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	<title>nachdenklichkeiten &amp;laquo; WordPress.com Tag Feed</title>
	<link>http://en.wordpress.com/tag/nachdenklichkeiten/</link>
	<description>Feed of posts on WordPress.com tagged "nachdenklichkeiten"</description>
	<pubDate>Tue, 22 Dec 2009 14:14:37 +0000</pubDate>

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	<language>en</language>

<item>
<title><![CDATA[G C Lichtenberg (4): Hydra und Hydrocephalus]]></title>
<link>http://nachdenklichekrankenschwester.wordpress.com/2009/07/09/g-c-lichtenberg-4-of-polyps-and-men/</link>
<pubDate>Thu, 09 Jul 2009 19:00:40 +0000</pubDate>
<dc:creator>nachdenklichekrankenschwester</dc:creator>
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<description><![CDATA[Der Mensch ist vielleicht halb Geist und halb Materie, so wie der Polype halb Pflanze und halb Tier.]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><blockquote><p>Der Mensch ist vielleicht halb Geist und halb Materie, so wie der Polype halb Pflanze und halb Tier. Auf der Grenze liegen immer die seltsamsten Geschöpfe. [D159]
</p></blockquote>
<p>Oder-Neiße-Friedensgrenze?</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Ungerechtfertigte Rechtfertigungen (2): Heimzahlungsideologien.]]></title>
<link>http://nachdenklichekrankenschwester.wordpress.com/2009/07/05/ungerechtfertigte-rechtfertigungen-2-die-opfer-sonderrechte/</link>
<pubDate>Sun, 05 Jul 2009 16:36:29 +0000</pubDate>
<dc:creator>nachdenklichekrankenschwester</dc:creator>
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<description><![CDATA[Zweite Seminarstunde: Die Sonderrechte der Opfer. Heimzahlungsideologien. Nicht folgt aus dem Opfer-]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Zweite Seminarstunde: Die Sonderrechte der Opfer. Heimzahlungsideologien.</p>
<p>Nicht folgt aus dem Opfer-sein ein gerechtfertigter Anspruch auf Aggressivität, allgemeine Heimzahlung und wüstes Gebaren. Ich bin keine prinzipielle Gegnerin von Wildheit und Zerstörung. Es gibt bisweilen Gründe. Ich bin sehr dagegen, das mit Opfersein zu rechtfertigen. Opfersein begründet vieles, aber es rechtfertigt nichts.</p>
<p><!--more--></p>
<p>Das liegt einerseits an der Subjektivität jedes Leids. Ich sage nur: <a href="//de.wikipedia.org/wiki/Adolf_Merckle”">Adolf Merckle</a>. Der Mann verfügte über das unfassbare Vermögen von Zwölftausendmillionen Euro und entleibte sich auf dem Schienenstrang, weil er fünfhundert dieser Millionen durch Fehlspekulationen verloren hatte. Das war ihm Leids genug für den Strang. Das Niveau seines Leids, einerseits, wollte mancher gerne haben, andererseits, die Absolutheit der Konsequenz besehen, dann doch lieber keiner.</p>
<p>Das Beispiel soll demonstrieren helfen: Die Leichtigkeit der Gründe für lethales Leid kann bis ins Unwägbare sinken; es soll ja unter den Pythagoräern welche gegeben haben, die ihr Leben unlebenswert fanden, als sie erkannten, dass es Zahlen gibt, für die sich nicht alle Stellen nach dem Komma angeben lassen: Und nahmen den Strick. &#8211; Was das heisst: Dass jeder Schmerz privat ist; nicht sein Verursachendes bestimmt ihn (Hume schon hat festgestellt, dass nichts &#8220;eisenartiges&#8221; in dem Schmerz sei, den man empfindet, wenn man sich mit einem Messer schneidet) &#8211; sondern die private Empfindungs-Skala.</p>
<p>Und da masst sich die Heimzahlungsideologie der zu-kurz-gekommenen etwas an, das ihr nicht zusteht. Was wissen sie von den Abgründen, die Einer vielleicht täglich durchtaucht, der doch eigentlich eine ganz gute Kinderstube geniessen durfte? Woher nehmen sie die Gewissheit, dass sie allein litten, weil es doch so offensichtliche Kränkungen und Zurücksetzungen in ihrem Leben gab? Ein Opfer hat kein Sonderrecht, zum Täter zu werden. Sicher, das Leiden will bemeistert sein. Am Besten ist, man kann es produktiv machen. Wut ist ein guter Motor. &#8211; Alles geschenkt. Aber nicht wahr ist, wie gesagt, daß ein Leid eine Berechtigung ist.</p>
<p>Das Leben fällt niemandem leicht, nichteinmal im Kommunismus. Einzelne Aspekte des Lebens können erleichtert werden, sinnlose &#8220;Reibungsverluste&#8221; vermieden, sich-abstrampeln für Selbstverständlichkeiten: Sofort falle ich bei, da liessen sich ungezählte Umstände verbessern. Aber die wesentliche Aufgabe, nämlich das Leben zu bemeistern, die bleibt am Grunde jeder Epoche konstant bestehen und sie wird durch die herrschenden Umstände, das ist ihre Eigentümlichkeit, um kein Jota erleichtert. Nicht um den kleinsten Deut.</p>
