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	<title>logozentrismus &amp;laquo; WordPress.com Tag Feed</title>
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	<description>Feed of posts on WordPress.com tagged "logozentrismus"</description>
	<pubDate>Sun, 29 Nov 2009 09:03:57 +0000</pubDate>

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<title><![CDATA[Macha, Macht, Marketing]]></title>
<link>http://blogozentriker.wordpress.com/2009/03/01/macha-macht-marketing/</link>
<pubDate>Sun, 01 Mar 2009 09:54:47 +0000</pubDate>
<dc:creator>blogozentriker</dc:creator>
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<description><![CDATA[Nachdem auch der letzte noch lebende Ex-&#8221;Bild&#8221;-Chefredakteur gesprochen hatte, war Bob e]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Nachdem auch der letzte noch lebende Ex-&#8221;Bild&#8221;-Chefredakteur gesprochen hatte, war Bob endlich dran. Nicht, dass sie ihn zu diesem Kongress über &#8220;Chancen und Perspektiven der medialen Kommunikation&#8221; nach Düsseldorf eingeladen hätten! Aber irgendwann führte halt kein Weg mehr an Bob vorbei.<!--more--> Wie er da saß, im Raucher-Club, und Zigarren bei Hajo Schumacher schnorrte. Wie er in den verbalen Infight ging mit Giovanni di Lorenzo, der ihm am Ende auf die Schulter haute und sagte: &#8220;Sie gefallen mir, junger Mann!&#8221; Auch dass es ihm gelang, einen Platz direkt neben Helmut Schmidt, dem Ex-Kanzler, zu ergattern, spielte eine gewisse Rolle. Plötzlich war er gesetzt, als Redner. Und so kam es, dass er aufs Podium stieß, seinen Vorredner mit der Schuhspitze noch ermunternd, einen Zahn zuzulegen beim Abstieg.</p>
<p>Zudem stimmte es ja, es war ja unübersehbar: Die Zukunft gehörte nicht &#8220;Spiegel Online&#8221;, die Zukunft gehörte nicht der &#8220;Zeit&#8221;, und ganz gewiss gehörte die Zukunft nicht einem Blatt wie der &#8220;Netzeitung&#8221;. Nachrichten für Streber werden nämlich demnächst keine Nachrichten mehr sein. Der Erkenntnisdurst resp. -hunger der Menschen wird sich andere Wege bahnen, fernab der fett gesponserten Plattformen. (&#8220;&#8216;Plattform&#8217; kommt von &#8216;platt&#8217;&#8221;, wiederholte Bob fast manisch während der sechs Minuten, die ihm blieben bis zur Abfahrt des letzten ICE nach Nürnberg.) Bob bezog sich in seiner Rede &#8211; man könnte vermutlich auch von einem &#8220;Vortrag&#8221; sprechen, wenn er diesen nicht absolut frei gehalten, ja, improvisiert hätte &#8211; explizit auf zwei der &#8220;Giganten der deutschen Literatur&#8221;, nämlich Goethe und Goetz. Er holte weit aus, begann bei den Goten und beim Kote, holte bei einem herrlich sinnfreien Abstecher die &#8220;Göttinger Gelehrten Anzeigen&#8221; mit ins Boot, war flugs bei Georg Christoph Lichtenberg und tastete sich, mit filigranen Assoziationen, die ich unmöglich nachzeichnen kann mit einem so groben Mittel wie der Schrift, an den &#8220;Öl-Götzen der jungen Literatur&#8221; heran.</p>
<p>&#8220;Wie symptomatisch&#8221;, hat er gesagt, meine ich, &#8220;wie symptomatisch für diese Literatur, die deutsche, dass sie sich von Goethe, dem Götterliebling, hin bewegt hat zu Goetz, dem Radikal-Ikonoklasten mit ikonophiler Ader. Die kritischen Abzieh-Götzenbilder der VANITY FAIR &#8211; herrlich! Goethe zeichnete, aber wie! Wie eine Sau. Auch Goetz hegt höchste Bewunderung für die Bildende Kunst, aber seine eigenen Gemälde, abgedruckt als Zwischentitel seiner Bücher &#8211; ich weiß ja nicht. Ich enthalte mich eines Urteils, aber bitte, beachten Sie, mit welch hängender Unterlippe ich das tue.&#8221; (Gelächter.) &#8220;Das ist die Basis des germanischen Logozentrismus. Die Unfähigkeit, des Sinnlichen anders habhaft zu werden als in der stechschrittmäßigen Allegorie.&#8221;<br />
&#8220;Bob, wir müssten dann langsam&#8221;, flüsterte ich hoch, zum Rednerpult, mit der Armbanduhr drohend.<br />
&#8220;Meine Damen, meine Herren.&#8221; Bob verbeugte sich, grinste, sagte: &#8220;Ich bedanke mich. Das war geil.&#8221;</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Der Ritt über den Zürchersee]]></title>
<link>http://blogozentriker.wordpress.com/2009/02/22/der-ritt-uber-den-zurchersee/</link>
<pubDate>Sun, 22 Feb 2009 09:28:45 +0000</pubDate>
<dc:creator>blogozentriker</dc:creator>
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<description><![CDATA[Erstaunlich versöhnlich erleben wir Robert Macha, den Macher des Blogozentrikers, in seinem Domizil ]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Erstaunlich versöhnlich erleben wir Robert Macha, den Macher des Blogozentrikers, in seinem Domizil am Zürchersee. &#8220;Es ist doch so&#8221;, sagt er irgendwann, &#8220;dass wir sehen müssen, wie wir mit den Bildern in Frieden leben.&#8221; Man könne die &#8220;Faszination der bunten Bilder&#8221; nicht länger ignorieren. Darauf müsse man reagieren, &#8220;und deswegen wird der Blogozentriker sich aufs Bildermachen verlegen.<!--more--> Immer nur Text, Text, Text. Ich hab die Schnauze voll davon, und unsere Leser auch.&#8221; Verhandlungen mit einer Hamburger Agentur liefen bereits. Die hätten eine &#8220;Wahnsinnsoptik&#8221;.<br />
