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	<title>rebellen &amp;laquo; WordPress.com Tag Feed</title>
	<link>http://en.wordpress.com/tag/rebellen/</link>
	<description>Feed of posts on WordPress.com tagged "rebellen"</description>
	<pubDate>Sat, 05 Dec 2009 05:43:23 +0000</pubDate>

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<title><![CDATA[Die Montagskolumne # 71 BERLIN]]></title>
<link>http://djdeutschland.wordpress.com/2009/11/29/die-montagskolumne-71-berlin/</link>
<pubDate>Sun, 29 Nov 2009 16:53:04 +0000</pubDate>
<dc:creator>djdeutschland</dc:creator>
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<description><![CDATA[BERLIN BERLIN, ICK LIEBE DIR. DU STINKST MAL DA, DU STINKST MAL HIER. DIE GANZE WELT LIEGT DIR ZU FÜ]]></description>
<content:encoded><![CDATA[BERLIN BERLIN, ICK LIEBE DIR. DU STINKST MAL DA, DU STINKST MAL HIER. DIE GANZE WELT LIEGT DIR ZU FÜ]]></content:encoded>
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<title><![CDATA[Die Vertreibung der Vertreibung]]></title>
<link>http://djdeutschland.wordpress.com/2009/11/27/die-vertreibung-der-vertreibung/</link>
<pubDate>Fri, 27 Nov 2009 12:30:52 +0000</pubDate>
<dc:creator>djdeutschland</dc:creator>
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<description><![CDATA[RandPop Nach dem &#8216;No&#8217; muß das &#8216;Yes&#8217; kommen, nach der Null die Eins. Nicht nu]]></description>
<content:encoded><![CDATA[RandPop Nach dem &#8216;No&#8217; muß das &#8216;Yes&#8217; kommen, nach der Null die Eins. Nicht nu]]></content:encoded>
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<title><![CDATA[Die Montagskolumne  # 70  Orange Armee Fraktion ]]></title>
<link>http://djdeutschland.wordpress.com/2009/11/23/die-montagskollumne-70-orange-armee-fraktion/</link>
<pubDate>Mon, 23 Nov 2009 12:43:31 +0000</pubDate>
<dc:creator>djdeutschland</dc:creator>
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<description><![CDATA[Ein weiters Beispiel unseres Verständnisses von &#8216;Demokratie&#8217;. Karzei der Wahlfälscher un]]></description>
<content:encoded><![CDATA[Ein weiters Beispiel unseres Verständnisses von &#8216;Demokratie&#8217;. Karzei der Wahlfälscher un]]></content:encoded>
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<title><![CDATA[Der Tag als Conny Wessmann starb]]></title>
<link>http://djdeutschland.wordpress.com/2009/11/19/der-tag-als-conny-wessmann-starb/</link>
<pubDate>Thu, 19 Nov 2009 21:47:29 +0000</pubDate>
<dc:creator>djdeutschland</dc:creator>
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<description><![CDATA[www.goest.de Conny war ein sehr schönes Mädchen und sie arbeitete in der Déjà Vu Bar gleich bei uns ]]></description>
<content:encoded><![CDATA[www.goest.de Conny war ein sehr schönes Mädchen und sie arbeitete in der Déjà Vu Bar gleich bei uns ]]></content:encoded>
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<title><![CDATA[95 Thesen]]></title>
<link>http://djdeutschland.wordpress.com/2009/10/31/95-thesen/</link>
<pubDate>Sat, 31 Oct 2009 10:41:50 +0000</pubDate>
<dc:creator>djdeutschland</dc:creator>
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<description><![CDATA[Martin Luther 1. Da unser Herr und Meister Jesus Christus spricht &#8220;Tut Buße&#8221; usw. (Matth]]></description>
<content:encoded><![CDATA[Martin Luther 1. Da unser Herr und Meister Jesus Christus spricht &#8220;Tut Buße&#8221; usw. (Matth]]></content:encoded>
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<title><![CDATA[Der Größte]]></title>
<link>http://djdeutschland.wordpress.com/2009/10/30/der-groste/</link>
<pubDate>Fri, 30 Oct 2009 03:00:43 +0000</pubDate>
<dc:creator>djdeutschland</dc:creator>
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<description><![CDATA[1974 war ich gerade mal elf, aber ich wußte schon wer der Größe ist. Ich kannte Don King, ich wußte ]]></description>
<content:encoded><![CDATA[1974 war ich gerade mal elf, aber ich wußte schon wer der Größe ist. Ich kannte Don King, ich wußte ]]></content:encoded>
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<title><![CDATA[2.]]></title>
<link>http://treibholzengel.wordpress.com/2009/10/27/2/</link>
<pubDate>Tue, 27 Oct 2009 20:52:17 +0000</pubDate>
<dc:creator>angelusnovusphilosophie</dc:creator>
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<description><![CDATA[An einem warmen Freitag im Frühsommer am Ende der elften Klasse saßen am Schwentine-Steg am Wehrberg]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>An einem warmen Freitag im Frühsommer am Ende der elften Klasse saßen am Schwentine-Steg am Wehrberg an die 20 Jungen, tranken Bier aus Dosen und lauschten dem Kassettenrekorder, den ein Palestinenserschal vor der aufsteigenden Feuchtigkeit der Badestelle schützen sollte. Als die Musik verstummte legte Jojo, der einzige andere Junge aus Neumeiers Deutsch-Leistungskurs, die legendäre „Zechersette“ in das Tapedeck ein und war sich dabei des Wohlwollens der Runde sicher, da diese Zusammenstellung von Rockklassikern sie schon so oft begleitet hatte, dass die meisten der Jungen trotz ihres zarten Alter von 17 Jahren in Nostalgie versanken, wenn diese Lieder erklangen.</p>
<p>Ein paar Wochen zuvor hatte Jojo Jona gebeichtet, dass er in der gesamten Stufe Elf noch keine der Deutsch-Lektüren ganz gelesen habe. Da Jojo über eine gesunde Auffassungsgabe und ausreichend Intelligenz verfügte, hatte er sich eher schlecht als recht, aber ohne wirkliche Katastrophen mit allerlei Tricks und Sekundärliteratur durch die Hausaufgaben und Klausuren gemogelt. Jona hatte ihn damals davon zu überzeugen versucht, dass es sich lohnen würde, die Bücher selbst auch einmal zu lesen und ihm empfohlen, einfach immer bei „Beavis and Butthead“ in der Werbepause den Ton wegzudrehen, um dann ein wenig zu lesen. Als der Kassettenrekorder lief und Phil Anselmos kaputte Stimme über den See hallte, reichte Jojo Jona ein neues Bier aus seinem Rucksack und erzählte ihm von dem durchschlagenden Erfolg der „Beavis and Butthead“ –Taktik. Da er dadurch wirklich einige Seiten gelesen hatte, war er zu der für ihn schon beinahe sensationellen Einsicht gelangt, der zufolge „Johnny Goethe“ eigentlich ein recht cooler Macker gewesen sein musste, obwohl Jojo die Sache mit dem ollen Pudel nicht ganz hatte einordnen können. Jona gab daraufhin zu bedenken, dass er auf diese Weise trotz allem den Faust nicht würde bewältigen können, da „Beavis and Butthead“ nur dreimal in der Woche ausgestrahlt werde und es ja nur jeweils einen Werbeblock gab. Weil Jojo aber ansonsten nichts im Fernsehen anschaute und sie somit keine weiteren Sendungen ﬁnden konnten, auf die sie das Werbeblockleseprinzip hätten anwenden können, stieß Jona wenigsten mit ihm auf den neuen Adel Goethes an.</p>
<p>Ansonsten gingen Tage wie dieser träge vorbei und abgesehen von der Tatsache, dass der Himmel immer interessanter zu schwanken begann, passierte nicht wirklich viel. Ein paar Mal hatten sie dort am See ein Saufturnier veranstaltet. Ein Team aus zwei Leuten musste dabei eine Palette halbe Liter Dosen so schnell wie möglich austrinken und die beiden Schnellsten gewannen den eigens gebastelten Schulten-Cup Pokal. Jona selbst hatte nie daran teilgenommen, weil er immer viel zu spät in den Park kam, um noch eine Mannschaft gründen zu können, doch als er bei der ersten Promillemeisterschaft in den Park fuhr, bot ihm sich ein kurioses Bild. Weil alle irgendwie schon Probleme bekamen, rannten einige ziellos im Wald herum, um über die sportliche Betätigung wieder Trinkpotential zu erlangen. Er setzte sich dann amüsiert zu denen unter den Pavillon auf der Anhöhe, die es mit dem sportlichen Ehrgeiz nicht so genau nahmen und korrigierte sein spätes Erscheinen durch ein paar Biersprints und verfolgte von dort aus das bizarre Spektakel, dessen Ende dann zwei stolze Sieger erlebte, die ihren gloriosen Triumph aber nur noch auf Knien feiern konnten.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
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<title><![CDATA[5.]]></title>
<link>http://treibholzengel.wordpress.com/2009/10/27/5/</link>
<pubDate>Tue, 27 Oct 2009 20:49:46 +0000</pubDate>
<dc:creator>angelusnovusphilosophie</dc:creator>
