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	<title>nachrufe &amp;laquo; WordPress.com Tag Feed</title>
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	<description>Feed of posts on WordPress.com tagged "nachrufe"</description>
	<pubDate>Wed, 06 Jan 2010 04:44:33 +0000</pubDate>

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<title><![CDATA[Eva Dockerill (1927-2009)]]></title>
<link>http://entdinglichung.wordpress.com/2009/11/23/eva-dockerill-1927-2009/</link>
<pubDate>Mon, 23 Nov 2009 13:02:34 +0000</pubDate>
<dc:creator>entdinglichung</dc:creator>
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<description><![CDATA[Vor zwei Wochen starb Eva Dockerill, Kommunistin, Feministin und eine der prägenden Persönlichkeit d]]></description>
<content:encoded><![CDATA[Vor zwei Wochen starb Eva Dockerill, Kommunistin, Feministin und eine der prägenden Persönlichkeit d]]></content:encoded>
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<title><![CDATA[Claude Lévi-Strauss (1908-2009)]]></title>
<link>http://entdinglichung.wordpress.com/2009/11/04/claude-levi-strauss-1908-2009/</link>
<pubDate>Wed, 04 Nov 2009 10:31:52 +0000</pubDate>
<dc:creator>entdinglichung</dc:creator>
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<description><![CDATA[Ein Interview (1972, mit englischen Untertiteln) mit dem strukturalistischen Ethnologen Claude Lévi-]]></description>
<content:encoded><![CDATA[Ein Interview (1972, mit englischen Untertiteln) mit dem strukturalistischen Ethnologen Claude Lévi-]]></content:encoded>
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<title><![CDATA[Mercedes Sosa (1935-2009)]]></title>
<link>http://entdinglichung.wordpress.com/2009/10/05/mercedes-sosa-1935-2009/</link>
<pubDate>Mon, 05 Oct 2009 08:51:29 +0000</pubDate>
<dc:creator>entdinglichung</dc:creator>
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<description><![CDATA[]]></description>
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<title><![CDATA[Marek Edelman (1922-2009)]]></title>
<link>http://entdinglichung.wordpress.com/2009/10/03/marek-edelman-1922-2009/</link>
<pubDate>Sat, 03 Oct 2009 11:04:38 +0000</pubDate>
<dc:creator>entdinglichung</dc:creator>
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<description><![CDATA[Am gestrigen Tage starb in Warszawa im Alter von 87 Jahren Marek Edelman, Bundist und einziges Mitgl]]></description>
<content:encoded><![CDATA[Am gestrigen Tage starb in Warszawa im Alter von 87 Jahren Marek Edelman, Bundist und einziges Mitgl]]></content:encoded>
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<title><![CDATA[Einer weniger.]]></title>
<link>http://lakritze.wordpress.com/2009/08/10/einer-weniger/</link>
<pubDate>Mon, 10 Aug 2009 12:32:39 +0000</pubDate>
<dc:creator>lakritze</dc:creator>
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<description><![CDATA[Wenn ein Geschäft den Namen »Bastelparadies« verdient hat, dann ist es Riemer. War es jedenfalls ]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Wenn ein Geschäft den Namen »Bastelparadies« verdient hat, dann ist es <a href="http://www.qype.com/place/90710-Malkasten-Bastelparadies-Guenter-Riemer-Saarbruecken">Riemer</a>. War es jedenfalls &#8212; Riemer ist insolvent. Das traditionsreiche und hervorragend sortierte Bastelgeschäft hat letzte Woche geschlossen. So eines gibt es jetzt nicht mehr vor Ort, und wo das nächste ist, weiß ich nicht.</p>
<p>Mich macht das traurig. Riemer ist ein Opfer der Wirtschaftskrise; die Leute sparen an ihren kleinen Vergnügungen. Natürlich wurde hier nichts Lebensnotwendiges verkauft, aber es steckte Herzblut in dem Laden und enorme Fachkompetenz.</p>
<p>Neun Angestellte stehen jetzt auf der Straße. Die Innenstadt verarmt weiter. Und das Praktische, Bodenständige, das Liebenswerte, für das so ein Bastelgeschäft steht &#8212; ist das etwa auch am Ende?</p>
<div id="attachment_1075" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><img class="size-full wp-image-1075" title="riemer-kaffeekasse" src="http://lakritze.wordpress.com/files/2009/08/riemer-kaffeekasse.jpg" alt="riemer-kaffeekasse" width="600" height="450" /><p class="wp-caption-text">Eine halbe Stunde später stand die Betriebskaffeemaschine unter diesem Schild ... </p></div>
<p>Bei Riemer ist schon alles ausverkauft. Die Fenster sind leer, die Reklame wird abmontiert. Nur der Internetauftritt <span style="text-decoration:line-through;">ist</span> war noch eine ganze Weile wie immer.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
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<title><![CDATA[Willy DeVille (1953-2009)]]></title>
<link>http://entdinglichung.wordpress.com/2009/08/07/willy-deville-1953-2009/</link>
<pubDate>Fri, 07 Aug 2009 16:22:09 +0000</pubDate>
<dc:creator>entdinglichung</dc:creator>
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<description><![CDATA[*August 25, 1950 &#8211; †August 6, 2009 Loup Garou Bal Goula Demasiado Corazon Spanish Stroll Heave]]></description>
<content:encoded><![CDATA[*August 25, 1950 &#8211; †August 6, 2009 Loup Garou Bal Goula Demasiado Corazon Spanish Stroll Heave]]></content:encoded>
