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	<title>niklas-luhmann &amp;laquo; WordPress.com Tag Feed</title>
	<link>http://en.wordpress.com/tag/niklas-luhmann/</link>
	<description>Feed of posts on WordPress.com tagged "niklas-luhmann"</description>
	<pubDate>Tue, 01 Dec 2009 11:28:36 +0000</pubDate>

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	<language>en</language>

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<title><![CDATA[Luhmann fürs Leben: Schweinegrippe? Gar nicht irritieren lassen.]]></title>
<link>http://worteschoen.wordpress.com/2009/11/30/luhmann-furs-leben-schweinegrippe-gar-nicht-irritieren-lassen/</link>
<pubDate>Mon, 30 Nov 2009 08:40:21 +0000</pubDate>
<dc:creator>Torsten</dc:creator>
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<description><![CDATA[Kennen Sie Luhmann? Niklas Luhmann? Den schrulligen Systemtheoretiker, der mit Zettelkasten und scha]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p><a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Niklas_Luhmann"><img class="size-thumbnail wp-image-364 alignright" title="225px-Niklas_Luhmann" src="http://worteschoen.wordpress.com/files/2009/11/225px-niklas_luhmann4.jpg?w=141" alt="" width="141" height="150" /></a></p>
<p><em>Kennen Sie Luhmann? Niklas Luhmann? Den schrulligen Systemtheoretiker, der mit Zettelkasten und scharfem Verstand unsere Gesellschaft vermessen hat und leider 1998 von uns ging? Luhmann ist angesagter denn je. Schlagen Sie nur mal die Zeitung auf.</em><!--more Mehr lesen ...--></p>
<p>Letzte Woche war es wieder einmal so weit. Im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung ging es um die Schweinegrippe in den Medien (nein, nur um die Berichterstattung der Medien über die Schweinegrippe. Ob manche Medien selbst betroffen sind, darüber ließe sich aber streiten).</p>
<p>Tobias Moorstedt in der SZ vom 24.11.2009:</p>
<p style="padding-left:30px;">„Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien“, schrieb Niklas Luhmann. Das war 1995, in den Anfangszeiten des globalen 24-Stunden-Nachrichtenkreislaufs und vor der Erfindung von iPhone, Blogs und Twitter. Was sich aber nicht geändert hat, ist: Menschen erhalten durch „die Medien“ – also Zeitungen, Fernsehen, Internet – Informationen, auf deren Grundlage sie Entscheidungen treffen.</p>
<p style="padding-left:30px;">Es ist ein Warnzeichen, dass in vielen Zeitungen Leserbriefe abgedruckt sind wie dieser im Tagesspiegel Anfang November: „Ich möchte Sie bitten, bei Ihrer Berichterstattung über die Schweinegrippe auf seriöse Zahlen zurückzugreifen ( . . . ) es ist weder sinnvoll, in die eine noch die andere Richtung zu übertreiben oder Informationen zu verzerren.“ Was der Mann sagen will: Wann, wenn nicht in potentiellen Krisensituationen wie dem Auftauchen eines neuen Virus, muss man sich darauf verlassen können, dass Journalisten ihren Job machen, dass sie objektiv berichten, Fakten prüfen und Hintergründe recherchieren? Und er hat recht. Denn sind Hypes und Hysterie nicht das Letzte, was man in so einer Lage gebrauchen kann – kollektive Irrationalität und Massen in Bewegung?&#8221;</p>
<p>Das Luhmann-Zitat stammt übrigens aus dem klugen Band &#8220;Die Realität der Massenmedien&#8221;. Weiter hinten in dem oben genannten Artikel ein weiterer Verweis auf Luhmann:</p>
<p style="padding-left:30px;">&#8220;Niklas Luhmann beschrieb die Arbeit der Massenmedien mal als „Dauertätigkeit des Erzeugens und Interpretierens von Irritationen“. Daswar gar nicht so negativ gemeint, wie es klingt, denn die Anregung durch aktuelle Informationen hält eine Gesellschaft nicht nur wach, sondern erzeugt auch eine Resonanz auf Umweltereignisse.</p>
<p style="padding-left:30px;">Angesichts der aktuellen Nachrichtenlage muss man sich allerdings fragen, ob es nicht Zeit ist, den Begriff der „Irritation“ sehr wörtlich zu verstehen. Der Strom aus Bildern und widersprüchlichen Informationen produziert einen Zustand der Verwirrtheit, der das Risikomanagement auf individueller wie gesellschaftlicher Ebene erschwert.&#8221;</p>
<p>Wir setzen unser &#8220;Luhmann Watching&#8221; demnächst fort.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Technomanager und die selbstkonstruierte Wirklichkeit: Warum Entscheider der ITK-Branche auf herumschwirrende Ideen achten sollten]]></title>
<link>http://gunnarsohn.wordpress.com/2009/11/24/technomanager-und-die-selbstkonstruierte-wirklichkeit-warum-entscheider-der-itk-branche-auf-herumschwirrende-ideen-achten-sollten/</link>
<pubDate>Tue, 24 Nov 2009 12:56:06 +0000</pubDate>
<dc:creator>gunnarsohn</dc:creator>
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<description><![CDATA[„Die Vernunft, das haben wir von Kant gelernt, ist das auf die Spitze getriebene Vermögen, sich selb]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p><a href="http://gunnarsohn.wordpress.com/files/2009/11/dsc_0002.jpg"><img src="http://gunnarsohn.wordpress.com/files/2009/11/dsc_0002.jpg" alt="" title="DSC_0002" width="455" height="304" class="alignleft size-full wp-image-2147" /></a>„Die Vernunft, das haben wir von Kant gelernt, ist das auf die Spitze getriebene Vermögen, sich selbst nicht über den Weg zu trauen“, so Dirk Baecker, Professor für Kulturtheorie und Kulturanalyse an der Zeppelin Universtät in Friedrichhafen. Technomanager scheinen diese Selbstskepsis nicht an den Tag zu legen. Sie vertrauen ihrem eigenen Expertenwissen mehr als externe Erkenntnisse. Persönliche Erfahrungen sind für Entscheider der ITK-Branche nach Erkenntnissen des <a href="http://www.mind-consult.net/studien/aktuelle-studien.html">Unternehmensberaters Bernhard Steimel von MIND Consult </a>die wichtigste Wissensquelle. Das könne schnell in die Hose gehen. Die interne Sicht über Marktmechanismen und Kundenzufriedenheit sollte durch externe Erkenntnisse ergänzt werden. Eine solche Außensicht liefere oftmals wichtige Erkenntnisse abseits bequemer Wahrheiten. Entscheider sollten aufpassen, nicht Opfer einer selbstkonstruierten Wirklichkeit zu werden. </p>
<p>Nur jedes zehnte Unternehmen bewertet den Grad der Informiertheit als unzureichend. Diese subjektiv positive Einschätzung sollte allerdings nicht mit dem tatsächlichen Ausmaß der Marktforschung gleichgesetzt werden. „Besonders im Vergleich mit reiferen Branchen sollten die ITK-Unternehmen den Grad ihrer Informiertheit kritisch hinterfragen“, so der Rat von Steimel. Siehe auch das Youtube-Video:<br />
<a href="http://www.youtube.com/watch?v=K6AQH7clt3k"><img src="http://gunnarsohn.wordpress.com/files/2009/11/foto-steimel.jpg" alt="Interview mit dem Berater Bernhard Steimel" title="Foto Steimel" width="120" height="90" class="alignleft size-full wp-image-2145" /></a></p>
<p>Wer nur im eigenen Saft schmort, läuft Gefahr, zu erstarren und wichtige Entwicklungen des Marktes zu verschlafen. Oder systemisch ausgedrückt „Intelligenz und Innovation in Unternehmen hängen davon ab, welche Informationen beobachtet werden und wie die wichtigen Informationen ihren gebührenden Stellenwert erhalten – was man leider erst im Nachhinein wissen kann“, schreibt Professor Winfried W. Weber in seinem Buch „complicate your life“ (Verlag Sordon). </p>
<p>Der Managementdenker Peter Drucker kritisiert die Sichtweise von Managern, die sich eng nur auf das eigene Unternehmen bezieht. „Viele Manager leben noch im 19. Jahrhundert, als Neuerungen aus der Firma oder aus der Branche kamen. Heute hingegen sind es im Wesentlichen die Veränderungen um das Unternehmen herum, die die Geschicke der Firma beeinflussen.“ Innovationen entstünden nicht nur aus Fortentwicklungen und Patenten innerhalb des eignen Fachspektrums. Heute kämen in viel stärkerem Maß als früher gesellschaftliche Entwicklungen hinzu, die als Ausgangspunkt für Innovationen erkannt werden müssten (nachzulesen im Buch „Peter Drucker – Der Mann, der das Management geprägt hat“, herausgegeben von Professor Weber). </p>
<p>Ein kluger Manager führt im richtigen Moment herumschwirrende Ideen mit Akteuren zusammen, nutzt Marktungleichgewichte, erkennt die Lücke und setzt die Innovation durch oder übernimmt im richtigen Moment das Risiko einer nicht sicheren aber vielversprechenden Entscheidung. „Das unterscheidet ihn vom Verwalter, der die organisatorische Routine oder die organisatorisch geronnene Reduktion von Komplexität nicht mehr in Frage stellen kann“, erläutert Weber. Wie bei den Schachgroßmeistern gehe es im Management einer komplexer werdenden Welt darum, ein reiches und komplexes Spielfeld zu erhalten. „Die Disziplin verlässt die Entscheidungskultur des one-best-way, des Alles-im-Griff-haben-Wollens. Wer es versteht, sich von der Komplexität nicht überfordern zu lassen, wer erkennt, dass man immer weniger durchschaut, wer sein Spielfeld pflegt und damit rechnet, dass bald die Lücke kommt, kann dann sofort entscheiden, ohne zu zögerlich zu sein“, führt Weber aus. Oder in den Worten des Kybernetikers Heinz von Foerster: „Handle stets so, dass die Anzahl der Möglichkeiten wächst.“</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Nach der Wahl ist vor der Wahl: Warum man auf Regierungswechsel gelassen reagieren kann und sich vor den "Neoliberalen" nicht fürchten braucht]]></title>
<link>http://gunnarsohn.wordpress.com/2009/09/29/nach-der-wahl-ist-vor-der-wahl-warum-man-auf-regierungswechsel-gelassen-reagieren-kann-und-sich-vor-den-neoliberalen-nicht-furchten-braucht/</link>
<pubDate>Tue, 29 Sep 2009 13:41:47 +0000</pubDate>
<dc:creator>gunnarsohn</dc:creator>
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<description><![CDATA[Der Reifegrad einer Demokratie zeigt sich vor allen Dingen beim politischen Machtwechsel. Darauf hat]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p><img src="http://gunnarsohn.wordpress.com/files/2009/09/thea-dorn.jpg" alt="Thea Dorn" title="Thea Dorn" width="156" height="208" class="alignleft size-full wp-image-1868" />Der Reifegrad einer Demokratie zeigt sich vor allen Dingen beim politischen Machtwechsel. Darauf hat die Schriftstellerin <a href="http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/8/0,1872,2364872,00.html">Thea Dorn unter Berufung auf Niklas Luhmann im ZDF-Nachtstudio hingewiesen</a>: Niklas Luhmann sagt: „Demokratie herrscht, wenn die Opposition an die Regierung kommt, ohne das Gemeinwesen zu ruinieren&#8221;. </p>
<p>Nun war zwar Merkel nicht in der Opposition, aber ihr künftiger Koalitionspartner FDP. Versinken wir jetzt im Chaos, unterliegen wir dem Diktat des &#8220;neoliberalen&#8221; Finanzkapitalismus und müssen wir mit einem sozialen Kahlschlag rechnen? Wohl kaum. Mal abgesehen davon, dass der Neoliberalismus mit Guido Westerwelle überhaupt nichts zu tun hat. Neoliberal nannten sich Geistesgrößen aus verschiedenen Ländern, die sich 1938 in Paris im Institut International de Coopération Intelellectuelle versammelten, um mit Walter Lippmann über dessen Buch &#8220;An Inquiry into the Principles of the God Society&#8221; und die Zukunft des Liberalismus zu diskutieren. Haupttriebfeder der Runde waren politische Alternativen zum Totalitarismus von rechts und links. </p>
<p>Man sprach über den fundamentalen Irrtum der Philosophie des Laissez-faire, die im Kampf gegen die autoritäre Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung der Vergangenheit übersehen hatte, dass die wirtschaftliche Freiheit nicht etwas Wildwachsendes, sondern das empfindliche Geschöpf einer Rechtsordnung ist, der ein komplexes System von sittlichen Normen und Überzeugungen, von Gewohnheiten und Wertvorstellungen entsprechen muss. Die Neoliberalen beschäftigten sich mit der Frage, welche Rechtsordnung einer gerechten, freien und ergiebigen Wirtschaftsverfassung angemessen ist. Diese Intellektuellen waren keine dümmlichen Casino-Kapitalisten, skrupellosen Firmenjäger und renditesüchtigen Spekulanten. Es waren honorige und erfahrende Intellektuelle, die Konzepte für eine freie, soziale und gerechte Gesellschaft entwickelten &#8211; allerdings ohne die Attitüde der Machtanmaßung, wie wir sie in politischen Debatten häufig vernehmen müssen. </p>
<p>Und in 60 Jahren hat die Bundesrepublik Deutschland eine in der Geschichte des Landes einmalige politische Stabilität erreicht, die man nicht leichtfertig zerreden sollte. Schlechte Gesetze und Rechtsverordnungen, Steuergeldverschwendung, bürokratischen Ausuferungen, Willkür, Korruption, Macht- und Amtsmissbrauch verdienen eine harte politische Auseinandersetzung in der Öffentlichkeit. </p>
<p><a href="http://www.amazon.de/Herr-Luhmann-Vorletzte-Gespr%C3%A4che-Niklas/dp/3931659984/ref=sr_1_16?ie=UTF8&#38;s=books&#38;qid=1254231467&#38;sr=8-16"><img src="http://gunnarsohn.wordpress.com/files/2009/09/luhmann.jpg" alt="Luhmann" title="Luhmann" width="240" height="240" class="alignleft size-full wp-image-1869" /></a>Nur sollten wir deshalb nicht das gesamte Gefüge unserer Institutionen in Frage stellen. Entscheidend ist nur, wie Luhmann sagt, dass das System des politischen Gleichgewichts funktioniert und Schaden vom Gemeinwesen abgewendet wird &#8211; egal welche politische Strömung temporär das Sagen hat. </p>
<p>Regierungshandeln ist an Kompromisse gebunden, muss sich mit Gesetzestechnik und Verwaltungen auseinandersetzen, muss sich ständig der Öffentlichkeit stellen und die Regeln der parlamentarischen Demokratie beachten. Das politische Personal muss viele Hürden überwinden, um gestalterisch wirken zu können. Das ist anstrengend und manchmal zermürbend für die Akteure, aber gut für die Demokratie.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Die Realität der Medienökonomie]]></title>
<link>http://stefanmey.wordpress.com/2009/09/20/medienokonomie-bei-niklas-luhmann/</link>
<pubDate>Sun, 20 Sep 2009 19:09:30 +0000</pubDate>
<dc:creator>stefanmey</dc:creator>
<guid>http://stefanmey.wordpress.com/2009/09/20/medienokonomie-bei-niklas-luhmann/</guid>
<description><![CDATA[Für die mündliche Abschlussprüfung in Soziologie gerade „Die Realität der Massenmedien“ von Niklas L]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p><strong>Für die mündliche Abschlussprüfung in Soziologie gerade „Die Realität der Massenmedien“ von Niklas Luhmann gelesen. Dort gibt es eine eine interessante Ausführung zum Verhältnis von Wirtschaft und Medien. </strong></p>
<p>Kurz als Hintergrund: Luhmann unterscheidet innerhalb des Massenmedien-Systems die drei „Programmbereiche“ Nachrichten/ Berichte (1), Unterhaltung (2) und Werbung (3). Diese Programmbereiche ermöglichen den Massenmedien <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Strukturelle_Kopplung">strukturelle Kopplungen</a> mit anderen gesellschaftlichen Funktionssystemen. Über (1) sind sie mit dem mit dem Politiksystem gekoppelt, über (2) mit dem Kunstsystem und über (3) mit dem Wirtschaftssystem.   Im Anschluss daran äußert er sich zu einer möglichen Dominanzbeziehung zwischen Massenmedien und Wirtschaft.</p>
<p>Hier sieht er „keine „sachlogische Assymetrie, keine Hierarchie“. Wirtschaft und Massenmedien sind bei der Werbung gleichermaßen aufeinander angewiesen. Eine solche Dominanz des einen Systems liegt rein im Auge des Betrachters, viele von denen neigen aber zu einer anderen Meinung als Luhmann.</p>
<blockquote><p>„Im Falle der Werbung mag es mehr Betrachter geben, die behaupten, die Wirtschaft dominiere die Werbung, als für den umgekehrten Fall.“</p></blockquote>
<p>Die Frage, wie sich Werbung und Wirtschaft zueinander verhalten, vergleicht er mit dem Verhältnis von Thermostat und Raumtemperatur:</p>
<blockquote><p>&#8220;Man kann nur, wie beim Thermostat, einen kybernetischen Zirkel feststellen, wo es dann vom Beobachter abhängt, ob er meint, die Heizung regele mit Hilfe des Thermostates die Temperatur des Raumes oder die Temperatur des Raumes regele mit Hilfe des Thermostates den Betrieb der Heizung.“</p></blockquote>
