<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><!-- generator="wordpress.com" -->
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	>

<channel>
	<title>rationalismus &amp;laquo; WordPress.com Tag Feed</title>
	<link>http://en.wordpress.com/tag/rationalismus/</link>
	<description>Feed of posts on WordPress.com tagged "rationalismus"</description>
	<pubDate>Tue, 22 Dec 2009 16:36:52 +0000</pubDate>

	<generator>http://en.wordpress.com/tags/</generator>
	<language>en</language>

<item>
<title><![CDATA[Esoterik und Okkultismus (Teil 2)]]></title>
<link>http://nachrichtenbrief.wordpress.com/2009/09/15/esoterik-und-okkultismus-teil-2/</link>
<pubDate>Tue, 15 Sep 2009 04:46:48 +0000</pubDate>
<dc:creator>Peter Nasselstein</dc:creator>
<guid>http://nachrichtenbrief.wordpress.com/2009/09/15/esoterik-und-okkultismus-teil-2/</guid>
<description><![CDATA[Reich hat die Mystik nicht rationalistisch wegerklärt, sondern ernst genommen, um ihr desto effektiv]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Reich hat die Mystik nicht rationalistisch wegerklärt, sondern ernst genommen, um ihr desto effektiver entgegentreten zu können. Sie beruht auf der verzerrten Wahrnehmung realer Energieströme im Körper.</p>
<p>Der Okkultismus, z.B. die Astrologie, ist in dieser Hinsicht weitaus problematischer, da man nicht nur mit subjektiven Befindlichkeiten, sondern immer wieder mit objektiven „Belegen“ konfrontiert wird, denen man Rechnung tragen muß, will man „wissenschaftlich unvoreingenommen“ vorgehen.</p>
<p>Ganze Kulturen haben sich unrettbar in der sich immer wieder bestätigenden Astrologie verfangen. Etwa die hochentwickelten Inka, die sich nicht gegen die Spanier wehrten, weil ihr Untergang in den Sternen vorgezeichnet war. In Sternkonstellationen und dunklen Flecken in der Milchstraße machten die Inka Tiergestalten aus, denen bestimmte Eigenschaften zugeordnet waren, so daß die Himmelsmechanik einen tiefgründigen Sinnzusammenhang nach dem anderen generierte.</p>
<p>Es scheint, daß wir heute auf breiter Front wieder auf dem Weg in solch ein wahnhaftes und im wahrsten Sinne des Wortes verhängnis-volles Weltbild sind. <em>Man denke nur an den vom Maya-Kalender inspirierten malignen Schwachsinn, der mit dem Jahr 2012 getrieben wird!</em></p>
<p>Geblendet durch immer neue „Bestätigungen in der Wirklichkeit“ wird nicht gesehen, daß Systemen wie der Astrologie, Numerologie, Kartenlegen, etc. jede Grundlage abgeht. Selbst wenn sie teilweise funktionieren, d.h. anekdotische Überzeugungskraft besitzen und vielleicht sogar hier und da statistische Überraschungen auftreten: jedes beliebige andere System, irgendeine willkürlich und künstlich erschaffene &#8230;ologie, würde ähnliche Ergebnisse zeitigen. Offenbar „erzeugen“ (?) derartige Systeme spontan und unkontrollierbar sinnvolle Zusammenhänge („Serialität“, „Synchronizität“). Sogenannte „Satanisten“ nutzen dies aus, um mit Hilfe von Magie Macht auszuüben und letztendlich zu einem Gott zu werden. (Ein „Satanist“ hat beispielsweise keinerlei Probleme damit die „klingonische“ Götter aus <strong>Star Trek</strong> anzurufen und sich davon reale Effekte zu versprechen!)</p>
<p>Ich würde niemals ein Horoskop lesen oder mir aus der Hand lesen lassen. Nicht nur, daß ich Angst vor sich selbst erfüllenden Prophezeiungen habe. Darüber hinaus habe ich Angst etwas „heraufzubeschwören“. Ich teile die Auffassung echter Christen, daß diese „Techniken“ durchweg dämonisch sind.</p>
<p><img class="alignright size-full wp-image-4269" title="Nadelkopf" src="http://nachrichtenbrief.wordpress.com/files/2009/09/nadelkopf.jpg" alt="Nadelkopf" width="250" height="250" />Magisches Denken kommt dem psychotischen und hochneurotischen Denken sehr nahe. Sich dem auszusetzen, verstärkt und verfestigt die eigene Neurose. Man hält sich davon fern, genauso wie man von sexuellen Perversionen Abstand hält. <em>Es zieht einen hinunter!</em> Nicht von ungefähr haben Esoteriker und Okkultisten eine dunkle Aura, sind unglücklich, übellaunig und von abstrusen Krankheiten geplagt.</p>
<p>Aber zurück zur Erklärung „okkulter“ bzw. „parapsychologischer“ Phänomene: sie scheinen eine makroskopische Entsprechung quantenphysikalischer Vorgänge zu sein. Der Schlüssel hat sicherlich mit dem Orgonomischen Potential zu tun, das entsprechend auf atomarer Ebene der statistisch-mechanischen Zufallsverteilung entgegenwirkt und so die Quantenphänomene hervorruft. Siehe dazu die beiden Aufsätze <a href="http://www.orgonomie.net/hdodorea.htm"><strong>Ea und die Wellenfunktion</strong></a> und <a href="http://www.orgonomie.net/hdoquanten.htm"><strong>Orgonenergie-Kontinuum und atomare Struktur</strong></a>.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Gewista ist gut und Gott war (vielleicht) nie am Leben]]></title>
<link>http://diegalerie.wordpress.com/2009/07/18/gewista-ist-gut-und-gott-war-vielleicht-nie-am-leben/</link>
<pubDate>Sat, 18 Jul 2009 02:57:11 +0000</pubDate>
<dc:creator>marcusjoswald</dc:creator>
<guid>http://diegalerie.wordpress.com/2009/07/18/gewista-ist-gut-und-gott-war-vielleicht-nie-am-leben/</guid>
<description><![CDATA[Gott hat keinen Vornamen. In Tschechien heißt er Karel Gott. In Österreich Herr Gott oder Herrgott. ]]></description>
<content:encoded><![CDATA[Gott hat keinen Vornamen. In Tschechien heißt er Karel Gott. In Österreich Herr Gott oder Herrgott. ]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Chomsky auf Mentalesisch]]></title>
<link>http://kapaneus.wordpress.com/2009/07/13/chomsky-auf-mentalesisch/</link>
<pubDate>Mon, 13 Jul 2009 12:52:43 +0000</pubDate>
<dc:creator>kapaneus</dc:creator>
<guid>http://kapaneus.wordpress.com/2009/07/13/chomsky-auf-mentalesisch/</guid>
<description><![CDATA[Hier im Ausland naturgemäß am eigenen Spracherwerb und dem weiterer Fremdsprachen interessiert, erga]]></description>
<content:encoded><![CDATA[Hier im Ausland naturgemäß am eigenen Spracherwerb und dem weiterer Fremdsprachen interessiert, erga]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Buchempfehlung Bertrand Russell <em>Religion and Science</em>]]></title>
<link>http://kapaneus.wordpress.com/2009/07/07/buchempfehlung-bertrand-russell-religion-and-science/</link>
<pubDate>Tue, 07 Jul 2009 10:53:29 +0000</pubDate>
<dc:creator>kapaneus</dc:creator>
<guid>http://kapaneus.wordpress.com/2009/07/07/buchempfehlung-bertrand-russell-religion-and-science/</guid>
<description><![CDATA[Auch mittlerweile fast vierzig Jahre nach seinem Dahinscheiden gehört Bertrand Russell noch unbestri]]></description>
<content:encoded><![CDATA[Auch mittlerweile fast vierzig Jahre nach seinem Dahinscheiden gehört Bertrand Russell noch unbestri]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Freidenker Martin Luksan kämpft weiter für mehr Ratio]]></title>
<link>http://diegalerie.wordpress.com/2009/06/09/freidenker-martin-luksan-kaempft-weiter-fuer-mehr-ratio/</link>
<pubDate>Tue, 09 Jun 2009 12:36:10 +0000</pubDate>
<dc:creator>marcusjoswald</dc:creator>
<guid>http://diegalerie.wordpress.com/2009/06/09/freidenker-martin-luksan-kaempft-weiter-fuer-mehr-ratio/</guid>
<description><![CDATA[Wien - 12/2002 - Dr. Martin Luksan, Multifunktionär, Essayist, Denker und Vortragender bei vorbereit]]></description>
<content:encoded><![CDATA[Wien - 12/2002 - Dr. Martin Luksan, Multifunktionär, Essayist, Denker und Vortragender bei vorbereit]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Grundlagen des Neuen Atheismus]]></title>
<link>http://feuerbringer.com/2009/04/28/grundlagen-des-neuen-atheismus/</link>
<pubDate>Tue, 28 Apr 2009 11:32:42 +0000</pubDate>
<dc:creator>derautor</dc:creator>
<guid>http://feuerbringer.com/2009/04/28/grundlagen-des-neuen-atheismus/</guid>
<description><![CDATA[Zusammen mit dem Physiker Dr. Bernd Vowinkel habe ich ein Mini-Manifest des Neuen Atheismus geschrie]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p><img class="alignleft size-full wp-image-473" style="margin:10px;" title="Der Wahn-Wahn" src="http://feuerbringer.wordpress.com/files/2009/04/delusion-delusion.jpg" alt="Der Wahn-Wahn" width="191" height="273" />Zusammen mit dem Physiker <em>Dr. Bernd Vowinkel</em> habe ich ein Mini-Manifest des Neuen Atheismus geschrieben:</p>
<p style="margin-bottom:0;">
<p style="margin-bottom:0;">Der Neue Atheismus gründet nicht nur auf herkömmlichen Argumenten gegen die Existenz Gottes, wie sie in der griechischen Antike, in der Rennaissance und in Zeiten der Aufklärung vorgebracht wurden, sondern er beruht auch auf den gewaltigen Fortschritten in Naturwissenschaft und Technik in den letzten Jahrzehnten, die zu einem Menschenbild und einem Weltbild geführt haben, das vollständig auf dem Naturalismus und dem Rationalismus aufbaut.</p>
<p style="margin-bottom:0;"><!--more--></p>
<p style="margin-bottom:0;"><strong>Gegen alle Religion</strong></p>
<p style="margin-bottom:0;">Die Neuen Atheisten lehnen das religiöse Denken in seiner Gesamtheit ab. Dieses lässt sich auch in weltlichen Ideologien finden: Heilige Bücher („Mao-Bibel&#8221;), Erlöserfiguren (Kim Jong Il), Rituale zur Förderung der Gleichförmigkeit des Denkens (Aufzüge bei den Reichsparteitagen), Inquisition (Gestapo) und Denunziantentum (etwa gegen „Judenfreunde&#8221;). Religionen und Ideologien teilen ein zutiefst gestörtes Verhältnis zu Demokratie und Menschenrechten. Aufgrund der zahlreichen Gemeinsamkeiten zwischen Religionen und Ideologien lassen sich Ideologien treffend als „Politreligionen“ bezeichnen.</p>
<p style="margin-bottom:0;">Die Religion zieht als Erkenntnisfaktor im Vergleich zur Wissenschaft den Kürzeren. Sie ist zum Erkenntnisgewinn nicht nur ungeeignet, sondern hinderlich, da ihre wesentlichen Grundlagen Fantasie, Dogma und Wunschdenken sind, die eine objektive Erkenntnis verhindern.</p>
<p style="margin-bottom:0;">Wer eine Existenzbehauptung aufstellt, muss diese belegen, da man andernfalls von der Existenz von allem Vorstellbaren ausgehen müsste, bis es nach und nach widerlegt wird, was prinzipiell unmöglich ist und dem Sparsamkeitsprinzip (Ockhams Rasiermesser) widerspricht. Da es keinerlei Belege für Übernatürliches jedweder Art gibt, kann man nur auf die Nichtexistenz des Übernatürlichen schließen. Sämtliche Religionen („soziale Systeme, deren Mitglieder übernatürliche Wesen verehren&#8221;) sind somit irrational. Alle Versuche, die <a href="http://hpd.de/node/4221" target="_blank">Vernunft</a> und die <a href="http://hpd.de/node/4692" target="_blank">Logik</a> für die Religion zu bemühen, sind gescheitert.</p>
<p style="margin-bottom:0;">Die Idee eines Gottes, der in die Natur eingreift und die Arten erschafft, steht im Widerspruch zur Evolutionstheorie. Die Neuen Atheisten lehnen auch den Deismus ab, den Glauben an einen reinen Schöpfergott, der nicht ins Weltgefüge eingreift. Das <a href="http://www.darwin-jahr.de/evo-magazin/kein-wunder-dass-wir-existieren" target="_blank">anthropische Prinzip</a> macht einen solchen Schöpfergott überflüssig. Zudem kann Gott als komplexes Wesen nicht am Anfang eines Prozesses stehen, der Komplexes aus dem Einfachen erzeugt (Evolution). Ein hochkomplexes Wesen wie Gott taucht nicht einfach aus dem Nichts auf, sondern es müsste das Ergebnis eines Prozesses ähnlich dem der Evolution sein.</p>
<p style="margin-bottom:0;">Sobald überzeugend aufgezeigt wird, dass Wunschdenken und Dogmatismus besser dazu geeignet sind, eine humane Welt zu erschaffen, als kritisches Denken, so würden wir unseren Standpunkt einer ernsthaften Prüfung unterziehen müssen. Selbst wenn das jedoch der Fall wäre, bliebe Religion irrational und ihre Faktenbehauptungen befänden sich noch immer auf dem Kriegsfuß mit unseren wissenschaftlichen Erkenntnissen.</p>
<p style="margin-bottom:0;">Wissenschaft und Religion sind unvereinbar.</p>
<p style="margin-bottom:0;">
<p style="margin-bottom:0;"><strong>Toleranz, aber kein Respekt </strong></p>
<p style="margin-bottom:0;">„Toleranz&#8221; bedeutet nicht, dass man eine Position als legitime Meinung anerkennen muss. Toleranz bedeutet vielmehr, dass man andere Meinungen erträgt, auch wenn man ihnen nicht zustimmt. Vor allem bedeutet es, dass man anderen ihre freie Meinungsäußerung nicht verbietet oder ihnen für diese Gewalt antut.</p>
<p style="margin-bottom:0;">Wir treten grundsätzlich für die Religions- und die Meinungsfreiheit ein. Die Erfahrung zeigt aber, dass Absolutheitsansprüche und Dogmen eben nicht auf das Miteinander innerhalb der jeweiligen religiösen Gruppen beschränkt werden. Dadurch entstehen häufig Schäden an der gesamten Gesellschaft. Ferner muss die religiöse Indoktrination von Kindern, die regelmäßig in solchen Gruppen stattfindet, als mentale Kindesmisshandlung eingestuft werden.</p>
<p style="margin-bottom:0;">Der Respekt für religiöse Ideologien ist daher einzustellen. Religionen müssen öffentlich widerlegt und verspottet werden, Religionsvertretern muss so viel Macht wie möglich entzogen werden. Ziel ist eine religions- und ideologiefreie Welt.</p>
<p style="margin-bottom:0;">
<p style="margin-bottom:0;"><strong>Fazit</strong></p>
<p style="margin-bottom:0;">Die Konfliktlinien verlaufen heute zwischen Vernunft und Irrationalität, zwischen Klarheit und Verwirrung, zwischen Freiheit und Versklavung, zwischen Wissenschaft und Religion. Die Neuen Atheisten stehen für die jeweils erste Alternative.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Gedanken vom 03. März 2009 - Macht Denken Frei? ]]></title>
<link>http://moinmoinmo.wordpress.com/2009/03/04/gedanken-vom-03-marz-2009-macht-denken-frei/</link>
<pubDate>Wed, 04 Mar 2009 00:35:22 +0000</pubDate>
<dc:creator>Mo</dc:creator>
<guid>http://moinmoinmo.wordpress.com/2009/03/04/gedanken-vom-03-marz-2009-macht-denken-frei/</guid>
<description><![CDATA[Arbeiten ist eine der wenigen Tätigkeiten die meinem Leben im Moment einen für mich akzeptablen Sinn]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Arbeiten ist eine der wenigen Tätigkeiten die meinem Leben im Moment einen für mich akzeptablen Sinn geben, allerdings hält sie mich gleichzeitig davon ab, dieses grundlegend zu verändern. Wobei ich dann wenn ich dazu die Zeit habe in Untätigkeit verfalle, vor Veränderungen zurückschrecke und ihre Sinnmäßigkeit in Frage stelle. Mein penetranter Rationalismus macht mir in diesem Fall zu schaffen.</p>
<p>Demnach meine aktuelle Beschäftigung: Hoffen auf Spontanität, Planung des Ungeplanten und jeden Tag zum Leben gehen. Gute Nacht.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Zeit zum Lesen, Zeit zum Handeln]]></title>
<link>http://kamenin.wordpress.com/2009/01/31/zeit-zum-lesen-zeit-zum-handeln/</link>
<pubDate>Sat, 31 Jan 2009 13:23:15 +0000</pubDate>
<dc:creator>kamenin</dc:creator>
<guid>http://kamenin.wordpress.com/2009/01/31/zeit-zum-lesen-zeit-zum-handeln/</guid>
<description><![CDATA[Zwei Lesetipps auf die Schnelle. Ist schon ein bisschen her, dass ich mich das letzte Mal Science-Fi]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p style="text-align:justify;">Zwei Lesetipps auf die Schnelle.</p>
<p style="text-align:justify;">Ist schon ein bisschen her, dass ich mich das letzte Mal Science-Fiction-Lektüre hingegeben habe, aber seit gestern genieße ich geradezu die in acht Folgen erscheinende Kurzerzählung von Eliezer Yudkowsky auf <em>Overcoming Bias</em>. Weiß Gott, das mag keine große Literatur sein, aber irgendwas finde ich absolut vergnüglich an den ganzen dialogischen Spekulationen, Abwägungen und Streitereien über das Gefangenendilemma im Weltraum und die babyfressenden Kristallaliens, denen sich die Menschheit gegenübersieht. Also bitte:</p>
<p style="text-align:justify;"><em>Three Worlds Collide </em>(<a href="http://www.overcomingbias.com/2009/01/three-worlds-collide.html">Übersicht</a>, <a href="http://www.overcomingbias.com/2009/01/the-babyeating-aliens.html">Teil 1</a>, <a href="http://www.overcomingbias.com/2009/01/war-andor-peace.html">Teil 2</a>, wird täglich fortgesetzt)</p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">Gleichzeitig, so widersprüchlich das erscheinen mag, sympathisiere ich enorm mit Jagoda Marinic&#8217; Unzufriedenheit über den politischen Zustand hierzulande, in dem alles immer nur noch mal zerredet und bedacht wird und alle Kontroversen in die Konsequenzlosigkeit des Feuilletons abgeschoben werden. Für den Moment erlaube ich mir also das romantische Gefühl, dass eine Reflexion innerhalb von Blogs was anderes ist, als den Unsinn einfach auf der Metaebene weiter voran zu treiben. Aber vor allem ist es auch in bewundernswerter Klarheit und Konsequenz geschrieben, ohne einen billigen Ausweg anzubieten, den es doch nicht gibt:</p>
<p style="text-align:justify;"><a href="http://jagodamarinic.wordpress.com/2009/01/30/uber-erregtheit-in-der-politik-oder-warum-sich-deutsche-nicht-mehr-auf-die-strase-wagen/">Über Erregtheit in der Politik</a></p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">Und Glück Auf! Winterpause ist vorbei. Zeit, sich zu bewegen.</p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Parallelrealitäten in Konfusion]]></title>
<link>http://kamenin.wordpress.com/2009/01/19/parallelrealitaten-in-konfusion/</link>
<pubDate>Mon, 19 Jan 2009 20:59:57 +0000</pubDate>
<dc:creator>kamenin</dc:creator>
<guid>http://kamenin.wordpress.com/2009/01/19/parallelrealitaten-in-konfusion/</guid>
<description><![CDATA[Zur vorangehenden Theologiekritik passt ganz wunderbar ein aktueller Gastbeitrag von Manfred Reichel]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p style="text-align:justify;">Zur <a href="http://kamenin.wordpress.com/2009/01/19/das-darwin-jahr-und-die-windungen-der-theologie/">vorangehenden Theologiekritik</a> passt ganz wunderbar ein aktueller Gastbeitrag von Manfred Reichelt <a href="http://theolounge.wordpress.com/2009/01/18/theologisieren-heute-eine-dringend-notige-besinnung/">auf <em>theolounge</em></a>. Der startet mit einer ziemlich selbstkritischen Bestandsaufnahme:</p>