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<title><![CDATA[James Crumley (1939 – 2008). Ein Nachruf von Jochen König]]></title>
<link>http://krimikulturarchiv.wordpress.com/2009/08/04/james-crumley-1939-%e2%80%93-2008/</link>
<pubDate>Tue, 04 Aug 2009 08:57:09 +0000</pubDate>
<dc:creator>Dieter Paul Rudolph</dc:creator>
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<description><![CDATA[“People often suggest that life should be a learning experience. Perhaps something like a nice, smal]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p><em>“People often suggest that life should be a learning experience. Perhaps something like a nice, small Southern liberal arts, with a final exam, which if you pass, lets you drift softly into a pleasant eternity. If life is like college, I&#8217;ve screwed up again; I missed the assignment.”</em> James Crumley, im Vorwort der Geezer noir anthology, „<em>Damn Near Dead“</em></p>
<p><!--more--><em></em></p>
<p>Am 17.09.2008 starb nach langer Krankheit mit James Crumley einer der wichtigsten Autoren (nicht  nur) von Privatdetektivromanen des ausgehenden 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts. „Leider veröffentlicht er zu wenig, um wirklich der Superstar zu sein, der er sein könnte: nur sieben Romane in 33 Jahren. Aber die sind von solcher Qualität, dass man ihm das verzeiht.“ (www.mordlust.de/biographie_james_crumley.php) Seine Bücher um die beiden Protagonisten C.W. Sughrue und Milo Milodragovitch – die wie in <em>Bordersnakes</em> auch schon mal zusammen auftraten – bieten mindestens kleine Meisterwerke und mit den Romanen <em>The Last Good Kiss</em> und <em>Dancing Bear</em> zwei große. Wobei das im Auge des Betrachters liegt, denn seine Meriten hat jedes Buch (wobei das hochkomplexe <em>The Final Country („</em>Land der Lügen“)<em> </em>vermutlich sein schwächstes Werk ist).</p>
<p>Crumley steht sowohl in der Tradition Raymond Chandlers (wobei <em>The Final Country </em>auch wie eine Hommage an Jim Thompson gelesen werden kann), seine Vergleichspunkte finden sich u.a. auch zu Jack Kerouac, William S. Burroughs, Hunter S. Thompson oder Malcolm Lowry. Nach eigenem Bekunden veränderte der Perfektionist Crumley das erste Kapitel seines <em>The Last Good Kiss</em> satte 18-mal, bevor es seinen Gefallen fand.  Egal, ob jede Änderung nötig gewesen wäre, einen stimmungsvolleren Roman findet man selten. Crumleys Metier sind nicht die Straßenschluchten anonymer Großstädte. Seine Figuren begegnen sich dort auf unausweichliche Weise, wo sich Skorpion und Klapperschlange „Gute Nacht“ sagen. Seine Bücher sind fiebrige Chroniken einer drogengeschwängerten Zwischenwelt, in der die Grenzen zwischen Gut und Böse (eigentlich alle Grenzen) zerfließen und nur seine Protagonisten einsame, dahintreibende Bezugspunkte sind; funkelnde Irrlichter in einer Welt der Düsternis, immer mit einem Fuß im Mythologischen.</p>
<p>Sechs seiner sieben Romane sind in Deutschland von verschiedenen Verlagen (Goldmann, Piper und Shayol) verlegt worden, wobei sich vor allem Goldmann bemühte, Crumley als vorgeblichen Krawallautor ins Rennen zu schicken. So wurde sein fabulöser „Dancing Bear“  gleich zweimal vermarktet, einmal wortgetreu als „Der tanzende Bär“ und zum Zweiten plump als „Kerle, Kanonen &#38; Kokain“. Geholfen hat es nicht viel. Die „Serie Piper“ zeigte sich seriöser, schaffte es aber nicht, Crumley den Platz zu schaffen, der ihm gebührte. So ist im Moment nur „Land der Lügen“ außerhalb von Antiquariaten zu bekommen, und es liegt am rührigen Shayol-Verlag, Crumleys Vermächtnis hierzulande weiter zu tragen. Vielleicht auch, indem sich der Verlag seines letzten  Wekes „The Right Madness“ annimmt. Wir würden in der verkehrtesten aller literarischen Welten leben, wenn der letzte Scheiß im Krimiregal seine Abnehmer findet, aber jemand wie James Crumley verschütt gehen würde. Denn noch immer gilt Martin Comparts schönes Schlusswort: „Leser, die Crumley noch nicht kennen, sind zu beneiden: sie haben ihn noch vor sich. Uns anderen bleibt nur übrig, ihn immer wieder zu lesen.“ Jetzt erst recht.</p>
<p><strong> Jochen König</strong></p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[George Russell (1923-2009)]]></title>
<link>http://entdinglichung.wordpress.com/2009/07/28/george-russell-1923-2009/</link>
<pubDate>Tue, 28 Jul 2009 09:13:37 +0000</pubDate>
<dc:creator>entdinglichung</dc:creator>
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<description><![CDATA[George Allen Russell, Jazzpianist, Komponist und Musiktheoretiker (Verfasser von The Lydian Chromati]]></description>
<content:encoded><![CDATA[George Allen Russell, Jazzpianist, Komponist und Musiktheoretiker (Verfasser von The Lydian Chromati]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Thomas Klingenmaier: Denken Sie da mal drüber nach. Edward Bunker hatte etwas zu erzählen (2006)]]></title>
<link>http://krimikulturarchiv.wordpress.com/2009/07/23/thomas-klingenmaier-denken-sie-da-mal-druber-nach-edward-bunker-hatte-etwas-zu-erzahlen/</link>
<pubDate>Thu, 23 Jul 2009 12:36:09 +0000</pubDate>
<dc:creator>tkl</dc:creator>