<p>Quelle: Die Realität der Massenmedien. Niklas Luhmann 2004. 3. Auflage. Verlag für Sozialwisenschaften. S 122 f.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Apparatur der Replik]]></title>
<link>http://willyams.wordpress.com/2009/09/19/apparatur-der-replik/</link>
<pubDate>Sat, 19 Sep 2009 18:50:47 +0000</pubDate>
<dc:creator>willyam</dc:creator>
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<description><![CDATA[Internet ist wenn die Masse zurückschreibt. Im weitesten Sinn natürlich &#8220;zurückschreibt&#8221;]]></description>
<content:encoded><![CDATA[Internet ist wenn die Masse zurückschreibt. Im weitesten Sinn natürlich &#8220;zurückschreibt&#8221;]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Software zur Archivierung von Zitaten]]></title>
<link>http://asperda.wordpress.com/2009/09/11/software-zur-archivierung-von-zitaten/</link>
<pubDate>Fri, 11 Sep 2009 05:36:00 +0000</pubDate>
<dc:creator>Christoph Rau</dc:creator>
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<description><![CDATA[Zettelkasten 3 &#8211; kostenlose Software zur Verwaltung von Textstellen und Zitaten. Verweis auf e]]></description>
<content:encoded><![CDATA[Zettelkasten 3 &#8211; kostenlose Software zur Verwaltung von Textstellen und Zitaten. Verweis auf e]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Niklas Luhmann]]></title>
<link>http://samee27.wordpress.com/2009/09/10/niklas-luhmann/</link>
<pubDate>Thu, 10 Sep 2009 12:16:25 +0000</pubDate>
<dc:creator>Samantha Coronado</dc:creator>
<guid>http://samee27.wordpress.com/2009/09/10/niklas-luhmann/</guid>
<description><![CDATA[If according to Prof. Randy David, with reference to Talcott Parsons, a success of a nation is depen]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>If according to Prof. Randy David, with reference to Talcott Parsons, a success of a nation is dependent on the perception of its constituents about their own functions in the society, Niklas Luhmann would disagree claiming that in the first place, people have neither the intention nor the consciousness in their nature to perform accordingly their functions in a society. He would say that instead, they are functioning only as they wish and as they would in the respective systems they belong to.</p>
<p>Luhmann asserts that each social system, or the smaller units of the society, minds their own businesses rather than seeks cooperation among other systems to comply with the whole society. For example, if a baker opens a bakery it is not because he wants to supply bread to the town, but because he wants to gain profit from his talent. The baker does not simply work with the idea of the common good, but with what he does and what he wants. Similarly, according to Luhmann, each individual functions the way they do in their systems without a sense of cooperation. They do not give regards to morals and ethics and only values what is true to their nature and true for their environment.</p>
<p>Each system within the society is unique, and what makes up these social systems is a continuous derivation of meanings and elimination of complexities through communication. Communication, be it written or oral and being dynamic, constantly reproduces and renews on its own these social systems that emerge within an environment. This process of self-integrating the information from the environment is what Luhmann calls autopoiesis, which literally means self-creation. The independence of each system as evidenced by autopoiesis makes “seeing like a nation” only a task out of self-awareness and not of human or societal nature.</p>
<p>The system and the environment from which it emerges are also different from one another. The environment shapes what kind of system that will emerge through the active interaction of its constituents, but at the same time, the system that would exist produces complications within the environment. Perhaps if there are great differences in the environment and within the system, and if there are new meanings that are being derived, another system will emerge from the existing system. Yet it is important to know that all these systems make up the society as a whole, only without its conscious knowledge that what they normally and collectively do make up the society as so.</p>
<p>Thus, according to Luhmann, our functions in the society are not only determined by what we think we want to do for the society &#8211; our functions are determined by our meaningful and purposive interactions within our environment that gives birth to its own systems and together with all the other systems that exists then and now, creates the big picture of what our society is.</p>
<p>However, even though it might not be easy, there is still a possibility that people can change existing society, and this is by changing their influence over environment through their interactions &#8211; by sending new information and deriving new meanings, &#8211; thus giving way to change the existing system. It is easier said than done since it requires the participation of an independent and self-creating entity. The system is alive, autonomous and transcends every human interaction. What kind of interaction do we need in order to “see like a nation”, moreover, act like a nation?</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Das System des Rhizoms der Gesellschaft]]></title>
<link>http://blogozentriker.wordpress.com/2009/07/22/das-system-des-rhizoms-der-gesellschaft/</link>
<pubDate>Wed, 22 Jul 2009 10:14:16 +0000</pubDate>
<dc:creator>blogozentriker</dc:creator>
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<description><![CDATA[- Mit meinem Roman will ich, also, an Komplexität soll er hinter Barcelona, Mailand und New York nic]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>- Mit meinem Roman will ich, also, an Komplexität soll er hinter Barcelona, Mailand und New York nicht zurückbleiben. Begreifen Sie? Wir leben in einer ziemlich beschleunigten Welt, und die will ich mir jetzt auch noch mal ansehen, in der Praxis. Theoretisch hab ich das alles schon eingeholt, aber jetzt fliege ich halt mal nach Basel, um die Wirklichkeit dort abzugleichen. Mit dem theoretischen Stand der Dinge.<!--more--> Ich meine, meine Einstellung ist, das moderne Leben, wenn man das einfangen will &#8230;<br />
- Komplex, Sie schreiben also an einem Roman? Wie Sie da standen, da am Bahnsteig, ich hab Sie eher für einen Komponisten gehalten oder so was. Vielleicht könnten wir da, wenn Sie auch einen Roman, ich meine, wo wir uns schon ein Taxi teilen, warten Sie mal, Sekunde, Tschuldigung, mein Handy, das &#8230;<br />
- Ist das nicht das Lied vom Tod?<br />
- Richtig, ja, leider weiß ich nicht, wie man, mein Sohn hat mir diesen Klingelton aufgespielt, und ich weiß jetzt nicht &#8230; hallo? Hallo, Bob? Sind Sie das? Schön, dass Sie zurückrufen. Ist Georg bei Ihnen? Nein, Georg.<br />
- Hollywood, verstehen Sie? Das ist der Maßstab, das MUSS der Maßstab sein! Hollywood, aber mit Gehirn. Niklas Luhmann, klar, das muss auch rein. Ich hab viel Luhmann gelesen, sehr viel, und Foucault.<br />
- Ach, nicht? Wo steckt der Typ denn? Also, egal. Eine wahnsinnig eilige Sache. Wir brauchen einen Roman, und zwar fix. Und zwar geht es um &#8230; nein, nicht bis morgen früh. Bis morgen früh? Soll das etwa ein &#8230; okay, nein.<br />
- Foucault auch, alles, aber für wichtiger halte ich tatsächlich Luhmann. Die Gesellschaft der Gesellschaft der Gesellschaft. Das ist der Komplexitäts-Level, der mir vorschwebt.<br />
- Passen Sie auf. Ich bin gerade auf dem Weg zum Flughafen, aber morgen bin ich wieder im Büro, spätestens gegen Mittag, dann besprechen wir alles. Wäre das für Sie &#8230; was? Bürostuhl? face2buns? Wovon &#8230; Der soll diese Scheiß-Anzeige selber machen, sagen Sie ihm das! Sie und Georg, Bob, Sie werden jetzt für das Roman-Projekt abgezogen. Ich brauch Sie da. Nein, erzähl ich Ihnen dann alles morgen. Höchste Priorität, absolut.<br />
- Genau, eine eiskalte Sache, alles mit allem vernetzt, aber doch erhitzt in der Mikrowelle. Haha. Thermodynamik übergekocht, sozusagen. Oder nein, Quatsch, übergekocht. Quatsch. Aber doch Entropie. Das ja. Auf jeden Fall. Anything Goes, aber nichts geht mehr. Kapieren Sie?<br />
- Ja, bis dann. Ciao.<br />
- Darum geht&#8217;s. Auf der einen Seite, hier, totale Freiheit. Sie können machen, was Sie wollen, scheißegal. Aber dann, hier, auf der anderen Seite, sehen Sie, da können Sie rein gar nichts mehr tun, weil Sie nichts mehr bewirken können. Das System bricht zusammen. Sie sind der Flügelschlag eines Schmetterlings, ein ausgestopfter Gorilla hinter Glas. Vielleicht lösen Sie einen Tsunami aus, vielleicht lacht sich auch nur eine Klasse von bekloppten Schülern über Sie schlapp. Verstehen Sie, was ich meine?<br />
- Das klingt alles ziemlich, na ja. Wie Sie sagen, komplex. Da kann man nur noch durch die Zähne pfeifen und sagen: Chapeau! Den Roman, von dem Sie da erzählen, den würd ich zu gerne mal lesen!<br />
- Der Titel ist: &#8220;Gondeln aus Blei&#8221;.<br />
- &#8220;Gondeln aus Blei&#8221; &#8230; guter Titel. Kann man da mal einen Blick reinwerfen? Ich hab da nämlich in der Agentur zwei Profis, echte Hexer von Textern. Haha. Sie wissen schon. Hex-Tex-Mex, hehehe. Die können mit dem Bleistift umgehen, also mit der Tastatur, natürlich. Bleistift, das benutzt heutzutage ja keiner mehr, das ist ja ein bisschen aus der Mode. Diese Jungs könnte ich, wenn Sie wollen, mal bitten rüberzugehen über Ihr Manuskript. Um die Komplexität ein bisschen zu glätten. Dass wir da ein bisschen Lesbarkeit reinbringen. Ohne, natürlich, das versteht sich ja wohl von selbst, die Substanz anzutasten. Na? Was meinen Sie?<br />
- Ja, gut, also, im Prinzip sehr gerne. Leider ist es nur so. Ein Manuskript im klassischen Sinne gibt es noch nicht.<br />
- Gibt&#8217;s nicht? Ein Manuskript?<br />
- Ich bin noch in der Phase der, der Materialsammlung. Der Konzipierung. So ein Roman, ein Projekt von solchen Dimensionen will ja genau durchdacht sein, bis zum letzten Satzzeichen geplant, bevor man den ersten Buchstaben schreibt.<br />
- Aha?<br />
- Bevor es mit dem Schreiben losgeht, muss der Roman hier oben, im Kopf, schon fertig sein. Und darum hab ich da diese Notizbücher, in denen ich &#8230;<br />
- Notizbücher?<br />
- Inzwischen sind es schon über 20. Randvoll mit Beobachtungen und Reflexionen. Das ganze Material. Ein Steinbruch. Wissen Sie, das ist gewissermaßen der belichtete Film, und meine Aufgabe wird darin bestehen, mich mit diesem Rohmaterial in den Schneideraum zurückzuziehen und &#8230;<br />
- Schneideraum, okay, ich, schon wieder diese verdammte Melodie! Die bringt mich noch um den &#8230; ja? Bob? Wenn das Ding wengistens nicht so laut wäre! Scheißtechnik &#8230; nein, Bob, nicht Sie. Ach, Georg? Aber wer ist denn dann da überhaupt? Ah, Sie sind&#8217;s, Ansgar. Bürostuhl? Blattartig, schlank, Hydraulik? Wovon, wenn ich &#8230; modernste Rücklehntechnik? Wirbelschonend? Also, ich hab absolut keine Ahnung, was Sie da &#8230; ah. Okay. Ich verstehe. Jetzt. Jetzt, genau, ich hab Bob und Georg von diesem Projekt abgezogen, damit sie sich einem anderen Projekt mit vollem Einsatz widmen können. Eine dringende Sache. Ein Roman. Nein, Roman, ja. Wär wirklich prima, Ansgar, wenn Sie sich ausnahmsweise um diese Anzeige für den hypermodernen, innovativen Bürostuhl kümmern könnten. Sie wissen schon, &#8220;Neues Sitzen, neues Denken&#8221;. Diese Richtung hatten wir ja &#8230; nein, auf keinen Fall! &#8220;Der Hintern denkt mit&#8221;? Das war sicher nur ein Scherz von Bob. Der hat ja bekanntlich einen ziemlich &#8230; blattartige Rückenlehne, eben, multifunktional, was Ihnen da so einfällt. Neigetechnik. Schauen Sie mal in die Datenbank. Da war auch so eine Architektin beteiligt, eine Französin, oder Schweizerin, die das ausgetüftelt hat. Das kann ich Ihnen noch als Hintergrundinformation &#8230; nein, das Design, natürlich.<br />
- Ich bin wirklich wahnsinnig gespannt auf Basel. Ich würd auch gerne mal Schanghai sehen, oder Jakarta. Oder Tokio.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Als wir jung waren: Dieter Wellershoff und die NSDAP]]></title>
<link>http://malteherwig.wordpress.com/2009/06/22/als-wir-jung-waren-dieter-wellershoff-und-die-nsdap/</link>
<pubDate>Mon, 22 Jun 2009 15:07:42 +0000</pubDate>
<dc:creator>malteherwig</dc:creator>
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<description><![CDATA[Nach Recherchen von Malte Herwig wurde der Schriftsteller Dieter Wellershoff von der NSDAP als Mitgl]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p><strong>Nach Recherchen von Malte Herwig wurde der Schriftsteller Dieter Wellershoff von der NSDAP als Mitglied geführt. Danach gefragt, lud er unseren Autor zu sich nach Hause ein und begab sich auf Erinnerungssuche</strong></p>
<p>Vor Kurzem bekam der Schriftsteller Dieter Wellershoff, 83, einen Brief des Bundesarchivs in Berlin: Man habe, ausgelöst durch eine Recherche des <em>ZEITmagazins,</em> eine auf seinen Namen ausgestellte Karte in der Mitgliederkartei der NSDAP entdeckt – Dieter Wellershoff, Mitglied Nr. 10.172.531 der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei. Eine hohe, also späte Nummer, eine vom letzten Aufgebot.</p>
<p>Wer durfte in die Partei? Nur wer für würdig befunden wurde und unterschrieb. Sagen die Historiker. Dieter Wellershoff, das einstige Mitglied der Schriftstellervereinigung Gruppe 47, ein Mann, der sich in Büchern und Essays oft mit der deutschen Katastrophe beschäftigte, sagt am Telefon: &#8220;Ich war total vor den Kopf geschlagen, als ich von der Karte erfuhr.&#8221;</p>
<p>Er ist bereit zum Gespräch. Es findet Tage später in seiner Kölner Altbauwohnung statt. Wellershoff breitet Dokumente und Fotos auf dem Glastisch aus. Die Entlassungsurkunde aus britischer Gefangenschaft liegt da, ein Fotoalbum aus den dreißiger und vierziger Jahren. Und die Kopie der NSDAP-Karteikarte.<!--more--></p>
<p>&#8220;Ich kann mich überhaupt nicht erinnern, dass ich irgendwas unterschrieben hätte&#8221;, sagt Wellershoff. Und in der Tat, eine Unterschrift von ihm wurde im Bundesarchiv nicht gefunden. Könnte er verdrängt haben, dass er als 17-Jähriger einen Zettel mit seinem Namen versah, als man ihn aufforderte, in die Partei einzutreten? Wellershoff, der den Krieg erlebte und eindringlich beschrieb, ist Erinnerungsspezialist. &#8220;Mit Verdrängungen kenne ich mich aus, Verdrängung gibt es.&#8221;</p>
<p>Vier Stunden dauert das Gespräch. Ein Wühlen im Gedächtnis, in Dokumenten, und doch bleibt am Ende ein leeres Bild. Mittendrin springt Wellershoff auf, geht zum Bücherregal, sucht etwas. &#8220;Wir waren im Krieg und auf das nackte Existieren zurückgeworfen&#8221;, sagt er. &#8220;Man muss erlebt haben, wie Stalinorgeln mit ihren Salven fast eine ganze Kompanie niedermähten. Wie Luftminen links und rechts einschlugen, das habe ich in Berlin erlebt, in der Kaserne.&#8221; Sein Blick gleitet an den Buchreihen entlang. &#8220;Wir mussten raus und Sachen aus brennenden Häusern tragen. Da hat mir jemand ein Büchlein geschenkt, in das ich guckte: &#8216;Nimm es mit, Junge!&#8217;&#8221; Er zieht es aus dem Regal und reicht es herüber: das Buch aus einer Bombennacht, Grillparzers<em>König Ottokars Glück und Ende</em> .</p>
<p>Lesen, das war etwas Individuelles, ja Intimes, ein innerer Urlaub vom Kriegskollektiv. Überhaupt, die &#8220;Gemeinschaft&#8221;. Wenn schon, dann habe er die Soldaten bewundert. &#8220;Aber vor diesen braunen Leuten habe ich nur Abscheu empfunden. Ich habe eine solche Abneigung gegen Parteien gehabt, dass ich als junger Mann noch nicht einmal in eine bundesdeutsche Partei eingetreten wäre.&#8221;</p>
