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	<title>religionsphilosophie &amp;laquo; WordPress.com Tag Feed</title>
	<link>http://en.wordpress.com/tag/religionsphilosophie/</link>
	<description>Feed of posts on WordPress.com tagged "religionsphilosophie"</description>
	<pubDate>Thu, 24 Dec 2009 17:57:58 +0000</pubDate>

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<title><![CDATA[Über Wissenschaft, Weltanschauung und Lebensführung]]></title>
<link>http://jobo72.wordpress.com/2009/11/14/uber-wissenschaft-weltanschauung-und-lebensfuhrung/</link>
<pubDate>Sat, 14 Nov 2009 08:20:31 +0000</pubDate>
<dc:creator>jobo72</dc:creator>
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<description><![CDATA[Die Lectio Guardini 2009 beginnen am 16. November 2009 mit der Antrittsvorlesung des neuen Guardini-]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p><em>Die Lectio Guardini 2009 beginnen am 16. November 2009 mit der Antrittsvorlesung des neuen Guardini-Professors Jean Greisch. Thema: „Über Nutzen und Nachteil der Weltanschauung für das Leben“. Der Vortrag ist Auftakt zu einer Ringvorlesung, die unter dem Titel „Wissenschaft, Weltanschauung, Lebensführung“ im Wintersemester an der Humboldt-Universität zu Berlin stattfindet.</em></p>
<p>Der neue Inhaber des Guardini-Lehrstuhls, der Luxemburger Jean Greisch, gilt als führender Vertreter der hermeneutischen Phänomenologie. Bei dieser Deutungsmethode geht es darum zu verstehen, dass, wie und warum aus Erfahrungen bestimmte Formen von Verständigung resultieren. Sein dreibändiges Hauptwerk „Le Buisson ardent et les Lumières de la raison“ (2002-2004) gilt als „Monument der Religionsphilosophie“. Jean  Greisch tritt die Nachfolge von Edmund Runggaldier SJ an, der seinerseits vor zwei Jahren den Lehrstuhl von Ludger Honnefelder übernahm. Am 7. Dezember 2009 gibt es noch einmal die Gelegenheit, Professor Greisch zu hören, wenn er über „Das große Spiel des Lebens und das Problem der Weltanschauung“ referiert.</p>
<p>Die Vorträge der Ringvorlesung  „Wissenschaft, Weltanschauung, Lebensführung“ versprechen vielschichtige und aspektenreiche Zugänge zum Thema, die nicht nur einem Fachpublikum eröffnet werden sollen. So verspricht etwa der sehr weit ausgreifende Vortragstitel „Der Mensch als Weltbürger und die heutigen Aufgaben der Philosophie“ (Peter Kemp, 18. Januar 2010) einen Abend, der von großem Interesse für die Allgemeinheit sein dürfte. Der Kopenhagener Philosoph Kemp gehörte als Präsident der „International Federation of Philosophical Societies (FISP)“ zu den Organisatoren des letzten Philosophie-Weltkongresses in Seoul (2008) und beeindruckte schon dort durch eine beachtliche Grundsatzrede zur Rolle der Philosophie in unserer Zeit. Doch auch die Themen der fünf weiteren Vorträge von Günter Abel („Lebenswelt und Wissenschaft“), Laszló Tengelyi („Husserls Traum von der Philosophie als strenger Wissenschaft: Ist der Traum ausgeträumt?“), Matthias Jung („Lebenserfahrung und Wissenschaft – ein pragmatistischer Ansatz“), Peter Reifenberg („Praktische Lebensnähe als intellektuelle Grundhaltung. Maurice Blondel und die ,science de la pratique’“) und Christoph Theobald („Christentum als Lebensstil“) klingen vielversprechend.</p>
<p>Die Vorträge finden im Senatssaal der Humboldt-Universität zu Berlin, Unter den Linden 6, 10099 Berlin statt, jeweils Montags um 18 Uhr. Die Antrittsvorlesung von Professor Greisch am 16. November 2009 beginnt abweichend davon um 19 Uhr.</p>
<p>(Josef Bordat)</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Gott zur Sprache bringen]]></title>
<link>http://jobo72.wordpress.com/2009/10/12/gott-zur-sprache-bringen/</link>
<pubDate>Mon, 12 Oct 2009 08:07:57 +0000</pubDate>
<dc:creator>jobo72</dc:creator>
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<description><![CDATA[Eröffnung des Akademischen Jahres 2009/10 in Berlin Vertreter der Hochschulseelsorge des Erzbistums ]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p><em>Eröffnung des Akademischen Jahres 2009/10 in Berlin</em></p>
<p>Vertreter der Hochschulseelsorge des Erzbistums Berlin, der Katholischen Studentenverbindungen in Berlin und der Katholischen Studierendengemeinde haben gestern das Akademische Jahr 2009/10 festlich eröffnet.</p>
<p>Kardinal Sterzinsky erinnerte in seiner Predigt während des Pontifikalamtes an die Bedeutung der Kirche für die Wissenschaft und die Wissenschaftler. Der Glaube dient als ein Regulativ des Forscherdrangs, gerade heute, wo dieser unser Selbstverständnis als Menschen anfragt und offen moralische Grenzen zu überschreiten droht. Christliche Ethik kann im akademischen Alltag die nötige Orientierung geben, die der Wissenschaftsbetrieb selbst nicht anbieten kann. Sie befähigt zur Horizonterweiterung im Sinne der göttlichen Weisheit. Für den Wissenschaftler bedeutet die Hochschulpartoral in ihrer Vielfalt eine Möglichkeit, Kirche und Kirchlichkeit im Kontext der beruflichen Stellung präsent zu halten. Hier sind insbesondere die Studierendengemeinden Orte des gemeinsamen Glaubenslebens, aber auch die Studentenverbindungen.</p>
<p>Den Festvortrag mit dem Titel „Zwischen Himmel und Erde. Anregungen für einen Berliner Ansatz, Gott neu zur Sprache zu bringen“ hielt der Berliner Religionsphilosoph Thomas Brose, langjähriger Mitarbeiter der KSG Maria Sedes Sapientiae und profunder Kenner der Berliner Kirchenproblematik.</p>
<p>Brose betrachtet die Situation in der „Hauptstadt des Unglaubens“ als Herausforderung für eine Pastoral, die sich an zwei Persönlichkeiten der Berliner Kirchengeschichte des 20. Jahrhunderts orientieren sollte: an Carl Sonnenschein und an Romano Guardini. Während jener im Berliner Arbeitermilieu der 1920er Jahre – Berlin war damals die drittgrößte Metropole der Welt – insbesondere sozial-karitativ wirkte („Kommunisten muss man überflüssig machen!“), hat dieser in protestantischer Umgebung katholisches Denken an die Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität gebracht, die heutige Humboldt-Universität zu Berlin, an der es seit 2005, auch Dank Broses Einsatz in den Jahren nach 1989, eine Guardini-Stiftungsprofessur gibt, die derzeit der Philosoph Edmund Runggaldier SJ inne hat.</p>
<p>Ausgehend von persönlichen Erfahrungen nahm der Referent die Zuhörer mit auf eine Reise an bedeutende Orte Berlins wie Fernsehturm oder Brandenburger Tor, die sich auch theologisch deuten lassen, wie Brose zeigte. Ein ganz spezieller Ort christlicher Kultur wird derzeit in Berlin-Marzahn geschaffen: ein christlicher Garten, an dessen Planung Brose von katholischer Seite beteiligt ist. Patentrezepte könne er nicht anbieten, so der Referent, der seine philosophischen und theologischen Gedanken zur Situation der Kirche in Berlin in dem Buch <a href="http://www.amazon.de/Zwischen-Himmel-Erde-Christ-s%C3%A4kularen/dp/3429028876/ref=sr_1_1?ie=UTF8&#38;s=books&#38;qid=1255332800&#38;sr=8-1" target="_blank">„Zwischen Himmel und Erde: Christ sein in einer säkularen Welt“</a> (Echter, 2007) zusammengefasst hat. Dennoch: Thomas Brose hat Spuren gelegt, die es zu verfolgen gilt.</p>
<p>(Josef Bordat)</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Die Existenz Gottes und die Wissenschaft]]></title>
<link>http://jobo72.wordpress.com/2009/10/09/die-existenz-gottes-und-die-wissenschaft/</link>
<pubDate>Fri, 09 Oct 2009 09:51:52 +0000</pubDate>
<dc:creator>jobo72</dc:creator>
<guid>http://jobo72.wordpress.com/2009/10/09/die-existenz-gottes-und-die-wissenschaft/</guid>
<description><![CDATA[Vortrag, gehalten am 5. Oktober 2009 in der Katholischen  Pfarrgemeinde St. Martin in Berlin-Wittena]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p><em>Vortrag, gehalten am 5. Oktober 2009 in der Katholischen  Pfarrgemeinde St. Martin in Berlin-Wittenau</em></p>
<p><strong>1. Einleitung</strong></p>
<p>Existiert Gott? Diese uralte Menschheitsfrage bekommt heute, in einer Zeit, die von wissenschaftlich-technischer Rationalität geprägt ist, scheinbar eine ganz neue Brisanz. Es gibt nämlich zwei religiöse Kernkonzepte, um die im Moment heftig gerungen wird: die Frage nach der <em>Schöpfung</em> und die Frage nach der <em>Seele</em>.</p>
<p>Die Opponenten der Religion, die sich selbstbewusster denn je aufbauen, zehren bei ihren Antworten von einem ontologischen Naturalismus und vertreten ein Primat der Wissenschaft. In ihrem <em>Szientismus</em> kommt allein wissenschaftlichen Erkenntnissen Vernunft und Wahrheitsanspruch zu. Sie stellen tradierten religiösen Vorstellungen die Forschungsergebnisse der Evolutions- und Neurobiologie entgegen und wollen Glaubensinhalte durch wissenschaftliche Theorien ersetzen. Religion hat sich für sie durch den wissenschaftlichen Fortschritt erledigt; Gott wird nicht mehr gebraucht.</p>
<p>Dagegen bauen sich auf Seiten der Gläubigen <em>Kreationisten</em> und <em>Spiritualisten</em> auf, die jede Naturverbundenheit des Menschen leugnen und eine biblizistische „6-Tage-Schöpfung“ als gegeben annehmen. Sie halten der Wissenschaft die als verbal inspiriert verstandene Heilige Schrift vor und meinen, im Hinblick auf naturwissenschaftliche Fragen in den biblischen Texten eine Konkurrenz zu den Resultaten der Forschung finden zu können. Die Schöpfungserzählung der Genesis wird auf einer gedanklichen Ebene mit Forschungsbeiträgen zur Evolutionsbiologie gelesen. Gott wird damit als Teil der Natur zum Instrument von Erklärungen des „Wie“ innerweltlicher Prozesse, gleichwohl Er auch als Ursache derselben begriffen wird.</p>
<p>Beide Seiten scheinen deutlich machen zu wollen, dass entweder der eigene Standpunkt oder aber der andere „wahr“ ist. Tertium non datur, eine dritte Lösung gibt es nicht. Die Frage lautet jedoch: Geht es tatsächlich um ein „Entweder-Oder“, wie dies die Fundamentalisten auf beiden Seiten behaupten? Die Römisch-Katholische Kirche und die Evangelische Kirche in Deutschland halten Religion, also den Glauben an Gott, und Wissenschaft durchaus für miteinander vereinbar. Im folgenden sollen dafür Gründe genannt werden.</p>
<p>Dazu möchte ich zunächst Religion und Wissenschaft gleichermaßen als Manifestationen menschlicher Vernunft verstehen, um auf dieser Basis den Diskurs um Schöpfung und Evolution nachzuzeichnen. Auf die Fragen um „Geist und Gehirn“ sowie auf methodologische Betrachtungen werde ich weitgehend verzichten, weil das den zeitlichen Rahmen dieser Veranstaltung sprengen würde.</p>
<p><strong>2. Der christliche Glaube ist nicht unvernünftig</strong></p>
<p>Zunächst ist zu zeigen, dass die Behauptung prinzipieller Inkonsumerabilität von christlicher Religion und Vernunft nicht haltbar ist. Die Rationalität der Religion liegt dabei in einer Vernunft, die jenseits der instrumentellen Vernunft des technisch-wissenschaftlichen Weltverständnisses angesiedelt ist. Doch bleibt sie „Vernunft“. Ohne Vernunft ist Glaube schlechterdings nicht möglich: Tieren fehlt die Rationalität – und damit auch der Glaube.</p>
<p>Religion und Vernunft – das ist so etwas wie das Lebensthema Papst Benedikts XVI. (Joseph Ratzinger), was nicht verwundert, denn schließlich hat er selber ein langes Forscherleben hinter sich: Nach der Promotion (1953) habilitiert er sich 1957 und wirkt dann gut 20 Jahre als Professor für Dogmatik. Er nutzt jede Gelegenheit, um mit der Wissenschaft in einen Dialog einzutreten, oft begleitet von gewalttätigen Reaktionen bzw. antizipativen Protesten.</p>
<p style="padding-left:30px;">So zog sich Benedikt mit seiner „Regensburger Rede“ vom 12.09.2006 den Zorn vieler Muslime zu, die ihre Verärgerung in zahlreichen, teilweise gewaltsamen Protesten zeigten. Der Papst hatte durch die Zitation eines scharfen Urteils des byzantinischen Kaisers Manuel II. Palaiologos über den Islam als einer angeblich widervernünftigen Religion mit großer Gewaltbereitschaft den Eindruck erweckt, er wolle sich diese Position aus dem Mittelalter zu eigen machen, obwohl er einleitend kommentiert hatte, das Urteil sei „in erstaunlich schroffer, uns überraschend schroffer Form“ formuliert; in der offiziellen Ausgabe der Rede vom Dezember 2006 heißt es dann an dieser Stelle erklärend, das Urteil käme „in erstaunlich schroffer, für uns unannehmbar schroffer Form“. Zudem wird in den Anmerkungen betont, der Papst bedauere das Missverständnis und habe sich nicht das Zitat zu eigen machen, sondern lediglich auf den wesentlichen Zusammenhang zwischen Glauben und Vernunft hinweisen wollen. (Vgl. Joseph Ratzinger, Gesine Schwan, Adel Th. Khoury, Karl Lehmann: <em>Glaube und Vernunft. Die Regensburger Vorlesung von Benedikt XVI</em>. Freiburg i. Br. 2006). – Eine für den 17.01.2008 geplante Rede Benedikts an der römischen Universität La Sapienza wurde nach Protesten im Vorfeld abgesagt. Einige Professoren und Studierende hatten darauf verwiesen, dass Joseph Kardinal Ratzinger 1990 den Prozess der Katholischen Kirche gegen Galileo Galilei als „gerecht“ und „vernünftig“ bezeichnet habe, was als wissenschaftsfeindliche Aussage zu verstehen sei. Interessant ist in diesem Zusammenhang, mit welchen Worten der damalige Präfekt der Glaubenskongregation in seinem Vortrag „Die Krise des Glaubens in der Wissenschaft“ (sic!) in Parma den österreichischen Wissenschaftsphilosophen Paul K. Feyerabend zitiert hat: „Die Kirche zur Zeit Galileis hielt sich viel enger an die Vernunft als Galilei selber, und sie zog auch die ethischen und sozialen Folgen der Galileischen Lehren in Betracht. Ihr Urteil gegen Galilei war rational und gerecht, und seine Revision lässt sich nur politisch-opportunistisch rechtfertigen.“ (<em>Wider den Methodenzwang</em>. Frankfurt 1976, S. 206). Ebenfalls interessant ist ein aktueller <em>Spiegel online</em>-Kommentar zu der Affäre um den Papst von Alexander Smoltczyk: <em>Benedetto Galilei</em>, im Internet abrufbar unter: http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,530158,00.html sowie folgende aktuelle Monographie zum Galilei-Prozess: Ed Dellian: <em>Die Rehabilitierung des Galileo Galilei, oder Kritik der Kantischen Vernunft</em>. Sankt Augustin 2007.</p>
<p>Er tut dies, um immer wieder aufs Neue zu begründen, warum „der Sieg der Vernunft über die Unvernunft [..] auch ein Ziel des christlichen Glaubens [ist]“.</p>
<p style="padding-left:30px;">Papst Benedikt in der Enzyklika <em>Spe Salvi</em> vom 30.11.2007.</p>
<p>Und warum für den Christen gilt: „Der Glaube zerstört die Vernunft nicht, er bewahrt sie und bleibt sich dadurch selbst treu“.</p>
<p style="padding-left:30px;">Kardinal Ratzinger am 15.10.1998 im vatikanischen Pressesaal bei der Vorstellung der Enzyklika Fides et ratio Johannes Pauls II.</p>
<p>Als ein beachtlicher Meilenstein dieses Dialogs kann ein Gespräch betrachtet werden, das Anfang 2004 in der Katholischen Akademie München Ratzinger und Habermas als Vertreter zweier vermeintlich konträrer Weltanschauungen geführt haben.</p>
<p style="padding-left:30px;">Das Gespräch sollte insbesondere die Notwendigkeit möglicher „vorpolitischer moralischer Grundlagen“ der Demokratie aus dem Geist der Religion thematisieren. Also: Lebt der moderne Rechtsstaat von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann (Böckenförde-Diktum) und liefert die Religion dazu das nötige vorpolitische Kontrollorgan (Ratzinger) oder gelingt es dem demokratischen Staat, allein mit säkularer Vernunft seine Normativität aus sich selbst heraus zu begründen (Habermas)? Die Argumentation im Verlauf der Diskussion geht aber weit über die Frage hinaus und betrifft allgemein das Verhältnis von Glaube und Vernunft bzw. Religion und Wissenschaft. Die Stellungnahmen sind nachzulesen in der Zeitschrift der Akademie (<em>zur debatte</em>, Nr. 1/2004) sowie in: Jürgen Habermas, Joseph Ratzinger: <em>Dialektik der Säkularisierung. Über Vernunft und Religion</em>. Freiburg i. Br. 2005.</p>
<p>Während der Theologe Ratzinger wie kein zweiter den christlichen Glauben im weiteren und die Römisch-Katholische Kirche im engeren Sinne vertritt, so steht der Philosoph und Soziologe Habermas für die nachmetaphysische Vernunft in der Tradition der europäischen Aufklärung. Das Gespräch offenbarte jedoch eine erstaunliche Nähe der Positionen, tatsächlich fanden sich zwischen dem „Glaubenshüter“ Ratzinger und dem „religiös unmusikalischen“ Habermas Übereinstimmungen.</p>
<p style="padding-left:30px;">So stellte Thomas Assheuer zwar den Unterschied deutlich heraus („Habermas betrachtet die Religion wohlmeinend aus der Perspektive einer irrtumsanfälligen Freiheit; Ratzinger blickt vom Himmel einer katholischen Gesamtwahrheit skeptisch auf das Treiben der säkularen Vernunft.“), musste aber gleichwohl die anerkennen, dass der Dialog durchaus konsensuale Züge trug, was in der Überschrift seines Artikels zum Ausdruck kommt: „Auf dem Gipfel der Freundlichkeiten“ (<em>Die Zeit</em>, Nr. 5/2004).</p>
