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	<title>geschichtenkurz &amp;laquo; WordPress.com Tag Feed</title>
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	<description>Feed of posts on WordPress.com tagged "geschichtenkurz"</description>
	<pubDate>Sat, 05 Dec 2009 23:35:56 +0000</pubDate>

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<title><![CDATA[Reden wir über Revolution, reden wir über Sex.]]></title>
<link>http://wolfhunger.wordpress.com/2008/04/11/reden-wir-uber-revolution-reden-wir-uber-sex/</link>
<pubDate>Fri, 11 Apr 2008 17:23:36 +0000</pubDate>
<dc:creator>wolfhunger</dc:creator>
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<description><![CDATA[Moment – das galt mal für Kuba und vielleicht noch für die Studenten von 1968. Heute verhüten selbst]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p><strong>Moment – das galt mal für Kuba und vielleicht noch für die Studenten von 1968. Heute verhüten selbst kritische Geister mit dem Kondom des Konsenz.</strong></p>
<p>Es geschah irgendwann im Sonnenuntergang der 80er Jahre. Da legte sich die urdeutsche Firma Mercedes-Benz eine neue, freche Werbeagentur zu und pflasterte den Blätterwald der Illustrierten mit einer Anzeige, die auf ihre Art schon ziemlich visionär war. Doppelseitig funkelte ein wunderbares, silbernes 68er Mercedes-Coupé, wie neu und sofort startbereit in den großen eskapistischen Traum. Darüber die Headline: „Was ist bloß aus den 68ern geworden?“ Großer Erfolg, die Agentur bekam den Job für die nächsten 20 Jahre. Und wieder ein Sieg für den Kapitalismus. Warum? Weil der mit seiner Kohle es einfach drauf hat, die Köpfe der Kreativen einzukaufen. Oder was soll man davon halten, wenn der Intendant des Berliner Ensembles, Claus Peymann, sich bereit erklärt, für eine entsprechende Summe einen neuen Benz ins Foyer der ehrwürdigen Brecht-Bühne zu stellen? Verrat schreien, was sonst? Vorsicht! Nicht nur, dass Peymann mit der Kohle vom großen Autobruder die Inszenierung eines unbekannten Autors finanzieren möchte, die verdammt subversiv daherkommt, samt Kreuzigung eines hassenswerten Bank-Vorstands. Wir wollen obendrein nicht vergessen, dass genau dieser von uns allen verehrte Brecht in jungen Jahren einen schweren Autounfall hatte. 1929 war´s, und er krachte frontal in einen Alleebaum mit seinem Steyr. Stieg nahezu unverletzt aus und ließ sich wenig später lässig an dem Wrack lehnend fotografieren. Verbunden mit dem Werbeslogan: “Ein Steyr ist so sicher, dass man damit sogar einen schweren Unfall überlebt.“ Sein Lohn für die kleine Freundlichkeit gegenüber der Firma Steyr: ein neues Auto. Kostenlos vor die Tür des urlinken Aufklärers. In späteren Jahren ließ er sich übrigens nur noch chauffieren.</p>
<p>So gesehen passt auch ein weiteres Zitat vom unangreifbaren Brecht ganz gut: „Sozialist zu sein bedeutet nicht, Asket zu sein.“ Und wer erinnert sich nicht an die Saga vom nützlichen Idioten, den man gern benutzt, um übergeordnete Ziele zu verwirklichen? Mal was Böses tun, um Gutes zu erreichen! Was das alles mit den 68ern und Studenten überhaupt zu tun hat? Denkt mal nach, um was sich der Brummkreisel der Diskussionen seit Jahren dreht. Tauchen Fragen und Statements auf, wie der „Verkauf der Ideale“, der „Faschismus von links“ oder – noch bizarrer – Pamphlete wie „Der große Selbstbetrug“ vom Chefredakteur der Bild-Zeitung. Darin verbreitet Kai Diekmann die These, dass die 68er für so ziemlich alles verantwortlich sind, was in der wiedervereinten, bundesrepublikanischen Gesellschaft schief läuft. Hat der ein Glück! Leben wir doch in einer lupenreinen Demokratie, die selbst die widerlichsten Kreaturen von Journalisten ungeschoren davonkommen lässt.</p>
<p>Geschichte „68er“</p>