<p>Woher dann die Karte? &#8220;Tja, die Karte steht da im Raum, und das ist ein erklärungsbedürftiges Phänomen. Aber es fehlt die Szene dazu&#8221;, sagt er und tippt mit den Fingern auf die Stuhllehne. Er gibt nicht den trotzigen Dementierer. Er bohrt sich in das Damals hinein, hellwach. Man ist geneigt, ihm zu glauben.</p>
<p>&#8220;Ich war nicht Mitglied der NSDAP! Ich hätte ja verrückt sein müssen, am Ende des Krieges einzutreten. Wem hätte ich damit gefallen wollen können? Wir Jungen wurden verheizt für die Fantasiepolitik der NSDAP. Damit diese Leute noch ein paar Monate länger an der Macht blieben.&#8221; Er erzählt von Scheinbataillonen, aufgestellt in den letzten Kriegsmonaten. &#8220;Ich habe ein ganzes Feld voll gefallener Kameraden vor Augen, wenn ich daran denke.&#8221; Und nach einer Pause: &#8220;Dass ich den Krieg überlebt habe, das habe ich versucht zurückzuzahlen, indem ich mich aufklärerisch verhalten habe.&#8221;</p>
<p>Auch gegen sich selbst? Laut Karteikarte wurde die Parteiaufnahme des Dieter Wellershoff, geboren am 3.November 1925 in Neuss, am 20. April 1944 beantragt und erfolgte rückwirkend zum 20. April 1943. Zudem liegt dem Bundesarchiv eine Liste von 368 Aufnahmescheinen vor, dort taucht auch der Name Wellershoff auf. Die Liste sandte die Gauleitung Düsseldorf am 28. Oktober 1944 an die Reichsleitung in München. Zu Beanstandungen, etwa wegen fehlender eigenhändiger Unterschriften, kam es nicht.</p>
<p>Wellershoff ist nicht der erste Fall, in dem neu entdeckte Dokumente Fragen zur Vergangenheit moralischer Instanzen der Bundesrepublik aufwerfen. 2003, 14 Jahre nach dem Tod des Historikers Martin Broszat, enthüllten Archivfunde, dass ausgerechnet der einflussreiche Holocaust-Forscher als 18-Jähriger in die NSDAP aufgenommen worden war. Auch die Germanisten Walter Jens, Walter Höllerer und Peter Wapnewski waren auf Karteikarten erfasst, außerdem weitere Intellektuelle, linke wie konservative, der Jahrgänge 1925 bis 1927, Wortführer der jungen Bundesrepublik. Martin Walser, Dieter Hildebrandt, Siegfried Lenz, Horst Ehmke, Erhard Eppler, Hermann Lübbe, Tankred Dorst, Peter Boenisch, Wolfgang Iser, Hans Werner Henze. Abgesehen von Eppler, wollte sich keiner erinnern können, je einen Aufnahmeantrag unterschrieben zu haben. Die NSDAP – ein Verein von Zufallsmitgliedern?</p>
<p>Projiziert eine so vergessliche Art, sich zu erinnern, nicht alle Schuld auf die angepassten anderen – aus Furcht, die eigenen Leistungen würden durch das &#8220;beschämende Odium des Mitläufertums&#8221;, wie Wellershoff es einmal nannte, entwertet? Das Parteiabzeichen als brauner Fleck auf dem Lebenslauf vorbildlicher Demokraten. Kompensierten die moralischen Überväter der Bundesrepublik ihr eigenes Dabei-gewesen-Sein, indem sie Deutschland und den Deutschen immer wieder die Leviten lasen?</p>
<p>Mit zehn ging Dieter Wellershoff, der Junge aus Grevenbroich, ins Jungvolk, die Jugendorganisation der Hitlerjugend, später wurde er Jungvolkführer: &#8220;In Grevenbroich war ich der Oberste, da konnte mich keiner kontrollieren.&#8221; Nach dem Reichsarbeitsdienst meldete er sich 1943 zur Panzerdivision Hermann Göring, &#8220;um so den Werbern der Waffen-SS zu entgehen&#8221;. Am 13. Oktober 1944 in Ostpreußen verwundet, verbrachte er Monate im Lazarett in Bad Reichenhall. Im Frühjahr 1945 wurde er auf eigenes Betreiben wieder an die Front geschickt, gelangte aber in amerikanische, dann in britische Kriegsgefangenschaft, aus der er im Sommer entlassen wurde.</p>
<p>Wurde der 18-Jährige tatsächlich ohne eigenes Wissen in Hitlers Partei aufgenommen? Hat ein eifriger Ortsgruppenführer aus Wellershoffs Heimatstadt Grevenbroich den Namen auf die Liste gesetzt und die Unterschrift gefälscht? Hatten nicht auch Walser, Hildebrandt und Henze beteuert, ihre Aufnahme sei schlicht ein &#8220;Geburtstagsgeschenk für den Führer&#8221; gewesen – zum 20. April, Hitlers Geburtstag? &#8220;Ich stelle mir vor&#8221;, versucht Wellershoff seine Mitgliedskarte zu erklären, &#8220;dass der Gau Düsseldorf durch Bombenschäden oder andere Dinge ein Jahr im Rückstand war. Da haben die einfach 368 Leute genannt, die erklärt hätten, in die Partei einzutreten. Das ist dann rückdatiert worden auf das Jahr 1943.&#8221;</p>
<p>Der Grund für die Rückdatierung der Aufnahme wird in einem Schreiben der Reichsleitung vom 6. Mai 1944 angedeutet, die sich wegen der &#8220;besonderen Verhältnisse im Gau Düsseldorf&#8221; bereit erklärt, ausnahmsweise Aufnahmeanträge, die bisher nicht eingereicht werden konnten, noch &#8220;nach Abschluß der diesjährigen HJ-Aufnahmeaktion&#8221; zu bearbeiten. Mit den &#8220;besonderen Verhältnissen&#8221; dürften die schwierigen Bedingungen für NSDAP-Werbung im katholischen Rheinland gemeint sein. Davon hob sich der Jungvolkführer Wellershoff schon insofern ab, als er aus protestantisch-bildungsbürgerlichem Hause kam.</p>
<p>Bei der &#8220;Aufnahmeaktion&#8221; handelte es sich jedoch keinesfalls um eine automatische Parteiaufnahme ganzer Jahrgänge. Der Parteienforscher Michael Buddrus stellte 2003 in einem Gutachten fest, dass es keine automatischen korporativen Parteiaufnahmen von Angehörigen einzelner Geburtsjahrgänge oder NS-Verbände gab. Alles andere seien &#8220;Legenden, die ihren Ausgangspunkt in Entlastungsbemühungen der unmittelbaren Nachkriegszeit hatten&#8221;.</p>
<p>Auch der Historiker Armin Nolzen hält das Argument von Kollektivaufnahmen für eine Schutzbehauptung der Nachkriegszeit. Zwischen 1937 und 1944 habe es für keinen einzigen HJ-Jahrgang automatische Parteiaufnahmeverfahren gegeben. Für eigenmächtige Anmeldungen durch HJ-Führer, resümiert Nolzen im aktuellen Sammelband <em>Wie wurde man Parteigenosse? Die NSDAP und ihre Mitglieder</em> den Forschungsstand, gebe es &#8220;bislang keinen einzigen empirischen Beweis&#8221;. Auch sei aus keiner Quelle eine gefälschte Unterschrift eines HJ-Führers bekannt. Zwar waren sie es, die letztlich entschieden, wer in die Partei durfte. Voraussetzung gewesen seien aber &#8220;die eigenhändig unterschriebenen Aufnahmeanträge derjenigen Jugendlichen, die sie für den Parteieintritt als &#8216;würdig&#8217; erachteten&#8221; – das waren 1944 im Durchschnitt weniger als 20 Prozent aller Hitlerjungen eines Jahrgangs.</p>
<p>Aussage steht gegen Aussage. Karteikarte gegen Erinnerung. Und wenn die Karteikarte die Wahrheit sagt – was sagt sie über Dieter Wellershoff? Warum sollte einer dieses Detail verheimlichen, der ansonsten schonungslos mit dem &#8220;Dritten Reich&#8221; abrechnete?</p>
<p>&#8220;Ob ich in der Partei war oder nicht&#8221;, sagt er, &#8220;hat keinen Einfluss darauf, dass ich mich grundsätzlich betroffen fühle, dass so etwas passiert ist und dass ich dabei gewesen bin. Das ist etwas, das man in seiner Dimension gar nicht wegschieben und verkleinern kann – der Krieg und die Vernichtungslager, das Zerbomben der Städte.&#8221;</p>
<p>Ist es möglich, dass ein junger Mann, der jeden überlebten Tag als existenziell empfinden musste, die Aufnahme in die Partei der Nazis als so nebensächlich empfand, dass er sie vergaß? Oder war, andersherum, die Scham so groß, dass sie die Erinnerung tilgte?</p>
<p>Verdrängung, glaubt Wellershoff, habe mit der Erfahrungsentfremdung zwischen den Generationen zu tun. In einem wirklichen Generationengespräch, findet er, hätte die junge Generation darüber nachzudenken, wie es möglich sei, dass Menschen in so etwas hineingerieten. &#8220;Dieses gute Gefühl &#8216;Nein, wir sind ganz andere Menschen&#8217;, das ist doch auch ein Verdrängungsmechanismus.&#8221;</p>
<p>Er erzählt sehr offen von seiner Jugend in Grevenbroich, dem Elternhaus mit der Fahnenstange vor der Tür, das der als Kreisbaumeister arbeitende Vater selbst geplant hatte. Wellershoff beschreibt ihn als Menschen mit einem Faible für Uniformen. Im Familienalbum lächelt ein hagerer, hochgewachsener Mann. Walter Wellershoff war in der NSDAP, &#8220;aber er war ein völlig unpolitischer Mensch&#8221;, sagt sein Sohn heute. &#8220;Wie andere, die so dachten, ging er 1938 als Luftwaffenoffizier in die Wehrmacht, ganz explizit, um sich der Partei zu entziehen.&#8221;</p>
<p>Und doch war das Engagement des Vaters im NS-Staat nicht ganz beiläufig. Wie er selbst im Februar 1949 im Entnazifizierungs-Fragebogen angab, der dem <em>ZEITmagazin</em> vorliegt, war er auch Mitglied der SA und weiterer NS-Organisationen: Reichsluftschutzbund, NS-Volkswohlfahrt, NS-Reichskriegerbund, NS-Bund Deutscher Technik, Reichskolonialbund. &#8220;Dass dein Vater in so vielen Vereinen war, wundert mich nicht&#8221;, ruft Wellershoffs Frau Maria von nebenan. &#8220;Der war kein Held, der war ein Anpasser.&#8221; Dieter Wellershoff erinnert sich, einmal gehört zu haben, wie seine Mutter den Vater anstachelte, er könnte in diesem Staat doch schon viel weiter sein. Ehrgeiz, Opportunismus, Anpassung – diese Haltung war typisch für viele Erwachsene im &#8220;Dritten Reich&#8221;. Und die Jugend damals?</p>
<p>Hört man Dieter Wellershoff zu, war der Generationenkonflikt keine Erfindung von 1968: &#8220;Hitlerjunge und Jungvolk, das konnte man akzeptieren, das waren wir Jungen selbst. Aber die Partei, das waren die Erwachsenen, die dieses System zu verantworten hatten, oft Spießer und Opportunisten. Uns Jungen muss man glauben, dass wir nicht aus Opportunismus gehandelt haben.&#8221;</p>
<p>Ein Schock sei es gewesen, als er von den KZs erfuhr. &#8220;Da war ich völlig fassungslos, dass man in diesen Zusammenhängen sein Leben zur Verfügung gestellt hatte. Ein ungeheurer Betrug an der eigenen Generation. Wir fühlten uns missbraucht.&#8221;</p>
<p>Aber wer hatte sie missbraucht?<br />
&#8220;Na, die Nazis! Die Partei. Und natürlich viele Helfershelfer, auch in anderen Ländern.&#8221;<br />
Was unterschied Nazis von Nichtnazis?<br />
&#8220;Die Nazis hatten die Ideologie, wir müssen eine bestimmte Menschensorte ausrotten.&#8221;<br />
Waren alle, die in der NSDAP waren, Nazis?<br />
&#8220;Nein. Viele haben sich einfach angepasst. Mein Vater sagte, er müsse dafür sorgen, dass die Häuser anständig gemacht werden.&#8221;</p>
<p>Häuser, Autobahnen, Vollbeschäftigung. Und dahinter Lager, Einsatzgruppen, SS. Wem kann man noch trauen, wenn so ein Weltbild kollabiert und man mit dem Mitschuldvorwurf konfrontiert wird? Wellershoff schüttelt den Kopf. &#8220;Ohne mich, hat unsere Generation gesagt. Wir konnten nur noch uns selbst vertrauen.&#8221; Er habe nach dem Krieg ein Motto gehabt, er wisse nicht, wo der Spruch herkomme: &#8220;Wenn ich das Wort Gemeinschaft höre, entsichere ich meine Pistole.&#8221;</p>
<p>Der Satz stammt von Goebbels: &#8220;Wenn ich das Wort Kultur höre, entsichere ich meinen Revolver.&#8221; Das Motto der existenzialistischen Nachkriegsjugend als Echo eines Spruchs des NS-Propagandaministers. Noch in ihrer Skepsis war die verratene Generation von der Vergangenheit geprägt, die sie dann ein aufrechtes Demokratenleben lang scharf bekämpfte.</p>
<p>Wellershoffs Generation stand auf Trümmern, wohin das Auge sah. Sieben Jahre war der totale Krieg her, doch seine Spuren waren noch da, als der 26-Jährige 1952 den Kölner Dom bestieg. Zu seinen Füßen sah er eine Ruinenlandschaft mit notdürftig geräumten Straßen. Es war ein zwiespältiges Bild, das sich ihm bot. Im Untergang steckte die Hoffnung auf einen Neuanfang, doch im Boden schlummerten Bomben, &#8220;die aus irgendeinem Grund nicht explodiert waren und die man erst entdecken würde, wenn der weitere Aufbau der Stadt tiefere Fundamente brauchte&#8221;. So beschreibt es Wellershoff in seinem Erinnerungsessay <em>Die Nachkriegszeit – Anpassung oder Lernprozess.</em> Und im Geistigen sei es nicht anders gewesen. &#8220;Auch da war noch mancherlei verborgen und sollte erst viel später zum Vorschein kommen.&#8221;</p>
<p>Als die NSDAP-Karteikarten bundesrepublikanischer Idole auftauchten, haben einige Publizisten versucht, deren demokratisches Lebenswerk gegen die vermaledeiten Karten in Schutz zu nehmen – aus einem simplen Grund: Eine jüngere Generation möchte selbst leise Zweifel an der biografischen Geradlinigkeit ihrer Helden tilgen. Eine Schwarz-Weiß-Welt, in der es die bösen Nazis gab und die guten Bundesrepublikaner, die mit ihnen aufräumten. Dass auch gebrochene Biografien lehrreich, ja vorbildlich sein können, passt nicht ins Dogma nachgeborener Hohepriester deutscher Vergangenheitsbewältigung.</p>
<p>Auch Wellershoff hat, nach den Enthüllungen über Walser, Grass und andere, die Aufregung um die NSDAP-Mitgliedschaften in einem <em>Spiegel-</em> Essay als &#8220;journalistisches Sommertheater&#8221; bagatellisiert. Die SS-Mitgliedschaft des jungen Grass allein sei &#8220;kein kritikwürdiger Tatbestand&#8221;. Er nannte es aber einen Skandal, dass Grass &#8220;es 60 Jahre lang nicht gewagt hat, darüber zu sprechen, und stattdessen harmlose Geschichten über seine Existenz als Flakhelfer in Umlauf gebracht hat&#8221;.</p>
<p>Und nun er selbst. Als Erzähler wie als Essayist sind Dieter Wellershoff Erkenntnis und Wahrheit stets Anliegen gewesen. Er hat über seine jugendliche Begeisterung für Hitlers Wehrmacht geschrieben und über seinen Wunsch, an der Front zu kämpfen. Als er in den neunziger Jahren zur Kur nach Bad Reichenhall ging, wo er ein halbes Jahrhundert zuvor verwundet gelegen hatte, schrieb er über die Begegnung mit der eigenen Vergangenheit das Buch <em>Der Ernstfall.</em> Darin berichtet er von einem Missgeschick.</p>
<p>Im Sommer 1945, aus der Kriegsgefangenschaft zurück, grüßt er gedankenlos einen alten Lehrer auf der Straße mit dem Hitlergruß: &#8220;Es war mir herausgerutscht, ein blöder Versprecher, kompromittierend wie bekleckerte Kleidung. Der Makel klebte an mir und ließ mich lächerlich aussehen. Ich konnte ihn nicht abwischen, nicht durch irgendeine rasche beflissene Korrektur.&#8221;</p>
<p>&#8220;Vielleicht darf man hoffen&#8221;, schrieb Dieter Wellershoff über die Vergangenheitsbewältigung des Schriftstellerkollegen Grass, &#8220;dass mit dieser exemplarischen Geschichte die Nachkriegszeit zu Ende geht.&#8221; Doch es ist noch nichts zu Ende, auch nicht für Wellershoff. In den Trümmern der deutschen Geschichte schlummern immer noch Bomben.</p>
<p>MALTE HERWIG</p>
<p><strong>erschienen im <a href="http://www.zeit.de/2009/25/Schriftsteller-25" target="_blank">ZEITmagazin Nr. 25 vom 10.06.2009</a></strong><a href="http://www.zeit.de/2009/25/Schriftsteller-25" target="_blank">  </a></p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Buhmann, Labermas, Hassenichgesehen]]></title>
<link>http://marschflugkoerper.wordpress.com/2009/06/15/buhmann-labermas-hassenichgesehen/</link>
<pubDate>Mon, 15 Jun 2009 18:29:53 +0000</pubDate>
<dc:creator>Mark</dc:creator>
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<description><![CDATA[Wenn ich mal groß bin und felsenfest davon überzeugt, anderen die Welt, wenn schon nicht erklären, d]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Wenn ich mal groß bin und felsenfest davon überzeugt, anderen die Welt, wenn schon nicht erklären, dann wenigstens näherbringen zu können &#8211; vielleicht schlimmer noch: zu müssen &#8211; dann würde ich bestimmt Sätze schreiben, in denen ich Niklas Luhmann als den &#8216;Theoretiker mit dem über die Jahre indifferenten Sakko&#8217; <a href="http://www.taz.de/1/debatte/theorie/artikel/1/der-antihumanist/">bezeichnen</a> würde. Dafür müsste ich natürlich erstmal <a href="http://mojamalarevolucja.wordpress.com/2009/06/15/differenz/">differenzieren</a>, die einen ins Töpfchen, die anderen ins Kröpfchen, hier der Habermas, da der Antihumanist, was sich auch auf Antichrist reimt. Man sieht, einer wertenden Kategorisierung ist dabei kaum zu entkommen.</p>