Und die bisherige Blatt-Philosophie? Was sei damit?<br />
&#8220;n+2 kicken wir einfach raus&#8221;, schmunzelt Robert Macha, &#8220;und das war&#8217;s dann mit der Blatt-Philosophie. Statt dessen machen wir Dumpingpreise und Großplakate in Berlin, München, Hamburg und. Was war noch mal die vierte Stadt?&#8221;</p>
<p>Macha wirft einen fragenden Blick zu Nettie Moore hinüber, die in ihrem schlichten Baumwollkleid in der Ecke sitzt und strickt.<br />
&#8220;Bochum&#8221;, sagt die gute Seele, ohne aufzusehen. Sie hält den Laden hier zusammen, denke ich. Ohne aufzusehen.<br />
&#8220;Warum Bochum?&#8221; erkundige ich mich im Namen unserer Leser.<br />
Robert Macha zuckt die Achseln. &#8220;Ach&#8221;, sagt er, &#8220;reine Willkür.&#8221; Natürlich sei die abendländische Kultur offiziell logozentrisch gewesen von dem Augenblick an, da sie, paradoxerweise, sagte: &#8220;In hoc signo vinces&#8221;, also sich unter dem Bild/Zeichen des Kreuzes weltliche und geistliche Macht, &#8220;na ja, kreuzten&#8221;. Robert Macha, den ich schon nach wenigen Minuten Bob nennen darf, lacht rauh und dreckig. &#8220;Unsere Kultur hat&#8217;s von Anfang an nicht so ernst genommen&#8221;, erklärt er. &#8220;Ein Riss ging durch die Christenheit. Damit meine ich nicht nur die berühmte Doppelmoral, die Bigotterie. Ich rede auch nicht von Byzanz und Rom, und auch nicht von Avignon und Rom. Unser Umgang mit dem Bilderverbot war ziemlich, sagen wir, kreativ.&#8221;</p>
<p>Aus dem Auseinanderklaffen von Anspruch und Realität mitten im Fundament der westlichen Welt leitet Macha, Pardon, Bob die Produktivität unserer Gesellschaftstypen her. &#8220;Wir wussten nie, woran wir waren, und daraus erwuchs ein immenser Druck. Der Demokrat ist ja im Grunde einer, der sich selbst so schlecht behandelt wie ein Autokrat seine Untertanen. Das ist schon pervers. Unser äußerer Komfort dient ja nur der Kompensation eines inneren Terrors, der etwa auf der Stufe eines von brutalen Schlägern verfolgten Asylanten steht.&#8221;<br />
&#8220;Wir sind, äh, in nackter Panik?&#8221;<br />
&#8220;Wir sind auf der Flucht. Unsere Unsicherheit sitzt uns auf den Fersen.&#8221;<br />
&#8220;Du meinst, Bob&#8221;, hake ich nach, &#8220;wir sind innerlich alle zerrissen und unglücklich?&#8221;<br />
&#8220;Wie Sartre gesagt hat. Wir haben die Dämonen und bösen Geister ausgetrieben. Dafür aber bereiten wir uns gegenseitig die Hölle. Ist das wirklich ein Fortschritt? In jedem Fall&#8221;, setzt Bob nach kurzem Nachdenken hinzu, &#8220;ist es DER Fortschritt.&#8221;</p>
<p>Bob blickt durch die breite Fensterfront seines Wohnzimmers hinaus auf den verhangenen Zürichsee. Ein wunderbarer Anblick.<br />
&#8220;Wunderbar&#8221;, sage ich.<br />
&#8220;Calvin war ein unglaubliches Schwein&#8221;, sagt Bob.<br />
Wir beide schwenken einen Kognak.<br />
&#8220;Das musst du jetzt mal erklären&#8221;, fordere ich ein.<br />
&#8220;Nun, er hat uns noch weiter eingeheizt. Er hat das innere Betriebsklima des abendländischen Menschen direkt auf Höllentemperatur hochgeregelt. Stell dir vor, wenn du das hier siehst, diese Pracht, diesen Luxus, diesen Reichtum. Wenn du dazu die Auflage des Blogozentrikers betrachtest, wenn du bedenkst, dass die Werbekunden bei uns Schlange stehen. Überdies haben wir noch dieses Blogo-TV-Projekt in der Pipeline, und das ist jetzt schon ein Erfolg. Das alles zusammengenommen, Georg, und trotzdem? Trotzdem bin ich unglücklich.&#8221;<br />
&#8220;Was? Das kannst du doch aber nicht Calvin in die Schuhe schieben, Bob.&#8221;<br />
&#8220;Das tu ich aber.&#8221;</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Was (auf) uns zukommt]]></title>
<link>http://blogozentriker.wordpress.com/2009/02/17/was-auf-uns-zukommt/</link>
<pubDate>Tue, 17 Feb 2009 09:10:57 +0000</pubDate>
<dc:creator>blogozentriker</dc:creator>
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<description><![CDATA[&#8220;Aber zurücklehnen?&#8221; Georg beugte sich vor, was ihm, dem mit einem jungen, biegsam-gesun]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>&#8220;Aber zurücklehnen?&#8221; Georg beugte sich vor, was ihm, dem mit einem jungen, biegsam-gesunden Rücken Ausgestatteten, natürlich leichter fiel als dem alten Bob. Für Georg war&#8217;s nur ein spielerischer Vorgang; für Bob hatte er inzwischen existentielle Dimensionen angenommen, und darum blieb der Seniortexter stocksteif auf seinem face2buns sitzen, ängstlich an die ergonomisch unbedenkliche Lehne gedrückt, was einen fatalen, senilen Eindruck machte. &#8220;Noch ein bisschen warten?&#8221; bohrte Georg weiter.<!--more--> &#8220;Um deine Optimismusallergie noch einmal zu provozieren: Ich erinnere mich an ein Wortspiel, demzufolge Zukunft nicht nur das ist, was AUF DICH zukommt, sondern auch das, was DIR zukommt, sprich: was deine Verantwortung ist &#8230; Aus irgendeinem Grunde ist mein Hirn noch nicht so verkorkst, dass es solche Kleinigkeiten verdrängt. Wenn du also soweit bist, Bob, eine Selbsthilfegruppe ins Leben zu rufen &#8211; ich bin dabei.&#8221;</p>