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<description><![CDATA[Denken sei ein Fluch, grollt eine seiner Figuren, wer ans Leben denke, denke immer auch an den eigen]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Denken sei ein Fluch, grollt eine seiner Figuren, wer ans Leben denke, denke immer auch an den eigenen Tod. Der amerikanische Schriftsteller Edward Bunker hat da eine ganz besondere eigene Bitternis verarbeitet, den vergeblichen Wunsch, das eigene Bewusstsein abschalten zu können wie eine Glühbirne, an einem Ort, an dem Leben und Tod näher beieinander liegen als draußen in der Vorstadt beim Rasenmähen. Bunker, der am 19. Juli 2005 im Alter von 71 Jahren in Los Angeles gestorben ist, hat viele Jahre in Amerikas Haftanstalten zugebracht.</p>
<p><!--more--></p>
<p>Als Kind war das Lesen nicht seine Leidenschaft gewesen. Er hatte nicht einmal halbwegs normale Schuljahre. Seine Lektionen bestanden darin, in den brutalen Hackordnungen von Erziehungsheimen, in denen er stets der Jüngste war, zu überleben. Als Bunker am 31. Dezember 1933 in Hollywood geboren wurde, hatten seine Eltern, ein Kulissenschieber und eine kleine Tänzerin, längst die Hoffnung aufgegeben, am Goldregen der Filmindustrie teilzuhaben, und soffen sich in ihre eigene kleine abendliche Krawallhölle. Edward landete bei Pflegefamilien und in Heimen, hatte irgendwann die Lektion weg, dass man Wolf oder Schaf sein kann, stahl, betrog, versuchte sich mit Vierzehn am Raubüberfall auf einen Schnapsladen, kam ins Jugendgefängnis, stach auf einen Wärter ein, wurde in den Erwachsenenknast    überstellt.</p>
<p>Bunker hasste alles und jeden und hatte guten Grund, die meisten zu fürchten. Aber wenn er nicht von älteren Kriminellen die Tricks des Gewerbes lernte, dann las er, nicht um einem Bildungsideal zu folgen, sondern um wegzukommen aus dem Dreck, der Monotonie, der Dumpfheit. Jedesmal, wenn er aus dem Knast kam, fand er es leichter, seine kriminelle Karriere wieder aufzunehmen, als ans bürgerliche Leben anzuknüpfen. Das hatte nur anfangs mit einer rebellischen Attitüde und seinem Hass auf Autoritäten zu tun. Je öfter er wieder einsaß, je mehr Zeit er in der mörderischen Idiotie des Gefängnisses verlor, desto weniger Sinn sah er darin, der Gesellschaft immer neue Chancen zu geben, ihn einzubuchten. Aber je öfter und länger er einsaß, desto weniger wollte ihm die Gesellschaft draußen eine Chance geben, sich wieder zu integrieren. Über diesen Widersinn, über seine Verzweiflung, über die Hölle im Knast und die kalten Mauern des Anstands draußen, begann er zu schreiben.</p>
<p>Vier Romane über das kriminelle Leben innerhalb und außerhalb des Gefängnisses – »No Beast So Fierce« (1973, dt. »Wilder als ein Tier«), »The Animal Factory«, (1977, dt. »Ort der Verdammnis«), »Little Boy Blue« (1981) und »Dog Eat Dog« (1995, dt. »Der letzte Coup«) – sowie der Memoirenband »Education Of A Felon« (1999, in Großbritannien als »Mr. Blue« erschienen) und einige Drehbücher für Hollywood bilden den offiziellen Bunkerschen Kanon. Hunderte frühe Short Stories und einige Romane aus der Knastzeit blieben unveröffentlicht. Bunker hat sich buchstäblich aus dem Knast herausgeschrieben. Als »No Beast So Fierce« 1973 erschien, hatte er noch eine lange Haftstrafe vor sich, wurde aber aufgrund der öffentlichen Aufmerksamkeit bereits zwei Jahre später begnadigt. Bunker hat sich bedankt, indem er kein Blatt vor den Mund nahm, indem er beschrieb, wie die Gefängnisse genau jene Menschen produzieren, die von der Gesellschaft am meisten gefürchtet werden, hartgesottene Soziopathen, die auf alle Werte pfeifen. Und wie er frei von Selbstmitleid, aber mit grimmigem Hohn schilderte, wie jene Ex-Knackis, die nicht von vornherein auf Konfrontationskurs mit der bürgerlichen Lebenswelt gehen, mit ihren Anknüpfungsbemühungen an einer unfähigen Bürokratie und einer unwilligen Gemeinschaft scheitern.</p>
<p>Literatur besteht nicht nur aus Erfahrungen und Geschehnissen. Sie besteht auch aus Sprache. Die von Edward Bunker war schockierend derb und brutal effizient, wie die zugefeilten Werkzeugreste und Besteckteile, mit denen die Häftlinge in seinen Büchern ihre tödlichen Machtkämpfe austragen. Bunkers Figuren reden manchmal einen Jargon, der wie ein Säureschwall aus ihren Mündern fährt, als sei da ein Versuch der Außenverdauung im Gange. Als müsse die Welt draußen durch diese ätzende Sprache erst einmal angegriffen, vorgeweicht, zersetzt werden, bevor die Sprecher sich an sie heranwagen können. Aber oft kontrollieren die noch nicht völlig traumatisierten Figuren ihre Sprache auch, so wie Bunker selbst als Erzähler hart, knapp und klar, aber keineswegs schockverliebt vulgär formuliert. Nur nützt ihnen diese Fähigkeit, sich verständlich zu machen, auf Codes einzugehen, sich zurückzunehmen, im Umgang mit den Arrivierten wenig. Ganz so, als sei den Bürgern der beherrschte Außenseiter unheimlicher als der unbeherrschte.</p>