<p>Fällt euch was auf? Selbst nach 40 Jahren sind die 68er nach wie vor ein schlagzeilenträchtiges Thema in diesem Land. Die seriösen Fernsehsender überbieten sich in Sondersendungen und Dokumentationen. Immer wieder Benno Ohnesorg, Rudi Dutschke, nicht zu vergessen Rainer Langhans und Uschi Obermaier. Okay, meinetwegen auch noch Joschka Fischer. In jedem Fall könnte der Verdacht aufkommen, jede Bewegung braucht Köpfe genauso wie Märtyrer, Führer genauso wie Fußvolk.</p>
<p>Die Megaphone der Geschichte bestätigen diesen Verdacht sofort mit hohen Dezibelzahlen. Wir sollten alle rufen: zu Recht, zu Recht! Oder erinnert sich jemand von euch an die 73er, die 88er oder 95er? Ganz zu schweigen von den aktuellen Jahrgängen, die im Vergleich zu den 68ern wie eine wabernde, graue und amorphe Masse daherkommen. Dabei gäbe es auch heute genügend Gelegenheiten, wütend auf die Straße zu gehen. Mindeststudienzeit, Studiengebühren oder Elite-Gedanken seien hier mal als Beispiele an die Wand gesprüht. Was damals Vietnam war, könnte heute der Irak sein. Oder wie schaut´s mit dem Zynismus, der als parlamentarische Antwort in die Mikrofone gegreint wird, um der drängenden Frage der neuen Armut zu begegnen? Achtung, aufgepasst: was passiert, liebe Leute? Außer ein paar zaghaften Häuflein von Aufrechten nichts, nothing, niente.</p>
<p>Da kann ja selbst der gläubigste Optimist auf die altlinke Idee kommen, dass der moderne Student nur an sein kleines, kümmerliches Vorwärtskommen denkt. Besonders die BWLer oder die Medien- und Kommunikationswissenschaftler sind als Speerspitze fleißig dabei, sich schon heute als Elite von morgen zu sehen. In vorauseilendem Gehorsam eingeschüchtert vor den Toren von, sagen wir mal, Daimler-Benz, katzbuckeln sie bis zur Kniescheiben-OP. Oder vor der Deutschen Bank, Roland Berger und allen anderen Karriereschuppen. Mit einer frischen Angst-Impfung in den Venen versuchen sie wie die Karnickel, ihren eigenen Arsch zu retten, um ihn ein paar Jahre später in einem von der Deutschen Bank finanziertem Eigenheim zu wärmen. Keimfrei abgeschirmt von den Langzeitarbeitslosen, den Migranten-Gangs und der gelben Gefahr aus China. Oh, ich hab die Inder vergessen! Dumm nur, das ebendiese kommen werden, nicht als kleine Grüppchen, sondern als Armeen. Und sie kommen genau vor die Tür der alarmgesicherten Kleinbürger-Festungen, Fenster und Biografien werden bersten. Es wird knallen, liebe Leute! Und nicht nur da, auch in den intellektuellen Freihandelszonen, in denen es sich alle kritischen Geister gemütlich gemacht haben.</p>
<p>Geschichte „68er“</p>
<p>Warum das? Weil niemand von uns, niemand von den heute studierenden Stützen der Gesellschaft sich selbst reflektiert, keine nützlichen Idioten ausbeuten will (außer den eigenen Eltern vielleicht), keine Lust auf die Lust des Protestest oder seine Insignien hat: Sex durch Widerstand, Sex durch Veränderung, Sex durch Kampf. Nein, die neuen Studenten werden eines Tages Sex mit ihrem russischen Kindermädchen haben, überzeugte Anhänger von Schwarz-Grün sein und der Werbung eines deutschen Autobauers erliegen, der vom Führer über afrikanische Diktatoren bis zum Investmentbanker alle bewegt hat, die ungefähr so sexy sind wie Fußpilz. Moment, Moment, mein lieber Querkopf. Was ist denn – bitteschön – mit dem fetten 600er Mercedes von Fidel? Gottchen, könnt ihr euch doch selbst beantworten.</p>
<p>Wenn das schwer fallen sollte, kommt hier ein finaler Tipp: Geldwert, dennoch umsonst. Freiheit beginnt bekanntlich im Kopf. Gut, Philosophie für 50 Cent ausm Kaugummi-Automaten. Und Großmuttern hatte in ihrem Zimmer ein Holzschildchen hängen, auf dem stand: „Wenn du glaubst, es geht gar nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her.“ Sie wurde 101 Jahre alt und verbat sich seit ihrem 80zigstem jeden Besuch vom Provinz-Bürgermeister. Die alte Dame hat nie eine Uni von innen gesehen, aber dem Leben und allen Vorschriften sowas von Kontra gegeben, als wenn sie jahrzehntelang mit unzenschweren Boxhandschuhen gekämpft hat. Hoffe, der Startschuß ist jetzt gefallen. Laufen, laufen, laufen, kämpfen, kämpfen, kämpfen. Mehr Sex geht nicht.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Der Alltag ist eine hässliche Ratte. Darauf einen Schluck, eine Line, einen Zug!]]></title>