<p>Es mögen sich die Namen der Schwierigkeiten ändern, aber sie werden von ihren Bewältigern immer als existenziell bedrohlich empfunden werden; es wird immer als Elend gelten, ein Leben zu führen, das unter seinen Möglichkeiten bleibt.</p>
<p>“Sonderrechte der Opfer”: verallgemeinern wir. Man kann seine Handlungen lediglich begründen, und auch das eher schlecht. Rechtfertigen, freisprechen oder verdammen, das können nur andere. Sicher, man muss seinen Kompass haben. Aber ob er richtig geht oder falsch, das kann man nicht bestimmen oder sogar einfordern. Rechtfertigung ist Konsens, Begründung ist privat. Recht, um es einmal gerade zu sagen, Recht ist immer Gnade, aber Gnade ist nie auch ein Recht.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Ungerechtfertigte Rechtfertigungen (1): I-did-it-the-hard-way]]></title>
<link>http://nachdenklichekrankenschwester.wordpress.com/2009/07/03/ungerechtfertigte-rechtfertigungen-1-i-did-it-the-hard-way/</link>
<pubDate>Fri, 03 Jul 2009 18:42:45 +0000</pubDate>
<dc:creator>nachdenklichekrankenschwester</dc:creator>
<guid>http://nachdenklichekrankenschwester.wordpress.com/2009/07/03/ungerechtfertigte-rechtfertigungen-1-i-did-it-the-hard-way/</guid>
<description><![CDATA[Grund, Ursache, Rechtfertigung: Es ist jetzt nicht so, dass jeder Mensch jederzeit diese Begriffe mi]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Grund_(Handlungstheorie)" target="_blank">Grund</a>, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ursache" target="_blank">Ursache</a>, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Rechtfertigung" target="_blank">Rechtfertigung</a>: Es ist jetzt nicht so, dass jeder Mensch jederzeit diese Begriffe mit der nötigen Trennschärfe voneinander scheidet. Dabei könnte die Welt ein Garten sein, mindestens aber ein Blumenbeet, wenn gerade an dieser Stelle größere gedankliche Sorgfalt walten würde.</p>
<p>Das Problem kommt nicht von ungefähr, es hat eine Ursache (Einen Grund? Eine Berechtigung?). Unsere schöne deutsche Sprache nämlich hält nur ein einziges Fragepronomen bereit, das nach allen Begründungen zugleich fragt; es heisst: &#8220;Warum?&#8221;. (Mit &#8220;Wieso&#8221; und &#8220;Weshalb&#8221; muss jetzt niemand herumfuchteln; ist klar, warum?)</p>
<div id="_mcePaste" style="position:absolute;left:-10000px;top:89px;width:1px;height:1px;">Woher soll der Gefragte dann wissen, ob die Erkundigung nach der Ursache, nach seinen Gründen oder nach seiner Rechtfertigung geht? Er fällt, je nach Veranlagung, Zusammenhang und Gefühlslage einmal in diesen und einmal in jenen Modus der Begründung. Konfusion, Ärger, Chaos und Krieg sind die Folge.</div>
<div id="_mcePaste" style="position:absolute;left:-10000px;top:89px;width:1px;height:1px;">Doch als wären die pronomenmangelbewirkten Verheerung nicht fatal genug, kommt es auch innerhalb der rechten Kategorien ständig zu Fehlern und Irrtümern. Da gibt es vorgeschobene Gründe, scheinbare Ursachen, oder Ursachen, die in Wirklichkeit lediglich Korrelationen sind. Es gibt gründelnde Gründe und Spitzfindigkeiten. Man konstruiert, oder bildet sich was ein. Man vertauscht Ursache und Wirkung. Man unterstellt und projiziert. Kurz, das Reich der Begründungen ist ein Morast, in dem auch der ehrenhafteste Wille zum Zusammenhang schliesslich versinken und verfaulen muss.</div>
<div id="_mcePaste" style="position:absolute;left:-10000px;top:89px;width:1px;height:1px;">Ich müsste von Sinnen sein, wollte ich den faulen Pfuhl noch abziehn. Es wär&#8217; für dieses mal schon höchsterrungen, wenn ich nur Klarheit in eine dieser Kategorien brächte. Und so nehme ich mir die einfachste unter ihnen her.</div>
<div id="_mcePaste" style="position:absolute;left:-10000px;top:89px;width:1px;height:1px;">Es folgt das Seminar über ungerechtfertigte Rechtfertigungen.</div>
<div id="_mcePaste" style="position:absolute;left:-10000px;top:89px;width:1px;height:1px;">(1) I did it the hard way</div>
<div id="_mcePaste" style="position:absolute;left:-10000px;top:89px;width:1px;height:1px;">“I did it the hard way”: Wenn Einer viel Mühe, Leid, Schweiß, Tränen etc. darauf wenden mußte, eine Einsicht, eine Fertigkeit oder eine Haltung zu erringen, kommt es mit großer Sicherheit zu dieser Haltung gegen jene, die die selbe Einsicht/Fertigkeit/Haltung ohne das erworben haben.</div>
<div id="_mcePaste" style="position:absolute;left:-10000px;top:89px;width:1px;height:1px;">Sie kommt ständig und auf allen Gebieten vor: Gilt z.E. für Gottesfurcht, die von Spätbekehrten viel intensiver und innerlich erschütternder empfunden werden will, als von denen, die sie einfach vom Tischgebet Ihrer Kindheit her haben. Gilt für das Verständnis der allgemeinen Relativitätstheorie/Quantenelektrodynamik etc., die jeder Laie, der sich den mathematischen Formalismus mühsam ‘reingezogen hat, selbstredend weitgehender begreift, als ein spätpubertärer Physikstudent – was red’ ich! – gerade, wenn der Laie trotz Mühen den Formalismus &#60;i&#62;nicht&#60;/i&#62; begriffen hat, hält er sich für befugt, den anderen Ignoranz und Überhebung vorzuwerfen.</div>