<p>Die Folge rüder Zurückweisungen ging auch Bunker selbst an die Nieren, sie ließ ihm die Dauerkrisenzone des Gefängnisses zeitweise ehrlicher und respektgeprägter erscheinen als die Zivilwelt draußen. »<em>Die Knastweisheiten lauten«</em>, schrieb er in »Memoirs of a Felon« nach der Schilderung der erfolgreichen hinterhältigen Racheattacke eines relativen Hänflings auf einen bulligen Rüpel <em>»Keiner ist unverwundbar; jeder kann dich umbringen. Wo sich absolut jeder ein großes Messer verschaffen kann, ist sorgfältiger Umgang miteinander die Regel Nummer Eins, auch wenn der in Vulgarität verpackt ist. Denken Sie da mal drüber nach.«</em> Edward Bunkers Stimme fehlt uns wirklich.</p>
<p><strong>(Erstdruck: Krimijahrbuch 2006. Nordpark Verlag Wuppertal)</strong></p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Thomas Klingenmaier: Weiterkämpfen, auch mit einem Arm. Ein Nachruf auf Michael Collins alias Dennis Lynds (2006)]]></title>
<link>http://krimikulturarchiv.wordpress.com/2009/07/23/thomas-klingenmaier-weiterkampfen-auch-mit-einem-arm-ein-nachruf-auf-michael-collins-alias-dennis-lynds-2006/</link>
<pubDate>Thu, 23 Jul 2009 12:31:29 +0000</pubDate>
<dc:creator>tkl</dc:creator>
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<description><![CDATA[Die Stadt niederreißen und eine neue aufbauen, eine, in der fairere Regeln gelten: das bringt ein ei]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Die Stadt niederreißen und eine neue aufbauen, eine, in der fairere Regeln gelten: das bringt ein einzelner Rebell auch dann nicht fertig, wenn er zwei Preisboxerfäuste schwingen kann. Aber wenigstens kann der übliche hartgesottene Privatdetektiv bei seinen Gängen durch die Architektur des Hinterhalts den ein oder anderen Zweikampf gewinnen. Seine Ohnmacht gegenüber einem System muss sich nicht als Ohnmacht gegenüber dessen individuellen Vertretern äußern. Dan Fortune aber muss Mann-gegen-Mann-Kämpfen tunlichst ausweichen. Er kann sich nirgendwo mehr durchboxen, weil die Welt ihn schon längst drastisch zurechtgestutzt hat. Fortune ist ein Greifer mit einem leeren Ärmel, eine Erscheinung, die Klienten, Gegner, Informanten immer wieder stutzen lässt. Der einarmige Detektiv scheint ihnen ein Mann am falschen Ort, im falschen Beruf, in dauernder Gefahr, ein Objekt von Hohn, Mitleid oder Verachtung.</p>
<p><!--more--></p>
<p>Der am 19. August 2005 verstorbene US-Autor Michael Collins, mit bürgerlichem Namen Dennis Lynds, hat seine Figur Dan Fortune über zwanzig Bücher hinweg nie zu einem Springteufelhelden gemacht, der mit stählerner Willenskraft über Wahrscheinlichkeitsrechnung und Geringschätzung  hinweg schnalzen kann. Fortune ist beharrlich, in Maßen klug, nicht ohne Menschenkenntnis, mit guten Instinkten ausgestattet und vor allem frei von Illusionen. Er profitiert auch oft davon, dass er unterschätzt wird. Aber er bleibt ein Mann mit einem Arm, noch dazu ein Risikokandidat, der selten und widerwillig eine Schußwaffe trägt und sie meist nur halbherzig auf Menschen richtet.</p>
<p>Fortune ist einer, den man aus dem Weg stoßen, den man zusammenschlagen, den man unter Druck setzen kann. Er hat schon einmal etwas Wichtiges verloren, er führt tagein, tagaus ein eingeschränktes Leben. Daraus erwächst Fortunes sehr konkrete Angst, noch mehr zu verlieren, die ihn manchmal lähmt. Der Ich-Erzähler Fortune kokettiert nicht mit der Beschreibung von Angstgefühlen, um ihre Überwindung dann umso glanzvoller wirken zu lassen. Er beichtet aufrichtig Versäumnisse, Feigheiten, Schwäche. </p>
<p>Der leere Ärmel von Dan Fortune ist ein vielschichtiges Bild. Es weist auf die relative Machtlosigkeit dessen, der in einer Welt der Lügen nach Wahrheit sucht. Es kehrt die Beschädigungen eines Manne hervor, der sich als vorübergehende Funktion in fremden Leben verausgabt. Der billig mietbar ist, sich aber weit über jedes Kosten-Nutzenverhältnis hinaus verwickeln lässt. Der das Schlimmste nicht immer verhüten kann, sondern es als Geschäftsgrundlage nutzen muss. Der auf der Suche nach Informationen Wunden aufreißt, die unter dem Schorf der Illusionen vielleicht besser verheilen würden. Aber wenn man genauer hinschaut, weist die Versehrtheit Fortunes noch auf etwas anderes. Auf die Zufälligkeit, bestenfalls die Umstandsbestimmtheit der Rollenverteilung von Gut und Böse.</p>
<p>In Chelsea, seinem alten Viertel in New York, hieß Fortune einmal Dan der Pirat. Mit sechzehn war er auf der schiefen Bahn, weil kriminelle Jobs die besten waren, die sich anboten. Seinen Arm verlor er damals, als er mit einem Kumpel zusammen unten an den Docks ein Schiff ausrauben wollte und vom Deck in den Laderaum stürzte. Es hätte ohne diesen Unfall anders weiter gehen können mit Daniel Tadeusz Fortunowski, wie ihn das Taufbuch kannte, mit Dan dem Piraten. <em>»Jeder Mensch hat viele Namen«</em>, kommentiert Dan Fortune, Confidential Investigator, diese diversen Möglichkeiten der Entwicklung einmal.</p>