<link>http://wolfhunger.wordpress.com/2008/04/11/der-alltag-ist-eine-hassliche-ratte-darauf-einen-schluck-eine-line-einen-zug/</link>
<pubDate>Fri, 11 Apr 2008 17:22:52 +0000</pubDate>
<dc:creator>wolfhunger</dc:creator>
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<description><![CDATA[„When the best of men take drugs, isn´t it the fool who doesn`t?“ Human League, 1981. „The drugs don]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p><strong>„When the best of men take drugs, isn´t it the fool who doesn`t?“ Human League, 1981. „The drugs don´t work.“ The Verve, 1997. Ja, was denn nun? </strong></p>
<p>Wenn ich am Wochenende mittags aus dem Fenster schaue, sehe ich Menschen, die nicht so recht ins Bild passen wollen. Schon gar nicht jetzt, im Winter, wo sie alle ins nahegelegene Einkaufscenter hasten, voller Heißhunger auf den goldenen Tempel der schnellen Befriedigung. Geld für Ware, Ware statt Liebe, Konsum als Droge. Kommen sie zurück, in jeder Hand drei Tüten mit dem Neuesten, was ihnen die Werbung entgegen gebrüllt hat, treffen sie auf diese merkwürdigen Gestalten. Und die, nun ja, sind wohl auch auf Droge.</p>
<p>Für Sekunden begegnen sich die dedopten Welten, beäugen sich gegenseitig voller Verachtung, Fraktion Media-Markt zieht kopfschüttelnd weiter Richtung Heimkino, Kampfgruppe Galaktika igelt sich wieder in die tageslichtresistente Höhle ein. Dunkel, schmutzig, laut. Man raunt sich zu: Ein Underground-Club, ein Underground-Club! Nach meinem Einzug habe ich mir wochenlang das seltsame Treiben gegenüber wie einen Film über die Gebräuche ferner Völker angeschaut und versucht, eine Struktur zu erkennen. Gar nicht so einfach! Man denkt sich, verwirft wieder, glaubt dann, aber auch noch nicht richtig. Große Neugierde baut sich auf und navigiert den Dichter zielsicher auf die einzig mögliche Ausfahrt: persönliche Recherche. Wenn ihr wirklich wissen wollt, was läuft, müsst ihr ran an den Braten. Also, lass ich mich reinfallen in das dunkle Loch und stell mich den finsteren Mächten.</p>
<p>Kaum schließt sich die Tür hinter mir, steckt mir ein Mädchen einen Fruchtgummi in den Mund, verbunden mit der freundlichen Bitte um fünf Euro Eintritt. Wo sind die Drachen, die Monster, die Zombies? Abwesend. Ich bin in einen Kindergeburtstag geraten, einzig die bösen Eltern fehlen. Alle lächeln, zappeln friedlich vor sich hin oder hocken zu dritt, zu viert als Knäuel auf ausgefurzten Sofas. An der Bar weiterhin Freundlichkeit und kleine Preise. In den schicken Clubs, wo gern die gesehen werden, die schon von Amts wegen ganze Armeen gegen die dämonischen Drogen auffahren, hätte ich schon einen lächerlichen Türsteher, ein paar agressive Ellbogenchecks und das unvermeidliche Szene-Model hinter mir, die mit arroganter Geste fast das Doppelte für nen Gin-Tonic verlangt.</p>
<p>Im Untergrund des Vergnügens ist alles easy, fast wie im Jugendzentrum, in dem ich vor vielen Jahren mein erstes Rendezvous mit Alkohol hatte. Hier wie damals erotikfreie Zone, betont ungezwungene Uniformierung in Converse, Kapuze und keiner-soll-mir-unter-den-Rock-gucken-können-Look.</p>
