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	<title>medienanalyse &amp;laquo; WordPress.com Tag Feed</title>
	<link>http://en.wordpress.com/tag/medienanalyse/</link>
	<description>Feed of posts on WordPress.com tagged "medienanalyse"</description>
	<pubDate>Sat, 02 Jan 2010 22:05:22 +0000</pubDate>

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	<language>en</language>

<item>
<title><![CDATA[Zwischen Stolz und Scham]]></title>
<link>http://sibiuaner.de/2009/10/11/zwischen-stolz-und-scham/</link>
<pubDate>Sat, 10 Oct 2009 23:40:42 +0000</pubDate>
<dc:creator>sibiuaner</dc:creator>
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<description><![CDATA[Rumänische Stimmen zum Literatur-Nobelpreis für Herta Müller Herta Müller hatte Rumänien 1987 verlas]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p><strong>
<p style="background-color:ghostwhite;"><font color="#93919D">Rumänische Stimmen zum Literatur-Nobelpreis für Herta Müller</p>
<p></font></strong></p>
<p>Herta Müller hatte Rumänien 1987 verlassen, um der politischen Verfolgung und Einschüchterung zu entkommen. Der rumänische Geheimdienst Securitate folgte ihr bis nach Westberlin. Damit steht das Land Rumänien im Leben und in der Literatur Herta Müllers für leidvolle Erfahrungen, um die niemand sie beneidet.</p>
<p>Nach über 20 Jahren ist Rumänien ein Staat in der Europäischen Union und Herta Müller eine Berliner Nobelpreisträgerin. Aus rumänischer Sicht wird der diesjährige Nobelpreis sehr unterschiedlich wahrgenommen und könnte eine Diskussion über die Rolle des Staates in der Vergangenheit entfachen.</p>
<p>Der Gândul fragt, ob der Preis für Herta Müller ein Preis für Rumänien sei und <a href="http://www.gandul.info/news/este-nobelul-hertei-m-ller-si-al-romaniei-cum-raspund-manolescu-goma-plesu-ctp-si-cartarescu-4972220" target="_blank">fasst die Reaktionen</a> einiger wichtiger kultureller Köpfe Rumäniens zusammen. Demnach sieht zum Beispiel Mircea Cărtărescu wenigstens zu einem kleinen Teil auch die rumänische Literatur mit dem Preis für Herta Müller geehrt. Andrei Pleşu äußert sich positiv darüber, dass mit diesem Nobelpreis eine dunkle Seite der rumänischen Geschichte ins Licht rückt.</p>
<p>In diesem Sinne <a href="http://www.gandul.info/opinii/premiul-nobel-pentru-literatura-o-chestiune-nationala-pentru-romani-4973511" target="_blank">mahnt Cristina Modreanu</a> im Gândul, den Nobelpreis als Chance für Rumänien zu begreifen. Sie erinnert daran, dass Herta Müller auf jeder ihrer Rumänien-Reisen nach 1989 forderte, die Vergangenheit öffentlich zu thematisieren. Bis heute sitzen ehemalige Securitate-Kader in hohen Ämtern und die Securitate-Akten werden immer wieder zurückgehalten. Herta Müller wartet bis heute auf ihre Akte.</p>
<p>Die Romane der Autorin existieren größtenteils zwar in rumänischer Sprache, wahrgenommen wurde ihre Literatur aber in Rumänien, wie in fast allen Ländern &#8211; <a href="http://www.evz.ro/articole/detalii-articol/871034/DEZBATERE-EVZ-Cati-romani-au-citit-o-pe-Herta-Mller/" target="_blank">so gut wie gar nicht</a>. Sie ist der rumänischen Öffentlichkeit eher als Dissidentin bekannt denn als Schriftstellerin, zudem geht sie selbst davon aus, <a href="http://www.evz.ro/articole/detalii-articol/871086/Herta-Mller-In-Romania-lumea-nu-prea-ma-place/" target="_blank">in Rumänien unbeliebt zu sein</a>.</p>
<p>Die rumänische Presse weist bei aller Euphorie <a href="http://www.realitatea.net/herta-muller-nu-a-fost-niciodata-nominalizata-de-vreo-institutie-din-romania-pentru-premiul-nobel_637522.html" target="_blank">darauf hin</a>, dass Herta Müller nicht ein einziges Mal von rumänischer Seite für den Nobelpreis nominiert wurde, aber bereits mehrmals von deutscher. Claudia Candet nennt ihren Artikel in der Ziua de Constanţa <a href="http://www.ziuaconstanta.ro/rubrici/editorial/cu-pumnul-in-piept-pentru-ce-nu-ne-apartine-75060.html" target="_blank">Mit der Faust auf der Brust wegen etwas, das uns nicht gehört</a>.</p>
<blockquote><p>Die meisten Vertreter rumänischer Kultur traten mit immer pompöseren Erklärungen über den besonderen Verdienst der rumänischen Autorin ins Rampenlicht. Ganz plötzlich war Herta Müller bekannt, geschätzt und gelobt von denjenigen, die sie noch vor 22 Jahren verleugneten. Ungeniert gegenüber ihr, der die Anerkennung für 20 Jahre literarische Arbeit gebühren müsste, hat man sich in Erklärungen gegenseitig überholt. Über die internationale Anerkennung für eine derartige Auszeichnung [...]. <font size="0.7">(Zitiert und übersetzt von <a href="http://www.ziuaconstanta.ro/rubrici/editorial/cu-pumnul-in-piept-pentru-ce-nu-ne-apartine-75060.html" target="_blank">hier</a>)</font></p></blockquote>
<p>Candet wundert sich, dass bisher niemand auf die &#8220;demütigenden&#8221; Finanzierungen des Kultusministeriums hinwies und auf den &#8220;jämmerlichen&#8221; Zustand der rumänischen Kultur. So kommt sie zu dem pessimistischen Schluss, dass es einen rumänischen Literatur-Nobelpreisträger wohl niemals geben wird.</p>
<p>Dan Tapalagă, der Herta Müller in seinem <a href="http://www.hotnews.ro/stiri-opinii-6261562-cateva-ganduri-despre-muller-schlattner-rusinea-celorlalti.htm" target="_blank">Kommentar bei Hotnews</a> als nicht-rumänische Schriftstellerin einordnet, nennt sie neben Eginald Schlattner und bewundert die authentische literarische, wenn auch unterschiedliche, Verarbeitung beider Schriftsteller. Was ihm aber fehlt ist eine rumänische Herta Müller, die literarisch laute Fragen stellt, ein rumänischer Eginald Schlattner, der als Opfer oder Informant der Securitate seine Rolle literarisch verarbeitet. Müller und Schlattner sieht er als schmerzvolle Spiegel für andere Schriftsteller.</p>
<blockquote><p>Wir haben ihnen den Haupt-Stoff geliefert, das Leid, sie haben ihn anderen erzählt, auf Deutsch. Allmählich entdeckten wir sie wieder, als ihre Werke im Ausland Anerkennung fanden und sie absoluten Erfolg hatten. Wir haben sie in überschaubaren Auflagen in Rumänien übersetzt, nachdem sie in Deutschland Bestseller-Autoren waren. Heute fällt uns ein, dass es sie gibt, weil, ist es nicht so, sie inzwischen auch einen Nobelpreis bekommen haben. Wir haben sie hierzulande ignoriert, so sehr wir konnten oder wir haben sie heuchlerisch vereinnahmt, während wir die Nationalhymne anstimmten. <font size="0.7">(Zitiert und übersetzt von <a href="http://www.hotnews.ro/stiri-opinii-6261562-cateva-ganduri-despre-muller-schlattner-rusinea-celorlalti.htm" target="_blank">hier</a>)</font></p></blockquote>
<p>Es wird sich zeigen, ob die selbstkritischen Töne aus Rumänien erst der Anfang einer größeren Diskussion sind, die dem Literatur-Nobelpreis 2009 folgt. Diskussionsbedarf zur Situation von Minderheiten gibt es nicht nur in Rumänien.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Rumänisches Presse-Echo zu Rüttgers]]></title>
<link>http://sibiuaner.de/2009/09/05/rumanisches-presse-echo-zu-ruttgers/</link>
<pubDate>Sat, 05 Sep 2009 13:24:37 +0000</pubDate>
<dc:creator>sibiuaner</dc:creator>
<guid>http://sibiuaner.de/2009/09/05/rumanisches-presse-echo-zu-ruttgers/</guid>
<description><![CDATA[Die rumänische Presse schreibt wenig über die Rüttgers-Rede und enthält sich einer eigenen Bewertung]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p><strong>
<p style="background-color:ghostwhite;"><font color="#93919D">Die rumänische Presse schreibt wenig über die Rüttgers-Rede und enthält sich einer eigenen Bewertung.</p>
<p></font></strong><br />
Zuallererst wird Deutschland heute in der internationalen und auch rumänischen Presse mit seinen Rechtfertigungsversuchen für den Bombenangriff in Afghanistan mit offiziell über 50 Toten erwähnt.</p>
<p>Ich habe dennoch in den rumänischen Online-Ausgaben nach medialen Echos auf <a href="http://www.youtube.com/watch?v=SvDvUOvoVUY" target="_blank">die verbale Verunglimpfung</a> &#8220;rumänischer Arbeiter&#8221; in Rüttgers&#8217; Rede gesucht. Die Rede selbst ist zwar vom 26. August, sie bekam aber erst gestern größere Aufmerksamkeit, nachdem sie bei Youtube auftauchte und gestern in einem <a href="http://www.derwesten.de/nachrichten/nachrichten/2009/9/4/news-131952411/detail.html" target="_blank">Artikel bei Der Westen</a> sowie einem <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,646974,00.html" target="_blank">Spiegel Online-Artikel</a> aufgegriffen wurde.</p>
<p>Die rumänische Nachrichtenagentur mediafax.ro <a href="http://www.mediafax.ro/externe/premierul-unui-land-german-muncitorii-romani-chiulesc-si-habar-nu-au-ce-fac-4859088" target="_blank">übernahm</a> schnell und kommentarlos die sich in Deutschland verbreitende Nachricht. </p>
<p>Auch die rumänische Ausgabe der Deutschen Welle hatte gestern Abend in <a href="http://www.dw-world.de/dw/article/0,,4637553,00.html" target="_blank">ihrem Artikel</a> die gleichen Infos wie SpOn und Der Westen. Die im deutschen Original als Jusos bezeichneten Urheber des Videos sind bei der Deutschen Welle dann &#8220;militante&#8221; Jugendliche, die das Video zu Youtube brachten &#8211; wobei ich die Quelle dieser Einordnung der Jusos als &#8220;militant&#8221; nicht zuordnen kann. Die DW liefert jedenfalls auch die bei Der Westen zu findenden Äußerungen der sozialdemokratischen Bundestags-Vize Susanne Kastner, die auch Vorsitzende des <a href="http://www.deutsch-rumaenisches-forum.de/drf/" target="_blank">Deutsch-Rumänischen Forums</a> ist. Ihrer Meinung nach seien es nicht die Rumänen, die nicht wissen, was sie tun, sondern Rüttgers. Politiker wie er würden mit &#8220;billigen Vorurteilen&#8221; die jahrelange Zusammenarbeit mit Rumänien geringschätzen, zudem seien diese Äußerungen &#8220;undemokratisch&#8221;.</p>
<p>Die rumänische Nachrichtenseite Ziare.com übernahm gestern Abend in <a href="http://www.ziare.com/Lider_german_Muncitorii_romani_chiulesc_si_n_au_habar_ce_fac-875652.html" target="_blank">ihrem Artikel</a> die gleichen Informationen einschließlich Kastners Einschätzung.</p>
<p><a href="http://www.realitatea.net/politicianul-german-jurgen-ruttgers-se-scuza-si-spune-ca-nu-a-dorit-sa-i-jigneasca-pe-romani_607347.html" target="_blank">Der gestrige Artikel</a> bei realitatea.net stellte bereits die Entschuldigung Rüttgers&#8217; in den Vordergrund, die in <a href="http://www.derwesten.de/nachrichten/nachrichten/2009/9/5/news-131986021/detail.html" target="_blank">einem weiteren Artikel</a> von Der Westen zu finden ist und auch bei <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,647105,00.html" target="_blank">Spiegel Online</a> thematisiert wurde. Darüberhinaus blickte realitatea.net noch in weitere deutsche Online-Ausgaben und zeigte deren ähnlich kritische Reaktionen auf Rüttgers&#8217; Ausrutscher.</p>
<p><a href="http://www.hotnews.ro/stiri-esential-6111683-politicianul-german-jrgen-rttgers-isi-cere-scuze-dupa-declarat-muncitorii-romani-chiulesc-habar-fac.htm" target="_blank">Hotnews.ro übernahm</a> die schnell verbreitete Information von DW und einem <a href="http://www.pddnet.com/news-ap-german-conservative-regrets-gaffe-over-romanians-090409/" target="_blank">Artikel der Associated Press</a> und schreibt darum auch Nordrhein-Westfalen weder deutsch noch rumänisch (Renania de Nord-Westfalia), sondern englisch. </p>
<p>In den Online-Ausgaben der meisten rumänischen Zeitungen und Boulevardblätter (die vorwiegend deutschen oder schweizer Verlagsgruppen gehören) wird die Rüttgers-Rede zumindest bisher nicht weiter thematisiert. Dem Jurnalul National ist sie eine <a href="http://www.jurnalul.ro/stire-diaspora/oficial-german-muncitorii-romani-chiulesc-si-n-au-habar-ce-fac-520031.html" target="_blank">Kurzmeldung</a> wert, allein Adevărul.ro wird etwas <a href="http://www.adevarul.ro/articole/cluj-romanii-atacati-verbal-in-germanai-din-cauza-nokia.html" target="_blank">schärfer im Ton und titelt</a>: &#8220;Rumänen wegen Nokia in Deutschland verbal attackiert&#8221;. Ansonsten wurden auch im Adevărul-Artikel die Informationen ohne eigene Bewertung übernommen.</p>
<p>Interessant ist, dass keiner der rumänischen Berichte von den deutschen Originalen abweicht. Darüberhinaus findet auch keine wertende oder anderweitige Einordnung des Ereignisses statt, sofern diese nicht in den deutschen Artikeln vorgegeben ist (Wahlkampf, Rassismus, Polemik &#8230;). </p>
<p>Für den Ruf Deutschlands in Rumänien mag es positiv sein, dass die rumänische Presse dem CDU-Mann, zumindest bisher, keine große Aufmerksamkeit schenkt. Trotzdem ist es interessant, wie untendenziös die rumänische Presse das Thema aufgreift, bei dem es ja immerhin um den Ruf Rumäniens im Ausland geht. Aber hier sind es mal nicht &#8220;die Zigeuner&#8221; die am rumänischen Bild im Ausland kratzen, sondern nur ein polemischer CDU-Politiker &#8211; und dem vergibt man das offenbar. </p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Standortfaktoren post-bellum]]></title>
<link>http://sibiuaner.de/2009/07/25/standortfaktoren-post-bellum/</link>
<pubDate>Sat, 25 Jul 2009 19:19:44 +0000</pubDate>
<dc:creator>sibiuaner</dc:creator>
<guid>http://sibiuaner.de/2009/07/25/standortfaktoren-post-bellum/</guid>