<blockquote>
<p style="text-align:justify;"><span lang="DE"><strong><span style="font-weight:normal;">Daß heute diese Sicht [die naturwissenschaftliche, k.] beherrschend geworden ist &#8212; nicht zuletzt durch die freilich schon wieder fragwürdig erscheinenden Erfolge auf technologischem Gebiet &#8212; ist darauf zurückzuführen, daß Erkenntnisse gewonnen wurden, auf denen sich bauen ließ und die immer neue Erkenntnisse evolvierten. Im Vergleich dazu sind die Ergebnisse der Theologie beschämend. (&#8230;) </span></strong></span><span lang="DE"><strong><span style="font-weight:normal;">Daß hier etwas mit der Ausgangssituation, den Grundlagen des Theologisierens nicht stimmen kann, müßte jedem in die Augen springen.</span></strong></span></p>
</blockquote>
<p style="text-align:justify;"><span lang="DE"><strong><span style="font-weight:normal;">Dann geht es über in den großen Rettungsgedanken:</span></strong></span></p>
<blockquote>
<p style="text-align:justify;"><span lang="DE"><strong><span style="font-weight:normal;">Durch das vertiefte Eindringen in die nur dem physischen Auge unsichtbaren Welten und die immer tiefer werdende Verwirklichung des Heils (Heiligung) erhalten die Hypothesen der Theologie ihre Korrekturen, so daß sie zu einem immer geschmeidigeren Werkzeug werden. </span></strong></span></p>
</blockquote>
<p style="text-align:justify;"><span lang="DE"><strong><span style="font-weight:normal;">Um sich im abschließenden Crescendo endgültig zu offenbaren:</span></strong></span></p>
<blockquote>
<p style="text-align:justify;"><span lang="DE"><strong><span style="font-weight:normal;">Zu ihnen wird nicht nur die vergleichende Beschäftigung mit Leben und Aussagen christlicher Mystiker aller Konfessionen gehören, oder die Beachtung christlicher Erfahrungen, sondern <strong>auch an den Erscheinungen und den Aussagen des Spiritismus und der Parapsychologie wird der Theologe nicht oberflächlich Kenntnis nehmend vorbeigehen können</strong>.</span></strong></span></p>
</blockquote>
<p style="text-align:justify;"><span lang="DE"><strong><span style="font-weight:normal;">Hervorhebung von mir&#8230;</span></strong></span></p>
<p style="text-align:justify;"><span lang="DE"><strong><span style="font-weight:normal;"><br />
</span></strong></span></p>
<p style="text-align:justify;"><span lang="DE"><strong><span style="font-weight:normal;">Da wächst endlich zusammen, was schon lange so eng miteinander verbandelt ist, dass man den einen Stuss nicht vom anderen unterscheiden kann: und das bezeichnet sich dann ernsthaft als eine &#8220;r e a l i t ä t s b e z o g e n e  Theologie&#8221;.</span></strong></span></p>
<p style="text-align:justify;"><span lang="DE"><strong><span style="font-weight:normal;">Hervorhebung nicht von mir&#8230;</span></strong></span></p>
<p style="text-align:justify;"><span lang="DE"><strong><span style="font-weight:normal;">Der hart erarbeitete Spott schon. </span></strong></span></p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;"><span lang="DE"><strong><span style="font-weight:normal;"><br />
</span></strong></span></p>
<p><span lang="DE"><strong><span style="font-weight:normal;"><br />
</span></strong></span></p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Jahresendpredigt für die Dekonvertierten: Süchtige und ihre Helfer]]></title>
<link>http://kamenin.wordpress.com/2008/12/31/jahresendpredigt-fur-die-dekonvertierten-suchtige-und-ihre-helfer/</link>
<pubDate>Wed, 31 Dec 2008 13:09:59 +0000</pubDate>
<dc:creator>kamenin</dc:creator>
<guid>http://kamenin.wordpress.com/2008/12/31/jahresendpredigt-fur-die-dekonvertierten-suchtige-und-ihre-helfer/</guid>
<description><![CDATA[Jemand noch auf der Suche nach guten Vorsätzen für das neue Jahr? Vermutlich doch nur wieder die, di]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p style="text-align:justify;">Jemand noch auf der Suche nach guten Vorsätzen für das neue Jahr? Vermutlich doch nur wieder die, die es eher weniger benötigten. Aber mal als Anregung, weil nichts darüber geht, das alte Jahr noch mal mit einer Predigt zu beenden, hier mal ein Vorschlag für einen absolut tugendhaften Vorsatz für 2009: einfach mal weniger Stuss glauben. Auch wenn der sich gut anfühlt.</p>
<p style="text-align:justify;">Für die eigentliche Predigt übergebe ich an Bill Maher [1]:</p>
<p style="text-align:center;"><span style='text-align:center; display: block;'><object width='425' height='350'><param name='movie' value='http://www.youtube.com/v/rIZWDyMLGIQ&#038;rel=1&#038;fs=1&#038;showsearch=0&#038;hd=0' /><param name='allowfullscreen' value='true' /><param name='wmode' value='transparent' /><embed src='http://www.youtube.com/v/rIZWDyMLGIQ&#038;rel=1&#038;fs=1&#038;showsearch=0&#038;hd=0' type='application/x-shockwave-flash' allowfullscreen='true' width='425' height='350' wmode='transparent'></embed></object></span></p>
<blockquote>
<p style="text-align:justify;">If you&#8217;d belong to a political party or a social club that was tied to as much bigotry, mysoginy, homophobia, violence, and sheer ignorance as religion is, you&#8217;d resign in protest. To do otherwise is to be an enabler.</p>
</blockquote>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">Und trotz aller Jahresend-Seeligkeit fordert Michael Blume mal wieder heraus, als Beispiel genannt zu werden, wie Religion das klare Denken manchmal etwas in die Irre führen kann, wenn man in jede Statistik unbedingt das hübsch-beschaulich Tolerante an der Religion reinlesen will, <a href="http://religionswissenschaft.twoday.net/stories/5403225/">gegen alle Daten</a>, aber mit voller Überzeugung. [2]</p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<div id="attachment_718" class="wp-caption aligncenter" style="width: 375px"><a href="http://pewforum.org/docs/?DocID=380"><img class="size-full wp-image-718" title="eternal_life_stats" src="http://kamenin.wordpress.com/files/2008/12/eternal_life_stats.jpg" alt="Christen geben Auskunft" width="365" height="728" /></a><p class="wp-caption-text">Wer wird automatisch verdammt: Christen geben Auskunft (Pew-Forum, 2008)</p></div>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">Wie Michael so schön interpretiert:</p>
<blockquote>
<p style="text-align:justify;">Auch US-amerikanische Christen sind mehrheitlich der Auffassung, dass Angehörige anderer Religionen ebenfalls Erlösung finden können. Juden gestehen dies 69&#38; zu, Muslimen und Hindus 52% bzw. 53%, Konfessionslosen 56% und auch erklärten Atheisten 42%.</p>
</blockquote>
<p style="text-align:justify;">Was er dabei natürlich im religiösen Entzücken übersieht ist schon die allererste Unterzeile:</p>
<blockquote>
<p style="text-align:justify;">Based on respondents who are affiliated with a religion and who say &#8220;many religions can lead to eternal life.&#8221;</p>
</blockquote>
<p style="text-align:justify;">Wir haben es hier also mit einer präselektierten Befragtengruppe zu tun: nicht den &#8220;US-amerikanischen Christen&#8221;, die Juden dies zu 69% &#8220;zugestehen&#8221; (schönes Wort), sondern: sogar von denen, die grundsätzlich nicht denken, dass nur ihre eigene Religion heilsbringend ist, gestehen <em>nur</em> 69% auch Juden zumindest die theoretische <em>Möglichkeit</em> auf Erlösung zu. Soviel zum Vertrauen in den allmächtigen, all-liebenden übermächtigen Akteur.</p>
<p style="text-align:justify;">In dem Artikel, auf den <a href="http://pewforum.org/docs/?DocID=380">verlinkt wird</a>, wird sogar gleich am Anfang gesagt, über welche Zahlen wir hier tatsächlich sprechen, noch vor Aufschlüsselung in Unterannahmen, für die die Zahlen naturgemäß noch niedriger liegen müssen:</p>
<blockquote>
<p style="text-align:justify;">A majority of all American Christians (52%) think that at least some non-Christian faiths can lead to eternal life.</p>
</blockquote>
<p style="text-align:justify;">Der Option &#8220;<em>My religion is the one, true faith leading to eternal life</em>&#8221; stimmten 29% der Gläubigen zu, der gegenteiligen 65%. Die Differenz zwischen den 65% und den 52% kommt von den Leuten, die meinen, andere Religionen sind schon irgendwie okay, aber bitte keine unchristlichen.</p>
<p style="text-align:justify;">Betrachten wir die Gruppe, die für eine bestimmte Gruppe (oder für alle anderen Gruppen) Erlösung nicht für möglich hält, können wir die aufgeführten &#8220;<em>No</em>&#8220;-Antworten schon mal in erster Näherung mit 2/3 multiplizieren und dann um die 29% erhöhen, die sowieso nicht denken, dass ein anderer Glaube irgendwie ins &#8220;ewige Leben&#8221; führen könnte. [3] Das gibt dann schon mal eine etwas realistische Abschätzung, was US-Christen in der Gesamtheit so denken. Von den US-amerikanischen Christen sind sich also sicher, dass für Mitglieder folgender Gruppen <em>keine</em> Hoffnung besteht, mit ihnen ins Himmelreich einzuziehen:</p>
<ul>
<li>Juden 40%</li>
<li>Islam 48%</li>
<li>Hindus 45%</li>
<li>Atheisten 60%</li>
<li>Ungläubige 50%</li>
</ul>
<p style="text-align:justify;">Nun handelt es sich bei der Vorstellung, andere vom ewigen Leben ausgeschlossen zu sehen, nicht zwangsläufig in allen Fällen um das Schreckgespenst der ewigen Verdammnis zu Höllenqualen, der faschistoidsten und ultimativen Version des <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Milgram-Experiment">Milgram-Experiments</a>, an dem Religiöse in der Form schon oft genug scheitern. Nichtsdestotrotz: &#8220;nur&#8221; etwa 40% der amerikanischen Christen gehen sicher davon aus, dass Juden kein ewiges Leben erhalten könnten. &#8220;Nur&#8221; etwa 60% der amerikanischen Christen frohlocken beim Gedanken an ihr ewiges Leben, zu dem Atheisten ganz sicher keinen Zugang haben. Sowas feiern religionsnahe Publikationen und Publizisten als großen Beweis der christlichen Offenheit.</p>
<p style="text-align:justify;">Dann ist ja alles in Ordnung. Wie kann man da denn noch Religionen kritisieren wollen? Die sind ja gar nicht <em>alle</em> und <em>allesamt </em>verrückt! Na, gute Nacht, Aufklärung &#8212; war schön mit dir&#8230;</p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">Aber bis es soweit ist: euch einen Guten Rutsch! Und einen gelungenen Abend nach den eigenen Vorstellungen!</p>
<p style="text-align:justify;"><span style="color:#808080;">(Und tapfer bleiben: der Kater geht von selbst weg &#8212; kann man nicht über alles sagen.)</span></p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">[1] <span style="color:#808080;">via <a href="http://atheistmedia.blogspot.com/2008/12/bill-mahers-final-comment-from.html">Atheist Media Blog</a></span></p>
<p style="text-align:justify;">[2] <span style="color:#808080;">was ich auch gar nicht weiter beachten würde, wenn er sich nicht in letzter Zeit ständig mal als empörte, dann wieder als verfolgte Unschuld abfeiern würde, inzwischen nur noch reflexhaft vom &#8216;unglaublichen Halbwissen&#8217; bei Religionskritikern daherfabuliert und die eher ahnungslose Zahlendeuterei schön snarky abschließen würde mit:</span></p>
<blockquote>
<p style="text-align:justify;"><span style="color:#808080;"> Sicherlich wird auch diese Studie verbreitete Klischees über Religionen und Religiöse nicht auflösen können &#8211; aber es ist nun einmal das Schicksal der Wissenschaft, auch gegen Trägheit immer wieder aufzuklären&#8230; <img src='http://s.wordpress.com/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </span></p>
</blockquote>
<p style="text-align:justify;"><span style="color:#808080;">Ja ja, die &#8220;Wissenschaft&#8221;, eine Statistik nach Belieben fehlzuinterpretieren und um Gottes Willen nicht darüber nachzudenken, wie viel Aberglaube und Intoleranz und wie wenig Humanismus, Demut und Zweifel eigentlich erträglich wäre, wenn es bloß nicht 100% bzw. 0% sind&#8230;</span></p>
<p style="text-align:justify;">[3] <span style="color:#808080;">Mangels spezifischerer Zahlen beziehe ich die Prozentwerte auf die 65% vorher; dazu addiere ich alle, die sowieso nicht an Erlösung von Andersglaubenden glauben und tue (optimistisch, aber nicht unbedingt realistisch) so, als wären alle in der Option &#8220;weiß nicht/will nicht sagen&#8221; einfach keiner Meinung (ansonsten fallen die Zahlen entsprechend höher aus). Die Aufschlüsselung, resp. Verschlüsselung der Zahlen erfolgte ebenfalls vom religionsfreundlichen Pew-Institut, darum das ganze Durcheinander anstatt mal ein paar aussagekräftiger Rohdaten.</span></p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Ein neues Ziegenproblem?]]></title>
<link>http://erichsieht.wordpress.com/2008/12/07/ein-neues-ziegenproblem/</link>
<pubDate>Sat, 06 Dec 2008 23:21:16 +0000</pubDate>
<dc:creator>Sven Türpe</dc:creator>
<guid>http://erichsieht.wordpress.com/2008/12/07/ein-neues-ziegenproblem/</guid>
<description><![CDATA[Wissenschaft und Rationalismus, das sagt sich so leicht. Sich daran zu halten, ist viel schwerer. Ob]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Wissenschaft und <a href="/2008/02/25/kritischer-rationalismus-eristische-dialektik-und-cargo-kult-warum-wissenschaftsglaube-auch-blod-ist/">Rationalismus</a>, das sagt sich so leicht. Sich daran zu halten, ist viel schwerer. Ob in der Wissenschaft oder anderswo, tatsächlich arbeiten wir fast immer mit Heuristiken und Faustregeln. Die sind nämlich einfacher, als sich jedesmal ganz dumm zu stellen – und führen oft genug zum richtigen Ergebnis. Intuition ist eine feine Sache und meistens führt sie auch zum Ziel. Wir dürfen allerdings nicht vergessen, dass das manchmal eben doch in die Hose geht.</p>
<p>Anfällig für Irrtümer sind wir, wo uns die Intuition ein falsches, aber plausibles Modell vorschlägt und dieses Modell zu Ergebnissen führt, die mit unseren Vorurteilen übereinstimmen. Dann ist nämlich fast alles konsistent, und wenn uns jemand das Gegenteil zu beweisen versucht, hat er wahrscheinlich das Experiment manipuliert, so vermuten wir. Was die Wissenschaft vom Aberglauben unterscheidet, ist das Bemühen, solche Fälle zu erkennen und gegebenenfalls Irrtümer auch einzugestehen. Faustregeln sind gut, sofern man merkt, wann sie versagen.<!--more--></p>
<p>Versagen wird eine Faustregel dann, wenn ihre Anwendung auf falschen Annahmen basiert. Es liegt in der Natur der Sache, dass man die Annahmen nicht genau klärt, bevor man Faustregeln anwendet, deshalb sind es ja Faustregeln. Gerade geht wieder ein Lehrstück dafür durch die Blogosphäre, das es mit dem guten alten <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ziegenproblem">Ziegenproblem</a> aufnehmen kann: <span><span style="font-family:Verdana;">DWFTTW. Diese Abkürzung steht für <em><strong>D</strong>own<strong>w</strong>ind <strong>f</strong>aster <strong>t</strong>han <strong>t</strong>he <strong>w</strong>ind</em>, eine Bewegung in Windrichtung schneller als der Wind</span></span></p>
<p><span><span style="font-family:Verdana;">DWFTTW schafft jeder Radfahrer, solange der Wind langsamer als die persönliche Angstgeschwindigkeit weht. Interessant und unintuitiv wird die Sache, wenn man den Radfahrer weglässt und statt dessen ein Gefährt baut, <a title="DDFTTW" href="http://www.youtube.com/watch?v=aJpdWHFqHm0">dessen Räder mit einem Propeller gekoppelt</a> sind. Das Ergebnis sind endlose Debatten im Netz, in denen jeder mit seinem persönlichen Halbwissen zu glänzen versucht, aber nur wenige bereit sind, die Sache kritisch zu prüfen. Wer genügend Zeit hat, liest sich am besten erst mal die mehr als <a href="http://scienceblogs.com/goodmath/2008/12/windpowered_perpetual_motion.php">350 Kommentare</a> im Blog <em>Good Math, Bad Math</em> durch, wo ich über das Thema gestolpert bin. Auch BoingBoing behandelt das Thema mit <a href="http://www.boingboing.net/2008/12/01/downwind-faster-than.html">ähnlich vielen</a> <a href="http://www.boingboing.net/2008/12/03/directly-downwind-fa.html">Bemerkungen</a>.</span></span></p>
<p><span><span style="font-family:Verdana;">Die Einwände gegen solch ein Gefährt sind immer dieselben, und stets beruhen sie auf Fehlschlüssen oder unausgesprochenen Annahmen:</span></span></p>
<ul>
<li>Es handle sich um ein Perpetuum Mobile und könne bereits deshalb nicht funktionieren. Da schlägt wohl das Faustregel-typische Pattern Matching über die Stränge: tatsächlich hat das Gefährt etwas mit Perpetuum-Mobile-Entwürfen gemeinsam, nämlich die Rückkopplung. Aber nicht alles mit Rückkopplung ist auch ein Perpetuum mobile.</li>
<li>Experimente <a href="http://www.youtube.com/watch?v=7xL8gRJ5F6k">auf dem Laufband</a> bei Windstille seien nicht äquivalent, denn das Band führe Energie zu. Dieselben Leute <span style="font-family:Verdana;">verschwenden jedoch keinen Gedanken daran, welchen Rolle beim entsprechenden Outdoor-Versuch der Wind hätte – oder wie der Versuch auf den Wind wirkt.</span></li>
<li><span style="font-family:Verdana;">Die Geschwindigkeit des Gefährts sei proportional zu einer  Kraft, die direkt auf das Gefährt einwirkt. Oder auch:<br />
</span></li>
<li><span style="font-family:Verdana;">Man müsse dauerhaft mehr Energie zuführen als verfügbar, um das Gefährt bei höherer Geschwindigkeit als der des Windes in Bewegung zu halten. Tatsächlich jedoch genügt es, einmal für einen begrenzten Zeitraum zu beschleunigen. Bekanntlich bleibt die Geschwindigkeit danach konstant, solange in der Summe keine Kräfte wirken. Und wenn Kräfte wirken, dann tun sie das vielleicht auf komplizierte Weise, denn da ist ein Propeller an die Räder gekoppelt.<br />
</span></li>
<li><span style="font-family:Verdana;">Das Gefährt müsse bei Erreichen der Windgeschwindigkeit eine Art Nullpunkt überwinden und dabei die Propellerwirkung umkehren. Von den Zenonischen Paradoxien hat anscheinend keiner was gehört und auch nicht davon, dass sie als veraltet gelten.</span></li>