<p>Fortune erzählt Fremden wechselnde Geschichten, wie er seinen Arm verloren hat. Oft flunkert er vom Zweiten Weltkrieg. Und doch hing er lange innig an jener alten Nachbarschaft, in der viele Leute Bescheid wussten über seine Vergangenheit. Fortune ist der bodenständigste aller urbanen Detektive, ein Typ, der sich als Teil eines größeren Zusammenhangs begreift, als Element einer Gemeinschaft, als Stammesdetektiv. Er sieht sich als Teil des Milieus von Chelsea, er empfindet sein Außenseitertum als Schmerz und als zweite Verkrüppelung. Er ist anders als die anderen Detektive der US-Literatur, auch anders als der gereifte, empfindsame Lew Archer. Auch wenn dessen Erfinder, Ross Macdonald alias Kenneth Millar, Freund, Mentor und in manchem auch Vorbild von Dennis Lynds war. Fortune operiert nicht aus der Distanz des Ironikers, des Zynikers, des Angeekelten, des Beichtvaters oder Analytikers. Er befindet sich in der Distanz des halb aus den Zusammenhängen Gerutschten. Er will kein einsamer Wolf sein, sondern ein Junge aus der Nachbarschaft, und kommt doch mit den Regeln, Entwicklungen, Beengungen der alten Nachbarschaft nicht mehr klar. Fortune ist ein entfremdeter Nestwärmesucher.</p>
<p>Michael Collins wird in USA jenen innovativen Autoren zugerechnet, die Grenzsteine des Genres versetzt haben. In Deutschland ist er so kaum je wahrgenommen, aber wenigstens einmal verlegt worden. Schon seit einigen Jahren allerdings sind seine Bücher vom Markt verschwunden. Im Zug des allgemeinen Verdrängtwerdens hochkarätiger Werke ausländischer Autoren durch den deutschen »Guck mal, das spielt in unserer Kneipe«-Geschenkartikelkrimi muss das nicht unbedingt besondere Bedeutung haben. Es gibt aber Anhaltspunkte für den Verdacht, das Werk Michael Collins könne besonders quer zum Zeitgeist liegen.</p>
<p>Denn nicht Fortunes Sehnsucht nach einer verlorenen Heimat der Mietskasernen, Nachbarschaftsgauner, Kneipen und kleinen Läden macht diesen Detektiv genregeschichtlich so bedeutsam. Sondern sein Blick für die gesellschaftlichen Zusammenhänge, seine Weigerung, individuelle Gewalttäter, ganze Gangs oder komplexe Strukturen der Korruption als vereinzelte Entartung zu sehen. Für Fortune wachsen Verbrechen und Verbrecher aus der Gesellschaft heraus. Sie stehen dem allgemeinen Willen nicht feindlich und fremd gegenüber, sie drücken ihn nur nackter und roher aus.    </p>
<p>In »Act Of Fear«, dem ersten und <em>Edgar</em>-gekürten Roman der Fortune-Reihe aus dem Jahr 1967, sagt der Detektiv über einen Typen aus dem Viertel, der nun ein tyrannischer Gebietsfürst der Mafia geworden ist: <em>»Ich bin mitschuldig an Andy. Ich kann mich nicht wegducken, mich nicht davonschleichen, auch wenn das für jeden ratsam wäre, der seinen Grips beieinander hat. Denn Andy verkörpert, was faul ist an allem. Ein Mann wie Andy Pappas markiert, wo wir alle miteinander von der Bahn abgekommen sind. All die Männer wie Andy, die glauben, das einzige, was zähle, sei der nächstbeste Vorteil, irgendein Sieg. Die Männer, die uns alle in den Untergang reißen werden, um irgendeinen Triumph zu erringen, und wenn’s bloß der ist, König des Friedhofs zu sein.«   </em></p>
<p>Das Verbrechen ist ein Produkt der Gesellschaft. Diese verallgemeinernd entlastende These – niemand kann wirklich was dafür, nicht einmal der Täter selbst – wird in den Romanen von Michael Collins wieder belastend und bedrängend intim. Die linke Sozialkritik mischt sich hier mit dem christlichen Konzept der Schuldübernahme. Der Begriff Gesellschaft bedeutet nicht »all die anderen« oder »die da oben«, sondern »auch ich«. Trotz dieser rigorosen Selbstbezichtigung ist Fortune jedoch kein zerknirschter Egozentriker, kein eitler Seelenmasochist. Er ist ein Linker, einer, der von Menschen gemachte Strukturen erkennt, benennt, missbilligt, die viele seiner Landsleute allenfalls für Schicksal halten.</p>
<p>In Michael Collins’ Büchern wird die Kluft zwischen Kapital und Arbeit nicht hinter der Exotik von Gewalteruption und deformierten Charakteren versteckt, nicht einmal, wenn der Buchtitel »Freak« lautet. Die und wir, die Bescheidenen und die Arroganten, die Durchsetzungsfähigen und die Weichen – nicht nur Fortune sieht die Welt so, auch andere Figuren teilen immer wieder diesen Blick, sogar die Kriminellen. In diesen Romanen flackert mitten in einem Amerika, das sich für die beste aller möglichen Gesellschaften hält, ein Netzwerk dissidenter Egos auf, die bezeugen, dass dies ein verdammt hartes und ungemütliches Paradies ist.</p>
<p>Im erwähnten »Freak« erlebt Collins seine Beinahe-Hinrichtung in einem gottvergessenen Tälchen, in dem die Ruinen alter Glücksrittersaloons und aufgegebene Bergwerksanlagen rotten. Aber die Gier der längst verstorbenen Pioniere, enormen Reichtum aus dem Boden zu kratzen, hat sich fortgepflanzt in der Versuchung der Kriminellen von heute, durch Erpressung und andere Coups über Nacht reich zu werden. So durchgeknallt und asozial diese Typen sind, so angepasst sind sie an eine Welt, in der einerseits vor allem Besitz zählt, andererseits aber die Ressourcen weitgehend verteilt scheinen.    </p>
<p>Fortunes grundlegender, wesensbestimmender Widerspruch ist der zwischen Gesellschaftsanalyse und Selbstverständnis. In einer Welt, in der ehrliche Arbeit mit Bedrückung und Ausbeutung gleichgesetzt werden kann, zeigt Fortune trotzdem höchstes Arbeitsethos. In die Hände von Kriminellen gefallen, zu Recht um sein Leben fürchtend, bekommt er in »Freak« die Chance zur Flucht. <em>»Ich hätte mich jetzt die Treppe hinab und zur Tür hin-ausstehlen, dann die ganze Strecke bis runter zum Highway rennen und entkommen können. Das wäre eine prima Sache. Mir war auch danach. Aber ich hatte einen Job zu erledigen, hatte eine Arbeit. Und letzten Endes war dies das einzige, was ich hatte. Meine Arbeit.«</em></p>