<description><![CDATA[Im Ressort Wirtschaft erschien bei Spiegel Online am 19. Juli der Artikel Kosovo bangt um den Wirtsc]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p><strong>
<p style="background-color:ghostwhite;"><font color="#93919D">Im Ressort Wirtschaft erschien bei Spiegel Online am 19. Juli der Artikel <a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,634951,00.html" target="_blank">Kosovo bangt um den Wirtschaftsfaktor Nato</a> von Astrid Langer. Ausführlich wird dort der Zusammenhang zwischen KFOR-Präsenz und wirtschaftlicher Situation des Landes beleuchtet. Mit dem geplanten Truppenabzug der NATO drohe ein &#8220;konjunkturelles Fiasko&#8221;.</font></p>
<p></strong> </p>
<p>Die Autorin stellt uns einleitend Rejhan vor, die, nach anfänglicher Skepsis, nun seit über zehn Jahren für die deutsche Armee im Kosovo als &#8220;Schneiderin&#8221; Uniformen &#8220;kürzt&#8221; und &#8220;flickt&#8221;. Zur Belebung trockener Fakten wird eine Anekdote verarbeitet:</p>
<blockquote><p>Einmal habe sie sogar einen Babystrampler aus Tarnfleck genäht, erzählt sie. Den hat der Kompaniechef dann einem frischgebackenen Vater geschenkt.</p></blockquote>
<p>Die Schilderung gibt dem Thema ein Gesicht, Individualität. Aber viel interessanter als die Anekdote finde ich allein schon die Tatsache, dass die Autorin dieses Geschichtchen in ihrem Artikel einsetzt. Vor meinem geistigen Auge kreuzen sich zwei gegensätzliche Welten &#8211; in todbringenden Kriegen agierende Armeen treffen auf einen Babystrampler. Aber leider folgt dieser grotesk-ästhetischen Überschneidung nicht etwa eine kritische Auseinandersetzung mit der von Krieg durchzogenen Lebenswirklichkeit der kosovarischen Gesellschaft, sondern nur die Beschreibung (sozial)wirtschaftlicher Vor- und Nachteile der NATO-Präsenz in der Region.</p>
<blockquote><p>Man merkt: Die 30-Jährige ist stolz, als eine von rund 400 Kosovaren für die Kosovo Force (Kfor) zu arbeiten. &#8220;Alle wollen das&#8221;, sagt sie. Der Grund dafür ist simpel: Die Anstellung hilft ihrer ganzen Familie, denn mit 368 Euro netto im Monat liegt das Gehalt deutlich über dem Durchschnittseinkommen von 200 Euro. Auch die Krankenversicherung und den Rentenbeitrag zahlen die Truppen für sie, eine Seltenheit. &#8220;Für mich bedeutet die Kfor viel&#8221;, sagt sie auf Deutsch &#8211; denn auch den Sprachkurs spendierte die Nato-Mission.</p></blockquote>
<p>Die offizielle Arbeitslosen-Quote liegt bei rund 50%. Die Autorin stellt denn auch zurecht den krassen Gegensatz zwischen Hoffnungsträger KFOR und herrschender Armut heraus. Nur bleibt sie dabei auf der Ebene einer unreflektierten Zustandsbeschreibung, die sich liest, wie ein Werbeprospekt der NATO: </p>
<blockquote><p>Und tatsächlich sind die Stellen bei den ausländischen Truppen vielfältig: Es gibt Gärtner, Dolmetscher, Frisöre, Reinigungskräfte, Küchenhelfer, Bedienungen und Straßenbauer. Denn es gibt viel zu tun in den Camps. Aber auch außerhalb der Kfor-Zäune beeinflusst die Anwesenheit der Truppen das Wirtschaftsleben: So werden in Prizren die Kfor-Fahrzeuge in der örtlichen &#8220;Big Brother&#8221;-Auto-Werkstatt gewaschen und teilweise auch repariert. Benzin wird ebenfalls vor Ort gekauft. Ein einheimischer Bäcker backt das Brot für die Soldaten &#8211; extra nach deutschem Rezept und Hygieneauflagen. Das Truppen-Magazin &#8220;Maz &#38; More&#8221; wird wöchentlich vor Ort gedruckt, 15 Kosovaren sind damit beschäftigt. Und auch die Schmutzwäsche der Task Force Süd wird in Prizren gewaschen. Zwar gehört die Wäscherei nicht der Kfor &#8211; doch die Truppen sind der einzige Kunde.</p></blockquote>
<p>Wer will nach dieser Beschreibung den Abzug der NATO aus dem Kosovo?</p>
<p>Erst nachdem ich akzeptierte, dass die Autorin hier eine rein ökonomische Perspektive auf die Gegenwart im Kosovo bietet, verstehe ich die Logik des Artikels. Die Faktenlage ist überschaubar: Einige Menschen in einer verarmten europäischen Region sichern sich ihre Lebensgrundlage mit Diensten für die Besatzungsmächte aus vorwiegend wohlhabenden Ländern. Die Autorin hat dafür eigene Worte:</p>
<blockquote><p>Seit zehn Jahren läuft das so, seitdem die &#8220;Kosovo Force&#8221; der Vereinten Nationen in den ethnischen Bürgerkrieg zwischen Serben und Albanern eingeschritten ist. Seitdem sichert die Kfor nicht nur den Frieden. Sie ist auch einer der größten Arbeitgeber im Land geworden, der viele neue Arbeitsplätze schafft.</p></blockquote>
<p>Während uns in der ersten Hälfte des Artikels noch einzelne Menschen vorgestellt wurden, ist die Sprache der Autorin im zweiten Teil wesentlich wirtschaftswissenschaftlicher:</p>
<blockquote><p>Was das Kosovo wirklich zu bieten hat, sind Arbeitskräfte. Sie sind billig, denn jeder sucht dringend einen Job</p></blockquote>
<p>Wie zum Beispiel Rejhan bald. Denn die Rede ist von &#8220;rückläufigen Direktinvestitionen&#8221;, zwischen vielen Zahlen erfahre ich, dass Unternehmen lieber nach Bulgarien oder Rumänien gehen, dort herrscht nicht ganz so viel Korruption und Instabilität.</p>
<p>Die Autorin weiß auch, dass es dank dem österreichischen Kommandeur Thomas Starlinger &#8220;erstmals einen Masterplan für das Kosovo&#8221; gibt. Wie der Plan aussieht, steht nicht geschrieben, aber </p>
<blockquote><p>Das Ziel ist dabei eindeutig: ein sich selbst erhaltendes Kosovo.</p></blockquote>
<p> Das klingt nach einem guten Ziel. Ob es wirklich der erste Kommandeur ist, der mit seinem &#8220;Masterplan&#8221; dem Kosovo Gutes tun will, sei einmal dahingestellt.</p>
<p>Sicher, man kann für oder gegen den NATO-Krieg und die Besetzung des Kosovo sein. Die deutschen Medien entschieden sich mehrheitlich für die kompromisslose Verteidigung der deutschen und NATO-Strategie. Aber dass auf Spiegel Online der KFOR als Motor der kosovarischen Wirtschaft nachgeweint wird, ohne auf den Zynismus einer so paradoxen Situation näher einzugehen, führt mir doch einmal mehr den Zustand eines deutschen &#8220;Leitmediums&#8221; vor Augen. Die einzige Aussage des Textes ist, dass wirtschaftlicher Aufschwung alle Probleme löst und dass das Militär im gegebenen Fall Teil dieser Lösung ist &#8211; nicht mehr nur als gewalttätiges Druckmittel, sondern als Wirtschaftsfaktor.</p>
<p>Die Autorin fragt nicht, ob der Krieg und die jahrelange Stationierung von Armeen auch wirtschaftliche Vorteile etwa für die entsendenden Länder bedeuten. Sie blendet aus, welche Folgen es für eine Gesellschaft hat, wenn eine militarisierte Alltags-Struktur einzig als Überlebenschance von den Menschen wahrgenommen wird. Sie präsentiert in ihrem Artikel keine einzige Idee oder Hoffnung für die Menschen im Kosovo, jenseits der Perspektive, als &#8220;billige Arbeitskräfte&#8221; für Investoren zu enden. Der gesamte Fokus der Auseinandersetzung mit den Problemen dieser Menschen basiert auf der Vorstellung, dass sie für irgendjemanden arbeiten, um sich ihr Überleben zu erwerben. </p>
<p>Eine Logik, nach der Menschen als Standortfaktoren und &#8220;billige Arbeitskräfte&#8221; bewertet werden, wird von einer jungen Journalistin im Jahre 2009 nicht mehr hinterfragt, sondern verbreitet. </p>
<p>↘<br />
<strong><span style="font-family:Courier New;">Zum Thema:</span></strong><br />
<a href="http://sibiuaner.de/2009/02/15/einen-job-kriegen-im-kosovo/">Einen Job kriegen im Kosovo</a>,<br />
<a href="http://sibiuaner.de/2009/04/03/die-nato-in-den-medien/">Die NATO in den Medien</a></p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Bettler nerven Bild]]></title>
<link>http://sibiuaner.de/2009/07/16/bettler-nerven-bild/</link>
<pubDate>Thu, 16 Jul 2009 18:30:36 +0000</pubDate>
<dc:creator>sibiuaner</dc:creator>
<guid>http://sibiuaner.de/2009/07/16/bettler-nerven-bild/</guid>
<description><![CDATA[Wofür &#8220;Bild-Reporter&#8221; Thomas Hoffmann am Alex 54 Euro investiert: Der heutige Bild-Artik]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p><strong>
<p style="background-color:ghostwhite;"><font color="#93919D">Wofür &#8220;Bild-Reporter&#8221; Thomas Hoffmann am Alex 54 Euro investiert:</font></p>
<p></strong><br />
Der heutige Bild-Artikel <a href="http://www.bild.de/BILD/regional/berlin/aktuell/2009/07/16/bettler/ihr-nervt.html" target="_blank">Ihr Bettler, ihr nervt!</a> wurde bereits bei <a href="http://www.bildblog.de/9297/lustig-ist-das-bettler-leben/" target="_blank">BILD-blog auf seine Schwächen geprüft</a>: Nicht nur, dass unter den Bettlerinnen betont oft &#8220;Roma-Frauen&#8221; sind, auch der von Thomas Hoffmann ausgerechnete Stundenlohn eines Bettlers lässt ein wenig an dessen Beobachtungsgabe zweifeln &#8211; wohl kaum ein Mensch kann im 1-Sekundentakt jeweils einen Menschen ansprechen und wird dabei jede halbe Minute einen Euro erhalten, auch nicht im Durchschnitt, auch nicht Roma-Frauen. </p>
<p>Aber wenn man über Menschen, die man nicht kennt, berichten möchte, dann lohnt es natürlich nicht, über Roma zu berichten, die das Leben der Durchschnitts-Deutschen führen. Um gute Bilder zu liefern muss man sich schon mal undercover ins Feld wagen und darf dabei den Kontakt zu bettelnden Roma nicht scheuen. Thomas Hoffmann setzte sich in ein Café am Alexanderplatz: </p>
<blockquote><p>Was passiert, wenn man einem Bettler am Alex Geld gibt? Ich, der BILD-Reporter, wurde daraufhin von sieben weiteren angeschnorrt, 14-mal – in gut einer Stunde!</p></blockquote>
<p>Nanu, verfügt Herr Hoffmann etwa über eine große Anziehungskraft oder besonders individuelles Aussehen?</p>
<blockquote><p>Nach einer Stunde kostete mich der „eine Kaffee“ nicht 4 Euro – sondern 54 Euro! IHR NERVT, IHR BETTLER!</p></blockquote>
<p>Achso. Er hat 50 Euro in einer Stunde herausgegeben. Schade, dass ich um diese Zeit nicht am Alex war. Ich wusste aber leider nicht, dass ein Bild-Mitarbeiter dort den Menschen so viel Geld auf bloßes Bitten gibt. Na gut, ich hätte dann in Kauf (im wahrsten Sinne des Wortes) nehmen müssen, dass ich fotografiert werde und wäre dann mit meinem Gesicht ein Teil der Reportage von Thomas Hoffmann geworden, das hätte ich vielleicht doch nicht so gerne gewollt. Auch nicht für Geld. (In Anlehnung an seinen Satz könnte man fragen &#8220;Was passiert, wenn man Thomas Hoffmann am Alex um Geld bittet?&#8221;) Andererseits hätte ich es ohne Roma-Kleider vielleicht ohnehin nicht in den Hoffmannschen Alexanderplatz-Report geschafft. </p>
<p>Übrigens finde ich es widersprüchlich, dass Hoffmann im Fließtext den Eindruck erweckt, er habe jedem Fragenden etwas gegeben, auf den vielen Fotos hingegen ist er fast nur in ablehnender oder ignorierender Haltung (z.B. <a href="http://www.bild.de/BILD/regional/berlin/aktuell/2009/07/16/bettler/bettler-haender-hoch-12841955-mbqf-teaser,templateId=renderScaled,property=Bild,width=465.jpg" target="_blank">hier</a>) den Menschen gegenüber zu sehen &#8211; außer im Falle zweier Kinder, denen er offenbar (man erkennt es nur schwer) eine Münze überreicht (<a href="http://www.bild.de/BILD/regional/berlin/aktuell/2009/07/16/bettler/ktg/bettler-kinder-12841957-mbqf,templateId=renderScaled,property=Bild,height=104.jpg" target="_blank">hier</a>).</p>
<p>Ha, man stelle sich vor, Thomas Hoffmann hätte nur schnell einen Nachweis gebraucht, um 50 Euro Ausgaben vor seiner Redaktion zu rechtfertigen, die er eigentlich für etwas ganz anderes ausgegeben hat, als für die Menschen am Alex. Nein, das glaube ich nicht. Ich glaube er hat auch Fotos von sich machen lassen, auf denen klar erkennbar ist, dass er den &#8220;nervenden&#8221; &#8220;Schnorrern&#8221; insgesamt 50 Euro gab. Die auf den Fotos erkennbare ablehnende Haltung gegenüber diesen Menschen resultiert sicherlich nur aus einer anfänglichen Skepsis gegenüber dem Fremden, bis Thomas Hoffmann sich dann doch breitschlagen lies, Geld zu geben. Die Menschen fragen ja sicherlich auch gern danach und freuen sich jeden Morgen auf ihre geldbringende Tätigkeit. Schön, dass es dann Menschen wie Thomas Hoffmann gibt &#8211; ich würde, wenn ich Geld hätte, sogar einen Report machen über Menschen, die bei mir 1000 Euro in der Stunde erschnorren. Ich habe nur das Geld nicht.</p>
<blockquote><p>14:42<br />
Die Roma geht nicht eher, bis sie 6 Euro erschnorrt hat.</p></blockquote>
<p>Aber eines würde ich machen, auch ohne Geld: Wenn ich als &#8220;Reporter&#8221; über weibliche Roma schreiben würde, würde ich vorher im kostenlosen Online-Lexikon nachschlagen, wie der weibliche Singular von Roma ist. Herr Hoffmann, es muss heißen: &#8220;Die Romni geht nicht eher, bis sie 6 Euro errschnorrt hat&#8221;. Korrekt: <em>Die Roma</em> schnorren, <em>die Romni</em> schnorrt, <em>der Rom</em> schnorrt. Für&#8217;s nächste Mal. Vielleicht in Kreuzberg? Na dann müssen aber alle drei Formen sitzen. Achso, und die Scheine schon mal klein machen&#8230;<br />
<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Roma" target="_blank"><br />
<img src="http://sibiuaner.wordpress.com/files/2009/07/wikipedia-roma.png?w=500" alt="Quelle: Wikipedia" title="Quelle: Wikipedia" width="550" class="size-medium aligncenter wp-image-2555" /></a></p>
<p>↘<br />
