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	<title>kafkaesk &amp;laquo; WordPress.com Tag Feed</title>
	<link>http://en.wordpress.com/tag/kafkaesk/</link>
	<description>Feed of posts on WordPress.com tagged "kafkaesk"</description>
	<pubDate>Sat, 05 Dec 2009 08:04:47 +0000</pubDate>

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<title><![CDATA[Fidel Castro und die zwei Rolex]]></title>
<link>http://northbohemian.wordpress.com/2009/11/05/fidel-castro-und-die-zwei-rolex/</link>
<pubDate>Thu, 05 Nov 2009 22:20:06 +0000</pubDate>
<dc:creator>northbohemian</dc:creator>
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<description><![CDATA[Vielleicht seid ihr auch schon mal über eines jener Bilder gestolpert, auf denen Fidel Castro mit gl]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Vielleicht seid ihr auch schon mal über eines jener Bilder gestolpert, auf denen Fidel Castro mit gleich zwei Rolex am Handgelenk zu bewundern ist. Eine plausible Erklärung dazu habe ich nirgendwo gefunden, eine interessante – nicht ganz ernst gemeinte – Theorie gibt es aber <a href="http://rolexblog.blogspot.com/2008/06/fidel-castro-rolex-watch-fanatic.html">hier:</a> &#8220;Entschuldige, Nikita! Habe ich dich schon wieder geweckt &#8230; Ich vergaß &#8230;&#8221;</p>
<p><img src="http://northbohemian.wordpress.com/files/2009/11/cr.jpg" alt="cr" title="cr" width="426" height="333" class="aligncenter size-full wp-image-750" /></p>
</div>]]></content:encoded>
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<title><![CDATA[Der Anfang der Metapher]]></title>
<link>http://martinjost.wordpress.com/2009/10/24/der-anfang-der-metapher/</link>
<pubDate>Sat, 24 Oct 2009 04:00:13 +0000</pubDate>
<dc:creator>Martin Jost</dc:creator>
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<description><![CDATA[Das Infinite-Jest-Logbuch (1) Vorbemerkungen Freiburg. (mjeu/majo) Zwei ur-menschliche Sinne regen s]]></description>
<content:encoded><![CDATA[Das Infinite-Jest-Logbuch (1) Vorbemerkungen Freiburg. (mjeu/majo) Zwei ur-menschliche Sinne regen s]]></content:encoded>
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<title><![CDATA[Kafka trifft Karl May – das Kleingedruckte bei der Briefwahl]]></title>
<link>http://northbohemian.wordpress.com/2009/08/26/kafka-trifft-karl-may-%e2%80%93-das-kleingedruckte-bei-der-briefwahl/</link>
<pubDate>Wed, 26 Aug 2009 13:22:34 +0000</pubDate>
<dc:creator>northbohemian</dc:creator>
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<description><![CDATA[Ich gebe mich nicht der Illusion hin, durch meine Stimme eine irrlichternde Regierungsbildung aus NP]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Ich gebe mich nicht der Illusion hin, durch meine Stimme eine irrlichternde Regierungsbildung aus NPD, Linken und Piratenpartei verhindern zu können. Trotzdem kreuze ich brav an, im konkreten Fall zur Wahl des 5. Sächsischen Landtags – und das vorab per Brief.</p>
<p>Im &#8220;Merkblatt zur Briefwahl&#8221; stolpere ich über einen Satz, der mich in ähnlicher Form schon zur Europawahl in grenzenloses Entzücken versetzt hat: <em>&#8220;Falls ein Wahlberechtigter Bedenken hat, den Wahlbrief wegen seiner Kennzeichnung und der gelben Farbe durch die Post im Ausland befördern zu lassen, kann er den Wahlbrief in einen neutralen Briefumschlag stecken und diesen bei der Post abgeben.&#8221;</em></p>
<p>Das ist einerseits ein bürokratisches &#8220;in-den-letzten-Winkel-denken&#8221; und Ausformulieren des Ergebnisses von nahezu kafkaschem Ausmaß, andererseits hat dieser Satz auch den Geruch von Schießpulver an sich: ich imaginiere sofort eine tropenheiße Stadt, umgeben von Urwald (wer hier öffentlich irgendetwas Gelbes zeigt oder trägt, wird sofort gelyncht – das befiehlt meinetwegen irgendein Dschungelgott so &#8230;). Der tapfere blondgelockte Held, den es in diese Stadt verschlagen hat, lässt sich aber seine Teilhabe an der deutschen Demokratie nicht nehmen und tarnt seinen gelben Briefumschlag in einem neutral grauen. Was den Dschungelgott milde stimmt.</p>
<p>Ich könnte den ganzen Tag damit zubringen, auf diesen herrlichen Satz zu starren. Ich bin begeistert.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Nacktfotos von Daniel Kehlmann – oder – Fitzeks Geheimnis]]></title>
<link>http://northbohemian.wordpress.com/2009/08/06/nackfotos-von-daniel-kehlmann-%e2%80%93-oder-%e2%80%93-fitzeks-geheimnis/</link>