<p>Idealismus, Pragmatismus und Einsamkeit verknüpfen sich in Fortune zu einer quixotischen Romantik, die den Wertekanon der kleinen Leute von Gestern retten will, obwohl klar ist, dass man diese kleinen Leute mit falschen Karten, einem Sack Illusionen und breiten Scheuklappen ins Rennen um das gute Leben geschickt hat. In späteren Romanen wird Fortune wie sein Autor Michael Collins alias Dennis Lynds an die Westküste übersiedeln. Das ist ein Schritt der Befreiung, ein Akt der Liebe zu einer Frau, aber auch das Eingeständnis einer Niederlage. Fortune wird nie mehr wirklich heimisch sein in Chelsea, so wenig, wie Chelsea das alte Chelsea bleiben kann. Der Umzug nach Kalifornien signalisiert Fortunes Einsicht in Amerikas unaufhaltsamen Wandel, in den Wurzelschwund, in die scheinbare Ausweitung der Bewegungsräume und den Verlust an Geborgenheit.</p>
<p>Wer nur die Ohnmachtserfahrungen von Dan Fortune verfolgte, wer Collins-Roman um Collins-Roman – der Autor mochte den von Kritikern geprägten Ausdruck Soziodramen für seine Krimis durchaus – die Momentansichten einer kalten, auf unablässiges Gegeneinander gepolten Gesellschaft studierte, konnte fürchten, Dennis Lynds schriebe sich auf einen Moment des Verstummens und der Resignation zu. Aber nichts lag diesem Mann ferner, der mit Fortunes Arbeitsethos wohl das eigene beschrieb. Lynds, 1925 in St. Louis, Missouri, geboren, publizierte nicht nur als Michael Collins, sondern auch unter seinem eigenen Namen Sammlungen von Kurzgeschichten und zwei Romane, unter dem Pseudonym William Arden sowohl eine Serie um den Industriespion Kane Jackson wie auch zahlreiche Jugendkrimis der Reihe »Die drei ???«, unter dem Pseudonym Maxwell Grant eine Folge von Büchern um den Vigilanten »The Shadow«, einen Veteranen alter Hörspiele und Comics, als Mark Sadler eine Serie um den New Yorker Privatdetektiv Paul Shaw, einen wirtschaftlich erfolgreichen und innerlich robusten Gegenentwurf zu Dan Fortune, als John Crowe eine Reihe Krimis, die nicht eine Hauptfigur, sondern einen Schauplatz, das fiktive Buena Costa County in Südkalifornien, teilen. Unter dem sämtlichen Autoren der Reihe dienenden Pseudonym Nick Carter hat Lynds ein paar »Nick Carter«-Romane geschrieben, unter dem gleichfalls arbeitshandschuhartig weitergereichten Pseudonym Brett Hallyday hat er Abenteuer für den multimedial agierenden  Schlaukopf und Raufbold Mike Shayne erfunden.</p>
<p>Diese Aufzählung umfasst noch immer nicht sämtliche Nebenwerke und Tarnkappen. Ein Schreibwütiger also, dieser Dennis Lynds, und ein Autor alter Schule, der sich nie nach spektakulären Filmrechteverkäufen und internationalen Bieterkriegen um Lizenzen zur Ruhe setzen konnte. Aber der in Brooklyn Aufgewachsene, der vielleicht darum gern Cowboyhut und Westernstiefel trug,  weil er seine Umwelt an die Freiheitsideale anderer Zeiten erinnern und den Reaktionären ihre Symbole für die Sehnsucht nach einer vorliberalen Epoche wegnehmen und umdeuten wollte, war eben auch bekennender Sozialist, ein politischer Außenseiter in den USA. Sein fleißiges Schreiben hat eventuell auch etwas mit seiner Zuneigung zum Recht der freien Meinungsäußerung und seinem Misstrauen, ob dieses Recht wirklich von all seinen Landsleuten respektiert und geschätzt wird, zu tun. In gewisser Weise hat Dennis Lynds nicht einfach mit anderen Autoren um die Wette geschrieben, er hat versucht, mehr Bücher zu hinterlassen, als die Helfer irgendeines McCarthy-Klons je wieder einsammeln können. Das Genre, hat er einmal gesagt, hätte sich von selbst ergeben. <em>»Ich hatte nicht den Vorsatz, Detektivromane zu schreiben. Aber ich war entschlossen, Romane zu schreiben, die der Gesellschaft, in der ich lebe, auf den Zahn fühlen. Wir können alle gar nicht anders, als mit anderen Menschen in Beziehung zu treten. Wie wir das tun, das wird festlegen, in welcher Art Land, Welt und Universum wir leben werden.«</em></p>
<p><strong>(Erstdruck: Krimijahrbuch 2006, NordPark Verlag Wuppertal)</strong></p>
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<title><![CDATA[Leni Jungclas (1917-2009)]]></title>
<link>http://entdinglichung.wordpress.com/2009/07/06/leni-jungclas-1917-2009/</link>
<pubDate>Mon, 06 Jul 2009 08:54:42 +0000</pubDate>
<dc:creator>entdinglichung</dc:creator>
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<description><![CDATA[Quelle: Inprekorr Leni Jungclas (1917-2009) Am 28. Juni hat in Köln das Herz einer großen Kämpferin ]]></description>
<content:encoded><![CDATA[Quelle: Inprekorr Leni Jungclas (1917-2009) Am 28. Juni hat in Köln das Herz einer großen Kämpferin ]]></content:encoded>
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<title><![CDATA[Pina Bausch (1940-2009)]]></title>
<link>http://entdinglichung.wordpress.com/2009/07/01/pina-bausch-1940-2009/</link>
<pubDate>Wed, 01 Jul 2009 08:37:50 +0000</pubDate>
<dc:creator>entdinglichung</dc:creator>
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<description><![CDATA[]]></description>