<p>Das wichtigste scheint dabei, dass auch Habermas der Religion Sinngehalte zuspricht, für die eine „ethisch enthaltsame“ Wissenschaft keine Sprache hat, ein Gespür für Verfehlung und Erlösung, Scheitern und Gelingen. Dort wo sonst alles nur noch in Geldwerten bemessen wird, kann Religion Werte setzen, die dem Auftrag des Menschen zur Bewahrung der Schöpfung über den Tag hinaus gerecht werden. Wie weit diese korrektive Funktion der Religion reicht, ist dabei freilich wieder umstritten. Während der Theologe Ratzinger den Vorrang der Religion betont, ist die „Kontrollinstanz Kirche“ für einen liberalen Denker wie Habermas unannehmbar. Das Schreckgespenst eines totalitären Absolutismus, das hier auftaucht, ist in einer Demokratie, in der alles nur relativ sein kann, undenkbar. Nur wird dabei vergessen, dass Religion auch etwas relatives ist, nämlich die Einordnung des Menschen in einen Ordo, der in der Beziehung zu Gott und nur dort erfahrbar wird. Doch müssen die Kriterien der Einordnung vernünftig vermittelbar sein, ein theologischer Dogmatismus kann nur scheitern. Umgekehrt ist auch ein wissenschaftlicher „Dogmatismus“ fehl am Platz. Habermas betont, dass das säkulare Bewusstsein der Wissenschaft lernen müsse, der Religion nicht von vornherein den Wahrheitsgehalt abzusprechen, denn – so der Philosoph mit Blick auf die boomenden Neurowissenschaften – „naturalistische Weltbilder genießen keineswegs prima facie Vorrang vor religiösen Auffassungen.“</p>
<p style="padding-left:30px;">Habermas in <em>zur debatte</em> (Nr. 1/2004).</p>
<p>Ratzinger hatte schon früher betont, dass die Wahrheit jenseits der Natur liegt und dass es dem Christentum um Abgrenzung sowohl zur einengenden Rationalität bloßer Wissenschaftlichkeit als auch zur Unvernünftigkeit des Heidentums geht, d. h. um ein erweitertes Verständnis von Vernunft, wie sie sich in der sittlich-geschichtlichen Entfaltung des Christentums manifestiert: „Die beiden immer auseinanderfallenden Seiten der Religion, die ewig waltende Natur und die Heilsbedürftigkeit des leidenden und ringenden Menschen sind ineinander verbunden. Die Aufklärung kann Religion werden, weil der Gott der Aufklärung selbst in die Religion eingetreten ist. Das eigentlich Glauben heischende Element, das geschichtliche Reden Gottes, ist doch die Voraussetzung dafür, daß die Religion sich nun dem philosophischen Gott zuwenden kann, der kein bloß philosophischer Gott mehr ist und doch die Erkenntnis der Philosophie nicht abstößt, sondern aufnimmt. Hier zeigt sich etwas Erstaunliches: Die beiden scheinbar konträren Grundprinzipien des Christentums: Bindung an die Metaphysik und Bindung an die Geschichte bedingen sich gegenseitig und gehören zusammen; sie bilden zusammen die Apologie des Christentums als religio vera. Wenn man demgemäß sagen darf, daß der Sieg des Christentums über die heidnischen Religionen nicht zuletzt durch den Anspruch seiner Vernünftigkeit ermöglicht wurde, so ist dem hinzuzufügen, daß ein zweites Motiv gleichbedeutend damit verbunden ist. Es besteht zunächst, ganz allgemein gesagt, im moralischen Ernst des Christentums.“</p>
<p style="padding-left:30px;">Ratzinger in der Rede „Die Christenheit, die Entmythologisierung und der Sieg der Wahrheit über die Religionen“ am 27.11.1999 in der Pariser Sorbonne.</p>
<p>Wir können also festhalten: Religion und Wissenschaft spielen als Ausdruck der Vernunft beide eine berechtigte Rolle beim Versuch des Menschen, zu einer Selbstvergewisserung und einer Orientierung in der Welt zu gelangen. Die ganze Wahrheit gibt sich der Vernunft nur zu erkennen, wenn sich das Beweiswissen der Wissenschaft mit dem Offenbarungswissen der Religion paart, wenn dem forschen Aufstieg der Forschung neben dem Fortschrittswillen immer die Fähigkeit und Absicht zur demütigen Selbstbegrenzung erhalten bleibt, wenn der Ehrfurcht vor der neuen Erkenntnis die Ehrfurcht vor dem alten Gott innewohnt, ohne dass dogmatische Denkverbote bestünden, wenn statt dessen Denken und Glauben – gleichberechtigt sich ergänzend – zur Generierung von Wissen, Weisheit und Wahrheit dienen, kurz: Die ganze Wahrheit ist dort, wo Religion und Wissenschaft als Modi menschlicher Kultur einander ernst nehmen und gemeinsam dem Menschen dienen wollen. Den Wahrheitsbegriff der Wissenschaft auf die Religion zu stülpen ist so falsch wie den Erlösungs- und Heilsanspruch der Religion auf die Wissenschaft anwenden zu wollen. Religion liefert kein Beweiswissen und Wissenschaft sorgt nicht für Erlösung. Was spricht also dagegen, die menschliche Selbstvergewisserung und Daseinsorientierung beiden Bereichen der Kultur gleichermaßen und gleichberechtigt zuzuweisen? Abgesehen freilich von einem Dogmatismus, wie er leider im Bereich des Fundamentalismus beiderlei Provenienz unumgänglich zu sein scheint.</p>
<p>Im folgenden soll das kompatible Nebeneinander von religiösen und wissenschaftlichen Deutungsmustern als Konfigurationen der einen menschlichen Vernunft an einem besonders exponierten Beispiel gezeigt werden, das Religion, Wissenschaft und Gesellschaft gleichermaßen betrifft, an dem Diskurs um Schöpfung und Evolution.</p>
<p><strong>3. Schöpfung und Evolution</strong></p>
<p>Schaut man sich den Diskurs Schöpfung und Evolution an, möchte man meinen, es gäbe zwei Sorten von Menschen. Die einen glauben, Gott habe die Welt in sechs Werktagen erschaffen, die anderen glauben beziehungsweise glauben zu wissen, eine Verkettung von Zufällen habe irgendwann zu einer gerichteten Entwicklung mit Selektion und Mutation als Prinzipien der Veränderung geführt. Erstere, das sind die Kreationisten – dumm, rückständig, konservativ –, letztere die Evolutionisten – aufgeklärt, progressiv, modern.</p>
<p>Man kann sich dem Thema Schöpfung und Evolution von unterschiedlichen Seiten nähern, ich möchte nur zwei Aspekte ansprechen: den wissenschaftstheoretischen Status der Evolutionstheorie (Theorie und Tatsache) und die Vereinbarkeit von Wissenschaft und Religion durch die Einsicht in die unterschiedlichen Erkenntnisinteressen und der unterschiedlichen Perspektiven auf ein und dieselbe Sache (Kausalität und Finalität).</p>
<p>Da wäre zum einen die wissenschaftstheoretische Analyse des Tatsachen-Postulats seitens der Evolutionisten. Die behaupten nämlich, es handele sich bei der Evolutionstheorie nicht um eine Theorie, sondern um eine Tatsache. Kritiker weisen darauf hin, dass es den Anschein hat, man unternehme hiermit den Versuch, sich gegen Kritik zu immunisieren, weil Tatsachen im Gegensatz zu Theorien nicht der prinzipiellen Falsifizierbarkeit unterliegen (ein Kriterium jeder wissenschaftlichen Theorie nach Karl R. Popper). Meine Einschätzung ist, dass es sich bei der Evolutionstheorie zwar um eine erstaunlich evidente Theorie handelt, die aber dennoch nicht den Charakter einer Tatsache hat bzw. auch gar haben kann.</p>
<p>Grundsätzlich stellt sich im Diskurs um Schöpfung und Evolution die Frage, ob die naturwissenschaftliche Sicht ausreicht, den Menschen und die Welt, in der er lebt, zu erklären.</p>
<p>Dem Thema in der Sache am gerechtesten wird wohl ein Ansatz, der unterschiedliche Ebenen differenziert, nämlich die von Kausalität und Finalität. Dabei gilt es, den spezifischen Stärken der beiden Zugangsweisen Rechnung zu tragen: So wenig wie durch religiösen Glauben Partikularprobleme gelöst werden können, so wenig kann die Wissenschaft die Ganzheit und Fülle des Lebens erklären. So wenig, wie der Glaube eines Menschen aktualisierend wirkt (auf diesen Fall hier und jetzt bezogen), so wenig wirkt der Mensch qua instrumenteller Vernunft in die Ewigkeit, weil seine Fähigkeit zum Vernunftgebrauch für diese „letzten Fragen“ nicht ausreicht – was schon der Aufklärungsphilosoph Immanuel Kant zugeben musste. Wenn es also um unsere Erkenntnis oder unser Erahnen von Ursachen geht, muss streng zwischen Kausalität und Finalität unterschieden werden. Religion und Wissenschaft teilen sich die Erkenntnisarbeit: Wissenschaftler erforschen die Kausalität und kommen zu erstaunlich genauen Abgaben über das <em>Was</em> und das <em>Wie</em>. Doch Gott ist größer als das, was naturwissenschaftlich ergründbar ist. Darum widmet sich die Religion der Finalität und stellt die Frage nach dem <em>Warum</em>, dem <em>Wozu</em>, dem <em>Woher</em> und dem <em>Wohin</em>. Die instrumentelle Vernunft der Wissenschaft kann Antwort darauf geben, wie geschieht, was geschieht, doch warum das, was geschieht, so geschieht, wie es geschieht, kann sie nicht sagen. Hier braucht es eine „geweitete Vernunft“ (Ratzinger). Auf diese zielt die Rationalität der Religion.</p>
<p>So kommt es, dass ein und dieselbe Sache sowohl von der Religion wie auch der Wissenschaft in sinnvoller Weise betrachtet werden kann, mit dem jeweils eigenen Erkenntnisinteresse. Die Frage nach der Entstehung und Entwicklung des Lebens auf der Erde ist ein sehr gutes Beispiel dafür. Hier liefert die Wissenschaft Hinweise auf die Art und die Gründe dieser Entwicklung (Evolutionstheorie) und die Religion stellt Vermutungen zum Ziel, Zweck und Sinn dieser Entwicklung an (Schöpfungsglaube). Daraus folgt, dass man an Gottes kreative Wirkungsmacht in ihrer finalen Konsequenz glauben kann, ohne die Theorie kausaler Entwicklungsschritte aufgeben zu müssen. Darwins Lehre sagt nichts aus über die mögliche und plausible Teleologie der Entwicklung des Lebens. Für die Fragen des <em>Woher</em>, <em>Wohin</em>, <em>Wozu</em> und <em>Warum</em> bleibt Raum, den Religion ausfüllen <em>kann</em>, weil ihre Rationalität weiter ausgreift als es der engen instrumentellen Vernunft der Wissenschaft möglich ist, und den sie auch ausfüllen <em>muss</em>.</p>
<p>Die katholische Kirche tut dies. Das Lehramt der Kirche hat in zahlreichen Stellungnahmen darauf verwiesen, dass es sich aus Sicht des katholischen Glaubens bei der Schöpfungserzählung nicht um einen Bericht mit naturwissenschaftlichem Erklärungsanspruch handelt, sondern um – wie vieles in der Bibel – bildhaftes Darstellen von Phänomenen, die in ihrer Ursächlichkeit auf Gott zurückgeführt werden. Damit ist die Vereinbarkeit von Evolution und göttlichem Wirken in der Welt bekräftigt.</p>
<p style="padding-left:30px;">Vgl. dazu etwa die Enzyklika Pius’ XII. <em>Humani generis</em> (1950), die feststellt, dass die Evolution und das, was der Glaube über den Menschen und seine Berufung lehrt, nicht im Gegensatz zueinander stehen, die Konzils-Konstitution <em>Gaudium et Spes</em> (1965) sowie – etwas aktueller – die Botschaft Papst Johannes Pauls II. an die Mitglieder der <em>Päpstlichen Akademie der Wissenschaften</em> anlässlich ihrer Vollversammlung am 22.10.1996, abgedruckt im <em>L’Osservatore Romano</em>, Wochenausgabe in deutscher Sprache, Nr. 44 (01.11.1996), S. 1f.</p>
<p>Für die Kirche verläuft die Grenze also nicht zwischen Schöpfungsglauben und Evolutionstheorie, sondern vielmehr zwischen spiritualistischer Deutung der Evolution und materialistischer, physikalistischer, in den Augen der Kirche: reduktionistischer Deutung der Evolution. Für das Schöpfungsmodell der Kirche hat sich der Begriff „theistische Evolution“ eingebürgert.</p>
<p>Die Idee der theistischen Evolution ist folgende: Die Natur erscheint uns als zweckhaft organisiertes Ganzes, dessen Prozesse eine teleologische Struktur aufweisen, die sich durch eine genauere Betrachtung aber nicht entschlüsseln lässt. Die Welt erscheint uns also einerseits zutiefst sinnvoll, anderseits erfahren wir von diesem Sinn nichts durch die Naturwissenschaft, die uns aber für die Beschreibung und Erklärung der Prozesse selbst durchaus befriedigende Theorien bereitstellt. Daraus folgt, dass wir entweder einer Täuschung unterliegen und uns die Zwecke in der Natur und den Sinn der Welt nur einbilden (dann nämlich, wenn die Naturwissenschaft schon alles erklärte und jede weitere Frage unsinnig wäre), oder aber, dass es Zwecke und Sinn tatsächlich gibt, sie jedoch <em>außerhalb</em> der Natur gesucht werden müssen. Über die Gültigkeit der beiden metaphysischen Weltanschauungen wird heftig gestritten und es kommt – wie ich eingangs mit den beiden Fanatismen angedeutet habe – zu Missverständnissen und Verirrungen, denen die Vorstellung einer theistischen Evolution entgeht.</p>
<p>Sie beinhaltet nämlich, dass die Evidenz des Telos’, den wir bei alltäglichen Natur- und Weltbeschreibungen unweigerlich eingestehen (Wir sagen etwa: „Vögel bauen Nester, <em>um</em> darin ihre Eier abzulegen und ihre Jungen groß zu ziehen.“), die Existenz einer nicht-natürlichen, absichtsvollen und geistigen Ursache nahe legt, von der die Zwecke und der Sinn stammen. Eine Ausprägung dieser Ursache ist der christliche Gott. Gott wird als Ursache seiner selbst (<em>causa sui</em>) zur Ursache der Potentialität, die der Natur eingeschrieben ist. Gott legt gleichsam seine Kunst in die Natur hinein. Das ist die Idee der Natur als <em>ratio artis divinae indita rebus</em> (Thomas von Aquin), welche die theistische Evolution trägt.</p>
<p style="padding-left:30px;">Thomas spricht in seinem Kommentar zur Aristotelischen Physik von der Natur als „die den Dingen eingestiftete Vernunft [gemeint ist damit ein <em>Potential zur Selbstentfaltung</em>, J. B.] einer Art Kunst, nämlich der göttlichen, durch welche diese Dinge auf ein bestimmtes Ziel hingeordnet werden“ (<em>In Phys</em>., II, l. 14, n. 8: [...] „natura nihil est aliud quam ratio cuiusdam artis, scilicet divinae, indita rebus, qua ipsae res moventur ad finem determinatum“; Thomas v. Aquin, <em>Expositio super octo libros physicorum Aristotelis </em>(1256 ff.), Hildesheim 2000. Pierre Teilhard de Chardins sagt es einfacher: „Gott macht, daß sich die Dinge selber machen.“ (Vgl. Deutsche Bischofskonferenz (Hg.), <em>Katholischer Erwachsenenkatechismus</em>, Bd. I, Kevelaer u. a. 1985, S. 94).</p>
<p>Es ist die der Natur eingestiftete Konsistenz, die uns als Sinn aufscheint, die jedoch in der Naturkausalität selbst nicht aufweisbar ist. So verstanden, passt auch das Bild der Genesis wieder sehr gut zur Evolution, da es darin vorrangig um die Ebene der Sinnhaftigkeit geht, nicht aber konkrete Mechanismen beschrieben werden sollen. Die theistische Evolution hebt also den Widerspruch von einerseits nicht-zweckhafter, mechanistischer Naturkausalität, die nicht zu unserer Erfahrung passt, und andererseits einem als zweckhaft und sinnhaltig erfahrenen Weltganzen, das von der Naturwissenschaft nicht eingefangen werden kann, mit metaphysischen Gründen und eingedenk der theologisch einschlägigen Offenbarung auf und überführt die vermeintliche Konfrontation der Weltdeutungen in eine Konvergenz von Schöpfungsvorstellung und Evolutionstheorie. Gott wird dabei als transzendente Ursache des Lebendigen, als <em>Urgrund</em>, begriffen, nicht als dessen immanenter Anfang.</p>
<p>Diese Schöpfungsvorstellung steht damit aber nicht gänzlich unverbunden zur naturwissenschaftlichen Forschung. Die theistische Evolution ist angewiesen auf den methodischen Naturalismus, weil eine geistlose Natur geradezu die Prämisse ihrer Metaphysik bildet. Nur dadurch, dass wir die Welt als zweckhaft erkennen, die Natur aber mechanistisch erklärbar ist, also keine Zwecke und keinen Sinn enthält, stellt sich überhaupt erst die Frage nach Gott als einem Zwecksetzer und einem universalen Sinn außerhalb der Natur. Das ist fraglos eine metaphysische Spekulation, die ihre letzte subjektive Gewissheit stets im persönlichen Glauben findet. Ein naturwissenschaftlicher Erklärungsansatz, der darüber hinauszugehen versucht, ist schon aus logischen Überlegungen nicht akzeptabel: Theorien, die Naturvorgänge erklären, können mit den Naturgesetzen rechnen. Das ist der große Vorteil der Evolutionstheorie als Ergebnis der naturgeschichtlichen Forschung gegenüber Kulturtheorien historischer Provenienz, die mit der Konsistenz menschlicher Freiheit zurechtkommen müssen. Andererseits sind naturwissenschaftliche Theorien auf die Geltung von Naturgesetzen angewiesen. Das ist in der Ursprungsfrage ein Nachteil, denn diese stehen ja im Ursprung gerade noch nicht zur Verfügung. Im Ursprung sind die mechanischen Prinzipien als <em>explicanda</em> noch nicht entstanden, es kann also auch keine sie beschreibenden Gesetze und keine darauf verwiesenen erklärenden Theorien als <em>explanans</em> geben. <em>Naturwissenschaftliche</em> Aussagen über die Entstehung der mechanischen Prinzipien der Welt lassen sich also aufgrund der inneren Struktur von Naturwissenschaft nicht machen. Wer etwas über den Ursprung sagt, sei sie oder er Biologe, Physiker, Theologe oder Metzger, betreibt <em>immer</em> Metaphysik.</p>
<p><strong><em> </em></strong></p>
<p><strong>4. Noch einmal zur Vernunft</strong></p>
<p>Im Diskurs um Schöpfung und Evolution wird der Kern des Vernunftverständnisses nicht nur der Wissenschaft, sondern auch der christlichen Religion angesprochen. Dazu noch einmal Papst Benedikt XVI.: „Zum europäischen Erbe gehört schließlich eine Denktradition, für die eine substantielle Korrespondenz von Glaube, Wahrheit und Vernunft wesentlich ist. Dabei geht es letztlich um die Frage, ob die Vernunft am Anfang aller Dinge und auf ihrem Grund steht oder nicht. Es geht um die Frage, ob das Wirkliche auf Grund von Zufall und Notwendigkeit entstanden ist, ob mithin die Vernunft ein zufälliges Nebenprodukt des Unvernünftigen und im Ozean des Unvernünftigen letztlich auch bedeutungslos ist oder ob wahr bleibt, was die Grundüberzeugung christlichen Glaubens bildet: In principio erat verbum – Am Anfang war das Wort – Am Beginn aller Dinge steht die schöpferische Vernunft Gottes, der beschlossen hat, sich uns Menschen mitzuteilen.“</p>
<p>Benedikt XVI. in einer Ansprache am 07.09.2007 im Empfangssaal der Hofburg in Wien.</p>
<p>Die Welt „kommt aus der ewigen Vernunft, und nur diese schöpferische Vernunft ist die wahre Macht auf der Welt und in der Welt. Nur der Glaube an den einen Gott befreit und ,rationalisiert’ wirklich die Welt. Wo er verschwindet, wird die Welt nur scheinbar rationaler. In Wirklichkeit müssen nun die Mächte des Zufalls anerkannt werden, die unbestimmbar sind; die ,Chaostheorie’ tritt der Einsicht in die rationale Struktur der Welt zur Seite und stellt den Menschen vor Dunkelheiten, die er nicht auflösen kann und die der rationalen Seite der Welt eine Grenze setzen. ,Exorzisieren’, die Welt in das Licht der ratio stellen, die von der ewigen schöpferischen Vernunft und ihrer heilenden Güte herkommt und auf sie zurückweist &#8211; das ist eine bleibende, zentrale Aufgabe der Boten Jesu Christi.“</p>
