wesen des Menschen phänomenologisch als unsere Fähigkeit, nein zu sagen. Doch um nein sagen zu können, braucht&#8217;s einen Grund. Diesen Grund nennen wir Sinn. Sinn ist immer das, was uns dazu bestimmen könnte, uns einer Anmutung des Lebens, vulgo Bedürfnis, zu versagen &#8211; und etwas anderes zu tun. Das Leben selber ist kein Sinn. Es ist die sachliche Bedingung allen Sinns.</span></p>
<p><strong><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Weil ein Teil</span></strong><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;"> der Gattung fürs Leben extra noch einen Sinn brauchte, haben die Menschen die Symbolische Form erfunden; den Mythos, die Spekulation, die Betrachtung &#8211; des schlechthin Anderen, Höheren, Absoluten. Nur so gibt es übrigens auch einen Unterschied zwischen wahr und unwahr (und ob man ihn eher ethisch oder ästhetisch auffaßt, steht dahin). Auf jeden Fall bedeutet er eine Entwertung des Lebens &#8211; es soll ja nun um eines Andern willen riskiert werden. Aber die Lebenden wertet er auf. Sorge hält das Leben instand. Was aber dem Leben einen Sinn geben kann, ist Mutwille: das, was erst „durch Freiheit möglich“ wird und gewagt sein will. In der Welt nimmt das Dasein einen kämpferischen Zug an. </span></p>
<p><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;"><img class="alignnone size-full wp-image-3530" title="bauchvase-um-550" src="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/09/kopie-von-herakles-bauchvaes-um-550.jpg?w=460&#038;h=364" alt="bauchvase-um-550" width="460" height="364" /><br />
</span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:left;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:left;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<div style="text-align:left;"><!--[if !supportEndnotes]--></p>
<hr size="1" /><!--[endif]--></p>
<div id="edn1">
<p class="MsoEndnoteText"><a name="_edn1" href="#_ednref1"><span class="MsoEndnoteReference"><span><!--[if !supportFootnotes]--><span class="MsoEndnoteReference"><span style="font-size:10pt;font-family:&#34;">[i]</span></span><!--[endif]--></span></span></a> Daß die progressive Krümmung des Schädelkeilbeins sie darauf vorbereitet hat, steht auf einem andern Blatt.</p>
</div>
<div id="edn2">
<p class="MsoEndnoteText" style="text-align:left;"><a name="_edn2" href="#_ednref2"><span class="MsoEndnoteReference"><span><!--[if !supportFootnotes]--><span class="MsoEndnoteReference"><span style="font-size:10pt;font-family:&#34;">[ii]</span></span><!--[endif]--></span></span></a> Die Unterschiede im Gehirn sind geringfügiger, als vermutet wurde, und betreffen v. a. den sog. „Balken“, der die beiden Hemisphären verbindet und bei Frauen etwas dicker ist. Frauen könnten emotive und analytische Leistungen leichter verbinden, Männer könnten sie leichter trennen. Aber was ist der Vorteil, wenn sich z. B. bei der Lektüre von Kant jederzeit das Gefühl und in die Empfindungen jederzeit Berechnung einmischen könnte? Dieses ist sachlich, jenes ist menschlich unerwünscht.</p>
</div>
</div>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Anthropologie statt Metaphysik: die aktuellste Losung der Philosophie]]></title>
<link>http://ebmeierjochen.wordpress.com/2008/09/11/anthropologie-statt-metaphysik/</link>
<pubDate>Thu, 11 Sep 2008 18:02:47 +0000</pubDate>
<dc:creator>Panther Ray</dc:creator>
<guid>http://ebmeierjochen.wordpress.com/2008/09/11/anthropologie-statt-metaphysik/</guid>
<description><![CDATA[&#8220;Anthropologie statt Metaphysik&#8221; &#8211; unter diesem Titel ver- öffentlicht Ernst Tugen]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p><!--[if gte mso 9]&#62;  Normal 0 21       MicrosoftInternetExplorer4  &#60;![endif]--></p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal"><a href="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/09/tugendhat-ernst.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-371" title="tugendhat-ernst" src="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/09/tugendhat-ernst.jpg?w=230&#038;h=173" alt="" width="230" height="173" /></a></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;">&#8220;Anthropologie statt Metaphysik&#8221; &#8211; unter diesem Titel ver- öffentlicht <em><span style="color:#008080;">Ernst Tugendhat</span>,</em> jahrzehntelang der Leuchtturm der – auch von ihm so genannten – Analytischen Philosophie im deutschsprachigen Raum, sein jüngstes Buch. Wenn alle Wortverwendungen analysiert und alle sprachlichen Fallen entlarvt worden sind, bleibt trotzdem noch immer… die Welt ein Rätsel. Nach wie vor Wittgenstein. Und sogar der hat nichts anderes gemeint. Es ist begrüßenswert, wenn seine Systematisierer am Ende auch zu dieser Einsicht finden. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;">Heute schreibt Tugendhat, &#8220;dass die philosophische Anthropologie an die Stelle der Metaphysik als &#8216;philosophia prima&#8217; treten sollte, und dass die Frage &#8216;Was sind wir als Menschen?&#8217; diejenige Frage ist, in der alle anderen philo- sophischen Disziplinen ihren Grund haben.&#8221;<strong><span style="color:#008080;">*</span> </strong>Und stante pe &#8220;ergibt sich sofort der Rekurs aufs menschliche Verstehen als natürlicher Ausgangspunkt, und genau so bei allen einzelnen philosophischen Disziplinen wie z.B. Logik, Ästhetik, Handlungstheorie usw.<span> </span>Es fällt schwer, sich eine philoso- phische Disziplin denken zu sollen, die nicht auf das menschliche Verstehen zurück weist.&#8221;</span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;">Ich habe noch nie eine philosophische Tageslosung gehört, der ich so vorbehaltlos zustimmen konnte. Und sogar seinen Vorbehalt gegen die philosophische Anthropologie, wie sie Scheler, Gehlen und Plessner hinterlassen haben, teile ich. Es ist ihnen nicht gelungen, den Ursprung des menschlichen Verstehens in der Evolutionsgeschichte sichtbar und… &#8216;verständlich&#8217; zu machen.