<p>Zum Glück. Denn was sollten wir fragen, wenn es Antworten schon gäbe?</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Luhmann, semantische Technologien und die Internet-Kommunikation: Web 3.0 soll Internet-Nutzer besser verstehen ]]></title>
<link>http://gunnarsohn.wordpress.com/2009/04/29/luhmann-semantische-technologien-und-die-internet-kommunikation-web-30-soll-internet-nutzer-besser-verstehen/</link>
<pubDate>Wed, 29 Apr 2009 09:37:51 +0000</pubDate>
<dc:creator>gunnarsohn</dc:creator>
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<description><![CDATA[Das Computer-Vermächtnis des Soziologen Niklas LuhmannDas Unternehmen iQser hat ehrgeizige Ziele, di]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p><div id="attachment_1244" class="wp-caption alignleft" style="width: 465px"><a href="http://www.sohn.de/A556D3/NENA/NENA_NEU.nsf/0/2C84EF928B175412C1257516003ABAB7?OpenDocument"><img src="http://gunnarsohn.wordpress.com/files/2009/04/dsc_0009.jpg" alt="Das Computer-Vermächtnis des Soziologen Niklas Luhmann" title="dsc_0009" width="455" height="304" class="size-full wp-image-1244" /></a><p class="wp-caption-text">Das Computer-Vermächtnis des Soziologen Niklas Luhmann</p></div>Das Unternehmen <a href="http://www.iqser.ch">iQser</a> hat ehrgeizige Ziele, die landläufig unter dem Schlagwort Web 3.0 laufen. Es setzt auf semantischen, um die Flut von Informationen durch eine automatische inhaltliche Analyse zu bewältigen. Semantische Verfahren waren lange Zeit nur ein Experimentierfeld der Wissenschaftler, berichtet die FAZ und zitiert den iQser-Chef Jörg Wurzer mit der Aussage: „Jetzt hat die Semantik die Wissenschaft verlassen. Es gibt viele Startpus, die sich damit beschäftigen“. Und damit sei nicht nur das <a href="http://theseus-programm.de">Großprojekt Theseus </a>gemeint, das vor allem von großen Unternehmen getragen wird. „Unternehmen stehen vor der Herausforderung, eine Fülle von Informationen zu verarbeiten, die von Jahr zu Jahr wächst. Die hohe Verfügbarkeit von Informationen im Internet und immer mehr Anwender sowie Organisationen, die an der Produktion von Informationen beteiligt sind, tragen zu diesem Prozess bei“, teilt iQser in einer Presseerklärung mit. </p>
<p>Mit einer Software wolle man alle wichtigen internen und externen Informationen automatisch vernetzen. Jedes Dokument, jede E-Mail und jede Nachricht werde Projekten, Aufgaben oder  Personen zugeordnet. Man solle nicht mehr nach Informationen suchen, sondern ihren Kontext auswählen und automatisch alle Informationen geliefert bekommen, die zu diesem Kontext gehört. Das könnten neue Forschungsberichte oder aktuellen Nachrichten sein. </p>
<p><div id="attachment_1245" class="wp-caption alignleft" style="width: 465px"><a href="http://www.triptivity.com/"><img src="http://gunnarsohn.wordpress.com/files/2009/04/dsc_0049.jpg" alt="Gute Idee: Reiseportale mit Nutzerkommentaren aus dem Social Web kombinieren" title="dsc_0049" width="455" height="304" class="size-full wp-image-1245" /></a><p class="wp-caption-text">Gute Idee: Reiseportale mit Nutzerkommentaren aus dem Social Web kombinieren</p></div>So könnten Reiseziele auf Portalen wie <a href="http://www.triptivity.com">Triptivity</a> mit passenden Nutzerkommentaren aus sozialen Netzwerken oder mit Reisebeschreibungen angereichert werden. „Ein zweites Analyse-Ergebnis gibt einen Überblick darüber, welche Themen in den Artikeln behandelt werden, in welche Aspekte sie sich auffächern und welche grundlegenden Fakten vermittelt werden. Das dafür automatisch ermittelte Begriffsnetz wird in Form eine Baumes dargestellt, den der Anwender nutzen kann, um sein Interesse einzugrenzen und eine entsprechende Artikelauswahl vorzunehmen“, so iQser. </p>
<p>Mitarbeiter würden einen Überblick über die verfügbaren unstrukturierten Informationen erhalten, ohne diese zuerst sichten zu müssen. Anschließend sei eine Auswahl nach Interessenschwerpunkten möglich. Mit einem Web-Monitoring könne man erkennen, in welchem Zusammenhang im Internet über ein Unternehmen und seine Produkte diskutiert wird.  </p>
<p>Experten für Künstliche Intelligenz sind sich einig, dass bei den neuen Projekten des semantischen Webs die Sprache eine ganz entscheidende Rolle spielen muss. „Beim Web 3.0 versucht man die Ergebnisse der Sprachforschung zu nutzen, um Suchbegriffe oder natürlich-sprachliche Suchanfragen tiefer zu analysieren und semantisch anzureichern. Suchergebnissen sollen am Ende präziser, besser strukturiert und um viele andere, nahe liegende Themengebiete angereichert werden. Idealerweise kann eine gestellte Frage dann auch in einem Satz beantwortet werden“, so die Erkenntnis des Sprachdialogexperten Lupo Pape, Geschäftsführer von <a href="http://www.semanticedge.de">SemanticEdge</a> in Berlin. </p>
<p>Diesem Trend entgegen komme die immer stärkere semantische Aufbereitung der Webinhalte in vielen Suchbereichen durch Internetnutzer, auch „Prosumer“ genannt, die in weltweiten Netzwerke aktiv sind. Das beste Beispiel hierfür sei Wikipedia. „Bisher musste das Wissen weitestgehend manuell in sogenannten Ontologien oder Taxonomien erstellt werden, welche die Begriffe zu einander in Beziehung setzen und daraus Wissensrepräsentationen unterschiedlichster Domänen bilden. Firmen wir iQser versuchen nun, das Wissen im Intranet oder Internet automatisch aufzubereiten. Das Ergebnis sollte eine Antwort und keine ewig lange Ergebnisliste mit vielen irrelevanten Texten sein“, erläutert Pape. </p>
<p><div id="attachment_1246" class="wp-caption alignleft" style="width: 465px"><a href="http://www.silicon.de/mittelstand/0,39038986,39191792,00/das+web+3_0+ist+eine+antwortmaschine.htm"><img src="http://gunnarsohn.wordpress.com/files/2009/04/dsc_0076.jpg" alt="Sprachdialogsysteme machen das Web 3.0 zu einer Antwortmaschine" title="dsc_0076" width="455" height="304" class="size-full wp-image-1246" /></a><p class="wp-caption-text">Sprachdialogsysteme machen das Web 3.0 zu einer Antwortmaschine</p></div>Gekoppelt mit Spracherkennung und Sprachsynthese könne dieser Weg zu ganz neuen Sucherfahrungen führen. Eine gesprochene Frage zu einem beliebigen Thema werde dann auch mit einem gesprochenen Satz beantwortet. „Dieses Szenario ist keinesfalls Science-Fiction, denn parallel zu den Fortschritten in der Suchtechnologie macht auch die Spracherkennung enorme Fortschritte. Auch die Dialogtechnologie spielt hier ein bedeutende Rolle, da bei vielen Anfragen weiterführende Fragen und Präzisierungen erforderlich sind“, sagt Pape. Die Frage „Wie komme ich jetzt am schnellsten nach Berlin?&#8221; macht die Klärung erforderlich, ob man mit Zug, Auto oder Flugzeug reisen möchte. Es werde nach Ansicht des SemanticEdge-Chefs noch lange dauern, bis die vielen Informationen semantisch erschlossen und die wichtigsten Nutzungsszenarien klar sind. Bei Fahrplaninformationen, Navigation oder Adressdaten sei jetzt schon vieles möglich. Frei nach dem Soziologen Niklas Luhmann muss das semantische Web drei Komponenten der Kommunikation erfüllen: Mitteilung, Information und Verstehen. </p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Harald Welzers „Klimakriege“ (3. Teil)]]></title>
<link>http://bersarin.wordpress.com/2009/04/26/harald-welzers-%e2%80%9eklimakriege%e2%80%9c-3-teil/</link>
<pubDate>Sun, 26 Apr 2009 09:41:04 +0000</pubDate>
<dc:creator>bersarin</dc:creator>
<guid>http://bersarin.wordpress.com/2009/04/26/harald-welzers-%e2%80%9eklimakriege%e2%80%9c-3-teil/</guid>
<description><![CDATA[Warum wir das, wogegen wir vor 20 Jahren protestiert haben, mittlerweile normal finden    „Aus der V]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><h4>Warum wir das, wogegen wir vor 20 Jahren<br />
protestiert haben, mittlerweile normal finden </h4>
<p style="margin-bottom:0;" align="right"> </p>
<p style="margin-bottom:0;" align="right">„Aus der Völkermordforschung wissen wir, wie schnell<br />
die Lösung sozialer Fragen in radikale Definitionen<br />
und tödliche Handlungen übergehen kann,<br />
und so etwas abzuwenden, wird eine Probe darauf sein,<br />
ob Gesellschaften aus der Geschichte lernen können oder nicht.“</p>
<p style="margin-bottom:0;" align="right"><em>Harald Welzer</em></p>
<p style="margin-bottom:0;"> </p>
<p style="margin-bottom:0;text-align:center;"><strong>IV Shifting baselines</strong></p>
<p style="margin-bottom:0;">Woher kommt diese „Apokalypseblindheit“? Weshalb wissen wir in unserer westlichen Moderne (oder Spätmoderne, Transmoderne, Postmoderne?), die wir eigentlich über das Potential kritischer Reflexion verfügen, die Zeichen der Zeit nicht nur nicht zu deuten, sondern wollen sie gar nicht erst bemerken? Wollen wir das nicht sehen, was momentan vor sich geht; können wir das womöglich gar nicht sehen? Vom Standpunkt des Futurum exactum betrachtet, (Welzer widmet ihm ein kleines Kapitel), den wir als denkende Wesen einnehmen können – und auch die Option des Möglichkeitssinns steht uns zu Gebote, um erweiterte Perspektiven zu gewinnen – sollten wir darüber nachdenken, ob wir eine Welt in diesem Lichte wirklich wollen. Vielleicht können dieser Blick vom Futurum exactum her und der Möglichkeitssinn Mittel abgeben, unsere Referenzrahmen zu überprüfen und zu hinterfragen. Es erfordert dies freilich einen Raum und Resonanzboden für Reflexion sowie einen öffentlichen Diskurs. Diesen könnten die Medien zwar liefern, doch scheint ihnen nicht viel daran gelegen. Ich rede hier nicht einmal vom Privatfernsehen oder den öffentlich-rechtliche Medien, dem „Spiegel“ (dem Sturmgeschütz der Akklamation) und ihren bewußt eingesetzten Narkoseprogrammen. Hier ist nichts zu erwarten. Aber wenn nicht einmal mehr Zeitungen wie die „Zeit“ oder Tageszeitungen wie die „Süddeutsche“ oder die „Berliner Zeitung“ einen leisen warnenden Ton anstimmen können, dann liegt etwas im argen. Ach, so schlimm wird es schon nicht kommen, so hört man allenthalben sagen. Na, mal sehen. Eine Wette möchte ich darauf nicht eingehen. „Du mußt Dein Leben ändern“, wie das neue Buch von Sloterdijk heißt? Möglicherweise nein, sondern: „Du mußt nur die Laufrichtung ändern!“vielleicht eher und mit Kafka ganz pessimistisch in den Raum gesprochen. Doch hierzu zum Ende hin mehr.</p>
<p style="margin-bottom:0;">Wann eigentlich beginnen soziale Katastrophen? Welzer beschreibt in Anlehnung an Jared Diamonds „Kollaps. Warum Gesellschaften überleben oder untergehen“, jedoch mit ganz anderer Zielrichtung, die soziale Katastrophe auf der Osterinsel und wie es möglich ist, daß eine Kultur Dinge veranstaltet, die bis zur Selbstpreisgabe desaströs sind, ohne daß in der Gesellschaft ein Bewußtsein darüber herrscht oder sich Widerstand regt. Wenn im öffentlichen Diskurs bemerkt wird, daß Dinge sich geändert haben und schwerwiegende Folgen sich einstellen werden bzw. bereits eingestellt haben, ist es meist zu spät.</p>
<p style="padding-left:30px;margin-bottom:0;">„Die soziale Katastrophe der Osterinsel beginnt nicht, wenn der letzte Baum gefällt wird, sowenig wie der Holocaust mit der Installierung der ersten Gaskammer in Auschwitz anfängt. Soziale Katastrophen beginnen dort, wo falsche Entscheidungs<em>richtungen</em><span style="font-style:normal;"> eingeschlagen werden – also dort, wo Distinktions- und Statusregeln auf den Osterinseln den Verbrauch von Holz für die Skulpturenproduktion fordern oder dort, wo wissenschaftlich begründete Annahmen über die Ungleichheit von Menschen in Deutschland den Rang von Gesetzen und Verordnungen erhalten.“</span></p>
<p style="margin-bottom:0;font-style:normal;">Genau dieser Aspekt ist es, den Welzer auf den Punkt bringt und wo er, vollkommen richtig, insistiert: Wir müssen einen (sozialen) Blick entwickeln für solche Angelegenheiten, und wir benötigen ein Sensorium für soziale Katastrophen. Es ist hierbei eine ganze Gesellschaft gefordert. Dies kann man vollkommen neutral festhalten, ohne in Alarmismus und Angstkommunikation zu verfallen.</p>
<p style="margin-bottom:0;"><span style="font-style:normal;">Bei solchem Wandel in den Werthaltungen und solcher Veränderung von Normen innerhalb einer Gesellschaft handelt es sich um sozialpsycholgische Mechanismen, für die Welzer den Begriff der „shifting baselines“ verwendet, welchen er der Umweltpsychologie entnimmt (S. 214). Menschen halten immer jenen Zustand ihrer Umwelt für den „natürlichen“, der mit ihrem Lebens- und Erfahrungshorizont zusammenfällt (S. 214), und </span><span style="font-style:normal;"><span>Menschen verändern sich mit mit ihrer Umwelt in ihren Wahrnehmungen und Werten gleitend, ohne daß sie dies jedoch selber bemerken (S. 16)</span></span><span style="font-style:normal;">. Shifting baselines sind insofern auch dafür verantwortlich, was wir für normal halten und was nicht (S. 217). Man denke etwa an die Systeme der Überwachung: Die Generation, welche in diesem Jahrzehnt Kind ist, wird Videokameras, Gentests und biometrische Daten für ein normales Prozedere halten, und die Abfrage persönlichster Daten ist für diese Generation selbstverständlich. Wissen und Wahrnehmen hängen auf das engste zusammen: </span></p>
<p style="padding-left:30px;margin-bottom:0;"><span style="font-style:normal;">„Denn Einmaligkeitsereignisse werden in der Regel gerade deshalb nicht wahrgenommen, weil sie neu sind, man also das, was geschieht, mit den verfügbaren Referenzrahmen zu erfassen versucht, obwohl es sich um ein präzedenzloses Geschehen handelt, das selbst erst eine Referenz für spätere vergleichbare Ereignisse liefert.“ (S. 219) </span></p>
<p style="margin-bottom:0;"><span style="font-style:normal;"><span>Hierin eben liegt eine Erklärung dafür, warum wir nicht wissen, daß wir nichts wissen; wir schauen mit unserem uns zur Verfügung stehenden Blick und sehen ohne zu sehen. (Ein ganz aktuelles Beispiel für ein Sehen ohne zu sehen, sind die gegenwärtigen Umwälzungen und die Weltwirtschaftskrise. Bei einigen scheint noch rein gar nichts angekommen zu sein.) </span></span></p>
<p style="margin-bottom:0;font-style:normal;">Kann man dieses Verhalten als moralischen Vorwurf an die Subjekte und die Diskurse herantragen? Man kann diese Dinge zunächst einmal nur konstatieren und muß sich überlegen, was dies als Konsequenz bedeutet. Welzer zitiert hinsichtlich dieser Problematik den Soziologen Norbert Elias, welcher es als „eine der schwierigsten Aufgabe der Sozialwissenschaften bezeichnet, die Struktur des Nichtwissens zu rekonstruieren, die zu anderen Zeiten vorgelegen hat.“ (S. 220) Ich halte diese Rekonstruktion (nicht nur in bezug auf die anderen, vergangenen Zeiten, sondern auch hinsichtlich der unseren Zeit) für extrem wichtig, um dadurch ein Begreifen dessen, was gegenwärtig geschieht, vermittels Analogieschluß zu forcieren und den blinden Fleck sichtbar zu machen. Foucaultsches und Luhmannsches Instrumentarium schadet dabei als Rüstzeug und als Zusatz zu dem bereits verwendeten Mitteln keineswegs. Man müßte nur (insbesondere bei Luhmann) die Perspektive ein wenig variieren.</p>
<p style="margin-bottom:0;"><span style="font-style:normal;">Welzer zeigt anhand des Ausgrenzungs- und Verfolgungsprozesses der Juden im nationalsozialistischen Deutschland (Welzer hat zu diesem Feld umfangreiche Forschung geleistet) und an </span><span style="font-style:normal;"><span>anderen</span></span><span style="font-style:normal;"> Beispielen ausführlich, wie Mechanismen der Wahrnehmung und Interpretation von sozialen Tatsachen funktionieren und die Beteiligen dabei nicht einmal merken, was vor sich geht. Diskursive Moralphilosphie, in solcher Perspektive, kann nur scheitern und appelliert ins Nichts hinein, was schon Schopenhauer wußte. Aber auch individualistische, auf moralischer Intuition oder die Kraft des Subjekts beruhende Positionen werden es schwer haben, ein Korrektiv abzugeben. Insofern stellt Welzer fest: </span></p>