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<description><![CDATA[Nach und nach verließen auch alle anderen die Feuerstelle, doch Jona saß in dieser Nacht noch lange ]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Nach und nach verließen auch alle anderen die Feuerstelle, doch Jona saß in dieser Nacht noch lange dort am See, sah wie die im Feuerschein tanzenden Schatten kleiner wurden, dachte an Delia und drückte sich davor aufzustehen, da die Schmerzen bei jeder Bewegung unerträglich wurden. Irgendwann raffte er sich aber doch mühsam auf, überzeugte sich davon, dass Jojos selbstgebaute Krücken zwar irgendwie einen eleganten Eindruck hinterließen, seine Rippen jedoch durch das Aufstützen nur noch stärker belasteten und ging dann langsam ohne sie nach Hause. Als er an der alten Turnhalle vorbeiging, musste er an dieses Schülertheaterstück denken, in dem er ein paar Jahre davor einen Soldaten des Cyrano de Bergerac gespielt hatte.</p>
<p>Obwohl die Rippen immer noch schmerzten, kletterte Jona vom Weg am hohen Bahndamm durch den Knick und sah durch die Deckenfenster in die dunkle Halle. Die hochgezogenen Basketballkörbe warfen Schatten auf die leere Empore und als Jona den Bühnenvorhang sah, musste er wieder daran denken, dass der Hauptdarsteller bei Cyrano mit seiner übertrieben langen, angeklebten Nase sogar noch viel dämlicher ausgesehen hatte als Gerard Depardieu im Film. Jona hatte die ganze Zeit darauf gewartet, dass das Ding einmal abfallen würde, aber stattdessen hatte er dann mit seinen Soldaten den Anfang des dritten Aktes verschlafen, da sie in der Pause im Regieraum Bier getrunken hatten. Normalerweise wäre der regieführende Lehrer wohl noch rechtzeitig mit hochrotem Kopf hinter der Bühne aufgetaucht und hätte sie mehr oder weniger unauffällig auf die Bühne geprügelt, aber da der Raum am anderen Ende der Halle lag, hatten sie dann, als die Lichter schon angegangen waren, den Belagerungsring vor Heras rennend vom Zuschauerraum aus betreten müssen, um sich dann sofort schlafen zu legen, da in dieser Szene Cyrano einsam vor den schlafenden Soldaten zu dichten begann. Natürlich waren sie im Nachhinein auf nichts so stolz gewesen wie auf diesen verpatzten Auftritt und den Spruch über das lausige Benehmen der Soldaten heutzutage, den Cyrano spontan in seinen laufenden Text eingebaut hatte.</p>
<p>Jona dachte daran, wie seltsam ihm diese geschwollene Sprache damals vorgekommen war und wie albern und realitätsfern die Balkonszene auf ihn gewirkt hatte. Er hatte damals nicht wirklich an die magische Wirkung von Liebesversen auf dafür empfängliche Frauen glauben können, und dass sie wegen ein paar gepﬂegter Zeilen eine Nase wie diese tolerieren würden, hatte ihm nur ein müdes Lächeln abringen können. Allerdings hatte er auch damals schon gewusst, dass er ansonsten nicht die geringste Ahnung davon hatte, was denn Mädchen außer Ähnlichkeit mit Brad Pitt sonst beeindrucken würde.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
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<title><![CDATA[15.]]></title>
<link>http://treibholzengel.wordpress.com/2009/10/27/15/</link>
<pubDate>Tue, 27 Oct 2009 20:40:20 +0000</pubDate>
<dc:creator>angelusnovusphilosophie</dc:creator>
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<description><![CDATA[Die Welt rang also mit der Katastrophe, seit Jona vom Meer zurückgekehrt war, kämpfte um Stärke, ver]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Die Welt rang also mit der Katastrophe, seit Jona vom Meer zurückgekehrt war, kämpfte um Stärke, verlor sich aber immer wieder in der Trostlosigkeit verdrängter Erinnerungen und erlag trotzdem ab und zu der Hoffnung, es würde dieses eine Mal anders laufen, da es keine anderen Anzeichen für das vielleicht doch nicht Unausweichliche gab, als die Geschichtenlosigkeit des gedanklich erstellten Glücks. Denn auch als Delia in die Schule zurückkehrte und Jona sein Heft zurückgab, sah er weder Hinweise für seine Enttarnung noch für den Zweifel an ihrer Verbundenheit. Er sah nur ihr Lächeln. Er suchte in ihren Augen nach den Spuren von Spott, nach dem Wissen um das vermeintlich so Lächerliche seiner Annäherung und nach der Erkenntnis, dass er für sie eine Gefahr darstellte, weil er sie begehrte. Doch auch als er sie zu seiner Geburtstagsfeier einlud, fand er in ihren kindlich reinen Zügen nichts als Freude. Erst in diesen Momenten der Unsicherheit merkte Jona in vollem Umfang, wie sehr ihn das Künstlertrauma seiner frühen Jugend noch immer gefangen hielt, wie viel Angst ihm das Wort „Dichter“ einﬂößte und wie sehr er sich an die Hoffnung klammerte, dass man nicht verletzt werden könne, wenn die Welt einen nicht kennt.</p>
<p>Als Jona dann auf dem Weg von der Schule nach Hause über all dies nachdachte und ihm klar wurde, wie sehr er immer noch, auch nach all diesen Jahren, gegen diese alte Trostlosigkeit ankämpfte, mischte sich in die Gedanken über Delia, das Gedicht und das Absurde dieses Vergessenen ein überwältigendes Gefühl von Ohnmacht. Er bog ab von der Straße und ging an den zotteligen Galloways vorbei hinunter zum See. Ekliger Schaum bedeckte den sandigen Streifen an der kleinen Badestelle, entlarvte das Gold der Gräser als trügerische Decke über einer überdüngten Erde. Zähe, grüne Schlieren verloren sich im Schilf und die Trockenheit des Sommers hatte die Wiesen zwischen dem See und den Häusern an der Straße ausgedörrt. Die Galloways schlichen über die zertretene Weide, beglotzten den Jungen und schrien vor Hunger. Jona wünschte sich eine andere Welt, um achtzehn zu werden, wünschte, dass die Wildgänse dort bei den Inseln sich nicht schon sammelten und dass es eine Gewissheit darüber gebe, warum sich das ewige Zurückkehren lohnt; die Würdigung dieser Kreisläufe, Sommer, Herbst, Blüte und Tod und die ewigen Versuche, den Sinn zu begreifen und nicht verloren zu gehen. Wie schon so oft erschien ihm der Weg in die Zukunft als Untergang, jeder Schritt als ein verlorener Atemzug, jedes Jahr nur eine Annäherung an die große Einsamkeit. Geburtstage waren die Beweise dieses Sterbens und dafür hasste er sie. In der Nacht vor seinem sechzehnten Geburtstag hatte Jona den Leuten auf der Abschlussfeier einer Freundin so bestimmt und nachlässig lächelnd erzählt, die Uhr würde nicht um zwei Uhr umgestellt werden, sondern um 23.30 Uhr, dass die versammelte Gesellschaft ohne großes Zögern die neuen Gesetze der Winterzeit akzeptierte und er tatsächlich dem Heer von Glückwünschen entging. Als die anderen um ein Uhr alter Zeit und somit eine Stunde zu spät zum Ständchen anheben wollten, hatte Jona sich längst davongeschlichen, reckte alleine in der Nacht sein Bier in den Himmel stieß mit den Worten Neill Youngs „You better burn out before you fade away&#8230;“ mit dem Schöpfer auf ein Jahr weniger Lebenszeit an, auf den Verlust der Jugend und den Trotz des Rock`n Roll.</p>
<p>„Hey, hey, my -y, rock`n roll will never die&#8230;.”</p>
<p>Die Galloways glotzten und die Sonne umspielte träge werdend das Waldstück auf der anderen Seite des Sees. Der Sommer erstarb in diesem matten, kraftlosen Licht und trotzdem erinnerte noch nichts an die Ankunft des Herbstes. Der See faulte in zuviel gereifter Blüte, die Bäume hielten noch ihre Blätter zurück, und der Wind kräuselte die grünen Schlieren nur ganz leicht. Jona fühlte sich alt und heimatlos in diesem jahreszeitenlosen Raum. Er blickte verloren auf den gelb verkrusteten Schaum vor seinen Füßen. Alles in ihm glich auf einmal so sehr diesem sterbenden Sommer, dass er es kaum aushielt. Die milchigen Strahlen der Sonne spiegelten sich im See als entblößtes Gespenst seiner Zuversicht, und alles andere war Verlorenheit. Es war der Freitag vor seinem achtzehnten Geburtstag, und die Welt ächzte vor grauer Müdigkeit, während der Wind allen Glauben verwehen konnte wie ein Kartenhaus und Delias Gesicht wie ein Relikt aus längst vergessenen Träumen über dem See hing.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[16.]]></title>
<link>http://treibholzengel.wordpress.com/2009/10/27/16/</link>
<pubDate>Tue, 27 Oct 2009 20:39:40 +0000</pubDate>
<dc:creator>angelusnovusphilosophie</dc:creator>
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<description><![CDATA[Jona verwandelte sich also wieder in diesen Alien, probte in der Schule weiter das Spiel mit den Mas]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Jona verwandelte sich also wieder in diesen Alien, probte in der Schule weiter das Spiel mit den Masken und schlich doch oft zu schwach für Maskerade und mit gesenktem Kopf die Bänke ab, da er Delias Blicke fürchtete und in ihren Augen nicht doch lesen wollte, dass sie sein Spiel durchschaute. In Chemie saß sie 50 cm von ihm entfernt, streifte ihn mit ihren Haaren, beugte sich oft ﬂüsternd zu ihm hinüber, so dass er manchmal ihren Atem spürte, er ihr Lächeln sah und ihre Schönheit seine gespielte Gleichgültigkeit zerfror.</p>