<p>Bob schwieg erst einmal eine Weile. Man hätte das als rhetorischen Trick deuten können, als Kunstpause, die dem Gegner Gelegenheit gab, sich auf einen fürchterlichen Rückschlag einzustellen. In Wahrheit aber brauchte er ganz einfach immer länger, um sich zu sortieren, um sich eine Antwort zurechtzulegen. Vor einigen Jahren noch hatte er solche Spitzfindigkeiten und grobhämmerischen Vorschläge aus dem Ärmel schütteln können. Damit war es jetzt vorbei.</p>
<p>Endlich also sagte er: &#8220;Die Wahrheit ist, dass ich jetzt erst mal die Veröffentlichung meines Romans abwarte. Mein Ideal wäre freilich, mit diesem Buch unterm Arm durch die Lande zu ziehen, von Vortragssaal zu Vortragssaal, von Kneipe zu Kneipe, und, ganz in der Tradition des Blinden Barden, oder meinetwegen auch Skip James&#8217;, oder Robert Johnsons, wie du willst. Jedenfalls, dann zu lesen, aus diesem Buch, vor versammeltem, wechselndem Publikum. Eine Gegenstimme zu Ben Becker, ein Gegengewicht zu all diesen wandelnden Hörbüchern, die unsere Republik heimsuchen. Die Literatur, die einzige Hoffnung, die einzige Waffe, den letzten Trost, den Leuten auf den Schoß zu legen, dafür einzutreten, die Stimme erhoben und schmetternd: HIER STEHE ICH, ICH KANN NICHT ANDERS.&#8221;<br />
&#8220;Aber&#8221;, wandte Georg schüchtern ein, &#8220;alles schön und gut, Bob, aber. Wirst du nicht sitzen bei deinen Lesungen?&#8221;<br />
&#8220;Schon, ja&#8221;, gab Bob zu. &#8220;Das ist der Schwachpunkt meines Plans.&#8221;</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Logoklast]]></title>
<link>http://blogozentriker.wordpress.com/2009/02/04/logoklast/</link>
<pubDate>Wed, 04 Feb 2009 19:41:28 +0000</pubDate>
<dc:creator>blogozentriker</dc:creator>
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<description><![CDATA[&#8220;Bob. Was. Was tust du denn da, um Himmels willen?&#8221; &#8220;Ich hau ihr die Schnauze blut]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>&#8220;Bob. Was. Was tust du denn da, um Himmels willen?&#8221;<br />
&#8220;Ich hau ihr die Schnauze blutig.&#8221;<br />
&#8220;Bob! Lass sie los!&#8221;<br />
&#8220;Bitte, Herr Bob&#8221;, rief Nettie, die Redaktionssekretärin, und zerrte ebenfalls an Bobs zerrissenem, blutbeflecktem Hemd. &#8220;Sie bringen sie ja um!&#8221;<br />
Der Lärm aus dem Büro hatte Georg und Nettie aus der Teeküche herbeigerufen. Sie waren gerade noch rechtzeitig dazwischen gegangen. Bob stand da, breitbeinig, über sein Opfer gekrümmt, mit dampfendem Blick und rauchenden Fäusten.<!--more--> In der Hitze des Gefechts war ihm ein Schuh von seinem Fuß gesprungen. Er merkte es nicht einmal. Sein Schlips war ihm gerissen, und wie das hatte passieren können &#8211; Georg hatte dafür keine Erklärung.<br />
&#8220;Ich sorge nur dafür, dass sie bekommt, was sie verdient hat&#8221;, sagte Bob. &#8220;Diese dumme Schlampe.&#8221;<br />
&#8220;Spricht man so von der Sprache, Herr Bob?&#8221;<br />
Nettie schaute ernsthaft erschüttert drein. Auch wenn sie, als Agenturmitarbeiterin, selbstverständlich auch die Ikonophilie-Klausel unterzeichnet hatte. Das war immerhin Vorschrift bei n+2. Nichtsdestoweniger. Ein bisschen Respekt gegenüber einer alten Dame, meinte Nettie, musste doch sein. Das zum einen. Und zum anderen wurde diese Antinomie von Wort und Bild in einer wirklich lächerlichen Art und Weise hochgepuscht, vor allem, seit Attila Berg den Verstand verloren, seinen Job als Textchef hingeschmissen und sich nach Nepal auf- und davongemacht hatte.<br />
&#8220;War doch nur eine kleine Abreibung&#8221;, versuchte sich Bob, dem nur nach und nach die fast pathologische Unangemessenheit seiner Reaktion zu Bewusstsein kam, zu rechtfertigen.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Sätze, die wie panzersprengende Waffen sind]]></title>
<link>http://blogozentriker.wordpress.com/2009/02/04/satze-die-wie-panzersprengende-waffen-sind/</link>
<pubDate>Wed, 04 Feb 2009 10:27:52 +0000</pubDate>
<dc:creator>blogozentriker</dc:creator>
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<description><![CDATA[Bob war außer sich. Okay, das war er immer. Aber diesmal war er&#8217;s in echt. Es war, als hätte j]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Bob war außer sich. Okay, das war er immer. Aber diesmal war er&#8217;s in echt. Es war, als hätte jemand Kohlen in ihn hineingeschaufelt. Er qualmte richtig. Ich sagte:<br />
&#8220;Mann, Bob, cool down. Ist doch nichts passiert.&#8221;<br />
&#8220;Bitte? Es ist nichts passiert? Du machst hier Headlines, in denen du mit militärischen Bildern operierst, und du sagst.&#8221;<br />
&#8220;Manövrierst.&#8221;<br />
&#8220;Was?&#8221;<!--more--><br />
&#8220;Sag doch gleich: Du manövrierst mit militärischen Bildern&#8221;, sagte ich.<br />
&#8220;Überleg doch mal, bitte, was du da tust!&#8221; sagte Bob beschwörend. &#8220;Dann kommen wieder diese ganzen Neonazis und Kryptofaschisten auf unsere Seite, um sich über Waffensysteme zu informieren oder über Spiele, bei denen man Menschen einfrieren muss.&#8221;<br />
&#8220;Da muss ich gleich an Walt Disney denken&#8221;, sagte ich. &#8220;Der hat sich doch auch einfrieren lassen. Damit sie ihn auftauen können, wenn die Medizin soweit ist, dass sie sein Leben verlängern kann.&#8221;<br />