<p style="padding-left:30px;margin-bottom:0;">„<span style="font-style:normal;">Angesichts des Phänomens der gleitenden Referenzpunkte wird man sich auch angesichts ganz anderer Problem- und Veränderungslagen nicht der Illusion hingeben wollen, ihre moralischen Überzeugungen würden Menschen schon an irgendeiner Stelle eines gegenmenschlichen Prozesses innehalten und zum Besseren zurückkehren lassen. Das geschieht oft selbst dann nicht, wenn dieser Prozess selbstzerstörerisch zu werden droht.“ (S. 230 f.)</span></p>
<p style="margin-bottom:0;"><span style="font-style:normal;">Für eine Moralphilosophie sind dies allerdings düstere Aussichten. Es haben sich die Ethik und die Philosophie überhaupt diesen Einsichten jedoch zu stellen. Allein schon aus dem Grund, daß unsere Zukunft und die Art und Weise, wie wir und nachfolgende Generationen zukünftig leben wollen, davon abhängt. Hier ist das Projekt der Aufklärung absolut weiterzutreiben. Welzer insistiert darauf, und sein Buch ist hierzu ein gewichtiger Beitrag.</span></p>
<p style="margin-bottom:0;"> </p>
<p style="margin-bottom:0;" align="center"><strong>V. Ökologische Kommunikation</strong></p>
<p style="margin-bottom:0;">Die ökologischen Probleme sind nicht neu: Bereits in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts mit dem Bericht des „Club of Rome zur Lage der Menschheit“, den „Grenzen des Wachstums“ gab es erste Warnungen und Hinweise (S. 110). Daß die sozialen Folgen der ökologischen Probleme bis heute kaum oder zu wenig diskutiert werden, steht in krassem Gegensatz zum Alter der ökologischen Debatte, so Welzer. Und dies ist richtig: Selbst in den frühen 80er Jahren auf dem Höhepunkt der Ökologiebewegung in der BRD bis hin zu Tschernobyl wurde zwar sehr viel über die Probleme und ihre Folgen gesprochen, doch weder in der internen Debatte der verschiedenen Gruppierungen und Strömungen, noch in jenem medialen Grunddiskurs, der etwa Begriffe wie Smog und Waldsterben ubiquitär machte, tauchten die <em><span>sozialen</span></em><span style="font-style:normal;"><span> Folgen richtig auf. </span></span></p>
<p style="margin-bottom:0;"><span style="font-style:normal;"><span>Mit Luhmann könnte man hier natürlich (systemtheoretisch) einwenden, daß ein System eben nur das kommunizieren kann, was es aufgrund seiner Differenzierung zur Umwelt und seiner systemimmanenten Binnenunterscheidung kommunizieren kann. Alles andere wäre eine Überforderung des entsprechenden Systems. So wird, vereinfacht gesagt, niemand vom System des Rechts Kunstwerke erwarten und vice versa. Doch ist es nur bedingt hilfreich, wenn es um Lösungen geht, ex negativo zu argumentieren, was nicht geht. Wenngleich die Luhmannsche Position schon eine erste Erklärung darüber abgeben mag, warum bestimmte Themen eben </span></span><em><span>nicht kommuniziert</span></em><span style="font-style:normal;"><span> werden können. Hier gilt es, Dinge fruchtbar zu machen.</span></span></p>
<p style="margin-bottom:0;font-style:normal;">Was die ökologische Debatte betrifft, sei nur auf seine Arbeit „Ökologische Kommunikation“ von 1986 hingewiesen. Ich wäre gerne noch intensiv darauf eingegangen, doch kann hier nicht der Raum dafür sein. Lesenswert ist dieses Buch jedoch, wenngleich es nicht unumstritten ist und problematische Punkte enthält. Ein Zusammen- und Gegenlesen mit Welzer wäre aber spannend. (Eine Luhmann dekonstruierende und gegen den Strich verfahrende Lektüre allemal.) Und es wäre für die hier skizzierten Probleme womöglich eine Ergänzung um Luhmann sinnvoll, wenngleich dies nicht unbedingt im Theorieansatz Welzers gegründet liegt und Luhmannsches Theoriedesign dem Denken Welzers eher entgegensteht: Sind es doch für Welzer nicht Strukturen und Diskurse, sondern es muß aus jener Welt der Strukturen zurückgefunden werden zu Strategien, mit denen „soziale Wesen“, mithin Subjekte, versuchen ihr Dasein zu bewältigen. (S. 44) Hier gilt es nach Welzer, die Potentiale des Subjekts zu entfalten. (Inwieweit in solchem Ansatz auch Probleme liegen, kann ich hier nicht weiter behandeln; dies ist ein Aspekt für sich, der unter dem Titel „Subjektphilosophie“ besprochen werden müßte; es wird aber in diesem Jahr Aufsätze zur Postmoderne und zum Poststrukturalismus geben, zumal anläßlich des 25. Todestages von Michel <span style="font-style:normal;"><span>Foucault in diesem Jahr.</span></span> Dieser darf nicht unkommentiert bleiben.)</p>
<p style="margin-bottom:0;font-style:normal;">Ich halte, um es kurz zu fassen, diesen teils sehr subjektzentrierten Ansatz Welzers, wenn man ihn verabsolutiert und als Königsweg begehen möchte, für eine Verknappung, denn es beraubt sich eine umfassende Theorie doch durch das Abschneiden der strukturellen und diskurstheoretischen Elemente ihres besten Instrumentariums zur Analyse, wenn es darum geht Zusammenhänge erst einmal deskriptiv zu erfassen oder gar Erklärungen dafür zu finden, warum bestimmte Themen von bestimmten gesellschaftlichen Subsystemen wie Recht oder Wirtschaft eben nicht oder erst unter bestimmten Bedingungen kommuniziert werden können. Hier bietet die Systemtheorie durchaus Erklärungen an, ohne daß man beim Nachdenken darüber sogleich zum Strukturfunktionalist werden müßte.</p>
<p style="margin-bottom:0;font-style:normal;"> </p>
<p style="margin-bottom:0;font-style:normal;text-align:center;"><strong>VI. Ausblicke</strong></p>
<p style="margin-bottom:0;font-style:normal;text-align:left;">Vielfach wirft „Klimakriege“ bezüglich seiner Themen die Netze sehr weit aus. So werden Themenfelder wie der Nationalsozialismus und (islamischer) Terrorismus unter dem Kapitel „Veränderte Menschen“ sehr ausführlich behandelt, um die hier wirkenden Mechanismen der Verschiebung von Wahrnehmung und Interpretation der sozialen Realität aufzuzeigen. Dies geschieht, um die oben skizzierte Theorie der „shifting baselines“ und deren Implikationen zu verdeutlichen und so bei (möglichen) Zukunftsszenarien Handlungsmuster zu antizipieren. Welche Optionen würden gewählt, wie sehen Möglichkeiten des politischen Handelns aus, wenn der Westen einem noch mehr ansteigenden, unaufhaltsamen Strom von Umweltflüchlingen ausgesetzt sein wird und der Druck an den Außengrenzen der EU zunehmend steigt? Noch mögen wir es als unmenschlich empfinden, Flüchtlinge in kaum schwimmtauglichen Beförderungsmitteln im Meer einfach ertrinken zu lassen, anstatt sie zu retten (obwohl dieses Ertrinkenlassen schon vielfach geschieht); noch erscheint es uns als absurd und dem europäischen aufgeklärten Geist widersprechend, daß Patrouillenboote der Grenztruppen auf Flüchtlingsboote schießen, um sie zur Umkehr zu bewegen, und bewußt den Tod von Menschen in Kauf nehmen. Bei einem veränderten Referenzrahmen jedoch, wenn der Druck im Kessel steigt, erscheinen solche Lösungen gar nicht mehr so abwegig. Schnell setzt die Gewöhnung und Erleichterung über diese endlich ergriffenen Maßnahmen ein. Und es werden sich ausreichend Journalisten sowie Intellektuelle finden, die dieses Vorgehen nicht mehr nur beschweigen, sondern explizit gutheißen werden.</p>
<p> Natürlich sind diese Annahmen erst einmal spekulativer Natur, und der wohlmeinend Abwägende, für den Ruhe die erste Bürgerpflicht und Tugend ist, wird entgegnen, daß diese Szenarien und die daraus resultierenden Handlungsfolgen nicht zu beweisen seien und der Hypothesencharakter des Konstruktes (und auch des Buches von Welzer) doch sehr stark sei. Es werde hier zudem sehr Unverbundenes und Disparates wie der Genozid in Ruanda und der Holocuast zusammengebracht mit der Wahrnehmung von Südkalifornischen Fischern bezüglich der Überfischung des Pazifiks. Es mögen diese von Welzer geschilderten Zukunftsaussichten so sein oder auch nicht, wir wissen es eben nicht, was in der Zukunft geschieht, das ist vollkommen richtig. <span style="font-style:normal;"><span>(Korrekt muß man sagen: die möglichen Aussichten, denn Welzer antizipiert nichts und stellt nichts als soziale Tatsache dar, was nur spekulativer Natur ist.) </span></span>Daß aber Menschen auf Freiheitsrechte verzichten zugunsten von Sicherheit, kann man bereits an der gegenwärtigen Debatte über die Gesetze zur Bekämpfung von Terrorismus ablesen.</p>
<p style="margin-bottom:0;font-style:normal;">Solches läßt sich zunächst einmal ganz neutral konstatieren. Denn daß ein Staat Maßnahmen gegen terroristische Bedrohungen trifft, ist legitim, da es die Pflicht eines Staates ist, seine Bürger gegen Terrorismus zu schützen (siehe Teil 1 dieses Essays, am 30.3.). Zu Fragen bleibt aber dabei, was solche Maßnahmen für die Formen sozialen Zusammenlebens und für die Art, wie Gesellschaften Dinge zukünftig wahrnehmen und bewerten, bedeuten.</p>
<p style="margin-bottom:0;font-style:normal;">Es sollte nicht zu viel Vertrauen in die Stabilität von Werten sowie in Normalitäts- und Zivilisierungsstandards gelegt werden (S. 239). Denn mit der Zuspitzung von Problemlagen geht meist ein schleichender Wandel dieser Werte und der Gewichtung von Werten einher. Bestes Beispiel ist hier der Umgang mit persönlichen Daten, mithin das Recht auf informationelle Selbstbestimmung: Brach bereits Jahre vor der Volkszählung von 1987, die im Vergleich zum Umgang mit Daten in der heutigen Zeit harmlos zu nennen ist, noch ein Sturm der allgemeinen Entrüstung auch bei denjenigen aus, die nicht unbedingt „links“ zu nennen sind, so bleibt in unserer Zeit eine Reaktion aus angesichts des heutigen Umgangs mit persönlichen Daten im Zeitalter des Internet und der verstärkten Überwachung. (Siehe hierzu etwa die Ausführungen Welzers S. 234 – 238.) Anhand solcher Beispiele zeigt Welzer sehr gut auf, wie die Theorie der „shifting baselines“ funktioniert. Wir glauben, ganz dieselben geblieben zu sein und dennoch haben sich unser Referenzrahmen und unsere Wertmaßstäbe unmerklich ein Stück verschoben.</p>
<p style="margin-bottom:0;font-style:normal;">So kann man abschließend festhalten, daß dieses Buch viel erreichen möchte und zugleich mit der Adlerperspektive über die Dinge gleitet. Insofern ist es ein wissenschaftliches Buch, welches sich nicht nur an das wissenschaftlich gebildete Fachpublikum, sondern an eine breitere Allgemeinheit wendet. Verstehen kann dieses Buch beim Lesen jeder. Es wird nicht <span style="font-style:normal;"><span>mit Begriffen </span></span>herumgeschwurbelt und epigonaler Diskursklamauk betrieben (nichts gegen Derrida, Foucault, Deleuze, Barthe: dies ist <em>eine ganz andere Liga</em> als jene <em>nachbetenden Signifikantenreiter</em>. Hier weiß ich mich gewiß mit meinem Blogkollegen Hartmut einig, dem ich manche Anregungen aus seinem Blog <a href="http://kritik-und-kunst.blog.de/">„Kritik und Kunst“</a> verdanke.)</p>
<p style="margin-bottom:0;font-style:normal;">Klimawandel beschränkt sich nach Welzer nicht nur auf das Absterben von Wäldern (und damit einhergehender Bodenerosion), das Abschmelzen von Gletschern und auf andere meteorologische Phänomene, sondern es entwickeln sich daraus ganz eminente politische und soziale Folgen, die mit dem bloßen Blick auf diese klimatischen Ursachen noch lange nicht hinreichend erfaßt sind. (S. 110) Dies stellt Welzer vollkommen richtig heraus. Die Auseinandersetzung mit dem sozialen Folgen und eine politische Debatte stehen hier noch aus. Ich hatte dies im zweiten Teil des Essay bereits angesprochen. Ein sehr wichtiger Punkt stellt für mich dar, daß Welzer diese Probleme nicht individualisiert, wie dies von Politikern einer bestimmen Provenienz gerne getan wird. Es reicht nicht aus, auf bestimmte Produkte oder weite Flugreisen zu verzichten. Dies dient lediglich der Selbstberuhigung und ist naiv, wenn solches Verhalten nicht zugleich mit einer Reflexion auf umfassende Mechanismen begleitet ist. (Insofern ist eben kein Mensch von der Philosophie entbunden, sondern vielmehr zu ihr verpflichtet.)</p>
<p style="margin-bottom:0;font-style:normal;">Bei den im Buch angesprochenen Problemen geht es Welzer zudem nicht um monokausale Erklärungen für die neuen Klimakriege, da „Gewaltkonflikte (&#8230;) immer ein Produkt mehrerer paralleler und ungleichzeitiger Entwicklungen (sind)“ (S. 111). Das Niveau der Theorie muß hinreichend komplex sein, um das Feld zu erfassen.</p>
<p style="margin-bottom:0;font-style:normal;">Das Buch entwirft, dies muß man ganz hart sagen, Katastrophenszenarien, von denen man sich wünscht, daß sie nicht eintreffen mögen, so Welzer. Doch steht es zu vermuten an, daß diese Szenarien eintreffen werden, wenn der Schlaf der Vernunft anhält. Die Folgen des Klimawandels „werden nicht nur die Welt verändern und <em>andere Verhältnisse etablieren, als man bislang kannte,</em> sie werden auch das <em>Ende der Aufklärung</em> und ihrer Vorstellung von Freiheit sein. Aber es gibt Bücher, die schreibt man in der Hoffnung, dass man Unrecht hat.“ (S. 17, Hervorh. von bersarin.)</p>
<p style="margin-bottom:0;font-style:normal;">Es wird Kriege gegeben haben: Es bleibt zu fragen, wie dieser Punkt aussieht, von dem aus wir, nachdem diese Kriege (vielleicht) einmal zu Ende sind, sagen werden, daß es Kriege gegeben hat, falls es sich nicht um zukünftige Kriege handelt, die, wie heute schon im Kongo, von verschiedenen Kriegsindustrien auf Dauer gestellt sind, um mit ihnen beständige Profite zu erzeugen.</p>
<p style="margin-bottom:0;font-style:normal;">Welzer hat jedoch mit seinem Buch eine Spur gelegt, der es zu folgen, und einen Rahmen gesetzt, den es mit der detaillierten Forschung auszufüllen gilt. Was nun ansteht, das ist die Kärnerarbeit der Geisteswissenschaften wie der Soziologie, der Politikwissenschaften und der Philosophie (aber auch der Jurisprudenz und der Rechtsphilosophie/-theorie) und den Naturwissenschaften, auf diese Anforderungen zu reagieren und konkrete Theorien auszuarbeiten. Wir werden uns der Fragen stellen <em>müssen</em>, wie eine Gesellschaft aussehen wird und aussehen kann, die etwa mit massiven zunehmenden weltweiten Flüchtlingsströmen umgehen muß.</p>
<p style="margin-bottom:0;font-style:normal;">Doch diese Theorien werden allesamt nichts nützen, wenn es damit einhergehend nicht auch eine Politik gibt, die dafür sorgt und es für absolut notwendig und dringlich erachtet, daß die Erkenntnisse aus solchen Theorien zugleich umgesetzt werden müssen. Denn es genügt nicht, um hier Marx&#8217; 11. Feuerbachthese anzuzitiern, die Welt bloß zu interpretieren und in der Theorie die Problematik zu durchdringen, sondern diese Welt muß zugleich verändert werden. Es gilt, Praktiken zu entwickeln, ohne dabei aber die Möglichkeiten von Politik (utopistisch im schlechten Sinne) zu überfordern, denn leider ist der gleichzeitig auch ideologisch gebrauchte Satz nicht vollkommen falsch, daß Politik die Kunst des Möglichen sei, was aber nicht bedeutet, dabei den Möglichkeitssinn auszuschalten. Es geht also um ein Konzept der kleinen Schritte. (Hoffen wir nur, daß für diese noch die Zeit reicht.) Wie Veränderungen trotzdem möglich sein können, wenngleich nur langsam, hat die Entwicklung hinsichtlich des ökologischen Bewußtseins gezeigt. Heute haben auch die Parteien, die früher nicht gerade als Vorreiter ökologischer Themen bekannt waren, ökologische Themen im Programm. Diese sind, bei aller Oberflächlichkeit, doch Bestandteil des gesellschaftlichen Diskurses geworden. Dies hat jedoch eine lange Zeit gebraucht.</p>