<p>Um sich abzulenken und weil ihm wieder so langweilig war, las er im Chemiebuch die hinteren Seiten bis Frau Soffel die falschen Buchillustrationen auf seinem Tisch bemerkte. Da sie ihre Autorität unterwandert sah, verbot sie Jona vorauszulesen und stellte sich im Folgendem alle fünf Minuten panisch und lustig zuckend auf die Zehenspitzen, um Jonas Chemiebuch zu überprüfen. Doch weil sich die endlosen Sekunden bis zum Klingeln wie Schrauben in sein Hirn bohrten und Frau Soffel Jonas Argument, ihm sei langweilig, mit den Worten abtat, er könne sich ja dann einfach mehr am Unterricht beteiligen, provozierte er sie und schlug so lange immer andere Seiten als gefordert auf, bis Frau Soffel ihm schließlich dafür jedes Mal eine Fünf im Mündlichem gab.</p>
<p>Der Kurs drehte sich dann immer um und er sah in die weiblichen Anstandsgesichter der ersten Streberreihe, in denen die Schadenfreude in dicker Schminke von den Wangen blätterte und die den Überﬂieger mit verdienter Häme für seine Arroganz bestraften, während Delia immer mehr von ihm abtrieb und ihm abermals kein Mittel blieb, um vor der Frage ﬂüchten zu können, ob Delia ihn erkannte, ob sie seine Bühne längst sah und ob sie dann zu ihm stand oder ob er sie verlieren würde, wenn Ahnung ihn erst entlarvte.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[17.]]></title>
<link>http://treibholzengel.wordpress.com/2009/10/27/17/</link>
<pubDate>Tue, 27 Oct 2009 20:38:59 +0000</pubDate>
<dc:creator>angelusnovusphilosophie</dc:creator>
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<description><![CDATA[Erst das sagenhaft Chaotische von Jonas Geburtstagsparty gab der Sache mit Delia wieder eine Richtun]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Erst das sagenhaft Chaotische von Jonas Geburtstagsparty gab der Sache mit Delia wieder eine Richtung. Schon nachmittags traf Markus bei Jona ein. Durch seine Doppelrolle als DJ und Barkeeper bekam er für diesen Abend den Ehrentitel DJMC Henkel, obwohl er sonst eigentlich auf der Betitelung Dr. Gehirnﬁck bestand. Auf einer Rainbow-Fahrt nach Prag hatte Markus eine ca. 25 Jahre ältere Dame trotz seines relativ zarten Alters damit beeindrucken wollen, dass er sich ihr als Dr. Markus Henkel, Facharzt für Gehirnﬁck und Fickologie vorstellte. Da die Dame eher dem Inbegriff einer Thekenfregatte geichkam, als sich ihrem Alter angemessen zu verhalten und den trunkenen Scheinmediziner mit Geringschätzung zu strafen, ließ sie den Doktor tatsächlich ein wahres Feuerwerk medizinischer Fabelschweinereien entfachen. Noch nach drei Stunden erläuterte er Einzelheiten seiner koitalen Entfernungsüberwindungstaktik und wärmte die reife Siggi damit schließlich so sehr auf, dass sie in den dunklen Weiten des Busses mit Markus Nachbarn abstürzte. Leer ausgegangen begnügte sich der Doktor ganz wissenschaftlich damit, die Vollsperrung der Toilette dadurch zu umgehen, dass er in den mobilen Mülleimer pinkelte und sich dabei unverhohlen mit dem Busbegleiter unterhielt, der ahnungslos vorne gerade einen Vortrag über die Sehenswürdigkeiten der Stadt Prag hielt.</p>
<p>Obwohl man den Doktor also ohne Gewissensbisse als Vollchaoten bezeichnen konnte und man manchmal ernsthaft an seinem Verstand zweifelte, absolvierte er zu dieser Zeit verantwortungsbewusst und gewissenhaft seine Lehre zum Altenpﬂeger und bekam immer nur dann Probleme mit seiner Arbeitsmoral, wenn ihm wieder ein Patient im Arm wegstarb und er den emotionalen Stress verzweifelt durch volltrunkene Fickologievorträge kompensierte. Er gab vor jeder Party vorbildlich sein alltagsgestresstes Gewissen an der Garderobe ab und sorgte manchmal ganz alleine für das abendliche Showprogramm.</p>
<p>An diesem Tag suchten Jona und Markus in dem hinteren, schon seit langem in gewisser Weise unbenutzten Teil des Schnapsregals nach geeigneten „Totmachern“, um der Party die nötige Leichtigkeit zu geben; um der umjubelten Zahl achtzehn eine Verbindung zu ermöglichen zu der Unsicherheit in Allem und zu den halb verfallenen Wegen zu Delia. Sie fanden dann auch neben zwei Flaschen Friesengeist, Slibovitz, verstaubten Strohrumpullen und akkurat ekligem Cognac noch eine Flasche Whiskey aus dem Jahre Jonas Geburt 1976, die kurioserweise ein Etikett von der Stiftung Warentest mit dem Prädikat „gut“ auszeichnete. Mit dem Segen des deutschen Qualitätsempﬁndens und in diebischer Vorfreude auf die Spezialverwöhnung ahnungsloser Cocktailfreunde drapierte der Docktor die Flaschen unter dem improvisierten Tresen und verzauberte gleich darauf die ersten ahnungslosen Gäste mit einem verboten hochprozentigen Friesengeistgemisch.</p>
<p>Als dann Delia eintraf, pulsierte das Leben schon in jeder Ecke und Jona kam kaum zur Tür durch, um sie zu begrüßen. Es ging ihm blendend, denn der Karneval um ihn herum versteckte seine Nervosität besser als jede Maske. Mit einer Flasche Sekt stieg er über apathisch an der Wand sitzende Sportzigarettenfreunde und ein knutschendes Menschenknäuel, überreichte Delia und ihrer Freundin die Flasche, stieß mit ihnen kurz an und musste dann auch schon wieder auf die Straße eilen, da ein Kollege aus seiner Fußballmannschaft alle diejenigen vermöbeln wollte, die ihn respektlos „Bauer“ genannt hatten. Mit ausgefahrenen Landsmannsfäusten stand er mit seinen drei Treckerkollegen vor der Gegenseite, verlangte „Landwirt“ genannt zu werden und betonte nach der gelungenen Beschwichtigung gegenüber Jona noch ca. dreihundert Mal, dass er ja schließlich Landwirtschaft studieren würde und das sei ja schon was.</p>
<p>Es gab keine Zeit für Fragen, für Blicke und für den Gedanken an Enttarnung, da das Leben wie eine wilde Welle durch jede Ecke seines Elternhauses fegte. Im Wohnzimmer legte ein ihm völlig unbekannter Junge seine Schuhe auf den Tisch und drohte empört, er würde Jona von seinem Kumpel, dem Gastgeber, rausschmeißen lassen, als eben dieser ihn bat, seine Schuhe besser auf dem Boden zu lassen. In der Küche schlug Marcel, ein offensichtliches Opfer der Spezialcocktails, mit vollkommen leerem, gespenstisch abwesenden Gesichtsausdruck auf den Inhalt des Obstkorbes ein und als Jona ihm vorsichtig das große Küchenmesser aus den Händen wand, schien er ihn nicht mehr zu erkennen. Mit leeren, glasigen Augen sah er ihn an und wankte schließlich zurück in den großen Kellerraum, wo übertrieben laute Metal-Musik das abgedunkelte Zimmer beschallte. Die ebenfalls wankenden Gestalten dort boten ein beunruhigendes Bild, doch auch der Blick des akademischen Zeremonienmeisters vermittelte die unmissverständliche Botschaft, dass er nicht nur gierig nach immer neuen Opfern Ausschau gehalten, sondern seine Rolle als Vorkoster ein wenig zu ernst genommen hatte, da seine roten, verquollen glänzenden Augen auch ihn als Opfer auswiesen. Wie unbeteiligt betrachtete Jona das verrückte Treiben. Auf einmal fühlte er sich wirklich als unerkannter und unverwundbarer Alien, beobachtete Leute, wie sie all ihre Reﬂexe beerdigten, und war die Ruhe selbst, als Delia ihm von hinten auf die Schulter tippte, um sich bei ihm zu verabschieden.</p>
<p>Durch das Chaos und umringt von Gebrüll führte er sie nach draußen, dankte ihr für ihr Kommen und hätte sich in diesem Moment jedes Gefühl und jede Öffnung erlaubt, da um ihn herum die entfesselte Wildnis tobte, er sie als ihr Hausherr beheimatete und somit sogar etwas Ruhiges für sein Gleichgewicht benötigte. Doch er ließ sie mit einem Lächeln ziehen und begleitete sie zu ihrem Auto auf den Wendehammer vor dem Haus, der wie jedes der Zimmer voller Menschen stand, die Jona zum Teil noch niemals zuvor gesehen hatte. Delias Schlussbild verewigte ihn als Gebieter dieses dunklen Gestaltenmeeres und er befand zufrieden, dass nun die Zeit für ein neues Gedicht gekommen sei.</p>
<p>Als er sich wieder zum Haus umwandte, ﬁel ihm Denis vor die Füße, da er es nicht geschafft hatte, auf sein Fahrrad zu steigen und nach zwei wild rudernd gerollten Metern krachend auf den Steinboden der Straße ﬁel. Denis war einer der Klassenbesten, jemand, der Tränen um Zweien vergoss, sich ungefähr immer in der Stunde meldete und danach dann allen mit seinem versuchten aber missglückten Ausgleich im Bad der Menge ziemlich auf die Nerven ging und daher weder eingeladen noch erwünscht war. Doch anscheinend hatte er dazugehören wollen, hatte sich trotzdem auf die Party begeben und so getan, als wäre diese ganze Partysituation für ihn absolut nichts Neues. Jetzt jedoch, um 23.00 Uhr verabschiedete sich der Primus als hilﬂoses Wrack, stand nur mit Mühe von der Straße auf, knallte noch drei weitere Male unter den anfeuernden Rufen der Umstehenden auf die Straße und fuhr schließlich mit ausladenden Schlangenlinien davon. Jona sah ihm nach und betrachtete die halbvolle Bierﬂasche in seiner Hand. Da er bisher fast keine Zeit zum Trinken gefunden hatte, sah er ihn ziemlich nüchtern davonfahren, ging mit vollem Bewusstsein durch entmenschlichte Massen und fragte sich, wie es so weit hatte kommen können.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[19.]]></title>