<pubDate>Thu, 06 Aug 2009 17:10:17 +0000</pubDate>
<dc:creator>northbohemian</dc:creator>
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<description><![CDATA[&#8220;Ich denke, die sind echt. Original so fotografiert. Keine Montagen, kein Photoshop.&#8221; Wi]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>&#8220;Ich denke, die sind echt. Original so fotografiert. Keine Montagen, kein Photoshop.&#8221;</p>
<p>Wir befinden uns im Hinterzimmer einer Kneipe und fettiger Bratendunst  erschwert die Orientierung. Wir sind zu dritt: Ingvar, der Experte und ich. Der Experte hat seine Promotion an einer obskuren indischen Universität im Fach Verschwörungswissenschaften über die Bühne gebracht. Dieses Fach wird wohl nur dort gelehrt und wie das alles so klingt – so sieht Professor Haberer auch aus: in seinen langen Rauschebart könnte er sich dreimal einwickeln.</p>
<p>Ingvar zoomt im 17-Zoll-Display seiner Digitalkamera an jeden noch so kleinen Ausschnitt der Fotos heran. <a href="http://northbohemian.wordpress.com/2009/07/10/ingvar-ist-pleite-%E2%80%93-oder-%E2%80%93-einbruch-bei-sebastian-f/">Es handelt sich um jene Aufnahmen, die wir in Sebastian Fitzeks Schlafzimmer vom Inhalt der kleinen, türkisfarbenen Geldkassette anfertigen konnten:</a> Nacktfotos von Daniel Kehlmann. Inszeniert im Stil einer römischen Orgie. Alles passt ganz stimmig zu Kehlmanns Physiognomie.</p>
<p>&#8220;Was macht das bei Fitzek im Schlafzimmer?&#8221;, frage ich Ingvar. </p>
<p>&#8220;Nun, zuerst dachte auch ich lediglich an eine genreübergreifende Romanze der beiden Jungstars. Dann fiel mir ein länger zurückliegendes Gespräch mit unserem sehr verehrten Professor Haberer wieder ein. Vor vielen Jahren war, das. In Reykjavik, wenn ich mich nicht irre. Es war hundekalt und wir haben entsprechend gesoffen.&#8221;</p>
<p>Haberers Augen beginnen in freudiger Erinnerung zu glänzen: &#8220;Ja, und da habe ich Ihrem Freund Ingvar von den verschiedensten Geheimbünden dieser Welt erzählt. Erst von den bekannteren – was ja angesichts des Namens &#8220;Geheimbund&#8221; irgendwie paradox ist – und dann von den wirklich geheimen.&#8221;</p>
<p>&#8220;Und?&#8221;</p>
<p>&#8220;Es ist schwer, da ranzukommen und verlässliche Informationen zu bekommen. Die Bruchstücke, die mich erreicht haben, lassen den Schluss zu, dass es seit Jahrhunderten ein geheimes Projekt der verschiedensten Schriftsteller gibt, gemeinsam den ultimativen Roman zu schreiben. Deshalb nennen sie sich auch &#8220;Opus Maximum&#8221;.&#8221;</p>
<p>&#8220;Und da treffen sie sich dann heimlich und kritzeln jeder ein paar Sätze hin?&#8221;</p>
<p>&#8220;Nein, nein!&#8221; Haber hebt beschwörend die Hände. Offensichtlich verletzt ihn mein Pragmatismus zutiefst. &#8220;Soweit ist man da natürlich noch nicht. Man ist durchaus noch ausschließlich bei den theoretischen Vorbereitungen und ich denke, den Herren Schriftstellern ist durchaus klar, dass sie sich ihrem Ziel wie einer jeden endgültigen Wahrheit nur relativ annähern können. Nichtsdestotrotz versuchen sie es. Sogar Goethe soll schon dabei gewesen sein.&#8221;</p>
<p>&#8220;Und gibt es denn schon Einigung darüber, wie – ganz theoretisch – der ultimative Roman aussehen soll?&#8221;</p>
<p>&#8220;Oh ja! Durchaus. Der ultimative Roman – so haben sie es wohl auch in ihrem Statut stehen – führt entweder zur absoluten Erleuchtung des Lesers, zu seinem sofortigen und unwiderruflichen Irrsinn oder zu seinem Tod durch Herzstillstand. Durch Ergriffenheit, Schock, Erschrecken &#8230; wie auch immer.&#8221;</p>
<p>&#8220;Na, dann hoffe ich mal, dass dieses Buch nie geschrieben wird.&#8221;</p>
<p>&#8220;Darüber kann man streiten. Unbestreitbar wäre es der größtmögliche Beweis an Macht, den die Literatur erbringen könnte.&#8221;</p>
<p>&#8220;Und daran arbeiten Fitzek und Kehlmann &#8230;&#8221;</p>
<p>&#8220;Offensichtlich. Und nicht nur diese beiden.&#8221;</p>
<p>Ingvar räuspert sich: &#8220;Und warum die Nacktfotos?&#8221;</p>
<p>Professor Haberer lächelt und leckt in aufreizender Langsamkeit seine Suppenschüssel aus. Er genießt es, uns auf die Folter zu spannen. &#8220;Es hat Tradition bei Opus Maximum, dass jeder Schriftsteller belastendes Material eines anderen Schriftsteller zur Aufbewahrung erhält – nach einem solchen System, dass keiner weiß, wer wessen Fehltritte kennt. Damit soll Stillschweigen nach außen erzwungen werden. Plaudert einer, hat jener Schriftsteller, der dessen &#8220;Pfand&#8221; aufbewahrt, das Recht, damit an die Öffentlichkeit zu gehen.&#8221;</p>