<li><span style="font-family:Verdana;">Das Gefährt würde für beliebige Parametervektoren (aus Windgeschwindigkeit, Propellerparametern, Radgrößen, Getriebeübersetzung und so weiter) funktionieren und es könne, sofern es funktioniere, dann auch für beliebige Geschwindigkeiten und Geschwindigkeitsdifferenzen konfiguriert werden.<br />
</span></li>
</ul>
<p>Und jede Analogie, die Hinweise liefern könnte, wird ebenso wie das Laufbandexperiment als irrelevant zurückgewiesen, wobei die Begründung jeweils unverständlich bleibt. Es ist schon erstaunlich, zu welch verwegenen Vermutungen und Behauptungen man Menschen mit einem einfachen, rückgekoppelten System bringen kann. Psychologen hätten ihre helle Freude an so etwas. Beziehungsweise hatten sie die tatsächlich, wenn wir etwa an <a href="http://www.uni-bamberg.de/psychologie/iftp/personen/dietrich_doerner/">Dietrich Dörners Experimente</a> denken.</p>
<p>Der Schlüssel zum Verständnis liegt übrigens darin, dass man sich über die Bedeutung beziehungsweise Nichtbedeutung der Geschwindigkeit klar wird, wobei <a href="http://www.youtube.com/watch?v=E7vcQcIaWSQ">dieses Video</a> hilft. Oder indem man über die Geschwindigkeiten der einzelnen Zahnräder im <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Differentialgetriebe">Differentialgetriebe</a> meditiert und sich zwei davon rückgekoppelt vorstellt (ich bin mir nicht sicher, ob die Analogie wirklich passt, aber sie hilft beim Verständnis). Längere Texte zum Thema gibt es <a href="http://projects.m-qp-m.us/donkeypuss/?p=42">hier</a> und <a href="http://dwfttw.blogspot.com/">hier</a> und <a href="http://wordmunger.com/?p=1002">hier</a>. Wer seine Physikkenntnisse auffrischen möchte, ist mit <a href="http://videolectures.net/walter_h_g_lewin/">Walter Lewin</a> gut bedient, der gerade auch zum Thema <a href="http://videolectures.net/mit802s02_lewin_lec16/">Complete Breakdown of Intuition</a> etwas zu sagen und zu zeigen hat.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Die philosopische Wendeltreppe V : Wurde die Mathematik aus der Natur heraus-gefunden... ]]></title>
<link>http://ebmeierjochen.wordpress.com/2008/09/30/die-philosopische-wendeltreppe-v-wurde-die-mathematik-aus-der-natur-heraus-gefunden/</link>
<pubDate>Tue, 30 Sep 2008 21:40:34 +0000</pubDate>
<dc:creator>Voicech Gryn-Sznabl</dc:creator>
<guid>http://ebmeierjochen.wordpress.com/2008/09/30/die-philosopische-wendeltreppe-v-wurde-die-mathematik-aus-der-natur-heraus-gefunden/</guid>
<description><![CDATA[&#8230; oder vom Menschenhirn in sie hinein-gedacht? Erst mit Galileo ging, streng genommen, das myt]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p class="MsoNormal">&#8230; <span style="font-size:18pt;font-family:Garamond;color:#006600;">oder vom Menschenhirn in sie hinein-gedacht?</span></p>
<p><a href="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/09/galilei_galileo-1643_r.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-1491" title="Rechentabelle von Galileo Galilei, ca. 1643" src="http://ebmeierjochen.wordpress.com/files/2008/09/galilei_galileo-1643_r.jpg" alt="" width="460" height="543" /></a></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;color:black;">Erst mit Galileo ging, streng genommen, das mythische Zeitalter zu Ende. &#34;Der Mythos braucht keine Fragen zu beantworten. Er erfindet, bevor die Frage akut wird und damit sie nicht akut wird.&#34;(Hans Blumenberg). Seit Galileo stellen die Wissenschaften nicht nur Fragen, sondern beantworten sie auch, und jede Antwort wirft (mindestens) eine neue Frage auf.</span></p>
<p><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Das Buch der Natur sei </span><a href="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/09/galileogalilei.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-1492" title="galileo galilei" src="http://ebmeierjochen.wordpress.com/files/2008/09/galileogalilei.jpg?w=275" alt="" width="165" height="180" /></a><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;color:black;"> in der Sprache der Mathematik geschrieben, hatte Galileo verkündet. Das ist seither zum Gemeinplatz westlicher Bildung geworden.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:right;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Descartes hatte die Welt in zwei Substanzen zerteilt, eine <em><span style="color:teal;">res extensa</span></em>, die Materie, die sich durch ihre räumliche Ausdehnung zu erkennen gibt, und die <em><span style="color:teal;">res cogitans</span></em>, den Geist, der außerhalb von Raum und Zeit ist. Doch eines ist ihnen gemeinsam: die mathematische Struktur, und an der erkennt man ihre gemeinsame</span></p>
<p><a href="http://ebmeierjochen.wordpress.com/files/2008/09/spinoza21.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-1495" title="Benedictus de Spinoza (Baruch Despinoza)" src="http://ebmeierjochen.wordpress.com/files/2008/09/spinoza21.jpg?w=202" alt="" width="162" height="240" /></a><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;color:black;">Abkunft vom selben Schöpfergott. Spinoza tat die beiden Teile wieder zusammen, bei ihm ist es die eine, geistige Substanz, die <span style="color:#008080;"><em>sich selber ausdehnt</em></span>, &#34;deus sive natura&#34;, und <span style="color:#008080;"><em>wie</em></span> tut sie das? &#34;More geometrico&#34;, auf geometrische Weise! War bei Descartes Gott ein Mathematiker, so ist die Gottnatur bei Spinoza Mathematik. Isaac Newton, der erste Systematiker der modernen Physik, betitelte sein Hauptwerk &#34; Philosophiae naturalis principia mathematica&#34;, die mathematischen Grundlagen der Naturphilosophie. Und Leibniz endlich, der die strenge Naturwissenschaft in Deutschland eingeführt hat, überlegte ernstlich, ob nicht Gott selber in mathematischen Formel spräche!</span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:right;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Die Herrschaft des Rationalismus war Herrschaft der Metaphysik. Die Metaphysik sei aus der abendländischen </span><a href="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/10/conus_amadis.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-1522" title="Conus Amadis" src="http://ebmeierjochen.wordpress.com/files/2008/10/conus_amadis.jpg?w=182" alt="" width="109" height="180" /></a><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Wissenschaft inzwischen vertrieben? Nur die metaphysische Verpackung ist gefallen. Der Kern bleibt. Der Einfall, die Gesetze der Mathematik seien gleichzeitig die Gesetze der Vernunft und der Natur, bedarf keiner zusätzlichen Metaphysik. Er ist selber metaphysisch.</span></p>
<p style="text-align:left;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Die Mathematik ist nicht, wie unsere eigne Schullaufbahn vermuten macht, aus dem kleinen Einmaleins hervorgegangen. Zwar hatten die Babylonier ihr Interesse </span><a href="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/09/kugel1gr.jpg"><img class="size-medium wp-image-1496 alignleft" title="Kugel" src="http://ebmeierjochen.wordpress.com/files/2008/09/kugel1gr.jpg?w=300" alt="" width="134" height="125" /></a><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">auf die Arithmetik konzentriert; aber sie dienten ihnen nur zur Astrologie. <em><span style="color:teal;">Mathematik</span></em> entstand erst, als die Griechen Thales und Pythagoras die Zahlen in den Dienst der Geometrie, der Anschauung räumlicher Verhältnisse nahmen. Das Leitbild der Mathematik &#8211; die vollkommene Gestalt &#8211; ist ästhetisch. Ihre Verfahren sind Anschauung und Konstruktion. Auf etwelche sinnliche Erfahrung &#8211; über die man streiten könnte &#8211; ist sie nicht angewiesen. Sie begründet sich aus sich selbst, </span><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">und nur so konnte sie zur Grundlage der allgemeinen wissenschaftlichen Methode werden.</span></p>
<p><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Aber ist nicht gerade die Geometrie aus den Dingen der Welt <em><span style="color:teal;">abgeschaut</span>?!</em></span></p>
<p style="text-align:right;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Plato kannte fünf</span><a href="http://ebmeierjochen.wordpress.com/files/2008/10/kopie-von-naturgeometrie.png"><img class="alignright size-medium wp-image-1912" title="Naturgeometrie" src="http://ebmeierjochen.wordpress.com/files/2008/10/kopie-von-naturgeometrie.png?w=300" alt="" width="300" height="183" /></a><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;"> vollkommene Körper: Kugel, Würfel, </span><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Pyramide; Zylinder, Konus</span>.</p>
<p style="text-align:right;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;color:black;">Es sind die jeweiligen dreidimensionalen Kombinationen von Kreis, Quadrat und Dreieck. Drei Dimensionen sind &#8216;vollkommener&#8217; als zwei, bzw. Körper sind vollkommener als Flächen.</span></p>
<p><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Hat man eines von denen &#8216;von der Natur abgeschaut&#8217;? Mehr oder minder runde Formen kommen in &#8216;der Natur&#8217; vor; Kugeln nicht. Kugel &#8216;entsteht&#8217; als <em><span style="color:teal;">Idee</span></em> des vervollkommneten &#8216;runden&#8217; Körpers. Wobei Vollkommenheit eben keine logische, sondern eine anschauliche, eine ästhetische Qualität ist! </span><a href="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/09/zylinder_der.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1498" title="zylinder" src="http://ebmeierjochen.wordpress.com/files/2008/09/zylinder_der.jpg" alt="" width="105" height="105" /></a><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Finden sich Würfel, Pyramiden, Zylinder usw. in der Natur vor? Es finden sich Formen, die wie fehlerhafte Annäherungen aussehen. <em><span style="color:teal;">Damit</span></em> sie so aussehen können, müssen die reinen Formen dem inneren Auge </span><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;color:black;">aber schon gewärtig sein. Und das geht nur, wenn das innere Auge die</span><a href="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/09/baumstamm.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-1499" title="Zylinder...." src="http://ebmeierjochen.wordpress.com/files/2008/09/baumstamm.jpg?w=184" alt="" width="82" height="134" /></a><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;color:black;"> Konstruktion aus Kreis, Quadrat und Dreieck schon vorgenommen hat! Das ist eine erhebliche Abstraktions- und Reflexionsleistung.</span></p>
<p style="text-align:right;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">(Abstraktion und Reflexion sind nur zwei Sichtweisen auf denselben Denkakt: Absehen <em><span style="color:teal;">auf</span></em><span style="color:teal;"> </span>das jeweils Wichtige ist zugleich Absehen <em><span style="color:teal;">von</span></em> dem jeweils Unerheblichen.)</span></p>
<p><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Denn zuvor mussten vor dem inneren Auge die Flächen selber konstruiert werden! Allein den vollkommenen Kreis kann man in der Außenwelt <em><span style="color:teal;">sehen</span></em> – am wolkenlosen Himmel. </span></p>
<p><a href="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/09/wuerfel.gif"><img class="alignleft size-medium wp-image-1500" title="wuerfel" src="http://ebmeierjochen.wordpress.com/files/2008/09/wuerfel.gif?w=288" alt="" width="113" height="118" /></a><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;color:black;">Es ist ja denkbar, dass der Anblick des einzig perfekten Kreises – der Sonnenscheibe – und ihrer imperfekten Parodie, des Mondes – den Anlass zur Idee anschaulicher Vollkommenheit gegeben hat; aber eine erfahrungsmäßige Abstraktion aus dem Anblick vieler perfekten Kreise war es nicht: weil es nur diesen einen gibt; und eine Reihe imperfekter Karikaturen – die werdenden und vergehenden Ringe auf dem Wasser usw&#8230; Nachgemacht werden kann dieser eine perfekte Kreis aber nicht auf &#8216;anschaulichem&#8217; Weg; er muss konstruiert </span><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;color:black;">werden aus Punkt und Radius: wieder eine Abstraktionsleistung.</span><a href="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/09/wasserringe.jpg"><img class="size-medium wp-image-1501 alignright" title="wasserringe" src="http://ebmeierjochen.wordpress.com/files/2008/09/wasserringe.jpg?w=300" alt="" width="192" height="133" /></a></p>
<p style="text-align:right;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Die andern beiden Grundformen finden sich nicht in perfekter Gestalt in den Natur vor. Sie müssen – vielleicht in anschaulicher Analogie zur Sonnenscheibe – erdacht werden, um bemerken zu können, dass sich in der Natur… unvollkommene Annäherungen vorfinden. </span></p>
<p><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Und erst nach all dem können die fünf perfekten Körper erdacht werden; und kann man sich einbilden, diese Idealentwürfe lägen ihren unvollständigen natürlichen Nachbildungen &#34;in Wahrheit&#34; zu Grunde; in einer verborgenen Wahrheit selbstverständlich.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Die Arithmetik hat ältere Wurzeln, die bis zu den Babyloniern zurückreichen. Ist nun die Zahl ein &#34;Naturverhältnis&#34;? Beruht sie nicht darauf, dass die Dinge &#8216;im Raum&#8217; eine Grenze haben und man sie neben einander stellen und also <em><span style="color:teal;">zählen</span></em> kann? Das sieht nur so aus. Tatsächlich zählen wir die Dinge nicht neben-, sondern <em><span style="color:teal;">nach</span></em> einander! Und das geschieht <em>i<span style="color:teal;">n der Zeit.</span></em></span></p>
<p><a href="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/10/gansemarsch1.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-1518" title="nacheinander..." src="http://ebmeierjochen.wordpress.com/files/2008/10/gansemarsch1.jpg" alt="" width="460" height="83" /></a></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;color:black;">Paläoanthropologen haben aus frühester Vorzeit Stäbchen geborgen, die in regelmäßigen Abständen mit Kerben versehen sind. Sie interpretieren sie als Zählstäbe, die Vorläufer der Zahlensysteme; nämlich so, dass ihre Hersteller den Daumennagel auf die erste Kerbe gehalten haben: &#34;zuerst&#8230;&#34;; auf die zweiter Kerbe: &#34;dann&#8230;&#34;; dritte Kerbe: &#34;und danach&#8230;&#34;. Da wird das zeitliche Nacheinander der Zahlen archäologisch sinnfällig!</span></p>
<p><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Und wem die erwähnten Zählstäbe der Paläontologen als Indiz zu dürftig scheinen, der kann es ja mit einem Gedankenexperiment versuchen.</span></p>
<p><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Was immer Zahlen sonst auch noch sein mögen, eins sind sie ganz bestimmt: Zeichen. Was </span><a href="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/10/numerologie.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1524" title="Numerologie" src="http://ebmeierjochen.wordpress.com/files/2008/10/numerologie.jpg" alt="" width="190" height="214" /></a><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">muss man bezeichnen? Etwas, das man nicht stets vor Augen hat und doch &#8216;behalten&#8217; will. Denn auf alles andere kann man mit dem Finger zeigen. Kleine Mengen hat man stets vor Augen: 3 Äpfel, 4 Beine usw. Bezeichnen müsste man größere Mengen. Mit welchen größeren Mengen könnten aber unsere Vorfahren &#8211; ihres Zeichens Jäger und Sammler &#8211; regelmäßig zu tun gehabt haben? So regelmäßig, dass sie sie dauerhaft bezeichnen mussten?!</span></p>
<p><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Sie waren Nomaden; große Vorräte kannten sie nicht. Bleibt also übrig &#8211; die Zeit. Die Zeiträume müssen bezeichnet werden: wie viele Tage bis Vollmond, Sonnenwende und Tag- und Nachtgleiche, Jahreszeiten, Jahre&#8230; Gerade Nomaden, die ihr Leben buchstäblich durch Zeit und Raum führen, müssen mental Zeiträume &#8216;vorweg nehmen&#8217; können, müssen wissen, &#8216;wie lange wir brauchen bis&#8230;&#8217; &#8211; z. B. bis zur nächsten Wasserstelle. Denn solange sie keine Wanderkarten und keine Tachometer haben, können sie Wege nur als Zeit darstellen. (Noch im Mittelalter wurden Ackergrößen als &#8216;Tagewerke&#8217; gemessen.)</span></p>
<p><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Sagt nicht aber schon der gesunde Menschenverstand, dass <em><span style="color:teal;">eins und ein zwei</span></em> sind? &#8216;Ursprünglich&#8217;, d. h. in unmittelbarer sinnlicher Anschauung, kommen Zahlen nur als Ordnungszahlen vor: als Nacheinander in einem &#8216;an sich&#8217; ununterschiedenen Zeitverlauf: erstens, zweitens, drittens… <em><span style="color:teal;">zählen</span></em> kann ich so noch nicht. Denn es könnte bedeuten: erstens ein Lufthauch, zweitens ein Elefant, drittens eine Untertasse. Um aus den Momenten im Zeitverlauf ein Werkzeug (&#34;Denkzeug&#34;) zum Zählen zu machen, muss ich von der Zeit selber absehen und auf die zu zählenden Sachen reflektieren.</span></p>
<p><a href="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/10/jagdstrecke.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-1519" title="nacheinander!" src="http://ebmeierjochen.wordpress.com/files/2008/10/jagdstrecke.jpg" alt="" width="460" height="128" /></a></p>