<p style="padding-left:30px;">Benedikt XVI.: <em>Jesus von Nazareth.</em> Freiburg im Breisgau 2007, S. 211.</p>
<p>Nicht nur für die Stärkung der christlichen Religion gegen die Wissenschaft, sondern auch für die Vernunft, die beide angeht, denn: „Ohne Vernunft verfällt der Glaube; ohne Glaube droht die Vernunft zu verkümmern.“.</p>
<p style="padding-left:30px;">Ratzinger in seiner Ansprache „Das Lehramt Johannes Pauls II. in seinen 14 Enzykliken“ auf einem Symposium der Päpstlichen Lateran-Universität am 09.05.2003.</p>
<p>Oder, wie Spaemann betont: „Der alte Gegensatz von Glaube und Vernunft ist längst überholt.“ Mehr noch: Wenn einige Wissenschaftler meinen, <em>jede</em> Religion als „irrational“ aus der menschlichen Vernunft-Kultur ausklammern zu können und den Glauben an das Übersinnliche gänzlich als „unsinnig“ abzuweisen, dann lässt sich mit Spaemann hinzufügen: „Es sind die Gläubigen, die die Vernunft verteidigen.“</p>
<p style="padding-left:30px;">Spaemann im Gespräch mit Huber, in: <em>„Es sind die Gläubigen, die die Vernunft verteidigen“. Bischof Wolfgang Huber und der Philosoph Robert Spaemann über die Renaissance des Glaubens, religiöse Hatz und besoffene Forscher</em>. In: Der Tagesspiegel v. 08.07.2007.</p>
<p>Die Vernunft selbst ist das Werk Gottes und ihre Existenz ein Beweis für die Existenz Gottes.</p>
<p>Dass wir denken können, beweist, dass Gott existiert. Es ist der Ort dieser Gedanken, der uns auf das zweite Thema bringt: der menschliche Geist, die Seele. Das kann ich nicht mehr behandeln. Nur soviel: Der Mensch ist, soweit er Organismus ist, Produkt der Evolution – daran bestehe kein Zweifel. Es stellt sich jedoch die Frage, ob der Mensch durch Darstellung und Erklärung der mechanischen Kausalität seiner Organik bereits hinreichend beschrieben ist, oder ob ein solches naturalistisches Menschenbild unterbestimmt bleibt. Ich favorisiere das aristotelisch-thomistische Menschenbild des <em>animal rationale</em>, das sich durch eine leiblich-seelische Einheit auszeichnet, in der die Seele, die wir heute „Bewusstsein“ nennen würden, das Organisationsprinzip unseres Körpers ist. Nicht irgendetwas frei Schwebendes, das man als solches getrennt vom Leib identifizieren kann, sondern ein von Gott geschaffenes Lebensprinzip. Durch die Evolution entstehen nur die Bedingungen, unter denen der Mensch als leiblich-seelisches Wesen existieren kann. Das heißt: Die Evolution ist um des Menschen willen gerade so abgelaufen, wie sie abgelaufen ist. Je mehr von der wunderbaren Welt entdeckt wird, je deutlicher wird, dass sich Evolution als Prozess einer zunehmenden Komplexität auf den Menschen hin bewegt und damit eine unfassbare Potentialität birgt und dass außerdem die kosmischen Bedingungen für diese Entwicklung des Lebens irrwitzig günstig sind, desto stärker drängt sich gemeinhin die Frage nach dem Ursprung auf und desto evidenter und plausibler wird die Schöpfung als Grund des erahnten Sinnüberschusses.</p>
<p>Die Geistseele des Menschen, die außerhalb evolutionärer Prozesse steht, ist unveränderlich, bleibt aber verwiesen auf einen Körper, der durch die Evolution hervorgebracht wird. Die Geistseele ist eine besondere „Pointe“ der Potentialität des Schöpfungsaktes – eben dessen „Krönung“. Dass die Geistseele des Menschen, oder: das Bewusstsein, mit all den Fähigkeiten, die sie uns als einheitlichem Wesen verleiht, aus Materie hervorgegangen sein könnte, wie ein Einwand derer zu bedenken gibt, die im zweiten Diskursfeld um „Geist und Gehirn“ mit einem Mix aus neurowissenschaftlichen Erkenntnissen und der philosophischen Idee des emergentistischen Materialismus argumentieren, ist reine Spekulation. Es ist ein monistischer Glaube, der dem dualistischen hinsichtlich des Niveaus an vernünftigerweise vertret- und vermittelbarer metaphysischer Gewissheit nichts voraushat. Er ist zwar voraussetzungsärmer, wirft aber Fragen auf, die noch lange nicht geklärt sind. Die jetzige Forschungslage gibt mehr als Spekulationen nicht her; wer etwas anderes behauptet, missbraucht die Wissenschaft für weltanschauliche Zwecke.</p>
<p><strong>5. Fazit</strong></p>
<p>Die theistische Evolution ergänzt ihrerseits die Evolutionstheorie um die Aspekte, die diese als naturwissenschaftliche Theorie nicht mitbedenken kann, ohne mit ihr in den Punkten, die sie bedenkt, in einen Widerspruch zu geraten.</p>
<p>Sie zeigt damit zugleich den Bedarf und den Wert einer kritischen philosophisch-theologischen Betrachtung der Naturwissenschaft auf, um ihrer ständig wachsenden gesellschaftlichen Rolle Rechnung zu tragen. Mit einigen Bemerkungen dazu möchte ich meinen Vortrag abschließen.</p>
<p>Naturwissenschaft stellt zum einen kein autonomes, abgeschlossenes System dar, sondern ist aufgrund ihrer Abhängigkeit von den Naturgesetzen in eine Vernunft eingebettet, die sich empirisch nicht ergründen lässt. Dies motivierte zahlreiche Naturforscher zu der Annahme, Gott als Garant der vom „Logos“ vernünftig geordneten Welt müsse existieren, da nur aufgrund deren Gleichförmigkeit eine Verallgemeinerung von partikularen Beobachtungen durch die Formulierung von universell gültigen Gesetzen möglich ist. Dass etwa der Schöpfungsglaube naturwissenschaftlichem Forschen nicht nur nicht widerspricht, sondern historisch geradezu konstitutiv für die Entwicklung der europäischen Wissenschaft war, zeigt sich an vielen Größen der Wissenschaftsgeschichte (etwa bei Kepler und Newton), die die Welt als Ergebnis der Schöpfung verstanden und daher in selbiger als ihrem Forschungsobjekt Rationalität und Ordnung erwarteten, also die Bedingungen dafür, dass es überhaupt möglich ist, die Welt zu erforschen.</p>
<p style="padding-left:30px;">Jaeger, <em>Wissenschaft ohne Gott? Zum Verhältnis zwischen christl. Glauben und Wissenschaft</em>, Bonn 2007, 39 f.</p>
<p>Es zeigt sich deutlich, dass der Anspruch des Szientismus, uns Ursache und Wesen der Welt, gänzlich und abschließend erklären und damit das Religiöse mit der instrumentellen Vernunft wissenschaftlicher Rationalität einholen zu können, nicht gerechtfertigt ist, jedenfalls nicht mehr oder weniger als der religiöse Glaube selbst. Der Szientismus ist also selbst ein Glaubenssystem. Dass es metaphysisch betrachtet weit schwächer ist als jede bekannte Religion ließe sich leicht zeigen, wenn man nämlich Fragen aufwirft, für die es eine geweitete und vertiefte Rationalität bedarf, so genannte „letzte Fragen“.</p>
<p>Zudem kommt auch das wissenschaftliche Forschen ohne geglaubte Voraussetzungen nicht aus, ja, gar nicht erst beginnen kann, wobei sich die Axiome und Prämissen ihrer Hypothesen häufig selbst nicht wissenschaftlich beweisen lassen. Das System bringt nicht zugleich seine Rechtfertigung mit. Diese liegt ihm außerhalb.</p>
<p style="padding-left:30px;">Friedrich Engels, einer der Väter des philosophisch-weltanschaulichen Materialismus, war in dieser Frage ehrlich und beanspruchte nicht Wissenschaft, wo es um Glauben geht. Er bekannte, dass jeder Philosoph <em>am Beginn</em> seines Denkens eine grundsätzliche<em> Glaubens</em>entscheidung zu treffen habe: nämlich die, ob Gott die Welt erschaffen hat oder ob sie „aus sich selbst heraus“ zu erklären ist. Engels „bekannte“, dass diese Grundentscheidung, sei es für die transzendenzbezogen-religiöse oder die naturalistisch-wissenschaftliche Weltsicht, eine <em>Glaubens</em>entscheidung war, für die kein Beweis angeboten werden könne. Vgl. Johannes Schwarte:<em> Soll die Biologie die Leitwissenschaft der Zukunft sein?</em> In: Tagespost. Katholische Zeitung für Politik, Kultur und Gesellschaft vom 24.07.2007, im Internet abrufbar unter: http://www.die-tagespost.de/Archiv/titel_anzeige.asp?ID=33665</p>
<p>Wer also Wissenschaft und Religion gegeneinander ausspielt, indem er diese ganz in jene einbettet und außerhalb jener vernünftigerweise nichts gelten lassen will, übersieht die „zu glaubenden Voraussetzungen der Wissenschaft“ (Stegmüller) ebenso wie die Gefahr einer „pseudoreligiösen Wissenschaftsgläubigkeit“ (Huber), die bei der methodologischen Reduktion menschlicher Daseinsvollzüge auf die Kategorie „reine Vernunft“ droht; auch übersieht er die diesbezügliche Kritik an der Hochaufklärung, die bereits bei Kant in epistemologischer und ethischer Hinsicht einsetzt und in der „Dialektik der Aufklärung“ (Horkheimer/Adorno) eine soziologische Wendung erfährt.</p>
<p>In bezug auf die <em>christliche</em> Religion wäre einzuwenden, dass es gerade jenes christliche Menschenbild der Geschöpflichkeit und Gottebenbildlichkeit ist, auf das die katholische und die evangelische Kirche schauen, wenn sie Wissenschaft und Gesellschaft zum Schutz der Menschenwürde verpflichtet sehen und diesen vehement einfordern, dass gerade die Vorstellung, der Mensch sei Abbild Gottes, die anthropologische Bedingung für die Ermöglichung universaler Freiheit darstellt und dass die <em>lex nova</em> der unbedingten Liebe zum Nächsten in seiner ganzheitlichen Personalität die kritischen Gedanken zu neuen Lebensformen und Erkenntnisweisen konstituieren, nicht etwa misanthrope Fortschritts- respektive Lustfeindlichkeit. Erhellend ist, was Jürgen Habermas dazu sagt: „Das Christentum ist für das normative Selbstverständnis der Moderne nicht nur Katalysator gewesen. Der egalitäre Universalismus, aus dem die Ideen von Freiheit und solidarischem Zusammenleben entsprungen sind, ist unmittelbar ein Erbe der jüdischen Gerechtigkeit und der christlichen Liebesethik. In der Substanz unverändert, ist dieses Erbe immer wieder kritisch angeeignet und neu interpretiert worden. Dazu gibt es bis heute keine Alternative.“</p>
<p style="padding-left:30px;">Habermas im Gespräch mit Eduardo Mendieta, veröffentlicht in: Jürgen Manemann (Hg.): <em>Jahrbuch politische Theologie</em> (Bd. 3: Befristete Zeit). Münster 1999, S. 191.</p>
<p>(Josef Bordat)</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Ach ja, der Goldstonebericht]]></title>
<link>http://beer7.wordpress.com/2009/09/17/ach-ja-der-goldstonebericht/</link>
<pubDate>Thu, 17 Sep 2009 19:46:58 +0000</pubDate>
<dc:creator>beer7</dc:creator>
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<description><![CDATA[Das internationale Kesseltreiben gegen Israel nimmt ungeheuerliche Ausmasse an. Ich denke immer, das]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Das internationale Kesseltreiben gegen Israel nimmt ungeheuerliche Ausmasse an. </p>
<p>Ich denke immer, dass diejenigen, die sich dafuer hergeben und diejenigen, die jede Beschuldigung eifrig glauben, im Grund ihres Herzens wissen, was sie tun und warum sie es tun.</p>
<p>Antisemitismus ist eine Art intellektueller und seelischer Faeulnis. </p>
<p>Nur noch Monate fehlen, bis Iran atomar bewaffnet sein wird. Uns laesst die Weltgemeinschaft allein dieser Bedrohung gegenueberstehen. Vielleicht wird der Staat Israel untergehen, wenn der israelische Schlag gegen den Iran misslingt oder nur halbwegs glueckt und die empoerte Weltoeffentlichkeit Israel danach erst recht boykottiert und isoliert.</p>
<p>Diese Feigheit, das Paktieren mit dem Boesen wird sich raechen, mit oder ohne Israel. Europa hat sich seiner Lebenskraft beraubt, als es den Voelkermord an den Juden zuliess oder unterstuetzte. Der Kontinent und die Kultur werden sich nicht mehr davon erholen. Wenn nun die USA in vergleichbarer Weise Israel dem Iran preisgeben (und Osteuropa den Russen, wobei es dort allerdings nicht um Voelkermord geht, sondern &#8220;nur&#8221; um Herrschaft), dann verurteilt sich auch der nordamerikanische Kontintent und seine Kultur zum Absterben.</p>
<p>Wir feiern an diesem Wochenende Rosh Hashana. An diesem Tag entscheidet der Ewige, wer ins Buch des Lebens eingeschrieben wird und wer nicht. Bis Jom Kippur gibt es noch die Moeglichkeit, durch Umkehr das Urteil zu beeinflussen. Warum eigentlich dieser Wunsch nach Weiterleben, wo doch jeder Mensch irgendwann sterben muss? Ginge es nicht auch etwas stoischer? Wir haengen am Leben, weil wir uns nur, solange wir leben,  in der Partnerschaft mit dem Ewigen bewaehren koennen. Tote koennen keine Mitzwot mehr erfuellen. </p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Religion der Vergewaltigung]]></title>
<link>http://beer7.wordpress.com/2009/09/03/religion-der-vergewaltigung/</link>
<pubDate>Thu, 03 Sep 2009 08:08:47 +0000</pubDate>
<dc:creator>beer7</dc:creator>
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<description><![CDATA[&#8220;Feministinnen&#8221; wie Naomi Wolf haben uns schon erklaert, warum der Islam die eigentliche]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p><a href="http://newsrealblog.com/2009/09/02/why-naomi-wolf-loves-the-burqa/">&#8220;Feministinnen</a>&#8221; wie <a href="http://www.smh.com.au/news/opinion/behind-the-veil-lives-a-thriving-muslim-sexuality/2008/08/29/1219516734637.html">Naomi Wolf </a>haben uns schon erklaert, warum <a href="http://doppelpass.wordpress.com/2007/01/29/kopftuchstreit-die-verhullte-frau-und-der-feminismus/">der Islam die eigentliche Frauenbefreiung</a> darstellt. </p>
<p>Ein <a href="http://www.israelnationalnews.com/News/News.aspx/133214">angesehener, schiitischer Geistlicher fuehrt nun die spirituellen Aspekte von Vergewaltigung</a> aus. Ich uebersetze:</p>
<blockquote><p>Beim Treffen in Jamkaran <em>[einem schiitischer Wallfahrtsort, RB]</em> antwortenten Mesbah-Yazdi und Ahmadinejad auf Fragen zu den Voerwuerfen von Vergewaltigung und Folter. Der folgende Text ist nach Angaben iranischer Dissidenten eine Mitschrift eine Austauschs zwischen dem Ayatollah und einigen seiner Anhaenger.</p>
<p>Auf die Frage, ob ein Gestaendnis, das mit Hilfe von psychischem, emotionalem und physischem Druck erreicht wurde, im Islam als gueltig und glaubhaft eingestuft wird, antwortete Mesbah-Yasi: &#8220;Alle Mittel sind zulaessig, um ein Gestaendnis von jeglicher Person zu erhalten, die gegen die Velayat-e Faqih (&#8220;Vormundschaft der Islamischen Juristen&#8221; oder mit anderen Worten die iranische Mullahherrschaft) ist.&#8221; Der Ayatollah gabe dieselbe Antwort, als er nach Gestaendnissen gefragt wurde, die durch Verabreichung von Opiaten oder anderen abhaenigmachenden Drogen erzielt wurden.</p>
<p>&#8220;Darf ein Verhoererender den Gefangenen vergewaltigen, um ein Gestaendnis zu bekommen?&#8221; war die naechste Frage, die dem islamischen Geistlichen gestellt wurde. </p>
<p>Mesbah-Yazdi antwortete: &#8220;Als notwendige Vorsichtsmassnahme muss sich der Verhoerende vorher einer rituellen Waschung unterziehen und Gebete sprechen, waehrend er den Gefangenen vergewaltigt. Wenn der Gefangene weiblich ist, darf durch die Vagina oder durch den Anus vergewaltigt werden. Besser ist, wenn kein Zeuge anwesend ist. Wenn der Gefangene maennlich ist, darf ein Dritter zuschauen, waehrend die Vergewaltigung durchgefuehrt wird.&#8221; </p>
<p>Diese Antwort und Berichte uber die Vergewaltigung von maennlichen Teenagern in iranischen Gefaengnissen mag die naechste Frage ausgeloest haben. &#8220;Stellt die Vergewaltigung von Maennern und Knaben Sodomie dar?&#8221;</p>
<p>Ayatollah Msbah-Yazdi: &#8220;Nein, weil es nicht auf Einverstaendnis beruht. Falls der Gefangene sexuell erregt ist und die Vergewaltigung geniesst, muss natuerlich darauf geachtet werden, die Vergewaltigung nicht zu wiederholen.&#8221;</p>
<p>Ein verwandtes Thema war in den Augen der Fragesteller die Vergewaltigung von unberuehrten, weiblichen Gefangenen. In diesem Fall ging Mesbah-Yazdi ueber blosse Zulaessigkeit hinaus und beschrieb die die von Allah in Aussicht gestellten Belohnungen fuer den Vergewaltiger im Namen des Islams:</p>
<p>&#8220;Wenn die Gefangene zum Tod verurteilt ist, dann bringt die Vergewaltigung vor der Hinrichtung dem Verhoerenden die gleiche spirituelle Belohnung wie die vorgeschriebene Haj Pilgerreise [nach Mekka], aber wenn keine Hinrichtung verhaengt ist, dann entspricht die Belohnung dem Gegenwert einer Pilgerreise nach [der den Schiiten heiligen Stadt] Karbala.&#8221;</p></blockquote>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Die Wallfahrt nach Kevlaar]]></title>
<link>http://jobo72.wordpress.com/2009/09/01/die-wallfahrt-nach-kevlaar/</link>
<pubDate>Tue, 01 Sep 2009 17:06:24 +0000</pubDate>
<dc:creator>jobo72</dc:creator>
<guid>http://jobo72.wordpress.com/2009/09/01/die-wallfahrt-nach-kevlaar/</guid>
<description><![CDATA[  Mein Neffe Thomas arbeitet nach bestandenem Abitur als Zivildienstleistender im Priesterhaus in Ke]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p> </p>
<p><em>Mein Neffe Thomas arbeitet nach bestandenem Abitur als Zivildienstleistender im Priesterhaus in Kevelaer, wo am 29. August eine große Ministrantenwallfahrt stattfand. 11.000 Messdiener aus den nord-westdeutschen Diözesen nahmen teil und feierten mit Kardinal Meisner die Hl. Messe. Ich bin derzeit bei meinen Eltern in Straelen am Niederrhein, unweit der berühmten Pilgerstätte Kevelaer. Grund genug, sich mit Heinrich Heines Ballade „Die Wallfahrt nach Kevlaar&#8221; (Erstdruck: 1822) zu beschäftigen und sie aus katholischer Perspektive zu analysieren.</em></p>
<p> </p>