<link>http://treibholzengel.wordpress.com/2009/10/27/19/</link>
<pubDate>Tue, 27 Oct 2009 20:37:32 +0000</pubDate>
<dc:creator>angelusnovusphilosophie</dc:creator>
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<description><![CDATA[Doch die Welt blieb immer ein Stück Feindesland. Die Hitparade der jugendlichen Anerkennung verdient]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Doch die Welt blieb immer ein Stück Feindesland. Die Hitparade der jugendlichen Anerkennung verdient wie vielleicht keine andere ihrer Art die Bezeichnung schnelllebiges Geschäft, und es gibt wohl auch kaum eine andere Spezies auf diesem Erdball, die sich so sehr durch Gemeinheit auszeichnet wie die der pubertierenden Teenies. Um den täglichen Sticheleien und Hähnenkämpfen Herr zu werden, bemühte sich jeder Kandidat besorgt um sein Punktekonto. Sprüche, die gut ankamen, brachten wertvolle Siege und verliehen einem kurzfristig das Gefühl von Sicherheit, wohingegen echolos in der Runde verhallende Witze und Geschichten schonungslos die eigene Bedeutungslosigkeit vor Augen hielten.</p>
<p>Niemand redete über diese in die junge Welt eingewobenen Positionskämpfe und doch waren sie so allgegenwärtig, dass Jona vor jedem Abschied den perfekten Moment abwartete. Er wollte sauber und unangreifbar die Bühne verlassen, möglichst ohne etwas hervorzurufen, über das man hätte ablabern können, möglichst mit einem Lächeln als Geleitgruß und ohne von zweideutigen Kommentaren auf die Überlegung gestoßen zu werden, dass er vielleicht doch noch die Rolle des Kotzbrockens ausfüllte. Doch so quälend wie die Suche nach einer Lücke im System, nach dieser rettenden Öffnung im Bühnenvorhang auch geriet und so endlos sich die Momente des angespannten Wartens ausdehnten, so unsicher ﬁel dann auch meist Jonas Abgang aus und das Loch über seinem Bett füllte sich wieder mit Geschichten.</p>
<p>Die beste Möglichkeit, um Punkte zu sammeln, bot aber immer noch der Unterricht. Da half sogar das Benotungssystem ihres Physiklehrers. Jonas ältere Schwester hatte bei ihm alle Rekorde gebrochen, hatte mit Hilfe ihres ausgefeilten Karteikartensystems, das alles Wissen gebündelt hatte und ihr auch noch später bei der listengetreuen Beantwortung von Urlaubskarten und der Archivierung von Kochrezepten treue Dienste leistete, ein schier unüberschaubares Heer von Bestnoten auf das Gymnasium losgelassen und hatte dabei wegen ihrer herausragenden Intelligenz und ihrer scharfen Kombinationsgabe meist auch zu allem Überﬂuss noch nett, freundlich und zuvorkommend bleiben können.</p>
<p>Die einzigen grauen Wolken an ihrem ausbalancierten Himmel bildeten auch damals noch ihre prophetische Ahnungen nach absolut jeder Klausur, sie würde diesmal garantiert eine Fünf bekommen, da ihr ja dies und auch das und absolut alles nicht richtig gelungen war. Diese Ahnungen stellten sich immer genauso sicher ein wie die spätere Eins, und so konnte man das periodische Hadern leicht als Kollateralschaden im Umgang mit ihrem Genie abtun, ihr in aller Ruhe dabei zusehen, wie sie eine Klasse übersprang und ihr Abitur mit einem Notendurchschnitt von 1,2 absolvierte. Auf sie war Verlass und ihr Genius Jonas Chance, in ihrem riesigen Schatten durch Nachlässigkeit zu glänzen. Da reichte auch schon der Kommentar des Herrn Bass, als er aus der Klassenliste und der phänotypischen Kongruenz eines vor ihm sitzenden Blondschopfes mit seinem Lieblingssuperhirn die verwandtschaftliche Verﬂechtung ableitete:</p>
<p>„ DIE war gut..“ sagte er nachdenklich und ahnte wohl schon damals, dass dieses vor ihm sitzende Exemplar der Familie Engelau andere Veranlagungen und Verhaltensweisen aufweisen würde. Die Kategorisierung funktionierte also tatsächlich und Herrn Bass regelmäßige Benotungsshow entwickelte sich des Öfteren zur sensationell wertvollen Steilvorlage. Er legte immer die korrigierten Hefte neben sich auf den Tisch, las die Noten in alphabetischer Reihenfolge vor, trug sie dann mit zwei verschiedenfarbigen Schreibern in seinen Lehrerkalender ein und wechselte bei Bedarf vom guten blauen Kugelschreiber zu dem roten Verkünder des Versagens.</p>
<p>Als Jona einmal so richtig den Bock abgeschossen hatte und Herr Bass bei dem Namen Jona Engelau von dem blauen zu dem roten Stift wechselte, pulsierte die Vorfreude förmlich in Jonas Adern. Und er wurde nicht enttäuscht: Bevor Herr Bass Jonas Fünf den Akten zuführte, hielt er ihm einen persönlichen Vortrag über die Vergeudung von Ressourcen, über Chancenverschwendung wegen Faulheit und die Gefährdung seiner Zukunft wegen rüpelhaften Benehmens. Das war Publicity pur, ein Lottogewinn in der täglichen Hitparade und für lange Zeit Jonas ganzer Stolz.</p>
<p>Zudem bevorzugte Herr Bass auch altbewährte Bestrafungsrituale wie beispielsweise das Verbannen von straffälligen Jugendlichen in die Ecken des Klassenzimmers. Auch diese Ecken kleideten einen ganz gut mit dem Charme des Unbraven, und deswegen buhlten sie so sehr um diese Ausstellungsplätze, bis einmal alle Jungen der Klasse nacheinander ihren Platz verlassen und die Ecken wegen Überfüllung geschlossen werden mussten.</p>
<p>Besonders schlimm und gefährlich wurde der Platz des Auserkorenen aber, wenn zeitgleich auch ein Mädchen mit dieser Ehre versehen wurde. Das war uncool, das entlarvte das wenig Verdienstvolle dieser Bestrafung und wie leicht man dahinkommen konnte, da ja sogar Mädchen es dahin schafften, und am liebsten hätten sie unter dem Deckmantel eines Pseudokavaliersgesetz die Bestimmung durchgesetzt, dass Strafarbeiten und dergleichen für Jungen reserviert bleiben sollten.</p>
<p>Ansonsten tranken sie unter dem Tisch verborgenes Bier, wenn der tranige Deutschlehrer sich zur Tafel umdrehte, entdeckten, wie gut die gelben Umschläge der Reclamhefte vor sich hinqualmten, ohne richtig abzubrennen, und vergingen fast vor Freude, als ihr Deutschlehrer mit seiner Brille in der Hand beim Vorlesen immerzu nervös schnüffelte, ohne in seiner Kurzsichtigkeit die Qualmwolke im hinteren Teil des Raums zu bemerken. Irgendwann mündete diese Achterbahn auch schließlich in dem ersten schriftlichen Verweis für Jona:</p>
<p>In der wie üblich chaotischen Deutschstunde weigerte Jona sich, auf seinen Platz zurückzukehren, da er gerade zwei Bänke weiter gegen Ali endlich einmal beim Kartenspielen zu gewinnen schien. Der Direktor war „not amused“, seine Mutter verzweifelte und schimpfte verständnislos, da sie ja nicht wissen konnte, wie sehr einem so ein astreiner Verweis im täglichen Geschäft den Rücken freihielt.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[21.]]></title>
<link>http://treibholzengel.wordpress.com/2009/10/27/21/</link>
<pubDate>Tue, 27 Oct 2009 20:36:09 +0000</pubDate>
<dc:creator>angelusnovusphilosophie</dc:creator>
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<description><![CDATA[Auf Jonas Party, an diesem Abend so viele Jahre später, drehte sich dieses Karussell mit nie gekannt]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Auf Jonas Party, an diesem Abend so viele Jahre später, drehte sich dieses Karussell mit nie gekannter Wildheit und geriet außer Kontrolle. Die Leute der „Pizzamaﬁa“, eine Gruppe älterer Schüler, die fast alle für die örtliche Pizzeria Essen ausfuhren und dabei ﬂeißig mit Drogen dealten, fuhren mit ihren Ford Granadas und Surfbussen vor, versuchten wie selbstverständlich das Grundstück zu betreten und reagierten so ungehalten auf die von Jona organisierte Blockade des Weges, dass die Konfrontation sich irgendwann in einer recht bemerkenswerten Flaschenschlacht entlud. Flaschen ﬂogen durch die Luft mit der Bedenkenlosigkeit fauler Äpfel, zersprangen auf dem Platz vor dem Haus, landeten in den Blumenbeeten neben wild kreischenden Teilzeithooligans und wie durch ein Wunder wurde niemand verletzt. Unter den seltsamen Blicken der Nachbarn fegte Jona danach die Straße, sah wie zwei seiner Freunde den letzten verirrten Fiat Panda der geschlagenen Maﬁagang durch Geschubse und Gerüttel in erhebliche Bedrängnis brachten, bevor es den Verfolgten gelang loszufahren, und begann sich ernsthaft Sorgen zu machen.</p>
<p>Als er dann noch im abgedunkelten Partyraum stand, die verschlossene Tür zum Badezimmer aufgetreten wurde und sein guter Freund Maik direkt vor seinen Füßen landete, verlor auch Jona die Beherrschung. Der Schlüssel steckte von außen und ein Schritt rückwärts und ein zusätzlicher Scheißhandgriff hätten die beschissene Tür aufschließen können, also warum zum Teufel trat Maik die Tür ein und zerschmetterte dabei den ganzen Türrahmen nebst Türschloss? Doch Maik und noch drei weitere Abenteurer hatte in der Sauna neben dem Badezimmer das allseits beliebte Sahara-saufen bei 90 Grad zelebriert und irgendein Scherzheini hatte den Schlüssel abgezogen und die Tür von außen abgeschlossen. Die Musik aber hätte in dieser Lautstärke wirklich halb Marokko beschallen können und so hatte Jona ihre Schreie und ihr Klopfen nicht gehört, obwohl er nur einen Meter von der Tür entfernt gestanden hatte.</p>