<p><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Vorab: Warum, wozu sind sie &#8216;zu&#8217; zählen? Es braucht zunächst einmal eine Absicht; zum Beispiel die Absicht, Sachen zu verteilen. Ich verteile Sachen, die &#8216;in einer gewissen Hinsicht&#8217; <em><span style="color:teal;">gleich</span></em> sind, auf so und so viele Posten, die ihrerseits in gewisser Hinsicht gleich sind; zum Beispiel Essbares an Hungrige. Ich muss aus der Mannigfaltigkeit der Sachen dasjenige heraus suchen, das sich unter der Bedeutung des Essbaren zusammenfassen lässt. Danach muss ich auf diejenigen achten, die mir als hungrig bekannt sind. <em><span style="color:teal;">Erst dann</span></em> kann ich aus den Ordnungszahlen erstens, zweitens, drittens… die Zahlen 1, 2, 3… abstrahieren.</span></p>
<p><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Und erst, nachdem all diese Denkleistungen vollbracht wurden, kann von &#34;Erfahrung&#34; geredet werden. Erfahrung ist nicht das bloße Registrieren von Erlebensdaten, sondern ihre sinnvolle Unterscheidung und Anordnung. Die <em><span style="color:teal;">Absicht</span></em> geht voraus. Ohne vorgängige Absicht keine vorfindliche Bedeutung.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Die philosophische Wendeltreppe. Ein Aufstieg in fünfzehn Windungen]]></title>
<link>http://ebmeierjochen.wordpress.com/2008/09/09/l-was-ist-wahrheit-joh-1838/</link>
<pubDate>Tue, 09 Sep 2008 13:40:57 +0000</pubDate>
<dc:creator>Voicech Gryn-Sznabl</dc:creator>
<guid>http://ebmeierjochen.wordpress.com/2008/09/09/l-was-ist-wahrheit-joh-1838/</guid>
<description><![CDATA[. I. „Was ist Wahrheit?“ (Joh. 18,38) . Was ist Wahrheit, fragt Pontius Pilatus, und will sagen: Es ]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p><span style="color:#000000;"><span style="font-family:Garamond;font-size:12pt;"><span style="color:#ffffff;">.</span></span></span></p>
<h2><strong><span style="color:#008080;"><span style="font-size:24pt;font-family:Garamond;">I. „Was ist Wahrheit?“ (Joh. 18,38)</span></span></strong></h2>
<p style="text-align:right&#60;"><span style="font-family:Garamond;font-size:12pt;"><span style="color:#ffffff;">.</span></span></p>
<p style="text-align:right;"><span style="font-size:12pt;font-family:Garamond;"><span style="font-size:12pt;font-family:Garamond;">W</span></span><span style="font-size:12pt;font-family:Garamond;">as ist Wahrheit, fragt Pontius Pilatus, und will sagen: Es ist ja alles relativ&#8230; Klang es bei ihm philosophisch-resigniert, so machte die Postmoderne, die wir in diesen Tagen hinter uns</span><a href="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/09/pontius_pilatus2.jpg"><img class="size-full wp-image-909 alignright" title="pontius_pilatus" src="http://ebmeierjochen.wordpress.com/files/2008/09/pontius_pilatus2.jpg" alt="" width="218" height="211" /></a><span style="font-size:12pt;font-family:Garamond;">lassen, eine Tugend aus der Not: &#34;Anything goes&#8230;&#34;, krähte sie selbstgefällig-vergnügt: &#34;&#8230;Hauptsache, es funktioniert!&#34;</span></p>
<p style="text-align:right&#60;"><span style="font-size:12pt;font-family:Garamond;">Darin sind sich Analytische Philosophie, Konstruktivismus und Dekonstruktivismus, die seit Jahr und Tag konkurrierend das geistige Feld beherrschen, einig: Die Frage nach <em><span style="color:#008080;">der</span> </em>Wahrheit ist &#34;metaphysisch&#34;, was so viel bedeutet wie: unstatthaft; denn sie sei so gefasst, dass darauf immer nur eine dogmatische Antwort möglich sei, nämlich eine, die aus Glaubenssätzen stammt und nicht aus vernünftigem Argument.</span></p>
<p style="text-align:left;"><span style="color:#008080;"><strong><em><span style="font-size:12pt;font-family:Garamond;">Am Anfang der Moderne</span></em></strong></span><span style="font-size:12pt;font-family:Garamond;"><span style="color:#008080;"> -</span> die die Postmoderne doch zu überbieten trachtete &#8211; stand, wie gesagt, die Romantik. Was <em><span style="color:#008080;">d</span><span style="color:#008080;">as Wahre</span></em> sei, war den Romantikern so <span style="color:#008080;"><em>ungewiss</em></span> geworden, dass sie gelegentlich zu der Auffassung neigten, das Ungewisse sei selber das Wahre. </span><img class="size-medium wp-image-1346 alignleft" title="Carl Blechen, Der Galgen im Gewitter, ca. 1833" src="http://ebmeierjochen.wordpress.com/files/2008/09/blechen_karl_scaffold_in_storm-ca-1833.jpg?w=300" alt="" width="300" height="187" /><span style="font-size:12pt;font-family:Garamond;">Der Rationalismus und die &#34;Aufklärung&#34; des 17. und 18. Jahrhunderts hatte an die Stelle der geoffenbarten Wahrheiten der voraus gegangenen Dunklen Jahrhunderte die stolze Selbstgewissheit der <span style="color:#008080;"><em>Vernunft</em></span> gesetzt. Aber die war durch Immanuel Kants Drei Kritiken gehörig ins Wanken geraten. Die Romantik war in Jena aus der unmittelbaren Anregung durch die &#8216;Wissenschafsftlehre&#8217; Johann Gottlieb Fichtes entstanden. Der verstand sich als der Radikalisierer und Vollender von Kants kritischer bzw. &#8216;Transzendental&#8217;-Philosophie.</span></p>
<p align="left"><span style="font-size:12pt;font-family:Garamond;">Zu der Zeit tummelten sich auf den öffentlichen Plätzen – wie heut im Zeichen der Postmoderne – jene, die meinten, die Wahrheit gebe es gar nicht, allenfalls Wahrheiten…, und sich dabei furchtbar schlau vorkamen. Aber das ist nur eine Ausflucht. Wenn diese &#8216;vereinzelten&#8217; Wahrheiten wahr sein sollen, dann sind die es unbedingt. Wenn sie nur bedingt wahr sind, dann ist dasjenige, was sie bedingt, unbedingt wahr – oder Alles ist nicht wahr.</span></p>
<p><span style="font-size:12pt;font-family:Garamond;">Um die Frage, <span style="color:#008080;"><em>was</em></span> das <span style="color:#008080;"><em>Wahre</em></span> ist, kommen wir also nicht herum. Und halten wir gleiche eines fest, um das wir auch nicht herum kommen: dass das Wahre zunächst einmal als <em>Frage</em> &#34;ist&#34;.</span></p>
<p>*</p>
<p style="font-size:12pt;font-family:Garamond;"><span style="color:#008080;"><strong>Wahrheit ist keine Sache, </strong><span style="font-family:Garamond;font-size:12pt;"><span style="color:#000000;">sondern ein Verhältnis. Nämlich zwischen einem, der etwas <em>weiß</em>, und demjenigen, <em>was</em> er weiß. Das Wort sagt etwas über die Qualität dieses Verhältnisses aus: nicht, dass es &#8216;ist&#8217;, sondern dass es <em>gilt</em>. Etwas &#8216;gilt&#8217; freilich nur <em>für</em> irgendwen. Und auch nicht an und für sich, sondern erst wenn und insofern er etwas <em>tun</em> will oder soll. Es mag auch nur ein rein gedankliches Tun sein: vorstellen und über Vorstellungen <em>urteilen</em>.</span></span></span></p>
<p style="text-align:left;"><span style="font-size:12pt;font-family:Garamond;">Ob etwas &#8216;gültig&#8217; und also &#34;wahr&#34; ist, wird sich erweisen im und durch den Vollzug dieser Handlung. </span><span style="font-size:12pt;font-family:Garamond;">Wenn also etwa das betroffene Urteil &#8216;richtig&#8217; ist, und das heißt: zu weitergehendem Urteilen <span style="color:#008080;"><em>taugt</em></span>. Hier passt ein &#8216;Fragment&#8217; des Urromantikers Friedrich Schlegel: &#34;Logik ist eine praktische Wissenschaft.&#34;</span></p>
<p style="text-align:left;"><span style="font-size:12pt;font-family:Garamond;">Bis hierhin ist das eine rein pragmatische Bestimmung: Wahrheit erweist sich</span><span style="font-size:12pt;font-family:Garamond;"> jeweils vor ihren Zwecken, sie ist eine Zweckmäßigkeit. Wahrheit ist nicht Etwas, das &#34;ist&#34;, sondern das, was sein <span style="color:#008080;"><em>soll</em></span>. Das ist aber erst der Anfang. Richtig ernst wird es erst wenn nach den Zwecken selbst gefragt wird: <span style="color:#008080;"><em>wozu</em></span> &#8216;Wahrheit&#8217; taugen soll. &#34;Gibt es&#34; einen <span style="color:#008080;"><em>absoluten</em></span> Zweck?</span></p>
<p style="text-align:left;"><span style="color:#008080;"><strong><em><span style="font-size:12pt;font-family:Garamond;">Darüber will ich</span></em></strong></span><span style="font-size:12pt;font-family:Garamond;"><span style="color:#008080;"> </span>gerne weiter diskutieren. Aber in einem Beitrag ist es natürlich nicht abzumachen. Es wird eine ganze Reihe nötig werden… Und mehr als einmal werden der Autor und seine Leser im Lauf der Auseinandersetzung das ungute Gefühl haben: Aber an der Stelle waren wir doch schon mal! Drehn wir uns im Kreis?</span></p>
<p style="text-align:justify;"><span style="font-size:12pt;font-family:Garamond;">Ja, wir sind wieder am selben Punkt; aber diesmal ein paar Etage höher: Es ist wie eine <span style="color:#008080;"><em>Wendeltreppe.</em></span></span></p>
<p> </p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size:14pt;font-family:&#34;"> </span></p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Ein wissenschaftsphilosophisches Machtwort]]></title>
<link>http://kamenin.wordpress.com/2008/08/31/ein-wissenschaftsphilosophisches-machtwort/</link>
<pubDate>Sun, 31 Aug 2008 08:08:03 +0000</pubDate>
<dc:creator>kamenin</dc:creator>
<guid>http://kamenin.wordpress.com/2008/08/31/ein-wissenschaftsphilosophisches-machtwort/</guid>
<description><![CDATA[Wenn Phantasien mal nicht mehr weiterhelfen: Go, Junge, Go! (Mach Dein eigenes // via The Friendly A]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p style="text-align:justify;">Wenn Phantasien mal nicht mehr weiterhelfen:</p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;"><img class="aligncenter size-full wp-image-554" src="http://kamenin.wordpress.com/files/2008/08/obama_science.jpg" alt="" width="400" height="479" /></p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">Go, Junge, Go!</p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:right;">(<a href="http://www.wecanbelievein.com/index.php?change=TESTED+FALSIFIABLE+HYPOTHESES">Mach Dein eigenes</a> // via <a href="http://friendlyatheist.com/4298/barack-obama-is-one-of-us/">The Friendly Atheist</a>)</p>
<p style="text-align:right;">
<p style="text-align:right;">
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Religion korreliert mit Esoterik: Wer an Gott glaubt, glaubt an alles Mögliche]]></title>
<link>http://kamenin.wordpress.com/2008/08/17/religion-korreliert-mit-esoterik-wer-an-gott-glaubt-glaubt-an-alles-mogliche/</link>
<pubDate>Sun, 17 Aug 2008 17:35:30 +0000</pubDate>
<dc:creator>kamenin</dc:creator>
<guid>http://kamenin.wordpress.com/2008/08/17/religion-korreliert-mit-esoterik-wer-an-gott-glaubt-glaubt-an-alles-mogliche/</guid>
<description><![CDATA[Ein beliebtes Bonmot, das sich in Diskussionsrunden auch immer hübsch aus Bischofsmund macht, stammt]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p style="text-align:justify;">Ein beliebtes Bonmot, das sich in Diskussionsrunden auch immer hübsch aus Bischofsmund macht, stammt von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gilbert_Keith_Chesterton">G. K. Chesterton</a>:</p>
<blockquote>
<p style="text-align:justify;"><strong>Wenn Menschen aufhören, an Gott zu glauben, glauben sie nicht an nichts, sondern an alles Mögliche.</strong></p>
</blockquote>
<p style="text-align:justify;">Mal abgesehen davon, dass das Zitat von einem unveränderlichen Grundstock menschlicher Dummheit und menschlichen Verlangens ausgeht, <em>irgendetwas</em> zu glauben (und das recht hübsch in einen impliziten, meist unbemerkten Zusammenhang mit christlichem Glauben stellt), ist es natürlich nur eine Behauptung, die kein Mensch, der sowas von sich gibt, einer Überprüfung für würdig hält.</p>
<p style="text-align:justify;">Heutzutage kann man sowas aber mit vergleichsweise geringer Arbeit wenigstens mal dem Anschein nach überprüfen. Glauben Menschen ohne Religion jeden Stuss? Legen sie sonntags Tarotkarten, anstatt in die Messe zu gehen? Schützt Jesus wenigstens vor Esoterik?</p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;"><!--more--></p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">Legen wir vorab fest, welche Bereiche Deutschlands derzeit die gläubigsten sind. In einer <a href="http://de.statista.org/statistik/diagramm/studie/11849/filter/-1/fcode/-1/umfrage/religiositaet-und-glaeubigkeit/">Allensbach-Umfrage</a> von 2007 beschrieben sich gerade noch 21% als &#8220;religiöse und gläubige Menschen&#8221;. Aufgeschlüsselt nach Bundesländern (Quelle: <a href="http://de.statista.org/statistik/diagramm/studie/11849/filter/10081/fcode/1,2,3,4,5,6,7,8,9,10,11,12,13,14,15,16/umfrage/religiositaet-und-glaeubigkeit/">statista.org</a>):</p>
<p style="text-align:justify;">
<div id="attachment_524" class="wp-caption aligncenter" style="width: 410px"><a href="http://de.statista.org/statistik/diagramm/studie/11849/filter/10081/fcode/1,2,3,4,5,6,7,8,9,10,11,12,13,14,15,16/umfrage/religiositaet-und-glaeubigkeit/"><img class="size-full wp-image-524" src="http://kamenin.wordpress.com/files/2008/08/religion-und-glaube-in-deutschland.jpg" alt="statista.org)" width="400" height="324" /></a><p class="wp-caption-text">Religion und Glaube in Deutschland (Quelle: statista.org)</p></div>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">Am weitesten wurde diese Frage also bejaht in: Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und dem Saarland. Am wenigsten, wie erwartet in den Neuen Bundesländern und den Stadtstaaten.</p>
<p style="text-align:justify;">Ein ähnliches Ergebnis liefert die Aufschlüsselung von Konfessionslosigkeit nach Bundesländern <a href="http://de.statista.org/statistik/diagramm/studie/40500/filter/40742/fcode/10,20,30,40,50,60,70,80,90,100,110,120,130,140,150,160/umfrage/religionsgemeinschaft/">in dieser Statistik</a>. Die meisten Konfessionslosen leben in den Neuen Bundesländern und Berlin; dann kommen Hamburg und Schleswig-Holstein. Die wenigsten Konfessionslosen gibt es NRW und Rheinland-Pfalz.</p>
<p style="text-align:justify;">Das deutet schon sowohl das bekannte Ost-West-, wie auch ein (geringeres) Nord-Süd-Gefälle an Religiosität an. Und entsprechend fällt auch aus, wenn man sich anschaut, wo in Deutschland zum Beispiel am meisten nach <a href="http://www.google.com/insights/search/#cat=&#38;q=gebete&#38;geo=DE&#38;date=&#38;clp=&#38;cmpt=q">&#8220;Gebete&#8221;</a> gegoogelt wird [1,2]:</p>
<p style="text-align:justify;">
<div id="attachment_525" class="wp-caption aligncenter" style="width: 410px"><img class="size-full wp-image-525" src="http://kamenin.wordpress.com/files/2008/08/google-gebete.jpg" alt="Gebete" width="400" height="282" /><p class="wp-caption-text">Relative Suchhäufigkeit: &#34;Gebete&#34;</p></div>
<p style="text-align:justify;">Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen&#8230;</p>
<p style="text-align:justify;">Auch die Bevorzugung fundamentalistischer Religion hat ihre regionalen Schwerpunkte im Südwesten (Suchwort <a href="http://www.google.com/insights/search/#cat=&#38;q=lakeland&#38;geo=DE&#38;date=&#38;clp=&#38;cmpt=q">&#8220;Lakeland&#8221;</a>):</p>
<p style="text-align:justify;">
<div id="attachment_526" class="wp-caption aligncenter" style="width: 410px"><img class="size-full wp-image-526" src="http://kamenin.wordpress.com/files/2008/08/google-lakeland.jpg" alt="&#34;Lakeland&#34;" width="400" height="279" /><p class="wp-caption-text">Relative Suchhäufigkeit: &#34;Lakeland&#34; </p></div>
<p style="text-align:justify;">Dass Hessen hier soweit vorne erscheint, hat wohl unter anderem damit zu tun, dass die evangelischen Freikirchen da <a href="http://de.statista.org/statistik/diagramm/studie/40500/filter/40742/fcode/10,20,30,40,50,60,70,80,90,100,110,120,130,140,150,160/umfrage/religionsgemeinschaft/">so stark vertreten</a> sind. Dass hingegen allgemeine Religiosität auch immer einen höheren Prozentsatz extrem Religiöser, um nicht zu sagen: religiös Wahnhafter, nach sich zieht, sollte eigentlich klar sein, wenn es auch von interessierter Seite dann und wann bestritten wird. Es sind auch hier nicht religiöse Minderheiten in einem säkularen Umfeld, die sich radikalisieren, sondern Untergruppen in eh schon religiösen Gebieten.</p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">Nach Chestertons These sollte man aber wenigstens eine Antikorrelation sehen, wenn wir uns die Verteilung wirklich esoterischer Suchanfragen anschauen.</p>
<p style="text-align:justify;">Z. B. Tarot (<a href="http://www.google.com/insights/search/#cat=&#38;q=tarot&#38;geo=DE&#38;date=&#38;clp=&#38;cmpt=q">&#8220;Tarot&#8221;</a>, <a href="http://www.google.com/insights/search/#cat&#38;geo=DE&#38;cmpt=q&#38;date&#38;clp&#38;q=online+tarot">&#8220;online Tarot&#8221;</a>, <a href="http://www.google.com/insights/search/#cat=&#38;q=tarot%20karten&#38;geo=DE&#38;date=&#38;clp=&#38;cmpt=q">&#8220;Tarot Karten&#8221;</a> und besonders dumm: <a href="http://www.google.com/insights/search/#cat=&#38;q=tarot%20horoskop&#38;geo=DE&#38;date=&#38;clp=&#38;cmpt=q">&#8220;Tarot Horoskop&#8221;</a>):</p>
<p style="text-align:justify;">
<div id="attachment_527" class="wp-caption aligncenter" style="width: 410px"><img class="size-full wp-image-527" src="http://kamenin.wordpress.com/files/2008/08/tarot_karten.jpg" alt="Tarot und verwandte Begriffe" width="400" height="131" /><p class="wp-caption-text">Relative Suchhäufigkeit: &#34;Tarot&#34; und verwandte Begriffe</p></div>
<p style="text-align:justify;">Anstatt einer Antikorrelation gibt es offensichtlich eher eine Korrelation, die insbesondere in den spezielleren Suchanfragen noch deutlich stärker ist als die eigentliche religiöse Ausprägung. Aber vielleicht ist Tarot ja auch nur in manchen Landesteilen traditionell vertreten und hat sich im Osten und Norden noch nicht so durchgesetzt.</p>
<p style="text-align:justify;">Also <a href="http://www.google.com/insights/search/#cat=&#38;q=horoskop&#38;geo=DE&#38;date=&#38;clp=&#38;cmpt=q">&#8220;Horoskop&#8221;</a>:</p>
<p style="text-align:justify;">