&#8220;Walt Disney?&#8221;<br />
&#8220;Zumindest seinen Kopf. Und Michael Jackson, natürlich.&#8221;<br />
&#8220;Michael Jackson. Aber. Georg. Der tritt doch noch öffentlich auf!&#8221;<br />
&#8220;Hast du mal gesehen, dass er sich bewegt? Der wirkt schon etwas starr inzwischen, oder? Ab und zu hebt er die Hand, aber es gibt Mittel und Wege, wie ein gewieftes Management.&#8221;<br />
&#8220;Das liegt doch nur an den ganzen Schönheits-OPs. Georg. Michael Jackson. Warum nicht gleich. Blödsinn. Aber, unter uns gesagt, ich hab auch schon mal überlegt, ob ich nicht von der kryonischen Technologie Gebrauch machen soll.&#8221;<br />
Jetzt war ich aber platt.<br />
&#8220;Du? Was fehlt dir denn?&#8221;<br />
&#8220;Ein Roman. Der Roman, den ich immer schreiben wollte. Der in mir eingeschlossen liegt wie eine prähistorische Mücke in einem Tropfen Bernstein.&#8221;<br />
Ich fragte Bob, um zur Klärung dieses Problems einen wertvollen Beitrag zu leisten, ob er meine, dass er sich so lange auf Eis legen lassen wolle, bis die Wissenschaft so weit sei, diese – um in seinem Bild zu bleiben – Mücke aus seinem Gehirn zu isolieren, also herauszupfriemeln, und mit irgendwelchen bildgebenden Verfahren zu Papier zu bringen?<br />
&#8220;&#8216;Um im Bild zu bleiben&#8217;&#8221;, sagte Bob grimmig. &#8220;Du fängst schon wieder mit diesem Logozentrismus-Diskurs an, höre ich? Bilder und Texte? Und dass diese ganzen bösartigen Büchernarren in ihren Bibliotheken den Bildern einen Maulkorb verpasst haben?&#8221;<br />
Ich versuchte, das Gespräch auf eine andere, weniger polemische Ebene zu lenken; mit Bob war in dieser Frage nicht gut Kirschen essen.<br />
&#8220;Bei den Geisteswissenschaften ist das Problem, dass man jedes Argument schon mal irgendwo gelesen hat&#8221;, sagte ich also tapfer. &#8220;Aber eine wirklich stimmige, restlos überzeugende und durchsetzungsfähige Theorie, einen hegemonialen Diskurs, um’s mal so platt zu sagen, gibt es nicht!&#8221;<br />
&#8220;Ich weiß, was du meinst&#8221;, sagte Bob, &#8220;aber das führt jetzt wieder zu weit. Spätestens seit dem Deconstructionist Turn liegt da vieles im Argen. Wie auch immer. Die Wissenschaftler der Zukunft brauchen meinen Roman ja nicht unbedingt zu Papier zu bringen &#8230;&#8221;<br />
&#8220;Pergament? Ein E-Book?&#8221;<br />
Bob lachte laut auf: &#8220;Ich gehe mal davon aus, dass man irgendwann so weit sein wird, dass man meine Ideen wie beim Datentransfer auch ohne Trägermedium, vielleicht per Kabel, oder mit WLAN, wird übertragen können. Von Kopf zu Kopf. Kann doch sein, dass man uns einfach so einen Sender auf dem Schädeldach installiert? Ich meine, letztlich sind Ideen ja nur Meme, und wenn man Gene austauschen kann, warum dann nicht auch &#8230;&#8221;</p>
<p>&#8220;Okay, ja, klar&#8221;. Ich hob meine Hand und sagte: &#8220;Das liegt auf der Hand. Aber mal ganz blöd gefragt. Warum schreibst du diesen Roman nicht einfach? Mit herkömmlichen Methoden, meine ich? Z. B. mit der Hand? Andere machen das doch auch?&#8221;<br />
&#8220;Weil ich’s nicht hinbekomme.&#8221;<br />
&#8220;Woran liegt’s?&#8221;<br />
&#8220;Wenn ich das wüsste. Ich dachte mir ja auch: So schwer kann das doch nicht sein, wenn sogar Rocko Schamoni es schafft, einen Roman zu schreiben.&#8221;<br />
&#8220;Hey!&#8221; rief ich. Ich hatte lange in Hamburg gewohnt. &#8220;Nichts gegen den Inhaber des Golden Pudel Clubs!&#8221;<br />
&#8220;Nee, natürlich nicht.&#8221; Bob winkte ab. &#8220;Darum geht’s doch gar nicht. Was mir fehlt, das merkte ich sehr schnell, ist der richtige Stil. Ein subjektiver Stil. Ein eigener, unverwechselbarer Stil. Begreifst du, was ich meine? Ein Stil, der gewissermaßen angeboren ist.&#8221;<br />
&#8220;Der berühmte Schnabel, und wie er gewachsen ist.&#8221;<br />
Ich wich elegant auf das Gebiet biologischer Metaphorik aus. Dabei dachte ich an die Wittgenstein’sche Ente, die auch ein Hase sein konnte.  Eine Kippfigur, mit der ich mich in Gedanken oft beschäftigte. Immer, wenn ich in der Badewanne saß, z. B.<br />
&#8220;Eben.&#8221; Bob hatte von dem Paradigmenwechsel glücklicherweise nichts mitbekommen. Er war noch ganz bei Allerweltsmetaphern, seinem Steckenpferd, auf dem er mit Vorliebe herumritt, querfeldein. &#8220;Und wenn ich so einen Schnabel schon nicht hätte, dachte ich&#8221;, sagte er, &#8220;dann bräuchte ich wenigstens einen objektiven Stil. Also einen objektiv richtigen. Einen Stil, Georg, bei dem ich aus nachvollziehbaren Gründen sagen müsste: &#8216;Genauso muss es sein, es gibt zu dieser Art des Formulierens keine Alternative!&#8217;&#8221;<br />
&#8220;Aber?&#8221; fragte ich nach einer Kunstpause.<br />
&#8220;Bis zu einem solchen Stil bin ich niemals vorgestoßen&#8221;, erwiderte Bob traurig.<br />
&#8220;Du meinst, bei jedem Bild, das du wähltest, wusstest du, dass du ebenso gut auch ein anderes Bild hättest wählen können?&#8221;<br />
&#8220;Genau. Und aus diesem Bewusstsein erwuchs ein erdrückendes Gefühl der Zweitklassigkeit. Denn wenn es immer ein ANDERES Bild gibt, das ausdrückt, was ich meine und was mir vorschwebt, dann gibt es immer auch ein BESSERES!&#8221;<br />