<p align="justify">1.</p>
<p align="justify">Zunächst zwei Vorbemerkungen: 1.) Heine war weder katholisch noch hat er je an einer Wallfahrt teilgenommen. Er war nie in Kevelaer, auch nicht aus einem anderen Grund. (Offenbar nutzt er die Schreibweise „Kevlaar&#8221; zur Verfremdung, es kann aber nicht ausgeschlossen werden, dass Heine die richtige Schreibung gar nicht kannte.) Mir scheint es wichtig, festzuhalten, dass es sich mithin bei Heines Ballade um eine Außenperspektive auf etwas handelt, das man nur von innen her verstehen kann: den religiösen Glauben. Zudem neigt die Sicht „von außen&#8221; im Fall der Religion schnell zu einer „von oben herab&#8221; zu werden. Auch das ist bei Heine bisweilen spürbar. 2.) Heine schreibt seine Ballade in einer Zeit, in der die katholische Kirche in Deutschland in einer zwiespältigen Situation ist. Einerseits ist sie nach der Aufklärung, nach dem Ende des Heiligen Römischen Reiches, nach Napoleons Säkularisierung geschwächt und isoliert. Sie gilt dem preußisch-protestantischen Staat als suspekte, reaktionäre und letztlich überkommene Institution, die im Untergang begriffen sei. Andererseits führte gerade die Rückwärtsgewandtheit innerhalb der vorherrschenden geistigen Strömung der Zeit, der Romantik, zu ihrer Verklärung. Die Kirche erfüllte die Antiken- und Mittelaltersehnsucht vieler Literaten des 19. Jahrhunderts. Heine selbst ist von der Romantik beeinflusst, zieht aber die Schlüsse der Aufklärung: die katholische Kirche gilt es zu überwinden. Deutlich wird dies in „Deutschland. Ein Wintermärchen&#8221;, in dem die Heiligen Drei Könige im Kölner Dom zum Symbol des Reaktionären werden.</p>
<p align="justify"> </p>
<p align="justify">2.</p>
<p align="justify">Vor diesem Hintergrund wundert es nicht, dass der Nicht-Katholik Heine ein katholisches Motiv (eine Wallfahrt) aufgreift und verarbeitet, um daran die Problematik des Katholizismus aus Sicht der aufgeklärten Vernunft deutlich zu machen: das Vorherrschen einer irritationslosen Volksfrömmigkeit, die in äußeren Ritualen erstarrt. Dass Heine bei der Motivsuche als Rheinländer insbesondere im „rheinischen Katholizismus&#8221; zwischen Köln und Kevelaer fündig werden kann, ist weder Zufall noch rein biographisch begründet. Gerade im ländlichen Raum hält sich das scheinbar mittelalterliche Denken besonders hartnäckig. So geht denn das Paar (eine fromme Mutter und ihr aus Kummer über den Tod der Geliebten „herzkranker&#8221; Sohn) von „Köllen&#8221; nach „Kevlaar&#8221;, um dort Maria um Genesung zu bitten. Dazu fertigen sie ein Herz aus Wachs an und bringen es vor das Gnadenbild der Gottesmutter von Kevelaer. In der Nacht darauf erscheint Maria der Mutter im Traum, wie sie dem Sohn ihre Hand auf das kranke Herz legt und dann – mild lächelnd – wieder entschwindet. Als die Mutter aus sehr profanen Gründen – „die Hunde bellten so laut&#8221; – aus dem Traum erwacht, liegt der Sohn tot neben ihr. Die Mutter reagiert – scheinbar unbelehrbar – mit einem Lobpreis Mariens.</p>
<p align="justify"> </p>
<p align="justify">Dieser Ablauf der Ereignisse verstört. Es fällt uns schwer, die Mutter zu verstehen, die nicht verzweifelt und in eine wütende Klage gegen Gott (oder Maria) verfällt, sondern weiter an ihrem Glauben festhält, dem Hiob gleich. Vielmehr noch: Da der kranke Sohn ihrer Ansicht nach nicht trotz, sondern wegen Maria stirbt, gilt sein Tod der Mutter als Erlösung durch göttliche Gnade und wird damit zum eschatologischen Sinnbild für den christlichen Glauben schlechthin: Wenn uns nicht anders abgeholfen werden kann als durch den Tod, dann gewährt uns Gott diesen Tod als Gnade. So gilt der Dank einem Gott, der qua Maria dem Jungen die Qualen nimmt. Es geht also nicht nur um die klaglose Annahme des Leids – hier: des Todes ihres Jungen. Eingedenk der Verheißung des Ewigen Lebens bei Gott nach dem Ende des irdischen Lebens bleibt der Gedanke einer gelungen Kontingenzbewältigung mit Gottes (und Marien) Hilfe tragend. Denn Kraft des göttlichen Willens und der Intervention Mariens vom „Jammertal&#8221; Erde in den Himmel erhoben zu werden, stellt durchaus eine gute Antwort auf die bedrückende Lebenssituation des Kranken dar, die der Mutter Lob und Dank abnötigt.</p>
<p align="justify"> </p>
<p align="justify">3.</p>
<p align="justify">Darauf will Heine aber nicht hinaus. Ihm geht es um die scheinbare Naivität der Mutter und – da diese pars pro toto für alle Wallfahrer steht – des Katholizismus, der sich in frommen Riten erschöpft. Dieser Eindruck wird durch die Form des Gedichts noch weiter gesteigert, das sprachlich gerade das Niveau der allgemein bekannten unsäglichen Gedichte zu Geburtstagsfeiern und Jubelfesten aller Art erreicht. Heine will mit diesem volksliedhaften Duktus mit seinen vielen unreinen Formen offenbar die Naivität der Volksfrömmigkeit sprachlich greifbar machen. Ein Beispiel: „Die Muttergottes zu Kevlaar / Trägt heut ihr bestes Kleid; / Heut hat sie viel zu schaffen, / Es kommen viel kranke Leut’.&#8221; Das ist sprachlich schwach. So schwach wie Heine die katholische Kirche und ihre Mitglieder sieht.</p>
<p align="justify"> </p>
<p align="justify">„Naiv&#8221; – das ist unter Erwachsenen ein Schimpfwort, gleichbedeutend mit dem Mangel an Einsicht in die wahre Natur der Dinge bzw. in das, was man dafür hält. Für viele ist es zugleich ein Attribut des christlichen Glaubens mit seinen einfachen Lösungen. Für naiv gehalten zu werden, ist heute die Angst vieler Christen, die deshalb lieber von ihrem Glauben schweigen. Tatsächlich ist Naivität, verstanden als Hang zum unverfälscht Kindlichen, notwendige Voraussetzung für den christlichen Glauben. Jesus selbst fordert uns auf zu werden „wie die Kinder&#8221;. Denn nur so kann Gott uns nahe kommen: Wenn wir seine Kinder sind. Wir sollen nicht unseren Verstand ausschalten, sondern von einer bestimmten Denkweise lassen, die Gott daran hindert, unseren Stolz in Demut zu verwandeln. Denn nur mit einem kindlichen Gemüt will und kann Er handeln, weil nur ein solches für Gottes Handeln offen ist. Gott lässt uns die Freiheit und respektiert unsere freie Entscheidung, stolz und nicht naiv sein zu wollen. Doch auch das stolzeste Herz wird im Stillen denken: Es ist beneidenswert, wie ein Kind glauben und vertrauen zu können. Ein kindliches Herz ist rein und makellos. Erich Kästner bringt das so schön zum Ausdruck, wenn er sagt: „Wir könnten Menschen sein, einst waren wir schon Kinder.&#8221; Es gibt eine unstillbare Sehnsucht zum und nach dem Kinde in uns. Im Glauben kann diese Sehnsucht erfüllt werden.</p>
<p align="justify"> </p>
<p align="justify">4.</p>
<p align="justify">Was lässt sich aus „Die Wallfahrt nach Kevlaar&#8221; für den katholischen Glauben in unserer Zeit entnehmen? Zunächst muss Klarheit darüber bestehen, dass Heine nicht religiöse Riten an sich kritisiert, sondern den Ritus, der sich verselbständigt hat. Die Riten (wie etwa das Entzünden einer Kerze, das Formen eines Wachsherzens, aber auch das Wallfahren als solches) haben ihren festen Platz im religiösen Leben und ihre theologische Berechtigung, soweit es darum geht, innere Befindlichkeiten auszudrücken. Ferner muss klar sein, dass Heine nicht den Glauben an sich kritisiert, sondern den Glauben an einen Gott, der Wünsche erfüllt, wenn man Ihn denn zu diesem Zweck mit billigen Artefakten „besticht&#8221;. Das aber ist kein naiver, reiner Glaube, sondern ein berechnender, irrender Glaube. Denn es wird schließlich im Tod des Sohnes deutlich, dass Heilung nicht immer so geschieht, wie wir es wollen, sondern wie Gott es will. Wir beten es im Vater Unser, doch es anzunehmen fällt uns schwer: „Dein Wille geschehe&#8221;.</p>
<p align="justify"> </p>
<p align="justify">Ein problematisches Moment ergäbe sich aus einer Betonung Mariens als Ursache und Grund des Heils („Maria hat geholfen!&#8221;). Hier droht ein theologisch bedenklicher Marianismus zu entstehen, soweit der dreifaltige Gott gänzlich ausgespart bleibt und sich die Fürbitte unmittelbar auf Maria richtet. In der Ballade klingt ein solcher Marianismus durch die alleinige Bezugnahme auf Maria deutlich an. Theologisch gilt: Maria ist keine „Göttin&#8221;, sondern eine Heilige, die als makellose Mutter Jesu Aufnahme bei Gott fand und unmittelbar vor Gott Fürsprache halten und damit Gottes Wirken auf das im Gebet genannte Problem hin orientieren kann. Deswegen wird Maria besonders verehrt; eine Anbetung Mariens ist unchristlich und hat damit in der katholischen Kirche keinen Platz.</p>
<p align="justify"> </p>
<p align="justify">Schließlich gilt es, sich dem Thema Glaube und Leid zu nähern. In der Ballade wird Glaube auf seine Gesundheitswirkung hin reduziert. Der Glaube an Gott vermag durchaus positive gesundheitliche Folgen zu zeitigen, die sich bereits mit dem Glaubensakt selbst erklären lassen. So schließt Jesus ein wunderbares Heilungsgeschehen oft ab mit den Worten: „Dein Glaube hat dir geholfen.&#8221; Heute wissen wir um die Bedeutung der Seele für die Entstehung von Krankheiten. Wir wissen: Eine stabile Seele kann den Körper stärken. Warum also nicht den christlichen Glauben als Quelle der Stärkung begreifen, der den Menschen innere Berge versetzen lässt sowie Hoffnung und Trost spendet? Nun, wenn das Glück der Gesundheit als Ergebnis des Glaubens erblüht, ist nichts dagegen zu sagen, doch wenn Religion nur um des Glücks willen einen Platz im Leben eines Menschen bekommt, stimmt etwas nicht, weil dann der so funktionalisierte Glaube ein bloßes Mittel zum Zweck wäre, nach dem Motto: Hauptsache gesund. Religiöser Glaube ist aber kein Instrument des Glücks, sondern eine Lebensform, die unabhängig von ihrem Nutzen gewählt wird. Motto: Hauptsache katholisch! Der ausschließlich in Zweckbezügen Glaubende – Heines Katholik wäre so jemand, aber auch die Kundin eines Meditationszentrums, die Entspannung sucht – verfehlt das Wesen echter Religiosität, die immer einen Selbstzweck darstellt und bei der es vorrangig um Wahrheit geht, nicht um Wohlbefinden.</p>
<p align="justify"> </p>
<p align="justify">5.</p>
<p align="justify">Noch einmal: Der Glaube ist kein Versicherungsvertrag, mit Einlagen und Leistungen. Doch der Glaube kann helfen, weil Gott helfen kann. Der kindliche Glaube ist notwendige Voraussetzung, damit Gott in die Lage versetzt wird, die geöffnete Seele zu durchdringen. Er erhört unser Gebet. Nicht immer so, wie wir es uns aus unserer Sicht wünschen. Gottes Perspektive ist eine andere als unsere. Oft wird uns der Sinn nicht klar, er kann es nicht werden, schon deshalb nicht, weil unser Kalkül auf die Immanenz der Welt beschränkt ist, Gottes Kalkül aber ein transzendentes ist, das nicht nur unsere irdischen Belange, sondern auch unseren Bezug zu Ihm berücksichtigt. Oft liegt genau da das Problem, dass es mit Gottes Hilfe zu lösen gilt. Wir werden denn auch die Ratschlüsse Gottes niemals ganz ergründen können. Sie bleiben uns verhüllt, wie Gott selbst uns verhüllt bleibt, bis zum Tag der Erlösung. Bis dahin sollen wir glauben, können wir vertrauen, dürfen wir hoffen. Und, Hoffnung, so lehrt uns Vaclav Havel, ist „nicht Optimismus, es ist nicht die Überzeugung, dass es gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat – gleich wie es ausgeht.&#8221; Wir dürfen darauf hoffen, dass Gott kein „Wunscherfüller&#8221;, sondern ein guter, liebender Vater ist, der nicht unserem unvollkommenen Willen nachgibt, sondern der Seinen Willen geschehen lässt, weil Sein Wille der vollkommene ist. Dabei zeigt sich das dadurch vermittelte Heil manchmal schon heute. Dann fällt es uns leicht, die Gebetserhörung zu akzeptieren, dann sprechen wir ehrfurchtsvoll von einem „Wunder&#8221;. Eine Künstlerin sieht es fast 200 Jahre nach Heine so: „Wunder gescheh’n, ich hab’s geseh’n, wir dürfen nicht nur an das glauben, was wir seh’n.&#8221; Ihr Name: Gabriele Susanne Kerner, besser bekannt als „Nena&#8221;.</p>
<p align="justify"> </p>
<p align="justify">(Josef Bordat)</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Noch einmal Tischa b'Av]]></title>
<link>http://beer7.wordpress.com/2009/08/03/noch-einmal-tischa-bav/</link>
<pubDate>Mon, 03 Aug 2009 09:36:27 +0000</pubDate>
<dc:creator>beer7</dc:creator>
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<description><![CDATA[Yaacov Lozowick hatte offensichtlich aehnliche Gedanken und Gefuehle, nur dass er sich wesentlich be]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p><a href="http://docs.google.com/View?id=dgxshts6_57hbpmmgs9">Yaacov Lozowick hatte offensichtlich aehnliche</a> Gedanken <a href="http://beer7.wordpress.com/2009/07/30/aicha/">und Gefuehle</a>, nur dass er sich wesentlich besser ausdruecken kann.</p>
<p>Fuer meine deutschen Leser habe ich den Text uebersetzt:</p>
<blockquote>
<h2>Israels Ende</h2>
<p>Tischa b’Av, der neunte Tag im Monat Av, 2009. Heute gedenken wir der Zerstoerung des Zweiten Tempels in Jerusalem mit Trauer und Fasten, ab Mittag aber auch mit aufbauenden Handlungen, wie etwa kleinere Reparatuern im oder um’s Haus. Es ist heiss, seit gestern abend haben wir keinen Schluck Wasser getrunken, aber wir werkelen mit dem Hammer in der Hand herum und wollen irgendwas flicken. Im Judentum ist Trauer ebensosehr ein nach vorn schauen wie ein Blick zurueck.</p>
<p>Der Kundenkreis fuer die Idee, dass Israels Zeit begrenzt ist, waechst. Von 1949 bis Anfang der 1970er wurde Israels Existenzrecht fast in der ganzen arabischen Welt offen geleugnet, aber anderswo so gut wie nicht in Frage gestellt. Dann aenderte sich das Narrativ und fuer die naechsten 25 Jahre war man sich im Westen und in Israel ziemlich einig, dass die existenzielle Bedrohung vorbei waere und wenn Israel die Palaestinenser neben sich akzeptieren wuerde, koennte Frieden gedeihen. Die Gruene Linie von 1967: Wenn sich Israel nur darauf zurueckziehen wuerde!<!--more--></p>
<p>Seit Sommer 2000 verliert dieses Narrativ allmaehlich Grund. Die meisten Israelis und ihre gewaehlten Fuehrer haben die grundlegende These akzeptiert, wenn auch nicht alle Details. Aber die Palaestinenser machten deutlich, dass ihre Forderungen 1948 beginnen und nicht 1967.</p>
<p>Die Feinde und scharfen Kritiker Israels verzichten daher auf die Vorspiegelung, es ginge ihnen um Teilung. Immer offener setzen sie sich fuer die Abschaffung des Zionismus ein. Die Juden sollten keinen eigenen Staat haben, sagen die Feinde. Die Juden koennten am Ende ohne einen eigenen Staat dastehen, sagen unsicheren Freunde. Und alle fordern israelische Zugestaendnisse, die dazu fuehren koennten.</p>
<p>Hier drei zufaellige Beispiele, alle aus den vergangenen 24 Stunden. Erstens: Die tollwuetigen Antisemiten auf der Guardian Seite “Comment is Free” schwadronieren ueber die dringende Notwendigkeit einer Welt ohne Israel. Zweitens, Andrew Sullivan, ein wirrer Denker, aber eine sehr beliebter Blogger, saft A. Jay. Adler, dass er nicht sehen kann, wie Israel seinen 60. Geburtstag erlebt (der tatsaechlich 2008 bereits passierte, aber egal). Und endlich Jeffrey Goldber, Journalist und Blogger beim “The Atlantic” und ein standhafter Unterstuetzer Israels fuerchtet, dass falsche israelische Politik sein Ueberleben gefaehrden koennte. Die Antisemiten hoffen auf Israels Ende, Sullivan faengt an, sich Fragen zu stellen und Goldberg beginnt, sich zu fuerchten. Alle sind sich einig, dass es im Bereich des Moeglichen liegt.</p>
<p>Ist das so? Wie?</p>
<p>*****</p>
<p>In Israel leben etwa siebeneinhalb Millionen Menschen. 20% sind Araber oder arabisch-sprechende Drusen mit abnehmender Geburtenrate. Wenige Prozent sind nicht-arabische Christen, die meisten, aber nicht alle, aus der frueheren Sovietunion. Kulturell gehoeren sie zur hebraeisch-sprechenden, juedischen Gesellschaft. Der Rest sind Juden, ihre Geburtsrate steigt langsam an, selbst bei den nicht-religioesen unter ihnen. Die juedische Gemeinschaft in Israel ist die groesste weltweit. In absehbarer Zukunft wird sie die Mehrheit aller Juden in der Welt darstellen, obwohl das nicht sofort offensichtlich sein wird, weil die anderen Juden sich schwer definieren und zaehlen lassen. Die Zahl der Juden in Israel entspricht grob der Zahl der Juden, die in der Shoah ermordet wurden. Das waere ein Weg, Israel zu vernichten: mit Gewalt.</p>
<p>Im Dezember 2001 sagte Ali Akbar Hashemi Rafsanjani, den die Medien gern als der Gemaessigte unter den iranischen Fuehren anpreisen, in einer oeffentlichen Rede, dass Muslime sich nicht vor einer nuklearen Konfrontation mit Israel fuerchten sollten: Israel ist klein und kann zerstoert werden, die muslimische Welt ist gross und kann nicht zerstoert werden. (Uebersetzung von MEMRI, aber auch auf der Seite des iranischen Pressedienst veroeffentlicht). Natuerlich wuerde ein solcher atomarer Brand auch Millionen anderer toeten – Palaestinenser, Iraner, Jordanier, Libanesen und Syrier, aber einige Menschen waeren bereit, einen hohen Preis zu bezahlen, um die Welt von den Juden zu befreien. Die Geschichte belegt das, genauso wie sie beweist: Wenn Leute wiederholt ankuendigen, die Welt von den Juden befreien zu wollen, dann meinen sie vielleicht genau das.</p>
<p>Ich kann nicht sagen, wie nahe die Iraner an der Faehigkeit sind, Israel mit Atomwaffen vernichten zu koennen, auch nicht, wieviele der Fuehren im Rafsandjani ueberstimmen, aber ein nuklearer Krieg koennte tatsaechlich Israel zerstoeren. Umso mehr, als eine kleine Zahl von Personen ausreicht, um ihn zu starten. Sollte eine Gruppe von Israelhassern Atomwaffen haben, dann brauchen sie keine Volksabstimmung durchzufuehren. Ein paar hundert williger Techniker une ein Handvoll engagierter Massenmoerder wuerde ausreichen. Deshalb muss das verhindert werden.</p>