<p>Kopfschüttelnd krallte Jona sich den Doktor, entwand ihm eine Flasche Gewissenlosigkeit und begoss seine resignierenden Augen mit blindem Rausch, bis er im Wohnzimmer, abgeschottet von dem Morgen und dem Anblick der sich unaufhaltsam ausbreitenden Zerstörung, mit diesem hübschen Mädchen aus dem Abiturjahrgang abstürzte. Aufatmend küsste dann die wieder gewonnene Leichtigkeit den bemühten Glauben an die Beherrschbarkeit der Dinge und vermählt mit der neuen starken Welt, berauscht durch des Doktors Tränke schwand die Furcht vor dem Verlust: in Jonas Armen keuchte ein Platzhalter der Schönheit, eine Hülle für zukünftiges Glück, und ihre fabelhaften Brüste blieben unnötiger Luxus im erlernbaren Spiel der Leidenschaften. Mit ihr im Arm war er bereit zu verlieren und berauscht von des Glückes zuckenden Hüllen ließ er es paradoxerweise gerade in diesen Momenten zu, dass es tatsächlich nur dieses eine Gesicht für ihn gab.</p>
<p>In den Keller zurückgekehrt präsentierte ihm sich jedoch das Bild eines vollendeten Infernos. Zu Musik, die wahrlich die Hölle anzubrüllen schien, wankten des Doktors Opfer wie Zombies durch den Raum und schmissen tanzend, nach den Regeln einer wirklich seltsamen Choreographie, nacheinander mit ruckartigen, ansatzlosen Bewegungen ihre Gläser rückwärts an die Wand. Scherben ﬁelen zu Boden und gesellten sich zu dem zerbrochenen Schirm der orangefarbenen Stehlampe aus Jonas altem Kinderzimmer. Sein Leben lang hatte diese Lampe zu seiner Welt gehört und jetzt lag sie so sinnlos zerbrochen vor ihm; zertreten von Leuten, die in diesen Momenten wohl nicht einmal die eigene Mutter erkannt hätten. Mit neu erwachtem Nachdruck löste Jona die Party auf, betrachtete dann von dem entleerten Wohnzimmer aus den Gartenstuhlfriedhof aus zertretenen Stühlen auf der von kaltem Mondlicht erleuchteten Terrasse und erkannte, dass dieses wahnsinnige Karussell den Tod brachte und er es stoppen musste; er es nur noch eintauschen wollte, gegen sie, gegen eine besseres Leben – gegen etwas, das er Wahrhaftigkeit nannte.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
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<title><![CDATA[22.]]></title>
<link>http://treibholzengel.wordpress.com/2009/10/27/22/</link>
<pubDate>Tue, 27 Oct 2009 20:35:27 +0000</pubDate>
<dc:creator>angelusnovusphilosophie</dc:creator>
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<description><![CDATA[Am Freitag nach der Party gewährte Jona dem Alkoholkarussell eine Abschlussvorstellung. Er lag neben]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Am Freitag nach der Party gewährte Jona dem Alkoholkarussell eine Abschlussvorstellung. Er lag neben Martin auf dem Dach des Pavillons, die Schule hatte sie alle ein paar Stunden zuvor in die Herbstferien entlassen, die Sonne schien, und mit der seltsamen Nostalgie des noch nicht vollendeten Abschieds genoss Jona den schwerelosen Himmel. Seine Eltern waren ausgeﬂippt nach der Party. In langen Familienkonferenzen hatten müde Elternaugen nach Erklärungen gesucht, nach dem Sohn, den sie zu kennen glaubten und nach dahergelaufenen Normannenbarbaren, auf die man die Schuld hätte schieben können, um nicht zu sehr sehen zu müssen, wie kaputt diese Gesellschaft gut erzogener, normaler Mittelschichtjungen schon war. Sein Vater hatte wütend eine Abkehr von jeglicher Art von Gelage gefordert, doch Jona hatte in seinem Trotz nicht öffentlich dem Ganzen abschwören können, obwohl er es im Stillen längst getan hatte. Der Schaden war, so gut es ging, repariert, Maiks Vater zu vertraulichen Verhandlungen eingeladen worden, und der Versicherungsmann hatte freundlich eine neue Police offeriert, da er die alte leider hatte aufkündigen müssen. In der Schule hatten alle von der Party gesprochen, Jona hatte sich somit das Kostüm des Chaoskönigs weiter schützend ausborgen können, und an diesem Freitag auf dem Weg in den Park hatte er einen Brief an Delia mit einem neuem Gedicht und einer Einladung zum Essen für den darauffolgenden Tag in den Briefkasten an der Schule geworfen. Der anonyme Poet würde also am nächsten Tag wahrscheinlich nicht mehr ganz so anonym sein, da Jona den Brief mit einem durch Grafﬁtischnörkel entstellten J unterschrieben hatte und damit nun glaubte, genug Hinweise gegeben zu haben.</p>
<p>Die Sonne brannte warm auf sein Gesicht, während aus dem Kassettenrekorder ein Lied der „Böhsen Onkelz“ tönte. Begleitet von sanften akustischen Gitarren sang der Sänger mit seiner rauen, kaputten Stimme ein Lied auf sinnlos verschenkte Tage, und Schweigen senkte sich auf die Gestalten, die dort in einer langen Reihe auf dem Pavillondach lagen. Der Wind verwehte nur sanft ihre Haare, die schwarze Dachpappe dampfte an den Rändern des Pavillons über ihren Köpfen leicht säuselnd, und als der Sänger zu singen begann, schloss Jona die Augen.</p>
<p>Ein neuer Tag beginnt,</p>
<p>Auf der Suche nach dem Sinn,</p>
<p>Nach dem Sinn in meinem Leben,</p>
<p>Doch ich kann ihn nicht ﬁnden.</p>
<p>War es das schon, kann das alles sein,</p>
<p>Was kommt danach, wann ist`s vorbei,</p>
<p>Wer kennt die Antwort auf diese Fragen?</p>
<p>Die Tage vergehen, doch nichts passiert,</p>
<p>Nichts ist geschehen, und es rebelliert,</p>
<p>In den Falten meines Hirns in den Ecken meiner Seele.</p>
<p>Wieder mal `nen Tag verschenkt,</p>
<p>Wieder mal `nen Tag verschenkt&#8230;</p>
<p>Ich habe nächtelang gezecht,</p>
<p>mich ins Koma gesoffen,</p>
<p>Oft gezielt, doch nie getroffen,</p>
<p>Ich weiß, wie es ist, der Arsch zu sein.</p>
<p>Wieder mal `nen Tag verschenkt,</p>
<p>Wieder mal `nen Tag verschenkt&#8230;</p>
<p>Die Welt um sie wurde zu warmer Sinnlosigkeit, die sich im Sonnenlicht verlor, und zu der vagen Hoffnung, von irgendwo aus doch beobachtet zu werden. Die Mystik eines noch nicht verstandenen jungen Lebens entstand in dem Glauben an das wertvolle Geheimnis in ihnen allen, und dies alles wurde besungen von der Whiskeystimme des Sängers einer Ex-Naziband. Er sang dumm und einfach, doch an diesen Tagen war es doch das Gedicht ihres jungen Lebens, das über den See hallte und das der restlichen Welt etwas davon erzählte, dass doch nie diese rationalen und empirisch ermittelten Jugendstudien ihnen würden gerecht werden, da sich in dieser Leere in ihnen nur das Bild einer Welt festsetzte, die offen vor ihnen lag und ihnen doch verschlossen blieb. Die Macht, die sie hatten, die Rebellion, lag darin, die Tage zu verschwenden, anstatt sich an eine Vernunft zu klammern, an die keiner von ihnen schon glauben wollte. Die Zukunft war ein Meer aus Möglichkeiten, aufgebahrt in ihren umnebelten Hirnen, und ihre Freiheit bestand darin, sie alle abzulehnen. Sie umkreisten die Tage wegelos und verloren, öffneten an den Wochenenden durch den Rausch die Tür zum Himmel, und wenn auf den Morgenstunden in der Schule dieser Fluch der Entscheidungen lag war es die Ahnung des kommenden Rausches, die alles aushielt; die wusste, dass man allen Fragen, der Langeweile und der Wut würde entkommen können, wenn es, umspielt von Bier und Wein, im Himmel wieder nur diese Freiheit gab, die Heimatlosigkeit war, und die manchmal von dummen Worten einer dämlichen Band so treffend besungen wurden, dass alle Jungen an diesem ersten Tag der Herbstferien nur schweigend und regungslos auf dem Dach neben- einander lagen und dem Lied lauschten.</p>