&#8220;Und dabei hättest du so gern den idealen Stil gehabt?&#8221;<br />
Teilnahmsvoll, ganz nah an Bob herangebeugt, fragte ich diese Frage.<br />
&#8220;Den idealen Stil, ja&#8221;, bestätigte Bob schniefend. &#8220;So kann man das sagen. Ohne alle Übertreibung kann man das so &#8230;&#8221;</p>
<p>Bob verstummte endlich, und wir saßen und schwiegen und ließen zu, dass die Nacht vor den Fenstern den Vorhang herabließ. Und erst sehr spät erhoben wir uns und machten uns auf einen Heimweg, der uns nirgendwohin führen würde.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Kurzer Beitrag zu einer langen Debatte]]></title>
<link>http://blogozentriker.wordpress.com/2009/02/03/kurzer-beitrag-zu-einer-langen-debatte/</link>
<pubDate>Tue, 03 Feb 2009 18:20:52 +0000</pubDate>
<dc:creator>blogozentriker</dc:creator>
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<description><![CDATA[- Sie hieß Nancy und war so ne Art Model, und sie muss ziemlich seltsam gewesen sein. - Seltsam? Wie]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>- Sie hieß Nancy und war so ne Art Model, und sie muss ziemlich seltsam gewesen sein.<br />
- Seltsam? Wie meinen Sie?<br />
- Na, schräg.<br />
- Schräg?<br />
- Ein komischer Vogel. Durchgeknallt usw.<br />
- Sie meinen, äh &#8230;<br />
- Hier. Ein Foto von ihr.<!--more--><br />
- Ah. Ich verstehe. Uh, hu.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Tot, ähm, und tabu]]></title>
<link>http://blogozentriker.wordpress.com/2009/02/01/tot-ahm-und-tabu/</link>
<pubDate>Sun, 01 Feb 2009 18:07:14 +0000</pubDate>
<dc:creator>blogozentriker</dc:creator>
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<description><![CDATA[Der Logozentrismus ist auch darum gegen die Bilder &#8211; positiv ausgedrückt: für ein Bilderverbot]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Der Logozentrismus ist auch darum gegen die Bilder &#8211; positiv ausgedrückt: für ein Bilderverbot -, weil sein Icon etwa so aussähe: Ein Grabstein, und in diesen sind hehre, belanglose Worte gemeißelt, die die Leute für die Wahrheit nehmen sollen, obwohl sie mit der Wahrheit rein gar nichts zu tun haben. Die rücksichtslose Geschichtsklitterung der Siegermacht, mehr ist da nicht auf Seiten der Schriftgläubigen. Der Augenblick wird von ihnen verworfen, weil er etwas enthält, das sich dem interpretatorischen Macht-Zugriff hartnäckig entzieht. Lebendigkeit.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Wollen die Bilder die Bücher abmurksen?]]></title>
<link>http://blogozentriker.wordpress.com/2009/01/27/wollen-die-bilder-die-bucher-abmurksen/</link>
<pubDate>Tue, 27 Jan 2009 08:40:36 +0000</pubDate>
<dc:creator>blogozentriker</dc:creator>
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<description><![CDATA[- Logozentrismus, das ist doch die Vorstellung, dass im Mittelpunkt des Phantasmas, auf dem unsere K]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>- Logozentrismus, das ist doch die Vorstellung, dass im Mittelpunkt des Phantasmas, auf dem unsere Kultur sich errichtet hat, das gesprochene Wort steht. Das gesprochene Wort eines großen, toten, weißen Mannes.<br />
- Mit dem Namen Platon.<br />
- Oder Jean-Jacques Rousseau. Oder Jacques Derrida. Jedenfalls stellt man sich vor, dieser Mann, groß, tot, weiß, sage etwas. Etwas Kluges, natürlich, etwas Tiefes. Etwas Weises und Endgültiges. Etwas Bewegendes, Weltbewegendes. Weltbewegend, weil man sich darauf verlassen kann.<!--more--> Dieses Wort bewegt die Welt, weil es selbst absolut unbeweglich ist. Kein Archimedes könnte es aushebeln, Atombomben verpuffen daran wie Papierkügelchen. Alles ist angreifbar, alles ist eine Frage der Interpretation. Aber in der Mitte steht dieses eine große Wort, diese Behauptung. Und darauf kann man dann eine ganze Kultur, eine Zivilisation, einen Kontinent gründen. Daran kann man glauben. Städte, Länder, Wälder lagern sich an dieses Wort an. Und es wächst und wächst.<br />
- Europa.<br />
- Europa ist ein Schriftzeichen.<br />
- Die großen weißen Männer, die, tot schon zu Lebzeiten, das große Wort führen, die man aber nie beim Wort nehmen darf, weil sie dann gleich sagen.<br />
- Das habe ich so nie gesagt.<br />
- Sie sagen: &#8220;Das haben Sie missverstanden! Das war ganz anders gemeint.&#8221;<br />
- Man kann sich immer herausreden.<br />
- Man sagt: &#8220;Das war ironisch gemeint!&#8221;<br />
- Die Sprache ist ein Proteus.<br />
- Mal ein Beispiel. Einer wird von einem Verlag mit dem Namen Lirbio unter Vertrag genommen.<br />
- Lirbio?<br />
- Aber er liest immer und sagt immer und denkt immer: &#8220;Der Librio Verlag.&#8221;<br />
- Einfach, weil es von liber käme.<br />
- Lateinisch, Buch.<br />
- Genau.<br />
- Ex libris.<br />
- Genau.<br />
- Wir haben eigentlich eine Kultur, die auf Büchern beruht.<br />
- Auf weißen, toten, männlichen Büchern.<br />
- So kann man das sagen.<br />