<p>Aber dann, schwartenfette Beats, da geh ich mal ein Zimmer weiter. DJ aus London! Oho! Leider hat er vergessen, ein paar Stilikonen aus der Themsestadt mitzubringen. Noch ´n Räumchen mit Sofas dahinter, zwei Schwule knutschen drauf. Kümmert niemanden, totale Toleranz. Da, aufm nächsten Sofa, endlich! Zwei komatöse Gestalten, zu nichts mehr fähig. Drogenleichen, erwischt! Ähnliches hab ich allerdings schon in vielen Kneipen gesehen, da waren zu viele Biere und Kurze im Spiel. Beobachte allerdings, dass sich auffällig oft Paare zusammenfinden und ins Obergeschoß stolpern. Da scheint´s zur Sache zur gehen! „Was´n da oben?“ frag ich einen Smiley neben mir. „Toiletten!“ Verstehe, könnte interessant werden. Stolper ebenfalls die enge Holzstiege hoch, anders kann man die nicht nehmen. Beim nüchtersten Gott von allen nicht!</p>
<p>Gibt Zeichen, die auf Geschlechtertrennung hindeuten. Nur, sie laufen wie die Ameisen hin und her, da kommen zwei Frauen von rechts, eigentlich Männerrevier, links drängen sich ein Mann und zwei nervöse Mädchen in die Kabine. In meiner Verwirrung spreche ich ein nachtgegerbtes Ledergesicht an, verstehe nicht, was er sagt, aber seine Hand auf meinem Arm meint: „Warte, gleich sind wir dran.“ Keine zwei Minuten später stehen wir in der feuchten Kabine. „Wie viel?“ fragen mich zwei Riesenpupillen. Jetzt nur nichts verkacken, erfahrenen Eindruck machen und kein offenes Feuer, um eine Explosion des menschlichen Dynamits mir gegenüber zu vermeiden. Wähle die Dichter-Nummer: „Weiste, bin nur hier, um über die Underground-Szene zu schreiben. Knallharte Recherche, leider ohne Kohle, so ´ne Art armer Künstler.“ Wildes Flackern in seinen Augen – ich bin geliefert! –, dann ein Lächeln, eine flinke Handbewegung und ein Papier entfaltet sich unter meiner Nase. „Für dich. Seh´ in deinen Augen, dass du ein guter Mensch bist.“ Was der alles sieht. Knallharte Recherche, kein Zurück. Rüsseln, hochziehen, Feuersturm in der Nase.</p>
<p>Komme vor dem Klo wieder zu mir. Ein Soziologie-Student fragt schüchtern: „Kannst du mich glücklich machen?“ „Tut mir leid, bin hetero.“ Sein verwirrter Blick verrät mir, dass hier jemand was missverstanden hat. Und das bin ich. Schalte schnell und verweise ihn auf das Keith-Richards-Lookalike. Später seh ich das Kerlchen dann zum Londoner Elektro-Beat bizarre Tänzchen aufführen. Sieht so Glück aus? Geld ist alle, also nach Hause. Gespräche sind mir leider nicht gelungen, sämtliche Interviewpartner haben spätestens nach der zweiten Frage kapituliert.</p>
<p>War dann 24 Stunden wach, eine Übersprungshandlung folgte der nächsten, Putzen, Kisten von links nach rechts und wieder zurück räumen, allerlei Freund angerufen, bei denen ich oft schon die erste Frage nicht seriös beantworten konnte. Fühlte mich wie ein Spielzeugäffchen, das unaufhörlich in die Hände klatscht, befeuert von Longlife-Batterien. Ja, ich war einer von den seltsamen Figuren, die ich immer von meinem sicheren Posten aus beobachtet hatte.</p>
<p>Die taumeln da immer noch am helllichten Tag raus, rennen todesverachtend über die Straße, mit rudernden Armen, Taxi! Klar, der Kater wird kommen. Wahrscheinlich brutaler als nach ner Bier-Sause. Sie werden´s wieder machen, jede Generation macht´s wieder, es wird Tote und Überlebende geben. Lösung, Ausweg? Warum? Es wäre schon viel gewonnen, wenn jeder von uns versuchen würde, das Feuerwasser des Konsums durch die Lust an allem zu löschen, was ihm gut tut. Liest, schreibt, malt, schreit, tanzt, verändert. Denkt radikal: Selbst anerkannte Wissenschaftler halten eine Drogen-Freigabe im Rahmen staatlicher Kontrolle für sinnvoll. Der Staat natürlich nicht, der braucht Feindbilder. Also, Freunde, bleibt clean oder auch nicht. Nur: Wachsamkeit zählt. Alltag, Staat und Repression sind harte Gegner, denen wir uns stellen müssen.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
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<title><![CDATA[Weihnachten 2007. Und der Staat hat garstige Geschenke für uns.]]></title>
<link>http://wolfhunger.wordpress.com/2008/04/11/weihnachten-2007-und-der-staat-hat-garstige-geschenke-fur-uns/</link>
<pubDate>Fri, 11 Apr 2008 17:21:46 +0000</pubDate>