<div id="_mcePaste" style="position:absolute;left:-10000px;top:89px;width:1px;height:1px;">“I did it the hard way”: Gilt für den Kommunismus, den jeder ideologisch Irrlichternde schliesslich genauer kapiert haben will, als Marx oder die professionellen Philosophen. Es gilt für Instrumentenkünstler, die kein musizierendes Elternhaus hatten, für Holocaustleugner, die nicht unter Hitler großwerden durften, für die Angler, die nicht bezeiten zum Häkchen gekrümmt wurden – you name it.</div>
<div id="_mcePaste" style="position:absolute;left:-10000px;top:89px;width:1px;height:1px;">Ich sage nicht, daß da nichts dran sei. Es ist was dran. Doch, es gibt einen Unterschied in der Selbstverständlichkeit, in der Intensität, im Eifer etc., mit dem “I did it the hard way”-Typen das ihre tun. Nur den Fehler dürfen sie nicht machen, die von Ihnen erkannte Wahrheit für wahrer zu halten, weil sie unter erschwerten Umständen erworben war. Denn das ist die eigentliche Albernheit von “I did it the hard way”, eine wahre Wahrheit von einer falschen Wahrheit scheiden zu wollen.</div>
<div id="_mcePaste" style="position:absolute;left:-10000px;top:89px;width:1px;height:1px;">“I did it the hard way” ist die unzulässige Vermischung des Inhalts einer Aneignung mit der Geschichte ihres Zustandekommens. Man soll das nicht in genauso unzulässiger Weise allzu strikt trennen. Aber wenn ich die Newton’sche Mechanik begreife, weil ich sie in der Schule gelernt habe, dann habe ich sie nicht weniger begriffen, als ein austraischer Buschmann, der sie in lebenslanger Mühe selbst nacherfinden mußte. Es ist gerade das Konstituierende des Wahrheitsbegriffes, einen überpersönlichen Anspruch zu markieren, einen Gültigkeitsanspruch, der in weitem Mass – vielleicht nicht gänzlich – unabhängig von den konkreten Aneignungsprozessen ist.</div>
<div id="_mcePaste" style="position:absolute;left:-10000px;top:89px;width:1px;height:1px;">Wäre es hingegen so, wie “I did it the hard way” impliziert, so wäre der z.B. Kommunismus per se – und ich übertreibe, damit verstädnlich wird, was ich meine – per se von niemandem kapierbar, der nicht in seiner Kindheit nach Strich&#38;Faden durchgeprügelt wurde. Was für eine Lehre, die Heilslehre der Verhinderten und Geprügelten, deren Erlernen eben das Fortbestehen, anstatt des Abschaffens solcher Zustände benötigtEs ist jetzt nicht so, dass jeder Mensch jederzeit diese Begriffe mit der nötigen Trennschärfe voneinander scheidet. Dabei könnte die Welt ein Garten sein, mindestens aber ein Blumenbeet, wenn gerade an dieser Stelle größere gedankliche Sorgfalt walten würde.Das Problem kommt nicht von ungefähr, es hat eine Ursache. Unsere schöne deutsche Sprache nämlich hält nur ein einziges Fragepronomen bereit, das nach allen Begründungen zugleich fragt; es heisst: &#8220;Warum?&#8221;.</div>
<p>Woher soll der Gefragte dann wissen, ob die Erkundigung nach der Ursache, nach seinen Gründen oder nach seiner Rechtfertigung geht? Er fällt, je nach Veranlagung, Zusammenhang und Gefühlslage einmal in diesen und einmal in jenen Modus der Begründung. Konfusion, Ärger, Chaos und Krieg sind die Folge.</p>
<p>Als wäre die pronomenmangelbewirkten Verheerungen nicht fatal genug, kommt es auch innerhalb der rechten Kategorien ständig zu Fehlern und Irrtümern. Da gibt es vorgeschobene Gründe, scheinbare Ursachen, oder Ursachen, die in Wirklichkeit lediglich Korrelationen sind. Es gibt gründelnde Gründe und Spitzfindigkeiten. Man konstruiert, oder bildet sich was ein. Man vertauscht Ursache und Wirkung. Man unterstellt und projiziert. Kurz, das Reich der Begründungen ist ein Morast, in dem auch der ehrenhafteste Wille zum Zusammenhang schliesslich versinken und verfaulen muss.</p>
<p>Ich müsste von Sinnen sein, wollte ich den faulen Pfuhl noch abziehn. Es wär&#8217; für dieses mal schon höchsterrungen, wenn ich nur Klarheit in eine dieser Kategorien brächte. Und so nehme ich mir die einfachste unter ihnen her.</p>
<p>Es folgt das Seminar über ungerechtfertigte Rechtfertigungen.<!--more--></p>
<h2>(1) I did it the hard way</h2>
<p>“I did it the hard way”: Wenn Einer viel Mühe, Leid, Schweiß, Tränen etc. darauf wenden mußte, eine Einsicht, eine Fertigkeit oder eine Haltung zu erringen, kommt es mit großer Sicherheit zu dieser Haltung gegen jene, die die selbe Einsicht/Fertigkeit/Haltung ohne das erworben haben.</p>