<p>&#8220;Fitzek kontrolliert also Kehlmann. Und irgendein Unbekannter kontrolliert wiederum Fitzek.&#8221;</p>
<p>&#8220;Genau.&#8221;</p>
<p>&#8220;Da haben wir ja wieder etwas dazugelernt. Ich bestell uns mal drei Bier.&#8221;</p>
<p>Ich habe mich schon erhoben und will nach vorn in den Schankraum, als mich Haberer mit einem geisterhaften Heben seines linken Zeigefingers in meiner Bewegung innehalten lässt: &#8220;Etwas nicht Unwichtiges habe ich noch gar nicht erwähnt. Ich denke, sie beide waren sehr vorsichtig – bei ihrem Ausflug nach Berlin.&#8221;</p>
<p>&#8220;Ich denke schon&#8221;, sagt Ingvar. &#8220;Warum?&#8221;</p>
<p>&#8220;Die Gründungsväter von Opus Maximum haben damals vor dreihundert Jahren eine recht blutrünstige – wenngleich wohl romantisch gemeinte – Strafe für diejenigen festgesetzt, die sie Spione nennen.&#8221;</p>
<p>&#8220;Sie meinen &#8230;&#8221;</p>
<p>Haberer fährt sich wichtigtuerisch durch den Bart und seine Augen werden groß wie Pizzateller: &#8220;&#8230; die Todesstrafe. Jawohl.&#8221;</p>
<p><a href="http://northbohemian.wordpress.com/2009/08/19/ingvar-in-den-fangen-von-opus-maximum/"><em>&#8230; Fortsetzung hier -&#62;</em></a></p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Jeder, den wir verhaften, ist grundsätzlich schuldig.]]></title>
<link>http://northbohemian.wordpress.com/2009/07/29/das-20-jahrhundert-%e2%80%93-ein-monstrum/</link>
<pubDate>Wed, 29 Jul 2009 08:58:53 +0000</pubDate>
<dc:creator>northbohemian</dc:creator>
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<description><![CDATA[Es gehört zu meinen Lieblingsgedankenspielereien, mir auszumalen, Kafka wäre nicht von der Tuberkulo]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Es gehört zu meinen Lieblingsgedankenspielereien, mir auszumalen, Kafka wäre nicht von der Tuberkulose dahingerafft worden, hätte den Holocaust überlebt (&#8230; wie auch immer – keine seiner Schwestern hat das geschafft) und sein Leben hätte vielleicht noch genug Schnittmenge mit meinem Leben gehabt, so dass ich ihn hätte treffen können. Auf jedem Friedhof inspiziere ich die Gräber der um 1883 Geborenen und stelle mir bei den nahezu Hundertjährigen vor, das könnte – theoretisch – Kafka gewesen sein. </p>
<p>Ganz ohne unseren <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Innerer_Neust%C3%A4dter_Friedhof">Neustädter Friedhof</a> für meine Obsession zu nutzen, habe ich jetzt einmal den Jahrgang 1883 bei Wikipedia einer kleinen Betrachtung unterzogen: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Katia_Mann">Katia Mann</a>, die Frau Thomas des Großen, ist im selben Monat wie Kafka geboren und ihr hätte ich als Siebenjähriger theoretisch noch begegnen können &#8230; Ein Dialog wäre aber auch dann unwahrscheinlich gewesen: wohl mehr meiner unverzeihlich kindlichen Interessen als ihrer Altersdemenz geschuldet. Obwohl: vielleicht wäre genau das die perfekte Kombination für eine entspannte Konversation gewesen.</p>
<p>Ich schweife ab auf Wikipedia: Ebenfalls im Jahre 1883 ist <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Semjon_Michailowitsch_Budjonny">Semjon Michailowitsch Budjonny</a> geboren. Jeder, der seine ersten Schuljahre in einem ostdeutschen Klassenzimmer verbracht hat, wird eine vage Erinnerung an diesen Namen haben. Budjonny war General im russischen Bürgerkrieg von 1918 bis 1921 und seine  Reiter Bestandteil jeder dritten Bildergeschichte der DDR in den Endsiebzigern (ich will das Wort &#8220;Comic&#8221; nicht verwenden). Oh, wie haben mich diese Bilder beeindruckt! Heroisierend, nur aus der Froschperspektive betrachtbar, in bester <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Arno_Breker">brekerscher</a> Tradition idealisiert gezeichnet, nahmen die muskelbepackten Brustkörbe der Pferde einen Großteil der gezeichneten Fläche ein. Auf den Pferden dann junge, ernste Helden in Uniform. Wieder der reinste Breker. Das hat dem Autor dieses Textes – der sich das fasziniert und mit großen Augen in seinem Kindergarten auf der Dresdner Williamstraße anschaute – wohl einen Fetisch fürs Leben mitgegeben.</p>
<p>Ich inspiziere also Budjonnys Biografie und bin wieder einmal geschockt von den Ausmaßen des stalinistischen Terrors – warum eigentlich jedes mal aufs neue? Ich weiß es ja eigentlich. </p>