<div id="attachment_528" class="wp-caption aligncenter" style="width: 410px"><img class="size-full wp-image-528" src="http://kamenin.wordpress.com/files/2008/08/google-horoskop.jpg" alt="&#34;Horoskop&#34;" width="400" height="285" /><p class="wp-caption-text">Relative Suchhäufigkeit: &#34;Horoskop&#34; </p></div>
<p style="text-align:justify;">Tja, die Bayern, und immer noch ein Hang zum Südwesten. Vielleicht <a href="http://www.google.com/insights/search/#cat&#38;geo=DE&#38;cmpt=q&#38;date&#38;clp&#38;q=geistheilung">&#8220;Geistheilung&#8221;</a>?</p>
<p style="text-align:justify;">
<div id="attachment_529" class="wp-caption aligncenter" style="width: 410px"><img class="size-full wp-image-529" src="http://kamenin.wordpress.com/files/2008/08/google-geistheilung.jpg" alt="&#34;Geistheilung&#34;" width="400" height="283" /><p class="wp-caption-text">Relative Suchhäufigkeit: &#34;Geistheilung&#34; </p></div>
<p style="text-align:justify;">Und wer sucht nach dem Dumme-Leute-Film &#8220;<a href="http://www.google.com/insights/search/#cat=&#38;q=bleep&#38;geo=DE&#38;date=&#38;clp=&#38;cmpt=q">Bleep</a>&#8220;?</p>
<p style="text-align:justify;">
<div id="attachment_530" class="wp-caption aligncenter" style="width: 410px"><img class="size-full wp-image-530" src="http://kamenin.wordpress.com/files/2008/08/google-bleep.jpg" alt="&#34;Bleep&#34;" width="400" height="285" /><p class="wp-caption-text">Relative Suchhäufigkeit: &#34;Bleep&#34; </p></div>
<p style="text-align:justify;">Es muss doch irgendeine Suche geben, in der die Bayern nicht vorne sind&#8230; Vielleicht zeigen auch einfach alle Nachfragen irgendeinen Hang nach Südwesten, ein Problem in der Datenaufbereitung?</p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">Wohl eher nicht. Zum Beispiel <a href="http://www.google.com/insights/search/#cat=&#38;q=aufkl%C3%A4rung&#38;geo=DE&#38;date=&#38;clp=&#38;cmpt=q">&#8220;Aufklärung&#8221;</a>.</p>
<div id="attachment_531" class="wp-caption aligncenter" style="width: 410px"><img class="size-full wp-image-531" src="http://kamenin.wordpress.com/files/2008/08/google-aufklarung.jpg" alt="&#34;Aufklärung&#34;" width="400" height="284" /><p class="wp-caption-text">Relative Suchhäufigkeit: &#34;Aufklärung&#34; </p></div>
<p style="text-align:justify;">Oder <a href="http://www.google.com/insights/search/#cat=&#38;q=wissenschaft&#38;geo=DE&#38;date=&#38;clp=&#38;cmpt=q">&#8220;Wissenschaft&#8221;</a>. Obwohl, rein gefühlt, ein Großteil der Forschungs- und etablierten Universitätslandschaft im Süden und Südwesten der Republik steht, gibt es kaum Unterschiede in der Suche nach <a href="http://www.google.com/insights/search/#cat=&#38;q=physik&#38;geo=DE&#38;date=&#38;clp=&#38;cmpt=q">&#8220;Physik&#8221;</a>, <a href="http://www.google.com/insights/search/#cat=&#38;q=chemie&#38;geo=DE&#38;date=&#38;clp=&#38;cmpt=q">&#8220;Chemie&#8221;</a> oder <a href="http://www.google.com/insights/search/#cat=&#38;q=biologie&#38;geo=DE&#38;date=&#38;clp=&#38;cmpt=q">&#8220;Biologie&#8221;</a>:</p>
<p style="text-align:justify;">
<div id="attachment_533" class="wp-caption aligncenter" style="width: 410px"><img class="size-full wp-image-533" src="http://kamenin.wordpress.com/files/2008/08/naturwissenschaften-google1.jpg" alt="Physik, Chemie und Biologie" width="400" height="185" /><p class="wp-caption-text">Physik, Chemie und Biologie</p></div>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">Das ist alles nur dem Anschein nach und natürlich nur Indiz um Indiz. Man kann auch anhand der regionalen Aufschlüsselung nicht unterscheiden, ob es nicht die vom Glauben Abgefallenen in den noch gläubigeren Bundesländern sind, die sich um Esoterik bemühen. Aber offensichtlich sind es nicht die atheistischen Landesteile, die der Esoterik bevorzugt anheimfallen, sondern die traditionell gläubigen.</p>
<p style="text-align:justify;">Die Häufung entlang der Religiosität legt einen Schluss nahe: Religion zieht Irrationalität und Aberglaube nach sich. Nicht der Abfall vom Glaube löst Irrationalität aus: Wem erst mal Phantasien über Übersinnliches und Überirdisches als glaubhaft beigebracht wurden, der lässt sich dann auch um so leichter von anderer Seite für dumm verkaufen. Das sollte man vielleicht auch im Hinterkopf behalten, wenn man über die so sinnstiftende und wertvermittelnde religiöse Erziehung von Kindern schwafelt.</p>
<p style="text-align:justify;">Und wer das die Beziehung nicht glauben kann, soll sich ruhig mal im <a href="http://kamenin.wordpress.com/2008/04/13/die-krankheit-und-ihre-zweifelsohne-psychische-ursache/">nächsten Esoterikshop</a> die Marienstatuetten und die Heil-Jesu-Lehren zu Gemüt führen; oder er lässt es sich vom Theologen Friedrich Wilhelm Graf <a href="http://www.taz.de/index.php?id=archivseite&#38;dig=2004/12/18/a0213">sagen</a>:</p>
<blockquote>
<p style="text-align:justify;">Es handelt sich interessanterweise weniger um Konkurrenz. Denn das Esoterische wandert massiv in die Amtskirchen ein. Gehen Sie doch mal zum Katholikentag oder zum evangelischen Kirchentag &#8211; nichts, was Sie nicht mit christlichen Symbolbeständen verbinden können.</p>
</blockquote>
<p style="text-align:justify;">Glaube erzeugt Dummheit. Wie sollte er auch nicht?</p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">[1] <span style="color:#808080;"><a href="http://www.google.com/insights/search/#">Google Insights</a> wertet die Suchanfragen nach relativer Häufigkeit aus: wie oft also ein Begriff gesucht wurde verglichen auf die Gesamtzahl an Suchen aus einer Region.</span></p>
<p style="text-align:justify;">[2] <span style="color:#808080;">Alles natürlich mit Vorsicht zu genießen; erste Anhaltspunkte, ob das betreffende Suchwort überhaupt Rückschlüssen zulässt, sind die &#8220;related terms&#8221; am Seitenende. &#8220;Religion&#8221; zum Beispiel liefert wenig aussagekräftige Ergebnisse, weil die Suche sich meistens auf eine Band (<em>Bad Religion</em>), eine Jeansmarke (<em>True Religion</em>), einen Song (<em>Losing My Religion</em>) oder auch nur auf den Islam bezieht, der als solcher und in seiner Eigenschaft als &#8220;Wahre Religion&#8221; gleich drei mal in den Top-10 vorkommt. Außerdem muss man natürlich berücksichtigen, was Auslöser und Absicht der Suche war. Ein spekulatives Moment spielt also immer mit. </span></p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Sonntags-Predigt für die Dekonvertierten: Lakeland-Deppen in Deutschland]]></title>
<link>http://kamenin.wordpress.com/2008/07/20/sonntags-predigt-fur-die-dekonvertierten-lakeland-deppen-in-deutschland/</link>
<pubDate>Sun, 20 Jul 2008 11:04:38 +0000</pubDate>
<dc:creator>kamenin</dc:creator>
<guid>http://kamenin.wordpress.com/2008/07/20/sonntags-predigt-fur-die-dekonvertierten-lakeland-deppen-in-deutschland/</guid>
<description><![CDATA[Todd Bentley gönnt sich eine Auszeit. [1] Das sei ihm gegönnt. Vielleicht ist der Zeitpunkt ein weni]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p style="text-align:justify;">Todd Bentley gönnt sich eine Auszeit. [1] Das sei ihm gegönnt. Vielleicht ist der Zeitpunkt ein wenig unglücklich gewählt, weil es gerade in die Zeit fällt, für die zuvor <span style="text-decoration:line-through;">prophezeit</span> phantasiert wurde, dass es jetzt aber wirklich losgehe und Gottes Präsenz so stark auf die Erde kommen solle wie seit der Apostelgeschichte nicht mehr. Aber wenn man <span style="text-decoration:line-through;">Prophezeiungen</span> Spinnerei an der Realität überprüfen würde, wäre das ja nicht Religion sondern schon der zarte Anfang von Vernunft. Andererseits hatten sich gerade eh verstärkt herkömmliche amerikanische Medien den Vorgängen in Lakeland, Florida, angenommen, hatten Beweise gefordert, dann aber außer leeren Versprechungen nichts bekommen. Vielleicht also doch der richtige Zeitpunkt, mal kurz unterzutauchen und etwas Gras drüber wachsen zu lassen, bevor man das Ganze dann wieder erneut versuchen kann, wieder ohne Medienaufmerksamkeit, nur für die Verzweifelten, Kranken und spendenbereiten Gläubigen.</p>
<p style="text-align:justify;">Einen 20-minütigen Hintergrundbericht (so gut das amerikanische Fernsehen das halt hinbekommt), gibt&#8217;s hier:</p>
<p style="text-align:justify;">
<div style="text-align:justify;"><a href="http://www.youtube.com/watch?v=Hp_SXpy8q7w">Nightline Report, part 1</a></div>
<div style="text-align:justify;"><a href="http://www.youtube.com/watch?v=69p-vJfWudo">Nightline Report, part 2</a></div>
<p style="text-align:justify;">Man könnte das Ganze also langsam abhaken. Zumal, wenn man sich noch mal vor Augen führt, wie banal und schwachsinnig das alles war [2]:</p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:center;"><span style='text-align:center; display: block;'><object width='425' height='350'><param name='movie' value='http://www.youtube.com/v/8uoT12vvj-k&#038;rel=1&#038;fs=1&#038;showsearch=0&#038;hd=0' /><param name='allowfullscreen' value='true' /><param name='wmode' value='transparent' /><embed src='http://www.youtube.com/v/8uoT12vvj-k&#038;rel=1&#038;fs=1&#038;showsearch=0&#038;hd=0' type='application/x-shockwave-flash' allowfullscreen='true' width='425' height='350' wmode='transparent'></embed></object></span></p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">Aber ganz so einfach ist das nun auch nicht.</p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;"><strong>Lakeland und die Deutschen Erweckungsvollpfosten</strong></p>
<p style="text-align:justify;">Vor zwei Monaten habe ich diesen Post über <a href="http://kamenin.wordpress.com/2008/05/22/lakeland-todd-bentley-und-deutschland-erwache-pardon-deutschlands-erweckung/">Bentley und die Lakeland-Bewegung</a> online gestellt. Inzwischen ist der mit schon deutlichem Abstand der meistgeklickte auf dem Blog und machte in der Zeit etwa 12 Prozent aller Klicks hier aus. Nicht, weil er so groß verlinkt oder anderweitig in der Blog- und Forenwelt wahrgenommen wurde; sondern weil enorm viele in Deutschland nach Lakeland und Benteley googeln, als gäbe es kein morgen mehr (was innerhalb des Glaubenssystems keine Übertreibung ist). Insofern ist so der ganze Kokolores um einen angeblichen Wunderheiler aus Kanada dank der neuen technischen Möglichkeiten mal eine schöne Gelegenheit zu sehen, wie sich das durch unser schönes, aufgeklärtes Land zieht, in dem alles so fein pluralistisch neben- und miteinander blüht und Religion doch nur eine andere, vielleicht sogar subtilere Art von Vernunft ist als schnöde Nüchternheit.</p>
<p style="text-align:justify;">Natürlich ist das eine Minderheit, die sich so des Webs bedient &#8212; aber in der rationalen Welt tun wir auch gerne so, als gäbe es die gar nicht. Da draußen sind genug Menschen, die das für real halten oder zumindest für möglich; die vielleicht mit einzelnen Aspekten nicht übereinstimmen oder zweifeln, aber selbst in einem Glaubenswunderland von Wundern, Engelserscheinungen und Heilungsversprechen leben wollen und nur darauf warten, dass endlich der richtige Götze vorbeikomme, dem sie dann Zeit und Geld opfern können, um endlich die ersehnte psychotische Massenbewegung zu starten.</p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">Aber weil das Wunder von alleine nicht kommt, gibt es hierzulande auch schon diejenigen, die es dann halt selbst bringen wollen. Ich lese bei Gelegenheit einen Teil der so christlichen Blogwelt mit, und inzwischen kommen da die schon ob ihrer Nichwahrgenommenheit langsam verzweifelnden Provinzprediger und prahlen damit, wie Gott tatsächlich zu ihnen spräche, prophezeie und ihnen den Weg weise und dass es jetzt bald abr hier wirklich losgehe. [3] Diese Menschen könnten einem Leid tun &#8212; prophezeien und beten und rackern und tun und klauen hier eine Idee, da eine andere, auf dass sie nun endlich jemand wahrnehme und in ihnen den großen Verkünder entdecke &#8211;, wenn sie sich nicht gleichzeitig aufspielten (und glaubten), Menschen helfen zu wollen und die christliche Wende für Deutschland zu bringen; wenn das alles nicht schon die Kennzeichen von Autoritätssehnsucht in sich trüge und die Menschen nicht nur bescheißen und belügen wollte, für den guten Zweck, darum mit extra reinem Gewissen; wenn es nicht einfach um die Bedeutsamkeitsphantasien solcherarts christlich Gestörter ginge und nicht die ärmsten und verzweifelsten Menschen dadurch weiter verarscht werden würden.</p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">Man kann eigentlich nur aufgreifen, was <a href="http://anstalt.wordpress.com/2008/07/15/gute-dichotomie/">Califax schon gefunden hat</a>:</p>
<blockquote>
<p style="text-align:justify;">Wenn Sie zu Gott reden, sind Sie religiös. Wenn Gott zu Ihnen redet, sind Sie irre.</p>
</blockquote>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">Es ist natürlich unhöflich darauf hinzuweisen, dass es so Kaputte auch in Deutschland gibt. Wenn Religion sonst nichts zustande gekriegt hat, dann doch wenigstens das Denkverbot, Religion öffentlich anzugreifen; das tut man auf eigene Gefahr, geschmacklos zu wirken oder ereifert oder gar missionarisch. Das eigentlich Bedenkliche sind hier aber nicht die, die man als sozialisationsbehindert und geltungsgestört abhaken kann. Das eigentlich Bedenkliche sind die Sympathisanten, die ansonsten vollkommen Eingegliederten und Respektierten, die guten Gläubigen der etablierten Kirche, die man damit nicht in Verbindung bringen würde &#8212; die aber nicht (mehr?) das Urteilsvermögen haben, da noch zu sagen: das ist Schwachsinn. Das ist irre. Ihr spinnt. Ihr verdient keinen Respekt. Mit unserer Religion hat das nichts mehr zu tun. Sondern die auf das Ganze erst mal nur hinweisen und abwarten, ob sich da nicht was draus entwickelt, was dann einem selbst auch helfen könnte oder wo man vielleicht seinen eigenen Glauben auch mal happening-mäßig ausleben könnte.</p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">Und dann muss man das halt als Atheist mal sagen: das ist Schwachsinn. Das ist Verblödung, Lüge und Betrug. Und wenn ihr das nicht mehr von eurer Religion trennen könnt, dann hat eure Religion und eure vorgeschobene Theologie genauso wenig Respekt verdient wie dieser Schwachsinn. Da gibt es kein &#8220;Religion hilft doch auch&#8221; oder &#8220;Michelangelo hat doch schön gemalt&#8221; oder &#8220;Religion und Vernunft unterstützen sich eigentlich&#8221;; sondern einfach nur: Religion gebiert Schwachsinn, und gerade Du beweist das eben jetzt.</p>
<p style="text-align:justify;">Und obwohl man als Atheist dazu eigentlich auch &#8216;Danke&#8217; sagen könnte, wird einem doch schlecht bei dem ganzen Schauspiel.</p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">[1] <span style="color:#808080;">Mit Dank an <a href="http://kamenin.wordpress.com/2008/07/06/heimat-ohne-halden/#comment-2031">Kommentatorin Germaine</a> für den Hinweis.</span></p>
<p style="text-align:justify;">[2] <span style="color:#808080;">Möge jeder selbst entscheiden, ob er die Kommentierungen lustig oder genauso bedenklich findet. Esoterikchristizisten, die sich gegenseitig beschuldigen, falsche Propheten zu sein (als hätte es je echte gegeben), falsche Engel anzubeten und überhaupt das Satans zu sein. </span></p>
<p style="text-align:justify;">[3] <span style="color:#808080;">Auf Verlinkung verzichte ich bewusst. Das ist selbst mir inzwischen zu widerwärtig. Um es bei dieser milden Formulierung zu belassen.</span></p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Verbildete Poseure der kritischen Reflexion]]></title>
<link>http://kamenin.wordpress.com/2008/06/29/verbildete-poseure-der-kritischen-reflexion/</link>
<pubDate>Sun, 29 Jun 2008 13:52:02 +0000</pubDate>
<dc:creator>kamenin</dc:creator>
<guid>http://kamenin.wordpress.com/2008/06/29/verbildete-poseure-der-kritischen-reflexion/</guid>
<description><![CDATA[Der Geburtstag von Willard Van Orman Quine jährte sich Donnerstag zum 100. Mal. Auf Evolving Thought]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p><!--[if gte mso 9]&#62; Normal   0   21 &#60;![endif]--><!--  --></p>
<p style="text-align:justify;">Der Geburtstag von Willard Van Orman Quine jährte sich Donnerstag zum 100. Mal. Auf <a href="http://scienceblogs.com/evolvingthoughts/2008/06/on_what_quine_was.php">Evolving Thoughts </a>kann man ihn in einem Fernsehgespräch mit Brian Magee ansehen aus der Zeit, als Fernsehen noch an so was wie einen Bildungsauftrag geglaubt hat und Intellektuelle nicht von possierlich lächelnden Medienschlunzen danach befragen ließ, wie sie sich gerade fühlten, oder ihnen gar einen beliebigen Galileo-Mitarbeiter entgegensetzte. Ja, ich will ein Fernsehen, in denen hässliche, alte, nach unklarem Körpergeruch anmutende Frauen und Männer, die nicht nach ihrer Fuckability ausgesucht wurden, intelligenten Gesprächspartner kritische Fragen stellen, die beweisen, dass beide Seiten sich mit der Thematik auseinandergesetzt haben. Aber das nur so am Rande.</p>
<p style="text-align:justify;">DIE ZEIT spendiert anlässlich des Jubiläums Quine ein kleines, im Inneren des Feuilletons verstecktes Bild. Und dazu leider auch noch einen halbspaltigen, online derzeit nicht verfügbaren Nachruf von Thomas Assheuer, wohl um damit zu beweisen, dass Printmedien anderen Fehlern zuneigen als das Fernsehen. Fehlern nichtsdestoweniger.</p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">Wie man im Feuilleton so schreibt, besteht das erste Drittel des Beitrags aus einer Breitseite an Andeutungen gegen Logischen Positivismus, der wohl nichts sei als für die Menschen uninformatives Geschwätz, esoterisches gar, beinharter Szientismus, reine Handlangerei und Laborgehilfentum für die Wissenschaft. [1] So schreibt ein Kulturjournalist über eine Philosophie, die den Frevel begeht, auch mal über was Nützliches nachdenken zu wollen.</p>