<p>Sie kommt ständig und auf allen Gebieten vor: Gilt z.E. für Gottesfurcht, die von Spätbekehrten viel intensiver und innerlich erschütternder empfunden werden will, als von denen, die sie einfach vom Tischgebet Ihrer Kindheit her haben. Gilt für das Verständnis der allgemeinen Relativitätstheorie/Quantenelektrodynamik etc., die jeder Laie, der sich den mathematischen Formalismus mühsam ‘reingezogen hat, selbstredend weitgehender begreift, als ein spätpubertärer Physikstudent – was red’ ich! – gerade, wenn der Laie trotz Mühen den Formalismus <em>nicht</em> begriffen hat, hält er sich für befugt, den anderen Ignoranz und Überhebung vorzuwerfen.</p>
<p>“I did it the hard way”: Gilt für den Kommunismus, den jeder ideologisch Irrlichternde schliesslich genauer kapiert haben will, als Marx oder die professionellen Philosophen. Es gilt für Instrumentenkünstler, die kein musizierendes Elternhaus hatten, für Holocaustleugner, die nicht unter Hitler großwerden durften, für die Angler, die nicht beizeiten zum Häkchen gekrümmt wurden – you name it.</p>
<p>Ich sage nicht, daß da nichts dran sei. Es ist was dran. Doch, es gibt einen Unterschied in der Selbstverständlichkeit, in der Intensität, im Eifer etc., mit dem “I did it the hard way”-Typen das ihre tun. Nur den Fehler dürfen sie nicht machen, die von Ihnen erkannte Wahrheit für wahrer zu halten, weil sie unter erschwerten Umständen erworben war. Denn das ist die eigentliche Albernheit von “I did it the hard way”, eine wahre Wahrheit von einer falschen Wahrheit scheiden zu wollen.</p>
<p>“I did it the hard way” ist die unzulässige Vermischung des Inhalts einer Aneignung mit der Geschichte ihres Zustandekommens. Man soll das nicht in genauso unzulässiger Weise allzu strikt trennen. Aber wenn ich die Newton’sche Mechanik begreife, weil ich sie in der Schule gelernt habe, dann habe ich sie nicht weniger begriffen, als ein austraischer Buschmann, der sie in lebenslanger Mühe selbst nacherfinden mußte. Es ist gerade das Konstituierende des Wahrheitsbegriffes, einen überpersönlichen Anspruch zu markieren, einen Gültigkeitsanspruch, der in weitem Mass – vielleicht nicht gänzlich – unabhängig von den konkreten Aneignungsprozessen ist.</p>
<p>Wäre es hingegen so, wie “I did it the hard way” impliziert, so wäre der z.B. Kommunismus per se – und ich übertreibe, damit verstädnlich wird, was ich meine – per se von niemandem kapierbar, der nicht in seiner Kindheit nach Strich&#38;Faden durchgeprügelt wurde. Was für eine Lehre, die Heilslehre der Verhinderten und Geprügelten, deren Erlernen eben das Fortbestehen, anstatt des Abschaffens solcher Zustände benötigt!</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Die Suche nach dem Katzenhimmel]]></title>
<link>http://hexedeswestens.wordpress.com/2009/05/12/die-suche-nach-dem-katzenhimmel/</link>
<pubDate>Tue, 12 May 2009 07:58:03 +0000</pubDate>
<dc:creator>hexedeswestens</dc:creator>
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<description><![CDATA[Manchmal im Leben bringen die unpassensten Situationen wirklich die absoluten Kuriosiäten unserer Ge]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Manchmal im Leben bringen die unpassensten Situationen wirklich die absoluten Kuriosiäten unserer Gesellschaft hervor: Gestern habe ich eine besonders liebe Freundin zum Tierarzt begleitet, da ihr kleiner Kater  sich einen nicht heilbaren und offensichtlich tödlichen Virus eingefangen hatte und es nun wohl Zeit für ihn war, sich auf in den Katzenhimmel zu machen (Ich war wirklich erstaunt, wie sehr mich das berührt hat, ich stehe Katzen an sich sehr kritisch und argwöhnisch gegenüber. Ich mag Hunde. Und Schafe. Und Pinguine, die sind immer gut gekleidet).</p>
<p> </p>
<p>Also gut, der Kleine schlief nun ein und die Ärztin fragte, ob man ihn denn zu Hause im Garten begraben wolle. Ich dachte immer, für &#8220;das Danach&#8221; sorgen die Praxen, naja, falsch gewickelt, denn als meine Freundin sagte, sie möchte ihn gerne hier lassen, kam die Dame mit einigen Hochglanzbroschüren über Bestattungsunternehmen für Kleintiere zurück: Beisetzung, Einäscherung im Einzel- oder Sammeldurchgang, Bilder von einem wunderschönen Hof mit Rosenbeeten, wo die kleinen Lieblinge ihre letzte Ruhe finden können. Rosenhof und ähnliche Namen haben solche Institute und erinnern eigentlich eher an die gepflegte Anlage einer Seniorenresidenz (sagt uns diese Ähnlichkeit etwas? Ist es Zufall, dass Häuser für alte Menschen oft in der Nähe eines Friedhofes stehen&#8230; Fragen über Fragen&#8230;).</p>
<p> </p>