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;">An genau diesem Punkt glaube ich aber, mit der Unter- scheidung zwischen <a href="http://www.xing.com/app/forum?op=showarticles;id=9358372">&#8216;meiner&#8217; Welt und &#8216;unserer&#8217; Welt</a> selber einen Beitrag geleistet zu haben, der manches Rätsel auflöst.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><strong><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></strong></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="color:#008080;"><em><strong><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;">Nach zweieinhalb Tausend</span></strong></em></span><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"><em> </em>Jahren Philosophie mit systematischem Anspruch ein Begriffspaar einführen zu wollen, für das es in der Literatur kein Vorbild gibt, ist kühn und muss gerechtfertigt werden. Zunächst einmal: Ich bin nicht ex litteris und durch begriffliche Konstruktion (aus gegebenem Material) darauf gekommen, sondern aus lebendiger Anschauung. Das mag als Eingangsrechtfertigung gelten. Das Nachzeichnen des Erfahrungsgangs macht zugleich deutliche(er), was gemeint ist.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;">Paradigma der modernen (bürgerlichen, westlichen…) Weltanschauung ist das vernünftige Subjekt. Es ist &#8216;definiert&#8217; – in seinen Grenzen festgelegt –<span> </span>durch seine zwei bestimmten </span><a href="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/09/narr5.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-377" title="der Narr" src="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/09/narr5.jpg?w=131&#038;h=180" alt="" width="131" height="180" /></a><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;">Gegensätze, die im Prozess seiner historischen Ausbildung hinter ihm &#8216;zurück geblieben&#8217; sind: Der <span style="color:#008080;"><em>Narr</em></span> und das <span style="color:#008080;"><em>Kind</em></span>. Sie beide sind nicht das, was das vernünftige Subjekt ist, der eine noch nicht, der andre wird es nie: ein nüchtern die Vorteile kalkulierender Teilhaber am allgemeinen<span> </span>Verkehr; mit andern Worten: &#8220;erwachsen&#8221;.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;">Jahrzehnte lang hatte ich durch <a href="http://www.jochen-ebmeier.de/18.html">meinen Erwerbsberuf</a> gerade mit diesen beiden &#8216;residualen&#8217; Gegensätzen zur Vernünftig- keit zu tun – mit <span style="color:#008080;"><em>1)</em></span> Kindern, die <span style="color:#008080;"><em>2)</em></span> als närrisch alias &#8220;gestört&#8221; galten. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;">Worin bestand die &#8220;Störung&#8221;? Das Kind lebte mehr oder weniger zurückgezogen &#8216;in seiner eignen Welt&#8217;, zu der es nur ausnahmsweise und zufällig Andern Zutritt gewährte. Mit andern Worten, in der &#8216;Welt der Wirklichkeit&#8217; lebte es nicht oder nur gelegentlich &#8216;aus Versehen&#8217;. Das ist wohl bemerkt keine Analyse, sondern bloß die Beschreibung eines anschaulich gegeben Phänomens. Aber sie beruht auf einer Prämisse: dass die &#8216;wirkliche Welt&#8217; die wahre und die &#8216;eigne Welt des Kindes&#8217; die falsche sei. Wodurch unterscheiden sich beide Welten aber in Wahrheit?</span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;">Die &#8216;Eigenwelt des Kindes&#8217; ist ein Phantasma – zugegeben. Sie ist &#8220;subjektiv&#8221;. Ist &#8216;die Wirklichkeit&#8217; objektiv? Das steht in der Sternen. Die Transzendentalphilosophie hat seit gut zweihundert Jahren ihre Einwände, aber wer weiß das heut schon noch? Doch seit der postmodernen Karriere des &#8216;Konstruktivismus&#8217; pfeifen es die Spatzen von den Dächern:<span> </span>Die &#8216;Wirklichkeit&#8217; der verständigen Erwachsenen &#8216;ist auch nur ein Konstrukt&#8217;. Was bleibt also übrig vom Unterschied von Wirklichkeit und Eigenwelt des Kindes? Das eine ist ein öffentliches, das andre ist ein privates Konstrukt: Phantasmen alle beide! Was ist der Vorteil des einen vor dem andern? In diesem können Alle vorkommen und – mehr oder weniger – auskommen, in jenem nur Einer: Das &#8216;gestörte Kind&#8217; selbst. Aber das ist ein rein pragmatischer Unterscheid und kein (onto-)logischer.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="color:#008080;"><em><strong><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;">Werfen wir einen zweiten</span></strong></em></span><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> Blick auf das Scenario: Zuerst unterschieden wir gar nicht zwischen einem Ich und einer Welt (geschweige denn zweien). &#8211; &#8216;Zuerst&#8217;? Ich war nämlich schon &#8216;da&#8217;, bevor ich &#8216;zur Welt gekommen&#8217; bin. Nicht als der, der ich heute bin, aber auch nicht als ein wirklich anderer. Damals war ich eins mit dem, was mich umgab; buchstäblich. Im Moment der Geburt kam dann erstmals etwas Fremdes hinzu; zumindest fremde Hände. Das Kind schreit, wenn es &#8216;zur Welt kommt&#8217;. Wegen der Andersheit des Andern, der Andern…? Noch längere Zeit könne der Säugling, wird uns gesagt, nicht zwischen &#8216;sich-selbst&#8217; und der Mutterbrust unterscheiden. Jean Piaget spricht vom &#8220;ursprünglichen Adualismus&#8221; des Kindes. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;">Erst nach und nach treten Selbst und der-die-das Andere auseinander, und auch nicht gleich als ein Gegensatz, sondern eher in Gestalt von konzentrischen Kreisen, gestaffelt vom ganz-Eignen bis zum ganz-Fremden. Wie die Scheidung dann schließlich gelingt und immer tiefer geht, ist eine Frage der Psychologie. Die empirische Person ist ein unablässiges Werden. Das Ich der Philosophen ist etwas anderes, es ist nicht empirisch, sondern logisch, und als solches wird es nicht, sondern ist; jedenfalls in der Vorstellung. Aber die Welt, die die empirische Person nach und nach von sich unterscheidet, die wird. Und sie wird täglich größer. Es kommen immer neue &#8216;Dinge&#8217; darin vor. Verglichen damit wird die Person kleiner… </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;">Noch einmal zurück: In der &#8216;Eigenwelt&#8217; des Narren kommen ja keine andern Gegenstände vor als in der Welt des Verständigen. Den einen oder andern Gegenstand mag er vielleicht nicht &#8220;wahr haben&#8221;, aber die, die er wahr nimmt, sind dieselben, die auch die andern wahr nehmen. Sie unterscheiden sich nicht darin, dass (oder ob) sie wahr genommen werden, sondern wie </span><a href="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/09/zeigefinger2.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-378" title="bedeuten" src="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/09/zeigefinger2.jpg?w=180&#038;h=135" alt="" width="180" height="135" /></a><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;">sie wahr genommen werden, &#8220;als was&#8221; sie wahr genommen werden. Sie unterscheiden sich nicht nach ihrer Gegenständlich- keit, sondern nach ihrer Bedeu- tung.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;">Die Bedeutungen der Dinge sind jedenfalls nicht &#8216;objektiv&#8217;. Etwas bedeutet etwas <em>für</em> jemanden. Bedeutung hat ihren Ort im Subjekt. Bedeutung steckt nicht im Ding selbst, sondern wird </span><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;">ihm zugeschrieben, zu-gedacht. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"><span style="color:#008080;"><em><strong>Was ist Bedeutung?</strong></em></span> Bedeutung ist &#8216;dasjenige an&#8217; dem Ding, das mich oder einen andern dazu veranlassen kann, so oder anders zu handeln. Wobei unter Handeln schon das abstrakteste Entscheiden für das Eine und gegen das Andere verstanden sein soll: Urteilen im aller allgemeinsten Sinn.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;">Man möchte meinen, das sei genau das, was den Menschen von allen andern Lebewesen unterscheidet: dass er urteilt.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;">Dabei ist freilich die Unterscheidung zwischen einem &#8216;Ding&#8217;, wie es schlicht und einfach nur &#8216;da ist&#8217;, und dem, was es für mich bedeuten könnte, selber schon eine Urteil. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;">Wir nehmen nicht &#8216;zuerst&#8217; die Gegenständlichkeit der Gegenstände wahr und denken uns &#8216;dann&#8217; zu ihnen eine Bedeutung hinzu; sondern im unmittelbaren alltäglichen Erleben &#8216;begegnen&#8217; sie uns ungeschieden als Eines und Dasselbe. Denn wir wurden in eine Welt geboren, in der alles eine Bedeutung längst hat; nämlich für die, die vor uns auf der Welt waren und uns Neuen <em>ihre</em> Welt nun zeigen – von unserm ersten Tag an. Die Welt ist von den tausenden Generationen, die vor uns waren, längst ausgedeutet worden. Diese Bedeutungen haben sie uns überliefert in einem gewaltigen Tableau von Symbolen, von denen jedes &#8216;seine&#8217; Bedeutung bezeichnet, und die untereinander artikuliert sind durch ein Netz von Verweisungen und Bezügen. Und das sind nicht bloß die Wörter, die wir aussprechen können! Die gesellschaftlichen Institutionen, jedes Kulturgut, die konventionellen Weisen des gesellschaftlichen Verkehrs tragen alle eine &#8220;Botschaft&#8221;, sie sind Symbol, sie &#8216;bedeuten sich selbst&#8217;.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;">Bedeutungen mögen sich im Laufe der Jahrtausende verschieben. Aber daran, <em>dass</em> ein<span> </span>jedes Ding seine Bedeutung hat, kann das nichts mehr ändern. Wer neu hinzu kommt, erhält keine Gelegenheit, daran zu zweifeln. Allenfalls kann er fragen: <em>Was</em> bedeutet Dieses? Und dass es <em>fraglich</em> ist, ist dann eine ganz eigentümliche Bedeutung des Dinges…</span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><strong><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></strong></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="color:#008080;"><em><strong><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;">Und bevor die</span></strong></em></span><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"><span style="color:#008080;"><em> <strong>Menschen</strong></em></span> da waren? Hatten da die Dinge &#8216;noch keine Bedeutung&#8217;?</span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;">Die Menschen sind nicht über Nacht vom Himmel gefallen, sie waren &#8220;vorher schon da&#8221; – doch <em>zu Menschen</em> sind sie erst <em>geworden</em>. Sagen wir der Einfachheit halber: Vorher <span> </span>waren sie Tiere unter andern Tieren.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;">Ein Tier unterscheidet nicht zwischen einem Ding und seiner Bedeutung. Dazu müsste es urteilen können, aber dazu fehlen ihm die Voraussetzungen. (Lassen wir einstweilen beiseite, welche das sind.) Erlebt es nun &#8216;Dinge&#8217; <em>ohne</em> Bedeutung?