<p style="text-align:justify;">Den Göttern des sich selbst mit philosophischem Anspruch ausstattenden Feuilleton-Journalismus sei es gedankt: Quine hat diese frühe Verirrung, so wir Assheuer in Bewertung und Darstellung folgen wollen, schließlich überwunden und damit gleichsam „seine Wissenschaftsgläubigkeit&#8221;.</p>
<p style="text-align:justify;">Assheuer, Quine wiedergebend und einordnend:</p>
<blockquote>
<p style="text-align:justify;">Es gibt keinen Test, der felsenfest beweist, wo eine Tatsache aufhört und der Einfluss von Wortbedeutungen beginnt. Das klingt nach einer Allerweltsweisheit, aber in den sechziger Jahren war es eine Revolution.</p>
</blockquote>
<p style="text-align:justify;">Womit Quine ganz recht hat, und auch wenn ich es nicht Revolution nennen würde &#8212; vielleicht fand die auch nur im mit dem Thema unvertrauten Feuilleton stand, in der Wissenschaft war das spätestens seit der Auseinandersetzung um die quantenphysikalischen Deutungsversuche hinreichend bekannt &#8211;, eine Allerweltsweisheit klar zu formulieren und herauszuarbeiten, verdient immer Achtung. Persönlich würde ich auch nicht das Gewicht auf die „Wortbedeutungen&#8221; legen, sondern auf die naturwissenschaftliche Modellierung der Welt: wir können immer nur überprüfen, wie sehr einzelne Aspekte des Modells mit der Natur in Einklang stimmen, aber nie von unserem Modell sagen, es bilde die Realität vollständig oder perfekt ab oder es selbst gar mit <em>der Realität</em> gleichsetzen. Wie wir auch anderweitig keinen Zugriff auf <em>die Realität</em> erlangen können.</p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">So weit, so Allerweltsweisheit. Ob Quine das Folgende unterschrieben hätte oder ob es sich nur um die persönliche Tendenzdarstellung Assheuers handelt, muss ein anderer beurteilen:</p>
<blockquote>
<p style="text-align:justify;">Drastischer gesagt: Die Existenz eines Moleküls ist erkenntnistheoretisch auch nicht besser zu begründen als die Götter Griechenlands.</p>
</blockquote>
<p style="text-align:justify;">Es gibt gar nicht genügend Worte zu beschreiben, auf welch vielfältigen Wege so ein Satz inhaltsleer und obskurantistisch ist, ohne falsch zu sein. Da ist zum einen fundamentalphilosophische Verweigerung, überhaupt irgendetwas erkenntnistheoretische Existenz zuzugestehen, weil alles immer bestreitbar bleibt: mithin die Annahme eines rein metaphysischen Existenzbegriffs, über den noch niemand eine Aussage machen konnte, auch wenn gewisse Philosophen ihr diesbezügliches Geschwätz persönlich als informierend einschätzen. Zum anderen schwebt ein unverständiger Philosophismus mit, dass diese Art der Unsicherheit irgendwas besonderes wäre, dass darum, um die  einleitend zitierte Susan Sontag zu interpretieren, die Wissenschaft über die Fülle des Lebens nichts auszusagen habe.</p>
<p style="text-align:justify;">Tatsächlich steht die „Existenz&#8221; eines Moleküls erkenntnistheoretisch auf genau derselben Stufe wie die Existenz von Nachbars Katze. Dass Unkundige vor dem Molekül stehen wie Eskimokinder vor der Idee einer Katze, taugt da wenig zur Widerlegung. Beide können wir nur mittelbar wahrnehmen, zumal unsere Sinnesorgane auch nur wie Messinstrumente funktionieren und deren Sensationen erst interpretativ zu einem Weltbild werden. Beide Begriffe, Molekül wie Katze, sind kulturelle Konstrukte, mit der wir aus dem blinden Lauf der Natur herausemergierende Eigenschaftspakete als Einheit deklarieren, ohne wissen zu können, ob unserer Auffassung irgendeine entitätische Existenz zuzugestehen ist; selbst der Nichtnaturalist, der dieses Bild nicht teilt, kann jede Art von Besonderkeit, die ihm die Katze vor dem Molekül voraus hat, nur hineinlegen, niemals herauslesen. Und Molekül wie Katze werden über Eigenschaften definiert, die wir anschließend auf ihre Natur und ihre Konstanz nachprüfen können. Insofern ist die Existenz des wesentlich weniger komplexen Systems Molekül sogar gesicherter als die des schwerer zu fassenden Sytems Katze &#8212; ganz im Gegensatz zu Griechenlands Göttern, die darum nicht mehr geglaubt werden, weil es eben kein Modell gibt, was so zu bezeichnende Eigenschaften irgendwie voraussagbar oder in Relation zur Natur zu setzen imstande ist. [1]</p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<blockquote>
<p style="text-align:justify;">Die Existenz von Nachbars Katze ist erkenntnistheoretisch auch nicht besser zu begründen als die Götter Griechenlands.</p>
</blockquote>
<p style="text-align:justify;">So hätte der Satz korrekt übersetzt heißen müssen. Dann kann man sich auch gerne darüber unterhalten, ob wir hier über einen Mangel der Wissenschaft reden oder über das Scheitern von Erkenntnistheorie. Und darüber, wer hier in Wirklichkeit ein esoterisches Weltbild verbreitet.</p>
<p style="text-align:justify;">Das intellektuell Traurige ist daran, dass einerseits Wissenschaft vorgeworfen wird, sie könne nicht „felsenfest&#8221; zwischen Natur und Modell bzw. Wortbedeutungen unterscheiden kann; dass dies aber auf einem Wege geschieht, nämlich philosophisch und journalistisch, die allein auf der Ebene von Wortbedeutungen verhandelt, erkennen und erklären will. Was ist dann überhaupt die Wissenschaftsgläubigkeit, die Assheuer ganz vorwurfsvoll dem jungen Quine andichtet? Das wird natürlich nicht geklärt, weil selbst Schlagworte-Journalismus, der sich selbst als philosophisch wahrnimmt, so etwas nicht erläutern muss. Vielleicht ist es einfach der Glaube, dass Wissenschaft was über die Natur herausfinden kann. Selber schuld, wer da die eigene Philosophie- und Journalismus-Gläubigkeit nicht mehr überwinden kann.</p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">Aber warum findet Assheuer das alles wichtig. Weil, letzter Absatz, er sich lieber als verletzbares Subjekt in einer symbolischen Welt begreifen will, das nicht auf Hirnfunktionen reduziert werden kann.</p>
<p style="text-align:justify;">Ob ihm sein Gehirn da nicht die falschen Symbole in die Welt setzen lässt oder ob seine Wünsche der Natur nicht weitgehend egal sind, kann hier leider nicht beantwortet werden. Das ist hier schließlich nicht das Feuilleton.</p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">[1] <span style="color:#808080;">Wann immer man vom Szientismus lese, mache man sich gewahr, dass es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um philosophistisches Geschwätz handelt.</span></p>
<p style="text-align:justify;">[2] <span style="color:#808080;">Auch der Einwand, dass es wesentlich möglicher erscheint, unser Modell „Molekül&#8221; in Zukunft durch ein anderes Sprachbild zu ersetzen, irrt insoweit, als dies nur durch den unwissenschaftliche Alltagsgebrauch des Wortbilds „Katze&#8221; verursacht wird, an dem vermutlich noch festgehalten würde, wenn anderweitig klar würde, dass man das Tier wissenschaftlich besser ganz anders beschreiben solle. Hätte Assheuer nicht in seiner Andeutungstirade gegen Positivisten es als fast schon anrüchig dargestellt, sich als Philosoph mit der Bedeutung wissenschaftlicher Begrifflichkeiten auseinanderzusetzen, hätte er von denen ja auch was lernen können.</span></p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Wissenschaft for the win (1): Naturalismus, die wissenschaftliche Methode und ihre Gegner]]></title>
<link>http://kamenin.wordpress.com/2008/06/23/wissenschaft-for-the-win-1-naturalismus-die-wissenschaftliche-methode-und-ihre-gegner/</link>
<pubDate>Mon, 23 Jun 2008 14:59:40 +0000</pubDate>
<dc:creator>kamenin</dc:creator>
<guid>http://kamenin.wordpress.com/2008/06/23/wissenschaft-for-the-win-1-naturalismus-die-wissenschaftliche-methode-und-ihre-gegner/</guid>
<description><![CDATA[Was ist Wissenschaftsgläubigkeit überhaupt und wie verbreitet ist sie? Die Frage kam kürzlich erst a]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p style="text-align:justify;"><strong>Was ist Wissenschaftsgläubigkeit überhaupt und wie verbreitet ist sie?</strong> Die Frage kam kürzlich erst auf in dieser Auseinandersetzung mit einem <a href="http://kamenin.wordpress.com/2008/06/12/scheitern-am-wissenschaftsphilosophischen-vermittlungsanspruch-1/">vorgeblich wissenschaftsphilosophischen Text</a> von Stephan Schleim. Der Vorwurf der Wissenschaftsgläubigkeit ist inzwischen ja sehr verbreitet und wird eigentlich immer dann geäußert, wenn man sich mit Bezug auf wissenschaftliche Ergebnisse auf eine Position zurückzieht, die jemand anderem nicht behagt. Ob man jetzt annimmt, dass es möglicherweise einen menschengemachten Einfluss gäbe auf seltsame Veränderung in Klimamustern, oder es für möglich hält, dass die beste Theorie für den Fund ordentlich gestapelter Fossilien vielleicht doch nicht sei, dass Satan die persönlich in der richtigen Reihenfolge vergraben hätte (oder gar Jesus, nur so als Test): im Zweifelsfall ist man halt wissenschaftsgläubig und von daher noch getäuschter und reflexionsunfähiger als der selbsternannte Skeptiker. In dem Sinne kann man mit dem Verweis auf Wissenschaftsgläubigkeit jede wissenschaftliche Erkenntnis kontern, und gerade das ist ja auch das Unangenehme (und Falsche) einer sich auf diesen Begriff fokussierenden und als Kernproblem ausmachenden Wissenschaftsphilosophie.</p>
<p style="text-align:justify;">Gleichzeitig muss man sich natürlich als reflektierender Wissenschaftler und Wissenschaftsverbreiter überlegen, was man Wissenschaft wie weit glauben sollte. Ein Begriff, der im Zentrum dieser Frage steht, in wissenschaftsphilosophischen Debatten aber, zumindest den in den Medien vorrangig stattfindenden, in seinen Konsequenzen kaum vorkommt, ist derjenige der Quantifizierung. [1]</p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;"><!--more--></p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;"><strong>Wissenschaft ist, kurz gesagt, eine Methode, um wiederkehrende Muster in der Realität beschreibbar, damit voraussagbar und schließlich manipulierbar zu machen.</strong> Dagegen kommt von obskuranter Seite dann schon der  erste Einwand, dass es nur um wiederkehrende Muster ginge, Wissenschaft aber weder beweisen könne, dass „alles&#8221; prinzipiell wiederholbar sei, noch damit ganz große und bedeutungsvolle Konzepten erfassen könne, die per Definition eben nicht wiederholbar seien: ob man die jetzt in Wundern, in Gottes Eingreifen oder, konkreter wie verdeckter, in irgendwelchen Einzelreaktionen der ansonsten natürlich ablaufenden Evolution ausmacht.</p>
<p style="text-align:justify;">Als potenziell sowieso „wissenschaftsgläubiger&#8221; Naturalist muss man sich nicht lange mit dem Einwand befassen. Wissenschaft muss nicht <em>voraussetzen</em>, dass „alles&#8221; wissenschaftlich beschreibbar ist, weil es eben doch auf sich wiederholenden Prinzipien beruht; es reicht ihr zu zeigen, was sich alles auf die Art beschreiben lässt. Sollte am Ende was überbleiben, kann man da ja gerne noch mal drüber nachdenken. Bisher haben wir nichts gefunden, was wir jetzt schon prinzipiell aus dem Beschreibungsversuch herausnehmen müssten. Dagegen behaupten Naturalismuskritiker gerne, dass <em>evolviertes Merkmal A</em> oder <em>Geisteszustand B</em> ja grundsätzlich gar nicht wissenschaftlich fassbar seien („zu komplex!&#8221;, „darüber nachzudenken ist ein Kategorienfehler!&#8221;), womit sie dann einerseits beweisen, dass sie genau den Denkfehler der Verabsolutierung des heutigen Stands der Wissenschaft machen, den sie dann andererseits gerne „Wissenschaftsgläubigen&#8221; nachsagen, und andererseits, dass sie oft genug nicht mal den heutigen Stand der Wissenschaft ausreichend kennen.</p>
<p style="text-align:justify;">Was den Glauben an Gottes Wunder angeht, kann man zwar skeptisch sein, ob Wissenschaft den je wird fassen können; allerdings mangelt es uns auch an Methodik, den überhaupt zu fassen. Insbesondere ist es den Vertretern dieses Märchen-Weltbilds nie gelungen, mal zu beweisen, dass solche Eingriffe überhaupt je vorgekommen sind, und jede ihrer diesbezüglichen Behauptungen zitterte meist kurze Zeit später (vor dem endgültigen Ableben) unter dem Damokles-Schwert wissenschaftlicher Hinwegerklärung.</p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;"><strong>Um Realität manipulierbar zu machen, kann es Wissenschaft nicht genügen, die Phänomene nur qualitativ zu beschreiben.</strong> Dass Froschschenkel zucken, wenn man Elektrizität durch sie leitet, ist zwar eine bahnbrechende Beobachtung, aber noch nicht die wissenschaftliche Beschreibung. Darum muss Wissenschaft, um kurz im Bild zu bleiben, sich darum bemühen, was die Froschschenkel zum Zucken bringt und wie das mit der Menge des Stroms korreliert, den man durch sie leitet. Am Ende steht dann eine Erkenntnis, wie eine bestimmte Menge Strom im untersuchten System wirkt: den in seiner Größe messbaren Effekt einer in seiner Größe messbaren Menge Stromes bezeichnet man eben als Quantifizierung. Man bringt ein Phänomen in einen mathematisch beschreibbaren Zusammenhang.</p>
<p style="text-align:justify;">Hier erfolgt von obskuranter Seite meist der Einwand, dass der Grund, warum überhaupt Ordnung herrscht oder sich das alles mathematisch beschreiben lässt, darauf hindeutet, dass es eine übergeordnete Macht gäbe, die Ordnung und Beschreibbarkeit in diesem Universum angelegt hätte. Auch das kann man seriös argumentierend kaum ernstnehmen. Man kann gegen eine Position nicht argumentieren, die einerseits auftretende Nichtbeschreibbarkeit als Offenbarung eines höheren Wesens in der Welt darstellt, andererseits aber aus der Beschreibbarkeit selbst denselben Schluss zieht. Eine solche Position, die aus zwei denkbaren, sich aber widersprechenden Möglichkeiten denselben Schluss zieht, ist inhaltlich und vom Wert der Erklärung einfach und ergreifend leer und verrät absolut gar nichts über die Welt. Sie verrät auch nichts über die Natur dieses jenseitigen Gesetzesgebers/-brechers, weil sich in der Tatsache von Ordnung (oder ihrem Fehlen) nichts von dessen Wesenheit offenbarte, was wir nicht selbst hineinlegen.</p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;"><strong>Hat man einen reproduzierbaren, quantifizierten Zusammenhang gefunden kann man ihn technisch nutzen,</strong> man kann mit quantifiziert beschriebener Elektrizität Transistoren bauen und schließlich Mikrochips. Der Rechner, auf dem ich das schreibe, und der, auf dem Du, lieber Leser, das gerade liest, sind beides Beweise, dass die Methode funktioniert. Zum einen beweisen sie, dass das Phänomen reproduzierbar ist, was jedem inzwischen soweit ins Blut übergegangen ist, dass sich bei Nichtstarten des Computers nach Drücken des Einschaltknopfs jeder fragt, was kaputt gegangen sei oder was man selber falsch gemacht habe, nicht, wo die Wissenschaft in der Beschreibung der Welt fehlgeleitet worden wäre. Sie beweist aber auch die Quantifizierbarkeit, durch die sich wissenschaftliche Erkenntnis ausdrückt, weil auf dieser Quantifizierung der Potenziale und Ströme das Funktionieren des Computers beruht.</p>
<p style="text-align:justify;">Ein beliebig fehlgehender, trotzdem manchmal in den Diskurs gestreuter Einwand, ist dagegen, dass es sich hierbei doch um Technik handele, Wissenschaft (auf mysteriöse, unerklärte Weise) aber irgendwas anderes sei. Gerade an dem Beispiel zeigt sich aber, dass Technik eben die Bestätigung der beiden grundlegenden wissenschaftlichen Kriterien darstellt, Reproduzierbarkeit und Quantifizierbarkeit. Wissenschaft lässt sich eben in Technik überführen, weil sie diese beiden Kriterien erfüllt, und Technik ist nichts anderes als deren ständig anwesender und neu erprobter Beweis.</p>
<p style="text-align:justify;">Noch weniger greift die Relativierung, dass Wissenschaft oder Technik wohl für uns funktioniere, wir uns vielleicht aber nur in einer ausgezeichneten Position in der Realität befänden, dass unsere Regeln mithin nicht auf das Sein an sich verallgemeinert werden könnten; dass Naturgesetze, gar noch unsere, überall gelten sollen, sei Wissenschaftsgläubigkeit oder sogar Wissenschaft darum nur Glaube. Der kürzlich verstorbene <a href="http://kamenin.wordpress.com/2008/01/08/geburtstagsstandchen-fur-joseph-weizenbaum-pinata-schlagen-inklusive/">Wissenschaftstheoretiker Joseph Weizenbaum</a> ließ sich zu so einer unglücklichen Aussage noch hinreißen. Dagegen gelten natürlich einmal die schon oben vorgebrachten Einwände: Wissenschaft muss nicht voraussetzen, dass dem so ist, sie kann ganz beruhigt erforschen, ob dem so sei, ohne dass ihre hier erzielten Aussagen dadurch an Wert verlören. Dass aber gerade das nicht die Grundaussage von Wissenschaft ist, jedenfalls nicht von heutiger, kann man schon daraus ersehen, dass eine wachsende Zahl von Viele-Welten-Theoretikern und Mutiversen-Vertretern diese Begrenztheit unserer Naturgesetze in aller Gemütsruhe sogar bejahen, aus einem wissenschaftlichen Verständnis der Welt heraus und ohne deshalb wissenschaftliche Erkenntnisse für diese Welt in den Dunstkreis von Wissenschaftsgläubigkeit rücken zu müssen. Im Gegenteil, die Erklärung dieser Welt bleibt Aufgabe der Wissenschaft, und ob wir jenseits davon noch zu weiteren Erkenntnissen kommen können, wird man sehen können, ohne deshalb in Obskurantismus oder Esoterik verfallen zu müssen &#8212; die Begrenztheit unserer Wissens und unserer Beschreibungsmöglichkeiten sind nicht mal Indiz in diese Richtung.</p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;"><strong>Bedenkt man nun die Unsicherheit wissenschaftlicher Erkenntnis, wie es von wissenschaftsphilosophischer Seite vorgeblich versucht wird, führt kein Weg an den Begriffen von Reproduzierbarkeit und vor allem Quantifizierbarkeit vorbei.</strong> Jeder Wissenschaftler weiß (und jeder wissenschaftsinteressierte Laie sollte wissen), dass unser wissenschaftliches Weltbild nicht vollständig und soweit auch nicht vollständig korrekt ist. Das ist aber mitnichten gleichzusetzen mit einem Ansatz, <em>wir könnten nicht wissen, was eigentlich ist oder was die nächste wissenschaftliche Revolution morgen bringen werde.</em> Es mag das Bild, das wir uns über die Natur machen, nur eine Näherung sein oder eine Erzählung in für uns verständlicheren Begriffen; es mögen sich auch die aufgestellten Zusammenhänge ändern. Aber wir haben ein Maß dafür, wie groß diese Änderungen sein mögen, weil mit dem heute erreichten, quantifizierten Wissen unsere Technik und, in noch größerer Auflösung, unsere Messungen reproduzierbar funktionieren.  Das beweist uns nicht, dass wir ein vollständig korrektes Bild der Welt haben. Aber wir wissen, auf welchen Größenordnungen unser Weltbild funktioniert und zuverlässig ist. An dieser Zuverlässigkeit wird sich nichts ändern, solange nicht die Natur selbst sich ändert. [2] Aber auch, wenn wir neue Zusammenhänge finden oder einen übergeordneten neuen Interpretationsrahmen, wenn wir Missverständnisse bereinigen und Fehler aufdecken: es ändert nichts an der Aussagekraft der heute bekannten Zusammenhänge auf der heute funktional beherrschbaren Größenordnung.</p>