<p>Manchmal frage ich mich, ob Israel vielleicht eine Warnung aussprechen sollte: Wenn je der Tag kommt, an dem die letzten Israelis in einem nuklear bestueckten U-Boot realisieren, dass alles verloren ist, koennte ihr Befehl lauten, die letzten Atomrakten auf Berlin, London, Paris und Moskau abzufeuern. Einfach um den Nationen, deren Vorfahren oft und froehlich Juden verfolgten, nahezulegen, welche Kosten eine Welt ohne Israel fuer sie bedeuten koennte.</p>
<p>Klarerweise ist ein nukleares Armageddon moeglich. Fuer mein Teil habe ich mich entschieden zu leben, als ob es nicht passieren wird. Die gewaehlten Fuehrer und eine Handvoll Spezialisten muessen ihr Leben mit dieser Last verbringen und sich auf das Schlimmste vorzubereiten. Von uns anderen kann das nicht erwartet werden, waehrend wir unser normales Leben fuehren.</p>
<p>Bemerkenswerterweise glauben die Israelhasser, die sich nach Israels Vernichtung sehnen, nicht an die atomare Bedrohung. Sollte Israel einen praeventiven Militerschlag fuehren wuerden der Guardian und die anderen dieser Sorte Israel schrill fuer seinen Verfolgungswahn verurteilen. Ich erwarte, dass sich die Andrew Sullivans anschliessen wuerden. Das ist eine Spannung im Kern des anti-israelischen Diskurs, der postuliert, dass Israel wegen seiner Verbrechen an den Palaestinensern untergehen sollte oder koennte, waehrend gleichzeitig geleugnet wird, dass seine Existenz durch irgendjemand anderern bedroht sein koennte. Das ist die Entsprechung im Westen zum Widerspruch bei vielen Muslimen, die gleichzeitig den Holocaust leugnen und bedauern, dass Hitler den Job nicht beendet hat.</p>
<p>Gibt es abgesehen vom Atomkrieg eine Gefahr fuer Israels Existenz?</p>
<p>Aber sicher, sagen diejenigen, die das entweder fuerchten oder wuenschen. Ihr liebstes Szenario ist, dass Amerika sich von Israel abwenden wird und Israel zusammenbricht. In anderen Szenarion gelingt es britischen Akademikern und enthusiatischen Aktivisten einen Boykott gegen Israel loszutreten, der Israels Wirtschaft zerstoert und es zu Boden zwingt. Ohne aktive Ermutigung durch Amerika kann man sich aber schwer vorstellen, wie das funktionieren sollte.</p>
<p>Fuer ein solches Szenarion muessten einige Dinge geschehen.</p>
<p>Zunaechst muesste ein signifikanter Anteil der amerikanischen Gesellschaft sehr wuetend auf Israel werden. Einen bestimmten israelischen Politiker oder eine bestimmte Politik abzulehnen, ist nicht genug, um anti-israelische Gesetzgebung loszutreten. Um das zu erreichen, muessten grosse Massen von Amerikanern entscheiden, dass Israel einzigartig boese ist und das in einem Ausmass, das sehr ungewoehnliche Massnahmen rechtfertigen wuerde. Da Israel nicht einizartig boese ist, und tatsaechlich weit besser als viele Akteure auf der internationalen Buehne, bedeutet das, dass jemand Massen von Amerikanern einen irrationalen Hass auf Israel einpflanzen muesste. Mit anderen Worten, verbreiteter Antisemitismus muesste in eine Gesellschaft eingefuehrt werden, die weitgehend frei davon ist. Wenn wir davon ausgehen, dass es einen Grund dafuer gibt, dass Amerika die erste grosse westliche Gemeinschaft ist, die sich von der Malaise des Judenhasses befreien konnte, dann muesste dieser Grund rueckgaengig gemacht werden.</p>
<p>Trotz all meiner Seelenverwandtschaft mit Amerika, ich lebe nicht dort und kann nicht sagen, ob eine solche Entwicklung denkbar ist. Ich bezweifle das, aber vielleicht bin ich naiv. Das ist sicherlich ein wahrscheinliches Szenario in Europa – tatsaechlich findet es bereits statt – aber die europaeische Gesellschaft war ja auch nie wirklich frei von Judenhass.</p>
<p>Lasst uns um des Arguments willen annehmen, dass Amerika mitmacht, Sanktionen gegen Israel verhaengt und israelische Zugestaendnisse verlangt, die Israel andernfalls verweigern wuerde – z.B. nicht Siedlungen abzubauen, wofuer sich eine israelische Mehrheit leicht finden liesse, sondern eine halbe Million Nachkommen von palaestinensischen Fluechtlingen aufzunehmen oder die Haeuser von Hunderttausenden von Juden in Jerusalem abzureissen. Diese Art von Zugestaendnissen. Wuerden internationale Sanktionen gegen Israel helfen, wenn eine israelische Mehrheit sie als existenziell betrachtet?</p>
<p>Sanktionen funktionieren in der Regel nicht. Die Weltwirtschaft ist zu durchlaessig. Immer werden sich Menschen, Firmen und Staaten finden, die sie um des Profits willen umgehen. Eine Menge europaeischer Firmen haben bereits Meisterschaft in der Taeuschung erlangt, aber die Chinesen heucheln nicht einmal. Darueberhinaus: Auch wenn es gerade noch denkbar ist, dass die Amerikaner ihre Geschichte zurueckrollen und wieder am Judenhass Geschmack finde, die Chinesen und Inder hatten den Geschmack nie. Das einzige Beispiel von erfolgreichen Sanktionen, das mir bekannt ist, war gegen Suedafrika. Und auch dort hatten sie keine Wirkung bis die Welt in den fruehen 1990er auf einmal einpolig wurde. Heute ist sie weniger einpolig als damals, und deswegen machen haben die diversen Sanktionsmodelle, die derzeit laufen, kaum einen Unterschied.</p>
<p>Und was, wenn es universelle Sanktionen gegen Israel gaebe, so unwahrscheinlich das auch sein mag, aufgrund einer Sache, wo Israel meint, keinen Kompromiss eingehen zu koennen? Was dann?</p>
<p>Ich weiss, dass ich nicht nachgeben wuerde. Ich bin in den Krieg gezogen, drei Wochen nach meiner Hochzeit. Ich hoffte, dass ich zurueckkaeme, wusste aber, dass es keine Garantien gibt. Ich bin trotzdem gegangen und einige meiner Freunde sind tatsaechlich nicht zurueckgekommen. Ich habe eine Zeit durchlebt, als Busse und Supermaerkte lebensgefaehrliche Umgebungen waren. Ich habe meine Kinder in den Krieg geschickt – das war am schwersten. Warum sollte irgendjemand erwarten, dass ich in einer grundsaetzlichen Frage nachgaebe, nur weil mir wirtschaftliche Nachteile droehen? Soweit ich es ermessen kann, bin ich nicht anders als die meisten Menschen um mich herum. Wir haetten liebend gern Frieden mit unseren Nachbarn, wir haben absolut keine Freude an unseren Kriegen mit ihnen, aber wir werden nicht die Grundlagen aufgeben, die wir in den letzten paar Generationen unter horrenden Kosten erworben haben.</p>
<p>****</p>
<p>Es ist Tischa b’Av. Das Fastern ist in ein paar Stunden zu Ende und wir werden in unseren normalen Alltag zurueckkehren. Heute jedoch betrauern wir die Zeit vor zwei Jahrtausenden, als unsere Vorvaeter von der damaligen Weltmacht zerbrochen wurden. Boese Dingen koennen Juden widerfahren und tun es auch in regelmaessigen Abstaenden. Optimismus wie “Wir haben eine dynamische Gesellschaft hier und niemand kann uns zu Boden bringen” wird von der Geschichte nicht gewaehrleistet. Tatsaechlich wurden wir oft niedergeschlagen und vielleicht passiert uns das wieder. Aber es ist spaeter Nachmittag an Tisch b’Av und ich sollte meine Werkzeuge nehmen und im Haus herumschauen, was repariert werden koennte. Die Generation Juden, die durch die Roemer zu Staub zerrieben wurden, und ihre Kinder und Enkel waren schlussendlich die groesste Generation von Juden jemals:  Sie erhoben sich aus den Truemmern und definierten ihre Welt neu, so dass sie ohne den Tempel zurecht kamen; sie schufen die Mishna, sie legten das Fundament fuer die Faehigkeit, Jahrtausende Heimatlosigkeit und Entrechtung zu ueberdauern. Sie schafften sogar einen zweiten, noch wuetenderen Aufstand gegen die Reomer. Und dann ueberstanden sie Hadrians Voelkermord und machten weiter, bis das Roemische Reich lange vergangen war und sein Nachfolger und dessen Nachfolger usw.</p>
<p>Tut mir leid – nein, es tut mir ueberhaupt nicht leid – wer auch immer unsere naechste Vernichtung plant, kapiert es nicht. Wir sind nicht hier, weil uns die Kolonialherren schickten und vergassen, uns zurueckzuholen. Wir sind nicht hier, um uns fuer die Shoah zu raechen, die die Europaer den Deutschen ermoeglichten. Wir sind nicht hier durch Duldunt der Amerikaner. Wir sind hier, weil wir uns entschieden haben, hier zu sein. Abgesehen vom goettlichen Plan, den ich nicht vorgebe, erklaeren zu koennen, sind unsere eigenen Entscheidungen der wichtigste Teil dieser Geschichte, wie sie es immer waren.</p>
<p>Yaacov Lozowick</p>
<p>Jerusalem, 30. Juli 30, 2009</p></blockquote>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Was ist das eigentlich: Religion?]]></title>
<link>http://jobo72.wordpress.com/2009/07/20/was-ist-das-eigentlich-religion/</link>
<pubDate>Mon, 20 Jul 2009 12:15:46 +0000</pubDate>
<dc:creator>jobo72</dc:creator>
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<description><![CDATA[Einführungsvortrag des Seminars „Religionen im Alltag &#8211; Interreligiöser Dialog“ des Studienbeg]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p><em>Einführungsvortrag des Seminars „Religionen im Alltag &#8211; Interreligiöser Dialog“ des Studienbegleitprogramms für ausländische Studierende im Diakonischen Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz e.V., gehalten am 18. Juli 2009 in Hirschluch/Storkow<br />
</em><br />
1. Einführung</p>
<p>Es ist in den letzten Jahren viel von Religion bzw. ihrer „Rückkehr“ die Rede, auch dort, wo man es nicht erwartet. Ein zu globalem Terrorismus motivierender Glaube, ein US-Präsident, der jenen und – wie einige meinen – auch diesen im Auftrag „seines“ Gottes bekämpfte, ein deutscher Papst – das sind die äußeren Umstände des Diskurses, die medial wirksamen Rahmenbedingungen, die überhaupt erst ermöglichen, dass Religion wieder Thema geworden ist, die zugleich aber die Notwendigkeit einer Auseinandersetzung mit unterschiedlichen religiösen Traditionen in der globalisierten Welt unterstreichen.</p>
<p>Wenn man sich einem schwierigen Phänomen wie Religion nähern möchte, eignet sich eine Begriffsanalyse immer ganz gut als Startpunkt. Ich werde nach einer solchen auf drei Aspekte der Religion eingehen, 1. auf ihre Rolle in der und für die menschliche Gesellschaft, 2. auf ihre Orientierungsleistung für den Menschen und schließlich 3. auf die im religiösen Vollzug des Einzelnen gewonnene Möglichkeit zu einer tiefen Selbstvergewisserung zu gelangen, die das Wesen der Religion, des religiösen Glaubens an sich ausmacht. Wir gehen sozusagen von außen nach innen, von der Politik zum Gebet.</p>
<p>2. Der Begriff „Religion“</p>
<p>Religion kommt ja vom Lateinischen „religio“, das hieß zunächst einerseits soviel wie „Respekt“, „korrektes Verhalten“, „Verbindlichkeit“, „Gewissenhaftigkeit“, andererseits soviel wie „Bedenken“, „Zweifel“, „Besorgnis“, „Skrupel“, bevor es dann die Bezeichnung der Römer für Kulthandlungen und Bräuche wurde, also für die „Religion“ im engeren Sinne.</p>
<p>Religio wiederum kommt von „relegere“ („erneut lesen“), das auf „legere“ zurückgeht („sammeln“). Richard Schröder betont zwei andere etymologische Ursprünge, die wahrscheinlich sind: Religion, so der Berliner Theologe, komme zum einen von „relegare“, das heißt einerseits „wegschicken“, „verbannen“, „zurückweisen“, andererseits kann es „genau beobachten“, „erwägen“, „betrachten“, „beschauen“ heißen, zum anderen von „religare“, das heißt „verbinden“, „anbinden“ „zusammenbinden“.</p>
<p>Diese Wortherkunft bringt uns in der Tat weiter, wenn wir über religiöse Praxis nachdenken, verweist doch die erste Quelle auf die Religiosität und Spiritualität des Einzelnen im persönlichen Gebet, in der Betrachtung, in der Meditation, der Versenkung, der Vereinzelung, das zweite hingegen auf die Gemeinschaft mit Gott, die dabei für den Gläubigen erfahrbar wird, aber auch auf die Gemeinschaft der Gläubigen untereinander, auf ihr Miteinander in der Gemeinde. Zusätzlich stehen der religiöse Mensch und die Gemeinde in der Gesellschaft und sind mit ihr verbunden. Religion bewegt sich also im Spannungsfeld zwischen öffentlich und privat. Dies soll unsere Gedanken in einer kurzen Analyse der Phänomenologie des Begriffs „Religion“ leiten.</p>
<p>3. Rolle der Religion</p>
<p>Jemand der Religion zuvörderst als funktionales System betrachtet hat, ist Émile Durkheim, der Begründer der Soziologie als Wissenschaft. Er beschäftigte sich in seinen Studien mit den Bedingungen des Zusammenlebens innerhalb der Gesellschaft. In Folge dessen rückte die Religion in den Mittelpunkt seiner Arbeit, weil er erkannte, dass sie im gesellschaftlichen Leben eine zentrale Rolle spielt. Ziel seiner Forschungen war es, die elementaren Formen von Religion herauszuarbeiten und ihre Funktion zu beschreiben.</p>
<p>Durkheims Argumentation für den Aspekt der Funktionalität der Religion in sozialen Systemen ist die folgende: Einflüsse der Gesellschaft bringen den Menschen dazu, entgegen seiner natürlichen Neigungen zu handeln. Der Mensch spürt zugleich, dass es außerhalb seiner Selbst moralisch wirksame Kräfte gibt, von denen er abhängt. Von diesem moralischen Bewusstsein versucht der Mensch sich mit Hilfe von religiösen Symbolen einen Begriff zu machen. Hauptziel der Religion ist es nach Durkheim also, ein religiöses Begriffssystem und Glaubensvorstellungen zu erzeugen, mit deren Hilfe sich Menschen die Gesellschaft, also die Welt, die sie umgibt, erschließen können. Bestärkt werden Glaubensvorstellungen in religiösen Handlungen. Riten und Kultpraktiken sollen die Verbindung zwischen den Gläubigen und Gott stärken, indem die Glaubensvorstellungen regelmäßig voreinander bezeugt werden.</p>
<p>Religion bietet also eine Orientierung, so dass wir uns in der Welt zurechtfinden können.</p>
<p>4. Orientierung durch Religion</p>
<p>Wir können grundsätzlich zwischen wissenschaftlichem Verfügungs- und religiösem Orientierungswissen unterscheiden. Tendenziell ist es eben so, dass Wissenschaft, insbesondere Naturwissenschaft, auf Verfügungswissen abzielt und religiöse Betätigung auf Orientierungswissen.</p>
<p>Doch damit ist keine klare Grenze markiert, denn selbst in den Naturwissenschaften geht es nicht immer nur um den Anwendungsbezug, also technische Verfügungsgewalt über die Natur (man denke an die Grundlagenforschung!) und selbst Orientierungssysteme wie Religionen haben technische Wissensbestände (Liturgie!). Als Katholik weiß man das am besten. Wenn mal das Gloria vor dem Kyrie gesungen würde, führte das zu echten Irritationen. Das betrifft zwar nicht den Glauben als Form der Lebensorientierung, sondern die Konvention im Ritus, aber die muss eben auch stimmen.</p>
<p>Zunächst einmal sollte man die Bereiche streng trennen, soweit es um die Sicherung der Validität von Denkresultaten und damit um die Ernsthaftigkeit von Antwortversuchen in beiden Sphären geht. Wir machen das ja auch. Auf die Frage „Wer war Paulus?“ würde uns eine naturwissenschaftliche Antwort (etwa: „Eine Ansammlung von Sauerstoff, Wasserstoff und Kohlestoff in einem bestimmten Fenster unserer Raumzeit.“) ebenso verfehlt vorkommen wie ein Arzt im Krankenhaus, der bei seiner Visite jedem Patienten immer nur Psalm 23 vorlesen würde („Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen.“). Man merkt schnell: Da passt irgendwas nicht zusammen.</p>
<p>Dennoch lassen sich die Bereiche auch nicht strikt voneinander lösen. Es gibt eine berechtigte Zusammenschau der Bereiche, schon allein damit die Missbrauchsgefahr des einen wie des anderen geschwächt wird. So wie die Theologie als Wissenschaft die Religion reflektiert und kritisiert, so muss die Wissenschaft, die vorgibt, dem Wohl des Menschen zu dienen, diesen auch in den Mittelpunkt stellen, sich daher Kritik gefallen und – wo es nötig ist – Grenzen auferlegen lassen.</p>
<p>Die Unterscheidung von Orientierung und Verfügung markiert unterschiedliche Ebenen von Gewissheit. Der religiöse Mensch begibt sich im Glaubensvollzug in eine Ungewissheit hinein. Der katholische Existenzphilosoph Peter Wust nennt dies ein „Wagnis“, ist aber zugleich der Ansicht, dass der Mensch nur dann ganz Mensch ist, wenn er dieses Wagnis eingeht. Dieses Wagnis einzugehen ist seine Bestimmung. Wust nennt es das „Wagnis der Weisheit“. Weisheit heißt für ihn nicht philosphisch-akademisches, sondern existentielles Wissen, das seinen Ausdruck in einer Lebensweisheit findet, die zu ehrfurchtsvollem Gottvertrauen, zur Gelassenheit des Glaubens und zur Liebe führt. Dennoch bleibt diese Weisheit ein Wagnis. Das Wagnis der Weisheit kann auch als „Wagnis des vernünftigen Gehorchens“, als „Wagnis des Glaubens“ und damit als „Wagnis aller Wagnisse“ angesehen werden. Man könnte auch sagen: Dieses Wagnis ist nichts anderes als die Religion im privaten Glaubensvollzug, ein Wagnis, das eingegangen werden muss, um zu einer letzten Selbstvergewisserung zu gelangen.</p>
<p>5. Selbstvergewisserung im Glaubensvollzug</p>
<p>Der religiöse Mensch sucht nach Antworten auf die Grundfragen des Glaubens, also den Fragen nach Gott, seiner Offenbarung und dem Heil des Menschen, wobei in diesem Zusammenhang die Frage des persönlichen Heils alles überschattet. Gotteserkenntnis geschieht dabei nicht durch denkenden Verstand, sondern durch fühlendes Herz und bleibt dabei nicht abstrakt-theoretisch, sondern wird konkret-praktisch. Gott wird als „Du“ erkannt. Dieser personale Gott bleibt jedoch auch für denjenigen, der sich zum Glauben entschlossen hat, nicht ganz greifbar, sondern präsentiert sich bald enthüllt, bald wieder verhüllt. Völlige Klarheit gibt es im religiösen Leben nicht.</p>