<dc:creator>wolfhunger</dc:creator>
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<description><![CDATA[Das Jahr geht zu Ende. Und mit ihm ein weiteres Stück Demokratie. Aber: Interessiert das überhaupt n]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p><strong>Das Jahr geht zu Ende. Und mit ihm ein weiteres Stück Demokratie. Aber: Interessiert das überhaupt noch jemanden?</strong></p>
<p>Das Jesuskind, die Bibel, die Barmherzigkeit. Selbst, wer übers Jahr keinen Fuß in irgendein Gotteshaus gesetzt hat, kann dem Fest der Liebe und seinen Vorläufern kaum entkommen. Lebkuchenherzen von der Liebsten schmecken besonders gut, wenn der steife Nordwestwind die ersten fetten Schneeflocken gegen die Fenster schleudert, wo sie satt schmatzend dem Sims entgegentriefen. Unten steht dann einer an den hundert Briefkästen und flucht, als ihm die Schmelze erst auf die Stirn, dann auf die Nase und schlussendlich auf einen Umschlag vom JobCenter trieft. Wo eben noch ein millimetergroßer Datumsstempel war, zerfließt jetzt nur noch eine Suppe mit Fettaugen staatlicher Überwachung obendrauf. Das Auge sieht den froschgrünen Zusteller um die Ecke enteilen, und der gibt Gas, damit ihm kein anderer Gewinner des Aufschwungs seinen untertariflichen Job streitig machen kann.</p>
<p>Kermit strampelt im Auftrag des Staates zickzack, weil er selbst nicht so recht weiß, ob er seiner Familie zu Weihnachten noch das Geschenk des Mindestlohns machen kann. Kann er nicht, gerade ist Müntefering zurückgetreten. Mit 67. Sehr verwirrend das, Frau schwer krank. Da kann man nichts sagen, außer ihm und überhaupt alles Gute zu wünschen. Irgendwie ist das ja auch nur konsequent von ihm, mit 67 in Rente zu gehen – da ist mal einer seinen eigenen Prinzipien gerecht geworden!</p>
<p>Nur, was soll der Bauarbeiter machen, dessen Frau ebenso schwer an einer furchtbaren Krankheit leidet? Oder der Müllmann, der seit dreißig Jahre die Tonnen schleppt, bis der Rücken schon mit Mitte Fünfzig schief und krumm ist? Können die einfach so nach Hause gehen, sich oder die Liebste pflegen, weil sie wissen, dass die Pension dicke reicht? Können sie nicht. Dumm für die SPD. War mal die Partei der Arbeiter und Unterdrückten. Tja, ist lange her.</p>
<p>Aber die Stützen der arbeitenden Gesellschaft können abends in den Nachrichten ein parlamentarisches Wunder bestaunen: Das Turbo-Gesetz!, Die Lichtgeschwindigkeit, in der es doch möglich ist, einen Gesetzentwurf innerhalb einer Woche erfolgreich durchs Parlament zu peitschen. Gerade recht zum Jahresende werden die Hartz-IV-Sätze erhöht. Entschuldigung, wir haben uns verhört. Es sind die Diäten der Abgeordneten, die in – immerhin – zwei Schritten um 9,4% erhöht werden. Das sind dann ab Januar 2009 ziemlich genau 7668,- € für jeden Abgeordneten. Plus noch tausend weitere Vergünstigungen, Zulagen und so weiter.</p>
<p>Na, muß sich niemand Sorgen um die demokratisch gewählten Volksvertreter und ihre Familien machen, da wird schon was unterm geschmückten Tannenbaum liegen. Nicht zu knapp! Übrigens auch für die, die das Gesetz abgelehnt haben: die Abgeordneten der FDP, der Linken und der Grünen.</p>
<p>Das Volk selbst, nun ja. Gibt schon noch ein paar Milliönchen, an denen das neue Wirtschaftswunder wie ein ICE vorbeigefegt ist. Die stehen stumm am Bahnsteig und warten auf einen Fahrplan, der ihnen den Weg aus dem Elend weist. Oder siebt der demokratische Sozialstaat genauso gnadenlos aus wie die Wirtschaft mit ihren kapitalistischen Überlebensphantasien? Oder hat der Staat als Marionette der Wirtschaft gar keine andere Wahl mehr, als genauso zynisch zu agieren?</p>