andere Artikel <a href="http://sibiuaner.de/tag/roma/">über Roma</a></p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[ MA RADIO 2009 II]]></title>
<link>http://ppstudios.wordpress.com/2009/07/16/ma-radio-2009-ii/</link>
<pubDate>Thu, 16 Jul 2009 12:58:06 +0000</pubDate>
<dc:creator>ppstudios</dc:creator>
<guid>http://ppstudios.wordpress.com/2009/07/16/ma-radio-2009-ii/</guid>
<description><![CDATA[MA Radio 2009 II: Immer wenn sich in der Radioszene die große Hektik ausbreitet, weiß man, es ist ma]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>MA Radio 2009 II: Immer wenn sich in der Radioszene die große Hektik ausbreitet, weiß man, es ist mal wieder soweit: Die Medienanalyse naht! Die zweimal im Jahr mit Spannung erwarteten Reichweitenzahlen der Radiosender wurden am Dienstagmorgen veröffentlicht.</p>
<p><span style="text-decoration:underline;">Einige wichtige Eckdaten:</span></p>
<p><strong>Wieso überhaupt die Medienanalyse?</strong></p>
<p>Letztlich wird stets eine Grundlage benötigt, an der man misst, ob und wie erfolgreich oder auch nicht man gewesen ist. Die Basis für die Werbewirtschaft und die Radiomanager ist die Radio-MA.</p>
<p><span style="text-decoration:underline;"><strong>Die wichtigsten Erkenntnisse der MA:</strong></span></p>
<p>Die beiden großen Vermarkter konnten absahnen, wobei die ARD die <a href="http://www.rms.de/" target="_blank">RMS</a> noch übertrumpfte. Die Sender der <a href="http://www.ard-werbung.de/" target="_blank">ARD Werbung Sales &#38; Services</a> legten um 2,2% auf nun rund 11 Mio. Hörer zu, die RMS-Sender um 0,7% auf aktuell 8,4 Mio. Hörer.</p>
<p><strong>Die Gewinner von Gold, Silber, Bronze, …:</strong></p>
<p style="text-align:center;"><img class="aligncenter size-medium wp-image-176" title="Radio_MA_2009_II_Gewinner" src="http://ppstudios.wordpress.com/files/2009/07/radio_ma_2009_ii_gewinner.jpg?w=300" alt="Radio_MA_2009_II_Gewinner" width="300" height="126" /></p>
<p style="text-align:center;">
<p>Folgende Entwicklungen sind darüber hinaus besonders bemerkenswert:<br />
<a href="http://www.radiobob.de/" target="_blank">Radio Bob!</a> in Hessen steigerte seine Hörererzahlen um 51,9% auf nun 41.000 Hörer.<br />
Fast ebenso viel legte Klassik Radio im Gebiet Hamburg zu (+50,0% auf nun 15.000 Hörer).</p>
<p><strong>Dann auch noch die zweite Seite der Medaille:</strong></p>
<p><img class="aligncenter size-medium wp-image-177" title="Radio_MA_2009_II_Verlierer" src="http://ppstudios.wordpress.com/files/2009/07/radio_ma_2009_ii_verlierer.jpg?w=300" alt="Radio_MA_2009_II_Verlierer" width="300" height="126" /></p>
<p style="text-align:center;">
<p>Obwohl nicht auf obiger Liste aufgeführt, ist es doch wohl erwähnenswert, dass dem <a href="http://www.jazzradio.net/" target="_blank">Jazz-Radio</a> 45,5% Hörer verloren gingen. Von 11.000 Hörern blieben nur mehr 6.000 Hörer übrig. Ein ähnliches Bild sieht man bei Main FM, dort gibt es ein Minus von 40,0% auf nun 9.000 Hörer.</p>
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<p>Nach Gewinnern und Verlieren sollen auch noch die, die sowieso strahlen können, erwähnt werden…. *Trommelwirbel*…. <strong>die Besten der Besten </strong>sind:</p>
<p><img class="aligncenter size-medium wp-image-178" title="Radio_MA_2009_II_Top25" src="http://ppstudios.wordpress.com/files/2009/07/radio_ma_2009_ii_top25.jpg?w=220" alt="Radio_MA_2009_II_Top25" width="220" height="300" /></p>
<p>Viele Grüße Ihr/Dein/Euere P&#38;P Studios!</p>
<p><a href="http://adserver.adtech.de/adlink%7C3.0%7C288%7C1788619%7C0%7C16%7CADTECH;loc=300;key=17;grp=123456;rdclick=" target="_blank"></a></p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[El Lingo - Lexikon und Navigationshilfe]]></title>
<link>http://arnaba.wordpress.com/2009/07/09/el-lingo-lexikon-und-navigationshilfe/</link>
<pubDate>Thu, 09 Jul 2009 15:22:15 +0000</pubDate>
<dc:creator>arnaba</dc:creator>
<guid>http://arnaba.wordpress.com/2009/07/09/el-lingo-lexikon-und-navigationshilfe/</guid>
<description><![CDATA[Fragen Sie El Lingo nach Themen und Begriffen von mediensprache.net. Er bemüht sich, Ihre Fragen bes]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Fragen Sie El Lingo nach Themen und Begriffen von <a href="http://www.mediensprache.net/cgi-bin/el_lingo.exe"><em><strong>mediensprache.net</strong></em></a>. Er bemüht  			sich, Ihre Fragen bestmöglich zu beantworten.</p>
<p><a href="http://www.mediensprache.net/cgi-bin/el_lingo.exe"><em><strong>Mediensprache.net</strong></em> </a>ist das Portal zur Medienlinguistik: Sprache in Neuen Medien, Websprache,  Werbesprache, Handysprache, Medienanalyse.</p>
<p><a href="http://www.mediensprache.net/cgi-bin/el_lingo.exe"><img class="aligncenter size-full wp-image-2328" title="mediensprache.net  El Lingo" src="http://arnaba.wordpress.com/files/2009/07/mediensprache-net-el-lingo.png" alt="mediensprache.net  El Lingo" width="450" height="177" /></a></p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Ach lass gut sein]]></title>
<link>http://sibiuaner.de/2009/06/30/ach-lass-gut-sein/</link>
<pubDate>Mon, 29 Jun 2009 23:31:30 +0000</pubDate>
<dc:creator>sibiuaner</dc:creator>
<guid>http://sibiuaner.de/2009/06/30/ach-lass-gut-sein/</guid>
<description><![CDATA[Der 1952 in Rumänien geborene und 1987 vor den Repressionen gegen die deutsche Minderheit unter Ceau]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p><strong>
<p style="background-color:ghostwhite;"><font color="#93919D"> Der 1952 in Rumänien geborene und 1987 vor den Repressionen gegen die deutsche Minderheit unter Ceauşescu nach Deutschland geflohene Schriftsteller und Publizist Richard Wagner schreibt für &#8220;die Achse des Guten&#8221; (achgut.com). </font></p>
<p></strong><br />
Erst jetzt stieß ich auf einen gut drei Wochen alten Artikel, in dem sich Richard Wagner zu den heiß diskutierten Roma in Berlin äußert. Für &#8220;die Achse des Guten&#8221;, die nach eigenen Angaben <a href="http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/authors/" target="_blank">&#8220;populären Mythen auf den Grund zu gehen&#8221;</a> versucht, zeigt der Autor mit seinem Artikel <a href="http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/roma_ohne_grenzen/" target="_blank">Roma ohne Grenzen?</a>, was er über &#8220;die Roma&#8221; denkt.</p>
<p>Gleich einleitend betont Wagner, dass es für &#8220;das Roma-Problem&#8221; keine Lösung gibt. Wie sein &#8220;Roma-Problem&#8221; dabei genau aussieht, bleibt offen, den Bezugsrahmen bildet die Phantasie der einzelnen Leser. Der Begriff &#8220;Problem&#8221; mit einem vorangestellten ethnischen Attribut ist ja nicht ungewöhnlich, man kann sogar jede beliebige Gruppe vor das Wort &#8220;Problem&#8221; stellen, ob es diese Gruppe nun de facto geben mag oder nicht. Wer stand nicht schon vor einem unlösbaren Problem?</p>
<p>Es deutet sich an, was Wagner wurmt: </p>
<blockquote><p>Ein Gemeinwesen kann nur erfolgreich bestehen, wenn die, die sich ihm angeschlossen haben, sich an die vereinbarten Spielregeln halten, also die Geschäftsgrundlage berücksichtigen. Die Roma, jene, von denen hier die Rede ist, sind Spieler, die die Regeln ignorieren. Sie konstituieren sich zur Gruppe, um damit ein Individualrecht zu erwerben, das ihnen als einzelnen Personen so nicht zustehen würde. </p></blockquote>
<p>Das Wort &#8220;Spielregeln&#8221; bleibt eine weitere unklare Größe, auch hier muss jeder Lesende selbst erahnen, was Wagner damit meinen könnte. Er mag das deutsche Verbot vom Übernachten im Park oder das &#8220;Wild-Camping&#8221;-Verbot meinen, auf das die Roma von der Berliner Polizei mehrmals hingewiesen wurden. Er könnte aber auch ungeschriebene Regeln meinen. Aber wie kann jemand wie Wagner die gesellschaftlichen &#8220;Spielregeln&#8221; als unabänderliche Konstante verstehen? In einer Demokratie sind es doch eben jene ungeschriebenen gesellschaftlichen &#8220;Spielregeln&#8221;, die es täglich zu überprüfen gilt. Frauen, Homosexuelle, Menschen mit dunklerer Hautfarbe und viele andere haben sich aus der Stigmatisierung heraus als Gruppen konstituiert, um herrschende &#8220;Spielregeln&#8221; zu durchbrechen und der Gesellschaft häppchenweise neue Freiheiten abzuringen. Bis dahin gab es für sie gesellschaftlich die Rote Karte. Ist Richard Wagner der Meinung, dass nur die jeweils herrschende Gesellschaftsmehrheit die &#8220;Spielregeln&#8221; festlegen darf?</p>
<blockquote><p>Das ist, kurz gesagt, die Statusfrage um die Roma aus Rumänien, die im Berliner Görlitzer Park kampierten und die auf jeden Fall in Berlin bleiben wollen. Viele Menschen möchten in Berlin bleiben. Und es ist in der Regel ja auch möglich. Und zwar für den Einzelnen, für die Person, nicht für die Gruppe.</p></blockquote>
<p>Weil die &#8220;Spielregeln&#8221; dagegensprechen? </p>
<blockquote><p>Die Roma aus Rumänien sind EU-Bürger. Als solche genießen sie die Rechte und Freiheiten eines EU-Bürgers in Deutschland, aber nicht die Rechte der deutschen Staatsbürger. Dafür haben sie alle Rechte eines rumänischen Staatsbürgers. Es gibt keine gesetzliche Diskriminierung der Roma in Rumänien, auch wenn das gelegentlich in den deutschen Medien suggeriert wird. </p></blockquote>
<p>Wagner verschweigt die entscheidende Information, dass es derzeit zwei Klassen von EU-Bürgern gibt. Für die erste Klasse trifft seine Aussage zu, aber die Roma in Berlin sind nicht Teil dieser Klasse. Denn als rumänische Staatsbürger sind sie zunächst nur EU-Bürger einer zweiten Klasse, für die bis 2011 das Freizügigkeitsgesetz innerhalb der EU in Bezug auf freie Arbeitsplatz- und Wohnortwahl noch nicht in Kraft ist. Und in deutschen Medien, wenn sie sich denn mit Roma-Diskriminierung in Rumänien befassen, wird meiner Kenntnis nach eher auf die Form der Diskriminierung hingewiesen, die ohne Gesetz möglich ist. Für seine These nennt Wagner keine Beispiele.</p>
<blockquote><p>
Dass viele der Roma in Berlin bleiben möchten, hat mehr mit dem Sozialgefälle innerhalb der EU zu tun als mit einer Verfolgung in Rumänien. Dort gibt es zwar eine ausgeprägte Anti-Roma-Rhetorik, einen oft ungehemmten Verbalrassismus, aber die Pogromstimmung, die man in unserer Öffentlichkeit in regelmäßigen Abständen zu berichten weiß, ist so nicht vorhanden.</p></blockquote>
<p>Seit Rumänien in die EU will, gilt es dort nicht mehr als &#8220;chic&#8221;, &#8220;Zigeuner-Hütten&#8221; anzuzünden, das stimmt. Zusammenhänge wären interessant. Warum bilden in jenem von Wagner angeschnittenen Sozialgefälle ausgerechnet die als Roma / &#8220;Zigeuner&#8221; (fremd- oder selbst-) bezeichneten Menschen den untersten Rand? Wieso benennt Wagner nicht, dass Sozialstruktur und Rassismus (auch unter EU-tauglichen Gesetzen) miteinander verknüpft sind? </p>
<p>Wagner kritisiert dann, wie ich finde zurecht, den Habitus europäischer Political Correctness:</p>
<blockquote><p>[...] Wenn wir uns politisch korrekt zu verhalten wissen, heißt das automatisch, dass wir von dem, was wir sagen, auch überzeugt sind? Werden wir tatsächlich von der Richtigkeit unseres Verhaltens gelenkt oder nur von dessen gefühlter Notwendigkeit? Kann es nicht sein, dass das Bekenntnis zum politisch Korrekten ein Ausdruck von Opportunismus geworden ist und schon lange nicht mehr den Gegenstand von Zivilcourage ausmacht? </p></blockquote>
<p>Dieser vernünftige Gedankengang reicht bis zur Nationalstaatsgrenze:</p>
<blockquote><p>Man kann durchaus berechtigt über die Roma in Rumänien behaupten, sie seien diskriminiert, das aber könnte man in der gleichen Weise auch von der Banlieue-Bevölkerung in Frankreich sagen. Käme aber jemand auf die Idee, diesen Franzosen in Berlin ein Aufenthaltsrecht zu geben? Nein. </p></blockquote>
<p>Abgesehen davon, dass man einem Franzosen in Berlin weder Arbeit noch Wohnung verwehren darf, einem Rumänen wegen der Einschränkung der Freizügigkeit aber schon, geht es Wagner stets um Legalität und Gesetzesmäßigkeit. Er fragt nicht, warum diese Menschen kommen wollen. Warum verlässt man sein Land mit dem Gedanken, in Deutschland besser überleben zu können? Stellt sich Wagner diese Frage mit Blick auf die Roma? Nicht in diesem Artikel. </p>
<p>Aber erst in der zweiten Hälfte seines Artikels schießt Richard Wagner richtig los.</p>
<blockquote><p>In der Romafrage wird gerne moralisiert. Die von den Papiertigern der NGO’s auf den Weg gebrachte Thematik hat gute Chancen zur Chefsache in der europäischen Moralzentrale zu werden. Das Gutmenschentum, das hauptamtliche wie das ehrenamtliche, betreibt die moralische Landnahme. Nichts gegen die Arbeit, die viele Verbände vor Ort leisten, trotzdem aber muss man Einspruch gegen die Art und Weise erheben, wie manche Leute, Helfer und Experten zugleich, die Romafrage moralisieren, ja geradezu inszenieren, um die Aufmerksamkeit der Politik zu erzwingen. Nur für die Roma oder auch für sich selbst?</p></blockquote>