- Und diese Bücher werden im Augenblick attackiert. Von Bildern. Von technisch reproduzierbaren, technisch reproduzierenden Bildern. Wir erleben eine vehemente Attacke von Bildern, die ihre eigenen Töne, ihre Tonspuren mit sich führen. Bilder, die eine Sprache sprechen und in denen unsere Wirklichkeit enthalten ist, eins zu eins. Reale Bilder, realistische Bilder. Filme, mit dem Handy aufgenommen. Die Bücher werden diesem Angriff nicht standhalten. Es ist ausgeschlossen. Die Bücherverbrennung von Alexandria war dagegen nur ein Scherz, eine Schubserei. Die Bücher sind erledigt, vergiss es.<br />
- Die Wut der Bilder ist berechtigt. Jahrhundertelang haben die Bücher das große Wort geführt. Weil sie die einzige Möglichkeit waren, Szenen, Begebenheiten, Sachverhalte durch die Zeiten zu transportieren.<br />
- Es gab Zeichnungen.<br />
- Welche Glaubwürdigkeit hat eine Zeichnung? Das ist manipulierbar.<br />
- Wie die Bilder in unserem Kopf.<br />
- Eine Zeichnung entspricht nicht dem Augenschein.<br />
- Und ein Buch?<br />
- Texte lügen per se. Wieso sonst sollte der Volksmund sagen: &#8220;Der lügt wie gedruckt&#8221;?<br />
- Die Welt wurde in Sätze verwandelt, und diese Sätze gab man dann weiter, von Generation zu Generation.<br />
- Lügen.<br />
- Fängst du wieder mit dem Thema an?<br />
- Thema?<br />
- Mit den Generationsgenerationen.<br />
- Man zeichnet immer nur, was im Kopf ist, ob als Skizze oder mit Worten. Es ist eine Fälschung, eine Täuschung, ein Witz. Ein Foto hingegen.<br />
- Wie ein Abdruck der Wirklichkeit. Beständig, unerschütterbar. Eine Totenmaske.<br />
- Die Totenmaske eines Augenblicks.<br />
- Das hat jemand gesagt, oder?<br />
- Und in ein Buch geschrieben. Bestimmt.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Eine Linie ist eine Linie ist eine Linie]]></title>
<link>http://blogozentriker.wordpress.com/2008/08/01/eine-linie-ist-eine-linie-ist-eine-linie/</link>
<pubDate>Fri, 01 Aug 2008 16:01:47 +0000</pubDate>
<dc:creator>blogozentriker</dc:creator>
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<description><![CDATA[Der Schriftsteller Walter Mehring berichtet, wie Pablo Picasso sich zwischen den Weltkriegen die Zei]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Der Schriftsteller Walter Mehring berichtet, wie Pablo Picasso sich zwischen den Weltkriegen die Zeit auf der Terrasse des Café La Rotonde am Montparnasse vertrieb, indem er für sein Gefolge die stilistischen Mätzchen der Malerkollegen (und Rivalen) auf einer Serviette parodierte. Ich wäre gerne dabei gewesen, muss ich sagen.<!--more--> Ich hätte mich an dieser Meisterschaft, an diesem unbestechlich klaren, genauen, bösen Blick des Jahrhundert-Genies erfreut. Auch Walter Mehring wird diese Auftritte goutiert haben, gilt er doch als einer der satirischsten Feder-Halter der Weimarer Republik.</p>
<p>Natürlich stellt auch das Karikieren, wie mein unermüdlich Einwände ersinnender Leser Bolo Diaz (der weiß, dass die Einwände am Ende siegen werden) beklagt, eine Form der Abkanzelung dar; sicherlich wäre, sagen wir, Jules Pascin nicht erfreut gewesen, hätte er seine künstlerische Arbeit in dieser Art und Weise berücksichtigt, dem Gespött der Kollegenschaft preisgegeben gesehen.</p>
<p>Gleichwohl! Auch eine infame Karikatur (und es ist ja denkbar, dass jemand den Stil des Blogozentrikers auf die Schippe nimmt und aus mir einen Party-Gag macht) stellt immer noch einen Akt der Bejahung dar und ist darum für mich, in meinen Augen, eine konstruktive Setzung. Warum? Weil ein WERK dabei herausspringt, etwas, von dem man sich abstoßen kann, das seinerseits auf Bejahung angewiesen ist. Das unterscheidet für mich diese Form der Kritik (eben weil sie ihre Berechtigung unter Beweis stellen muss) von der absolut destruktiven eines Familienvaters, der am Tisch brüllt, sein Mittagsmahl verspritzend: „Jetzt wird hier mal das Maul gehalten!“</p>
<p>Der eine missbraucht vielleicht sein Talent, der andere aber in jedem Fall seine Macht.</p>
<p>Tatsächlich bietet das Genre Karikatur in gewisser Weise sogar einen Schlüssel zu der ungeheuren Kraft der Verdrängung, die unsere logozentristische Kultur entfaltet. Wieso das? Eine Karikatur zeigt die Dinge, wenn auch verzerrt, so doch IN ERKENNBARER FORM. (Mancher wird bei sich denken: „Sie macht die Dinge überhaupt erst erkennbar &#8230;“) Das ist ja die Pointe einer Karikatur. Sie sitzt. Sie trifft. Sie steht auf der Seite eines gesunden Realismus. Und darum muss sie von allen Lügnern und Heuchlern bekämpft werden, von allen, die nur so tun, als ob, weil sie in Wahrheit gar nichts sind.</p>
<p>Besäße die Karikatur nicht ein gewisses Verhältnis zur Wahrheit, zu den realen Proportionen der Dinge – sie machte uns nicht lachen, sie träfe uns nicht, sie ginge ins Leere, wie ein Kalenderspruch. Worte aber können sich fatalerweise zu Systemen verknüpfen, die ein Eigenleben entfalten und früher oder später die Gehirne und Herzen der von ihnen Befallenen leer saugen.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Wer schreibt, der bleibt]]></title>
<link>http://blogozentriker.wordpress.com/2008/08/01/wer-schreibt-der-bleibt/</link>
<pubDate>Fri, 01 Aug 2008 14:12:40 +0000</pubDate>
<dc:creator>blogozentriker</dc:creator>