<p>„Diese barbarische Musik muss man verbieten, sonst ergreift diese Volksverdummung irgendwann auch euch!“, hatte ihr Geschichtslehrer ihnen einmal in gespielter Brüderlichkeit gesagt und hatte anscheinend damit gerechnet, dass das Gymnasium sie wie eine Festung bisher vor allem Verbotenem hatte bewahren können. Doch Jugend war eben ein Stück Rebellion, anstößige Musik immer cool, und außerdem konnte man die Normalität ihrer Elterngeneration am einfachsten dadurch provozieren, indem sie sich selbst ansatzweise mit rechten Insignien umgaben. Fast alle Jungs in Jonas Klasse spielten nach der Schule auf dem Computer nicht nur „Teacher Busters“, bei dem man den Lehrer auf dem Weg von der Schule nach Hause wahlweise mit dem Panzer überrollen, mit dem Maschinengewehr zersieben oder einfach nur in die Luft sprengen konnte, sondern auch das höchst verbotene Spiel „Castle Wolfenstein“. In diesem Spiel musste man zwar Hitler umbringen, doch waren es die SS- Männer und die Figur des Führers, weswegen sich dieses Spiel so großer Beliebtheit erfreute. Jona dachte, dass vielleicht der Reiz des Verruchten einfach in der Bedeutsamkeit des Einzelnen lag, die derjenige manchmal erlangte, wenn er Regeln brach und die Gemeinschaft damit in gewisser Weise zwang, sich seiner anzunehmen. Ein Scheinwerferkegel richtete sich auf ihn, und die Regeln der Gesellschaft buhlten um den Abtrünnigen, während dieser sich immer wieder seine Freiheit ins Gedächtnis rief und die freie Wahl seiner Rückkehr zur Norm in seinem Zögern beschwor. Während die Normalität geschwächt durch den Regelbruch ihre Verletzlichkeit offenbarte, bewies der Ausbruch die Unabhängigkeit des Einzelnen und den Sieg über eine graue Eintönigkeit. Vielleicht traf dies nicht wirklich den Kern der Sachen, vielleicht war dies nur der Erklärungs- oder Verklärungsversuch der Zivilisation für die Tatsache, dass alle Menschen, ein Stück weit Sadisten sind. Jona war in diesem Fall der besten Einschätzung nie wirklich nahe gekommen, da die Diskussionen um Moral immer verlogen geführt wurden und sie den Teilnehmern meist dazu dienten, um die eigene Reinheit zu demonstrieren und die Toleranz und die moralisch gute Gesinnung der Reingewaschenen gleichzeitig dadurch zu verdeutlichen, dass sie andere Leute anklagten und als Gegenbeispiel zu der eigenen Güte aggressiv in die Ecke der Schande drängten. Vielleicht kollidierte dann in solchen Diskussionen oft auch einfach in der Substanz nur Moralismus mit der unreﬂektierten Lebensfreude der Jugend, wie auch Diskussionen über Rassismus mit der Realität zusammenrauschten, wenn sie Rassismus an ausschließlich deutsche Beine hängten, Kriminalität von Randgruppen warnend auf die breite Masse übertrugen und dabei verkannten, dass auch verfeindete Fußballgangs überall auf der Welt sich nur deswegen die Köpfe einhieben, weil die anderen jeweils das falsche Trikot trugen. Jona hatte einmal eine Tante allein durch die Proklamation der These in die Atemlosigkeit getrieben, dass jeder Mensch allein schon deswegen mehr oder weniger zu Rassismus neigen würde, da jede Gesellschaftsschicht Identiﬁkationsgruppen und noch dringender Feindbilder brauchte. Die verachtende oder zumindest wertende Einteilung in Ökos, Kommunisten, Moslems, Juden, Christen, Reiche, Arme, Hippies, Freaks, Asoziale, gute Bürger, schlechte Bürger und die Tatsache, dass brave Familienväter in der Handballhalle oder in Fußballstadien manchmal wie Furien auf anders gekleidete Fans der gegnerischen Mannschaft losgingen, zeigte allein schon, dass gewisse Formen des Rassismus, die man wohl nicht zu Unrecht dessen Wurzeln nennen könnte, fest mit den allgemeinen Mechanismen unseres Zusammenlebens verwoben waren.</p>
<p>„Moralisten wollen rein sein und brauchen krasse Beispiele von Verfehlungen, um die Reinheit ihrer eigenen Seele noch besser darlegen zu können, und reden daher grundsätzlich nur über brennende Asylantenheime, so wie auch Gewohnheitstrinker immer die stärksten Quartalssäufer für die Deﬁnition des Begriffes Alkoholiker heranziehen, obwohl die medizinische Kategorisierung des Begriffes selbst Leute wie mich schon Epsilontrinker nennen würde“, dachte Jona und betrachtete nachdenklich den Löwenkopf, der ihn von dem Etikett seiner Bierdose Marke „Pilsator“ entgegen brüllte. Die Tante hatte damals unter Tränen den Essenstisch verlassen, und Jona hätte sie am liebsten eigenhändig durch die Welt geschleift, um ihr näher zu bringen, dass diese anders ist als die Geschichten, die in ihrem Frauenkreis kursierten und es nicht ausreicht, einfach das im Volkshochschulkurs selbst gefertigte Aquarell-Seidenhalstuch als unreﬂektierten, bunt gereinigten Seelenabdruck der Welt entgegenzuhalten, um sich dann den erhabenen Jubel Gottes automatisch durch ein paar Standardphrasen zu sichern.</p>
<p>Auch bei den beiden Jungen, die im amerikanischen Littleton vor einiger Zeit 12 ihrer Mitschüler erschossen hatten, hatte man genau diese verbotenen Computerspiele gefunden, und alle hatten daran festgemacht, dass die beiden Killer die ﬁnstersten Nazis sein mussten und dass diese Tatsache allein schon alles erklären könne. Jona dachte an seine ehemaligen Mitschüler Phillip. Ein paar Wochen davor hatte er ihn am Busbahnhof wiedergesehen. Er saß im Rollstuhl und starrte mit leerem Blick und schief hängendem Kopf eine Plakatwand an, während ihm Speichel an einem langen Faden aus dem Mund lief. Als Jona ihn so sah, nur noch ein durch Drogen versautes Wrack und im Suff angeschossen von einem Kameraden, musste er traurig daran denken, dass er damals in der zweiten Klasse, als Phillip noch in der Schule neben ihm gesessen hatte, hinter diesen beginnenden Masken der Verzerrung noch das reine Kind in Phillip hatte sehen können. Niemand wird schlecht geboren, doch schon am Anfang der Grundschule geriet das unschuldig Gute in Phillip immer mehr zu einem Schatten hinter Verzweiﬂung, Versagen, lachenden Mitschülern und prügelnden Eltern. Seine Hilfsbereitschaft und das so menschliche Gesicht seiner Traurigkeit verschwanden, der Boden der Normalität entglitt, und aus einem traurig um Anerkennung kämpfenden Kind wurde viel zu früh der prügelnde verlorene Jugendliche. Er blieb sitzen, scheiterte dann immer wieder, ﬁel schließlich völlig durch jedes schulische Raster und schloss sich als perspektiveloses Wrack jeder Gruppierung an, die ihm irgendein Wertgefühl vermitteln konnte.</p>
<p>Doch auch wenn Geschichtslehrer oder Alt-68er mit dem pﬂichtbewusst zur Schau getragenen Weltgewissen tief betroffen immer von dem braunen Bodensatz der Gesellschaft sprachen, von den unverbesserlichen Trägern eines urdeutschen Krebsgeschwürs, traf das Wort absurd das Spiel mit den politischen Gesinnung dieser Gruppierungen viel treffender. Es gab eine Gruppe Leute, die allein schon wegen ihres IQ`s von wohl nicht viel mehr als 85 nicht wirklich politisch sein konnten; die, wie Phillip selbst, auch vollkommen an jeglicher schulischen Laufbahn gescheitert waren, doch deren Reﬂektionshorizont es gerade noch zuließ, sich als Versager zu fühlen, und die verstärkt durch Alkoholikereltern und asoziale Familienverhältnisse mit einer gehörigen Portion Hass auf alles anständige, gesittete und spießbürgerlich „Linke“ durchs Leben liefen.</p>
<p>Auch Phillip galt vor seinem völligen Absturz aus dem Blickwinkel der ahnungslosen Mahnwächter als Musterbeispiel eines Rechtsradikalen, dabei war er nur eine verlorene Seele, die je nach persönlicher Lage und Umgang oft die Seiten wechselte. Bei Leuten wie ihm musste man immer schnell auf die Schnürsenkel seiner Doc Martins Stiefel gucken, um seine derzeitige politische Gesinnung zu erfahren: Weiße Schnürsenkel für die rechte Szene und rot geschnürte Stiefel für die punk-orientierten linken Kampftruppen; entweder drohte Gefahr oder kumpelhafte Verbrüderung, und die Rolle der Politik oder einen urdeutschen Altlastenradar suchte man in diesem Spiel vergebens.</p>
<p>Der Kassettenrekorder spielte jetzt „Nichts ist für die Ewigkeit“, und wieder konnte Jona sich vorstellen, wie der Rest an Mensch in Leuten wie Phillip in diesen dummen Worten in irgendeiner Form genau ihre Wahrheit entdecken konnte und ihnen diese Musik dadurch dann für kurze Zeit eine Identität gab.</p>
<p>Glaubst Du alles, was ich sage,</p>
<p>Glaubst Du, Du weißt, wer ich bin?</p>
<p>Stellst Du niemals Fragen,</p>
<p>Warum wir wurden, wie wir sind?</p>
<p>Denkst du, dass ich nur besoffen bin?</p>
<p>Wie es ist, erfährst du nie.</p>
<p>Fragen über Fragen,</p>
<p>Es ist nicht leicht, uns zu verstehen.</p>
<p>Denken kann nicht schaden,</p>
<p>Vielleicht kannst du die Wahrheit sehen&#8230;</p>
<p>Wer anders war und wer durch sein Scheitern zu etwas anderem hatte werden müssen, der wurde fast immer kriminalisiert, und wenn Kriminalisierung auch nicht mehr ausreichte, musste die Politisierung als Erklärung dienen. Deswegen stürzte sich alle Kommentatoren beinahe freudig auf die Nazi-Symbole der Littleton-Attentäter, um deren Verbrechen zu erklären, obwohl jene doch nur als auswechselbare Plaketten auf ihrer Verstörung klebten. Nazi, Linker, Rechter oder andere Rollenbilder erklärten als Etiketten den Menschen doch nicht und gehörten auch nicht unweigerlich zu ihm, sondern glichen in diesem Spiele mit der Leere einer Welt nur einer zweifelhaften Maskerade, die alles einfacher zu machen schien.</p>
<p>Jona dachte an Delia und an all die verlorenen Tage der Angst. Vielleicht unterschied ihn seine Verlorenheit gar nicht grundlegend von den anderen Auswüchsen der Verstörtheit, die in dieser weiten, seltsamen Welt Leute dazu trieben, von Häusern zu springen, sich mit Drogen schleichend umzubringen oder ganz einfach durchzudrehen und bei der Erstürmung in Tarnhosen und peinlichem Pornobalken im Gesicht ihre Schule wie in einem ganz schlechten Film ihre eigenen Mitschüler zu liquidieren.</p>