</span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;">Auch das Tier lebt nicht in einer Welt, die lediglich &#8216;der Fall ist&#8217;, sondern in Bedeutungen. Evolution ist Auslese und Anpassung. Im Laufe ihrer Geschichte hat jede Spezies ihre ökologische Nische gefunden, in die sie besser passte als in jede andere, und hat sie zu ihrer &#8216;Umwelt&#8217; umgewidmet; baut Nester, Höhlen, Staudämme, und bestäubt die Pflanzen, von denen sie lebt. Jede tierische Umwelt bildet nach Jakob von Uexküll, dem Begründer des biologischen &#8216;Umwelt&#8217;-Begriffs, &#8220;eine in sich geschlossene Einheit, die in all ihren Teilen durch die Bedeutung für das Subjekt beherrscht wird. Alles und jedes, das in den Bann einer Umwelt gerät, wird umgestimmt und umgeformt, bis es zu einem brauchbaren Bedeutungsträger geworden ist &#8211; oder es wird völlig vernachlässigt.&#8221; Was nicht zum Funktionskreis Tier-Nische gehört, wird – selbst &#8216;in seiner Gegenständlichkeit&#8217; – gar nicht erst wahr genommen.</span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"><em>Was</em> nun die Dinge seiner Umwelt dem Tier bedeuten, &#8220;versteht sich von selbst&#8221;, es ist ins genetische Programm der Species eingegangen &#8211; da muss es das Individuum <span> </span>nicht auch noch verstehen. Durch Vererbung sind die Gattung und ihre Umwelt<span> </span>miteinander &#8216;verwandt&#8217;. Der Mensch dagegen muss die Bedeutungen der Dinge, die ihm durch Symbole übermittelt wurden, jedes Mal wieder selber realisieren, nämlich &#8216;sich vorstellen&#8217;.<span> </span></span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;">Die Bedeutungen tierischer Umwelten haben freilich einen gemeinsamen Nenner: Sie sind Funktionen der Erhaltung &#8211; der Individuen wie der Art. Was keinen Erhaltungswert hat, kommt in ihnen, wenn es auch &#8216;da&#8217; ist, einfach nicht vor. Der Mensch hat jedoch vor Jahrmillionen seine Urwaldnische verlassen und ist aus der ererbten Umwelt in eine fremde Welt aufgebrochen. </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><strong><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"><span style="color:#008080;"><em>Als sich vor zwei</em></span>,</span></strong><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> drei Millionen Jahren in Ostafrika das Klima erwärmte und den Regenwald zu einer Feuchtsavanne ausdünnte, zogen sich unsere Vorfahren nicht, wie ihre äffischen Vettern, mit dem Dschungel zurück, sondern stiegen stattdessen auf den Boden herab. Eine Feuchtsavanne ist kein einheitlicher Lebensraum, an den man sich spezialistisch &#8220;anpassen&#8221; kann. Sie besteht aus vielen Vegetations- und Klimainseln, wo ganz unterschiedliche Bedingungen gegeben sein mögen, aber von denen keine einem großen Säuger als dauernder Wohnort ausreicht. Jedenfalls gewöhnten sie sich an, von einer zur andern zu wechseln. Über Millionen Jahre lebten unsere Vorfahren von da an als Nomaden und Entdeckungsreisende. </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><a href="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/09/evolution1.jpg"><img class="alignnone size-large wp-image-392" title="evolution" src="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/09/evolution1.jpg?w=459&#038;h=155" alt="" width="459" height="155" /></a></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;">Dabei begegnet ihnen erstens immer wieder Unbekanntes – das &#8216;noch keine&#8217; Bedeutung hatte; und zu den Bedeutungen, die ihnen der Urwald in Jahrmillionen angeerbt hatte, fanden sie nicht mehr die passenden &#8216;Dinge&#8217;. Sie mussten &#8216;sich was einfallen lassen&#8217;, mussten Bedeutungen ahnend neu &#8216;heraus&#8217;-, d. h. hinein-finden, und mussten Fremdes mit dunklen Erinnerungen an Vergangenes vergleichen. Sie mussten sich ein Bedeutungsreservoir angelegen, das übertragbar, das tragbar, das transportabel war. Es kann mit Allem verglichen werden, was auftaucht, und alles, was auftaucht, ist mit der Erwartung ausgezeichnet, vergleichbar zu sein: &#8220;Passt oder passt nicht?&#8221; Erweist es sich als inkommensurabel – dann ist es nicht etwa &#8216;bedeutungslos&#8217;, sondern im Gegenteil etwas <em>ganz Besonderes</em>.</span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;">An die Stelle der verlorenen &#8216;Umwelt&#8217; ist nun eine <em>Welt</em> getreten, die &#8216;zuerst&#8217; (in Symbolen transportabel und) in der <em>Vorstellung</em> &#8216;da ist&#8217;, an der die begegnenden &#8216;Dinge&#8217; gemessen und auf ihre Tauglichkeit geprüft werden. Was &#8220;passt&#8221;, hat Chancen, (für) &#8216;wahrer&#8217; genommen zu werden, als was nicht passt oder nicht so gut passt. Jenes, das Fremde, hat dagegen Chancen, einer &#8216;höheren&#8217; Wirklichkeit zugerechnet zu werden, die gleichermaßen anziehend und bedrohlich sei kann. (Es ist die animistische Welt des Totems.)</span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"><span style="color:#008080;"><em><strong>Und um diese Vorstellungswelt</strong></em> </span>von einer Insel zur andern transportieren zu können, musste ein Behältnis ausgebildet werden. Die (schubweise) Vergrößerung des menschlichen Gehirns folgt der Erfindung des aufrechten Ganges und der Ausweitung des menschlichen Aktionsradius. Verlassen hatten wir einen sicheren Ort, wo alles so war, wie es war, und wo wir es darum nicht &#8220;bemerken&#8221; mussten. Ein<span> </span>Ich, das sich von diesem Ort unterscheiden musste, war nicht &#8216;da&#8217;. Das änderte sich drastisch, als wir &#8216;zur Welt kamen&#8217;. Dieser Ort war ein vages Durcheinander von Wundern und Unwägbarem, das &#8220;immer neu&#8221; begegnete. Ein &#8216;ruhender&#8217; Pol im steten Wechsel ist allein die wandernde Menschengruppe, die sich als beharrendes Subjekt in einer flüchtigen… ja eben: <em>Welt</em> behauptete. Der einstmals umweltlich ungeschiedene Erlebensraum der Individuen zerfällt in ein Drinnen &#8211; die gewisse Gruppe -, und ein ungewisses Draußen. Je dringlicher es der Vergewisserung des Draußen bedarf, umso nötiger wird die Verständigung im Innern.