<p>Welche NGOs moralisieren? Es fehlen Beispiele. Meint er Human Rights Watch (<a href="http://sibiuaner.de/2009/06/24/human-rights-watch-bericht-vergiftet-mit-blei/" target="_blank">Vergiftet mit Blei</a>)? Meint er Amnesty International (<a href="http://www.amnesty.de/jahresbericht/2009/rumaenien" target="_blank">Jahresbericht Rumänien 2009</a>)? Und die Studie zur rassistischen Diskriminierung in Europa stammt von den Papiertigern der Moralzentrale (<a href="http://sibiuaner.de/2009/04/28/vergessen-in-europa/" target="_blank">Vergessen in Europa</a>)? Und &#8220;Gutmenschen&#8221;, wie die vom Standard (<a href="http://derstandard.at/?url=/?id=1237229496348%26sap=2%26_pid=12601833" target="_blank">Slowakische Polizisten misshandelten Roma-Kinder</a>), von der Presse (<a href="http://diepresse.com/home/panorama/welt/472947/index.do?parentid=501058&#38;showMask=1" target="_blank">Rassistische Gewalt versetzt tschechische Roma in Angst</a>), von BBC (<a href="http://news.bbc.co.uk/2/hi/uk_news/northern_ireland/8116102.stm" target="_blank">&#8216;Lessons learned&#8217; on race attacks</a>) sowie Nikoleta Popkostadinowa (<a href="http://www.monde-diplomatique.de/pm/2008/03/14/a0036.text.name,askVAjmLL.n,3" target="_blank">Kein Mathe, kein Wasser in Stoliponowo</a>) oder Andrej Ivanji (<a href="http://www.taz.de/1/politik/europa/artikel/1/leben-zwischen-ratten-und-muell/" target="_blank">Leben zwischen Ratten und Müll</a>) sind es, die &#8220;die Romafrage&#8221; inszenieren?</p>
<p>Mir scheint, das Unkonkrete und die fehlenden Beispiele in Wagners Artikel haben System.</p>
<blockquote><p>Man ist offenbar bestrebt, das Roma-Thema zu einem gesamteuropäischen Problem umzudefinieren. </p></blockquote>
<p>Diese Aussage von Richard Wagner ist sogar ein bisschen lustig, denn wenn es kein europäisches Thema ist, dann nur ein tschechisches, slowakisches, britisches, polnisches, rumänisches, ungarisches, kosovarisches, bosnisches, italienisches, serbisches, bulgarisches, mazedonisches, &#8230; Aber kein europäisches.</p>
<blockquote><p>Wie immer in solchen Fällen, wenn die Moralpächter den Europäer in die Pflicht nehmen, wird kräftig zugelangt, Geschichtsklitterung inklusive. Oft genug erweist sich der im allgemeinen Getümmel ausgerufene Pflicht-Antirassismus als das, was er vor dem Hintergrund des politisch Korrekten längst geworden ist: eine Formel der moralischen Schutzgelderpressung.</p></blockquote>
<p>Das Thema ist Richard Wagner wohl ein Grund zu großem Ärgernis. Oder ist das eine Beschwerde und er sieht sich als Opfer? Warum nicht ohne Pflicht antirassistisch sein? Stören Wagner eher die Fakten oder eher diejenigen, die sie benennen?</p>
<blockquote><p>Wie man’s auch angeht, es bleibt die Wahrheit, dass das ungelöste rumänische Roma-Problem nicht in Berlin verwaltet werden kann, weil es in seinem Kern Teil der sozialen Lage in Rumänien ist. Man sollte für die Roma nicht weiter Gruppensonderrechte einklagen, statt dessen ihnen besser ihre individuellen Rechte und Pflichten klarmachen, und zwar jenseits der Frage, ob Bettelei und Kleinkriminalität als kulturelle Merkmale anzuerkennen sind oder nicht. Es gilt die Gleichstellung zu betonen, nicht den Sonderstatus.</p></blockquote>
<p>Der Hinweis darauf, dass Deutschland nicht für die Probleme anderer Länder zuständig ist, wird ja von vielen gern gegeben, warum nicht auch von Richard Wagner. Wo er gelesen hat, dass Bettelei und Kleinkriminalität kulturelle Merkmale sein könnten, sagt er auch nicht. Schade, das hätte mich jetzt wirklich sogar interessiert. Schön, wenn er die Gleichstellung der Roma von nun an mit betont. Während er eben noch meint, &#8220;man sollte ihnen &#8230; klarmachen&#8221;, wechselt er einen Absatz später, abschließend, seine Empfehlung:</p>
<blockquote><p>Im Übrigen muss man die Roma aus Berlin auch nicht abschieben, das Abschieben innerhalb der EU ist, bei fehlenden Grenzkontrollen, ohnehin zwecklos. Man erreicht damit nur eine Diskurs-Eskalation im Sinn der NGO’s. Die Roma werden so zu Abgeschobenen. Dabei würde es genügen, ihre Forderungen zu ignorieren. Sie gehen dann erfahrungsgemäß von selbst.</p></blockquote>
<p>Wagner kommt nun doch noch zu seinem ganz persönlichen Lösungsansatz und nennt zwei Methoden, dass diese Leute wieder gehen, mit anderen Worten: Möglichkeiten, sie loszuwerden. Weil Abschiebung zu viel Aufsehen erregt (und &#8220;ohnehin zwecklos&#8221; ist), empfiehlt Wagner &#8220;erfahrungsgemäß&#8221;: Ignoranz.</p>
<p>↘<br />
andere Artikel <a href="http://sibiuaner.de/tag/roma/">über Roma</a></p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Die Nomaden kommen]]></title>
<link>http://sibiuaner.de/2009/06/20/die-nomaden-kommen/</link>
<pubDate>Sat, 20 Jun 2009 17:56:07 +0000</pubDate>
<dc:creator>sibiuaner</dc:creator>
<guid>http://sibiuaner.de/2009/06/20/die-nomaden-kommen/</guid>
<description><![CDATA[Auf Spiegel Online berichtet Zacharias Zacharakis über Roma in Berlin. Sein Artikel mit dem Namen No]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p><strong>
<p style="background-color:ghostwhite;"><font color="#93919D">Auf Spiegel Online berichtet Zacharias Zacharakis über Roma in Berlin. Sein <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,628409,00.html" target="_blank">Artikel mit dem Namen Nomaden der Neuzeit</a> verbreitet keine Informationen, sondern Angst.</font></p>
<p></strong><br />
Der Titel-Begriff &#8220;Nomaden&#8221; ist beispielhaft für den Artikel. Roma, obwohl sie vorwiegend in Slum-ähnlichen Randbezirken, aber vor allem sesshaft, leben (<a href="http://sibiuaner.de/2009/04/28/vergessen-in-europa/" target="_blank">Vergessen in Europa</a>) lassen sich nach wie vor am besten in Bildern längst vergangener Zeiten verkaufen. Vielleicht ist es auch Unwissenheit und Zacharakis kennt die Lebensumstände der Roma Südosteuropas nicht, das ist aber unwahrscheinlich, denn eine kleine Internet-Recherche genügt, um das Nomaden-Bild als tief verwurzeltes Vorurteil zu erkennen (<a href="http://www.eurotopics.net/de/magazin/gesellschaft-verteilerseite/roma_in_europa_2007_09/feindbilder_mihok_widmann_roma/" target="_blank">Brigitte Mihok und Peter Widmann: Sinti und Roma als Feindbilder</a>). Die kritische Auseinandersetzung mit einem Problem wie Arbeitsmigration ist aber aufwändiger als der Griff nach dem Nomaden-Etikett.</p>
<p>Mit einschlägigem Vokabular auf Kosten Anderer klingen die Schlagzeilen eben auch flotter:</p>
<blockquote><p>Erst haben die Roma-Familien unter freiem Himmel in einem öffentlichen Park gehaust, dann besetzten sie eine Kirche in Kreuzberg &#8211; und Fachleute erwarten für die Zukunft eine wahre Einwanderungswelle.</p></blockquote>
<p>Die Bedeutungen des Verbs &#8220;hausen&#8221; können im <a href="http://de.wiktionary.org/wiki/hausen" target="_blank">Wictionary nachgelesen</a> werden, mit Verweisen auf mehrere Lexika.</p>
<p>Zacharakis dekoriert die lasche Faktenlage mit ein paar Klischeebildern, die am Begriff Roma so gut haften, wie die Sticker in einem Poesie-Album. Und seine angekündigten &#8220;Fachleute&#8221; sind in Wirklichkeit nur einer, wie sich später herausstellt.</p>
<p>Interessant ist der (einzige) Absatz, in dem Äußerungen derer auftauchen, von denen uns der Spiegel-Online-Artikel erzählen will:</p>
<blockquote><p>&#8220;Geht gut hier&#8221;, sagt die Frau. Auf die Frage, wie lange sie und ihre Angehörigen noch bleiben wollen, neigt sie den Kopf zur Seite, zuckt mit den Achseln. Warum sind sie nach Deutschland gekommen? Die Frau führt ihre Hand in schnellen Bewegungen zum Mund. Aus Hunger.</p></blockquote>
<p>Diese Menschen (Weil sie fremd aussehen oder gebrochenes Deutsch sprechen?) werden gefragt, wie lange sie noch hier bleiben wollen und warum sie hier sind. Ist das eine persönliche Frage des Autors oder stellt er sie für seine Leserschaft?</p>
<p>Ansonsten bleiben die Roma in dem Artikel ein aus sicherer Entfernung ausgewertetes Phänomen. Mutmaßungen und Fakten verschwimmen ineinander. Was die Roma eigentlich wollen, wünschen oder vorhaben, erfahren wir aus der Sicht der Nicht-Roma: </p>
<blockquote><p>&#8220;Sie würden gerne Leistungen vom Staat erhalten&#8221;</p></blockquote>
<p>Diese Zwischenüberschrift soll verdeutlichen, was &#8220;schnelle Bewegungen der Hand zum Mund&#8221;, von Zacharakis eingangs als &#8220;Hunger&#8221; interpretiert, eigentlich bedeutet. Da Sozialleistungsempfänger in Deutschland ohnehin kein hohes Ansehen haben, kann sich die Leserschaft nun zusammenreimen, warum diese Nomaden mit Wunsch nach Sozialleistungen nicht mit &#8220;Herzlich Willkommen&#8221; begrüßt werden, sondern mit &#8220;Wann geht ihr wieder?&#8221;.</p>
<p>Der reine Informationsgehalt des Artikels ist geprägt von Urteilen, Meinungen und Vermutungen, weil der Standpunkt der Gruppe, über die eigentlich berichtet wird, fehlt.</p>
<p>Außerdem werden wichtige Informationen in sehr eigener Weise dargestellt:</p>
<blockquote><p>[...] als EU-Bürger haben die Rumänen wenige Aussichten auf politisches Asyl. [...]  Nach dem Gesetz der Freizügigkeit in der EU dürfen sich die Rumänen als Touristen drei Monate in Deutschland aufhalten.</p></blockquote>
<p>Das sind beides zwar &#8220;wahre&#8221; Informationen, aber die erste ist inhaltlich erweitert und die zweite abgespeckt. In Deutschland haben alle Einwanderer, egal woher sie kommen, wenige Aussichten auf Asyl, da von den bearbeiteten Anträgen durchschnittlich <a href="http://www.proasyl.de/de/themen/basics/basiswissen/wer-erhaelt-asyl/?cHash=9886722110&#38;no_cache=1&#38;sword_list[0]=asylantr%C3%A4ge" target="_blank">nur in 5% der Fälle Asyl gewährt wird</a>. Gemessen an der Faktenlage müsste der erste Satz lauten: [...] Einwanderer haben in Deutschland wenige Aussichten auf politisches Asyl.<br />
Beim zweiten Punkt fehlt Wesentliches: Das Freizügigkeitsgesetz der EU regelt zwar unter anderem, dass man sich als Tourist in jedem EU-Land 90 Tage aufhalten darf. Aber das Freizügigkeitsgesetz regelt auch, dass EU-Bürger innerhalb der EU am Ort ihrer Wahl eine Arbeit und einen Wohnsitz aufnehmen dürfen &#8211; nur ist dieser Paragraph bis 2011 für Rumänen und Bulgaren ausgesetzt. Das heißt: das Freizügigkeitsgesetz gilt für die Rumänen nicht bezüglich Arbeitsplatz- und Wohnungssuche. Vollständig wäre die Information also: [...] Das Freizügigkeitsgesetz gilt für die Rumänen nur teilweise, wegen einer Übergangsregelung dürfen sie sich nur als Touristen in Deutschland aufhalten und die sofortige Aufnahme einer Arbeit und damit verbundene freie Wahl des Wohnortes ist ihnen (im Gegensatz zu anderen EU-Bürgern) bis 2011 verwehrt.</p>
<p>Wozu also betonen, die Leute hätten als EU-Bürger kaum Chancen auf Asyl, was sie auch als Sudanesen oder Kasachen kaum hätten? Warum nicht gleich dazuschreiben, dass diesen Leuten gesetzlich verwehrt bleibt, Arbeit aufzunehmen?</p>
<p>Zwei Absätze später kommt der rumänische Botschaftsbeamte Remus Mărăşescu ins Spiel:</p>
<blockquote><p>&#8220;Diese Menschen würden gerne in Deutschland arbeiten&#8221;, berichtet Marasescu. Er habe ihnen aber erst erklären müssen, dass dies aufgrund der noch bis 2011 eingeschränkten Freizügigkeit der Arbeitnehmer aus den osteuropäischen EU-Ländern sehr schwierig sei</p></blockquote>
<p>Darauf lässt Zacharakis unmittelbar die Worte von Anja Wollny (Berliner Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales) über die Roma folgen:</p>
<blockquote><p>&#8220;Sie würden sich gerne hier niederlassen und Leistungen vom Staat erhalten, eine Wohnung etwa.&#8221;</p></blockquote>
<p>Erscheint das nicht widersprüchlich? Wo ist die Stellungnahme der Roma? Und vor allem: Warum wählt Zacharakis die Aussage von Wollny zu den Sozialleistungs-Wünschen als Zwischenüberschrift, und nicht die von Mărăşescu? Ist eine Zwischenüberschirft wie &#8220;Die Roma würden gern in Deutschland arbeiten, geltendes EU-Recht verbietet das aber&#8221; nicht erwünscht, oder fehlten Zacharakis die Informationen?</p>
<p>Ohne die betreffenden Menschen selbst zu Wort kommen zu lassen vermittelt der Artikel den Eindruck, die Roma wollten nur auf Kosten Anderer leben.</p>
<p>Die eigentliche Bedrohung kommt aber noch:</p>
<blockquote><p>Ab 2011 eine Masseneinwanderung nach Deutschland</p></blockquote>
<p>Was hier (weil ohne Anführungszeichen) aussieht wie eine Wahrsagung des Autors ist eigentlich die Prognose der angekündigten Fachmänner und gleichzeitig die zweite Zwischenüberschrift in Zacharakis&#8217; Artikel. Da sich die Situation für Roma nicht nur in Rumänien verschlechtere, &#8220;prognostiziert&#8221; Tilman Zülch von der Gesellschaft für bedrohte Völker (also nur eine Person),</p>
<blockquote><p>dass es mit der vollen Freizügigkeit der neuen EU-Staaten nach 2011 &#8220;eine Masseneinwanderung nach Deutschland&#8221; geben werde.</p></blockquote>
<p>Das Schlagwort &#8220;Masseneinwanderung&#8221; ist beliebt, entsprach aber trotz seiner häufigen Verwendung nach 1989 mit Bezug auf Deutschland noch nie den Tatsachen. Solche unsinnigen Prognosen gab es speziell über Polen und allgemein über &#8220;Osteuropäer&#8221; seit den EU-Beitrittsverhandlungen. </p>
<p>Dass sich ein Journalist um die Bedürfnisse seiner Mitmenschen schert, mag man nicht erwarten, aber dass tatsächliche Fakten nur angedeutet und zugunsten bedrohlicher Mutmaßungen beiseite geschoben werden, ist fahrlässig.</p>