<p>„Jetzt auch egal“, dachte Jona, betrachtete wieder die stumm ziehenden Wolkenschafe im Himmel und versuchte, sich so hinzulegen, dass er seinen Körper nicht anheben musste, um aus seiner Dose zu trinken. Es ging ihm jetzt gut, da er wieder mit den Wolken davonﬂog, und wie so oft stellte er euphorisch fest, dass die Welt in der eingetretenen Verklärung wieder schön geworden war.</p>
<p>Die Zeit lief, der Himmel schwankte, und als plötzlich der Ruf des Halslosen von unten erschallte, merkte Jona, dass nicht der Himmel sich bewegte, sondern das Dach des Pavillons. Verwundert und ein wenig verwirrt sah er Martin an, doch als sie vorsichtig über den Rand des Daches herunter sahen, bemerkten sie, dass die gesamte rechte Idiotenhorde sich ihnen unauffällig genähert hatte. Auf dem Rasen unter dem Kriegerdenkmal stand der Halslose mit ein paar der anderen, und unten, nur ein paar Meter entfernt, standen vier der dicksten rechten Glaubenskrieger an den vier Eckpfeilern des hölzernen Pavillon und versuchten, das Dach so sehr in Schwingung zu versetzen, dass die Jungen irgendwann von da oben würden herunterkommen müssen. Stark alkoholisierter Atem keuchte aus ihren Kehlen, und der Halslose brüllte immer wieder drohend zu ihnen hoch. Das Nachmittagsprogramm der arbeitslosen Ersatz-Hitlerjugend nahm langsam wirklich besondere Formen an, obwohl die ganze Konfrontation schon ein paar Jahre zuvor auf ähnliche Weise begonnen hatte. Damals, als die „White Devils“ einmal auf einer Jugenddisko aufgetaucht waren, hatten Jona und die anderen allzu übermütig von der einen Seite des Saals lautstark und gestenreich „Nazis Raus“ skandiert. Nach einer Weile hatte sich einer der ganz fetten Devils direkt neben den improvisierten Chor gestellt, hatte sie mit irrsinniger Miene angesehen und gefährlich grinsend, genüsslich den rechten Arm im Takt schwenkend, mitgegröhlt. Der Dicke galt noch als gemäßigt und antwortete immer auf die Frage seiner gesellschaftlichen Identität nicht wie die anderen, „Ich bin Nazi, ey!“, sondern pochte als einziger seiner Jungs mit Job darauf, dass er weder Nazi, Skinhead noch Rechter, sondern Friseur sei. Trotzdem hatten sie an dem Tag an der versoffen- wahnsinnigen Innbrust seines Gesanges, dem irren Glanz in seinen Augen, seiner im Takt wogenden fetten Wampe und den immer ﬁnsterer werdenden Mienen auf der anderen Seite des Saales deutliche Vorboten drohenden Unheils ablesen können, hatten sich irgendwann wegen durch- aus begründeter sicherheitstechnischer Bedenken aus den schützenden Diskoräumen nach draußen schleichen wollen und waren den wartenden Gestalten nur deswegen auf der Jagd über Hecken und durch Vorgärten entkommen, da die andere Partei den Begriff Sport nur aus den Fankurven der Fußballstadien kannte.</p>
<p>Das Pavillondach unter ihnen wackelte mittlerweile so sehr, dass Jona sein Bier umklammern musste, damit es nicht fortrollte. Simon heulte kreischend von der anderen Seite des Daches, wobei er sich dabei wie ein Indianer beim Angriff immer wieder auf den Mund schlug, und Jojo lachte, grunzte tief im Takt des Geheuls mit und rollte die Unterarme wie ein Affe immer wieder in seine Achselhöhlen. Das Keuchen unten verstärkte sich, leere Bierdosen rollten über das Dach nach unten, doch, obwohl die Holzbalken immer stärker zu knacken begannen, geriet das Schaukelspiel mit dem Pavillon langsam aber sicher immer mehr zur wirklich witzigen Posse. Denn da Alkohol einen ja bekanntlich sorglos werden lässt, standen Jojo und Martin auf, begaben sich auf dem immer heftiger wogenden Dach an zwei der Kanten des Pavillons, sangen fröhlich „Bomberpilot, ich bring euch den Tod“ von den Onkelz und schaukelten von oben ﬂeißig mit. Jona blickte zur Seite und sah Jojos merkwürdig verzerrtes Grinsen, bemerkte die konzentrierte Anspannung in seinem Gesicht und hörte den Pavillon immer lauter knacken, während die Kippe in seinem Mundwinkel immer aufgeregter auf und ab wippte. Langsam beängstigten die bedrohlichen Geräusche auch die schwitzenden Palisadenschüttler unten, und bald danach ﬁel auch ihnen auf, dass sie schlimmer dran wären, wenn der Pavillon tatsächlich zusammenkrachte, da sie auf jedem Fall unter ihm begraben werden würden. Frustriert zogen sie daraufhin ab, und die junge abenteuerliche Welt nannte eine Geschichte mehr ihr eigen, und Euphorie segnete in immer stärkerer Form die Weite des noch jungen Herbsthimmels.</p>
</div>]]></content:encoded>
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<title><![CDATA[Nehmen wir sie beim Wort]]></title>
<link>http://djdeutschland.wordpress.com/2009/10/27/nehmen-wir-sie-beim-wort/</link>
<pubDate>Tue, 27 Oct 2009 10:05:49 +0000</pubDate>
<dc:creator>djdeutschland</dc:creator>
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<description><![CDATA[Westerwelles Mut zur Verantwortung klingt wie Pfeifen im Wald, billig wie ein neues App, das, wenn m]]></description>
<content:encoded><![CDATA[Westerwelles Mut zur Verantwortung klingt wie Pfeifen im Wald, billig wie ein neues App, das, wenn m]]></content:encoded>
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<title><![CDATA[Schweigen ist Blei reden ist Gold]]></title>
<link>http://djdeutschland.wordpress.com/2009/10/16/schweigen-ist-blei-reden-ist-gold/</link>
<pubDate>Fri, 16 Oct 2009 12:02:51 +0000</pubDate>
<dc:creator>djdeutschland</dc:creator>
<guid>http://djdeutschland.wordpress.com/2009/10/16/schweigen-ist-blei-reden-ist-gold/</guid>
<description><![CDATA[Es bedarf keines Goldstone Reports um zu erkennen, daß es sich bei dem weihnachtlichen Morden der is]]></description>
<content:encoded><![CDATA[Es bedarf keines Goldstone Reports um zu erkennen, daß es sich bei dem weihnachtlichen Morden der is]]></content:encoded>
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<title><![CDATA[Minen-Chaos Kongo]]></title>
<link>http://fieldmedia.wordpress.com/2009/10/12/minen-chaos-kongo/</link>
<pubDate>Mon, 12 Oct 2009 14:45:48 +0000</pubDate>
<dc:creator>fieldmedia</dc:creator>
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<description><![CDATA[Ein Expertengespräch bei der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin Anfang Oktober 2009 trug den passend]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p><!-- 		@page { size: 21cm 29.7cm; margin: 2cm } 		P { margin-bottom: 0.21cm } --></p>
<p style="margin-bottom:1px;">
<p>Ein Expertengespräch bei der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin Anfang Oktober 2009 trug den passenden Titel „Land unter im Überfluss“. Das Wortspiel ist wohl ein treffender Titel, bedenkt man, dass die Demokratische Republik Kongo eines der rohstoffreichsten Länder der Welt ist – aber auch eines der ärmsten. Die humanitäre Situation im Osten des Kongos ist katastrophal, eine Lösung der Probleme – trotz des größten stationierten Kontingents an Blauhelmtruppen, das weltweit jemals eingesetzt wurde – scheinbar nicht in Sicht.</p>
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<p>In der rohstoffreichen Region im Osten des Kongo gibt es zahlreiche Minen, in denen Colthan, Zinn und andere Erze abgebaut werden kann. Wird auch getan, meist nur nicht von offiziellen Unternehmen, sondern von Rebellengruppierungen, die ihre Kriegskassen mit der Ausbeutung der Minen füllen um ihre Feldzüge zu finanzieren. Die FDLR (Demokratischen Kräfte für die Befreiung Ruandas &#8211; eine ca. 5000 Mann starke Miliz) besetzte in den vergangenen Jahren zahlreiche Zinnminen. Wie auch andere Rebellengruppen schmuggeln sie die Mineralien über die nahegelegene grüne Grenzen ausser Landes  &#8211; ohne Zölle zu entrichten versteht sich. Die kongolesiche Regierung schätzt, dass so fast 80% der Mineralienexporte illegal die Grenzen passieren. Der Schaden für Regierung und Volkswirtschaft ist groß durch die entgangenen Steuereinnahmen. Doch auch die Regierung spielt in dem Machtgefüge um den Mineralienhandel scheinbar eine unrühmliche Rolle. Die Regierung in Kinshasa ist auch heute, drei Jahre nach den Wahlen bei denen auch deutsche Soldaten zur Sicherung eingesetzt wurden, noch nicht in der Lage, flächendeckend ein funktionierendes Rechtssystem zu installieren. Es gibt ganze Landstriche, in denen es keine öffentliche Verwaltung gibt, geschweige denn Polizei oder Ordnungskräfte. Meist vertreten in der Region sind Regierungssoldaten: so schlecht und unregelmässig bezahlt, dass sie sich alternative Einkommensquellen suchen. Meldungen über Plünderungen und Vergewaltigungen durch Armeeangehörige sind keine Seltenheit. Gerade einmal 40 USD verdient ein Fuß-Soldat im Monat. Der Sold wird oftmals nur sporadisch ausgezahlt. Viele Soldaten nehmen deshalb gerne die Angebote einiger Offiziere an, sich an den Sicherungsarbeiten an den Minen zu beteiligen – für 5-10 USD pro Tag, ein lukratives Geschäft. Für die harten Arbeiten zur Förderung der Erze werden  meist Bewohner aus der Gegend herangezogen. Diese arbeiten in den Minen meist für einen Hungerlohn. „Es gibt Generäle und Offiziere im Kongo, die das Mineraliengeschäft am Leben halten und Profit daraus schlagen. Die Regierung in Kinshasa kennt die Fakten, ebenso ausländische Regierungen und die MONUC.“ so A. Kepel von der International Crisis Group bei dem Berliner Expertengespräch. „Diese Offiziere benutzen die armen Menschen in den Regionen, um sie für wenig Geld die Erze ausbuddeln zu lassen.“</p>