<p>Mal ehrlich wie krank ist unsere Gesellschaft? Ich war richtig gehend irritiert und habe diese Broschüren in einem solchen Moment nicht nur als unangebracht, sondern schlichtweg als lächerlich empfunden. Auf einer Seite waren kleine Urnen abgebildet mit dem Schriftzug &#8220;Rex&#8221;! Schlimm genug, dass die kleine Ratte von Paris Hilton Rüschen tragen muss, aber was bitte hat das ganze mit Normalität und gesundem Menschenverstand zu tun? Ich bin immer noch ganz mitgenommen von der Vorstellung, dass ein grosser, dunkelhhaariger, seriöser Kerl die Urne mit de Asche meiner geliebten Tessa im Rosengarten beisetzt&#8230; Aaaaahh!</p>
<p>Korrigiert mich, wenn ich mich irre &#8211; aber treibt so etwas nicht die Störungen der Angemessenheit von Bindungen in unserer Gesellschaft auf die Spitze?</p>
<p> </p>
<p>Ich war erleichtert, dass der kleine Kater nicht zum Rosenhof musste. Und eins muss ich an dieser Stelle wirklich mal sagen: Er und seine kleine Weggefährtin sind ernsthaft die ersten Katzen in meinem Leben, die ich wirklich ins Herz geschlossen habe. Kleiner Kerl ich wünsche dir eine gute Reise in den Katzenhimmel. Grüss Luther, Moses und Blackjack von mir.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Der Zwang der Emanzipation]]></title>
<link>http://hexedeswestens.wordpress.com/2009/04/28/der-zwang-der-emanzipation/</link>
<pubDate>Tue, 28 Apr 2009 20:11:16 +0000</pubDate>
<dc:creator>hexedeswestens</dc:creator>
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<description><![CDATA[Ich fahre ja viel mit dem Bus. Und Busfahren regt zum Nachdenken an, besonders wenn man von latenten]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Ich fahre ja viel mit dem Bus. Und Busfahren regt zum Nachdenken an, besonders wenn man von latenten Übelkeitsgefühlen beim Lesen in öffentlichen Verkehrsmitteln geplagt wird (was mich echt ärgert, so viel vergeudete Zeit, die man in gute Geschichten investieren könnte&#8230;) und die Menschen um einen herum doch oft so interessant sind, dass man sich schlecht auf ein Hörbuch konzentrieren kann&#8230; seid ihr schonmal morgens vor sechs Uhr in dieser Stadt Bus gefahren&#8230; das bekommt &#8220;Zombie-Town-Mainz&#8221; eine ganz andere Bedeutung und ihr werdet nie wieder schlecht über den Kaffeestand am Bahnhof sprechen&#8230;</p>
<p>Ich schweife ab. Heute galten im Bus meine Gedanken RedHeadJus Kommentar zum letzten Beitrag.</p>
<p>Kürzlich habe ich von einer guten Freundin &#8211; passend zur allgemeinen Lebenslage &#8211; das Buch &#8220;Das Uschi-Prinzip. Von allem nur das Beste. Wie Frauen bekommen was sie wollen.&#8221; ausgeliehen bekommen. Ich muss hiermit &#8211; natürlich um meine Ehre als intellektuelle Frau mit Hochschuabschluss (*hust*) zu retten &#8211; sagen, dass ich das Buch zur Seite gelegt habe, bevor ich über die Mitte hinaus war. Zusammenfassend lässt sich die Aussage dieses Buches so ziemlich genau auf folgendes reduzieren: Frauen dieser Welt, tragt HighHeels und stellt auch dumm und lächelt, damit die Männer in eurer Umgebung euch als Frauchen wahrnehmen und euch alle Aufgaben, die euch nicht liegen abnehmen. Sie fühlen sich dadurch gebraucht und geschmeichelt.</p>
<p>Mädels ist das wirklich die Welt, wie sie funktioniert? Erliegen wir den Zwängen unserer Alice-Schwarzer-gesprägten Hippiemütter, die uns beibrachten, dass wir alles selbst können? Ist der wirkliche intelligente Schritt der Emanzipation, Männer so zu manipulieren, dass sie das tun, was wir gerne hätten?</p>
<p>Ich mag es bezweifeln&#8230; ganz ehrlich? Ich schlepp lieber fünfzig Wasserkisten allein, als dem selbstgefälligen Lächeln meines arroganten Nachbarn ausgesetzt zu sein. Ich habe nichts gegen produktive Arbeitsteilung, wenn das bedeutet, dass der Mann neben mir die Wäsche gern für mich bügelt und ich dafür unter seinem Auto liegen darf. Das ist gesellschaftlich funktional und vernünftig. Ich muss nicht alles selbst können. Aber muss ich meine Alt-68er-Erziehung wirklich an den Nagel hängen, nur um es ein bisschen einfacher im Leben zu haben? Oder ist es nicht gerade schön, die eigenen (Un-)Fähigkeiten voll und ganz auszuleben?</p>
<p> </p>
<p>Was meint ihr dazu?</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[G C Lichtenberg (3): Konstruktivismus II]]></title>
<link>http://nachdenklichekrankenschwester.wordpress.com/2008/06/07/g-c-lichtenberg-3-konstruktionismus-ii/</link>
<pubDate>Sat, 07 Jun 2008 06:12:19 +0000</pubDate>
<dc:creator>nachdenklichekrankenschwester</dc:creator>
<guid>http://nachdenklichekrankenschwester.wordpress.com/2008/06/07/g-c-lichtenberg-3-konstruktionismus-ii/</guid>