<p>Um das Ergebnis dieser journalistischen Konstruktion zuzuspitzen, kann man sich einfach mal die Überschrift und die zwei Zwischenüberschriften hintereinander auf der Zunge zergehen lassen: Nomaden der Neuzeit &#8211; &#8220;Sie würden gerne Leistungen vom Staat erhalten&#8221; &#8211; Ab 2011 eine Masseneinwanderung nach Deutschland. </p>
<p>Über die Roma verrät das nichts, dafür umso mehr über den Autor und seine Zielgruppe.</p>
<p>Zacharakis schließt mit dem Satz:</p>
<blockquote><p>Vielleicht sind die obdachlosen Roma von Berlin nur die Vorboten einer solchen Entwicklung.</p></blockquote>
<p>Mir bleibt zu sagen: Vielleicht ist der Zacharakis von Spiegel Online nur eine Ausnahme, und kein Vorbote einer allgemeinen Entwicklung des Journalismus.</p>
<p>↘<br />
andere Artikel <a href="http://sibiuaner.de/tag/roma/">über Roma</a></p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Abgetrennte Hoffnung]]></title>
<link>http://sibiuaner.de/2009/06/18/abgetrennte-hoffnung/</link>
<pubDate>Thu, 18 Jun 2009 17:44:19 +0000</pubDate>
<dc:creator>sibiuaner</dc:creator>
<guid>http://sibiuaner.de/2009/06/18/abgetrennte-hoffnung/</guid>
<description><![CDATA[Unliebsamer Realitäten entledigt man sich durch Ignoranz und Verdrängung. Auch wenn es um Menschen g]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p><strong>
<p style="background-color:ghostwhite;"><font color="#93919D">Unliebsamer Realitäten entledigt man sich durch Ignoranz und Verdrängung. Auch wenn es um Menschen geht, die unter der zynisch klingenden Überschrift &#8220;Hoffnung&#8221; in Isolation leben.</font></p>
<p></strong><br />
Roma im Fernsehen &#8211; das verspricht bunte Bilder musizierender und tanzender Menschen, die jenseits der Zivilisation in althergebrachter Weise ihre von außen schwer zugängliche Kultur leben. Aber ist das die Realität?</p>
<p>Der Dokumentarfilm <a href="http://www.lacitedesroms-lefilm.com/" target="_blank">Die Stadt der Roma von Frédéric Castaignède</a> widmet sich dem Alltag einiger Bewohner der bulgarischen Stadt Sliven. Das Viertel mit dem Namen &#8220;Hoffnung&#8221; ist vom Rest der Stadt durch die Eisenbahnlinie und eine Mauer abgetrennt. Viele der hier lebenden Menschen haben nicht Bulgarisch, sondern Romani als Muttersprache. Neben der Armut ist die Sprache die wesentliche Eigenschaft, die die Menschen im Bezirk &#8220;Hoffnung&#8221; miteinander gemeinsam haben. Und, dass sie hier unsichtbar für die anderen Bewohner von Sliven sind.</p>
<p>Der Film porträtiert einige Personen in ihrem Alltag. Obwohl diese Menschen mit alltäglicher Ausgrenzung konfrontiert sind, sind sie keine Opfer und werden auch nicht als solche dargestellt. Sie sind souveräne Akteure in ihren verschiedenen Lebenssituationen, die bewusst über ihr gesellschaftliches Randdasein reflektieren, dem sie entkommen wollen. </p>
<p>Die Arbeit des aus dem Viertel stammenden Schulbeauftragten hat Erfolg, die Kinder besuchen die Schule, auch wenn sie dort nicht Romani sprechen dürfen. Aber wegen ihrer Herkunft bleiben die Kinder gekennzeichnet, sie können nicht einfach &#8220;normale&#8221; Schüler sein. Keines der bulgarischen Kinder möchte neben einem &#8220;Zigeuner&#8221; sitzen. Kürzlich erst sei sogar ein bulgarischer Schüler, der sich neben eine &#8220;Zigeunerin&#8221; setzte, daraufhin selbst als Zigeuner beschimpft worden. Der Stellungskrieg zwischen den Identitätsgräben beginnt im Klassenraum der Grundschule. Nation oder &#8220;pfui&#8221;.</p>
<p>Der Film bleibt unsentimental, Hintergrundmusik gibt es nur sehr sparsam, eine kommentierende Stimme bleibt dem Zuschauer erspart. Die Bilder und vor allem die Menschen sprechen für sich. In frappierender Lächerlichkeit präsentieren sich die Sätze des Schuldirektors, die &#8220;Zigeuner&#8221; hätten ein leichteres, weil sorgloseres, von Musik geprägtes Leben, die &#8220;Psychologie ihres Volkes&#8221; sei bestimmt von Misstrauen, all das sei Teil einer genetischen Veranlagung. Diese Aussagen brauchen keinen Kommentar.</p>
<p>Die im Film umrissenen Probleme sind in ihrer großen und differenzierten Gesamtheit vorwiegend sozialer Natur. Die anderthalb Stunden geben einen Ausschnitt. Wer Romani spricht, outet sich als Teil einer unbeliebten Gruppe, die im bulgarischen Identitätskonzept nicht vorgesehen ist. Ein Mann habe sogar seinen langjährigen Job verloren, weil er sich irgendwann selbstbewusst als Rom bezeichnete. Seit die Kinder täglich ihr Viertel &#8220;Hoffnung&#8221; verlassen, um in die Schule zu gehen, meiden bulgarische Schüler die Schule zunehmend. Die bulgarischen Eltern befürchten Nachteile für ihre Kinder, oder sie wollen nicht, dass ihre Schützlinge neben &#8220;Zigeunern&#8221; sitzen. </p>
<p>Die schlammigen Straßen des Viertels werden zufällig zur Zeit der Filmaufnahmen (die gleichzeitig die Zeit des Kommunalwahlkampfes ist) geteert. Der Teil &#8220;Hoffnung&#8221; ist von der Stadt Sliven abgekoppelt. Die Isolation des Bezirks wird gleich am Filmanfang deutlich, an den Reaktionen zweier Lehrerinnen, die nicht aus dem Viertel sind. Für sie ist die kleine Exkursion ungewohnt, sie reagieren abgeneigt auf die Umgebung. Es ist unschwer erkennbar, dass die beiden nicht gern dort wohnen würden. </p>
<p>Von den Schülern wird erwartet, dass sie täglich ihr Viertel verlassen, um die Schule zu besuchen. Dafür benutzen sie die lange Unterführung unter der Mauer und den Gleisen entlang. &#8220;Und ab jetzt nur noch Bulgarisch sprechen!&#8221;</p>
<p>↘<br />
<a href="http://www.roma-service.at/dromablog/?p=2063" target="_blank">Filmrezension bei dROMa-Blog</a></p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Berliner Blickwinkel]]></title>
<link>http://sibiuaner.de/2009/06/03/berliner-blickwinkel/</link>
<pubDate>Wed, 03 Jun 2009 13:49:15 +0000</pubDate>
<dc:creator>sibiuaner</dc:creator>
<guid>http://sibiuaner.de/2009/06/03/berliner-blickwinkel/</guid>
<description><![CDATA[Zwei Möglichkeiten, über denselben Vorfall zu berichten, ließen sich in Berliner Printmedien (bzw. d]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p><strong>
<p style="background-color:ghostwhite;"><font color="#93919D">Zwei Möglichkeiten, über denselben Vorfall zu berichten, ließen sich in Berliner Printmedien (bzw. deren online-Ausgaben) finden. Der Unterschied der beiden Berichterstattungs-Varianten hatte nur eine Ursache: die Quelle</font></p>
<p></strong><br />
Im Tagesspiegel lautet die Überschrift: <a href="http://www.tagesspiegel.de/berlin/Polizei-Justiz-Koerperverletzung-Kreuzberg;art126,2813249" target="_blank">Schlägerei zwischen Autofensterputzern und BVG-Mitarbeitern</a>. Weiter heißt es:</p>
<blockquote><p>&#8230; Berlin &#8211;  Drei Autofensterputzer haben sich am Montag eine Schlägerei mit zwei Mitarbeitern des Sicherheitsdienstes der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) geliefert. Als Polizisten eingreifen wollten, wurde eine Beamtin bei einem Sturz leicht am Knie verletzt, wie die Polizei am Dienstag mitteilte. Bei der Auseinandersetzung an einer Bushaltestelle in Kreuzberg erlitt einer der BVG-Wachmänner eine Prellung an Nasen- sowie Jochbein und wurde zur ambulanten Behandlung in ein Krankenhaus eingeliefert. Sein Kollege wurde leicht verletzt. &#8230; </p></blockquote>
<p>Als Quelle nennt der Tagesspiegel die Polizeimitteilung sowie jz und ddp. </p>
<p>Die taz titelt: <a href="http://www.taz.de/regional/berlin/aktuell/artikel/1/bvg-pruegelt-sich-mit-roma/" target="_blank">BVG prügelt sich mit Roma</a> und weiß zu berichten: </p>
<blockquote><p> &#8230; Zwei Sicherheitsbeamten der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) wird vorgeworfen, eine Gruppe von Roma am Pfingstmontag angegriffen und verprügelt zu haben. Nach Aussage des Kreuzberger Sozialarbeiters Ercan Yasaroglu, der das Geschehen zufällig beobachtet hat, attackierten zwei BVG-Sicherheitsleute kurz nach 12 Uhr einen jungen Rom an einer Bushaltestelle am Kottbusser Tor. &#8220;Die Gruppe hatte am Kotti Autofensterscheiben geputzt. Sie wurde zunächst von BVG-Beamten rassistisch beleidigt und angeschrien, später auch angegriffen&#8221;, sagt Yasaroglu am Dienstag der taz. Die BVG-Männer seien zuvor aus dem U-Bahnhof gestürmt und auf die Roma losgegangen. Wahrscheinlich um die unliebsamen Fensterputzer von der Kreuzung am Kotti zu vertreiben, vermutet er. &#8230; </p></blockquote>
<p>Mit der Aussage eines Augenzeugen hat die taz gegenüber dem Tagesspiegel einen Vorteil &#8211; sie hat zwei Quellen für denselben Vorfall. So fiel der taz natürlich auch auf, dass der Augenzeugenbericht sich nicht mit dem Polizeibericht deckt:</p>
<blockquote><p>&#8230; Die Polizei ordnet den Vorfall dagegen völlig anders ein. In einer am Dienstag veröffentlichten Pressemitteilung heißt es, dass zwei Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes der BVG von einer Gruppe Autofensterputzern attackiert und verletzt worden seien. Nachdem die Polizei von einem Autofahrer alarmiert worden sei, weil dieser von den &#8220;Fensterputzern belästigt wurde&#8221;, soll sich die etwa zehnköpfige Roma-Gruppe an die Bushaltestelle in der Skalitzer Straße begeben haben. &#8220;Dort kam es zu einem Wortgefecht zwischen ihnen und zwei BVG-Beamten. Im weiteren Verlauf schlugen zwei Männer sowie eine 25-Jährige auf die beiden Wachleute ein&#8221;, so die Polizei. Dabei soll ein Sicherheitsbeamter leicht verletzt worden sein, der andere einen Nasenbeinbruch erlitten haben. &#8230;</p></blockquote>
<p>Dass sich die Polizeimeldung nicht mit dem Zeugenbericht deckt, kann dem Tagesspiegel ja nicht aufgefallen sein, da dessen Recherchen bei der Polizeimeldung endeten. Dabei ist es gerade interessant, dass die Perspektive der Polizei (und damit des Tagesspiegel) offenbar lückenhaft ist: </p>
<blockquote><p> &#8230; Yasaroglu selbst hat als Augenzeuge vor der Polizei ausgesagt, nichts davon finde sich in der Darstellung der Polizei, sagt der Sozialarbeiter. Auch nicht, dass die beiden angegriffenen Roma verletzt wurden. &#8230; (taz)</p></blockquote>
<p>Die taz hat aber, neben der Erweiterung der Darstellung auf auf eine zweite Perspektive, auch noch eine dritte Meinung eingeholt, die den Sachverhalt aus etwas Entfernung umso klarer auf den Punkt bringt: </p>
<blockquote><p> &#8230; &#8220;Die Polizei muss bei solchen hastigen, voreiligen Schuldzuweisungen vorsichtig sein. Das klären bei uns immer noch die Richter&#8221;, sagt Barbara Seid, Fraktionsmitglied der Linkspartei in der Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg. &#8230; (taz)</p></blockquote>
<p>Während der Berliner Tagesspiegel mit Bezugnahme auf Agentur- und Polizeimeldungen unter einer spannenden Überschrift nicht viel mehr als ein ausgeschmücktes Polizeiprotokoll bringt, wurde in der taz-Redaktion mindestens telefoniert, wenn nicht sogar das Haus verlassen, um mit dem Augenzeugen vor Ort zu sprechen. </p>
<p>Die zwei Berliner Blickwinkel zeigen: Die Welt ist komplex. Aber dafür ihre Darstellung nicht unbedingt &#8211; es kommt darauf an, was man seinen Lesern zumuten möchte. Und die Polizei wird von einigen Journalisten offenbar gern zur Hilfe genommen, wenn es um die Vereinfachung von Sachverhalten geht. Dementsprechend sehen dann auch die Leser-Kommentare unter dem Tagesspiegel-Artikel aus.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Europäische Arroganz]]></title>
<link>http://sibiuaner.de/2009/05/09/europaeische-arroganz/</link>
<pubDate>Fri, 08 May 2009 22:34:00 +0000</pubDate>
<dc:creator>sibiuaner</dc:creator>
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<description><![CDATA[Das zivilisierte Europa und die wilden Beitrittskandidaten &#8211; ein Bild von Alois Berger beim De]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p><strong>
<p style="background-color:ghostwhite;"><font color="#93919D"> Das zivilisierte Europa und die wilden Beitrittskandidaten &#8211; ein Bild von Alois Berger beim Deutschlandfunk</font></p>
<p></strong><br />
Um Aufmerksamkeit zu bekommen, kann man provozieren. Die Formen journalistischer Provokation mögen vielfältig sein, Alois Berger entschied sich bei seinem politischen Kommentar &#8220;In der Warteschleife&#8221; am 4.5.2009 bei Deutschlandfunk für eine bewährte Sportart: Stereotypenreiten. </p>
<blockquote><p>Albanien in der Europäischen Union, das ist so etwas wie die Vollendung des europäischen Alptraums.</p></blockquote>
<p>Dieser erste Satz verdeutlicht sofort: hier spricht jemand Klartext. Vielleicht ist ja das mitschwingende Bild, dass die EU bereits ohne Albanien ein (wenn auch unvollendeter) Alptraum ist, sogar beabsichtigt. Weiter geht&#8217;s mit Bosnien-Herzegowina, Serbien und Mazedonien, </p>
<blockquote><p>aber viel besser sieht es dort auch nicht aus. Der ganze Westbalkan ist im Grunde nicht in der Verfassung, dass man sich einen Beitritt wünschen könnte.</p></blockquote>
<p>Selbst wenn ich Herrn Berger zustimmen würde, fehlt mir in dem Kommentar die Begründung für seine persönliche Abneigung. Aber der Autor redet lieber nicht über sich selbst, sondern über andere:</p>