</span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;">Die &#8211; von nun an selbst gemachte &#8211; Geschichte der Gattung Mensch geschieht im <em>Verkehr</em>.<span> </span>Verkehr heißt Mitteilung. Mitteilung bedarf eines Vehikels, eines &#8220;Gefäßes&#8221;, in dem die je gemeinte Bedeutung vom Einen zum Andern gereicht wird. Je öfter das Mitteilen nötig wird, umso fester muss das Gefäß sein. Eine Bedeutung, die in einer Gebärde symbolisiert wird, ist weniger haltbar als eine, die in einem gesprochenen Wort symbolisiert ist. Und nur in unablässigem Verkehr kann die Bedeutung des Symbols andererseits auch <em>Erhalten</em> bleiben.</span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><strong><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"><span style="color:#008080;"><em>Es folgt daraus,</em></span> </span></strong><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;">dass heute &#8216;alles, was vorkommt&#8217;, in seiner Bedeutung durch ein Symbol längst festgesetzt ist, bevor noch der Neuling die Welt betritt. So sehr, dass er in demselben Maße, wie sein Verkehr mit den Gattungsgenossen wächst, bei jedem <em>ihm </em>neu begegnenden Ding auf eine vorgegebene Bedeutung fest rechnet &#8211; und danach fragt, o ja. Und es ist jedes Mal eine Sensation, wenn ihm die sicher erwartete Bedeutung <em>nicht</em> benannt werden kann. Sie &#8216;bleiben&#8217;, d. h. <em>werden</em> dadurch nicht etwa bedeutungslos, sondern vielmehr rätselhaft, und das verleiht ihnen einen <em>Reiz</em>, den sie für ein &#8216;nicht-symbolisierendes&#8217; Tier nie gewinnen können. Dieses wendet sich von ihnen schließlich ab, sobald feststeht, dass sie sich zum Verzehr jedenfalls <em>nicht</em> eignen…</span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;">Und hier begegnet zum ersten Mal der Unterschied zwischen &#8216;meiner&#8217; und &#8216;unserer&#8217; Welt: Weil dem Ding im Symbolnetz &#8216;unserer&#8217; Welt die Bedeutung, die es doch haben sollte, <em>mangelt, gewinnt</em> es in &#8216;meiner&#8217; Welt seinen Reiz</span><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;">. &#8220;Das Schönste, das wir erleben können, ist das Geheimnisvolle&#8221;, meinte Albert Einstein. Man kann das den <em>ästhetischen Sinn</em> der Menschen nennen.</span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"><span style="color:#008080;"><em><strong>Das Symbolnetz, das uns</strong></em></span><strong> </strong>&#8216;unsere&#8217; Welt bedeutet, war seinerseits nicht einfach ein Neuerwerb, ein <em>Plus,</em> das hinzukam; sondern ein <em>Ersatz</em> eine Kompensation für den <em>Verlust </em>der </span><a href="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/09/image025.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-379" title="ein Netz aus lauter Perlen" src="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/09/image025.jpg?w=210&#038;h=144" alt="" width="210" height="144" /></a><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;">angestammten, naturbedeuteten tierischen Umwelt. An die Stelle der <em>Selbstverständlichkeiten</em> ihrer verlassenen ökologischen Nische mussten unsere Urahnen das <em>Verstehen</em> einer selbsterworbenen, selbstbedeuteten Welt setzen.<span> </span></span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;">&#8220;Wir kommen mit erheblichem Vorwissen über die Welt in diese&#8221;, schreibt Wolf Singer. Erfahrungswissen tausender Generationen ist erblich in unserm Gehirn gespeichert. Raum und Zeit gehören sicher dazu, auch wohl, wie Singers Forschungen nahe legen, die sog. Gestaltgesetze der empirischen Psychologie. Ob alle zwölf Kant&#8217;schen Kategorien dazu gehören oder mehr oder weniger, ist eine empirische Detailfrage ohne theoretische Tragweite.</span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;">Ich &#8216;habe&#8217; diese Vorkenntnisse, aber ich <em>weiß</em> nichts davon. Sie gehören zu den Konstituenten &#8216;meiner&#8217; Welt. Sie sind das Instrumentarium, mit dem ich meine Welt &#8216;konstruierte&#8217; (und ein &#8216;Ich&#8217; überhaupt erst wurde). Am Konstrukt selber ist es nicht mehr kenntlich. Mit andern Worten, in &#8216;meiner&#8217; Welt kommen die Instrumente selbst nicht vor. </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;">Aber ich bin – auch in &#8216;meiner&#8217; Welt! – nicht allein. Ich stehe von Anbeginn in demselben Verkehr, aus dem das Instrumentarium stammt. Im Verkehr kann der Eine an die Stelle des Andern treten. Im Verkehr wird der Wechsel der Perspektiven habituell. Aus dem Verkehr erwachsen Abstände und Nähen, der Verkehr manifestiert Unterschiede und schafft Reflexion. Verkehr ist Vermittlung. In der Welt, die Verkehr ist, ist nichts unmittelbar. Genauer gesagt: In &#8216;unserer&#8217; Welt ist nichts unmittelbar, ist alles nur &#8216;vermittels…&#8217;. Das Unmittelbare kommt allein in &#8216;meiner&#8217; Welt vor. In &#8216;unserer&#8217; Welt kann ich es nur symbolisch vermittelt &#8220;zur Sprache bringen&#8221; (was in &#8216;meiner&#8217; Welt gar nicht nötig ist). </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><span style="color:#008080;"><em><strong><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;">Und doch ist auch</span></strong></em></span><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> &#8216;meine&#8217; Welt keine Nische, sondern <em>Welt</em>. Sie ist offen und nicht geschlossen, und in Hinblick auf das Mögliche ist sie woMöglich noch um einiges &#8220;offener&#8221; als &#8216;unsere&#8217; Welt. In ihr ist nicht nur doppelt rätselhaft, was in &#8216;unserer&#8217; Welt schon einfach