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<description><![CDATA[„Sprache ist nicht gleich Sprache“, schreibt mir einer meiner zahlreichen engagierten Leser (manche ]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>„Sprache ist nicht gleich Sprache“, schreibt mir einer meiner zahlreichen engagierten Leser (manche von ihnen sind freilich auch bloß polemisch und kniekehlentreterisch). Und er fährt sehr richtig fort: „Es gibt eine bildliche, sinnliche, poetische, anschauliche und eine begriffliche, abstrakte, allgemeine, akademische, philosophische usw. Sprache. Der Logozentrismus bezieht sich auf<!--more--> die zweite Art von Sprache. Er bezeichnet ein Denken in letztlich metaphysischen, vernunftbegründeten Begriffen &#8230;“</p>
<p>Ich bin mir nicht so sicher, ob diese letzte Behauptung stimmt – räume allerdings ein, dass ich mir auch nicht so sicher bin, ob meine Attacken gegen den Logozentrismus nicht am Ziel vorbeigehen. Ich glaube, dass auch ein Lyriker, der hinter sich die Macht einer Jahrtausende alten, durch Verdrängung gestärkten Tradition spürt, mit seinem poetischen Sprechen, so bildhaft und sinnlich es daher kommen mag, letztlich an demselben Energie-Pol hängt wie der Hochschullehrer, dessen gelehrte Diskurse seinen bedauernswerten Schülern die Ohren verstopfen. Eine fremde Macht stärkt ihm den Rücken, und genau diese Macht ist nach meiner Definition der Logozentrismus. Es geht also vielleicht weniger um Vernunft als um den VORSCHEIN von Vernunft.</p>
<p>Eigentlich ist nämlich das Entscheidende nicht das genus dicendi, sondern ein bestimmter Gestus – der Gestus des Wortemachens nämlich, der Gestus: „Hab ich’s dir nicht gesagt!“, mit Ausrufezeichen. Es geht um Rechthaberei – eine solche ist in Bildern einfach nicht möglich. Man kann in Bildern niemanden abkanzeln, niemanden herunter putzen. Bewegen kann man mit Bildern allerdings sehr wohl. Zu untersuchen wäre auch einmal, wie in unserer Kultur die Verdrängung des so übermächtigen, primär wirkenden Bildes funktioniert hat – und man muss sich fragen, ob diese Verdrängung nicht eine tragische und schmerzhafte anti-sinnliche Schizophrenie direkt in das Herz unserer Zivilisation gesetzt hat.</p>
<p>Auch sinnliche Sprache ist bedauerlicherweise eine Sprache des Befehls. Sprache wird nämlich immer auf dem Kasernenhof gebildet. Letztlich heißt ein Gutteil alles stattfindenden Sprechens: „Schnauze halten, zuhören!“ Achten Sie einmal bei Ihrem nächsten Kneipenbesuch darauf, wie Gespräche ablaufen, wie sie funktionieren. Stopfen Sie sich am besten die Ohren zu und BEOBACHTEN Sie die Sirenen bloß! Danach werden Sie auch Lyrik anders lesen. Denn auch ein Poet kann weit von der Ästhetik entfernte Zwecke verfolgen – er kann Ihnen z. B. zeigen wollen, zu welchen Leistungen in puncto Schönheitsbildung er in der Lage ist. Dabei verfolgt er dann letztlich kein anderes Ziel, als sich auf eine höhere Position zu schwingen, als Sie sie innehaben. Er ruft Ihnen zu: „Schnauze halten, zuhören!“ Ich erinnere Sie nur daran, dass Gottfried Benn über Heidegger gewitzelt hat, dieser habe im Grunde immer nur ein Dichter sein wollen – nur gereicht habe es halt nicht!</p>
<p>Ja, das ist alles eine elend knifflige Sache. Schon bereue ich es, je den Namen „Blogozentriker“ gewählt zu haben &#8230; dieser ganze akademische Kleister, der jetzt an mir hängt! Wird er mich nicht auf kurz oder lang ersticken? Werde ich mir je wirkliche Freiräume des Ausdrucks erschreiben können, wenn ich immer wieder zurückblicken muss auf die Fixierung an so ein vieldeutiges, schwieriges, bizarres Konzept? Logozentrismus! Wer braucht denn so etwas!?</p>
<p>Wir bleiben dran und geben einstweilen zurück ins Funkhaus, zu den Sportnachrichten.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[„Ja, nö“: Bodybuilding für die doppelte Zunge]]></title>
<link>http://blogozentriker.wordpress.com/2008/08/01/%e2%80%9eja-no%e2%80%9c-oder-bodybuilding-fur-die-doppelte-zunge/</link>
<pubDate>Fri, 01 Aug 2008 09:29:06 +0000</pubDate>
<dc:creator>blogozentriker</dc:creator>
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<description><![CDATA[Was ist Logozentrismus? Ein Denken, das den Primat der Sprache in den Mittelpunkt rückt, auf Kosten ]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Was ist Logozentrismus? Ein Denken, das den Primat der Sprache in den Mittelpunkt rückt, auf Kosten der Bildlichkeit. Es gibt die Sprache der Bilder, und es gibt die Sprache der Fakten. Die Fakten sind immer sprachlich vermittelt, auch wenn der Fakten-Fakten-Fakten-„Focus“ mit Schautafeln, Grafiken und Tabellen nur so um sich wirft.<!--more--> Ironischerweise bekommen wir alle immer zu hören: „Trau seinen Worten nicht, wichtig ist, wie er es sagt“ und: „Der lügt wie gedruckt“. Das spricht für ein tiefes Misstrauen gegen das Wort. Es ist eine Art Volksweisheit, die man nur unter der Hand weitergeben darf. Offiziell muss man all den Alltags-Bullshit zitieren, der Wahrheit Hohn sprechen, die Dinge verdrehen, dass es kracht. Offiziell hat das letzte Wort das gedruckte Wort.</p>
<p>Der Logozentrismus ist in sich nämlich äußerst hinterhältig, da in seinem tiefsten Wesen absurd. Natürlich ist das Primäre in unserem Leben nicht der Text, nicht das Wort, nicht der Gesetzestext. Primär ist das Bild. Und genau WEIL das so ist, weil diese Tatsache so evident (also von sich aus Ein-Sicht produzierend) ist, verdrängt sie der Logozentrismus auf so besonders freche, infame Art und Weise mit seinen von PR-Agenturen getürkten Verlautbarungen. Klassischer Satz: „Na, Moment, das habe ich SO nicht gesagt &#8230;“</p>