<blockquote><p>Die EU wird die Länder auf dem Balkan irgendwann aufnehmen müssen, um diese seit Jahrhunderten unruhige Region endlich zu stabilisieren.</p></blockquote>
<p>Dieses Bild hängt sicherlich mit dem &#8220;Alptraum&#8221; zusammen. Alois Berger sitzt fest im Sattel bei der Neu-Eroberung lange zerlatschter Territorien, wenn er das über 100 Jahre alte Bild des zivilisierten Europas, das den wilden Balkan zähmen muss, hervorkramt. Das Pulverfass. Wer sonst würde für Stabilität in der Welt sorgen, wenn nicht Menschen wie Alois Berger?</p>
<p>Demnach befände sich die EU in der Position eines Erziehungsberechtigten gegenüber den Nicht-EU-Ländern,</p>
<blockquote><p>dass es keine Kriege mehr in Europa gibt, keine ethnischen Säuberungen und keine Flüchtlingsströme. Dafür ist sie gegründet worden, dafür brauchen wir sie heute noch.</p></blockquote>
<p>Gerade mit Blick auf den Raum Ex-Jugoslawien hat die EU nicht mehr als ihre Unfähigkeit demonstriert. Sollte der Autor hier den Wunsch nach Stabilität und Demokratie-Export durch erzieherische Maßnahmen mit Luftangriffen und Stationierung von Militär implizieren, dann hätte er sich schon im 19. Jahrhundert für den Posten eines &#8220;europäischen&#8221; Außenministers bewerben können. </p>
<blockquote><p>Natürlich wäre es schöner, in einer kuscheligen EU mit lauter reichen Ländern zu leben, die wir aus dem letzten Urlaub in schönster Erinnerung haben. Aber so ist die Welt halt nicht. Geschichte kann man sich so wenig heraussuchen wie seine Nachbarn.</p></blockquote>
<p>Wen der Autor hier mit seinem vermeintlichen Realismus ernüchtern will, ist mir unklar. Was hat Berger sich denn &#8220;sonst&#8221; für ein Europa vorgestellt? Und wo macht er Urlaub? Wie grausam ist wohl ein Leben, in dem man sich seine Nachbarn nicht aussuchen kann? Hätte er lieber gar keine Nachbarn?</p>
<p>Aber als Schwarzmaler will Berger nicht gelten:</p>
<blockquote><p>Die Kosten sind beherrschbar. Der Beitritt Polens und selbst Rumäniens hat das EU-Budget nicht gesprengt, wie viele Wirtschaftsexperten vorausgesagt hatten. Deutschland zahlt heute ein Prozent des Bruttosozialproduktes nach Brüssel, genau so viel wie vor zehn Jahren auch.</p></blockquote>
<p>Und die aufgeblasene Antipathie? Doch nur journalistisches Mittel für möglichst viele nickende Radiozuhörerköpfe?</p>
<p>Zum Schluss deutet Berger noch vage Gründe für seine ablehnende Haltung an, indem er an Korruption und Organisiertes Verbrechen erinnert. Dieser Verweis wirkt wie die bekannte reflexartige Geste zur Ablenkung von eigenen Problemen. Aber das ist ja das Bequeme am Bild der &#8220;Anderen&#8221;, es dient als Müllkippe für das unreflektierte Bild des &#8220;Eigenen&#8221;, des &#8220;Ich&#8221;.</p>
<p>&#8220;Die Anderen&#8221; sind korrupt und wir nicht &#8211; wollen &#8220;die Anderen&#8221; mitmachen, so müssen sie unsere Regeln des fairen Miteinander akzeptieren. Es ist erstaunlich, dass diese plumpe Formel noch immer unkritisch in den Medien reproduziert wird. </p>
<blockquote><p>Dabei ist die Sache ganz einfach: Es reicht die Zusicherung, dass alle wirtschaftlichen und politischen Bedingungen für den Betritt erfüllt werden müssen &#8211; und zwar ohne Ausnahme. Das gibt den Ländern klare Vorgaben &#8211; und uns gibt es ausreichend Zeit, uns an den Gedanken zu gewöhnen, dass in Brüssel eines Tages auch albanische Minister mitreden.</p></blockquote>
<p>So einfach. Das Europa des Alois Berger.</p>
<p>↘<br />
Der Kommentar von Alois Berger kann nachgehört werden: als <a href="//www.dradio.de/aodflash/player.php?station=1&#38;broadcast=196846&#38;datum=20090504&#38;playtime=1241421536&#38;fileid=e66a2e24&#38;sendung=196846&#38;beitrag=959267&#38;/');" target="_blank">Stream</a> oder als <a href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2009/05/04/dlf_20090504_0918_e66a2e24.mp3" target="_blank">→mp3</a>. Der Text kann auch <a href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/europaheute/959267/" target="_blank">nachgelesen</a> werden.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Medien machen Moldau]]></title>
<link>http://sibiuaner.de/2009/04/26/medien-machen-moldau/</link>
<pubDate>Sun, 26 Apr 2009 20:01:55 +0000</pubDate>
<dc:creator>sibiuaner</dc:creator>
<guid>http://sibiuaner.de/2009/04/26/medien-machen-moldau/</guid>
<description><![CDATA[Was Spiegel Online zu unserem Bild von einem Land (und von dem der Roma) beiträgt Über &#8220;ferne ]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p><strong>
<p style="background-color:ghostwhite;"><font color="#93919D">Was Spiegel Online zu unserem Bild von einem Land (und von dem der Roma) beiträgt</font></p>
<p></strong><br />
Über &#8220;ferne Länder&#8221; kann man sich oft nur indirekt informieren. Ein Mitteleuropäer, der nicht selbst an einen Ort reist oder mindestens Menschen von dort kennt, wird über diesen vornehmlich aus den Medien informiert. So entsteht ein Bild im Kopf der Zielgruppe von Medien, das schnell mit der Realität verwechselt wird, obwohl es zunächst nicht mehr als das Bild der vermittelnden Journalisten ist. Da diese Bilder nicht die Realität sind, müssen sie kritisch durchleuchtet werden.</p>
<p>Was für &#8220;ferne Länder&#8221; gilt, ist auch für europäische Länder zutreffend, die einzig mit Schlagworten wie Korruption, Kriminalität und Krieg hier und da für Aufsehen in der deutschen Presse sorgen. Eine mediale Instanz ist wohl der Spiegel, der als eines unter sehr wenigen &#8220;Meinungsbildern&#8221; hin und wieder über die Republik Moldau informiert. Während in vielen Zeitungen Randnotizen über die Ereignisse nach den umstrittenen Wahlen gelesen werden konnten, versucht Uwe Klußmann in seinem Spiegel-Online-Artikel <a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,619586,00.html" target="_blank">Europas Armenhaus wird zwischen Ost und West zerrieben</a> vom 19.4. Hintergrundinformationen zu liefern &#8211; auf eigene Weise.</p>
<p>Sein Artikel vermittelt einmal mehr den Eindruck, die meisten Einwohner der Moldau wünschten einen sofortigen &#8220;Anschluss&#8221; an Rumänien. Dass ausgerechnet dieses Bild von Vladimir Voronin, dem kommunistischen Präsidenten und Sieger des angefochtenen Wahlergebnisses, persönlich mit aufgebaut wurde, das schreibt Klußmann nicht. Dabei wurde längst enttarnt, dass es eigens vom Staat zu Show-Zwecken eingesetzte Provokateure waren, die nach Vereinigung riefen und rumänische sowie EU-Flaggen schwenkten (siehe <a href="http://sibiuaner.de/2009/04/13/weiter-unklarheit-in-chisinau/" target="_blank">Weiter Unklarheit in Chişinău</a>). Es ist gar nicht sicher, dass die demonstrierende Masse viel mehr wollte, als einfach nur über die schmutzigen Wahltricks der Regierungspartei aufgeklärt zu werden und faire Neuwahlen zu fordern. Das Bild der staatsgefährdenden Großrumänien-Anhänger entstand im Interesse Voronins, der seine autoritären Gebärden so angesichts eines vermeintlichen rumänisch gesponserten Putsches rechtfertigen konnte. Dass nun das Bild der Vereinigungs-Provokationen sogar bei Spiegel Online auftaucht, bedeutet sicher einen medialen Erfolg für Voronin. </p>
<p>Die zurecht kritisierte Korruption der Regierenden in Moldova ruft bei Klußmann weitere Bildhaftigkeit auf den Plan. Feuilletonistische Ausdrucksweisen wie der &#8220;brummelige Bonze&#8221; mögen zum Schmunzeln anregen, wobei generell interessant ist, ob solche etwas herabschauenden Formulierungen in der deutschen Pressesprache auf Berichte über bestimmte geografische Räume reduziert sind. Schwieriger wird es dann schon mit dem Begriff &#8220;Clan&#8221; und  dem &#8220;Zigeunerbaron&#8221;, an den sich Klußmann von Voronin erinnert fühlt. Wird hier an die beim Leser vorausgesetzten rassistischen Vorurteile appelliert?</p>
<p>Warum sonst werden hier die &#8220;Zigeuner&#8221; erwähnt? Und welches Bild sollen diese genau implizieren? &#8220;Machenschaften&#8221;? &#8220;Unzivilisiertheit&#8221;? &#8220;Die Wilden da unten&#8221;? Genügt es nicht, neben dem &#8220;brummeligen Bonzen&#8221; darauf hinzuweisen, dass dieser und auch sein Kabinett korrupt sind? Offenbar nicht, also hält &#8220;der Zigeuner&#8221; her. Der &#8220;Zigeunerbaron&#8221; wohlgemerkt. In einem etablierten deutschen Medium wird im 21. Jahrhundert ein ethnisches Attribut verwendet, um eine verwerfliche Eigenschaft zu beschreiben. Bei anderen ethnischen Gruppen wäre dies tabu, die &#8220;Zigeuner&#8221; hingegen sind wohl noch uneingeschränkt zur Negativ-Bebilderung &#8220;nutzbar&#8221;.</p>
<p>Dass dann von &#8220;cleveren KP-Ideologen&#8221; mit ihrer &#8220;Taschenspieler-Art&#8221; die Rede ist, gehört ins selbe Bild. Das Bild von der Republik Moldau. Ein Bild.</p>
<p>↘<br />
andere Artikel <a href="http://sibiuaner.de/tag/republik-moldau/">über Republik Moldau</a></p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Werbung in der Krise - Eine Branche im Wandel]]></title>
<link>http://nokturnaltimes.wordpress.com/2009/04/10/werbung-in-der-krise-eine-branche-im-wandel/</link>
<pubDate>Fri, 10 Apr 2009 15:57:06 +0000</pubDate>
<dc:creator>Jazariel</dc:creator>
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<description><![CDATA[]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p><span style='text-align:center; display: block;'><object width='425' height='350'><param name='movie' value='http://www.youtube.com/v/Oy5AfnE8wXc&#038;rel=1&#038;fs=1&#038;showsearch=0&#038;hd=0' /><param name='allowfullscreen' value='true' /><param name='wmode' value='transparent' /><embed src='http://www.youtube.com/v/Oy5AfnE8wXc&#038;rel=1&#038;fs=1&#038;showsearch=0&#038;hd=0' type='application/x-shockwave-flash' allowfullscreen='true' width='425' height='350' wmode='transparent'></embed></object></span></p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Die NATO in den Medien]]></title>
<link>http://sibiuaner.de/2009/04/03/die-nato-in-den-medien/</link>
<pubDate>Fri, 03 Apr 2009 15:29:05 +0000</pubDate>
<dc:creator>sibiuaner</dc:creator>
<guid>http://sibiuaner.de/2009/04/03/die-nato-in-den-medien/</guid>
<description><![CDATA[Eine &#8220;Doku&#8221;, eine neue, und zwar eine NATO-treue Pünktlich, noch vor dem Gipfel, erfolgt]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p><strong>
<p style="background-color:ghostwhite;"><font color="#93919D">Eine &#8220;Doku&#8221;, eine neue, und zwar eine NATO-treue</font></p>
<p></strong><br />
Pünktlich, noch vor dem Gipfel, erfolgte in der Nacht zum 2. April die Erstausstrahlung der Dokumentation &#8220;Bündnis ohne Kompass &#8211; Wohin steuert die NATO?&#8221; von Kai Niklasch. Der Film ist das 45-minütige unkritische Portrait des Militärbündnisses aus der Perspektive seiner Anhänger und Befürworter. </p>
<p>Nach einer Einleitung mit Bildern von den einstürzenden Twin-Towers folgen die ersten Talking Heads, unter denen auch Frau Clinton ist. Sie weist darauf hin, dass die USA und Europa heute vor denselben Bedrohungen stehen. Anschließend wird mit einem kommentierten Bilderrückblick erläutert, dass das Bündnis nach dem II. Weltkrieg der Verteidigung von Norwegen bis zur Türkei diente. Nur nebenbei wird erwähnt, dass die Anfrage auf Aufnahme der Sowjetunion 1954 abgelehnt wurde, während die BRD 1955 dem Bündnis beitrat. So wurde die Gründung des Warschauer Pakts provoziert. Ob ein Charakteristikum der NATO in der klaren Strategie der Konfrontation liegen könnte, wird nicht gefragt, obwohl diese Frage sich mit den dargestellten Fakten aufdrängt. Stattdessen werden historische Bilder gezeigt, zu denen abwechselnd Jamie Shea, Angela Merkel und Egon Bahr ihre Erinnerungen an die NATO reflektieren, die stets mit Frieden und Sicherheit verbunden sind. Kritik gibt es nicht.</p>
<p>Mit Frankreichs neuer Entschlossenheit nach mehr Einfluss in der bisher US-dominierten NATO wird auf die Gegenwart geschwenkt. Jürgen Todenhöfer ist der erste Kriegskritiker, der zu Wort kommt. Er erinnert daran, dass die Bilder der von NATO-Bomben in Afghanistan getöteten Frauen und Kinder Hass unter Muslimen auslösen können. Zu sehen sind solche Bilder nicht. Stattdessen wird dem Zuschauer vom Kommentator mitgeteilt, dass eine Strategie zum &#8220;Kampf um die Herzen&#8221; fehlte &#8211; ohne Frage nach einem Warum und ohne Hinterfragung von militärischen Einsätzen. Bilder folgen dann wieder reichlich, allerdings sehen wir einen verletzten deutschen Soldaten in Afghanistan, der in einem Interview rückblickend die erlebte Autobomben-Explosion beschreibt. Die Verletzbarkeit der NATO wird durch den verwundeten Soldaten gezeigt, die Opfer der NATO nicht.</p>
<p>Dabei sei der Auftrag der Bundeswehr in Afghanistan eigentlich unklar, wird kurz erwähnt, während die eingeblendeten Bilder von den Gefahren (für die Deutschen) an der Front erzählen. Volker Rühe nennt es in entrüsteter Weise ein Versagen, dass die deutsche Regierung bis heute so tue, als sei die Bundeswehr in &#8220;bewaffneter Entwicklungshilfe&#8221;, statt endlich vom &#8220;militärischen Kampf&#8221; zu reden.</p>