<description><![CDATA[Ein etwas vorschnippischer Philosoph, ich glaube Hamlet Prinz von Dänemark hat gesagt: es gäbe eine ]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><blockquote><p>Ein etwas vorschnippischer Philosoph, ich glaube Hamlet Prinz von Dänemark hat gesagt: es gäbe eine Menge Dinge im Himmel und auf der Erde, wovon nichts in unseren Compendiis steht. Hat der einfältige Mensch, der bekanntlich nicht recht bei Trost war, damit auf unsere Compendia der Physik gestichelt, so kann man ihm getrost antworten: gut, aber dafür stehn auch wieder eine Menge von Dingen in unsern Compendiis wovon weder im Himmel noch auf der Erde etwas vorkömmt. [L153]</p>
<p>Wir nehmen Dinge wahr vermöge unsrer Sinnlichkeit. Aber was wir wahrnehmen sind nicht die Dinge selbst, das Auge schafft das Licht und das Ohr die Töne. Sie sind außer uns nichts. Wir leihen ihnen dieses. Ebenso ist es mit dem Raume, und der Zeit. (&#8230;) [J1143]</p>
<p>Vom empirischen und intelligibeln Charakter. Es wäre doch ein Wesen möglich außer Gott, das sich selbst determinierte, ohne Dependenz von Kausalität.[J1148]</p>
<p>Man könnte den Menschen so den Ursachen-Bär, so wie den Ameisen-Bär nennen. Es ist etwas stark gesagt. Das Ursachen-Tier wäre besser. [J1315]</p>
<p>(&#8230;) Die Ärzte sollten nicht sagen, den habe ich geheilt, sondern der ist mir nicht gestorben, so könnte man auch in der Physik sagen, ich habe davon Ursachen angegeben, wovon man am Ende die Absurdität nicht zeigen kann, anstatt zu sagen, ich habe erklärt. [J1316] </p></blockquote>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Wenn Gott bewiesen werden kann, warum soll man noch an ihn glauben?]]></title>
<link>http://nachdenklichekrankenschwester.wordpress.com/2008/05/02/wenn-gott-bewiesen-werden-kann-warum-soll-man-noch-an-ihn-glauben/</link>
<pubDate>Fri, 02 May 2008 12:58:05 +0000</pubDate>
<dc:creator>nachdenklichekrankenschwester</dc:creator>
<guid>http://nachdenklichekrankenschwester.wordpress.com/2008/05/02/wenn-gott-bewiesen-werden-kann-warum-soll-man-noch-an-ihn-glauben/</guid>
<description><![CDATA[Gottesbeweise! Ich liebe Gottesbeweise! Sie gehören zu den wenigen Belegen, dass irgendwo auf diesem]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Gottesbeweise! Ich liebe Gottesbeweise! Sie gehören zu den wenigen Belegen, dass irgendwo auf diesem Planeten intelligentes Leben vorkommt. Natürlich sind sie, bewahre!, nicht alle gleich beweiskräftig. Die Intelligenz auf diesem Planeten betreffend, meine ich.</p>
<p>Unangefochtener König aller Gottesbeweise ist seit nunmehr fast eintausend Jahren der ontologische. Immer noch verursacht er jedem, der sichernsthaft mit ihm beschäftigt, heftiges Hirngleißen. Also da sei Gott vor!, ich werde den ontologischen Gottesbeweis fürs Erste einmal hingehen lassen, als nähme ich gar keine Notiz von ihm.</p>
<p>Nein, mir ist itzo eher nach den schwächeren Gottesbeweisen zumute; an ihnen kann ich meinen Scharfsinn wetzen, während er im Fall der starken Beweise womöglich schartig würde. &#8211; Spaemann wieder! Mein Mann der Stunde! Er hat einmal in der &#8220;Welt&#8221; einen Gottesbeweis gemacht, der so ging:</p>
<blockquote><p>Ich möchte das was ich meine, daß nämlich Wahrheit Gott voraussetzt, an einem letzten Beispiel verdeutlichen, an einem Gottesbeweis, der sozusagen nietzscheresistent ist, einem Gottesbeweis aus der Grammatik, genauer aus dem sogenannten Futurum exactum. Das Futurum exactum, das zweite Futur, ist für uns denknotwendig mit dem Präsens verbunden. Von etwas sagen, es sei jetzt, ist gleichbedeutend damit zu sagen, es sei in Zukunft gewesen. In diesem Sinne ist jede Wahrheit ewig. Daß am Abend des 6. Dezember 2004 zahlreiche Menschen in der Hochschule für Philosophie in München zu einem Vortrag über Rationalität und Gottesglaube versammelt waren, das nicht nur an jenem Abend wahr, das ist immer wahr. Wenn wir heute hier sind, werden wir morgen hier gewesen sein. Das Gegenwärtige bleibt als Vergangenheit des künftig Gegenwärtigen immer wirklich. Aber von welcher Art ist diese Wirklichkeit? Man könnte sagen: in den Spuren, die sie durch ihre kausale Einwirkung hinterläßt. Aber diese Spuren werden schwächer und schwächer. Und Spuren sind sie nur, solange das, was sie hinterlassen hat, als es selbst erinnert wird.</p>
<p><!--more--></p>