<p>Wer eine andere Erklärung hat, ist herzlich eingeladen, sie mir mitzuteilen. Aber bitte bedenken: Grundnahrungsmittel wie Milch, Butter und Brot sind in den letzten Wochen bis zu 30 % teurer geworden. Wohlgemerkt: Wir sprechen nicht von Hummerschwänzen, Parmaschinken oder Champagner. Wir sprechen von GRUNDNAHRUNGSMITTELN. Trotzdem wird von Seiten regierender Parteien eine Erhöhung der Hartz-IV-Sätze abgelehnt, mit der Begründung, man müsste doch erstmal eine Kommission einberufen, und das braucht Zeit. Bis dahin könnte sich aber was zusammenbrauen, und wie! Vielleicht fühlt sich der in der Scheiße Liegende zur braunen Kacke hingezogen, oder verweigert sich der Demokratie durch Verwahrlosung, geistiger wie körperlicher. Schöner Nährboden, das.</p>
<p>Es wird viel gekocht im Fernsehen, gerade im privaten. Wer als Betroffener bisher Rezepte für die armselige Weihnachtsküche und gegen einen deprimierend leeren Gabentisch vermisst hat, hier kommen sie! Mehr noch: ein Aufruf! Zieht euch warm und vor allem möglichst gut an. Denn wir sind keine Bettler. Wir wollen nur etwas Buntes auf dem Teller haben, vielleicht auch noch was für unsere Familien, kleine Geschenke, ein bisschen Wohlfühlen zu Weihnachten. Selbst die für ihre grandiosen Wohltaten berühmten großen Unternehmen lassen uns da auf breiter Front allein. Oder hat schon mal jemand was vom tollen Vodafone-Weihnachtsgans-Essen gehört? Oder vom gemütlichen Advents-Singen für Bedürftige bei Burda im Kreis seiner tollen Bambis? Selbst Volkswagen (!) schickt zu allen möglichen Events Flotten von Limousinen ins Land, leider nicht zu den Suppenküchen, JobCentern und den feurigen Parties in sozialen Brennpunkten.</p>
<p>Das ist dann doch zu nah, unbequeme Fragen, Menschen mit konkreten Anliegen, ach Gottchen. Da spenden sie lieber für afrikanische Kinder (schön weit weg!), Aids-Kranke (soviel Toleranz muß sein!) oder irgendeinen Flecken im Amazonas-Regenwald, den eh keiner kontrollieren kann. Alles zweifellos ehrenwert, aber leider zu durchsichtig.</p>
<p>Na gut, wenn keiner zu uns kommt, kommen wir zu ihnen! Also, macht euch auf, geht hin zur SPD, zu VW, zu BMW, zu Mercedes, in die Rathäuser, zu Chanel, Gucci und allen anderen, die was haben. Werdet freundlich vorstellig und verweist einfach darauf, dass der Staat kein Weihnachtsgeld verteilt. Verlangt höflich aber bestimmt nach Geschenken, die sie alle dicke gebunkert haben. Okay, kostet Mut. Aber ohne Mut keine Veränderung. Und wer sich alleine nicht traut, nimmt noch ein paar Gleichgesinnte mit, vielleicht sogar eine Kamera – Öffentlichkeit macht sich immer gut. Da kommen sie ins Schwitzen! Und sagt mir Bescheid. Ich komm mit!!</p>
<p>Aber passt auf! Unser wunderbarer, demokratischer Staat hat noch ein besonders garstiges Geschenk zum neuen Jahr parat, mit dem er sich praktisch selbst ein Stück mehr abschafft: das Vorratsdatenspeicherungsgesetz. Ist noch Zeit, das Unwort des Jahres zu küren? Wer vorgibt, mit so einem Terror den Terrorismus zu bekämpfen, der sollte sich tatsächlich mal die Bibel und die Zehn Gebote zur Hand nehmen. Warum? Nun, da steht: Du sollst nicht lügen! Also: Steigt auf die Spitzdächer der Weihnachtsmärkte und ruft die Wahrheit aus! Frohe Weihnachten wünscht euer Dichter!!</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Die Würde des Menschen ist antastbar. Greifen Sie zu!]]></title>
<link>http://wolfhunger.wordpress.com/2008/04/11/die-wurde-des-menschen-ist-antastbar-greifen-sie-zu/</link>
<pubDate>Fri, 11 Apr 2008 17:21:09 +0000</pubDate>
<dc:creator>wolfhunger</dc:creator>
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<description><![CDATA[Eine Fortsetzungsgeschichte, dritter und letzter Teil. Die ersten beiden erschienen in der März- und]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p><strong>Eine Fortsetzungsgeschichte, dritter und letzter Teil. Die ersten beiden erschienen in der März- und der August-Ausgabe.</strong></p>