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<p>Im Jahre 2005 belegte die Demokratische Republik Kongo Platz 144 auf der Korruptionsrangliste. Im Jahre 2008 findet sich das Land bereits auf Rang 171 wieder. Korruption herrscht an jedem Grenzposten und in den meisten Verwaltungseinrichtungen. Dieser Umstand erleichtert den illegalen Abbau der Mineralien sowie die illegale Ausfuhr. Der Weg ausser Landes hin zu den Verladehäfen in Tansania wird freigekauft, es findet keine Kontrolle für den Export statt. Die Bergbaupolizei, die es vor einigen Jahren noch gegeben und wenigstens oberflächlich Ordnung gehalten hat in Kongos Minen, wurde von Kinshasa wegrationalisiert.</p>
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<p>Die Regierung in Kinshasa scheint die einzige Lösung zu sein, das Chaos in Kongos Minen zu beseitigen. Doch dazu bedarf es auch den Willen dazu, Erlöse aus dem Mineralienverkauf in die Staatskasse fliessen zu lassen – und nicht in die Taschen weniger Regierungsangestellter.</p>
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<p>Doch auch den internationalen Geberländern wird der Vorwurf gemacht, für die disaströse Situation in den Kivus verantwortlich zu sein. Viel Geld wurde seinerzeit in die Wahlen gesteckt. Doch bis heute stellt sich keines der Geberländer die Frage, was diese Investition für das kongolesische Volk gebracht hat. „Wo steht die Demokratische Republik Kongo heute politisch unter der Führung Kabilas? &#8230;Ist der Kongo ein schönerer Platz zum Leben geworden? &#8230; Die einfachen Leute spüren keine Verbesserungen. Solange niemand mit dem Finger auf Kabila zeigt und mit ihm über Korruption spricht, wird sich nichts ändern.“, so Arthur Kepel von der ICG.</p>
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<p>Die Erklärung, warum sich die internationale Gemeinschaft in Sachen Kritik vor Kongos Regierung lieber in Schweigen hüllt, scheint für A. Kepel geopolitisch erklärbar: „Wenn europäische Länder anfangen für Hilfslieferungen Bedingungen zu stellen, wird sich die kongolesische Regierung vermehrt an die Chinesen wenden – der Einfluss der Europäer würde sich unkontrollierbar verringern.“  China, selbst trotz des rasanten Wirtschaftwachstums in den letzten Jahren immer noch Entwicklungsland, stellt in Sachen Geschäftstransparenz, Schuldenrückzahlung, Demokratieentwicklung und Strukturreformen traditionell keinerlei Bedingungen. Dieser Umstand macht China für ein Land wie der DR Kongo ein Geschäftspartner auf „Augenhöhe“. Andere Geber wie die Europäer, die USA, Weltbank oder der International Währungsfond versuchen es deshalb mit viel Verhandlungsgeschick – nach außen allerdings nur selten erkennbar.</p>
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<p>Um das Mineralienchaos in den Griff zu bekommen engagieren sich vor allem Institutionen wie das International Council on Mining and Metals, einem Dachverband von 18 internationalen Minenunternehmen und das South African Institute for International Affairs – nicht ganz uneigennützig, versteht sich. Als Möglichkeit sehen solche Institutionen die Adaption des Kimberly-Prozesses auf die Mineralienzertifizierung. Das seit 2003 eingesetzte System zur Kontrolle des Diamantenhandels soll die Vermarktung von sogenannten Blutdiamanten verhindern – Herkunftszertifikate sollen Käufern Aufschluss geben, ob die eingekauften Diamanten aus kontrollierter Herkunft stammen und unter kontrollierten Bedingungen abgebaut wurden. Ein ähnliches System liesse sich nach Meinung der Wirtschafts- und Bergbauexperten auch auf den Mineralienbereich in der DR Kongo adaptieren. Dazu bedarf es allerdings einiger Grundvoraussetzungen, die sich derzeit nur schwer realisieren lassen dürften. Zum einen muss der politische Wille der Regierung vorhanden sein. Dieser Wille ist nötig, um die entsprechenden Kapazitäten von Regierungsseite zu stellen, um die beteiligten Parteien wie Verkäufer und Einkäufer im Mineraliensektor zu kontrollieren und Exportgewinne entsprechend in die Staatskasse fliessen zu lassen. Zugleich muss der Staat bereit sein mit der Industrie an dem Zertifizierungssystem zu arbeiten, um es an die landesspezifischen Bedingungen anzupassen. Eine weitere Aufgabe der Regierung wäre es, in den Bergbauunternehmen die Arbeitsbedingungen für die Minenarbeiter zu kontrollieren. Allesamt Aufgaben, die ohne Verwaltungsstruktur und Rechtssystem nur unwahrscheinlich umzusetzen sind – diese Strukturen sind faktisch kaum vorhanden und nicht funktionsfähig im Osten des Kongo.</p>
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<p>Einig sind sich auf internationaler Ebene fast alle: eine zeitnahe Lösung des Problems ist wichtig! Sei es durch eine Mineralien-Adaption des Kimberly-Prozesses – oder durch eigene Initiative der kongolesischen Regierung. Ein wichtiger Prozess nicht nur für die Volkswirtschaft durch Stärkung des Finanzhaushaltes, sondern auch, um den Rebellentruppen in den Regionen den Geldhahn für Waffenkäufe abzudrehen!</p>
<p>Ihr</p>
<p>Daniel Lorenz</p>
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<title><![CDATA[Offener Brief - Betreff: Bernhard-Nocht-Quartier verhindern]]></title>
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<pubDate>Mon, 12 Oct 2009 14:06:02 +0000</pubDate>
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<description><![CDATA[Bild:Patrick Thomas Offener Brief an - die Mitglieder des Bau- und Denkmalschutzausschusses des Bezi]]></description>
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<title><![CDATA[Die Montagskolumne # 64 Wer hat uns verraten]]></title>
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<pubDate>Mon, 12 Oct 2009 09:26:10 +0000</pubDate>
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<description><![CDATA[Joshua Dalsimer Kurz hatten wir geglaubt, man könne sich von der SPD endlich verabschieden und sie d]]></description>
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<title><![CDATA[Kaufdemokratie]]></title>
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<pubDate>Thu, 08 Oct 2009 18:41:39 +0000</pubDate>
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<description><![CDATA[Wenn ich faul und doof nur einen Euro pro Stunde verdiene und du, schlau und fleißig, hundert, dann ]]></description>
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<title><![CDATA[Lieber Herr Rennicke]]></title>
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<pubDate>Fri, 25 Sep 2009 22:35:45 +0000</pubDate>
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<description><![CDATA[Lieber Frank Rennecke! Nur weil ich ALLEN in den Parlamenten vertretenen Parteien auf Twitter folge,]]></description>
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<title><![CDATA[Wir helfen euch da raus]]></title>
<link>http://djdeutschland.wordpress.com/2009/09/25/wir-helfen-euch-da-raus/</link>
<pubDate>Fri, 25 Sep 2009 07:56:04 +0000</pubDate>
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<description><![CDATA[Köhler von Bargen Lieber Markus Schreiber, Andy Grote, Köhler &amp; von Bargen   Bezirksamtsleiters ]]></description>
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<title><![CDATA[Lieber Jürgen Trittin]]></title>
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<pubDate>Wed, 23 Sep 2009 13:55:36 +0000</pubDate>
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<description><![CDATA[Ich war noch ganz grün und in der Szene noch nicht so weit vorgedrungen, um einen &#8216;Mescalero]]></description>
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<title><![CDATA[Mobilmachung]]></title>
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<pubDate>Tue, 22 Sep 2009 08:47:17 +0000</pubDate>
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<description><![CDATA[24. September 2009 17:30 bis 19:00 Ort: Cafeteria der Ganztagesschule St.Pauli, Bernhard-Nocht-Str. ]]></description>
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