<p>Im Zuge der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fe_S%C3%A4uberung">stalinschen Säuberungen</a> hilft Budjonny als Militärrichter, seinen &#8220;Kollegen&#8221; <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Michail_Nikolajewitsch_Tuchatschewski">Marschall Tuchatschewski</a>, den &#8220;roten Napoleon&#8221;, zu beseitigen. Mit von der Partie ist hierbei <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Nikolai_Iwanowitsch_Jeschow">NKWD-Chef Jeschow</a>. Und wie ich so die Person Jeschow beleuchte, wird mir die ganze Hysterie und der Wahnsinn jener 30er Jahre in Moskau bewusst: So wie Jeschow seinen Vorgänger in der Führungsposition des NKWD, Genrich Jagoda, ans Messer lieferte, wurde er später selbst wiederum von seinem Nachfolger <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Lawrenti_Beria">Lawrenti Beria</a> dem Henker übergeben. Ein paranoides Spiel ohne Gewinner.</p>
<p>Beria ist ein Kapitel für sich. Ein Beispiel dafür, was passiert, wenn Sadisten völlig freie Hand bekommen und sich wie in einem perversen Schlaraffenland fühlen müssen, am Ziel ihrer Träume. Ich zitiere Wikipedia: </p>
<blockquote><p>So verfügte Beria in jedem Moskauer Gefängnis über ein Büro, in dem er Folterungen von Verhafteten beiwohnte. Mit Wissen Stalins gingen diese Folterungen in Berias Privathaus weiter und wurden von Beria persönlich vorgenommen. 1980 wurden in einem unterirdisch verlaufenden Gang zwischen seinem Haus und der Unterkunft seiner Leibwächter menschliche Skelette aufgefunden.</p></blockquote>
<p>Beria, der später – angeblich – behauptete, Stalin vergiftet zu haben, überlebte den Diktator um kein Jahr. Ob er noch im Juni 1953 in seiner Dienstwohnung erschossen oder im Dezember 1953 hingerichtet wurde, lässt sich nicht zweifelsfrei feststellen.</p>
<blockquote><p>„Jeder, den wir verhaften, ist grundsätzlich schuldig.“ (Lawrenti Beria)</p></blockquote>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Post von Anne Pelzer – oder – wir nähern uns Fitzeks Geheimnis]]></title>
<link>http://northbohemian.wordpress.com/2009/07/24/post-von-anne-pelzer-%e2%80%93-oder-%e2%80%93-wir-nahern-uns-fitzeks-geheimnis/</link>
<pubDate>Fri, 24 Jul 2009 08:37:11 +0000</pubDate>
<dc:creator>northbohemian</dc:creator>
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<description><![CDATA[Seit Minuten klingelt das Telefon: Ingvar. Ich gehe nicht ran. Vor mir liegt dieses grüne Schreibhef]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Seit Minuten klingelt das Telefon: Ingvar. </p>
<p>Ich gehe nicht ran.</p>
<p>Vor mir liegt dieses grüne Schreibheft. Mit meinem Namen drauf. In Handschrift. Ich habe ein libidinöses Verhältnis zu meinem geschriebenen oder gedruckten Namen. Selbst wenn es sich um &#8220;Falk Enderleins&#8221; handelt, die nicht mit mir identisch sind (das empfinde ich dann immer irgendwie als eine Form von Diebstahl).</p>
<p>Ich nehme Ingvars Anruf letztlich doch entgegen: &#8220;Ich habe Post von Pons &#8230; Und ich stehe leicht unter Schock. Ich wünschte mich in ein Erdloch.&#8221;</p>
<p>&#8220;Reiß dich zusammen. Das haben die anderen auch gekriegt. Irgendwie bist du mit deinem Geschreibsel in die Kartei seriöser Texter geraten.&#8221;</p>
<p>&#8220;Ja, aber ich war so unvorbereitet. Dabei hätte mich doch schon die Handschrift auf dem Umschlag vorsichtig stimmen müssen. Ich habe sie unter allen Sorten von Licht betrachtet – Kunstlicht, Tageslicht, Röntgenstrahlung, UV-Licht – es ist wirklich eine menschliche Handschrift.&#8221;</p>
<p>&#8220;Können wir jetzt mal über etwas anderes sprechen?&#8221;</p>
<p>&#8220;Ja, wir könnten darüber sprechen, dass ich ein extremes Problem damit habe, hinter wörtlicher Rede ein Komma zu setzen. Was peinlich ist, denn wie man es richtig macht, lese ich seit dreißig Jahren in tausenden von Büchern. Ich bin nur zu faul, es mir zu merken.&#8221;</p>
<p>&#8220;Welchen Text hat sich die Frau Pelzer denn vorgeknöpft?&#8221;</p>
<p>&#8220;Na, du weißt schon &#8230; Den Bericht, wie wir da in Fitzeks Bude rumtoben.&#8221;</p>
<p>&#8220;Ah! Endlich das richtige Stichwort. Ich habe nämlich den Inhalt der Geldkassette von einem &#8230;&#8221;</p>
<p>&#8220;Ich habe zehn Fehler in diesem Text! Drei Minus! Katastrophe!&#8221;</p>
<p>&#8220;&#8230; von einem Experten überprüfen lassen. Das kann ich dir aber nicht am Telefon erzählen. Du musst herkommen.&#8221;</p>