<p>Laßt euch eins sagen: Mit dem Schreiben Geld zu verdienen, das dauert. Gibt Abkürzungen, die heißen Vater oder Mutter Schauspieler, Schriftsteller oder alternativ beste Beziehungen, vorzugsweise auf hohem, finanziell abgesichertem Niveau. Auch hilfreich: Wunderkind, keinesfalls älter als 25. Nicht zu vergessen: besonders Schreckliches erlebt, der Nährboden medienwirksam bereitet vom Boulevard und dann ernten, ernten, ernten.</p>
<p>Der Dichter hat derlei nicht zu bieten, die Hauptstadt mit Kulturfürst Wowi dem Ersten keine anständige Künstlerförderung und aus Karlsruhe kräht das Verfassungsgericht: Schluß mit der vielen, unnötigen Kultur! Bleibt nur der Gang zum Topf, aus dem die dünne Suppe gelöffelt wird, die der Kapitalismus gerade so übrig hat für die Unnützen, die Aufdertascheliegenden, die nicht mehr Ausbeutbaren. Also auch für mich. Erstmal rankommen an die Almosen des Staates. In Berlin haben sie sich die gefühlt längste Telefonnummer der Welt geben lassen: 01801-00259303807. Hmh, bin ich der Einzige, der bei diesem Endloswurm an ultrateure Sex-Hotlines denkt? Aha, hier ist ein Sternchen hinter der Nummer. Wird mir bestimmt verraten, was mich ein Anruf kosten wird. Im Kleingedruckten verraten sie´s: Entgelt entsprechend der Preisliste Ihres Teilnehmernetz-Betreibers. Willkommen in Absurdistan!</p>
<p>Jetzt nur nicht vertippen bei den vielen Zahlen. Geschafft! Am anderen Ende der Leitung meldet sich eine freundliche Stimme mit frechem märkischem Akzent: Antrag? Schicken wir Ihnen sofort zu. Danke. Fünf Tage später ist er da, mit Datum einen Tag nach meinem Anruf. Ach so, private Post, billiger wohl. Frist bleibt jedoch die gleiche.</p>
<p>Fülle Zeile für Zeile gewissenhaft aus, nur keinen Fehler machen. Hosen runter, hilft ja nichts. Und ja nicht den Postweg gehen, lieber persönlich vorstellig werden. Wann mag die Schlange vor dem Club der Verlierer nicht bis zum Mond reichen? Ich entscheide mich für Dienstag Vormittag. Nachmittags werden generell keine Audienzen vergeben. Haben sie sich vom Papst abgeguckt oder so.</p>
<p>Es ist Sommer in Berlin, 27°. Mitte ist groß, mit Wedding dazu noch größer und irgendwo am Ende vom Ganzen hat sich das JobCenter angesiedelt. Monströs. Fahrtkosten? Nun machen sie mal keinen Aufstand! Schließlich sind wir das größte JobCenter Deutschlands, jawoll!! Könnse auch mal ein bisschen stolz drauf sein und bitteschön ohne Murren bis zur nächsten Straßenecke anstehen. Nach ner halben Stunde in der sengenden Sonne verfluche ich nicht nur den Staat, sondern auch den Sommer. Irgendwann bin drin, am Ende eines abgesteckten Parcours, der sich durch den stickigen Empfangsbereich windet, wo ein Konzentrat aus allen nur denkbaren menschlichen Ausdünstungen wie eine Wand steht. Schlangestehen, sehr anschaulich vermittelt. Woran erinnert mich das bloß? Auschwitz, nein, zu hart, vergast werden die Vergessenen selbst im reanimierten Manchester-Kapitalismus dann doch nicht. Viehgatter sind´s! Selektion der Reihe nach, kein Ausbrechen möglich, stoisch und brav anstehen wie ein Schaf. Scheren, melken, Schnauze halten!</p>
<p>Die meisten Schafe halten still, nur nicht unangenehm auffallen, könnte ja negativ ausgelegt werden. Geht überhaupt schnell hier mit der Einschüchterung. Auch ich füge mich dem Lämmerzug, schaue mich um, ob da nicht irgendwo Kameras lauern. Andere, offensichtlich Stammkunden, fühlen sich fast wie zu Hause. Über alle Abgrenzungen hinweg wird sich lautstark begrüßt, abgeklatscht, palavert. Oft in Sprachen, die ich nicht verstehe. Zwei, drei bedürftige Schafe vor mir dämmert eine käsebleiche, furchterregend abgemagerte Gestalt vor sich hin, und man ist schon ganz bange, dass dieses sich offensichtlich im Endstadium einer unheilbaren Krankheit befindliche Knochengerüst einfach zusammenfällt. Gerade musste er vom Hintermann angestubst werden, als unerwartet Leben in ihn fährt. Am Ende des Trecks hat er einen Typen entdeckt, der ebenfalls nicht übermäßig gesund ausschaut, aber stramm an seiner Bierflasche festhält. Über die Gatter fliegen ein paar Wortfetzen hin und her, und schon wechseln zehn Euro und eine Zehnerpackung Tabletten die Besitzer. Scheint niemanden zu stören.</p>