<p>Die Botschaft des Films ergibt sich aus der Blickrichtung der vielen erzählenden NATO-Akteure, die ohne gegensätzliche Positionen durch den Film führen. Es mutet noch immer bizarr an, wenn Joschka Fischer erzählt, dass er im Gespräch mit Milošević keinen ernsthaften Friedenswillen hat erkennen können, um dann einmal mehr die Bomben auf Serbien zu rechtfertigen. In der erhaben-staatsmännischen Manier wirken seine erzieherischen Worte bedrohlich. Er ist in dem Moment die personifizierte NATO, ohne Selbstkritik und Zweifel. Niemand widerspricht.</p>
<p>Kritische Töne sind bei den Repräsentanten der NATO sicher nicht zu erwarten, aber warum tauchen in dem Film generell keine NATO-kritischen Fragen auf? Die Kontroversen um den Kosovo-Einsatz werden mit ein paar Worten vom Kommentator abgehakt:</p>
<blockquote><p>Der damalige Vorwurf an die NATO: Sie habe ihre Moral über das geltende Recht gestellt und Streubomben eingesetzt &#8211; Es sei nicht nur um Moral gegangen, sondern auch um Sicherheit; so ein Gegenargument.</span></p></blockquote>
<p>Der Film unterschlägt wichtige Tatsachen über die militärischen Angriffe der NATO-Länder gegen Serbien, die vor allem im Hinblick auf den Filmtitel zur Vollständigkeit eines Portraits der NATO gehören:</p>
<ul>
<li>Verheerende Fehler in der Kriegsführung, wie die Bombardierung eines Flüchtlingskonvois (Meldungen bei <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/1999/0415/none/0044/index.html" target="_blank">Berliner Zeitung</a> und <a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,18406,00.html" target="_blank">Spiegel</a>),</li>
<li>die von Amnesty International als <a href="http://www.amnesty.de/umleitung/2000/deu05/259" target="_blank">&#8220;Kriegsverbrechen der NATO&#8221;</a> bezeichneten Verstöße gegen das Völkerrecht (insbesondere Luftangriffe gegen zivile Einrichtungen, Verwendung verbotener Munition),</li>
<li>die Erfindung des &#8220;Hufeisenplans&#8221;, die der bis 1999 als Bundeswehrgeneral und  OSZE-Berater tätige <a href="http://www.perlentaucher.de/autoren/409/Heinz_Loquai.html" target="_blank">Heinz Loquai</a> neben anderen taktischen Lügen enttarnte (auch die <a href="http://www.taz.de/index.php?id=archivseite&#38;dig=2001/04/06/a0131" target="_blank">taz berichtete</a>)</li>
<li>und die Manipulation von Information zur Rechtfertigung der Angriffe im Vorfeld des Krieges (in der Dokumentation &#8220;Es begann mit einer Lüge&#8221; befassten sich Jo Angerer und Mathias Werth 2001 damit, zu finden als <a href="http://video.google.de/videoplay?docid=-5884882720546967347" target="_blank">Video-Stream</a> und als <a href="http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/themen/NATO-Krieg/ard-sendung.html" target="_blank">Manuskript</a> und auch die österreichische Tageszeitung der Standard weiß in kritischer Weise an die Bombardements zu <a href="http://derstandard.at/?url=/?id=1237228148473%26sap=2%26_pid=12453631" target="_blank">erinnern</a>).</li>
</ul>
<p>Diese kritischen Punkte fehlen gänzlich in dem Bild, das Kai Niklasch in seiner Dokumentation von der NATO zeichnet. Einzig von &#8220;Friedensbewegten&#8221; ist in dem Film die Rede, die in ihrer Mitgliederzahl nicht an die Antikriegsbewegung der 70er Jahre heranreiche &#8211; was vielleicht das Fehlen ihrer Perspektive in dem Film erklärt. &#8220;Ihr Protest richtet sich gegen die NATO als Relikt des Kalten Krieges&#8221;, hört man den Kommentator ohne weitere zusammenhängende Erläuterung sagen. Eine Aktivistin berichtet, dass sie Gegenmacht &#8220;von unten&#8221; aufbauen wolle, aber Argumente der <a href="http://www.friedenskooperative.de/" target="_blank">Friedensinitiative</a> fehlen im Film. Die Darstellung der Friedensbewegung erfolgt als inhaltsleeres Phänomen, das thematisch ohne Einordnung bleibt:</p>
<blockquote><p>Sich Aufmerksamkeit verschaffen, wenn auch nur mit ganz einfachen Mitteln, das ist, was sie umtreibt. [...] Jedes Ziel sei ein zu Hause, steht auf ihren Papphüten, jede Bombe also eine Bombe zu viel. Sie kämpfen für eine friedliche Welt, fürchten Atomwaffen, wollen deren Abschaffung und die NATO ist für sie kein Verteidigungsbündnis.</span></p></blockquote>
<p>Die Bilder dazu zeigen ungefährlich aussehende Menschen und Kinder, nachdem auch Polizisten zu sehen waren, die gewaltvoll gegen friedliche Demonstranten vorgingen. Der kommentierte Kontext: Es sind nur wenige, sie sind friedlich.</p>
<p>Der Film präsentiert die NATO als ein historisch gewachsenes, unumstößliches Phänomen, das dem Zuschauer mit großen historischen Bildern (Reden von Präsidenten, Kanzlern, wichtige Konferenzen, Checkpoint Charlie, Mauerfall, 11.9.) als Teil seiner Realität und Identität verbildlicht wird. Die Frage, was die NATO eigentlich für eine Funktion hat, wird nicht nur nicht beantwortet, sondern auch gar nicht ehrlich behandelt. Die Friedensbewegung bekommt die Rolle einer vernachlässigbaren Begleiterscheinung und Kritiker der NATO kommen gar nicht zu Wort &#8211; so verzichtet der Film auf Gegenargumente, was zu einer völlig einseitigen Darstellung des Militärbündnisses führt und mit den ausgewählten Talking Heads an eine reine Selbstdarstellung der NATO grenzt.</p>
<p>Dass der Film sämtliche Schwächen und Fehler der NATO, insbesondere die vier o.g. Punkte, völlig verschweigt, deutet darauf hin, dass die ernste Auseinandersetzung mit dem Phänomen NATO zugunsten eines Portraits in positivem Licht vernachlässigt wurde. Zum Filmschluss heißt es: &#8220;Nur mit einer klaren Richtung erlebt das Bündnis eine erfolgreiche Fortsetzungsgeschichte.&#8221; Und mit journalistischen Geburtstagsgeschenken, wie dem von Kai Niklasch.</p>
<p>↘<br />
&#8220;Bündnis ohne Kompass &#8211; Wohin steuert die NATO?&#8221; als Stream vom ZDF: für Bandbreiten <a href="http://wstreaming.zdf.de/zdf/veryhigh/090401_nato_dok.asx" target="_blank">2000+</a>, <a href="http://wstreaming.zdf.de/zdf/300/090401_nato_dok.asx" target="_blank">1000</a> und <a href="http://wstreaming.zdf.de/zdf/56/090401_nato_dok.asx" target="_blank">Modem</a> -  wenn nicht mit BrowserPlugIn zu öffnen, dann Link (mit Rechtsklick) kopieren, anschließend bei geöffnetem VLC, Winamp oder Mediaplayer über URL öffnen ansehen (kopierten Link mit STRG+V ins öffnen-Feld einfügen)</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Rumäniens brüchiges Image]]></title>
<link>http://sibiuaner.de/2009/03/30/rumaeniens-bruechiges-image/</link>
<pubDate>Mon, 30 Mar 2009 11:18:38 +0000</pubDate>
<dc:creator>sibiuaner</dc:creator>
<guid>http://sibiuaner.de/2009/03/30/rumaeniens-bruechiges-image/</guid>
<description><![CDATA[Von landläufigen Ansichten Der insbesondere in Italien durch sensationsorientierte Medienberichterst]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p><strong>
<p style="background-color:ghostwhite;"><font color="#93919D">Von landläufigen Ansichten</font></p>
<p></strong><br />
<img class="aligncenter size-full wp-image-507" title="ro-image" src="http://sibiuaner.wordpress.com/files/2009/03/ro-image.jpg" width="550" /></p>
<p>Der insbesondere in Italien durch sensationsorientierte Medienberichterstattung entstandene Image-Schaden Rumäniens braucht Schuldige: Den &#8220;Zigeunern&#8221; wird vorgeworfen, den Ruf des Landes zu schänden. Auch in der deutschen Presse ist nun von der Kampagne zu lesen (<a href="http://www.taz.de/1/politik/europa/artikel/1/%5Czigeuner%5C-statt-%5Croma%5C/" target="_blank">William Totok: &#8220;Zigeuner&#8221; statt &#8220;Roma&#8221;</a>), die eine komplette Streichung der Bezeichnung Roma zugunsten des auch in Rumänien negativ konnotierten Begriffs &#8220;Zigeuner&#8221; fordert.</p>
<p>Per Mail kursiert die Aufforderung, die Online-Petition der Kampagne zu unterzeichnen. In der Mail findet sich auch ein Begründungstext in rumänischer Sprache (<a href="http://sibiuaner.files.wordpress.com/2009/03/romi-tigani.pdf">hier</a> als pdf). Unter anderem heißt es dort:</p>
<blockquote><p>Wenn der italienische Bürger beispielsweise einen Artikel liest, in dem die Termini &#8220;Rumäne&#8221; und &#8220;Rom&#8221; abwechselnd auftauchen, ist klar, dass das in eine Verwechslung mündet, die nach und nach zur mentalen Überlagerung der beiden Bezeichnungen führt. Wenn sich diese Überlagerung einmal festgesetzt hat, funktioniert sie auch in umgekehrter Richtung; daher hören wir in den Stadions die Fans einer gegnerischen Mannschaft rufen &#8220;Zigeuner, Zigeuner&#8221;, womit sie sich auf die Rumänen beziehen.</p></blockquote>
<p>Auffällig oft wird in dem Text die italienische Orthographie verwendet &#8211; wobei mir nicht klar ist, ob dies eine absichtliche Andeutung sein soll oder vielleicht ein unbeabsichtigter Hinweis auf die Muttersprache des unbekannten Verfassers ist. Allemal wird hier fleißig um den Ruf der &#8220;rumänischen Nation&#8221; gefürchtet &#8211; auf den weiteren fünf Seiten der unerträglichen Hetzschrift werden die &#8220;ethnischen Eigenheiten&#8221; der Roma beleuchtet, die zur Begründung ihres &#8220;nicht-europäischen&#8221; Wesens führen. Die Ansicht, dass &#8220;Zigeuner eine Plage für das Land&#8221; seien, ist in Rumänien weit verbreitet und wird auch von nahezu allen nachdenkenden Menschen geteilt, die sich selbst als fortschrittlich und europäisch bezeichnen. Für alle Probleme wird reflexartig &#8220;der Zigeuner&#8221; als Schuldiger angeführt.</p>
<p>Auch in der Revista 22 (Ausgabe 12/993) wird die Image-Krise Rumäniens thematisiert &#8211; und das ohne eine einzige rassistische &#8220;Zigeuner&#8221;-Darstellung. Der Artikel &#8220;Was hat Abtreibung mit gewalttätigen Rumänen zu tun?&#8221; von Lucetta Scaraffia in der Il Reformista wurde aus dem Italienischen ins Rumänische übersetzt (<a href="http://www.revista22.ro/ce-are-de-a-face-avortul-cu-romanii-violenti-5770.html" target="_blank">hier</a> online), um den rumänischen LeserInnen das Bild eines dunklen, bedrohlichen Märchenlandes zu präsentieren, das in der italienischen Presse gezeichnet wird. Dabei fehlen im Bild von Signora Scaraffia die &#8220;Zigeuner&#8221; oder Roma komplett (nanu, wir dachten, die sind am Schmutzbild Rumäniens Schuld?). Für sie sind einfach die Rumänen (ja) alle potentielle Kriminelle, denn sie stellt einfach die These auf, dass das Abtreibungsverbot vor 1989 eine Menge vermeidbarer Rumänen hervorbrachte, die heute ohne Perspektive ihr Land verlassen müssten. Dieses gedankliche Fabrikat untermalt sie mit Beschreibungen einer Reise durch das Land, dem es an Hoffnung, Blumen und frischem Brot fehle (nochmal ja). Für sie ist es kein Wunder, dass die Rumänen, denen unter Ceauşescu die Seele ausgelöscht wurde, heute aus diesem Land emigrieren. Am Ende des Artikels empfiehlt Lucetta Scaraffia ihren Lesern tatsächlich eine Reise nach Rumänien, um sich von den trostlosen Zuständen dort zu überzeugen.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-507" title="imagine-22" src="http://sibiuaner.wordpress.com/files/2009/03/imagine-22.jpg" alt="imagine-22" width="550" height="182" /></p>
<p>Die Revista 22 hat daneben den offenen Brief (&#8220;Ein unanständiger Artikel&#8221;, <a href="http://www.revista22.ro/un-articol-indecent-5771.html" target="_blank">hier</a> auf Rum.) eines Italieners an den Chef der Il Reformista abgedruckt. Der Rumänischprofessor Giovanni Casadio zeigt sich in dem sehr ausführlichen Text entsetzt über die mentale Exkursion von Lucetta Scaraffia, und besonders darüber, dass andere Menschen daran teilhaben müssen.</p>
<p>Wohlgemerkt spielt sich dieser ganze Zirkus nicht an irgendeinem weit entfernten Ort oder bei heimlichen Treffen einer rechtspopulistischen Gruppe ab &#8211; nein, wir befinden uns in Europa. Und das bedeutet, dass man eine Gesetzesinitiative im Geiste des 19. Jh. zur Umbenennung einer ethnischen Gruppe startet, weil diese sonst dem nationalen Ansehen schade &#8211; und das bedeutet auch, dass in der Presse über einen EU-Mitgliedsstaat geschrieben wird, als handele es sich um ein gerade entdecktes, von Wilden bewohntes Territorium.</p>
<p>Rumäniens Image leidet gewaltig unter dem in Italien von der Presse verbreiteten Schwachsinn, aber offenbar ist auch dort eine Diskussion möglich. Den größten Schaden würde sich aber der rumänische Staat selbst zufügen, wenn er auch nur ansatzweise auf die populistische und rassistische Forderung einginge, die Roma per Gesetz nur noch &#8220;Zigeuner&#8221; zu nennen. Denn in Ländern jenseits von Italien bröckelt das rumänische Image oft genug wegen rassistischer Gebärden gegenüber den Roma. Damit könnte Schluss sein.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Roma sein und Zeitung lesen]]></title>
<link>http://sibiuaner.de/2009/02/12/roma-sein-und-zeitung-lesen/</link>
<pubDate>Thu, 12 Feb 2009 20:33:06 +0000</pubDate>
<dc:creator>sibiuaner</dc:creator>
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<description><![CDATA[Zur Ethnisierung von Kriminalität in der Pressesprache Der rumänische Handballspieler Marian Cozma w]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p><strong>
<p style="background-color:ghostwhite;"><font color="#93919D">Zur Ethnisierung von Kriminalität in der Pressesprache</font></p>
<p></strong><br />