<p>&#8220;Ich weiß nicht, ob ich dazu jetzt in der Lage bin&#8221;, sage ich. </p>
<p>&#8220;Reiß dich zusammen&#8221;, sagt Ingvar.</p>
<p>Ich sollte das Thema wechseln: &#8220;Wie gehts Ronaldo und Kaká eigentlich?&#8221;</p>
<p>&#8220;Die schlafen noch. Faule Bande. Die kriegen gleich einen Eimer kaltes Wasser verabreicht. Aber lenk nicht ab: wann kommst du?&#8221;</p>
<p>&#8220;Ich denke, in einer halben Stunde bin ich da.&#8221;</p>
<p>&#8220;Gut so. Ach ja &#8230; Hast du dir übrigens Frau Pelzers Videobotschaft schon angesehen?&#8221;</p>
<p>&#8220;Nein, dazu bin ich noch viel zu aufgeregt. Vielleicht morgen.&#8221;</p>
<p>&#8220;Na gut. Ab in den Bus! Beeil Dich!&#8221;</p>
<p><a href="http://northbohemian.wordpress.com/2009/08/06/nackfotos-von-daniel-kehlmann-–-oder-–-fitzeks-geheimnis/"><em>&#8230; Fortsetzung hier -&#62;</em></a></p>
<p><img src="http://northbohemian.wordpress.com/files/2009/07/pons01.jpg" alt="pons01" title="pons01" width="426" height="319" class="aligncenter size-full wp-image-427" /></p>
<p><img src="http://northbohemian.wordpress.com/files/2009/07/pons02.jpg" alt="pons02" title="pons02" width="426" height="319" class="aligncenter size-full wp-image-428" /></p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Wir kaufen Ronaldo und Kaká – oder – Ingvar hat sein Geld zurück]]></title>
<link>http://northbohemian.wordpress.com/2009/07/17/wir-kaufen-ronaldo-und-kaka-%e2%80%93-oder-%e2%80%93-ingvar-hat-sein-geld-zuruck/</link>
<pubDate>Fri, 17 Jul 2009 11:26:06 +0000</pubDate>
<dc:creator>northbohemian</dc:creator>
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<description><![CDATA[&#8220;Nimm dir ein Taxi und komm zum Flughafen. In zwanzig Minuten lande ich.&#8221; Ingvars Stimme]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>&#8220;Nimm dir ein Taxi und komm zum Flughafen. In zwanzig Minuten lande ich.&#8221; Ingvars Stimme klingt nicht so, als dulde er irgendeinen Widerspruch.</p>
<p>Am Flughafen winkt man mich durch zur Rollbahn, wo Ingvars Privatjet pinkfarben in der Sonne glänzt. Aus dem Cockpit bedeutet mir Ingvar mit rudernden Armbewegungen, ich solle mich beeilen.</p>
<p>&#8220;Wir fliegen nach Madrid.&#8221; eröffnet er mir, kaum dass wir gestartet sind. &#8220;Ach, übrigens, ich hab mein Geld zurück. Doppelt und dreifach. Vier Nächte habe ich mir in Monte Carlo um die Ohren geschlagen. Naja, es hat sich gelohnt. Haben wir eigentlich getankt?&#8221;</p>
<p>&#8220;Ich denke ja.&#8221; sage ich. &#8220;Was wollen wir in Madrid?&#8221;</p>
<p>&#8220;Ronaldo und Kaká kaufen. Für jeweils eine Milliarde sind die zu haben. Für mich momentan geradezu ein Schnäppchen.&#8221;</p>
<p>&#8220;Was willst du mit den beiden? Für eine Mannschaft brauchst du noch ein paar Spieler mehr.&#8221;</p>
<p>&#8220;Findest du es nicht eine wunderbar subversive Idee, dem Fußball seine besten Spieler zu entziehen? Den Messi hol ich mir übrigens auch noch. Morgen oder übermorgen&#8221;</p>
<p>&#8220;Und was machst du mit ihnen, wenn du sie dann gekauft hast?&#8221;</p>
<p>&#8220;Ronaldo plane ich als Gärtner zu verwenden. Das kriegt der motorisch schon so ungefähr hin. Mit Kaká dagegegen beabsichtige ich, abends vor meinem Kamin tiefschürfende, intellektuelle Gespräche zu führen. Der soll ja da was draufhaben, ganz untypisch für einen Fußballer. Ja, so werden wir da schön sitzen vor dem knisternden Kamin, beide mit dem Rotwein in der Hand, Kaká mit seiner Brille auf der Nase. Es wird so eine Art Debattierclub, während Ronaldo draußen den Rasen mäht &#8230;&#8221;</p>
<p>&#8220;Ronaldo mäht abends deinen Rasen?&#8221;</p>
<p>&#8220;Na ja, am späten Nachmittag dann eben&#8221;</p>
<p>Ingvar fliegt ein riskantes Manöver. Fast hätten wir einen Linienflug gerammt. &#8220;Hast du das gesehen?! Lufthansa. Mit offenem Verdeck. Dass die jetzt nicht nur am Personal sparen, sondern auch am Material ihrer Maschinen, finde ich sehr konsequent. Wie die sich alle die Pelzmützen gegen die Ohren gedrückt haben. Niedlich!&#8221;</p>
<p>Wir schweigen eine Weile.</p>