<p style="margin-bottom:0;font-style:normal;">Daß sich Politik mittelfristig ändert, läßt sich für Welzer etwa über eine „Erhöhung der Kommunikations- und Teilhabechancen“ an Debatten und und Entscheidungen über zukunftsrelevante Fragen innerhalb einer Gesellschaft erreichen (S. 270). Denn eine Gesellschaft, „die größere Teilhabe und höheres Engagement erlaubt, ist besser in der Lage, dringende Probleme zu lösen, als eine, die ihre Mitglieder gleichgültig läßt.“ (S. 271) Es wird hier eine dritte Moderne gefordert, die bewußt die Strategie einer reflexiven Moderne einschlägt. Inwieweit dieses Konzept aber tragen mag und nicht bloß frommer Wunsch bleibt, dies sieht auch Welzer. Insofern gibt es noch ein zweites Kapitel „Was man tun kann und was nicht II“, das ein eher düsteres Szenario hinsichtlich der Zukunft bereithält. Der Hoffnungsraum ist hier klein wie die durch Hartz IV zugewiesenen Wohnungen.</p>
<p style="margin-bottom:0;font-style:normal;">So möchte ich zum Schluß die letzten Sätze dieses instruktiven und mehr als wichtigen Buches, das ich jedem zum Lesen empfehlen möchte, zitieren:</p>
<p style="padding-left:30px;margin-bottom:0;font-style:normal;">„Auch auf diese Weise lässt sich der Prozess der Globalisierung beschreiben ­– als ein sich beschleunigender Vorgang sozialer Entropie, der die Kulturen auflöst und am Ende, wenn es schlecht ausgeht, nur noch die Unterschiedslosigkeit bloßen Überlebenswillens zurücklässt. Das allerdings wäre die Apotheose jener Gewalt, zu deren Abschaffung die Aufklärung und mit ihr die westliche Kultur den Schlüssel gefunden zu haben glaubte. Aber von der neuzeitlichen Sklavenarbeit und der gnadenlosen Ausbeutung der Kolonien bis zur frühindustriellen Zerstörung der Lebensgrundlagen von Menschen, die mit diesem Programm nicht das Geringste zu tun hatten, schreibt die Geschichte des freien, demokratischen, aufgeklärten Westens eben doch seine Gegengeschichte der Unfreiheit, Unterdrückung und Gegenaufklärung. Aus dieser Dialektik, das zeigt die Zukunft der Klimafolgen, wird die Aufklärung sich nicht entlassen können. Sie wird an ihr scheitern.“ (S. 278)</p>
<p style="margin-bottom:0;font-style:normal;">Es ist dies eine bittere Aussicht. Doch werden wir uns ihr irgendwie stellen und uns vor allem aber <strong>zu ihr verhalten müssen</strong>.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Die Unmenschliche Komödie]]></title>
<link>http://blogozentriker.wordpress.com/2009/04/20/die-unmenschliche-komodie/</link>
<pubDate>Mon, 20 Apr 2009 08:17:03 +0000</pubDate>
<dc:creator>blogozentriker</dc:creator>
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<description><![CDATA[- Sie betrachten, haben Sie gesagt, NACKTE SEELEN als Teil eines größeren Roman-Zusammenhangs, der U]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>- Sie betrachten, haben Sie gesagt, NACKTE SEELEN als Teil eines größeren Roman-Zusammenhangs, der UNMENSCHLICHEN KOMÖDIE.<br />
- Ja.<br />
- Das ist ja eine klare Anspielung auf Balzac, eine Allusion.<br />
- Eine Illusion, vielleicht sogar eher.<br />
- Im Sinne von?<br />
- Wer kann denn heute noch im Ernst glauben, eine Gesamtdarstellung der Gesellschaft wäre möglich?<!--more--><br />
- Sie könnten sich auf den Mikrokosmos einer Kleinstadt, z. B., beschränken. Das wäre möglich.<br />
- Aber wäre das repräsentativ?<br />
- Das hängt von den imaginativen Fähigkeiten des Autors ab, glaube ich. Man kann eine ganze Welt in einer Nussschale geben.<br />
- Das glaube ich nicht. Eine Nussschale ist immer eine Nussschale. Sehen Sie sich doch mal Niklas Luhmann an, sein Werk, dieses riesige Trümmerfeld.<br />
- Ein höchst inspirierendes Trümmerfeld.<br />
- Selbstverständlich. Aber wer dort eintaucht, wird zum Luhmannisten. Das ist die Gefahr. Man sieht die Welt vor lauter System nicht mehr.<br />
- Man ist dafür auf der sicheren Seite, auf der richtigen Seite.<br />
- Man hat die Wahrheit schwarz auf weiß, ja. Eine gigantisch explodierte Nussschale. Man steht nicht als kompletter Trottel da, wenn man immer einen systemologischen Satz beisteuern kann. Aber vielleicht ist das, was einen wie mich interessiert, eher, in der Welt mitzuspielen, anstatt sie im Nussschalenformat nachzubauen?<br />
- Die Aufgabe der Kunst war es immer, Modelle zu liefern.<br />
- Auch Balzac liefert nur ein Modell?<br />
- Selbstverständlich. Mit einem sehr besserwisserischen Gestus baut er Modelle des Paris seiner Zeit.<br />
- Dann wäre das, was ich anstrebe, also der Bruch mit der Rolle des Schriftstellers?<br />
- Absolut.<br />
- Denken Sie, das wäre ein Problem?<br />
- Für mich schon. Ich schreibe immerhin für eine Literaturzeitschrift.<br />
- Dann ist unser Interview hier beendet.<br />
- Schön.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Verfehlt]]></title>
<link>http://ohmannthomas.wordpress.com/2009/03/26/verfehlt/</link>
<pubDate>Thu, 26 Mar 2009 17:37:16 +0000</pubDate>
<dc:creator>ohmannthomas</dc:creator>
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<description><![CDATA[Luhmann hat sein Leben verfehlt.]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Luhmann hat sein Leben verfehlt.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Management-by-Tools auf den Müll - Auch ein schönes Krisenergebnis]]></title>
<link>http://gunnarsohn.wordpress.com/2009/03/19/management-by-tools-auf-den-mull-auch-ein-schones-krisenergebnis/</link>
<pubDate>Thu, 19 Mar 2009 16:45:46 +0000</pubDate>
<dc:creator>gunnarsohn</dc:creator>
<guid>http://gunnarsohn.wordpress.com/2009/03/19/management-by-tools-auf-den-mull-auch-ein-schones-krisenergebnis/</guid>
<description><![CDATA[Fritz B. Simon, Professor für Führung und Organisation der Uni Witten/Herdecke zur Wirtschaftslage: ]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p><a href="http://www.mz-witten.de/x-organisationen/frontend/index-flash.php"><img src="http://gunnarsohn.wordpress.com/files/2009/03/simon-sw.jpg" alt="Systemischer Denker" title="Systemischer Denker" width="400" height="266" class="alignleft size-full wp-image-959" /></a>Fritz B. Simon, Professor für Führung und Organisation der Uni Witten/Herdecke zur Wirtschaftslage: &#8220;Die gegenwärtige Krise des Weltwirtschaftssystems ist ja so etwas wie eine gigantische Werbeveranstaltung für systemisches Denken. Jetzt weiß auch der letzte Anhänger geradlinig kausaler Modelle, der Main-Stream-Wirtschaftswissenschaften oder von Kontroll-Ideen, dass die Welt und mit ihr die Wirtschaft nur sehr begrenzt berechenbar ist. D<strong>ie alten Management-by-Tools sind allesamt auf dem Müll gelandet (wo sie schon früher hingehörten), und mit ihnen die Metaphern der Planung und Steuerung, die ihnen zugrunde lagen. </strong>Wo es früher Wirtschaftskapitäne gab und Lotsen, die sich mit den Untiefen der Gewässer auskannten, den Kurs festlegten und hielten, auch wenn das Klima rau war und die See unruhig, muss heute gesurft werden nicht nur im Internet. Wir navigieren nicht mehr in Gewässern, die mal mehr, mal weniger ruhig sind, sondern wir befinden uns immer irgendwie auf dem Kamm einer Welle, die jeden Moment über uns zusammen schlagen kann. Die Krise zu reiten ist riskant, aber es kann offensichtlich auch richtig Spaß machen (wenn man es kann, eine gute Kondition und den hinreichenden Sportsgeist besitzt).&#8221; </p>
<p>Richtig systemischen Spaß wird auch der Berliner <a href="http://www.mz-witten.de/x-organisationen/frontend/index-flash.php">Kongress X-Organisationen zum Thema &#8220;Neue Gegenwart&#8221; </a>bringen. Hier kann man dann Professor Simon, Dirk Baecker und Co. leibhaftig erleben. Ich werde auf alle Fälle dabei sein.<br />
Zum Thema der Management-Tools siehe auch: <a href="http://gunnarsohn.wordpress.com/2009/03/03/liebwerteste-gichtlinge-rabelais-und-der-nutzen-von-hofnarren-fur-die-wirtschaft/">Liebwerteste Gichtlinge: Rabelais und der Nutzen von Hofnarren für die Wirtschaft</a> Ein recht dadaistisches Interview mit Professor Simon findet man bei <a href="http://www.rebell.tv/">Rebell TV</a>. Einfach x-organisationen klicken. Wie ist eine gute, spannungsvolle Leerstelle oder Lehrstelle&#8230;????? Nicht-Wissen. <a href="http://www.youtube.com/watch?v=IZIrrxwy9OI">Man kann es auch bei Youtube abrufen.</a></p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Enzensberger und das Alphabet der Krise]]></title>
<link>http://gunnarsohn.wordpress.com/2009/03/12/enzensberger-und-das-alphabet-der-krise/</link>
<pubDate>Thu, 12 Mar 2009 11:22:07 +0000</pubDate>
<dc:creator>gunnarsohn</dc:creator>
<guid>http://gunnarsohn.wordpress.com/2009/03/12/enzensberger-und-das-alphabet-der-krise/</guid>
<description><![CDATA[In der Literaturbeilage der Wochenzeitung &#8220;Die Zeit&#8221; hat Hans Magnus Enzensberger ein en]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p><a href="http://www.zeit.divine.de/12/"><img src="http://gunnarsohn.wordpress.com/files/2009/03/title_121.jpg" alt="title_121" title="title_121" width="382" height="124" class="alignleft size-full wp-image-883" /></a>In der Literaturbeilage der <a href="http://www.zeit.de/index">Wochenzeitung &#8220;Die Zeit&#8221;</a> hat Hans Magnus Enzensberger ein entzückendes Alphabet der Krise veröffentlicht. </p>
<p>Da heißt es zu Berater, der; &#8220;Bankangestellter, der ebenso im Nebel stochert wie seine Kunden, aber wenigstens solange der Umsatz stimmt, Geld damit verdient, statt es einzubüßen.&#8221;</p>
<p>Oder Analyst, der; &#8220;einer, der es aus guten Gründen nicht wagt, sich einen Analytiker zu nennen. Wehe dem, der sich einem Therapeuten anvertraut, dem selber auf keiner Couch mehr zu helfen ist.&#8221;</p>
<p>Noch schöner Wirtschaftsweisen, die; &#8220;eine staatlich geprüfte Ansammlung von hochdotierten Kaffeesatz-Lesern&#8221;. Jawoll. Nur staatlich geprüft sind die doch gar nicht, sondern staatlich alimentiert&#8230;.<a href="http://www.bundesfinanzministerium.de/bundeshaushalt2008/pdf/epl09/s0902.pdf">Siehe Haushaltsplan S. 13 ff. </a></p>
<p>Im Heft findet sich eine schöne Besprechung von Wirtschaftsbüchern zur Krise. So wird deutlich, dass der hochgelobte Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman (Die neue Weltwirtschaftskrise, Campus-Verlag) ein höchst eigenwilliges Verständnis von ökonomischen Prozessen hat und eigentlich auch nur zur profanen Gattung der Makro-Klempner zählt. Die Politik müsse nur an den richtigen Stellschrauben drehen und schon funktioniert alles wieder von alleine. Krugman ist also auch nur ein VWL-Mechaniker. Man schaut nach dem defekten Einspritzer oder einer kaputten Kurbelwelle und schon kann der kapitalistische Reparaturbetrieb zur Geltung kommen. </p>
<p><a href="http://www.amazon.de/Animal-Spirits-Wirtschaft-wirklich-funktioniert/dp/3593389371/ref=sr_1_1?ie=UTF8&#38;s=books&#38;qid=1236856599&#38;sr=8-1"><img src="http://gunnarsohn.wordpress.com/files/2009/03/akerlof.jpg" alt="akerlof" title="akerlof" width="135" height="208" class="alignleft size-full wp-image-880" /></a>Ganz anders positionieren sich die Ökonomieprofessoren George Akerlof und Robert Shiller in ihrem Opus &#8220;Animal Spirits &#8211; Wie Wirtschaft wirklich funktioniert&#8221;, ebenfalls im Campus Verlag erschienen. Sie grenzen sich vom simplen Machbarkeitsglauben eines Paul Krugman ab, der sicherlich bei den staatsgläubigen Lenkern und Denkern Hochkonjunktur hat. Unternehmer und Verbraucher sind eben keine emotionslos kalkulierenden Roboter, wenn sie sich von Moden, Gruppendruck und Massenhysterie beeinflussen lassen. Deshalb kann das ständige Auf und Ab der Wirtschaftskonjunktur nicht durch das Drehen von makroökonomischen Schrauben gesteuert werden. Mit diesem Konzept der Globalsteuerung ist man schon in den 1970er Jahren auf die Schnauze gefallen. &#8220;Wer weiß schon, wie sich eine Herde wilder Pferde im nächsten Moment verhalten wird&#8221;, schreibt der Zeit-Rezensent Wolfgang Uchatus. Wird sie wirklich friedlich grasen oder durch die Gegend springen? Kann die staatliche Zentralbank mit einer Senkung der Leitzinsen die unternehmerischen Investitionen ankurbeln, wie Alan Greenspan jahrelang glaubte, oder sorgt sie eher für eine Spekulationsblase an den Finanzmärkten, wie es tatsächlich der Fall war? </p>
<p>Akerlof und Shiller sind die richtigen Ratgeber, um der Wissensanmaßung in der Wirtschaftspolitik zu widerstehen. Sie sollte eher als Staatskunst verstanden werden, als schwere und mitunter nicht erfüllbare Aufgabe. Die beiden Autoren holen den Faktor &#8220;Ungewissheit&#8221; wieder zurück in die Volkswirtschaftslehre, die immer noch glaubt, dass die Wirtschaft berechenbar sei und sich mehr dafür interessiert, an mathematischen Formeln zu feilen und die Beobachtung der Realität vernachlässigt. </p>
<p><a href="http://www.amazon.de/Deutschland-auf-Couch-Gesellschaft-Leidenschaft/dp/3593379260/ref=sr_1_2?ie=UTF8&#38;s=books&#38;qid=1236856670&#38;sr=1-2"><img src="http://gunnarsohn.wordpress.com/files/2009/03/3593379260.jpg?w=194" alt="3593379260" title="3593379260" width="194" height="300" class="alignleft size-medium wp-image-881" /></a>Liebe VWL-Professoren, Akerlof und Shiller sollten Sie lesen, dazu noch eine Portion Niklas Luhmann und das von mir schon mehrfach zitierte Werk von Stephan Grünewald, &#8220;Deutschland auf der Couch &#8211; Eine Gesellschaft zwischen Stillstand und Leidenschaft&#8221;. Und liebe Frau Bundeskanzlerin, Sie sollten nicht nur verkopfte Spieltheoretiker als Berater ins Kanzleramt holen, sondern einige profilierte Wirtschaftspsychologen &#8211; dann läuft es auch mit der Motivation der Bevölkerung besser oder kopieren Sie einfach Barack Obama. </p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Krisentrack: Dow Jones - Just a Techno Groove (Wallstreet Panic), 1989]]></title>
<link>http://wechselwirkungen.wordpress.com/2009/02/27/krisentrack-dow-jones-just-a-techno-groove-wallstreet-panic-1989/</link>
<pubDate>Fri, 27 Feb 2009 10:15:05 +0000</pubDate>
<dc:creator>mrBTH</dc:creator>
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<description><![CDATA[Geschichte wiederholt sich. Deswegen verstehe ich auch den ganzen Hype, der um die Finanzkrise gemac]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p style="text-align:justify;"><img class="alignnone size-full wp-image-987" title="finazkrise" src="http://wechselwirkungen.wordpress.com/files/2009/02/finazkrise.jpg" alt="finazkrise" width="450" height="299" /></p>
<p style="text-align:justify;">Geschichte wiederholt sich. Deswegen verstehe ich auch den ganzen Hype, der um die Finanzkrise gemacht überhaupt nicht, will mich aber auch nicht politisch äußern. Für Interessierte die keine rechts- oder linksreaktionäre Polemik der meisten Massenmedien lesen wollen, wo die Meinungen von Wirtschaftsverbänden oder von (Sozial-)Wissenschaftlern aus dem 19. Jahrhundert übernommen werden, sollte sich diesen Text von <a href="http://www.heise.de/tp/r4/artikel/28/28915/1.html" target="_blank">Jörg Räwel</a> anschauen:</p>
<blockquote><p>Es ist in dieser Perspektive nicht die &#8220;unverantwortliche Gier&#8221;, zumal Einzelner, die zunächst für unermessliche Gewinne, dann für unermessliche Verluste gesorgt hat. Vielmehr ist es dem Weltwirtschaftsystem in einer dysfunktionalen Umbruchssituation mangelnder Reichweite nationalstaatlicher Macht schlicht gelungen (bzw. gelingt es ihm, kaschiert als &#8220;Neoliberalismus&#8221;), auf Kosten der Politik zu funktionieren bzw. diese zu korrumpieren. Die ungeheuren Gewinne bzw. Wertsteigerungen die die Welt(finanz)wirtschaft ermöglichte, sind einem zwischen den Nationalstaaten initiierten &#8220;Steuerwettbewerb&#8221; geschuldet. Zudem konnte – und kann – die Wirtschaft durch internationale Konkurrenz jahrelang Kosten minimieren, in dem sie in vielen Brachen, aufgrund fehlender gesetzlicher Regelungen hinsichtlich Mindestentlöhnungen, Dumpinglöhne durchsetzte bzw. durchsetzen kann, die wiederum zudem oftmals steuerlich subventioniert wurden, da sie zum Lebensunterhalt kaum ausreichten und ausreichen.</p></blockquote>