Der rumänische Handballspieler Marian Cozma wurde in der ungarischen Stadt Veszprém in der Nacht zum 8.2. in einer Diskothek ermordet. Im World Wide Web bieten verschiedene Autoren ihre Ideen zum Tathergang und den Motiven an. Den kleinsten gemeinsamen Nenner haben aber fast alle Meldungen in der expliziten Feststellung, dass es sich bei den Tätern um Personen &#8220;der Ethnie Roma&#8221; gehandelt habe. Auf der rumänischen Online-Nachrichtenseite hotnews.ro wird am Morgen nach dem Vorfall in einer <a href="http://sport.hotnews.ro/stiri-teamball-5398114-handbalistul-marian-cozma-fost-ucis-intr-discoteca-din-ungaria-grup-localnici.htm" target="_blank">Meldung</a> ein Zitat übernommen, in dem von &#8220;einer Gruppe Zigeunern&#8221; oder auch &#8220;einigen Zigeunern mit Pistolen&#8221; die Rede ist. Ein Zusammenhang zwischen dieser Bezeichnung der Täter und dem eigentlichen Artikel-Thema ist nicht erkennbar. Der Artikel liefert keine Hintergrundinformationen zu dem Mord, stattdessen werden die Täter ethnisch kategorisiert. Es entsteht der Eindruck, die Einordnung der Täter als Roma würde die Fragen nach den Hintergründen der Tat beantworten.</p>
<p>Das gleiche rumänische Nachrichtenportal Hotnews.ro <a href="http://www.hotnews.ro/stiri-international-5410505-sociolog-maghiar-atitudinea-anti-tiganeasca-maghiarilor-ameninta-razboi-civil.htm" target="_blank">beschäftigte sich</a> gestern, am 11.2., mit den Äußerungen eines ungarischen Soziologen, der auf den &#8220;anti-zigeunerischen&#8221; Rassismus der Ungarn hinweist. Die Ressentiments der ungarischen Mehrheitsbevölkerung gegenüber den Roma würden bereits das Niveau bürgerkriegsähnlicher Zustände erreichen. Der Mord an Cozma dürfte auf keinen Fall zu &#8220;verallgemeinernden Schlussfolgerungen&#8221; gegenüber den Roma führen, ist in dem rumänischen Artikel zu lesen, als es um den ungarischen Rassismus gegenüber Roma geht.</p>
<p>Ebenso am gestrigen Mittwoch <a href="http://www.sueddeutsche.de/851387/314/2753073/Stich-ins-Herz.html" target="_blank">berichtete</a> die Süddeutsche Zeitung von dem Mord. Hier heißt es: &#8220;Ihren rassistischen Kontext bekommt die Tat dadurch, dass solche Messerattacken tatsächlich als typische Racheakte von Roma-Banden gelten.&#8221; Was genau daran nun Roma-typisch sein soll, einen Mann zu erstechen, wird nicht geschrieben. Und wer überhaupt diese Behauptung in den Raum gestellt hat, diese Tat sei Roma-typisch, bleibt auch unklar &#8211; stattdessen wird das Bild der messerstechenden Roma einfach weiterverbreitet. Zumal es ein paar Zeilen weiter heißt, es sei &#8220;ungeklärt, ob die Täter Roma waren&#8221;. Der Artikel trägt den Namen &#8220;Stich ins Herz&#8221;. Und eine Unterüberschrift: &#8220;Ungarn und Rumänien streiten nach dem Mord an einem Handballprofi&#8221;. Aber von dem Streit ist im Text nirgends die Rede. Stattdessen heißt es, die Rumänen seien &#8220;gerührt über das Mitleid der Mehrheit der Magyaren mit ihrem Handball-Legionär&#8221; &#8211; die Trauer um Cozma lässt demnach Ungarn und Rumänen einander näherkommen. Der reine Informationsgehalt dieses Zeitungsartikels ist mager und verwirrend zugleich. In Ungarn wie in Rumänien wird die Stimmung gegenüber Roma vermutlich angespannt sein, begünstigt durch die jeweils einheimische Berichterstattung. Die Süddeutsche Zeitung leistet ihren Beitrag für die deutschsprachige Leserschaft.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[kaffeeSATZ #40]]></title>
<link>http://jukreiz.wordpress.com/2008/10/03/kaffeesatz-40/</link>
<pubDate>Fri, 03 Oct 2008 12:38:36 +0000</pubDate>
<dc:creator>michaelthurm</dc:creator>
<guid>http://jukreiz.wordpress.com/2008/10/03/kaffeesatz-40/</guid>
<description><![CDATA[Eine knappe Woche nach der Ö-Wahl stellen wir euch den relaunchten Podcast über die Nachrichtenmagaz]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Eine knappe Woche nach der Ö-Wahl stellen wir euch den relaunchten Podcast über die Nachrichtenmagazine SPIEGEL und profil vor.</p>
<p>An der Idee hat sich nicht viel geändert &#8211; Alles ist besser, soviel ist klar.</p>
<p>Zu Beginn erklären wir euch die Neuerungen, dann geht es natürlich um das Titelbild des profil.</p>
<p>Und, Nein, wir sind nicht der <a href="http://www.helge.at/2008/10/sieg-heil-am-cover-vorlaeufiger-tiefpunkt-des-nachrichtenmagazins-profil/">Meinung von Helge Fahrnberger</a>.</p>
<p>Der Piefke muss dann leider Feststellen, dass der Spiegel zwar ambitioniert, aber erfolglos an die Wirtschaftskrise heran geht. Außerdem wundert er sich, dass dem Flop der Woche mehr als doppelt soviel Platz gegeben wird, wie dem Essay von Thomas Darnstädt.</p>
<p>Wir freuen uns über Kritik, die nächsten Gäste und viele Hörer</p>
<p>Ösi &#38; Piefke</p>
<p><a href="http://juk.fh-joanneum.at/audio/play/4729">play</a></p>
<p><a href="http://juk.fh-joanneum.at/audio/download/4729/CAFFEESATZ+%2523040.MP3">download</a></p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Media Tenor mal wieder pleite?]]></title>
<link>http://insmwatchblog.wordpress.com/2007/11/27/media-tenor-mal-wieder-pleite/</link>
<pubDate>Tue, 27 Nov 2007 08:31:18 +0000</pubDate>
<dc:creator>insmwatchblog</dc:creator>
<guid>http://insmwatchblog.wordpress.com/2007/11/27/media-tenor-mal-wieder-pleite/</guid>
<description><![CDATA[Wir berichteten bereits über das Bonner &#8220;Medienanalyse&#8221;-Institut Media Tenor von Roland ]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Wir berichteten bereits über das Bonner &#8220;Medienanalyse&#8221;-Institut <a href="http://insmwatchblog.wordpress.com/?s=media+tenor" title="Media Tenor, Medien Tenor, Roland Schatz"><strong>Media Tenor</strong></a> von <strong>Roland Schatz</strong>, das unter einerseits mit unseriösen, teils manipulativen Methoden arbeitet und andererseits den <strong>Axel Springer-Verlag</strong> mit Daten für dessen billige Kampagnen in der <strong>BILD</strong> versorgt.</p>
<p>Laut eines <a href="http://www.general-anzeiger-bonn.de/index.php?k=news&#38;itemid=10002&#38;detailid=380193" title="General-Anzeiger Bonn: Mitarbeiter von Media Tenor ohne Lohn und Büro" target="_blank">Berichts</a> im Bonner General-Anzeiger hat der <strong>Media Tenor</strong> sein Bonner Büro fluchtartig verlassen und ist nun in Rolandseck in Rheinland-Pfalz zu finden. Vermieter, Energieversorger, Finanzbehörden und Mitarbeiter warten auf ihr Geld:</p>
<blockquote><p><em> Es geht um zu wenig oder gar nicht gezahlte Löhne. Die Beschäftigten klagen gegen ihren Arbeitgeber, der noch gut 80 Mitarbeiter beschäftigt. &#8220;Im Raum steht ferner die Drohung des Managements, den Standort in Deutschland komplett zu schließen, wenn diese Klagen nicht zurückgenommen werden&#8221;, sagt der Rechtsvertreter der Kläger, Alexander Gerhards.</p>
<p>Inzwischen ist die Firma von Bonn nach Rolandseck umgezogen, Sitz der Holding ist mittlerweile Lugano in der Schweiz. Die Bonner Büroräume an der Kurt-Schumacher-Straße wurden seitens des Vermieters offenbar wegen Mietrückständen gekündigt, und auch der Energieversorger drehte wegen offener Rechnungen die Hähne zu.</p>
<p>Unbezahlt blieben wohl auch Forderungen der örtlichen Finanzbehörde &#8211; nach GA-Informationen eine sechsstellige Summe. Ein Insolvenzverfahren über die Firma Media Tenor ist nach Auskunft des Amtsgerichts Bonn nicht eröffnet worden. Zudem ist unklar, ob Richter in Bonn oder, wegen des Firmenumzugs nach Rolandseck, Richter in Rheinland-Pfalz zuständig sind.</em></p></blockquote>
<p>Im Jahr 2005 hatte der <strong>Media Tenor</strong> schon einmal Insolvenz anmelden müssen. Lügen und Manipulationen scheinen nicht besonders viele Abnehmer zu finden, während die unseriöse Arbeitsweise dem Ruf des <strong>Media Tenor</strong> weiter vorauseilt wie die Ratten im Mittelalter der Pest. Im Falle der Insolvenz sollte <strong>Roland Schatz</strong> eine mögliche Neugründung lieber mir einem passenden Namen versehen, beispielsweise <strong>Lügen Tenor</strong> oder <strong>Propaganda Tenor</strong>.</p>
<p><strong>Wir wünschen dem Media Tenor ein frohes Dahinsiechen!</strong> <img src='http://s.wordpress.com/wp-includes/images/smilies/icon_mrgreen.gif' alt=':mrgreen:' class='wp-smiley' /> </p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Welche Resonanz hat eine Presseaussendung?]]></title>
<link>http://kulturmanagement.wordpress.com/2007/09/29/welche-resonanz-hat-eine-presseaussendung/</link>
<pubDate>Sat, 29 Sep 2007 06:34:05 +0000</pubDate>
<dc:creator>Christian Henner-Fehr</dc:creator>
<guid>http://kulturmanagement.wordpress.com/2007/09/29/welche-resonanz-hat-eine-presseaussendung/</guid>
<description><![CDATA[Der Erfolg einer Veranstaltung hängt neben verschiedenen Faktoren auch davon ab, in welchem Ausmaß e]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Der Erfolg einer Veranstaltung hängt neben verschiedenen Faktoren auch davon ab, in welchem Ausmaß eine Berichterstattung in den Medien gelingt. Da gibt es auf der einen Seite die direkten Medienkontakte, zu Tageszeitungen, Fachzeitschriften, aber auch zu Rundfunk und Fernsehen. Viele Kunst- und Kultureinrichtungen haben diese Kontakte aber unter Umständen nicht und müssen sich andere Wege suchen, um in der Medienberichterstattung präsent zu sein.</p>
<p>Eine Alternative ist das Verschicken der eigenen Aussendung über Presseaussendungsportale. Aber landen diese Aussendungen dann auch auf den richtigen Schreibtischen und besteht überhaupt eine Chance, auf diesem Weg in die Medien zu kommen?</p>
<p>Mediawatch, ein Tochterunternehmen der <a href="http://www.apa.at/" title="APA" target="_blank">Austria Presse Agentur Gruppe</a> hat in einer Medienresonanz-Analyse den Erfolg von <a href="http://www.ots.at/" title="APA-OTS-Portal" target="_blank">APA-OTS-Aussendungen</a> untersucht. Zwar geht es nicht um den Kunst- und Kulturbereich, insofern muss man wohl einige Abstriche bei den Ergebnissen machen, aber sie liefern trotzdem interessante Anhaltspunkte, welche Verbreitung eine Presseaussendung auf diesem Weg erfährt.</p>
<p><strong>Eine Aussendung führt zu 3,3 Medienberichten</strong></p>
<p>Untersucht wurden 355 OTS-Aussendungen aus den Bereichen Wirtschaft und Chronik, die zu 1.169 Medienberichten mit direktem inhaltlichen , zeitlichen und akteurs-relevanten Bezug führten. Das heißt, eine Aussendung führt zu durchschnittlich 3,3 Medienberichten. Im <a href="http://cms.ots.at/cms/ots/attachments/5/7/0/CH0171/CMS1122371268284/management-summary-ots-galaxy2007.pdf" title="Medienresonanz-Analyse" target="_blank">Executive Summary</a> heißt es weiter:</p>
<blockquote><p>&#8220;Bezieht man hier nur jene OTS-Aussendungen ein, die grundsätzlich mediale Resonanz erreichen, dann ergibt sich für diese OTS-Aussendungen ein Multiplikatorfaktor von 5,1.&#8221;</p></blockquote>
<p>Auf diese Weise werden durchschnittlich 1,6 Mio. Leserkontakte erreicht, wobei Aussendungen, die Montag und Freitag verschickt werden, die höchsten Resonanzquoten erreichen. Am ungünstigsten ist in dieser Hinsicht übrigens der Samstag.</p>
<p>Am häufigsten werden die Aussendungen von den Tageszeitungen aufgegriffen (68,1%), gefolgt von den Monats- und Fachmagazinen mit 18,6%.</p>
<p><strong>Mehr als die Hälfte der Aussendungen werden von den JournalistInnen gekürzt</strong></p>
<p>Interessant ist auch, dass nur 0,9% der Aussendungen von den JournalistInnen ungekürzt übernommen werden. Mit 52,5% werden mehr als die Hälfte der Aussendungen gekürzt wiedergegeben. Ein Fünftel der Aussendungen wird von JournalistInnen umformuliert und jede vierte auf Grund von Zusatzrecherchen ergänzt.</p>
<p>Wie schon gesagt, diese Ergebnisse  werden sich im Kunst- und Kulturbereich nicht erreichen lassen, dafür nimmt die Kulturbereichterstattung in den Medien einen zu geringen Platz ein. Nicht unterschätzen sollte man aber, dass die Aussendungen nicht nur von MedienvertreterInnen abonniert werden, sondern neben den BetreiberInnen diverser Webportale (auch im Kunst- und Kulturbereich gibt es da viele) auch von Menschen, die sich für den jeweiligen Themenbereich interessieren. Da man die Aussendungen nur bekommt, wenn man den entsprechenden Bereich abonniert hat oder bewusst auf der Website sucht, ist davon auszugehen, dass die LeserInnen ein relativ hohes Interesse an den Inhalten haben.</p>
<p>Ich selbst stoße auf diesem Weg immer wieder auf interessante Veranstaltungen bzw. Informationen, z.B. auf diese Medienresonanz-Analyse.</p>
<p>Je nachdem, bei welchem Portal ich meinen Text verschicke, fallen dafür Kosten an. Wofür Sie z.B. bei der APA was bezahlen, können Sie <a href="http://service.ots.at/standard.php?channel=CH0173&#38;document=CMS1093263951025&#38;sc=pp" title="Kosten Aussendung" target="_blank">hier</a> sehen. Natürlich gibt es auch kostenlose Presseportale, auf die ich schon mal in einem eigenen <a href="http://kulturmanagement.wordpress.com/2007/03/05/kostenlose-presseportale/" title="kostenlose Presseportale" target="_blank">Beitrag</a> hingewiesen habe. Entscheidend sind aber in jedem Fall der Inhalt und die Qualität Ihrer Aussendung, unabhängig davon, wo Sie Ihren Text versenden.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>

</channel>
</rss>