<p>Solange Vergangenes erinnert wird, ist es nicht schwer, die Frage nach seiner Seinsart zu beantworten. Es hat seine Wirklichkeit eben im Erinnertwerden. Aber die Erinnerung hört irgendwann auf, und irgendwann wird es keine Menschen mehr auf der Erde geben. Schließlich wird die Erde selbst verschwinden. Da zur Vergangenheit immer eine Gegenwart gehört, deren Vergangenheit sie ist, müßten wir also sagen: mit der bewußten Gegenwart &#8211; und Gegenwart ist immer nur als bewußte &#8211; verschwindet auch die Vergangenheit, und das Futurum exactum verliert seinen Sinn. Aber genau dies können wir nicht denken. Der Satz: &#8220;In ferner Zukunft wird es nicht mehr wahr sein, daß wir heute abend hier zusammen waren&#8221; ist Unsinn. Er läßt sich nicht denken. Wenn wir einmal nicht mehr hier gewesen sein werden, dann sind wir tatsächlich auch jetzt nicht wirklich hier, wie es der Buddhismus denn auch konsequenterweise behauptet. Wenn gegenwärtige Wirklichkeit einmal nicht mehr gewesen sein wird, dann ist sie gar nicht wirklich. Wer das Futurum exactum beseitigt, beseitigt das Präsens.</p>
<p>Aber noch einmal: Von welcher Art ist diese Wirklichkeit des Vergangenen, das ewige Wahrsein jeder Wahrheit? Die einzige Antwort kann lauten: Wir müssen ein Bewußtsein denken, in dem alles, was geschieht, aufgehoben ist, ein absolutes Bewußtsein. Kein Wort wird einmal ungesprochen sein, kein Schmerz unerlitten, keine Freude unerlebt. Geschehenes kann verziehen, es kann nicht ungeschehen gemacht werden. Wenn es Wirklichkeit gibt, dann ist das Futurum exactum unausweichlich, und mit ihm das Postulat des wirklichen Gottes. &#8220;Ich fürchte&#8221;, so schrieb Nietzsche, &#8220;wir werden Gott nicht los, weil wir noch an die Grammatik glauben.&#8221; Aber wir können nicht umhin, an die Grammatik zu glauben. Auch Nietzsche konnte nur schreiben, was er schrieb, weil er das, was er sagen wollte, der Grammatik anvertraute.</p></blockquote>
<p>Was kann ein schwacher Geist wie meiner gegen einen schwachen Gottesbeweis<br />
wie Spaemanns einwenden? Mehrerlei.</p>
<p>Zunächst zu dieser Stelle</p>
<blockquote><p>mit der bewußten Gegenwart &#8211; und Gegenwart ist immer nur als bewußte &#8211; verschwindet auch die Vergangenheit, und das Futurum exactum verliert seinen Sinn. </p></blockquote>
<p>Mir schwant, ohne Bewußtsein verliert nicht nur das Futurum exactum seinen Sinn. Ohne Bewußtsein, so kommt es mir vor, keine Bedeutung; ohne Bewußtsein ist gar nichts sag- oder nur bezeichenbar. Das Ulkigste aber ist, ohne Bewußtsein, da würde mir sogar Spaemann beifallen: ohne Bewußtsein kein Gott. Selbst wenn wir eine Vorstellung Gottes wären und nicht umgekehrt, trifft das zu.  Da haben wir also eine zirkuläre Figur: Ohne Bewußtsein kein Bewußtsein, wenn Gott hier als allauffangendes Bewußtsein gefaßt wird. Zirkularität, die einen derart engen Kreis geht um das Vorausgesetzte zu beweisen: Schmach und Schande für einen Beweis.</p>
<p>Mehrerlei Einspruch war angekündigt, also komme ich zu zweitens. Zweitens sagt, was ist das eigentlich für eine Verkleinerung Gottes zu einem Göttchen, dieses</p>
<blockquote><p>Wir müssen ein Bewußtsein denken, in dem alles, was geschieht, aufgehoben ist, ein absolutes Bewußtsein.</p></blockquote>
<p>Nehmen wir an, es ist der Fall, daß Robert Spaemann in der &#8220;Welt&#8221; vom 26. März 2005 seinen &#8220;grammatischen Gottesbeweis&#8221; gebracht hat. Darin prophezeit er: diese Zeilen werden in Vergessenheit geraten, der Gedanke selbst irgendwann auch, die Menschen werden vielleicht aussterben oder sich derart weiterentwickeln, daß sie den Sinn der Spaemannschen Gedanken nicht mehr begreifen können, die Erde wird zerfallen, unser Sonnensystem verglühen und die Milchstraße kollabieren: Und endlich der Fakt, daß der Beweis exakt am 26. März 2005 erschien ungeschehen, weil ungewußt? Bevor ich zu den wirklich hirnerweichenen Gedanken komme, die mit dieser Argumentation zusammenhängen, will ich Spaemanns Meinung von Gott kritisieren. Wir müßen den Fakt, sagt Spaemann, in das Bewußtsein Gottes legen, damit seine Wahrheit allezeit gesichert und mithin der Fakt daselbst denkbar bliebe. Finden Sie, gebenedeiter Leser, das nicht eigentümlich? Spaemanns Auffassung zufolge steht es Gott nicht frei, mit diesem Fakt zu tun, was ihm beliebt: Weder kann er ihn vergessen, noch kann er ihn verneinen oder gar bezweifeln. Gott ist bei Spaemann eigentlich nichts als eine große Kiste, in die alle Wahrheit gelegt wird, und zwar mit dem einzigen Zweck, ihre Immergültigkeit zu sichern. Immergültigkeit, das ist eine der Haupteigenschaften von Wahrheit &#8211; man kann jede Wahrheit in eine immergültige transformieren, indem man sie als Konditional formuliert &#8211; und Spaemanns Beweis ist im Grunde ein Vorschlag, wie man sich einen Mechanismus denken kann, mit dem Immergültigkeit bewerkstelligt wird. Gott wird dadurch zu einer Art &#8220;Backup-Device&#8221;, also ich meinesteils finde das pietätlos. Und irgendwie ist es auch sinnlos: Bedarf die Wahrheit tatsächlich dieser Doppelung, um unvergänglich zu sein? Ist es nicht vielmehr so, dass jede Wahrheit, um im Bewußtsein Gottes aufgehoben zu sein, zunächst einmal, nunja, wahr sein muß? Ist Wahrheit also eine &#8220;vorgöttliche&#8221; Sache, oder ist Wahrheit erst durch ihr in-Gott-sein? In dem Fall: Warum genügt es nicht, einfach &#8220;wahr&#8221; zu sagen? Wenn Spaemann mehr von Gott verlangt, als den Ewigkeitsaspekt, wenn er mit anderen Worten, Gott bereits benötigt, damit das Wahre wahr sein kann, begeht er ein Weiteres mal den Fehler, das zu Beweisende bereits vorauszusetzen.</p>