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<title><![CDATA[Nachruf Robin Cook aka Derek Raymond (1994)]]></title>
<link>http://krimikulturarchiv.wordpress.com/2009/06/29/nachruf-robin-cook-aka-derek-raymond-1994/</link>
<pubDate>Mon, 29 Jun 2009 19:01:20 +0000</pubDate>
<dc:creator>piekebiermann</dc:creator>
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<description><![CDATA[DEAD MAN UPRIGHT Robin Cook (alias Derek Raymond) ist tot Für Leute, die er für indiskutabel hielt, ]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><h1>DEAD MAN UPRIGHT</h1>
<h2>Robin Cook (alias Derek Raymond) ist tot</h2>
<p>Für Leute, die er für indiskutabel hielt, fand er 1992 in einem Brief die Formel: &#8220;<em>No Jever for them!</em>&#8221; Den Kulturbetrieb in Gestalt prätentiöser Podien mit spitzfingrigen Diskursen und den hochgezogenen Augenbrauen der Ahnungslosigkeit verließ er nach ein paar Minuten gelangweilt, das Päckchen Gauloises-ohne in der Hand, ein charmant-bestimmtes: &#8220;<em>I&#8217;m dying for a beer!</em>&#8221; auf den Lippen. Damit war der Fall für ihn erledigt, er hatte die Zeit zurückerobert für die wenigen wirklich wichtigen Dinge &#8211; das Leben, das Schreiben, die Liebe, den Tod. Die nahm er ernst. Sehr ernst. Keine Chance für all die Frivolitäten der letzten Moden, heißen sie nun Simulationstheorie oder <em>virtual reality</em>, Postmoderne oder Psychopathenkiller-Kitsch.<!--more--><br />
Geboren wurde <strong>Robert William Arthur Cook</strong> 1931 in London als Sohn &#8220;feiner Leute&#8221;, jedenfalls väterlicherseits. Seine Mutter allerdings hatte den Textilfabrikanten Cook nach einem ziemlich bewegten Leben geheiratet &#8211; quer durch die Tingeltangel von Europa, mit der polnisch-deutsch-jüdischen Mama. Der Sohn kam, <em>of course</em>, nach Eton, von wo er mit siebzehn türmte. Ab da lief sein &#8220;Klassenverrat&#8221;, oder in seinen Worten: &#8220;Ich hab mein Leben lang die Leiter nach unten genommen.&#8221; Er schlug sich durch und herum, lernte die Londoner Gangsterwelt (als Taxifahrer, Türsteher, Kurier) und das britische Militär (zwangsweise) von innen kennen, verschob Autos und Plattenspieler in Spanien, berichtete für den Standard vom Algerienkrieg, baute in Italien Wein und Öl an, streunte durch Tanger und Paris und New York. Und schrieb, wie er es gewollt hatte, seit er elf war. Zunächst böse, bissige <em>social satire</em>. Dann verschwand er sehr lange <em>in the middle of nowhere</em>, vermutlich im Zentralmassiv. Als er wieder auftauchte, hatte er die Form gefunden, die ihn in Frankreich sofort, in England erst kurz vor seinem Tod zum verehrten und gefeierten Schriftsteller machte: den <em>roman noir</em>, genauer: die Factory-Serie. Insgesamt fünf Romane um einen namenlosen Detective Sergeant einer fiktiven Londoner Polizeiabteilung namens &#8220;Ungeklärte Todesfälle&#8221;. Werke von einer ungeheuerlichen Dichte und Wucht, thematisch und literarisch. Am ungeheuerlichsten (für die Leser und für den Autor, den das Schreiben fast in den Abgrund mitgerissen hätte) Nr.4, &#8220;I Was Dora Suarez&#8221;. Der Detective Sergeant kommt einem Frauenmörder auf die Spur, indem er sich in dessen Opfer hineinhalluziniert, eben Dora Suarez wird.<br />
&#8220;Es gibt kaum derart unversöhnliche Höllenvisionen. Von Roman zu Roman wühlt sich die Serie tiefer in die nachtschwarzen Seiten menschlicher Existenz, die Verheerungen einer wildgewordenen Zivilisation&#8221;, schreibt 1990 sein Freund, der Kritiker Thomas Wörtche, der Cooks Kosmos zwischen &#8220;Poe, Kafka und Pulp&#8221; ortet.<br />
In Frankreich wurde er von Jacques Deray und wird er zur Zeit von Claude Chabrol verfilmt. In England entsteht eine Fernsehserie nach den Factories. In Deutschland hat man ihn ignoriert &#8211; wie alles, was sich, wenn auch mit Mühe, als &#8220;Krimmi&#8221; verachten läßt &#8211; und getreu dem bitteren Tucholsky-Satz gekillt durch Übersetzung (und Präsentation). Drei Factories verschwinden in einer Billigreihe zwischen Trash-Autoren unter dem Pseudonym Derek Raymond (damit&#8217;s keine Verwechslung mit dem amerikanischen Arzt-Horror-Schreiber Robin Cook gibt), &#8220;Dora Suarez&#8221; vegetiert als vermeintlicher Super-Splatter-Roman in einem Winzverlag. In Frankreich erschienen zu seinem Tod halbseitige Nachrufe in den großen Zeitungen &#8211; im &#8220;Land der Dichter und Denker&#8221; kein einziger.<br />
Als er ins Krankenhaus kam, im Mai, trug er ein T-Shirt mit dem Titel seines fünften Romans &#8220;Dead Man Upright&#8221;. Darin wollte er beerdigt werden. Er war zeit seines Lebens <em>upright</em>: in seiner Körpersprache (die immer einen Hauch &#8220;britischer Kolonialoffizier&#8221; hatte), in seinen vielen anderen Sprachen (sein Italienisch brachte ihm einmal eine Nacht im Knast vom Cattolica ein, aber in jeder schwang bei allem Cockney immer ein Schuß Eton mit), in seiner Fähigkeit zur Freundschaft, die sich Zeit und viel Herz nahm &#8211; für seitenlange Korrespondenzen, zum Beispiel.<br />