<p>Dann, unter uns gleiten die Pyrenäen dahin, beginnt Ingvar etwas in seinem typisch grüblerischen Tonfall zu sagen. Ich weiß sofort, dass jetzt ein Monolog von größter Bedeutung folgt. &#8220;Ist es nicht komisch, dass man vor zehn Jahren beim Fallen des Wortes &#8220;Ronaldo&#8221; an jemand ganz anderes gedacht hat, nämlich an das brasilianische Moppelchen mit den Hasenzähnen. Erinnerst du dich noch? Muss es nicht unendlich frustrierend sein, wenn man meint, den eigenen Namen unwiderruflich zur Marke gemacht zu haben und dann kommt ein anderer daher und okkupiert – schwuppdiwupp –diesen Namen? Stell dir vor, es taucht einer auf, der beispielsweise Manfred Kafka heißt und phänomenal zeitgeistige Kochbücher schreibt. Oder Lebensberatungsbücher. Oder eine Mischung aus beidem. Und nach wenigen Jahren denken die einen bei dem Begriff &#8220;kafkaesk&#8221; an Sterneküche, die anderen daran, wie man effektiv vom Dach springt. Was würde der Franz da in Straschnitz im Grabe rotieren.&#8221;</p>
<p>Was soll ich dazu sagen? </p>
<p>&#8220;Ronaldo hat jetzt mittlerweile – glaube ich jedenfalls – Haare auf dem Kopf. Sieht sehr lustig aus. Moppelchen-Ronaldo, meine ich&#8221;</p>
<p>Ingvar geht nicht darauf ein. Er sinniert schon weiter. &#8220;Kommen diese ganzen Ronaldotypen, der Cristiano, das Moppelchen und der Ronaldinho vielleicht alle aus ein und derselben Sippe? Man muss doch schlicht und ergreifend feststellen, dass alle drei äußerst dominante Schneidezähne haben.&#8221;</p>
<p>Ich zucke mit den Schultern.</p>
<p>Plötzlich zappelt Ingvar auf seinem Sitz hin und her. Fast schon befürchte ich, er habe einen epileptischen Anfall. Doch er versucht sich nur zu orientieren und reißt den Kopf hin und her.</p>
<p>&#8220;Halt dich fest, wir landen!&#8221;</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Wasserschaden im Kempinski]]></title>
<link>http://northbohemian.wordpress.com/2009/05/19/wasserschaden-im-kempinski/</link>
<pubDate>Tue, 19 May 2009 13:21:04 +0000</pubDate>
<dc:creator>northbohemian</dc:creator>
<guid>http://northbohemian.wordpress.com/2009/05/19/wasserschaden-im-kempinski/</guid>
<description><![CDATA[Mein Freund Ingvar ruft mich an: &#8220;Du, ich hab hier den Chef vom Kempinski in der Leitung. Der ]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Mein Freund <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ingvar_Kamprad">Ingvar</a> ruft mich an: &#8220;Du, ich hab hier den Chef vom <a href="http://www.kempinski-dresden.de/de/home/index.htm">Kempinski</a> in der Leitung. Der hat´n Problem und wollte von mir wissen, wer ihm aus der Patsche helfen kann&#8230; Und da ich dich als sehr zuverlässig kenne&#8230;&#8221;<br />
&#8220;Gib ihn mir schon!&#8221; unterbreche ich ihn.<br />
&#8220;Ich verbinde.&#8221; sagt er und fügt hinzu: &#8220;Danke dir. Hast´n Hotdog gut!&#8221;</p>
<p>Kurz bin ich in irgendeiner Warteschleife und höre <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Jobriath">Jobriaths</a> &#8220;Space Clown&#8221;.</p>
<p>Dann der Herr vom Kempinski: &#8220;<a href="https://www.xing.com/profile/Falk_Enderlein">Herr Enderlein?!</a>&#8221; Er schreit, als hätten wir noch die Kommunikationstechnologie von 1924.<br />
&#8220;Ja.&#8221; sage ich.<br />
&#8220;Wir wären Ihnen sehr verbunden, wenn Sie&#8230; Wir haben ein Problem&#8230; Wasserschaden haben wir, im ganzen Hotel. Alles nass!&#8221;<br />
&#8220;Aha. Und wie sollte ich Ihnen helfen können?&#8221;<br />
&#8220;Na, Sie wissen doch. Der Herr <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Barack_Obama">Obama</a> kommt in zwei Wochen und wo soll der denn nun schlafen?&#8221;<br />
&#8220;Was habe ich damit zu tun?&#8221;<br />
&#8220;Der Ingvar rühmte Ihre Gastfreundschaft. Könnte der Obama nicht bei Ihnen&#8230;&#8221;<br />
Ich überlege kurz: &#8220;Ja, eigentlich&#8230; Warum nicht. Er kann auf der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ottomane">Ottomane</a> schlafen. Die ist nur einen Meter fünfzig lang, aber den Fußbereich kann ich ja mit Kuscheltieren von Midori gewissermaßen ausweiten und auspolstern.&#8221;<br />
Begeisterung beim Kempinskichef am anderen Ende der Leitung: &#8220;Super! Da schicken wir ihn mit dem Taxi vorbei, wenn das ganze <a href="http://www.semperoper.de/">Semperoper</a>gemache vorbei ist.&#8221;<br />
&#8220;Gut. Tun Sie das.&#8221; sage ich.</p>
<p>Getuschel und Gekruschtel im Telefonhörer, offensichtliche Unruhe im Büro des Kempinskichefs. Dann seine Stimme: &#8220;Hier habe ich den <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hauptmann_von_K%C3%B6penick">Polizeichef</a> neben mir. Der will Sie noch mal.&#8221;<br />