<p>Zur religiösen Existenz des gläubigen Menschen gehört der Zweifel dazu. Es gibt kaum einen Heiligen, der nicht Phasen von tiefer Ungewissheit durchlebt hätte. Besonders die Mystiker berichten von schweren Zeiten in ihrem Glauben. Ihr Weg führt oft von einem quälenden Zweifel hin zur Gewissheit der Existenz Gottes und des persönlichen Heils. Dieser Weg von der „dunklen Nacht“ in das Licht des Tags ist ein individueller Weg religiöser Praxis, die sich vom Denken und Handeln des Alltags entfernt, doch nicht als bloßes Gegenmodell, als spirituelle Oase zum Zweck kurzzeitiger Erholung, sondern als Methode echter Selbstvergewisserung. Religiöse Praxis – das ist Betrachtung und Gebet.</p>
<p>Als Peter Wust mit 53 Jahren an Oberkieferkrebs erkrankt, muss er sich in dieser Grenzsituation im Glauben bewähren, was ihm durch die Kraft des Gebets gelingt. 1940, nach drei Jahren schwerer Krankheit, stirbt er. Schon den Tod vor Augen schreibt er am 18. Dezember 1939 an seine Studentinnen und Studenten einen Abschiedsbrief, der mit den folgenden Worten endet: „Und wenn Sie mich nun noch fragen sollten, bevor ich jetzt gehe und endgültig gehe, ob ich nicht einen Zauberschlüssel kenne, der einem das letzte Tor zur Weisheit des Lebens erschließen könne, dann würde ich Ihnen antworten: ,Jawohl’. – Und zwar ist dieser Zauberschlüssel nicht die Reflexion, wie Sie es von einem Philosophen vielleicht erwarten möchten, sondern das Gebet.“</p>
<p>Also: Soweit Religion öffentlich sein soll, müssen wir etwas tun – karitativ, sozial und politisch –, soweit Religion privat sein soll, müssen wir uns immer wieder ins Gebet versenken. Religion ist dabei unbedingt beides: Handeln und Beten. Die beiden Dinge dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden, denn sie gehören untrennbar zusammen. „Ora et labora“ hat es der Ordensgründer Benedikt von Nursia genannt. Oder mit den Worten Dietrich Bonhoeffers: „Das Gebet ersetzt keine Tat, aber keine Tat ersetzt das Gebet.“ Man könnte im Rahmen von Religion als Alltagsübung sagen, dass das Gebet die Grundlage für jede weitere religiöse Betätigung im weitesten Sinne ist, insbesondere auch für das karitative Handeln. So möchte ich schließen mit einem Gedanken, den uns Mutter Theresa hinterlassen hat: „Wer anfängt zu beten, fängt an zu glauben. Wer anfängt zu glauben, fängt an zu lieben. Wer anfängt zu lieben, fängt an zu dienen.“</p>
<p>(Josef Bordat)</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Die lange Nacht der Religionsphilosophie]]></title>
<link>http://fsrtheologie.wordpress.com/2009/06/23/die-lange-nacht-der-religionsphilosophie/</link>
<pubDate>Tue, 23 Jun 2009 08:24:29 +0000</pubDate>
<dc:creator>Jonas A.M. Dapschies</dc:creator>
<guid>http://fsrtheologie.wordpress.com/2009/06/23/die-lange-nacht-der-religionsphilosophie/</guid>
<description><![CDATA[Freitag, 26. Juni Mit Studierenden und PD Dr. Joachim von Soosten. Texte u.a. von Star Trek XI, Mart]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p><strong>Freitag, 26. Juni</strong></p>
<p>Mit Studierenden und PD Dr. Joachim von Soosten.<br />
Texte u.a. von Star Trek XI, Martin Heidegger, Edgar Allen Poe, John Updike, Aristoteles, Stanley Kubrick, Niklas Luhmann, Hans Blumenberg.</p>
<p>Bei Wein, Büfett und Kerzenschein.</p>
<p>Einlass ab 20:00Uhr, Beginn: 21.03 Uhr.</p>
<p><strong>ESG, Grindelalle 43, Sauerberghof, Haus B</strong></p>
<p><a href="www.esg-hamburg.de">www.esg-hamburg.de</a></p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Auserwaehltheitsneid]]></title>
<link>http://beer7.wordpress.com/2009/04/23/auserwaehltheitsneid/</link>
<pubDate>Thu, 23 Apr 2009 12:40:38 +0000</pubDate>
<dc:creator>beer7</dc:creator>
<guid>http://beer7.wordpress.com/2009/04/23/auserwaehltheitsneid/</guid>
<description><![CDATA[Bei Lila habe ich noch einen Antisemiten voreingenommenen Europaeer gelesen: Deine durchaus sophisti]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Bei Lila habe ich <a href="http://rungholt.wordpress.com/2009/04/22/preisfrage-3/#comment-29244">noch einen <del datetime="2009-04-27T05:29:19+00:00">Antisemiten</del> voreingenommenen Europaeer</a> gelesen:</p>
<blockquote><p>Deine durchaus sophistische Frage rekurriert augenscheinlich auf die Auffassung einer Singularität im jüdischen Leiden. Der sophistische Grundton ist daran zu erkennen, dass alleine der Gegenüberstellung zweier Greueltaten ein Maß von Zynismus inhärent ist, welches wirklich schwer zu ertragen ist. Soviel zu deiner Fragestellung. (In Anbetracht deiner Voreingenommenheit lässt sich also keine angemessene Antwort geben)</p>
<p>Was den Artikel von Stephens betrifft, so zeigt sich auch hier eine eklige Blasiertheit, die bereit ist die Auserwähltheit im Leiden so weit zu entgrenzen, bis ihr sogar das Leiden der Anderen, also die eigene Untat zugerechnet werden kann. So macht man sogar das Leiden der Anderen zu seinem eigenen. Bei soviel Kaltschnäuzigkeit bleibt einem nichts mehr zu sagen.</p>
<p>Ich hoffe doch sehr, dass der von dir zitierte Autor seinen Text in geistiger Umnachtung verfasst hat.</p></blockquote>
<p>Abgesehen vom boesartig ueberheblichen Tonfall faellt mir auf, dass das Ressentiment des Verfassers gegenueber Juden anscheinend vor allem darauf beruht, dass sie sich als auserwaehltes Volk betrachten. Dieselbe Beobachtung habe ich bei vier der <a href="http://beer7.wordpress.com/2009/04/22/momentaufnahme-antisemitismus-unter-nzz-lesern/">hier analysierten Kommentarschreiber</a> gemacht. Dedie, Bernard, Krug und Luethy bestehen darauf, dass der Auserwaehltheitsgedanke des Judentums mit Herrenmenschengehabe und Rassismus gleichzusetzen sei. </p>
<p>Auf diese falche Vorstellung bin ich <a href="http://beer7.wordpress.com/2007/03/20/vom-heidentum-zum-monotheismus-mehr-religionsphilosophische-splitter/">schon einmal eingegangen</a> und habe sie sowohl historisch (urspruenglich Stammesgott, jeder Stamm hatte mindestens einen zustaendigen Gott, war also auserwaehlt) wie theologisch (Auserwaehlung als Imperativ, sich an Gebote zu halten) widerlegt.</p>
<p>Auf welcher Grundlage dieser Auserwaehltheitsneid entstand hat<a href="http://www.korrektheiten.com/2007/10/04/noch-ein-paar-gedanken-zu-christentum-islamophobie-antisemitismus/"> Manfred hier ausgearbeitet</a>:</p>
<blockquote><p>Das Christentum entwickelte seine spezifische Identität in Auseinandersetzung mit und in Abgrenzung vom Judentum &#8211; es definierte sich geradezu dadurch, dass es nicht jüdisch war, während es zugleich den <strong>Anspruch erhob, gleichsam das bessere Judentum zu sein</strong>. Dadurch wurde den Juden von Beginn der Christianisierung an der Status der “Sie-Gruppe” (also der Gegengruppe zur “Wir-Gruppe”) zugeschrieben und durch den prägenden Einfluss des Christentums auf die von ihm durchdrungenen Gesellschaften in deren kulturelle DNA eingeschrieben:
</p></blockquote>
<p> (Hervorhebung von mir)</p>
<p>Dieser Anspruch, die christliche Kirche habe das Judentum abgeloest (Neuer Bund im Gegensatz zum Alten Bund) ist in der Befreiungstheologie immer noch praesent und wird in den USA vor allem von schwarzen Klerikern vertreten. <a href="http://www.americanthinker.com/2008/06/obama_black_liberation_theolog_2.html">Kyle-Anne Shiver zitiert im American Thinker</a> :</p>
<blockquote><p>    To be Christian is to be one of those whom God has chosen.  God has chosen black people!<br />
     &#8211; James H. Cone; Black Theology and Black Power; p. 151</p></blockquote>
<p>Im selben Werk sieht sie auch den Ausdruck von Holocaustneid:</p>
<blockquote><p>    The whole world knows the Nazis murdered millions of Jews and can suspect that the remaining Jews are having some emotional reaction to that fact.  Negroes, on the other hand, are either ignored or thought to be so subhuman that they have no feelings when one of their number is killed because he was a Negro.  Probably no week goes by in the United States that some Negro is not severely beaten, and the news is reported in the Negro press. </p>
<p>    Every week or maybe twice a week almost the entire Negro population of the United States suffers an emotional recoil from some insult coming from the voice or pen of a leading white man. </p>
<p>    The surviving Jews had one, big, soul-wracking &#8220;incident&#8221; that wrenched them back to group identification.  The surviving Negroes experience constant jolts that almost never let them forget for even an hour that they are Negroes. </p></blockquote>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Wüste. Der besondere Ort]]></title>
<link>http://jobo72.wordpress.com/2009/03/02/wuste-der-besondere-ort/</link>
<pubDate>Mon, 02 Mar 2009 08:34:59 +0000</pubDate>
<dc:creator>jobo72</dc:creator>
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<description><![CDATA[Religion kommt ja vom Lateinischen „religio“, das hieß zunächst einerseits soviel wie „Respekt“, „ko]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Religion kommt ja vom Lateinischen „religio“, das hieß zunächst einerseits soviel wie „Respekt“, „korrektes Verhalten“, „Verbindlichkeit“, „Gewissenhaftigkeit“, andererseits soviel wie „Bedenken“, „Zweifel“, „Besorgnis“, „Skrupel“, bevor es dann die Bezeichnung der Römer für Kulthandlungen und Bräuche wurde, also für die „Religion“ im engeren Sinne. Das erste deutet auf die christliche Ethik, das zweite auf die Stellung des homo religiosus zwischen „Ungewissheit und Wagnis“ (Wust). In früheren Beiträgen war davon ja schon die Rede.</p>
<p>Religio wiederum kommt zum einen von „relegare“, das heißt einerseits „wegschicken“, „verbannen“, „zurückweisen“, andererseits kann es heißen „genau beobachten“, „erwägen“, „betrachten“, „beschauen“, zum anderen von „religare“, das heißt „verbinden“, „anbinden“, „zusammenbinden“. Das erste verweist auf die Religiosität und Spiritualität des Einzelnen im persönlichen Gebet, in der Betrachtung, in der Meditation, der Versenkung, der Vereinzelung. Wir kennen den frühchristlichen Typus des Eremiten in der Wüste, der sich selbst verbannt, um noch genauer Gott betrachten zu können. Der Eremit wählt den besonderen Weg der Gottesbegegnung. Das zweite verweist auf die Gemeinschaft mit Gott, die dabei für den Gläubigen erfahrbar wird, aber auch auf die Gemeinschaft der Gläubigen untereinander, die christliche communio. Als Kirche wird die Gemeinschaft „katholisch“, das heißt allgemein.</p>
<p>Besonderung und Allgemeinheit. Beides ist von Beginn an prägend für das Christentum, weil es im Leben Jesu eine Rolle spielt. Bevor Jesus öffentlich auftrat, bevor er für alle Menschen das Heil bringt, indem er verkündet: „Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!“ (Mk 1,15), ging er in die selbstgewählte Vereinzelung, in die Wüste, um dort sein Verhältnis zum Vater zu erwägen, zu betrachten. Ganz genau, ungestört. Dann trat er auf und wählt die Apostel aus, um Gemeinschaft zu haben mit den Jüngern und – gemeinsam mit ihnen – Gemeinschaft mit dem Vater.</p>
<p>Gerhard Feige, Bischof von Magdeburg, fasst die Bedeutung der Wüste als ganz besonderem Ort zusammen: „Das Wirken Jesu beginnt mit einer Wüstenzeit – vierzig Tage lang. Jede Wüste stellt eine ganz besondere Herausforderung dar. Wer schon einmal in einer Wüste war, weiß um ihre Gefahren: Die Landschaft ist karg, die Sonne versengend, Durst und Hunger drohen. Der Mensch erfährt zutiefst, wie unbehaust und gefährdet er ist. Kein Wunder, dass die Wüste von alters her immer als ein Ort der Versuchung und Erprobung erfahren und gedeutet wurde. Hier ist der Mensch auf die elementaren Zusammenhänge des Lebens zurückverwiesen. Er wird konfrontiert mit der Frage nach dem Sinn seines Lebens und steht unweigerlich vor der Frage: Wie halte ich es mit Gott? Wenn wir uns schließlich auf diese elementare Frage einlassen, kann uns aufleuchten, dass die ,Wüste’ auch der Ort der Läuterung und Erneuerung ist.“</p>
<p>Dieser besondere Ort der Wüste ist überall zu finden, nicht nur in den geographischen Trockenzonen der Erde. Eine innere Wüste kennen wir alle. Weil Jesus den Versuchungen des Bösen auch unter den extremen Bedingungen der Wüste widerstand, dürfen wir darauf hoffen, dass auch uns dies gelingt. In den Gefährdungen unseres Lebens, in den Anfechtungen des Zeitgeistes, in Hunger und Durst sind wir mit Christus vereint. Ich glaube, dass er uns den Weg aus der Wüste hinausweist. Denn er ist das Brot des Lebens und das lebendige Wasser.</p>
<p>(Josef Bordat)</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Wir Juden lieben das Leben]]></title>
<link>http://beer7.wordpress.com/2009/01/14/wir-juden-lieben-das-leben/</link>
<pubDate>Wed, 14 Jan 2009 08:48:01 +0000</pubDate>
<dc:creator>beer7</dc:creator>
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<description><![CDATA[Bei Elder of Ziyon habe ich diesen herzbewegenden Text gefunden: A tribute to Dvir Emanuelof &#8211;]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Bei Elder of Ziyon habe ich diesen herzbewegenden Text gefunden:<br />
<a href="http://elderofziyon.blogspot.com/2009/01/tribute-to-dvir-emanuelof-and-all-of.html">A tribute to Dvir Emanuelof &#8211; and all of Israel</a> Dvir ist der erste israelische Soldat, der in den Kaempfen im Gazastreifen gefallen ist, Dalia ist seine Mutter.</p>
<p>Ich uebersetze ein paar Absaetze:</p>
<blockquote><p>(&#8230;)</p>
<p>Ein paar Tage spaeter dachte ich an Dvir waehrend ich mich auf einen Vortrag  in der Ramaz-Oberschule in Manhattan anlaesslich einer Israel-Solidaritaetsveranstaltung vorbereitete. Ich begann mit den Worten Dvirs an seine Mutter und fuehrte dann aus, warum Dvir kaempfen musste &#8211; soll heissen, warum Israel keine Alternative zum Krieg hatte, um den Raketenbeschuss der Hamas auf Wohnungen und Schulen in Sderot und andere Orte im Sueden Israels zu beenden. Nachdem ich Israels Kriegsziele beschrieben hatte, ging ich auf den Punkt ein, der diesen moralisch sensiblen jungen Leuten auf der Seele lastete: Wie koennen wir sicher sein, dass Israel bei der Umsetzung seiner moralischen Ziele auch moralische Mittel einsetzte? Ich betonte, wie weit die IDF geht, um pal. Zivilisten zu schonen und stellte dem die Hamasstrategie gegenueber, Zivlisten &#8211; Frauen, Kinder, sogar Patienten im Krankenhaus &#8211; als menschliche Schutzschilde zu missbrachen, damit die israelische Armee entweder ihre Kaempfer nicht angreift oder um andernfalls den juedischen Staat die Schuld am Tod von Zivilisten aufzuladen.</p>
<p>Anschliessend nahm ich Fragen von Oberschuelern in einer von Ramaz&#8217; Abschlussklassen entgegen. Ein ernstes junges Maedchen namens Julie stellte die schwierigste. Sie akzeptierte, dass Israel das Recht hat, in die Offensive zu gehen und moralisch kaempfte, aber sie machte sich grosse Sorgen hinsichtlich des Ausgangs. Wenn Hamas daran gelegen war, dass pal. Zivilisten getoetet wurden, waehrend die IDF ihr Bestes tat, solche Tote zu vermeiden, welche Hoffnung auf Sieg blieb Israel? Entweder wuerde die IDF davon abgehalten, der Hamas die noetigen Schlaege zu versetzen, um sie zu besiegen, oder Israel wuerde am Ende doch eine grosse Zahl von Zivilisten toeten und durch internationalen Druck gezwungen sein, einen vorzeitigen Waffenstillstand zu akzeptieren. Das wuerde als Hamassieg empfunden werden entsprechend dem Sieg der Hisbollah durch pures Ueberleben im 2. Libanonkrieg. Sie hatte die Aussage des Generalsekretaers der Hisbollah, Hassan Nasralla, von 2004 erschreckend ugt verstanden: &#8220;Wir haben gelernt, die Juden an ihrem wunden Punkt zu treffen&#8230; Wir werden siegen, weil sie das Leben lieben und wir lieben den Tod.&#8221; Nasrallah meinte, dass Juden ihr eigenes Leben lieben, waehrend muslimische Extremisten den Tod im Heiligen Krieg anstreben. In Gaza stellt sich heraus, dass Juden auch das Leben von arabischen Zivilisten hoeher schaetzen als die Fuehrer der Hamas es tun. Ich antwortete stockend auf der taktischen Ebene, verwies auf die genauen Geheimdienstberichte der IDF und die praezise Umsetzung, die es ermoeglichte, vorwiegend Hamaskaempfer zu toeten, auch darauf, dass die internationale Verurteilung von Israel sich in Grenzen hielt wegen der Abscheu gegenueber dem Einsatz von menschlichen Schutzschilden.</p>
<p>(&#8230;)</p>
<p>An einer Stelle wandte sich Dalia an General Mizrahi und fragte, warum Israel im Gazastreifen nicht in derselben Weise kaempfen koenne wie die alliierten Kraefte es im Irak und in Afghanistan getan haben &#8211; aggressives Bombardement von Kaempfern in bewohnten Gegenden. In ihrer Stimme war keine Bitterheit darueber, dass die IDF mit der Ruecksichtsnahme auf pal. Zivilisten das Leben ihres Sohnes auf&#8217;s Spiel gesetzt hatte, auch kein Beduerfnis nach Rache &#8211; nur der bersorgte Ton einer israelischen Mutter, die gern die Sohne anderer israelischer Muetter beschuetzen wollte. Der General antwortete bedaechtig, aber ohne Zoegern, dass die IDF mehr unternahm, um das Leben ihrer Soldaten im Gazastreifen zu schuetzen, als in frueheren Konflikten und nannte als Beispiel die Woche Luftangriffe, die der Bodenoffensive voranging. Er fuegte jedoch hinzu, dass die Staerke der IDF unteilbar davon abhaengt, dass sie ihre Menschlichkeit und Ethik bewahrt. Soldaten fuehlen sich auch als Gemeinschaft, weil sie wissen, dass sie unabhaengig von religioesen und politischen Meinungsverschiedenheiten, gemeinsame Werte miteinander teilen. In Anspielung auf die weit verbreitete Meinung, dass sich die militaerische Fuehrung der Hamas im Untergrund des Shifakrankenhauses in Gazastadt verbirgt, sagte er, dass er keinen Befehl geben wuerde, das Krankenhaus aus der Luft anzugreifen, weil es gewisse Dinge gibt, die man einfach nicht tut. Das ist eine Verpflichtung, betonte er, die die IDF als juedische Armee hat. Die Reaktionen im Raum machten klar, dass sich alle mit Dalias Frage identifiziert hatten, aber auch alle die Antwort akzeptierten &#8211; sie waren auch beeindruckt, dass der Offizier bei dieser Gelegenheit dei juedischen Werte bekraeftigte, die uns verbinden.</p>