<p>Nach anderhalb Stunden stehe ich vor einem dickbäuchigen Einweiser, der überraschenderweise kein Bolzenschussgerät parat hat. Er winkt nur zum nächsten freien Platz durch. Frau hinter Schalter sieben: Alle Unterlagen dabei? Ja, alle. Gut, gehen Sie über den Hof zum Wartebereich für Erstantragsteller. Den Hof finde ich prompt, aber der ist verdammt groß und plötzlich ohne viehtriebartige Einzäunungen. Hinweise, Schilder? Abwesend. Da hinten, rechts von mir, ist reges Treiben, also hin da. Irrsinn, die ganzen Gänge. Hier und da computerausgedruckte Hinweise, versprengte Wartende, auf den Boden starrende Schafsgesichter, furchtvoll dem Schlachten durch einen übelgelaunten Sachbearbeiter entgegensehend. Kinder, die aus diesem Gefängnis davonlaufen wollen, Mütter, die sie tadelnd wieder einfangen.</p>
<p>Bin ich hier richtig? Da geht eine Tür im kafkaesken Gang auf, sieht aus wie ein Sachbearbeiter. Entschuldigung, bin ich hier richtig? Kurzer Blick auf meinen Warteschein. Knappe Antwort: Steht doch drauf, werden aufgerufen. Die Grundformen menschlichen Miteinanders scheinen hier außer Kraft gesetzt. Türen schlagen, ein vollzähliger Familienclan wandert in eine rein, kommt kurze Zeit später wieder raus, alle schimpfen, gestikulieren, unschöne Worte fallen. Höre so was wie erneut falsche Unterlagen, kein Geld und überprüfe fix noch mal meine Unterlagen. Komplett? Ja, weiß nicht, hoffentlich. Immer wieder diese Türen, aus denen Namen gebellt werden. Meiner, nein, neben mir steht ein älterer Mann auf, den ich schon für eine Skulptur hielt. Wie naiv, Kunst ist hier ebenso fern wie Menschlichkeit. Endlich bin ich dran. Im Zimmer sitzen zwei Figuren, die sich von denen auf dem Gang in nichts unterscheiden. Guter Mensch der ich bin, denke ich, die waren vielleicht auch mal und haben jetzt wieder Arbeit. Figur links bietet mir einen durchgefurtzen Stuhl an. Rechte Figur studiert eine Akte und rülpst herzhaft. Mahlzeit, sage ich. Nichts regt sich an ihm, keine Antwort, kein Lächeln. Doch ein Bronzeabguß des alltäglichen Wahnsinns?</p>
<p>Figur links geht gemächlich meine Unterlagen durch, goutiert sie und verspricht baldige Bearbeitung. Das sieht dann so aus: drei Wochen später ein Schreiben. Tonfall: Sie werden aufgefordert&#8230;.haben eine Mitwirkungspflicht&#8230;.sonst keine Leistungen. Und bitteschön die Frist einhalten! Unterlagen fehlen! Als wenn´s Hitler und die DDR nie gegeben hat.</p>
<p>Wieder hin, diesmal Freitag. Selber Viehtrieb, Stunde ausharren. Alle Unterlagen dabei, voller Hass, bereit zu allem, Kafka grüßt aus dem Grau der Gänge, Kinderkreischen, dann mein Name. Und – oho – sowas wie eine Erklärung. Da ist wohl was falsch gelaufen. Und meine Miete? Nächste Woche ist der Bescheid da, versprochen. Geld kam nächste Woche tatsächlich. Und dann drei Bescheide im Zwei-Tage-Rythmus. Das System spielt verrückt, ein einziger Fehler. So wie wir einer sind, der sich erdreistet, den Sozialstaat in Anspruch zu nehmen. Und der Preis dafür? Unsere Würde. Für ein bisschen Geld, das die Erfinder dieser großartigen Reform trotz Rauswurf ausm Amt, und rechtmäßiger Verurteilung immer noch minütlich im Schlaf verdienen, wenn sie ihre gut genährten Körper im Designer-Bett umdrehen. Vielleicht sollten wir auch mal ganz ungeniert zugreifen, wenn es um unsere im Grundgesetz verbrieften Menschenrechte geht. In einem der reichsten Länder der Welt, wohlgemerkt. Könnte ja sein, dass nicht nur das Geld ungerecht verteilt ist, sondern auch die Würde.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>

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