rätselhaft war, sondern ist gar manches rätselhaft, was in &#8216;unserer&#8217; Welt flach auf der Hand liegt. So wenig wie die Welten der Kinder und der Narren von der Welt der Verständigen, so wenig unterscheidet sich &#8216;meine&#8217; Welt von &#8216;unserer&#8217; Welt nach den Gegenständen, die darin vorkommen: Alles, was in &#8216;unserer&#8217; Welt vorkommt, könnte auch in &#8216;meiner&#8217; Welt vorkommen (wenn ich genügend Zeit hätte, mich mit allem bekannt zu machen). </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;">Nur – was in &#8216;meiner&#8217; Welt vorkommt, kann <em>nicht</em> alles auch in &#8216;unserer&#8217; Welt vorkommen – d. h. symbolisch repräsentiert werden. Manches kann nur in analogen Bildern &#8216;nachgezeichnet&#8217; und einiges gar lediglich in Gebärden &#8216;ausgedrückt&#8217; werden. Das, was sich in den westlichen Kulturen als <em>Kunst</em> zu einer eignen gesellschaftlichen Instanz erhoben hat, ist ein Zwischenreich, wo je-&#8217;meine&#8217;-Welten in &#8216;unserer&#8217; Welt &#8220;in Erscheinung treten&#8221;. Denn die Kunst findet in der <em>Öffentlichkeit</em> statt, und die ist Verkehr-schlechthin. </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;">Öffentlichkeit ist &#8216;unsere&#8217; Welt par excellence. Wissenschaft ist öffentliches Wissen; Wissen, das auf öffentlich kontrollierbaren Wegen erworben wurde und öffentlicher Prüfung standgehalten hat. Sie ist das Wissen-&#8217;unserer&#8217;-Welt. Aber nicht allein Wissen <em>von</em> &#8216;unserer&#8217; Welt, sondern auch von <em>&#8216;meiner&#8217;</em> Welt! Dabei ist nicht von Tiefenpsychologie die Rede. Ob da öffentlich überprüfbares Wissen – Wissen über &#8216;meine&#8217; Seelenzustände, nicht bloß über nützliche therapeutische Kunstgriffe – zustande kommt, mag man mit Gründen bezweifeln. Die Rede ist von dem Instrumentarium, mit dessen Hilfe ich mir &#8216;meine&#8217; Welt gezimmert habe, um mich in &#8216;unserer&#8217; Welt zurecht zu finden. </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;">So kann die empirische Psychologie die &#8216;Gestaltgesetze&#8217; erforschen und beschreiben. Und kann die Transzendentalphilosophie die Unbedingtheit von Raum und Zeit im Subjekt lokalisieren. Was mir so durch öffentlich wissenschaftliche Reflexion fraglich geworden ist, kann mir – als &#8216;noch ein&#8217; Rätsel – auch in &#8216;meiner&#8217; Welt bewusst werden. Doch stehen sie da in einem ganz andern &#8220;Horizont&#8221;! <span> </span>Sie geben dort nicht neue Fixpunkte ab, aus denen ich weiter schlussfolgern kann (wie in den Wissenschaften), ganz im Gegenteil. Sie verbinden sich unter einander zu einem Zweifel am Sinn der Welt, am Sinn des Lebens. Und das ist gut. Denn ein Sinn, der &#8220;sich von selbst versteht&#8221;, ist keiner. Jedenfalls nicht &#8216;für mich&#8217;, sondern nur für den mich beobachtenden Wissenschaftler (der persönlich gar nix davon hat). </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;">Sinn wird erst, sobald an ihm gezweifelt wurde. Und er bleibt nur, solange nach ihm gefragt wird. Er ist das Ureigenste von &#8216;meiner&#8217; Welt, über das ich in &#8216;unserer&#8217; Welt bestenfalls Geschichten erzählen kann; Romane schreiben, Lieder singen, Bilder malen.</span></p>
<p class="MsoPlainText"><span style="color:#008080;">__________________________________________________________________</span></p>
<p class="MsoPlainText"><!--[if gte mso 9]&#62;  Normal 0 21       MicrosoftInternetExplorer4  &#60;![endif]--></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-left:36pt;text-indent:-18pt;"><!--[if !supportLists]--><span style="font-size:14pt;font-family:Symbol;"><span><span style="color:#008080;"><strong>*</strong>)</span><span style="font-family:&#34;"> </span></span></span><!--[endif]--><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;">Ernst Tugendhat, <span style="color:#008080;"><em>Anthropologie statt Metaphysik</em>,</span> München 2007, S. 34; 35f.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoPlainText"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[I. Pflicht und Kür, oder Die Ausnahme von der Regel]]></title>
<link>http://ebmeierjochen.wordpress.com/2008/09/09/pflicht-und-kur/</link>
<pubDate>Tue, 09 Sep 2008 09:59:41 +0000</pubDate>
<dc:creator>Panther Ray</dc:creator>
<guid>http://ebmeierjochen.wordpress.com/2008/09/09/pflicht-und-kur/</guid>
<description><![CDATA[. Frauen sind, was sie sind. Männer müssen immer erst etwas tun, um etwas zu sein… … hieß es mal in]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p><!--[if !mso]&#62;--></p>
<p style="text-align:left;"><span style="color:#000000;">.</span></p>
<p style="text-align:left;"><span style="color:#c0c0c0;"><em><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Frauen sind, was sie sind. Männer müssen immer erst etwas tun, um etwas zu sein…</span></em></span></p>
<p><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">… hieß es mal in einem feministischen Radioessay. Soll heißen, Frauen sind Natur, Männer sind künstlich. Früher war es die Überlegenheit des Mannes, die “natürlich” begründet wurde: Frauen seien das schwächere Geschlecht. Die klassische Frauenbewegung war daher kulturalistisch. Alle Geschlechts- charaktere, die über den sprichwörtlich kleinen Unterschied hinaus gehen, seien erst historisch erworben. Alles nur Erziehung! Als Frau wird man nicht geboren, zur Frau wird man erst gemacht, sagte die <a href="http://www.aerzteblatt.de/V4/archiv/artikel.asp?src=heft&#38;id=58544">Beauvoir</a>.</span></p>
<p><span style="color:#c0c0c0;"><em><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">X und Y</span></em></span></p>