<p>Als ich nach Shabbatausgang wieder nach Hause ging, verstand ich die Antwort auf die Frage, die ein junges Maedchen mir 10.000 km entfernt gestellt hatte. Ja, auf der taktischen Ebene kann es ein Handikap sein, das Leben zu lieben, waehrend der Gegner den Tod liebt. Aber am Ende ist es diese Liebe zum Leben, die uns hilft, uns durchzusetzen. Wir werden diejenigen besiegen, die den Tod lieben, weil wir das Leben so sehr lieben, dass wir Israels &#8211; von halbwuechsigen Maedchen bis zu hohen Offizieren in Zeiten des Kriegs &#8211; denjenigen Trost bieten, die einen geliebten Menschen verloren haben und sagen koennen &#8220;Wir sind bei Euch.&#8221; Unsere Liebe zum Leben ermoeglicht uns, Trauer und Verlust zu konfrontieren und mit Stolz, Entschlossenheit, Hoffnung und Glaube daraus hervorzugehen, wie uns Dalia gezeigt hat.</p>
<p>Wir lieben das Leben so sehr, dass wir unsere Kinder erziehen, das Leben zu lieben, obwohl wir von Feinden umringt sind, die unseren Tod erhoffen, darum beten und darauf hinarbeiten. Diese Liebe zum Leben hat es Juden moeglich gmacht, nach 2000 Jahren in ihre Heimat zurueckzukehren und einen Staat aufzubauen. Das Sendungsbewusstsein, das aus dieser Liebe zum Leben herruehrt, wird den zionistischen Traum noch weit in die Zukunft tragen. Wir lieben das Leben so sehr, das wir uns unser ethisches Empfinden auch nicht durch Feinde abstumpfen lassen, die uns zwingen wollen Kinder und Frauen zu toeten, wenn wir uns verteidigen. Obwohl unsere Grundsaetze die Effektivitaet der IDF beeintraechtigen, liefern sie einen immateriellen Vorsprung, der das mehr als ausgleicht &#8211; die Zuversicht und die Staerke unser Ziel verfolgen zu koennen mit dem sicheren Wissen, dass wir gerecht handeln und die Einigkeit in der Gesellschaft, die davon herruehrt, dass wir in Uebereinstimmung mit ihren wichtigsten Werten handeln. Ja, damit sich niemand taeuscht, wir werden siegen, weil wir das Leben so sehr lieben, dass wir bereit sind, auch dem Tod zu trotzen, wo es noetig ist, damit unser Volk ein freies Leben fuehren kann in dem Land, das wir entgegen allen Voraussagen aufgebaut haben. Am Ende ist es diese Liebe zum Leben, die uns durchhalten lassen wird &#8211; nicht nur im Krieg im Gazastreifen, auch in all den Herausforderungen, die wir in kommenden Jahren und Generation bestehen muessen.</p></blockquote>
<p>Als Ergaenzung und Verstaerkung zu diesem Text empfehle ich Lila zu lesen: <a href="http://rungholt.wordpress.com/2008/12/31/eine-grundsatz-erklarung/">Eine Grundsatz-Erklärung</a> und auch mein <a href="http://beer7.wordpress.com/2007/03/27/choose-life/">Choose Life! </a></p>
<p>Auch <a href="http://elderofziyon.blogspot.com/2009/01/secret-life-of-terrorists.html">via Elder of Ziyon</a> habe ich <a href="http://www.nytimes.com/2009/01/14/world/middleeast/14gaza.html?_r=1">dieses Beispiel fuer die pal. Liebe zum Tod</a> gefunden:</p>
<blockquote><p>In a different part of town, another young fighter and his wife were getting ready to go see her brother, 20, who had been wounded in southwest Gaza City two nights ago while bringing food to fighters. The fighter, 27, in dark jeans and Timberland-style boots, swaggered with words about Islam and duty to his people. Hamas is doctrinally opposed to Israel’s right to exist.</p>
<p>“It’s either victory while alive, or martyrdom,” he said. “Both ways are victory.”</p>
<p>His wife, in a white head scarf, agreed.</p>
<p>“Two days ago, he was very tired and he didn’t want to leave the house,” she said. “I told him you have to leave, you have a responsibility.”</p>
<p>But the sight of her brother unconscious in the hospital bed seemed to jolt the couple into an alternate reality, one where they were vulnerable and afraid. The man’s eyes glistened with tears as he asked the doctor question after question.</p>
<p>Back outside, the woman regained her composure.</p>
<p>“I prefer you as a martyr,” she said to her husband.</p>
<p>“What if I am injured?” he asked.</p>
<p>She repeated her preference for death. </p></blockquote>
<p><a href="http://www.pmw.org.il/ASK%20FOR%20DEATH_ger.htm"><br />
Dieses Beispiel ist schon aelter:</a></p>
<blockquote><p>Interviewer: „Du hast Shahada als etwas Schönes beschrieben. Meinst du, dass es schön ist?”</p>
<p>Walla: „Shahada ist sehr, sehr schön. Jeder sehnt sich nach Shahada. Was könnte es Besseres geben, als ins Paradies zu gehen?”</p>
<p>Interviewer: „Was ist besser, Friede und volle Rechte für das palästinensische Volk, oder Shahada?”</p>
<p>Walla: „Shahada. Ich werde meine Rechte erhalten, wenn ich eine Shahida geworden bin.”</p>
<p>Jussra: „Natürlich ist Shahada eine gute Sache. Wir wollen nicht diese Welt, wir wollen das Jenseits. Wir profitieren nicht von diesem Leben, sondern vom Jenseits&#8230; Die Kinder Palästinas haben das Konzept akzeptiert, dass dies Shahada ist, und dass der Tod durch Shahada sehr gut ist. Jedes palästinensische Kind, das ungefähr 12 Jahre alt ist, sagt ‘O Herr, ich möchte eine Shahid werden.’” (PA-TV, 9. Juni 2002)</p></blockquote>
<p><a href="http://beer7.wordpress.com/2008/05/21/wir-lieben-den-tod/">Wer den Tod liebt, bringt ihn ueber sich, seine Familie und seine Gesellschaft.</a></p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[ein Beitrag fuer MarkusOliver]]></title>
<link>http://beer7.wordpress.com/2009/01/12/ein-beitrag-fuer-markusoliver/</link>
<pubDate>Mon, 12 Jan 2009 12:46:19 +0000</pubDate>
<dc:creator>beer7</dc:creator>
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<description><![CDATA[Bei Lila von Rungholt, entwickelte sich eine Diskussion: Markus gegen den Rest der Kommentatoren. Ic]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Bei Lila von Rungholt, entwickelte sich eine Diskussion: <a href="http://rungholt.wordpress.com/2009/01/11/grundwissen-nahost/#comment-27566">Markus gegen den Rest der Kommentatoren</a>.</p>
<p>Ich habe Markus gebeten, es dort gut sein zu lassen und bin dankbar, dass er meiner Bitte entspricht. Im Gegenzug biete ich ihm diesen Beitrag und die Kommentarfunktion zur weiteren Klaerung an:</p>
<p>Ein Fehler in Deinen Praemissen &#8211; Lilas Bemerkung vom pal. Narrativ bezieht sich darauf &#8211; ist, dass Du davon ausgehst, dass die Palaestinenser, also die arabischen Bewohner des britischen Mandatsgebiets sehr viel laenger in diesem Landstrich verwurzelt waren.</p>
<p>Das ist <a href="http://www.meforum.org/article/522">so nicht richtig</a>. (Achtung, lang, wissenschaftlich und Englisch!) Elder of Ziyon beschaeftigt sich auch sehr intensiv und quellenorientiert mit dieser Frage, hier <a href="http://elderofziyon.blogspot.com/2008/10/palestine-on-eve-of-modern-zionism.html">nur ein Beispiel</a>. Weiteres Suchen auf seinem Blog ist zu empfehlen.</p>
<p>Derselbe Autor <a href="http://elderofziyon.blogspot.com/2007/11/is-zionism-racist.html">schrieb auch diesen Text</a>, daraus zitiert:</p>
<blockquote><p>It is not a case of Palestinian Arab human rights in a vacuum, it is a case of competing human rights cases of Palestinian Arabs and Jews in the same land. It is literally impossible to have both sides get 100% of what they want.</p>
<p>There will be discrimination.</p>
<p>It is not ideal, but it needs to be acknowledged. By realizing this basic fact, which too many Zionists sweep under the rug, then we can get closer to what needs to be done: assert the rights of Jews to live in their own homeland with full rights in every sense of the word, including the rights of self-determination &#8211; and to work assiduously to minimize the discrimination against non-Jews who live in that same land, without jeopardizing the Jewish rights.</p>
<p>(&#8230;)</p>
<p>Israel, for all its faults, has done a magnificent job of walking that line &#8211; and it could do better. Every day, Israelis struggle with the myriad of issues of balancing the Jewish rights and the Arab rights in the land. Sometimes they err on the Jewish side, sometimes they err on the Arab side. The questions of army service, or providing service to Arab towns, of land ownership, of allowing Arab members of Knesset to do what would be considered treasonous in other countries &#8211; not to mention the huge number of issues on how to treat Jews and Arabs in the &#8220;territories&#8221; &#8211; these are all very real issues, and they all have (at least) two sides.</p>
<p>So, yes, Israel is often discriminatory against Arabs. (At times, it has discriminated against Jews as well.) The key is not to pretend it isn&#8217;t there &#8211; it is to tackle the issues head on, to maximize the rights of all people in the land. </p></blockquote>
<p>Volk Israel/Judentum ist ein Sonderfall, dem Du mit Gegensatzpaaren nicht beikommst. Ueber den Spagat <a href="http://beer7.wordpress.com/2007/03/20/vom-heidentum-zum-monotheismus-mehr-religionsphilosophische-splitter/">vom Stammesgott zum Universalismus</a> habe ich hier geschrieben, und hier ueber <a href="http://beer7.wordpress.com/2008/05/01/israel-volk-gott-land/">das Verhaeltnis zum Land Israel</a>.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Die Opferung Isaaks]]></title>
<link>http://beer7.wordpress.com/2009/01/04/die-opferung-isaaks/</link>
<pubDate>Sun, 04 Jan 2009 20:42:20 +0000</pubDate>
<dc:creator>beer7</dc:creator>
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<description><![CDATA[Am Freitag hoerte ich waehrend der Hausarbeiten pausenlos Radio. Zwischen den Nachrichten telefonier]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Am Freitag hoerte ich waehrend der Hausarbeiten pausenlos Radio. Zwischen den Nachrichten telefonierte der Sender regelmaessig mit Hoerern, die ihren Senf zu Gott und die Welt, vor allem natuerlich zur Lage im Sueden abgaben.</p>
<p>Ein Mann fiel aus dem Rahmen. Er sprach darueber, wie Abraham willens war, seinen Sohn zu opfern. Diese Bereitschaft fand er unertraeglich. Kein Vater habe das Recht, ein Kind zu opfern, auch nicht auf Gottes Verlangen hin. Damit baute er die Bruecke zu seinem eigentlichen Anliegen. Er fand es unmoeglich, dass Rabbi Holtzberg und seine Frau, die in Mumbai ermordet worden waren, ihren vierjaehrigen, kranken Sohn in Israel zurueckliessen. </p>
<p><img alt="" src="http://www.judentum-projekt.de/images/abrahamisaak_369.jpg" class="alignnone" width="279" height="369" /></p>
<p>Am Abend hoerten wir in den Nachrichten, dass die Armee den hochrangigen Hamasfunktionaer Nizar Rayyan getoetet hatte. Leider nicht nur ihn, sondern zwei seiner vier Frauen und vier von seinen Kindern, darunter ein siebenjaehriger Bub.</p>
<p>Als Tolkienfan erinnere ich mich natuerlich an den Anfang von &#8220;Herr der Ringe&#8221;: Frodo erfaehrt durch Gandalf, dass Sauron ihn sucht und beschliesst sofort, das Auenland (Shire) zu verlassen, um die Gefahr, die ihm droht, nicht auf das Land und die Menschen zu ziehen, die er liebt. </p>
<p>Rayyan wusste, dass er gesucht wurde. Die gesamte Hamasfuehrung war bereits in den Untergrund gegangen. Rayyan umgab sich mit seiner Familie und seinen Kindern als menschlichen Schutzschilden. </p>
<p><strong>Update:</strong> Hier die Bestaetigung, falls irgendjemand Zweifel an Rayyans Zynismus gehabt haben sollte:<a href="http://www.turkishweekly.net/news/62757/-he-would-tease-us-and-ask-if-we-wanted-to-die-as-martyrs-with-him-rayyan-39-s-daughter-says.htm"> &#8220;He would tease us and ask if we wanted to die as martyrs with him,&#8221; Rayyan&#8217;s daughter says</a></p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[60 Jahre AEMR]]></title>
<link>http://jobo72.wordpress.com/2008/12/10/60-jahre-aemr/</link>
<pubDate>Wed, 10 Dec 2008 10:09:53 +0000</pubDate>
<dc:creator>jobo72</dc:creator>
<guid>http://jobo72.wordpress.com/2008/12/10/60-jahre-aemr/</guid>
<description><![CDATA[Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (AEMR) wird heute 60 Jahre alt. Am 10.12.1948 wurde Reso]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (AEMR) wird heute 60 Jahre alt. Am 10.12.1948 wurde Resolution 217 A (III) von der Generalversammlung der Vereinten Nationen beschlossen und verkündet.</p>
<p><a href="http://www.readers-edition.de/2008/12/05/60-jahre-allgemeine-erklaerung-der-menschenrechte-einwuerfe-zu-herkunft-geltung-und-schutz-einer-grossen-idee" target="_blank">An anderer Stelle</a> <a href="http://www.readers-edition.de/2008/12/06/genesis-und-geschichte-der-menschenrechte" target="_blank">habe ich bereits</a> <a href="http://www.readers-edition.de/2008/12/07/geltungsanspruch-der-menschenrechte" target="_blank">aus unterschiedlicher</a> <a href="http://www.readers-edition.de/2008/12/08/menschenrechtsschutz-durch-bildung" target="_blank">Perspektive</a> <a href="http://www.readers-edition.de/2008/12/09/menschenrechtsschutz-durch-humanitaere-interventionen" target="_blank">auf dieses Jubiläum</a> <a href="http://www.readers-edition.de/2008/12/10/menschenrechtsschutz-durch-strafrechtliche-eingriffe/" target="_blank">aufmerksam gemacht</a>.</p>
<p>Das Menschenrecht Religionsfreiheit (vor allem im Sinne der kollektiven Freiheit zur Ausübung von Religion, nicht bloß im Sinne der individuellen Freiheit von Religion) ist dabei ein ganz zentrales, denn Ringen um Freiheit war und ist zunächst das Ringen um Religionsfreiheit, wie der Staats- und Verfassungsrechtler Georg Jellinek betont, der die Religionsfreiheit als „Ursprungsrecht der verfassungsmäßig gewährten Grundrechte“ (Die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte. Ein Beitrag zur modernen Verfassungsgeschichte. München 1895, S. 1) ansieht. Auch der Philosoph Ernst Bloch erkennt: „Die Bedeutung der Glaubensfreiheit kann daran gemessen werden, daß in ihr der erste Keim zur Erklärung der übrigen Menschenrechte enthalten ist.“ (Naturrecht und menschliche Würde. Frankfurt a.M. 1975, S. 66 f.).</p>
<p>In diesem Sinne ist die Religionsfreiheit ganz besonders zu achten und zu schützen.</p>
<p>(Josef Bordat)</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Moderater Islam? - Scheich Mohammed Tantawi]]></title>
<link>http://beer7.wordpress.com/2008/12/02/moderater-islam-scheich-mohammed-tantawi/</link>
<pubDate>Tue, 02 Dec 2008 15:08:26 +0000</pubDate>
<dc:creator>beer7</dc:creator>
<guid>http://beer7.wordpress.com/2008/12/02/moderater-islam-scheich-mohammed-tantawi/</guid>
<description><![CDATA[Scheich Mohammed Tantawi ist seit 1996 der Grossiman von Al-Azhar und damit eine der angesehensten A]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Scheich Mohammed Tantawi ist seit 1996 der Grossiman von Al-Azhar und damit eine der angesehensten Autoritaeten im dezentralen, sunnitischen Islam.</p>
<p><a href="http://www.nationalreview.com/comment/comment-mannes111901.shtml">Im Westen gilt Tantawi als moderat</a>. Tatsaechlich hat er 2005 zu Protokoll gegeben, dass er <a href="http://weekly.ahram.org.eg/2005/763/profile.htm">kein Problem mit dem Kopftuchverbot in Frankreich</a> habe. In <a href="http://www.welt.de/politik/article2800395/Bombay-Terroristen-toeten-Rabbiner-Ehepaar.html?page=2#article_readcomments">einem Kommentar in der Wel</a>t bemueht ihn jemand mit dem Pseudonym Devrim als Kronzeugen gegen sog. Islamophobie:</p>
<blockquote><p>Hohe muslimische Geistliche verurteilen in zahllosen Fatwen den Terror, aber kennen Sie Mohammed Sayed Tantawi? Natürlich nicht.</p></blockquote>
<p>Was mich betrifft, so kenne ich den Namen immerhin genug, um zu wissen, dass er als Kronzeuge nicht geeignet ist. Er <a href="http://www.egypttoday.com/article.aspx?ArticleID=1727">verurteilt Terror gegen Zivilisten naemlich keineswegs </a>durchgehend.</p>
<p>Im Dezember 1997 kam es zu einem Treffen zwischen Tantawi und dem damaligen ashkenazischen Inhaber des Obersten Rabbinats, Israel Lau. Tantawi wurde deswegen angegriffen und <a href="http://memri.org/bin/articles.cgi?Page=archives&#38;Area=sr&#38;ID=SR00398">verteidigte sich in folgender Weise</a>:</p>
<blockquote><p>Question:&#8221;Why didn&#8217;t such a meeting take place in the past?  Why did the former Sheik of Al-Azhar refuse to hold such a meeting, but you agreed?&#8221;</p>
<p>Tantawi: (&#8230;)</p>
<p>&#8220;I am perplexed by the word &#8216;normalization&#8217; and still don&#8217;t know its meaning. I did not endorse his [Rabbi Lau's] Talmud. He is just a person who came to meet with me and I said to him &#8216;welcome&#8217;. Was I supposed to refuse meeting with him, so he could go back to his country and say:  &#8216;The Sheik of Al-Azhar refused to meet me!?&#8217;  I do not refuse to meet anyone, not him nor a thousand like him. I wish those who talk about normalization had come with him because then they could have heard that when he invited me to visit Jerusalem—the Israeli ambassador sitting next to him—I told him that I refuse to be granted a visa by this ambassador. I will go [to Jerusalem]  only with a visa from the legitimate national Palestinian Authority.&#8221;</p>