<blockquote><p>Die derzeitige Finanzmarktkrise erscheint in dieser Perspektive nicht als Problem, sondern vielmehr als Lösung einer funktional differenzierten Gesellschaft, die bestrebt ist, die Funktionalität ihrer Funktionssysteme zu erhalten.</p></blockquote>
<blockquote><p>Klar ist jedenfalls, und dies ist nun in der Krise überdeutlich, dass die enge Koppelung der Funktionssysteme in der Erbringung gegenseitiger Leistungen, den Ausfall eines Systems (sei es nun der Politik, der Wirtschaft, der Wissenschaft, der Religion oder der Erziehung) nicht erlauben kann, ohne dass dies zu gesamtgesellschaftlichen Dysfunktionalitäten führt. Keinem Funktionssystem ist möglich, die Leistungen eines anderen Systems zu erbringen – bei gleichzeitiger gegenseitiger funktionaler Abhängigkeit von gerade diesen Leitungen. Wissenschaftliche Wahrheiten lassen sich weder kaufen noch mit Macht erzwingen. Das Problem der Knappheit (von Waren, von Dienstleistungen, von Kapital) lässt sich mit Geld, nicht mit Mitteln der Politik, mit Macht, lösen. Kollektiv verbindliche Regulierungen, Normen, lassen sich nur mit Macht durchsetzen, nicht mit Geld, oder mit &#8220;Vernunft&#8221;, im Blick auf wissenschaftliche Wahrheiten – usw.</p></blockquote>
<p style="text-align:justify;">Genug Politik. Zur Krise muss auch das passende Stück her. Und zumindest einer, der vor 20 Jahren von der Krisenstimmung profitierte war der Produzent von Dow Jones. Grottenschlechtes Video mit einem ganz billigen <a href="http://www.kevinsaunderson.com/" target="_blank">Inner-City</a>-RipOff.</p>
<p style="text-align:justify;"><span style='text-align:center; display: block;'><object width='425' height='350'><param name='movie' value='http://www.youtube.com/v/SGX8EOH82pc&#038;rel=1&#038;fs=1&#038;showsearch=0&#038;hd=0' /><param name='allowfullscreen' value='true' /><param name='wmode' value='transparent' /><embed src='http://www.youtube.com/v/SGX8EOH82pc&#038;rel=1&#038;fs=1&#038;showsearch=0&#038;hd=0' type='application/x-shockwave-flash' allowfullscreen='true' width='425' height='350' wmode='transparent'></embed></object></span></p>
<p style="text-align:justify;">&#8220;This Wall Street crash has got me grooving to the beat.&#8221; <img src='http://s.wordpress.com/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </p>
<p style="text-align:justify;">&#8220;<a href="http://www.youtube.com/watch?v=998P6HEzCdI" target="_blank">Good Life</a>&#8221; passt bestimmt besser als Vorlage, aber &#8220;Big Fun&#8221; ist mir schon immer lieber gewesen.</p>
<p style="text-align:justify;"><span style='text-align:center; display: block;'><object width='425' height='350'><param name='movie' value='http://www.youtube.com/v/omfiVkkJ1OU&#038;rel=1&#038;fs=1&#038;showsearch=0&#038;hd=0' /><param name='allowfullscreen' value='true' /><param name='wmode' value='transparent' /><embed src='http://www.youtube.com/v/omfiVkkJ1OU&#038;rel=1&#038;fs=1&#038;showsearch=0&#038;hd=0' type='application/x-shockwave-flash' allowfullscreen='true' width='425' height='350' wmode='transparent'></embed></object></span> </p>
<p style="text-align:justify;">via <a href="http://homosociologicus.de/2008/11/06/niklas-luhmanns-10ter-todestag-eine-leerstelle-in-der-finanzkrise/" target="_blank">HomoSociologicus</a>, <a href="http://zeitzeuge.blog.de/2009/02/18/fundstueck-wallstreet-panic-anno-5600896/" target="_blank">Zeitzeuge</a>, foto under cc by <a href="http://www.flickr.com/photos/29487767@N02/3034659459/" target="_blank">schlumpf</a></p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Wenn nicht sein kann, was nicht sein darf...]]></title>
<link>http://malteherwig.wordpress.com/2009/02/26/wenn-nicht-sein-kann-was-nicht-sein-darf/</link>
<pubDate>Thu, 26 Feb 2009 10:34:30 +0000</pubDate>
<dc:creator>malteherwig</dc:creator>
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<description><![CDATA[Nach Walser, Hildebrandt, Lenz, Luhmann und anderen auch er: Hans Werner Henze. Wie ich vor kurzem i]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Nach Walser, Hildebrandt, Lenz, Luhmann und anderen auch er: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Werner_Henze">Hans Werner Henze</a>. Wie ich vor kurzem in der &#8220;<a href="http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2009-07/artikel-2009-07-das-doofe-dur-der-angepassten.html">Weltwoche</a>&#8221;  berichtete, ist in der NSDAP-Kartei im Bundesarchiv eine Mitgliedskarte für den berühmten Komponisten (Jahrgang 1926) aufgetaucht. Klar: man könnte den damals 17jährigen wohl kaum einen Vorwurf daraus machen, dass sie mehr oder weniger freiwillig in die NSDAP  eingetreten sind.</p>
<p>Aber die Reaktionen der Betroffenen wie auch mancher Kommentatoren sind schon interessant: Wenn nicht sein kann, was nicht sein darf, wird gerne schon mal gegen alle Wahrscheinlichkeit (und archivalische Belege) geurteilt, dass es sich bei den Parteimitgliedschaften der prominenten Künstler nur um &#8220;Geburtstagsgeschenke&#8221; für Hitler handeln könne. </p>
<p>Der Wunsch ist offensichtlich Vater des Gedankens, wenn die F.A.Z. sich um den Ruf des &#8220;weltweit anerkannten&#8221; Musikers sorgt und hofft, &#8220;<a href="http://www.faz.net/s/Rub4D7EDEFA6BB3438E85981C05ED63D788/Doc~E5FF9C96CCC1540678C9E8A40DA01E0CE~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_googlefeed">dass diese ,bösen Geister&#8217; bald wieder in der Versenkung verschwinden werden</a>&#8220;. Soll das heißen, dass man die historischen Aktenfunde lieber ignoriert, anstatt sie zu erforschen?  </p>
<p>Am lustigsten die Argumentation von Franziska Augstein in der Süddeutschen Zeitung. Für die promovierte Leitartiklerin, deren Sozialisierung als Historikerin sich in der Spätphase poststrukturalistischer Beliebigkeitspostulate vollzog, steht fest, dass «<a href="http://www.sueddeutsche.de/kultur/539/458194/text/">eine Quelle unfraglich nur eines besagt: dass sie existiert</a>». Seriöse Quellenkritik sieht anders aus, und für Sammelaufnahmen ohne Wissen der Betroffenen fehlt bisher jeder Beleg. Die Diskussion um die NSDAP-Karteimitglieder hat eher mit <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichtspolitik">Politik</a> zu tun, als mit Geschichtsforschung.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Verraten und verschenkt?]]></title>
<link>http://malteherwig.wordpress.com/2009/02/26/verraten-und-verschenkt/</link>
<pubDate>Thu, 26 Feb 2009 10:00:59 +0000</pubDate>
<dc:creator>malteherwig</dc:creator>
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<description><![CDATA[Vor ein paar Jahren erregte der Sozialpsychologe Harald Welzer mit einer Studie in Deutschland Aufse]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p><!--StartFragment--></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="DE">Vor ein paar Jahren erregte der Sozialpsychologe Harald Welzer mit einer Studie in Deutschland Aufsehen, welche die Verarbeitung der NS-Vergangenheit in deutschen Familien erforschte. Dabei entdeckten die Wissenschaftler, dass rund zwei Drittel der Familienerzählungen Opfer- und Heldengeschichten über die Grosseltern sind, die von der Kinder- und Enkelgeneration nicht nur bereitwillig geglaubt, sondern geradezu eingefordert werden.<!--more--></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="DE">«Opa war kein Nazi»: Der Titel der Studie resümiert den Wunsch der Nachgeborenen, die eigenen Vorfahren auch wider besseres Wissen aus jeglichem Verdacht herauszuhalten und sie als Opfer oder Helden zu stilisieren. Das Wissen um die deutschen Verbrechen im Nationalsozialismus, urteilen die Forscher, rufe «in den Nachfolgegenerationen das Bedürfnis hervor, eine Vergangenheit zu konstruieren, in der ihre eigenen Verwandten in Rollen auftreten, die mit den Verbrechen nichts zu tun haben». Mit einem Wort: Bei den Nachfahren wiegt persönliche Loyalität schwerer als Kritikbereitschaft.  An Welzers Studie mochte sich erinnert fühlen, wer die Reaktionen auf die Enthüllung der Weltwoche las, dass der Komponist Hans Werner Henze laut Bundesarchiv als Mitglied der NSDAP geführt wurde. Dass es nicht um moralische Schuld und Verantwortung eines Siebzehnjährigen gehen konnte, war offensichtlich. Doch weil nicht sein kann, was nicht sein darf, übten sich die Feuilletonisten im voreiligen Ausstellen publizistischer Persilscheine: Bei Henzes NSDAP-Mitgliedschaft, so wurde bereitwillig geglaubt, müsse es sich um ein Geburtstagsgeschenk für Hitler gehandelt haben. Die Angehörigen der Jahrgänge 1926/27 – allesamt verraten und verschenkt? </span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="DE">Dass im Laufe der Zeit immer mehr prominente Namen in der NSDAP-Kartei auftauchen, scheint niemanden zu beeindrucken. Angesichts der «im Ganzen wenig belastbaren Quellen- und Faktenlage», hoffte die FAZ, würden die «bösen Geister» bald wieder in der Versenkung verschwinden. Hans Werner Henze habe es einfach nicht verdient, fand Franziska Augstein in der Süddeutschen Zeitung, dass sein lebenslanges künstlerisches und politisches Engagement «wegen einer unbewiesenen Behauptung» zur Bussübung degradiert werde. </span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="DE">Was sagt uns die Quelle?</span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="DE">Hätte die flinke Feuilletonistin wenigstens das eigene Zeitungsarchiv konsultiert, sie hätte bemerkt, dass Listen von Aufnahmescheinen kein «neues Argument» sind. Sie existieren auch im Falle anderer Betroffener wie Horst Ehmke und Erhard Eppler und wurden bereits vor zwei Jahren – bisher unwiderlegt – als Indiz für die penible Aufnahmepraxis der NSDAP im Jahre 1944 angeführt.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="DE">Doch für die promovierte Leitartiklerin, deren Sozialisierung als Historikerin sich in der Spätphase poststrukturalistischer Beliebigkeitspostulate vollzog, steht fest, dass «eine Quelle unfraglich nur eines besagt: dass sie existiert». Seriöse Quellenkritik sieht allerdings anders aus. </span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="DE">Für Sammelaufnahmen ohne Wissen der Betroffenen fehlt bisher jeder Beleg. Der Historiker Norbert Frei hatte 2003 in einem Artikel über seinen Kollegen Martin Broszat lediglich die Vermutung geäussert, dass es sich bei dessen Parteiaufnahme um das Werk eines unter Quotendruck stehenden HJ-Oberen gehandelt haben könnte: «Wir können darüber heute nur noch spekulieren.» Auf Nachfrage teilte Freis Institut der Weltwochemit, dass der Wissenschaftler auch seitdem keine Belege für «Sammelaufnahmen» gefunden habe.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="DE">«Entlastungsbemühungen»</span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="DE">Unwiderlegt bleibt nach wie vor ein Gutachten des Historikers Michael Buddrus, der Tausende von NSDAP-Mitgliedsakten ausgewertet hat und zu dem Ergebnis kommt, dass es keine automatischen korporativen Aufnahmen von Angehörigen einzelner Geburtsjahrgänge oder NS-Verbände gegeben habe. </span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="DE">Gegenteilige Erzählungen sind laut Buddrus «beständig perpetuierte Legenden, die ihren Ausgangspunkt in Entlastungsbemühungen der unmittelbaren Nachkriegszeit hatten und durch häufige Kolportage zu einem gern bemühten ‹Allgemeingut› avancierten, das mit der historischen Wirklichkeit allerdings nichts zu tun hat».  Was für einfache Familien gilt, trifft offensichtlich auch auf die intellektuelle Verwandtschaft der Bundesrepublik zu: Opa war kein Nazi. Es war genau dieser Verdrängungsreflex, den die Leitartiklerin Franziska Augstein im Jahr 2005 in derSüddeutschen Zeitung kritisierte: «So haben alle Interessengruppen die Ihren immer in Schutz genommen: die Freunde des Grossbürgertums die Grossbürger, die Industriellen ihre Geschäftspartner, die Wissenschaftler ihre Lehrer, die Juristen die Kollegen und so weiter.» </span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="DE">Zwei Dinge seien klar, verkündete Augstein damals: «Erstens: Es gab keine guten Nazis. Zweitens: Es gab keine Verstrickung.» Wer so absolut urteilt, dem muss es tatsächlich schwerfallen zu akzeptieren, dass die Wirklichkeit komplizierter ist.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="DE">MALTE HERWIG</span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="DE">erschienen in: <a href="http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2009-09/artikel-2009-09-feuilleton-verraten-und-verschenkt.html"><span>Weltwoche, 25.02.2009</span></a></span></p>
<p><!--EndFragment--></p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA["Das doofe Dur der Angepassten"]]></title>
<link>http://malteherwig.wordpress.com/2009/02/26/das-doofe-dur-der-angepassten-2/</link>
<pubDate>Thu, 26 Feb 2009 08:00:41 +0000</pubDate>
<dc:creator>malteherwig</dc:creator>
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<description><![CDATA[ Hans Werner Henze ist einer der berühmtesten deutschen Komponisten der Gegenwart. Politisch hat er ]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p><!--StartFragment--></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="DE"> <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Werner_Henze"><span>Hans Werner Henze</span></a> ist einer der berühmtesten deutschen Komponisten der Gegenwart. Politisch hat er sich als Linker und Antifaschist betätigt. Jetzt legt eine Recherche nahe: Der 1926 geborene Henze war Mitglied der NSDAP.   </span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="DE">Wäre die Erinnerung ein Konzert – so könnte es klingen, das Jüngste Gericht über die deutsche Vergangenheit: «Ein In- und Aufeinander von Schreckensgetön aus der Kindheit, Erinnerungen an Marschlieder und Hymnen, Gassenhauer und Gemeinheiten, Suff. Blitzlichtklänge aus dem riefenstahlschen Nazi-Nürnberg beleidigen uns, den Fanfarenzügen entfährt grelle Ignoranz, das doofe Dur der Angepassten und Mitlaufenden.»   <!--more--><br />