<p>Das als Vordenken. Nun zum Nachdenken. Das wird schwierigere Gegenstände betreffen, aber das Verwickeltere ist immer auch das Reizvollere, vorausgesetzt, man kann entheddern. Spaemanns Beweis impliziert, dass Wahrheit irgendwie und irgendwo existieren muss. Ohne, dass er nach der &#8220;Seinsweise&#8221; einer Wahrheit fragte, könnte er seinen Beweis nicht entwickeln. Er sagt dann ganz leichtfüßig, die Wahrheit eines kontingenten Faktums bestehe in Form von Erinnerungen fort, und damit diese Erinnerungen nicht durch das Vergessen gelöscht und also die Ewiglichkeit der Wahrheit nicht gewährleistet würde, müsse man ein ewig währendes Gedächtnis denken.</p>
<p>Als Erinnerung währte die Wahrheit? Wenn es doch so einfach wäre! Zuerst muss der Gedanke wahr sein um der ewigen Erinnerung würdig. Was macht einen Gedanken wahr? Dann muss diese Erinnerung in irgendeinem Gedächtnis vorhanden sein. Wo und wie existiert dieses Gedächtnis? Es kann ja selbst nicht Gegenstand irgendwelcher wahren Gedanken sein, weil man sonst in einen Regress fiele. &#8211; Von der Seinsweise der Wahrheit muss im Künftigen der betracht gehen.</p>
<p>Es gibt einen fürchterlich einfache Passage bei Frege, die das vorliegende Problem faßbar macht:</p>
<blockquote><p>Man nehme nicht die Beschreibung, wie eine Vorstellung entsteht, für eine Definition und nicht die Angabe der seelischen und leiblichen Bedingungen dafür, dass uns ein Satz zum Bewusstsein kommt, für einen Beweis und <strong>verwechsele das Gedachtwerden eines Satzes nicht mit seiner Wahrheit! Man muss,wie es scheint, daran erinnern, dass ein Satz ebensowenig aufhört, wahr zu sein, wenn ich nichtmehr an ihn denke, wie die Sonne vernichtet wird, wenn ich die Augen schliesse.</strong> Sonst kommen wir noch dahin, dass man beim Beweise des pythagoräischen Lehrsatzes es nöthig findet, des Phosphorgehaltes unseres Gehirnes zu gedenken (&#8230;) </p></blockquote>
<p>(to be continued soon&#8230;)</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
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<title><![CDATA[G C Lichtenberg (1): Radikaler Konstruktivismus]]></title>
<link>http://nachdenklichekrankenschwester.wordpress.com/2008/04/10/g-c-lichtenberg-1/</link>
<pubDate>Thu, 10 Apr 2008 10:03:00 +0000</pubDate>
<dc:creator>nachdenklichekrankenschwester</dc:creator>
<guid>http://nachdenklichekrankenschwester.wordpress.com/2008/04/10/g-c-lichtenberg-1/</guid>
<description><![CDATA[Ich fasse [J 375] und [J 376] zu einem Großexzerpt: (&#8230;) Sinn und Verstand kömmt dem Gedächtnis]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Ich fasse [J 375] und [J 376] zu einem Großexzerpt:</p>
<blockquote><p>(&#8230;) Sinn und Verstand kömmt dem Gedächtnis zuhilfe. Sinn ist Ordnung und Ordnung ist doch am Ende Übereinstimmung mit unserer Natur. Wenn wir vernünftig sprechen, sprechen wir nur immer unser Wesen und unsere Natur. Um unserem Gedächtnis etwas einzuverleiben suchen wir daher immer einen Sinn heineinzubringen oder eine andere Art von Ordnung. (&#8230;) Ähnlichkeiten bis auf den Reim hinaus (*sich einen Reim auf etwas machen!*) Eben dahin gehören auch unsere Hypothesen, wir müssen welche haben, weil wir sonst die Dinge nicht behalten können. (&#8230;) alles das ist nicht in den Dingen, sondern in uns. Überhaupt kann man nicht gnug bedenken, daß wir nur immer uns beobachten, wenn wir die Natur, zumal unsere Ordnungen beobachten.</p></blockquote>
<blockquote><p><strong>Wenn jemand eine Uhr machen könnte, die die Bewegung der Himmelskörper so genau als in der der Natur darstellte, würde der nicht ein großes Verdienst haben, obgleich die Welt nicht durch Räderwerk geht? Er würde selbst durch diese Maschine manches entdecken, was er nicht hinein getragen  zu haben glauben würde. Und was ist der Kalkül anders, als etwas dieser Maschinerie Ähnliches?</strong></p></blockquote>
<p>notierte Lichtenberg ca. 1790. Darüber wird zu reden sein.</p>
</div>]]></content:encoded>
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