<p><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Der neuere Feminismus denkt naturalistisch. </span><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Jetzt heißt es,</span><a href="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/09/xy2.jpg"><img class="size-full wp-image-78 alignleft" title="das heile Y, das verkümmerte Y" src="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/09/xy2.jpg?w=227&#038;h=221#38;h=221" alt="" width="227" height="221" /></a><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;"> die Frau sei das </span><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">eigentlich starke Geschlecht. Zugespitzt in dem Satz “Mannsein ist der am </span><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">weitesten verbreitete genetische Defekt auf der Welt”, der dem Berliner Molekularbiologen Jens Reich zugeschrieben wurde (der sich selber nicht daran erinnern kann). Eigentlich sei das Leben, und der Mensch zumal, weiblich. </span></p>
<p><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Das Männliche sei nur eine nachträgliche Ab- oder Aus- schweifung der Evolution. Und tatsächich ist ja das Y-Chromosom stammesgeschichtlich nur eine späte, verstümmelte Abart des X-Chromosoms. Während die (starke) Frau in ihrer doppelt gesicherten Geschlechtsidentität ruht &#8211; XX -, hat das männliche Individuum gegen seinen einen heilen, weiblichen Anteil nur ein beschädigtes Gechlechtsstummelchen aufzubieten, das noch nicht einmal überall mit ‚Information’ besetzt ist: XY!</span></p>
<p><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Und nie bringt er es zu einem guten Ende, immer wieder muss er von vorn anfangen, von Zweifeln zerfressen und ohne Rast, als müsse er etwas beweisen. Rechtfertigung ist ein männliches Thema. Frauen sind, was sie sind, aber Männer müssen immer erst irgendwas tun, um irgendwas zu werden. Während sie in sich ruht, ist er einer, der ‚von Natur’ immer strebt. Sie ist Substanz, er nur Akzidenz, das Weibliche ist sicher, das Männliche ist prekär. So sind die Befunde der Molekular- biologie.</span></p>
<p><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Die feministische Interpretation liegt auf der Hand. Aber flach auf der Hand. Erst wenn man sie umkehrt, bekommt sie Tiefe. Und einen historischen Sinn. Nämlich so: ‚Weiblich’ war die Grundsuppe; doch ‚Männlich’ ist die Spiel-Art. Hier die Norm, da die Varianz. Das Zentrum und die Peripherie. Bewahrung und Risiko.</span></p>
<p style="text-align:left;"><span style="color:#c0c0c0;"><em><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Der Fuß ist eine verkrüppelte Hand, </span></em></span></p>
<p style="text-align:left;"><span style="color:#c0c0c0;"><em><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">doch sind seine Mehrleistungen auf </span></em></span></p>
<p style="text-align:left;"><span style="color:#993300;"><em><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;"><span style="color:#c0c0c0;">der Erde evident.</span> </span></em></span><span style="color:#808080;"><em><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Alfred Adler</span></em></span></p>
<p><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Durch drei Milliarden Jahre hat sich das Leben einfach reproduziert: ein-, d. h. ungeschlechtlich. Und entsprechend eintönig blieb das genetische Material. Das Spiel von Mutationssprüngen, Selektion und Ausbildung neuer Formen zog sich hin &#8211; unter Umständen länger als die Veränderung der sachlichen Lebensbedingungen, und eine Art um die andere ging ein: Für die Umstellung auf veränderte Umstände fehlte ihnen der Spielraum.</span></p>
<p><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Die Ab- und Ausweichung eines andern Geschlechts, die Erfindung des Männlichen als Spielart des “weiblichen” Grundmusters hat nur den einen biologischen Sinn: das Erbgut zu diversifizieren und durch vermannigfachte Kombinations- möglichkeiten die Mutationssprünge breit zu streuen &#8211; und eo ipso die Auslese zu beschleunigen. Die männlichen Individuen sind dabei lediglich als Erbgutträger, als Samenbank erfor- derlich. Für alle andern Reproduktionsfunktionen sind sie entbehrlich. Selber lebenstauglich müssen sie nicht sein.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Sprichwörtlich wurden die Drohnen bei Bienen, Hummeln und Hornissen. Den männlichen Ameisen geht es auch nicht besser. Zuerst gehätschelt und verwöhnt; doch haben sie ihren Beitrag zum Arterhalt einmal entrichtet, werden sie abgescho- ben und wohl auch als Nahrung verwertet. </span></p>
<p style="text-align:right;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Symbolhaft sprechend ist die Gestalt eines tropischen Tiefseefischs, </span><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">des Peitschenanglers: Das weibliche Tier trägt sein “Zwergmännchen” wie einen Torpedo an seinem Unterleib, als stets verfügbares genetisches Reservoir.</span><span style="font-size:14pt;font-family:&#38;"><a href="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/09/angler.jpg"><span style="text-decoration:none;"><img class="alignright size-medium wp-image-202" title="Peitschenangler" src="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/09/angler.jpg?w=300&#038;h=202#38;h=202" border="0" alt="" width="300" height="202" /></span></a></span><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;"> Doch der Schein trügt. Das Männchen ist nicht als weiblicher Körperauswuchs zur Welt gekommen. Nur hat es schon im Kindesalter seine Bestimmung gekannt: zeugen, punctum. Und so hat es sich dem erstbesten Weibchen, das ihm begegnete, buchstäblich einverleibt, nämlich in seinen Bauch verbissen, sich seinem Blutkreislauf angeschlossen und das eigene Wachstum eingestellt. Es trägt den Samen, und damit gut. Andere Lebensaufgaben sind ihm in der ökologischen Nische des Peitschenanglers nicht beschieden. Entsprechend dürftig ist es ausgestattet.</span></p>