&#8220;H-a-l-l-o-?! Herr Enderlein?!&#8221; Wieder eine Stimme auf Zeitreise, unterwegs aus <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/1924">1924</a>, brüllend, mir das Trommelfell sprengend.<br />
&#8220;Ja, ich bin nicht taub.&#8221;<br />
&#8220;Was mein Kollege vom Kempinski zu erwähnen versäumt hat: wir müssen ja auch die Sicherheit des Herrn Obama berücksichtigen. Was können Sie da an Referenzen vorweisen?&#8221;<br />
&#8220;Naja, ich hab ein rostiges Küchenmesser, das schreckt schon ab&#8230;&#8221;<br />
&#8220;Perfekt! Wir schicken ihn mit dem Taxi vorbei, wenn das Semperopergedöns vorbei ist.&#8221;</p>
<p>Aus dem Hintergrund plärrt es: &#8220;Viele Grüße an den Ingvar!&#8221;</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Bring Me the Head of Jürgen K.]]></title>
<link>http://northbohemian.wordpress.com/2009/04/27/bring-me-the-head-of-jurgen-k/</link>
<pubDate>Mon, 27 Apr 2009 12:06:48 +0000</pubDate>
<dc:creator>northbohemian</dc:creator>
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<description><![CDATA[Jede zivilisierte Hochkultur pflegt ihre eigene Art von Menschenopfern: Die Atzteken bevorzugten es,]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Jede zivilisierte Hochkultur pflegt ihre eigene Art von Menschenopfern:<br />
Die Atzteken bevorzugten es, den ihrigen mit Steinmessern das Herz herauszuschneiden. </p>
<p>Wechseln wir Kontinent und Zeit: Die Deutschen der Gegenwart lynchen mit Vorliebe ihre Fußballtrainer. Je öffentlicher, desto besser. Wenn es sich dabei um einen handelt, den sie noch drei Jahre zuvor am liebsten in der Walhalla aufgestellt hätten, dann hören sie mit Sabbern gar nicht mehr auf.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Vom Himmel fallen Skalpelle]]></title>
<link>http://northbohemian.wordpress.com/2009/04/21/vom-himmel-fallen-skalpelle/</link>
<pubDate>Tue, 21 Apr 2009 12:18:44 +0000</pubDate>
<dc:creator>northbohemian</dc:creator>
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<description><![CDATA[In meiner Nachbarschaft lebt ein junger Mann (ein wirklich &#8220;junger Mann&#8221; – ich verwende ]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>In meiner Nachbarschaft lebt ein junger Mann (ein wirklich &#8220;junger Mann&#8221; – ich verwende diesen Begriff sehr selten und nicht so inflationär wie es etwa in Krankenhäusern gern getan wird, wo jeder Patient, der zwei Wochen jünger ist als Heesters, sofort mit diesem Etikett versehen wird). Der junge Mann in meiner Nachbarschaft jedenfalls scheint, soweit ich das beurteilen kann, ein sehr bedachter, vorsichtiger und rücksichtsvoller Mensch zu sein. Alles was er tut, geschieht mit einer um circa 20% verringerten Geschwindigkeit – verglichen mit der durchschnittlichen Geschwindigkeit allgemeinen menschlichen Handelns (das ich in den zurückliegenden Jahren zwar nur empirisch, aber meines Erachtens trotzdem mit ausreichender Gründlichkeit ermittelt habe).</p>
<p>Wirklich überhand nimmt die phlegmatische Gründlichkeit meines namenlosen Freundes aber, wenn er seine Betten ausschüttelt. Dazu stellt er sich auf seinen Balkon, von dem er – da sehr exponierter Balkon – die gesamte Piazza übersehen kann. Aber er stellt sich nicht einfach nur hin. Es ist eine streng militärisch anmutende Grundhaltung, die er da einnimmt. Ich habe es mittlerweile an die zwanzig Mal gesehen. Die Haltung ist immer gleich. Er greift die auszuschüttelnde Textilie, sei es ein Bettlaken, ein Handtuch oder ein kleinerer Teppich fest an zwei Ecken, seine Füße stehen circa dreißig Zentimeter auseinander und vermitteln seinem Körper nun wohl die größtmögliche Stabilität, die menschliche Füße einem menschlichen Körper überhaupt vermitteln können. So hingestellt, erstarrt er dann für etwa fünf Sekunden. Dann kommen die Schulterblicke, links in die Gasse hinein, rechts in die Gasse hinein. Er schaut genau hin. Naht auch niemand, der von den herabfallenden Krümeln belästigt werden könnte? Ich denke, vielleicht hat der Mann ja eine Sammlung von exotischen Messern und gleichzeitig den Zwangsgedanken, eines dieser Messer – ein besonders scharfes und spitzes dazu – könnte sich in seinem Teppich versteckt haben. Dann würde ich ihn verstehen.</p>