</span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="DE">Es ist ein schauerliches Blasmusikgewitter, das sich am 24. Februar 1993 über das Publikum in der Kölner Philharmonie entlädt. «Blasmusik von der schlimmsten Art» – so befand nicht etwa ein erboster Kritiker, sondern der Komponist selbst. Die Musik seines damals in Köln uraufgeführten Requiems solle den Zuhörern durch Mark und Bein gehen, schreibt Hans Werner Henze in seinen Erinnerungen «Reiselieder mit böhmischen Quinten»: «Es soll bewusst gemacht werden, dass das Vokabular der Unmenschen noch immer in Gebrauch ist, die Herzen vergiftet, die Begriffe von Würde und denkerischer Schönheit und schöngeistigem Denken herunter in den Schmutz des Allgemeingebräuchlichen und der Genügsamkeit zieht.»  Gegen das «doofe Dur der Angepassten» setzte Henze zeitlebens seine Musik: ein Mahner in Moll, ein rückwärtsgewandter Widerstandskämpfer. </span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="DE">Aufnahmeantrag am 18. Januar 1944</span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="DE">Doch sind die Rollen zwischen Gut und Böse wirklich so klar verteilt? Eine Entdeckung, welche die Weltwoche im Keller des Bundesarchivs in Berlin machte, lässt Zweifel an diesem (Selbst-)Bild aufkommen. In der dort aufbewahrten NSDAP-Mitgliederkartei befindet sich eine Karteikarte, die den angehenden Komponisten unter der Nummer 9884828 als Parteimitglied der NSDAP verzeichnet. Laut Auskunft des zuständigen Abteilungsleiters im Bundesarchiv, Hans-Dieter Kreikamp, wurde die Parteiaufnahme am 18. Januar 1944 beantragt und erfolgte gemäss Anordnung 1/44 des Reichsschatzmeisters der NSDAP (Aufnahme von Hitlerjungen der Jahrgänge 1926 und 1927) am 20. April 1944. Ein unterschriebener Aufnahmeantrag liegt nicht vor.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="DE">Hingegen findet sich der am 1. Juli 1926 in Gütersloh geborene Henze auf einer namentlichen Liste von 500 NSDAP-Aufnahmescheinen, die am 15. März 1944 von der Gauleitung Südhannover-Braunschweig an die Reichsleitung in München gesandt wurde. In einem Schreiben vom 7. Juni 1944 an die Gauleitung Hannover beanstandet das Aufnahme-Amt der NSDAP-Reichsleitung das Fehlen einer eigenhändigen Unterschrift eines der 500 Antragsteller auf dieser Liste. Doch dabei handle es sich nicht um Henze, so Kreikamp, «dessen Aufnahmeantrag somit unbeanstandet blieb». Für Kreikamp steht fest: «Ohne Schriftzug im Feld ‹eigenhändige Unterschrift› auf diesem Formular wäre das Aufnahmeverfahren nicht durchgeführt worden.»</span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="DE">Was ist von der mutmasslichen NSDAP-Mitgliedschaft Henzes zu halten? Fest steht: Mit der deutschen Vergangenheit hat es sich der Komponist, der als 17-Jähriger erst in den Arbeitsdienst und dann in die Wehrmacht verpflichtet wurde, nie leichtgemacht. Sein Werk sei als Warnung vor dem Vergessen der Nazi-Verbrechen, als musikalisches Eintreten für Frieden, Gerechtigkeit und Menschlichkeit zu verstehen: «Weltlich, multikulturell und brüderlich». Aus vielen Stücken des – neben Karlheinz Stockhausen – berühmtesten und einflussreichsten deutschen Komponisten der Nachkriegszeit tönt laut vernehmlich das «Nie wieder». Sein Komponieren, sagte er in einem Interview, sei «Trauerarbeit», die Erinnerungen kämen manchmal wie Fieberschübe oder Alpträume über ihn.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="DE">Ob in Partitur oder Politik: Henze ist zweifellos einer der engagiertesten deutschen Komponisten nach dem Zweiten Weltkrieg. Er setzte sich für den Sozialismus auf Kuba ein, nahm den durch das Attentat schwer verletzten Rudi Dutschke in seiner italienischen Vil-la auf, machte Wahlkampf für Willy Brandt. Seine 1997 uraufgeführte 9. Sinfonie widmete er «den Helden und Märtyrern des deutschen Antifaschismus». In seiner Autobiografie stellt sich der ehemalige Wehrmachtssoldat Henze mit behendem Wir neben die Widerstandskämpfer in Anna Seghers Roman «Das siebte Kreuz», auf dem seine Sinfonie beruht: «Wir identifizieren uns mit diesen unseren Landsleuten von damals, errichten ihnen, den vergessenen Helden des Widerstands, ein neues Denkmal.» Während Günter Grass, Jahrgang 1927, der trägen Nachkriegsliteratur mit seiner «Blechtrommel» eins auf den Kopf gab, mischte Henze die Musikwelt auf. Henzes mutmassliche NSDAP-Mitgliedschaft ist nicht der erste Fall, der einen Schatten auf die Vergangenheit führender Persönlichkeiten der bundesdeutschen Nachkriegsöffentlichkeit wirft.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="DE">Bereits vor zwei Jahren sorgte die Entdeckung der NSDAP-Mitgliedskarten von Martin Walser, Dieter Hildebrandt, Siegfried Lenz, Horst Ehmke und anderer Prominenter für Aufregung und die bohrende Frage: Haben sie oder haben sie nicht unterschrieben? Die Reaktion war einhellig: Bis auf den SPD-Politiker Erhard Eppler bestritten alle Betroffenen unisono, jemals die Aufnahme in Hitlers Partei beantragt zu haben. Dieses «Davon haben wir nichts gewusst» – hat man das nicht schon einmal gehört? Auch Henze, der später im italienischen Exil der Kommunistischen Partei Italiens beitrat, will von einer NSDAP-Mitgliedschaft nichts wissen: «Ich erinnere mich nicht, jemals den Wunsch verspürt zu haben, der NSDAP beizutreten», sagt der Komponist am Telefon. Seine «phantomatische Mitgliedschaft» müsse wohl ein Geburtstagsgeschenk der Gauleitung Südhannover-Braunschweig an Hitler gewesen sein.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="DE">Vor zwei Jahren meldeten sich Historiker wie Hans-Ulrich Wehler und Norbert Frei mit der Einschätzung zu Wort, dass im Fall der Jahrgänge 1926/27 auch Sammelaufnahmen ohne eigenhändige Unterschrift der Betroffenen möglich gewesen seien. «Es ist denkbar, dass bestimmte Gauleiter telefonisch durchgaben, dass die HJ-Führer, die noch da waren, angemeldet werden sollten», vermutete Wehler: «Empirische Beweise gibt es dafür aber noch nicht.» Unter den Zuschriften zahlreicher Angehöriger der «Flakhelfer-Generation», die seitdem den Autor dieses Artikels erreichten, sind auch solche, die auf Ausnahmen in der Durchführung von NS-Parteiaufnahmeverfahren im Jahr 1944 schliessen lassen. Ein ehemaliger Angehöriger der Hitlerjugend schickte Feldpostbriefe seiner Eltern: Sein Vater habe einen «Aufnahmeschein» für ihn ausgefüllt, er sei als «einer der Ausgesuchten» in die Partei aufgenommen worden. Auch über Aufnahmezeremonien und das Eintreffen des Parteiabzeichens hielten ihn die stolzen Eltern auf dem Laufenden. Bleibt die Frage: Weshalb war der betreffende Hitlerjunge ein «Ausgesuchter» und die Nachbarskinder nicht? Angesichts der ausufernden Forschungsliteratur zum «Dritten Reich» scheint merkwürdig, dass die Aufnahmeverfahren jener Partei kaum erforscht sind, die im Zentrum des Unrechtsstaates stand und deren Mitgliedschaft bis heute als unheilvoller Makel gesehen wird.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="DE">War Hans Werner Henze, der nie einen Aufnahmeantrag unterschrieben zu haben behauptet, ein «Ausgesuchter», der ohne eigene Unterschrift in die NSDAP aufgenommen wurde? Hat sein Vater den Aufnahmeantrag für das älteste von sechs Kindern ausgefüllt? Die Familienkorrespondenz im Sacher-Archiv hat Henze mit einer Sperrfrist von einem halben Jahrhundert nach seinem Tod belegt – ob auch er in Feldpostbriefen von seiner Parteiaufnahme erfahren hat, kann also derzeit nicht festgestellt werden.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="DE">Seinen Vater, den Lehrer Franz Henze (1898–1945), beschreibt der Komponist als überzeugten Nationalsozialisten, der für ihn, den homosexuellen, linkshändigen Aussenseiter, zum Inbegriff des totalitären NS-Regimes wurde. «Mein Hass auf den Vater», schreibt Henze in «Musik und Politik», «verschränkte sich mit dem Hass auf den Faschismus und übertrug sich auf die Nation der Soldaten, die mir als eine Nation von Vätern erschien.» Noch dreissig Jahre nach Franz Henzes Tod plagen den Sohn «Magenkrämpfe bei Erinnerungen an den Vater, die nun unentwegt heraufkommen aus dem grossen schwarzen Teich des Vergessens». </span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="DE">Nun könnte die verdrängte Vergangenheit Hans Werner Henze selber einholen. «Es kommt einem so vor, als ob irgendwelche bösen Geister aus der Finsternis auftauchen», sagt Henze per Telefon über seine «phantomatische Mitgliedschaft in der NSDAP». </span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="DE">Von einer «verratenen Generation» spricht der Soziologe Heinz Bude mit Bezug auf die Angehörigen der Jahrgänge 1926/27. Existenziell irritiert und defensiv gestimmt, habe sich die Generation der Flakhelfer selber verleugnet. Nach dem Krieg übernahmen mit Ade-nauer die Grossväter das Geschäft der Demokratie, der Aufstand gegen die Väter fiel aus, er blieb den Achtundsechzigern vorbehalten. So lebte die Generation der Walsers, Hildebrandts und Henzes die hoffnungslose Ambivalenz der Dazwischengeborenen, «bindungslos und verstrickt zugleich». Das daraus resultierende Schamgefühl versuchten sie durch Fleiss, Anstand und als Mahner zu kompensieren. </span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="DE">Betonung der individuellen Sühne </span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="DE">Sein früher Antifaschismus, schrieb Henze in den siebziger Jahren, sei aufgrund des Vaters mehr psychologisch motiviert als politisch. Abseits stand er in der Nazizeit nicht. Er wurde in Magdeburg zum Panzerfunker ausgebildet, um dann in geheimer Mission als Soldaten-Schauspieler mit einer Filmtruppe fingierte Fronteinsätze für die Wochenschauen zu drehen, bis das «Dritte Reich» endgültig zusammenbrach.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="DE">Weniger nach Widerstandsmythos klingt auch die Dankesrede, die Henze zur Verleihung der Ehrendoktorwürde 1997 an der Universität Osnabrück hielt: «1945, am Ende des totalen Zweiten Weltkriegs dann, sassen wir auf den Trümmern, zählten und begruben die Leichen, beweinten sie und bedauerten unser kollektives Versagen gegenüber der Diktatur, unser Mitläufertum und unseren kollektiven Mangel an Zivilcourage [. . .]. Es musste eine völlige Revision des Denkens stattfinden. Sie musste anfangen mit dem kollektiven Eingeständnis einer kollektiven Schuld. Es fand eine Katharsis statt – bei Einzelpersonen, nicht bei allen!» </span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="DE">Neben die Scham über das kollektive Versagen tritt hier eine auffällige Betonung der individuellen Sühne – ein Erlösungsthema, das in Henzes autobiografischen Schriften immer wieder auftaucht. Das Ende der nationalsozialistischen Herrschaft, schrieb der Komponist schon 1963 in einem Aufsatz über «Musik als Resistenzverhalten», habe den Anfang einer neuen Zeit bedeutet, «in der den Unschuldigen, den Reinen, und auch den in Reue Gereinigten, erlaubt sein würde, Freies, Entferntes, in den Menschen unerkannt schlafende Möglichkeiten von Noblesse zu empfangen». </span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="DE">Das beharrliche Eintreten in Wort und Ton für Frieden, Menschlichkeit und Gerechtigkeit – vielleicht muss man es als nachgeholten Widerstand einer ganzen Generation von Künstlern und Intellektuellen verstehen, als Wiedergutmachung für das Unrecht einer verratenen Jugend. Um individuelle Schuldzuweisung jedenfalls kann es bei der Diskussion um die mutmassliche Parteimitgliedschaft von damals 17- und 18-Jährigen nicht gehen, auch nicht im Fall Hans Werner Henzes. Auch wenn die Betroffenen schweigen, ihr künstlerisches Werk ist äusserst mitteilsam. «Denn Orpheus ist, die Musik, alle Künste sind dazu da, die dunklen Triebe, die in den Menschen rumoren, zu befrieden», heisst es bei Henze.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="DE">MALTE HERWIG</span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="DE">Erschienen: <a href="http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2009-07/artikel-2009-07-das-doofe-dur-der-angepassten.html"><span>Weltwoche, 11.02.2009</span></a></span></p>
<p><!--EndFragment--></p>
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<title><![CDATA[Luhmann: Complexity can be Handled only by Complexity]]></title>
<link>http://oceanflynn.wordpress.com/2009/01/27/luhmann-complexity-can-be-handled-only-by-complexity/</link>
<pubDate>Tue, 27 Jan 2009 00:12:48 +0000</pubDate>
<dc:creator>Maureen Flynn-Burhoe</dc:creator>
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<description><![CDATA[A summary by Maureen Flynn-Burhoe of Hornung (1998 ) on Luhmann: Complexity: non-intervention and ob]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>A summary by Maureen Flynn-Burhoe of Hornung (1998 ) on Luhmann: Complexity: non-intervention and observation</p>
<p>In Fuchs discussion of the work of Niklas Luhmann, an impassioned theorist. Luhmann argued that the role of sociology was to develop a theory that would provide a better and more complex understanding of the world. This could be done by developing a description and analysis of modern society through observation of society in its minute details.  However, in its role as a science, sociology should not try to provide recipes to improve the world. The functional differentiation between sociology and politics should be respected.</p>
<p><span style="color:#000080;">In this way ethics should not determine sociological theory rather ethics depends on sociological theory.</span></p>
<p>Professor Hornung, the President of the University of Marburg, acknowledged that Luhmann&#8217;s restriction to observation and non-intervention may seem to be an unaffordable luxury in crisis-ridden times.  Hornung admits that sociologists  &#8220;are in fact under daily pressure in our jobs to &#8220;produce&#8221; both scientific results and students to the precise profiles requested by the economy and the &#8220;market&#8221;. But he cautions against ignoring Luhmann&#8217;s lesson that</p>
<blockquote><p>&#8220;complexity can be handled only by complexity (Hornung 1998).&#8221;</p>
</blockquote>
<h3>Shifting Words, Shifting Worlds</h3>
<p>In the address written at the time of Niklas Luhmann death in 1998, Dr. Bernd R. Hornung, , described Luhmann as the &#8220;most important contemporary intellectual leader and representative of systems science in sociology.&#8221; The influence of his new challenges and new perspectives extended far beyond sociology. Empassioned by theory, Luhmann provided new and influential perspectives which challenge the &#8220;army of  &#8220;regular scientists.&#8221; Luhmann combined the theory of the organization of the living of Maturana and Varela with his own complex reasoning and &#8220;transferred it to sociology, where it became soon a cornerstone of his own monumental construction of theory.&#8221; In this theory the observer plays a key role by observing minute differences which impact on shifting terms, words and worlds (Hornung 1998).</p>
<p>&#8220;A considerable part of his life work consists in applying his abstract, complex frame of theoretical reference to virtually all areas of society, from the internal workings of administration to global ecological problems, from politics and economy to arts, love, and religion. Aiming at a universal theory of society no sector of society was left out in his attempt to apply, test, and further develop his theory.&#8221; In order to expand his theory Luhmann entered into a scholarly confrontation with Habermas&#8217; theory (1971). See Hornung (1998).</p>
<p>Luhmann, a student of Talcott Parsons at Harvard in 1960-1, is a successor to but not a follower of, Parsons. They both attempted to develop a grand sociological theory that was universal and all encompassing (Hornung 1998).</p>
<p>In 1968, as Professor of Sociology at the newly founded Reform University of Bielefeld he devoted his full energy to his theory of modern society.  He was inspired somewhat by Husserl&#8217;s phenomenology but primarily by  systems theory and cybernetics in his own efforts to develop a description of society (Hornung 1998).</p>
<h3>Luhmann&#8217;s Methodology: History, Legal Theory not Empirical Measurement</h3>
<p>Informed by his love for history and using the tools of legal theory which involved library research and case studies Luhmann&#8217;s project was to study society as a whole and develop a theory of modern society. His methods were not those of a natural scientist. He did not use an ethnological style of participant observation nor empirical measurement, data collection, and statistical hypothesis testing as a way to construct theory  (Hornung 1998).</p>
<p>More reading</p>
<p>Hornung, Bernd R. 1998. <a href="http://mgterp.freeyellow.com/academic/luh-obit_rc51.html">Obituary Niklas Luhmann (1927 &#8211; 1998)</a> written for The Research Committee 51 (RC51) on Sociocybernetics of the International Sociological Association (ISA). </p>
<p>Flynn-Burhoe, Maureen. 2008-06-18 &#8220;<a href="http://aflicktion.wordpress.com/2008/06/18/niklas-luhmann">Luhmann: Complexity can be Handled only by Complexity</a>.&#8221; First uploaded. </p>
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