<p style="text-align:justify;">Will man als Skeptiker an als wissenschaftlich verbreiteten Positionen Kritik üben, beweist man nur seine eigene Unzulänglichkeit, wenn man dies über einen Ansatz versucht, der so tut, als wüsste Wissenschaft im Grunde <em>nichts sicheres</em> und alles könnte auch <em>ganz anders</em> sein. Die Kernfrage, das berechtigte Zweifeln, muss sich um die quantitativen Unsicherheiten kümmern und darum, wie sicher diese abgesteckt sind, und ein auch berechtigtes Infragestellen muss quantitativ argumentieren. Alles andere ist leer und in der Konsequenz von geschmäcklerischen Vorlieben kaum zu unterscheiden. In der wissenschaftlichen Auseinandersetzung führt an der Quantifizierung kein Weg  vorbei, weder auf der einen, noch auf der anderen Seite. [3]</p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;"><strong>Wer das nicht versteht, ist, so unfair es scheint, weder Wissenschaftsphilosoph noch Skeptiker.</strong> Er ist Obskurantist, Möchtegerntheoretiker oder gleich Leugner. Er mag auch öffentlich durchaus Eindruck machen, weil in der Berichterstattung über Wissenschaft fast nie Zahlen vorkommen oder erwähnt werden. Zur wissenschaftlichen Diskussion trägt er nichts bei.</p>
<p style="text-align:justify;">Und jemand, der sich selbst mit den Zahlen beschäftigt und wissenschaftlich arbeitet, wird den Teufel tun und seinen Kritikern Wissenschaftsgläubigkeit vorwerfen &#8212; wenn er gemein sein will, nennt er die Position des anderes &#8220;unwissenschaftlich&#8221;.</p>
<p style="text-align:justify;">&#8220;Wissenschaftsgläubig&#8221; ist dagegen ein reiner Vorwurf derjenigen, die selber wissen, dass ihnen die eigentlich wissenschaftlichen Argumente schon ausgegangen sind.</p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">[1] <span style="color:#808080;">Quantifizierbarkeit im Sinne, eine Quantität, also Größe oder Menge angeben zu können. Was nicht gemeint ist, ist das zwar begrifflich verwandte Wort Quantelung &#8212; eine Quantifizierung stellt hingegen schon die Gewichtsangabe auf dem Beutel Mehl dar (oder die Zahl der Brötchen, die man bestellt), mit Quanten und Quantenphysik hat das so nichts zu tun.</span></p>
<p style="text-align:justify;">[2] <span style="color:#808080;">Was man, wenn man alle Möglichkeiten bedenken will, nicht vollständig ausschließen kann; wohl kann man sagen, dass dieselben Gesetze wohl im von uns erkennbaren Raum relativ sicher vor sich hin werkeln und wir nur Kenntnis über Zusammenhänge haben können, die für uns beobachtbar sind. Auch hier gilt natürlich: wer behauptet, dies sei eine Schwäche von Wissenschaft, ist insoweit unehrlich, als der er seine eigene, ungleich größere Ahnungslosigkeit nicht eingesteht und durch unbelegtes Vermuten und Behaupten überspielt.</span></p>
<p style="text-align:justify;">[3] <span style="color:#808080;">In der Grundlagenforschung gibt es manchmal Streit um Phänomene, für die noch keine Zahlen vorliegen, anhand derer man die Ansichten bewerten kann, und die Diskussion erscheint darum vordergründig anders; bei genauerem Hinsehen wird man aber feststellen, dass es auch da darum geht, schließlich Begriffe und Zusammenhänge zu finden, die dann falsifizierbar und quantifizierbar sind &#8212; und dass erst diese Überprüfung den Streit entscheiden kann.</span></p>
<p style="text-align:justify;">(Teil 2 beschäftigt sich mit Technikgläubigkeit und den Grenzen dessen, was man Wissenschaft glauben sollte: mithin vielleicht tatsächlich vorkommende Wissenschaftsgläubigkeit)</p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Nachgetreten (ii) -- David Hume über Schalker Evangelisten]]></title>
<link>http://kamenin.wordpress.com/2008/06/22/nachgetreten-ii-david-hume-uber-schalker-evangelisten/</link>
<pubDate>Sun, 22 Jun 2008 10:15:08 +0000</pubDate>
<dc:creator>kamenin</dc:creator>
<guid>http://kamenin.wordpress.com/2008/06/22/nachgetreten-ii-david-hume-uber-schalker-evangelisten/</guid>
<description><![CDATA[Heute: David Hume über Marcelo José Bordon, Marcio Rafael Ferreira de Souza genannt Rafinha, Kevin D]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p style="text-align:justify;">Heute: <strong>David Hume</strong> über <strong>Marcelo José Bordon</strong>, <strong>Marcio Rafael Ferreira de Souza </strong>genannt<strong> Rafinha</strong>,<strong> </strong><strong>Kevin Dennis Kurányi</strong>, <strong>Andreas Müller </strong>und<strong> </strong><strong>Josef Schnusenberg</strong>, den <a href="http://kamenin.wordpress.com/2008/06/22/religion-zum-wochenende-2-falscher-glaube-im-richtigen/">predigenden Kopfballopfern</a> (unter besonderer Ausleihe der Tolan-Dambeck-Hypothese, dass Fußball ja nur Zufall sei)</p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">&#62;&#62; <em>Im selben Verhältnis, da eines Mannes Lebensweg dem Zufall unterworfen sei, finden wir allezeit, dass damit auch sein Aberglaube ansteigt, wie im Besonderen bei Spielern und Seeleuten beobachtet werden kann, die, obgleich aus dem ganzen Menschengeschlecht am wenigsten zur ernsthaften Reflexion fähig, sich im größten Übermaße durch leichtfertige und abergläubische Besorgnisse hervortun. (&#8230;) So nun alles menschliche Leben, zumal vor der Etablierung von Ordnung und tüchtiger Regierung, den zufälligsten Unfällen unterliegt, ist es ganz natürlich, dass Aberglaube an jedem Ort zu barbarischen Zeiten vorherrscht und Männer auf die allerernsteste Untersuchung der unsichtbaren Mächte drängt, welche ihr Glück und ihr Unglück lenken.</em> &#60;&#60;</p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:right;"><strong>David Hume, <em>A Natural History of Religion</em></strong> (1757)</p>
<p style="text-align:right;">
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Lakeland, Todd Bentley und Deutschland Erwache, pardon, Deutschlands Erweckung]]></title>
<link>http://kamenin.wordpress.com/2008/05/22/lakeland-todd-bentley-und-deutschland-erwache-pardon-deutschlands-erweckung/</link>
<pubDate>Thu, 22 May 2008 11:16:00 +0000</pubDate>
<dc:creator>kamenin</dc:creator>
<guid>http://kamenin.wordpress.com/2008/05/22/lakeland-todd-bentley-und-deutschland-erwache-pardon-deutschlands-erweckung/</guid>
<description><![CDATA[Man sehe sich die Videos hier an, insbesondere den empfohlenen Ausschnitt des ersten und das absolut]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p style="text-align:justify;">Man sehe sich die Videos <a href="http://www.jfrs.de/storch/blog/wordpress/2008/05/16/lakeland-prophezeiungen-uber-deutschland/">hier</a> an, insbesondere den empfohlenen Ausschnitt des ersten und das absolut sehenswerte zweite. Dann verfolge man die von studiert-theologischer Seite als kritisch bezeichnete Auseinandersetzung <a href="http://www.brunner24.com/lakeland-erweckung-was-ist-dran">hier</a>, vor allem in den Kommentaren, die <a href="http://theolounge.wordpress.com/2008/05/18/wunderheilungen-durch-evangelisation-todd-bentley/">indifferente</a> <a href="http://theolounge.wordpress.com/2008/05/20/heilen-wie-jesus-todd-bentleys-heilungen/">Beliebigkeit</a> und, so man dann noch Lust hat, auch noch <a href="http://blog.omegalive.ch/?p=3">das</a>.</p>
<p style="text-align:justify;">Zumeist wohl alles von halbwegs normalen, vermutlich auch nicht dummen oder ungebildeten Leuten. Setzte man die in ein Schulzimmer und ließe sie einen historischen Aufmarsch analysieren, einen Reichsparteitag, die Sportpalastrede; dann könnten die vermutlich einigermaßen schlüssige Sätze über die Verführbarkeit der Masse, Gruppendynamik, Propaganda und das Herbeisehnen von Autorität und Führung formulieren, würden das alles ganz bedenklich finden und im intellektuellen Überschwang gar noch warnend und mahnend dickflüssige Betroffenheit aufs Papier tröpfeln.</p>
<p style="text-align:justify;">Sobald aber einer <em>Jesus</em> schreit anstelle von <em>Deutschland</em> oder gar noch über Jesus <em>und</em> Deutschland &#8212; dann ist es vorbei. Dann hofft man, dass an der Clownsshow irgendwas dran sei, das echt ist. Dass hysterisch sich windende Laienprediger mehr über die metaphysische Realität  der Botschaft aussagen als feucht-geschwitzt kreischende BDM-Groupies. Dass Begeisterung für die Sache und ihre Vertreter mehr beweist, wenn man <em>Halleluja</em> ruft, nicht <em>Heil</em>. Dass der Jubel mehr Anspruch hat als bei einem Fußballspiel oder Konzert oder Parteitag, weil man sich doch so viel mehr bemüht hat, sich lächerlich zu machen, weil es bestimmt wahr wird, wenn man nur fest genug daran glaubt.</p>
<p style="text-align:justify;">Nur <a href="http://www.youtube.com/watch?v=xp6l59mZojM">Zarah Leander</a>, die wird einfach im Soundtrack verbleiben, während man sich ansonsten wundert, wie jemand zwischen Deutschland Erwache und Deutschlands Erweckung überhaupt Parallelen ziehen kann; von dem einen wissen wir doch, dass es schlecht, von dem anderen, dass es gut ist. Unverschämtheit, überhaupt Ähnlichkeiten zu suchen.</p>
<p style="text-align:justify;">Religion verwirrt, Fundamentalismus verblödet; und vielleicht besteht die größte Gefahr gelebter Religion darin, dass man irgendwann zu verwirrt ist, um der zweiten Feststellung noch zustimmen zu können. Weil man in Wirklichkeit doch neidisch ist &#8212; auf die Verblödung der Fundamentalisten, für die das alles noch echt ist, was man selbst sich so mühevoll ins Hirn beten muss. Der Übergang ist leider fließend, und beginnt schon da, wo man nicht mehr von Hysterie sprechen kann, weil man auch <em>charismatisch</em> zur Verfügung hat. Wer Religion sagt, aber Magie meint, soll sich nicht anschließend in Theologie flüchten.</p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">Der neuerliche Fokus auf Lakeland, der Wunderheilungs- und der Erweckungs-Hype  verdienen weder besonderer Aufmerksamkeit noch Ereiferung; das geht von allein wieder weg, wie alle Prophezeiungen zuvor auch. Belanglosigkeit und Banalität des Weltbild rechtfertigen noch nicht mal Spott und Hohn. Eigentlich gibt&#8217;s dafür nur einen Kommentar: den man leider nicht mehr machen oder verlinken darf, der aber mal als &#8220;Hitler Leasingvertrag&#8221; durchaus viral durchs Netz zog.</p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:center;">
<p style="text-align:center;">
<p style="text-align:justify;">Ja, liebe Lakeland-Fans &#8212; so ähnlich kommt euer neues Idol und eure neue Bewegung hier rüber. Vielleicht hat Jesus ja genug schwarzen Humor. Aber vielleicht fühlt er sich von euch inzwischen auch hammermäßig verarscht.</p>
<p style="text-align:justify;">Viel Spaß beim Jüngsten Gericht.</p>
<p style="text-align:center;">
<p style="text-align:center;">
<p style="text-align:center;">
<p style="text-align:center;">
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Fremdschämen für die Wissenschafts-Pressekonferenz]]></title>
<link>http://kamenin.wordpress.com/2008/05/19/fremdschamen-fur-die-wissenschafts-pressekonferenz/</link>
<pubDate>Mon, 19 May 2008 08:19:38 +0000</pubDate>
<dc:creator>kamenin</dc:creator>
<guid>http://kamenin.wordpress.com/2008/05/19/fremdschamen-fur-die-wissenschafts-pressekonferenz/</guid>
<description><![CDATA[Die Wissenschafts-Pressekonferenz bezeichnet sich selbst als Berufsverband der Wissenschaftsjournali]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p style="text-align:justify;">Die Wissenschafts-Pressekonferenz bezeichnet sich selbst als Berufsverband der Wissenschaftsjournalisten, und bitte: wenn man ein ganzes Berufsbild öffentlich demontieren wollte, hätte man theoretisch mit so einer Plattform natürlich alle Möglichkeiten dazu. Nur mal so als Gedanke.</p>
<p style="text-align:justify;">Damit thematisch nicht verwandt: Wie <a href="http://kritischgedacht.wordpress.com/2008/04/19/jenseitige-quantenphsiker/#comment-388">Ulrich Berger</a> gerade gefunden hat, gibt&#8217;s bei der WKP eine neue <a href="http://www.wpk.org/de/literaturempfehlungen/die-geheime-physik-des-zufalls.html">&#8220;Rezension&#8221;</a> des Froböse-Klassikers <em>Die Geheime Physik des Zufalls</em>. Autor des &#8220;Textes&#8221;, der &#8220;u.a. auf Exklusivauszügen aus dem gerade erschienen Buch&#8221; basiert, ist Vlad Georgescu, Mitverfasser von Büchern wie &#8220;Die Medizinmafia&#8221; und &#8220;Die Joghurt-Lüge&#8221;, der sich hier mal mit Quantenphysik beschäftigt oder zumindest den Anschein erweckt. Und auf Herrn Georgescus eigener Seite findet sich auch &#8220;exklusiv&#8221; das nach eigenem Bekunden von ihm mit Froböse geführte <a href="http://www.lifegen.de/newsip/shownews.php4?getnews=m2008-03-30-4217&#38;pc=s01">Interview</a>, das fast identisch bei <em>wissenschafts-news</em> (&#8220;Journalist Ernst Probst (&#8230;) sprach exklusiv mit&#8230;&#8221;), <em>Readers Edition</em> (&#8220;von Redaktion ReadersEdition&#8221;), <em>ExtremNews</em> (&#8220;von Thorsten Schmitt&#8221;, &#8220;Nun stand er der Redaktion von ExtremNews für ein Interview bereit&#8221;) und <em>OnlineZeitung24</em> (&#8220;von oz24 für OnlineZeitung24&#8243;) erschienen ist. [1] Das ist das Interview, in dem Froböse ausführen durfte, in je leicht abgeänderten Formulierungen:</p>
<blockquote>
<p style="text-align:justify;">So wird beispielsweise nicht mehr ausgeschlossen, dass das Herabfallen eines Bildes von der Wand und der zeitgleiche Tod eines nahen Verwandten auf einem physikalischen Effekt basiert, der aus dem Verschränkungsprinzip der Quantenmechanik abgeleitet werden kann.</p>
</blockquote>
<p style="text-align:justify;">Das fanden die verschiedensten Interview-Partner von Froböse allesamt eher gruselig. Ich find&#8217;s ja eher nicht gruselig, sondern anders.</p>
<p style="text-align:justify;">Es ist der letzte Absatz dieser neuen &#8220;Rezension&#8221;, die in keinem Wort andeutet, sich auf das vollständige Buch zu beziehen, der im Grunde alles sagt: über das Buch und die Rezension.</p>
<blockquote>
<p style="text-align:justify;">Dass sich Religion und Wissenschaft dadurch gegenseitig nicht ausschließen, sondern leichter im Einklang bringen lassen, begreift der Leser schnell &#8211; und versteht, warum gerade Physiker meistens tief gläubige Menschen sind. Denn die Frage nach dem Ursprung dieser quantenmechanischen Phänomene kann niemand beantworten &#8211; auch Autor Froböse nicht. Gerade das macht aber das Werk letzten Endes aus: Es bleibt sachlich, und entzaubert den Glauben an das Übernatürliche, indem es physikalische Belege liefert, dass das Übernatürlich existieren muss.</p>
</blockquote>
<p style="text-align:justify;">Gerade Physiker tief gläubige Menschen&#8230; Willkommen in der Parallel-Phantasiewelt. In der es auch geht, Phänomene zu erfinden (Tod beeinflusst Bild), die quantenmechanisch zu nennen und aus dem nicht erklärbaren Ursprung dieser behaupteten Phänomene auf das Übernatürliche und Religiöse zu schließen. Physikalische Belege, &#8220;dass das Übernatürlich existieren muss&#8221; &#8212; nur, weil man verschiedene wissenschaftlich klingende Begriffe zu einem grammatikalisch korrekten Satz einbauen kann&#8230; Man kann so etwas gar nicht mehr sinnvoll kritisieren, weil es in die inhaltliche Leere zurückfällt, sobald man verstehen will, was da steht: ein physikalischer Beleg für die Existenz des Übernatürlichen&#8230;</p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">Das alles, wie gesagt, auf der Seite der <em>Wissenschafts-Pressekonferenz</em>, Berufsverband für Wissenschaftsjournalisten.</p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">[1]<span style="color:#808080;"> Verlinken werd ich das alles nicht mehr, die Zitate sind ja ordnungsgemäß gekennzeichnet. Insbesondere Ernst Probst ist da faszinierend, hat das auf mehreren seiner für mich nicht mehr überschaubaren Zahl von <em>Blogger</em>-Blogs veröffentlicht, zwischen denen er fröhlich seine Texte hin und her schiebt, und dazu noch auf <em>pressemitteilung.ws</em> und wer weiß, wo sonst noch.</span></p>
<p style="text-align:justify;">Wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Themenkomplex Quantenverschränkung -&#62; <a href="http://kamenin.wordpress.com/2008/04/28/einfuhrung-in-quantenphysik-verschrankung-und-die-lugen-der-esoterik/">hier</a>.</p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;"><strong>Nachtrag:</strong> <span style="text-decoration:line-through;">Inzwischen hat die WPK, vermutlich auf Nachfrage von Beatrice Lugger, den entsprechenden Artikel vom öffentlich erreichbaren Teil ihres Netzes genommen.</span> Stimmt alles nicht, der Artikel wurde <a href="http://kamenin.wordpress.com/2008/05/26/quantenphanomene-sind-mein-schicksal-noch-mal-zur-wpk/">nur verschoben</a>.</p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Frank J. Tipler vergeht sich an Physik und Christentum, mal wieder]]></title>
<link>http://kamenin.wordpress.com/2008/05/18/frank-j-tipler-vergeht-sich-an-physik-und-christentum-mal-wieder/</link>