<p>Auf ähnliche Weise haben wir übrigens Midoris IKEA-Teddy eingebüßt (der eventuell mitlesende Eric mag uns verzeihen). Das war ein Dilemma aus zweierlei Gründen: Erstens: diese Teddies näht mein guter Freund Ingvar nämlich mittlerweile nicht mehr. Zweitens: es war Midoris absoluter Lieblingsteddy, musste überall hin mit und war für das Einschlafen unentbehrlich. Der Versuch, ihr einen weitgehend baugleichen Teddy aus dem Arsenal ihres Cousins Anton als den ihren unterzujubeln, scheiterte kläglich: &#8220;Anderer Teddy!&#8221;</p>
<p>Zurück zum &#8220;jungen Mann&#8221;! Was ich sagen will: Ich kann gut nachvollziehen, dass man als Besitzer einer Messersammlung einen derartigen Zwangsgedanken entwickelt (der in der fiebrig imaginierten BILD-Schlagzeile von der alten Oma gipfelt, die drei Tage mit einem Skalpell im Kopf herumgelaufen und außerirdische Botschaften empfangen&#8230; etc. etc. etc.). Wenn ich aber mit meiner Meinung richtig liege, dann macht er es meiner Ansicht nach nicht gründlich genug. Einen etwa tempomäßig auf der Basis des aktuellen Weltrekordes im 100-m-Sprint heraneilenden, anderen jungen Mann mit besonders leisen Laufschuhen erfasst er mit seinen Schulterblicken in die Gassen hinein keineswegs mit absoluter Sicherheit. Auch aus einem der geparkten Autos heraus könnte blitzschnell jemand herausspringen und unter seinen Balkon treten (auf dem er gerade exakt abgezählt zehnmal seinen Teppich aus- und das Skalpell herausschüttelt). Und was wäre, wenn jemand im Tarnumhang unterwegs ist, den er gar nicht sehen KANN. </p>
<p>Er muss das gründlicher machen. Zweifellos. Ich muss ihn ansprechen. Wenn schon Zwangshandlung, dann richtig. Er muss auf die Straße hinaus, schauen, dass niemand in einem der Autos sitzt und aussteigen könnte. Er muss Warnschilder aufbauen, hoch in seine Wohnung gehen, wieder umkehren, ob die Warnschilder noch da sind, wieder hoch in die Wohnung, wieder umkehren, ob&#8230; etc.</p>
<p>Wenn er das liest und wenn er mich zuordnen kann&#8230;  wird er mich töten. Mit einem seiner Skalpelle, nehme ich an.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Signals In Smoke]]></title>
<link>http://northbohemian.wordpress.com/2009/04/09/signals-in-smoke/</link>
<pubDate>Thu, 09 Apr 2009 12:55:46 +0000</pubDate>
<dc:creator>northbohemian</dc:creator>
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<description><![CDATA[An einem bis dahin völlig unverdächtigen, sonnigen Aprilmorgen sehe ich auf ein und derselben Straße]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>An einem bis dahin völlig unverdächtigen, sonnigen Aprilmorgen sehe ich auf ein und derselben Straße drei Leichenwagen unterschiedlicher Firmen, deren gleichzeitige Anwesenheit offensichtlich in keinem Zusammenhang steht. Weder ist an diesem Ort eine riesige Seniorenresidenz beheimatet, der es zuzutrauen wäre, auf einen Schlag für einen solchen Nachschub für die städtischen Friedhöfe zu sorgen, noch ist mir eine Behörde bekannt, die vielleicht so etwas wie eine Zulassungsstelle für die traurigen Kutschen sein und hier ihre Adresse haben könnte. Nicht zu erfahren, warum es diese drei Leichenwagen zur gleichen Zeit hierher verschlagen hat, macht mich rasend. Ich könnte fragen, aber das wäre pietätlos. Ohne jeden Zweifel. Lieber ertrage ich meine innere Raserei.</p>
<p>In der Spielecke unseres favorisierten Bioladens schaue ich mir mit Midori ein Bilderbuch an, dessen Konzept zu beinhalten scheint, dass ein und derselbe Teddybär parallel zur Haupthandlung auf jeder Doppelseite genau einmal erscheint. Und sei es, dass man nur ein Ohr sieht. Allerdings fehlt dem durch viele Kinderhände gegangenen Buch exakt eine Blatt, das wahrscheinlich für jeweils zwei Doppelseiten – einmal rechts, einmal links – den Teddy enthalten hat. Ich werde nie die Konsistenz meiner Theorie (dass jede Doppelseite mindestens einen versteckten Teddy enthält) überprüfen können – es sei denn, ich treibe irgendwo ein unversehrtes Exemplar dieses verdammten Buches auf (welches abgesehen von meinem Problem wenig Spannung und Inspiration bietet). Das macht mich rasend.</p>
<p>Beim Selbstbedienungsbäcker spuckt die Kasse für meinen Zucker- und Koffeinnachschub (hier alles andere als bio) den Betrag von 3,33 Euro aus. Mich fröstelt. Ein Fehler in der Matrix? Wie soll ich das um neun Uhr morgens schon verkraften. Es gibt diese Tage, die sind ruiniert, kaum dass sie begonnen haben.</p>
<p>Seelig die Marcel Prousts dieser Welt, die sich postwendend wieder ins Bett begeben können.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>

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