Seine letzten zwei Tage hat er verbracht wie ein Gentleman aus irgendeinem fernen Jahrhundert &#8211; mit seiner fünften und letzten, längst geschiedenen Frau, der Pariser Filmmacherin Agnès Bert, Champagner und Gauloises. Zu seiner Beerdigung erklang Bessie Smiths Musik und schmiß einer seiner beiden Londoner Stamm-Pubs die Party, die bei uns Fellversaufen genannt wird.<br />
Mit <em>Jever galore for us</em>, natürlich!</p>
<p>(der einzige Nachruf in Deutschland, erschienen in DEUTSCHES ALLGEMEINES SONNTAGSBLATT, Literaturseite, 26.August 1994)</p>
</div>]]></content:encoded>
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<title><![CDATA[Sky Saxon (1946-2009)]]></title>
<link>http://entdinglichung.wordpress.com/2009/06/27/sky-saxon-1946-2009/</link>
<pubDate>Sat, 27 Jun 2009 19:48:13 +0000</pubDate>
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<description><![CDATA[Sky &#8220;Sunlight&#8221; Saxon (Richard Marsh), Sänger von The Seeds, † 25. Juni 2009]]></description>
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<title><![CDATA[John Saville (1916-2009)]]></title>
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<pubDate>Wed, 17 Jun 2009 08:49:32 +0000</pubDate>
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<description><![CDATA[Am 13. juni starb im Alter von 93 Jahren John Saville: marxistischer Historiker, Mitbegründer des Ne]]></description>
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<title><![CDATA[Guillermo Lora (1922-2009)]]></title>
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<pubDate>Thu, 21 May 2009 14:16:57 +0000</pubDate>
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<description><![CDATA[Am 17. Mai starb Guillermo Lora, Sprecher der Partido Obrero Revolucionario (POR) und eine der legen]]></description>
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<title><![CDATA[Paul Parin (1916-2009)]]></title>
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<pubDate>Wed, 20 May 2009 10:53:24 +0000</pubDate>
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<description><![CDATA[Paul Parin, Antifaschist, undogmatischer und libertärer Sozialist, Schriftsteller, Psychoanalytiker ]]></description>
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<title><![CDATA[Mario Benedetti (1920-2009)]]></title>
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<pubDate>Mon, 18 May 2009 09:09:01 +0000</pubDate>
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<description><![CDATA[Der uruguayanische Schriftsteller, Publizist und politischer Aktivist Mario Orlando Hamlet Hardy Bre]]></description>
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<title><![CDATA[Augusto Boal (1931-2009)]]></title>
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<pubDate>Tue, 05 May 2009 09:14:15 +0000</pubDate>
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<description><![CDATA[Am 2. Mai starb im Alter von 78 Jahren in Rio de Janeiro Augusto Boal, der Vater des Theater der Unt]]></description>
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<title><![CDATA[ Hoang Khoa Khoi (1917-2009)]]></title>
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<pubDate>Mon, 27 Apr 2009 08:56:29 +0000</pubDate>
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<title><![CDATA[Neues aus den Archiven der radikalen Linken - eine Auswahl]]></title>
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<pubDate>Thu, 23 Apr 2009 14:57:53 +0000</pubDate>
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<description><![CDATA[Ältere Archiv-Updates und Hinweise zu weiteren linken Archivalien unter &#8220;Sozialistika&#8220;: ]]></description>
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<title><![CDATA[Abel Paz (1921-2009)]]></title>
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<pubDate>Tue, 14 Apr 2009 08:41:14 +0000</pubDate>
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<description><![CDATA[Am gestrigen Tage starb Abel Paz (Diego Camacho), Anarchist, Revolutionär, antifaschistischer Widers]]></description>
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<title><![CDATA[Bud Shank (1926-2009)]]></title>
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<pubDate>Mon, 06 Apr 2009 08:53:32 +0000</pubDate>
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<description><![CDATA[Clifford Everett &#8220;Bud&#8221; Shank Jnr (27.05 1926-02.04. 2009)]]></description>
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<title><![CDATA[Yessie Macchi (1946-2009)]]></title>
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<pubDate>Wed, 04 Mar 2009 10:05:43 +0000</pubDate>
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<description><![CDATA[Am 3. Februar starb im Alter von 62 Jahren in Montevideo/Uruguay die Tupamara, Feministin und Medien]]></description>
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<title><![CDATA[Georges Labica (1930-2009)]]></title>
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<pubDate>Thu, 26 Feb 2009 15:42:21 +0000</pubDate>
<dc:creator>entdinglichung</dc:creator>
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<description><![CDATA[Am 12. Februar starb der Philiosoph, politische Aktivist und kritische Marxist Georges Labica, einem]]></description>
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