<p>Bevor wir etwas begreifen, sehen wir es. Bilder des Ayers Rock hauen uns um, ellenlange Landschaftsschilderungen schläfern uns ein. (Es gibt Ausnahmen von dieser Regel, aber es gibt auch Menschenfresser.) Ein anderes Beispiel: Therapien versuchen, die Übermacht eines Geschehens langsam in einer Wort-Lauge aufzulösen, in einem verbalen Entspannungsbad, damit das Gift des Traumatisierung am Ende aus unserem Körper heraus sickert.</p>
<p>Wir leben in einer Kultur der Lüge, das ist es. Z. B. stehen hinter all diesen gigantomanischen, superschlauen IQ-Gipfelstürmer-Texten, die Studenten lesen und dann imitieren müssen, ja doch letzten Endes nur – irgendwelche Typen mit seltsamer Gestik, die seit ca. 40 Jahren immer dasselbe sagen. Darum können sie es so gut. Sie sind im Grunde wie Arbeiter in einer Fabrik, die, seitdem das zweite Kind da ist, immer dieselben vier Handgriffe ausführen. Meister ihres Fachs.</p>
<p>In Wahrheit sind Texte immer Schleier, hinter denen der nackte Affe sich verbirgt. Ist das tragisch oder komisch? Man weiß nicht so genau. Es ist eigentlich vor allem ekelhaft, und es bringt viel Leid in die Welt, dass keiner so sein darf, wie er ist. Jeder einzelne von uns, das ist der geheime Sinn von Schule, muss sich ein Kostüm aus Wörtern anziehen.</p>
<p>Man flößt uns in den verschiedenen Bildungs-Anstalten Wort-Diäten ein. Bankkaufleute werden mit einem ganz speziellen Vokabular geimpft, Ärzte mit einem anderen, Lehrer, Soldaten und Mütter mit einem noch mal anderen.</p>
<p>Sogar Schriftsteller haben irgendwann ihr Vokabular, da sie ihre Fangemeinde haben, ihre Leserschaft. Diese will bedient sein. Also schreibt ein Autor, der nicht völlig verrückt ist, immer und immer wieder dasselbe Buch, das auch immer und immer wieder von denselben treuen Lesern verschlungen und zur Signierstunde geschleppt wird. Am Ende ist er dann ein Genie mit einer ganz individuellen Vision.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Neulich wurde in meinen Kommentaren ...]]></title>
<link>http://blogozentriker.wordpress.com/2008/07/15/neulich-wurde-in-meinen-kommentaren/</link>
<pubDate>Tue, 15 Jul 2008 13:56:13 +0000</pubDate>
<dc:creator>blogozentriker</dc:creator>
<guid>http://blogozentriker.wordpress.com/2008/07/15/neulich-wurde-in-meinen-kommentaren/</guid>
<description><![CDATA[&#8230; der Gedanke laut, der Blogozentriker sei dem Logozentrismus verfallen und habe eine geringe ]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>&#8230; der Gedanke laut, der Blogozentriker sei dem Logozentrismus verfallen und habe eine geringe Meinung von der Kunst des Dialogs. Was! In meinen eigenen Kommentaren so eine Infamie? Bitte! Lesen Sie „Bewegende Bilder“, dann wissen Sie, wie ich zu Dialogen stehe.<!--more--> Ich warne ausdrücklich davor, dem Blogozentriker planen Logozentrismus zu unterstellen! Gerade der Logozentriker weiß natürlich GENAU, warum er ein B vor seine Wortgläubigkeit stellt. Was heißt das? Er kann von den Worten nicht lassen; zugleich aber kann er auch keine Sekunde daran glauben, dass sie ihn existentiell hielten. „Kein Vers hält dich, kein Reim fängt dich auf“ – das ist das Motto des Blogozentrikers. Er wird auch weiterhin reimen, wird weiterhin Verse machen, und seien es solche in Prosa – und er wird weiterhin über sich selbst, seine Naivität, seine unbeschreibliche Dummheit lachen.</p>
<p>Das ist sein Schicksal.</p>
<p>Natürlich, meine Damen und Herren, die Sie das hier womöglich lesen – kein Wort wird je der Erhabenheit der Existenz gerecht! Wörter sind immer schon Abglanz, nie die Sache selbst. Aber ich sehe das so: Das Beste, was ich erreichen kann, ist farbiger Abglanz. Ein paar illuminierte Minuten. Denken Sie an Goethe: Am farbigen Abglanz haben wir das Leben. „Faust II“ ist das. Damit meint der Dichter vermutlich, dass Schreiben in gewisser Weise auch: leben heißt. Natürlich ist der Dialog wertvoll, und ich möchte ihn nicht missen – er findet aber auch in der Ansprache an einen (gedachten, in mir hergestellten, idealen) Leser statt. Ich überrumpele den Leser (Sie) ja nicht! Wie könnte ich? Ich weiß ja nicht einmal, wo Sie wohnen! Ich klage auch keinen Glauben ein. Ich argumentiere nur so vor mich hin (obwohl ich auch an Argumente kaum mehr zu glauben vermag) und lade Sie ein, mich dabei zu beobachten. „Was macht er falsch, wo stakst er auf den Holzweg?“ Mit diesen kritischen Fragen des von Bert Brecht erträumten mündigen Theaterbesuchers sollten Sie mich begleiten.</p>
<p>Und vielleicht sagt Ihnen, was ich sage, ja etwas? Vielleicht reizt es Sie zu einer eigenen Stellungnahme (die natürlich nicht ausgesprochen, nicht formuliert, nicht aufs Forum gezerrt werden muss). Wäre doch schön! Und es ist auch keine Tragik, wenn Sie zu dem Schluss kommen: „Der spinnt halt, der Blogo!“ So ist das Leben. Einer spinnt immer.</p>
</div>]]></content:encoded>
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