<pubDate>Sun, 18 May 2008 16:31:10 +0000</pubDate>
<dc:creator>kamenin</dc:creator>
<guid>http://kamenin.wordpress.com/2008/05/18/frank-j-tipler-vergeht-sich-an-physik-und-christentum-mal-wieder/</guid>
<description><![CDATA[Wie als Illustration, warum man Wissenschaft und Religion strengstens trennen sollte, kommt mal wied]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p style="text-align:justify;">Wie als Illustration, warum man Wissenschaft und Religion strengstens trennen sollte, kommt mal wieder ein neues Buch von Frank J. Tipler daher: <strong>Die Physik des Christentums. Ein naturwissenschaftliches Experiment.</strong></p>
<p style="text-align:justify;">Nun habe ich von Tipler, der um Himmels Willen nicht mit <a href="http://www.amazon.de/Physik-Paul-Tipler/dp/3860251228/ref=sr_1_2?ie=UTF8&#38;s=books&#38;qid=1211119844&#38;sr=8-2">diesem Tipler</a> verwechselt werden sollte, vor ewigen Zeiten zu Beginn meines Studiums schon <strong>Die Physik der Unsterblichkeit: Moderne Kosmologie, Gott und die Auferstehung der Toten</strong> gelesen. Wie gesagt, erste Semester und kaum mehr Ahnung von Physik, als das, was es ich im Physik-Grundkurs gelernt hatte. Trotzdem war selbst für den Studienbeginner nach wenigen Seiten keine Frage, dass das Buch keinerlei Wert hat: ganz sicher nicht wissenschaftlich, aber auch nicht theologisch, philosophisch oder sonst irgendwie. Den Rest der 400 Seiten habe ich nur gelesen in der Hoffnung, dass Tipler vielleicht irgendwann wieder zu Sinnen kommt oder wenigstens eingesteht, dass das alles mit Physik oder wissenschaftlichem Argumentieren nichts zu tun hat.</p>
<p style="text-align:justify;">Die Argumentation, und das neue Buch scheint die noch auszubauen, ging damals schon ungefähr so. Mensch erzeugt intelligente Maschinen. Intelligente Maschinen verbreiten sich im gesamten Universum. Universum zieht sich wieder zusammen. Intelligente Maschinen bauen Universum gegen Ende des Kollapses um. Am Rande der entstehenden Singularität entsteht ein Bereich subjektiver Ewigkeit. In dem werden eine unendliche Anzahl von Universums-Simulationen gestartet.</p>
<p style="text-align:justify;">Das war&#8217;s. Ehrlich. Die &#8220;Auferstehung der Toten&#8221; und das &#8220;Ewige Leben&#8221; bestehen darin, dass wir als Teil unendlicher Simulationen auch immer irgendwie und irgendwo mitsimuliert werden und darum in alle Ewigkeit in allen denkbaren Situationen weiterleben. Wie Tipler die Kurve kriegt, diese Phantastereien dann wieder mit der christlichen Vorstellung und Dogmatik überein zu bringen, ist fast schon faszinierend; wenn auch vermutlich mehr vom pyschologischen als vom naturwissenschaftlichen oder theologischen Standpunkt aus.</p>
<p style="text-align:justify;">Das eigentlich Traurige ist aber, dass Tipler die ganze Zeit von Beweisführung schreibt und davon, dass es eigentlich unabwendbar so kommen muss &#8212; wenn, ja wenn man nur ein paar Annahmen über die Natur des Universums voraussetzt. Zum Beispiel als erstes: dass das Universum von solcher Art ist, dass das alles auch wirklich möglich ist.</p>
<p style="text-align:justify;">Das ganze ist ein auf 400 Seiten ausgewälzter Zirkelschluss, ein fröhliches Behaupten und Selbstvergewissern. Dazu gibt&#8217;s ein bisschen Quantenverdummung (Wellenfunktion als Heiliger Geist), Laientheologie (Wiederkehr und Unsterblichkeit in den Religionen) und so weiter und was nicht alles. Ein reines Machwerk im wissenschaftlichen Gewand. Eine Beleidigung nicht nur an wissenschaftliches Argumentieren, sondern sogar an die Theologie, die hier nicht etwa unterstützt, sondern vielmehr negiert wird.</p>
<p style="text-align:justify;">Vielleicht ist das einzige, das noch trauriger ist als das Buch selbst, die Tatsache, dass man für so einen Schund tatsächlich Herausgeber findet, die das alles drucken und als Sachbuch bewerben. Markttechnisch ist es allerdings bestimmt nicht das Dümmste, eine Nachfrage, religiösen Blödsinn endlich mal wissenschaftlich untermauert dargestellt zu sehen, gibt es offensichtlich, auch wenn im Endeffekt sowohl dem Blödsinn wie der Physik Gewalt angetan werden muss.</p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">Und dazu passt dann auch, wie <a href="http://www.wissenslogs.de/wblogs/blog/relativ-einfach/zweifelhaftes/2008-05-18/tipler-physik-des-christentums-spektrum-direkt">Markus Pössel</a> von <em>Relativ Einfach</em> gefunden hat, dass man den Schund in <em>SpektrumDirekt</em> auch noch <a href="http://www.wissenschaft-online.de/artikel/952937">positiv besprechen</a> lässt. Pössel fragt nach Qualitätskontrolle, ich frage mal allgemeiner: ohne dem Autor der Rezension zu nahe treten zu wollen, aber warum, in Gottes Namen, lässt man einen Diplomgeografen und Fotografen ein pseudowissenschaftliches Physikbuch besprechen? Und ihn gar noch eine &#8220;Expertenbewertung&#8221; abgeben? Wieso fühlt der sich überhaupt dazu berufen? Nur jemand, der mit der Physik nicht vertraut ist, kann zu solchen Aussagen kommen wie:</p>
<blockquote>
<p style="text-align:justify;">Tipler dagegen steht klar auf der rationalen Seite des Erkenntnisgewinns.</p>
</blockquote>
<p style="text-align:justify;">Ich erspare mir die vermutlich nicht ohne Verärgerung ablaufende Detailbesprechung der Rezension, an der so ziemlich gar nichts stimmt, weder die dargestellte Physik, noch die Bewertung. Wenn einem zu einer Darstellung, wie sich Jesu vorgebliche Auferstehung ernsthaft und &#8220;naturwissenschaftlich&#8221; als &#8220;Baryonenvernichtung&#8221; [1] inklusive Neutrino-Schnickschnack erklären ließe, nur einfällt&#8230;</p>
<blockquote>
<p style="text-align:justify;">In diesem Abschnitt wird besonders deutlich, dass es in der Physik vor allem die Quantenmechanik ist, deren bahnbrechenden und kontinuierlich neuen Erkenntnisse revolutionäre Erklärungsansätze und Denkweisen erlaubt.</p>
</blockquote>
<p style="text-align:justify;">&#8230; dann liest sich das ähnlich kenntnislos wie die Auslassungen esoterischer Räuchermütterchen über <em>The Secret</em>. Ehrlicherweise sollte man einfach zugeben, keine Ahnung zu haben von der Physik, die da missbraucht wird, und nicht so tun, als könne man das Buch vom wissenschaftlichen Standpunkt aus beurteilen. Man tut sich selbst keinen Gefallen damit, wenn man seine Begrenzungen dann öffentlich und so offensichtlich unter Beweis stellt.</p>
<p style="text-align:justify;">Warum ausgerechnet <em>SpektrumDirekt</em> so etwas veröffentlicht und damit ihre Leser dazu bringt, Geld für sich nur ganz oberflächlich christlich gebende Esoterik rauszuwerfen, muss der Spektrum-Verlag und die zuständige Redakion selbst wissen. Vielleicht sollte man in punkto Wissenschaftsjournalismus mal wieder die Betonung auf Wissenschaft und weniger auf Journalismus legen.</p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">[1] <span style="color:#808080;">Gemeint ist wohl eher Zerfall, das klingt aber auch nicht so aktiv wundertätig.</span></p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Wider die undeutsche Geistlosigkeit: zum 75. Jahrestag der Bücherverbrennungen]]></title>
<link>http://kamenin.wordpress.com/2008/05/10/wider-die-undeutsche-geistlosigkeit-zum-75-jahrestag-der-bucherverbrennungen/</link>
<pubDate>Sat, 10 May 2008 09:41:31 +0000</pubDate>
<dc:creator>kamenin</dc:creator>
<guid>http://kamenin.wordpress.com/2008/05/10/wider-die-undeutsche-geistlosigkeit-zum-75-jahrestag-der-bucherverbrennungen/</guid>
<description><![CDATA[Am 10. Mai 1933 brannten in deutschen Städten die Scheiterhaufen, auf denen da erst mal nur Bücher l]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p style="text-align:justify;">Am 10. Mai 1933 brannten in deutschen Städten die Scheiterhaufen, auf denen da erst mal nur Bücher lagen. Ausgegangen war die Aktion von nationalsozialistisch dominierten Studentenverbänden und bildete Höhepunkt und Abschluss der einen Monat vorher begonnenen <em>Aktion wider den undeutschen Geist</em>. In einer fast schon vorbildlichen Marketing-Aktion wurde damit die Zensur erst als deutsch und dann noch als geistvoll definiert. In Berlin fand das alles auf dem heutigen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bebelplatz">Bebelplatz</a> statt, wo heute auch das Mahnmal in die Erde eingelassen ist, aber insgesamt gab es im Rahmen der Aktion etwa <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCcherverbrennung_1933_in_Deutschland">70 Bücherverbrennungen</a> in fast allen größeren deutschen Städten.</p>
<p style="text-align:justify;">Nun mag jeder für sich selbst entscheiden, ob er das zum Anlass nimmt, sich heute bei Gelegenheit mit einem undeutschen Buch in die Sonne zu setzen. Ich will das auch nicht zum Anlass nehmen, noch mal darzustellen, wieso bald Menschen brennen, wo doch erst Bücher und so weiter&#8230; Wer das nicht versteht oder verstehen will, soll sich anderswo weiterbilden oder ein anderes Blog lesen. Als Wissenschafts-Kultur-Blogger will ich in dem Zusammenhang lieber darauf hinweisen, dass Wissenschaft nichts von der Kultur Losgekoppeltes ist. Im Zentrum der Bücherverbrennungen standen natürlich Schriftsteller, aber die Aktion war nur Ausdruck eines Generalangriffs auf geistige Unabhängigkeit, und in Folge kamen immer mehr Wissenschaftler und die Forschungsfreiheit an sich in den Fokus der Säuberungen.</p>
<p style="text-align:justify;">Schon an den Scheiterhaufen des Jahres 1933 wurde Sigmund Freud diffamiert, und während man der Psychoanalyse heute beliebig die fehlende, weil unerreichbare Verankerung im Empirischen oder den literarischen Ansatz vorwerfen mag, wäre es absurd, nicht die auch wissenschaftliche Bedeutsamkeit der Werke anzuerkennen. Dass die Gleichschaltung der Gesellschaft natürlich zuvorderst auch in die Gesellschaftswissenschaften getragen wurde, die Geschichtsschreibung, die Soziologie, Literatur- und Kunstwissenschaften, versteht sich schon von selbst. Kritische Historiker und Soziologen wurden ebenso aus den Ämtern entlassen wie ihre Schriften verboten, die Institute wurden wie die Bibliotheken gesäubert.</p>
<p style="text-align:justify;">Aber auch Naturwissenschaften wurden nicht verschont. In den <a href="http://www.library.arizona.edu/exhibits/burnedbooks/documents.htm">Richtlinien für Büchereien</a> findet sich 1935 zwischen zu zensierender Geschichtswissenschaft und Kunsttheorie bereits in der Aufzählung nicht mehr zu verbreitenden Gedankenguts:</p>
<blockquote>
<p style="text-align:justify;">Schriften weltanschaulichen und lebenskundlichen Charakters, deren               Inhalt die falsche naturwissenschaftliche Aufklärung eines primitiven               Darwinismus und Monismus ist (Häckel).</p>
</blockquote>
<p style="text-align:justify;">Wie vorher unbedeutende Schriftsteller angesichts verbotener Konkurrenz und staatlicher Förderung ihre Chance witterten und sich im Gegenzug von Tucholsky die Bezeichnung &#8220;kleine Provinznutten der Literatur&#8221; einfingen, so entstand eine ähnliche Bewegung auch in den naturwissenschaftlichen Instituten, insbesondere in den physikalischen, wo eine Lücke durch die Entlassung der jüdischen und &#8220;jüdisch-stämmigen&#8221; Wissenschaftler entstanden war. Angetrieben von den Nobelpreisträgern Philipp Lenard und Johannes Stark entstand die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Physik">Deutsche Physik</a>, eine an sich unbedeutende, revisionistische Bewegung mit fast schon Newtonschem Weltbild, die sich auch, um noch mehr ihm Rahmen der Partei aufgehen zu können, auch als Arische Physik bezeichnete.</p>
<p style="text-align:justify;">Die Deutsche Physik scheiterte, natürlich, weil Naturwissenschaft aus einer Weltanschauung zu betreiben nicht funktionieren kann, und selbst in der gesäubertern, unter staatlicher Aufsicht ablaufenden Physik der NS-Zeit konnte sie kaum wissenschaftlichen Einfluss gewinnen, wenn auch Vertretern genügend Gelegenheit geboten wurde, Stellen zu besetzen und Studenten mit ihrem Geschwätz zu verdummen. Es ist dabei unerheblich, ob vormals bedeutende Wissenschaftler wie Lenard einfach nur aus Opportunismus und Gewinnstreben gehandelt haben oder aus Überzeugung, tatsächlich wissenschaftliche Erkenntnis zu vertreten. Es ändert an der Schäbigkeit nichts, wissenschaftlich vertretbare Gegenpositionen durch Berufung auf Weltanschauung, persönliche Lieblingsvorstellungen oder Politik am liebsten aus den Instituten verbannt zu wissen.</p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">Wissenschaft funktioniert nur in einer liberalen Gesellschaft. Es ist kein Angriff auf die Weltanschauung anderer, wenn Wissenschaft darauf besteht, dass Politik, Nationalität, Religion und Persönliches an sich aus dem wissenschaftlichen Diskurs rauszuhalten sind, sondern es ist die eine unumgehbare Notwendigkeit, um überhaupt einen wissenschaftlichen Diskurs führen zu können.</p>
<p style="text-align:justify;">In einer Gesellschaft, die Bücher verbrennt und Gedanken zensiert, wird Wissenschaft bestenfalls gegen diese Widerstände erfolgreich sein können. Andernfalls wird sie einfach scheitern.</p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;"><strong>Quellen und Weiterführendes.</strong></p>
<div style="text-align:justify;">Wikipedia <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCcherverbrennung_1933_in_Deutschland">Bücherverbrennung</a>, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Physik">Deutsche Physik</a></div>
<div style="text-align:justify;">Universität von Arizona, <a href="http://www.library.arizona.edu/exhibits/burnedbooks/indexpage.htm">When Books Burn</a></div>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[There ain't no cure for love]]></title>
<link>http://kamenin.wordpress.com/2008/05/03/there-aint-no-cure-for-love/</link>
<pubDate>Sat, 03 May 2008 12:05:35 +0000</pubDate>
<dc:creator>kamenin</dc:creator>
<guid>http://kamenin.wordpress.com/2008/05/03/there-aint-no-cure-for-love/</guid>
<description><![CDATA[Religion hat zu so ziemlich allem was zu sagen. Insofern sind wir uns sehr ähnlich. Möglicherweise g]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p style="text-align:justify;">Religion hat zu so ziemlich allem was zu sagen. Insofern sind wir uns sehr ähnlich. Möglicherweise gibt es dennoch Unterschiede, auf die ich hier jetzt nicht eingehen will.</p>
<p style="text-align:justify;">Aber wenn man schon den direkten Draht zu Gott hat und sowieso am meisten von menschlichem Leiden versteht, ist es wohl auch nur naheliegend, medizinische Ratschläge zu geben. Zum Beispiel, was die Zusammensetzung von Impfstoffen angeht. Man hat einfach die <a href="http://calms.umc.org/2008/Menu.aspx?type=Petition&#38;mode=Single&#38;number=409">besseren Argumente</a> (&#62; <em>Submitted Text</em>):</p>
<blockquote>
<p style="text-align:justify;">In Mark 10:13-16, it says, “People were bringing little children to him in order that he might touch them; and the disciples spoke sternly to them. But when Jesus saw this, he was indignant and said to them, ‘Let the little children come to me; do not stop them; for it is to such as these that the Kingdom of God belongs. Truly I tell you, whoever does not receive the kingdom of God as a little child will never enter it.’ And he took them up in his arms, laid his hands on them, and blessed them.”</p>
</blockquote>
<p style="text-align:justify;">Das ist natürlich nur die theologische Begründung für die Qualifikation von Religion, was über Medizin sagen zu können. Jesus liebt Kinder: fragt uns. Dass man sich dann im Folgenden mit Quacksalbern gemein macht, wissenschaftliche Literatur bestenfalls noch sehr selektiv zitiert und sich auf Allgemeinplätze beruft, ist dann egal, Politik machen kann man damit trotzdem. Es ist ja überhaupt schon schändlich, Kindern in irgendeiner Form Gift zu spritzen.</p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">Der <em><a href="http://scienceblogs.com/denialism/2008/04/church_vs_science.php">denialism blog</a></em> rückt was gerade. Aber die Debatte geht in den USA gerade hoch her, auch ohne, dass sich jetzt noch einzelne Kirchen da glauben, sich einmischen zu müssen, und die wird nicht mit der Widerlegung eines Arguments vorbei sein. Das wird uns hier auch noch erwischen, genug impfkritische Foren und Webseiten gibt es schon mit teilweiser beträchtlicher Lesezahl. Da vermischen sich Verschwörungstheoretiker mit Esoterikern und Anhängern so genannter Alternativmedizin. Das ist in den möglichen Auswirkungen ernster anzusehen als die belanglosen, weil abseitigen Quantenphantasmen kreativer Menschen.</p>
<p style="text-align:justify;">Spieltheoretisch ist Impfung in einer individualisierten Gesellschaft nun mal in einer eher komplizierten Situation. Und dann kommen noch die ganzen psychologischen Effekte, wenn wirklich mal was passiert, ob durch die Impfung oder auch einfach nur nach einer Impfung. Plötzlicher Kindstod macht angst. Warum auch sowas mit Gottes Willen erklären, wenn man auch einen depperten Wissenschaftler beschuldigen kann. Vielleicht zeigt sich wenigstens da noch, was man tief drinnen selbst auch nur für hiflosen aber tröstenden Aberglauben hält.</p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;"><strong>Add</strong>: deutsche Beiträge zur Impfdebatte gibt es beim <a href="http://assistenzarzt.wordpress.com/2008/04/03/masern-ein-paar-fakten/">Assistenzarzt</a>, <a href="http://www.scienceblogs.de/weitergen/2008/04/masernepidemie-in-osterreich.php">WeiterGen</a>, <a href="http://www.scienceblogs.de/planeten/2008/04/kinderkrankheiten-sind-ja-sooo-ungefahrlich.php">Hinterm Mond gleich links</a> und dem <a href="http://blog.esowatch.com/index.php?itemid=35">EsoBlog</a>.</p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
</div>]]></content:encoded>
</item>

</channel>
</rss>