<p><span style="color:#c0c0c0;"><em><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Prekär</span></em></span></p>
<p><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Noch heute weiß jede achtsame Mutter, dass Jungen eher kränkeln als Mädchen &#8211; und dass die Väter wehleidig sind: Das ist die Spur der Stammesgeschichte. Es scheint, als sei das Immunsystem der männlichen Individuen schon im Mutterleib herabgestimmt, um die Gefahr einer Abwehrreaktion des Trägerorganismus gegen das heranwachsende fremde Erbgut zu mindern. Und davon erholt es sich dann sein Lebtag nicht ganz. Eine neuere, verblüffend schlichte Erklärung für die höhere Krankheitsneigung und kürzere Lebensdauer der Männer besagt, dass ihr größerer Körper einfach mehr Angriffsfläche böte für Schädigungen aller Art. </span></p>
<p><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Für diese ihre Körpergröße seien allerdings die Frauen verantwortlich: weil sie vorzugsweise große Männer zur Fortpflanzung wählen. Tatsächlich sind große Männer wohl fruchtbarer als kleine. Gesünder brauchen sie aber nicht zu sein. Denn da sie eigentlich nur für die Arterhaltung, nicht aber für die Selbsterhaltung taugen sollten, ist ihr Organismus nur mangelhaft fürs Überleben ausgerüstet. In Darwins Welt gilt das Gesetz vom Survival of the fittest, dem Überleben des am besten Zugerichteten. Zugerichtet wofür? Für die ökologische Nische, in der die Gattung sich eingenistet hat. Überleben heißt Zugerichtetsein: Spezialisierung auf den Status quo.</span></p>
<p><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Waren die untätigen Drohnen ein Hohn der Männlichkeit, so war der Löwe ihre Zier, die sie stolz in ihre Wappen malte. Bis die Verhaltensforschung auch diese Prahlerei zu Schanden machte. Für den Lebensunterhalt der Seinen ist der Löwe genauso nutzlos wie die Drohne. Nicht er macht Beute, sondern sein Harem. Die Frauen ernähren die Jungen und ziehen sie groß. Der Pascha bedient sich mit dem, was sie ihm bieten, und zeugt. </span></p>
<p><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Und er verteidigt seinen Besitzstand gegen die Rivalen &#8211; bis er an einen Stärkeren gerät. Dann tauschen ihn seine Damen gegen den Neuen aus und </span><a href="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/09/loewe1.jpg"><span style="text-decoration:none;"><img class="alignleft size-medium wp-image-206" title="Pascha" src="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/09/loewe1.jpg?w=180&#038;h=154#38;h=154" border="0" alt="" width="180" height="154" /></span></a><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">schicken ihn in die Wüste, wo er allein nicht durchkommt. Wie die Drohne hat er seine Schuldigkeit getan und geht. Bis dahin hat er wohl eine bessere Figur gemacht. Doch außer seiner Zeugungskraft wurde keine seiner Fähigkeiten wirklich gebraucht, und seinem Ersatzmann wird es genauso gehen. Spezialisiert ist er als wandelnde Samenbank, und wenn er im Kampf der Rivalen sein Leben wagt, dann auch nur, damit der Sieger mit seinem besseren Erbgut dienen darf.</span></p>
<p><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;"><span style="color:#c0c0c0;"><em>Risikokapital</em></span><br />
</span></p>
<p><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Ansonsten hat das Männliche “von Natur aus” keinen eignen Platz im Erhaltungsplan der Gattung, für den es zugerichtet sein und für den es reifen müsste. Im Vergleich zur heilen Weiblichkeit wirkt es immer ein wenig unfertig, unbestimmt und beliebig: Es ist nicht “festgestellt”. Während der Zellteilung im Mutterleib treten bei den männlichen Geschlechtszellen fünfmal so viele Fehler auf wie bei den weiblichen! Freilich ist diese organische Unbestimmtheit auch ein Reichtum an neuen Möglichkeiten. Die männliche Seite kann Eigenschaften entwickeln, die “von Natur” nicht geplant waren. Weibliche Ganzheit sichert den Erhalt des Lebens, doch männliche Unreife macht es dynamisch und bildsam. Das Weibliche ist das Standbein, das Männliche ist das Spielbein der Natur &#8211; ihr Risikokapital. Sie ist positiv, er ist problematisch.</span></p>
<p><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Die feministische These von der natürlichen Zweitrangigkeit des Männlichen gehört </span><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;"><img class="size-full wp-image-239 alignleft" title="Überkompensation" src="http://maennlich.files.wordpress.com/2009/04/sw-1-gruppenstunden-freizeit-programme.gif?w=300&#038;h=225" alt="Überkompensation" width="300" height="225" /></span><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">daher ins rechte Lot gerückt: Mannsein ist, wo es gelingt, die Überkompensation einer Organ- minderwertigkeit &#8211; und darum der Treibstoff unserer Geschichte. Das Weibliche ist die Pflicht, das Männliche ist die Kür. Regel und Ausnahme. Sicherheit und Risiko; Haushalt und Kunst, Ernst und Spiel.</span></p>
<p><span style="color:#000000;">.</span></p>
<p><span style="color:#c0c0c0;"><em><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">folgt:</span></em></span><strong><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;"><span style="color:#c0c0c0;"> </span><span style="color:#808080;">Mythos und Ur-Sprung, oder: Biologie und Bedeutung</span></span></strong></p>
<p style="text-align:right;"><span style="color:#ffffff;"><em><span style="font-size:24pt;font-family:Garamond;">.</span></em></span></p>
<p style="text-align:right;">
]]></content:encoded>
</item>

</channel>
</rss>