<p>Question: &#8220;What is your reply to the Israeli journalist, Shahar Ilan, who wrote in the Ha-Aretz newspaper about this meeting?  He claims that the rabbi won the important battle over the heart of Islam, when he met with the Sheik of Al-Azhar?&#8221;</p>
<p>Tantawi: &#8220;Reality refutes it. I did not ask to meet with the rabbi; he was the one who asked to meet me and when he left the meeting, his face looked like his behind… This journalist did not attend the meeting and, therefore, he is a liar.&#8221;</p>
<p>Question: &#8220;Is there any benefit from these kinds of meetings?&#8221;</p>
<p>Tantawi: &#8220;Of course.  On the personal level, I attacked him, and proved to him that Islam is the religion of truth.&#8221;</p>
<p>(&#8230;)</p></blockquote>
<p>Jetzt wurde Tantawi fotographiert, wie er die Haende von Shimon Peres schuettelt.<br />
<img class="alignnone" src="http://1.bp.blogspot.com/_uPzsiWdvLoQ/STRd1pE08aI/AAAAAAAAA7Q/nrfWZkBnrz0/s400/peres+tantawi.jpg" alt="" width="400" height="307" /></p>
<p>Anlass war ein Treffen zwischen verschiedenen Religionsvertretern organisiert durch die UN in New York.</p>
<p>Natuerlich wurde Tantawi auch <a href="http://www.metimes.com/International/2008/11/28/headlines_from_the_arab_press/3042/">fuer diesen Haendedruck angegriffen</a>. Seine <a href="http://www.nasdaq.com/aspxcontent/NewsStory.aspx?cpath=20081202\ACQDJON200812020421DOWJONESDJONLINE000132.htm&#38;&#38;mypage=newsheadlines&#38;title=Egypt%20Top%20Cleric%20Says%20Unaware%20He%20Shook%20Israeli%20Leader%27s%20Hand">Verteidigung ist wieder bedenklich</a> wegen ihrer Implikationen.</p>
<p>Demnach haette Tantawi jeden Kontakt peinlichst vermieden, wenn er Peres als Israeli erkannt haette. </p>
<p>Uebrigens bestaetigt Tantawi in beiden Entschuldigungen <a href="http://sandbox.blog-city.com/what_do_the_financial_crisis_and_us_middle_east_policy_hav.htm">Martin Kramers Ausfuehrungen</a>:</p>
<blockquote><p>In the Middle East, the idea that &#8220;there&#8217;s no harm in talking&#8221; is entirely incomprehensible. It matters whom you talk to, because you legitimize your interlocutors. Hence the Arab refusal to normalize relations with Israel. Remember the scene that unfolded this past summer, when Bashar Asad scrupulously avoided contact with Ehud Olmert on the same reviewing stand at a Mediterranean summit. An Arab head of state will never directly engage Israel before extracting every concession. Only an American would think of doing this at the outset, and in return for nothing: &#8220;unconditional talks&#8221; is a purely American concept, incomprehensible in the Middle East. There is harm in talking, if your talking legitimates your enemies, and persuades them and those on the sidelines that you have done so from weakness. For only the weak talk &#8220;unconditionally,&#8221; which is tantamount to accepting the enemy&#8217;s conditions. It is widely regarded as the prelude to unconditional surrender.</p></blockquote>
<p>Das Traurige ist, dass Tantawi durchaus als &#8220;moderat&#8221; oder sogar &#8220;liberal&#8221; eingestuft werden kann, wenn wir diese Begriffe relativ zu einem Kollektiv definieren und nicht davon ausgehen, dass &#8220;moderat&#8221; oder &#8220;liberal&#8221; bestimmte Auffassungen notwendig beinhalten muessten.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Israel: Volk - Gott - Land]]></title>
<link>http://beer7.wordpress.com/2008/05/01/israel-volk-gott-land/</link>
<pubDate>Thu, 01 May 2008 08:21:43 +0000</pubDate>
<dc:creator>beer7</dc:creator>
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<description><![CDATA[Ziad hat mich in unserer Diskussion um meine Gedanken zum religioesen Verhaeltnis zum Land im Judent]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Ziad hat mich in <a href="http://www.middleastpost.com/157/syriairanand-israel%e2%80%a6peace-or-war/#comment-184">unserer Diskussion</a> um meine Gedanken zum religioesen Verhaeltnis zum Land im Judentum  gebeten.</p>
<p>Ich habe ihm (auf Englisch) geantwortet und vereoffentliche den gleichen Text auf Deutsch hier:<br />
<strong><br />
Vorwort:</strong></p>
<p>Ich lebe nicht nach den orthodoxen Regeln. Gleichzeitig lasse ich mich nicht als “saekular” klassifizieren. Als Kind habe ich keine juedische Bildung erhalten, ich arbeite daran, meine Kenntnisse und mein Verstaendnis zu erweitern. Das Folgende sind meine Gedanken auf der Grundlage eines Talmudkurses, den ich im vergangenen Winter besucht habe. Sie sind nicht identlich mit den Gedanken unserer Lehrerin. Ueberhaupt war sich unsere Studiengruppe nie ueber irgendetwas voellig einig, so gehoert sich das in solchen Kursen.</p>
<p><strong>Versprechen</strong></p>
<p>In der Thora verspricht Gott das Land Avraham Avinu (unser Vater) fuer seine zahlreichen (ein weiteres Versprechen) Nachkommen. Als dieses Versprechen gemacht wird, befindet sich Avram (wie er damals noch genannt wurde) bereits auf halbem Weg dorthin. Er hatte sein Vaterhaus verlassen und sich auf die Reise begeben, ohne zu wissen wohin, ein Akt des Glaubens. Aber Avraham muss das Land wegen einer Duerre verlassen und zieht nach Aegypten. Das ist ein Muster, das sich in der Thora und in der Geschichte wiederholt. Zur Zeit Josefs kommt sein Clan aus dem gleichen Grund nach Aegypten. </p>
<p><strong>Volk</strong></p>
<p>Israel war der Name, der Jakob (Josefs Vater) verliehen wurde, nachdem er einer geheimnisvollen Macht einen Segen abgerungen hatte. Seine Soehne und Nachkommen wurden so zu Bnei Israel (Soehne/Kinder Israels). In Aegypten wuchsen sie ueber den Clan hinaus und wurden zum Volk. Dessen Auszug aus Aegypten unter der Fuehrung von Moshe Rabbeinu (Moses, unser Lehrer) gilt als Geburt des Volkes Israel. Jetzt haben wir den ersten Teil der Dreiheit.<br />
<strong><br />
Gott</strong></p>
<p>Am Berg Sinai nahm das Volk Israel den Bund mit Gott und Sein Gesetz an. Damit wird der zweite Teil der Dreiheit hinzugefuegt.<br />
<strong><br />
Land</strong></p>
<p>Das Land ist demnach der letzte Bestandteil und von Anfang an war es von der Beziehung zwischen Volk und Gott abhaengig. (2. Mos. 23.20 ff) </p>
<p>Es wurde aber auch deutlich gemacht, dass vom Volk Israel erwartet wurde, um das Land zu kaempfen. Als der Bericht der 12 Vertreter der Staemme, die auf eine Erkundung vorausgeschickt worden waren, die Moral des Volkes sinken liess, wurde das Volk bestraft, 40 Jahre durch die Wueste ziehen zu muessen. Der auf dieses Verdikt folgende Versuch, das Land zu erobern, schlug fehl, weil Gott nicht dabei war. (4. Mos. 33-34).</p>
<p>Nach meinem Verstaendnis werden schon an dieser Stelle in der Thora die Bedingungen dargelegt: Das Land Israel war dem Volk Israel durch den Gott Israels versprochen worden. Aber es ist kein Geschenk, dass passiv angenommen werden kann, es muss erkaempft werden und Gottes Gesetz muss befolgt werden.</p>
<p>Spaeter kamen natuerlich die Exile Israels, die als goettliche Strafe dargestellt werden. Jede Rueckkehr in das Land bekommt demnach den Charakter eines goettlichen Segens. Wir sehen aber wieder, dass das Volk sich nicht zuruecklehnen kann, um auf den Segen zu warten, sie muessen ihn selber herbeifuehren.</p>
<p><strong>Talmud</strong></p>
<p>Wie wir wissen gibt es Haredim, die den moderen Staat Israel als Sakrileg ablehnen, waehrend es andere orthodoxe Juden gibt, nach deren Empfinden der Staat Israel auf goettlichem Recht beruht.</p>
<p>Beide Ansaetze gehen auf Ketubot 110 und 111 im Babylonischen Talmud zurueck. Dabei handelt es sich um einen Dialog zwischen den Rabbis Jehuda und Zeira. Ersterer ist ein frueher “Zionist”, waehrend der Andere die Rueckkehr ins Land ablehnt.</p>
<p><em>Auf der Grundlage des Hohen Liedes (2:7, 3:5, 8:4) versteht Rabbi Yossi ben Rabbi Hanina, dass drei Eide das juedische Volk in ihrerm Verhaeltnis zur nicht-juedischen Welt binden.<br />
1. Dass die Juden nicht ins Land Israel zurueckkehren be-chomah – “wie eine Mauer”<br />
2. Dass die Juden nicht gegen die Voelker der Welt rebellieren.<br />
3. Dass die Voelker der Welt die Juden nicht uebermaessig unterdruecken.</em><br />
Zitiert nach Steinsaltz</p>
<p><strong>Mein Ansatz</strong></p>
<p>Meinem Gefuehl nach wurden die drei Bedingungen erfuellt und zwar in umgekehrter Reihenfolge:</p>
<p>Die Shoah (von den Nazis und ihren Helfern veruebt, aber ermoeglicht durch die Gleichgueltigkeit der restlichen Welt) kann sicherlich als “uebermaessige Unterdrueckung” definiert werden. Da die Vereinten Nationen mehrheitlich fuer die Errichtung eines Juedischen Staates gestimmt haben, kann von einer Rebellion gegen die Voelker der Welt nicht die Rede sein. Die massenhafte Rueckkehr (wie eine Mauer) war daher gerechtfertigt.</p>
<p>Dem Volk Israel ist in unserer Zeit der Segen widerfahren, seinen eigenen Staat im Land Israel errichten zu koennen. Das ist keine bedingungslose und unumkehrbare Gabe, eher eine Leihgabe, die davon abhaengig gemacht ist, dass wir unser Land verteidigen und gleichzeitig darum bemueht sind, ethische Masstaebe einzuhalten. Wenn wir diese Bedingungen nicht erfuellen, koennen wir das Land wieder verlieren.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Lektuereempfehlung zum Thema "Opfer" ]]></title>
<link>http://beer7.wordpress.com/2008/04/07/lektuereempfehlung-zum-thema-opfer/</link>
<pubDate>Mon, 07 Apr 2008 11:57:38 +0000</pubDate>
<dc:creator>beer7</dc:creator>
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<description><![CDATA[Ich bin wieder auf einen faszinierenden Text zum Thema gestossen: On Progress and Irony: with partic]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Ich bin wieder auf einen faszinierenden Text zum Thema gestossen: <a href="http://azothgallery.com/progress_irony.html">On Progress and Irony: with particular reference to the abandonment of human sacrifice</a></p>
<blockquote><p>(&#8230;)</p>
<p>As a recognized institution, performed shamelessly under its own name, human sacrifice has existed in many forms, from the very beginning of what we are pleased to call civilized life. Royal tombs of the earliest dynasties in Egypt, Sumeria and China were &#8220;staffed&#8221; with the slaves, bodyguards and personal attendants of their deceased masters, slain to accompany them into the other world. Sometimes the kings themselves were sacrificed, likely enough as incarnations of the god whose recurring death and rebirth was seen as renewing the cyclical order of the world, on earth as in heaven. Children were slain at the inauguration of new buildings or cities, and their bodies buried beneath the walls; the murder of Remus by Romulus at the beginning of Rome may be a disguised memory of just such a &#8220;foundation sacrifice&#8221;, a custom for which Biblical documentation may be found in 1 Kings 16:34. Aside from these regular and public solemnities, private individuals as well as rulers might offer up a victim on any number of special occasions: fulfilling a rash vow, responding to an ominous portent, contending with extraordinary distress, or merely seeking some particular favor. And of course war has always produced the greatest opportunities for collecting this sort of god-fodder.</p>
<p>(&#8230;)</p>
<p>The men of those transitional times discovered that there is at least one other way of being both religious and conscientious, a way equally distinct from the archaic mentality of abject submission to arbitrary power (which all Fundamentalisms tend to perpetuate) and from the New Age (really new in Plutarch&#8217;s time, and still calling itself &#8220;new&#8221; in our own!) of generally pacific, but rather flaccid and loose-jointed benevolence. Their consciences had come to be at odds with their religion. They inhabited a radically unsettled world: they were still at sea between two distinct moral continents, and they had as yet no assurance that they would arrive safely at the more comfortable shore. For they still believed in their old gods &#8211; whether Yahweh, Jupiter, or Dionysus the Devourer &#8211; and they still held, by and large, the traditional views of their powers and appetites. Yet even while believing that human sacrifice was something which the gods desired very much, they chose, more often than not, to withhold it from them, forfeiting the favors which they believed it would purchase, and even putting themselves (as they thought) at mortal risk from the displeasure of those as-yet-unreformed &#8220;powers above.&#8221;</p>
<p>It is not easy for us to take the measure of such men, because we have so largely lost the sense of being subject to the power of gods who are morally inferior to ourselves; gods who must be taken seriously, but who are also somehow contemptible, against whom we must marshal our best efforts: to educate them, eventually, but in the meantime (a &#8220;meantime&#8221; which lasted, as we have seen, for at least some hundreds of years) to resist, thwart, or circumvent them as far as humanly possible. Whence came this impulse to withhold human sacrifice? We may never find a certain answer to that question, since the impulse first made itself felt so long before anything like a philosophically articulated theology had arisen to give human values some semblance of clarity. And where did the men of those times find the spirit to play their daring game with the murderous gods, the courage to impose so resolutely, and in the end so successfully, this protracted embargo on heaven? . . . O admirabile commercium! That may be the greatest mystery of all, a mystery in the fullest sense of the word, a mystery of progress.</p>
<p>(&#8230;)</p>
<p>No, I will not condemn Themistocles, a Greek hero in the mould of Odysseus, who always applied his reason where it would be most effective &#8211; though I deplore, as he did, the panic which brought the Athenians to such a dreadful moment. And certainly I will not revile King Saul, who in establishing the Hebrew monarchy created one of the core institutions around which the religion of Israel eventually civilized itself. These were only two of the human participants in that millennial endeavor, that long, loud and ultimately fruitful conversation among gods and men, including men of many different races, classes and types. Prophets, priests, kings and commanders all took part in this dialogue. Some of their parts may be identified with fair precision, but it is not always possible to assign unambiguous praise or blame: many details escape us now. We can only gratefully remember that, in at least one particular facet of our lives, the human race at that time changed itself, irrevocably, for the better.</p>
<p>(&#8230;)</p></blockquote>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA["Opfer" fortgesetzt]]></title>
<link>http://beer7.wordpress.com/2008/03/31/opfer-fortgesetzt/</link>
<pubDate>Mon, 31 Mar 2008 08:32:27 +0000</pubDate>
<dc:creator>beer7</dc:creator>
<guid>http://beer7.wordpress.com/2008/03/31/opfer-fortgesetzt/</guid>
<description><![CDATA[Ich habe einen Text gefunden, der ziemlich genau dem Ansatz entspricht, den ich mir vorgestellt habe]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Ich habe <a href="http://www.marthablake.com/sacrifice.html">einen Text</a> gefunden, der ziemlich genau dem Ansatz entspricht, den<a href="http://beer7.wordpress.com/2008/03/26/opfer-im-christentum-judentum-in-der-psychologie-und-was-uns-sonst-noch-einfaellt/"> ich mir vorgestellt</a> habe.</p>
<p>Opferriten scheinen eine sehr, sehr alte Praxis zu sein. Ich halte dafuer, dass ihr Ursprung hier zu suchen ist: Menschen wurden sich bewusst, dass sie zu ihrem eigenen Nutzen Leben nahmen (Jagdbeute, dann domestizierte Tiere und gesammelte, dann angebaute Pflanzen). Sie fuehlten sich unwohl, nur zu nehmen und empfanden das Beduerfnis, im Gegenzug auch etwas zu geben. (Diese Annahme beinhaltet natuerlich, dass &#8220;Handel&#8221; ebenfalls eine sehr, sehr alte menschliche Praxis ist und dass somit die Grundlagen des Kapitalismus auch tief in der menschlichen Psyche verankert sind.)</p>
<p>Opfer waere damit eine Form von Bezahlung. Natuerlich kann nicht 1:1 bezahlt werden. Wuerde die gesamte Jagdbeute &#8220;dargebracht&#8221;, bliebe wieder nichts zum Nutzen des Menschen uebrig. Durch Rituale mussten also Teile so aufgewertet werden, dass sie als passender Gegenwert empfunden werden konnten.</p>
<blockquote><p>In early hunting societies comprised of small groups of people, the hunted animal was the sacrifice. Life, death, and blood were consecrated in the act of killing one animal at a time, incrementally. The next sacrifice was as near as the next hunt. In agricultural societies, members performed sacrifices to assure the progression of the seasons and the growth of crops. If blood could keep man and animal alive, then it had life-giving qualities that could be brought to bear on the weather and the soil. Human blood in particular represented human vitality or life essence.  If kings were perceived as something more than human-either extra-human or divine-then the blood of kings contained still more life essence.  Sacrificing a king at the peak of vitality maximized the life-quality of the blood offering. Later as cultures adopted solar religions, members of the community were sacrificed instead of the king.[xix]  In agrarian societies, a sacrifice covered an entire growing season or reign and extended to a larger number of settled people. The stakes were higher and the sacrifice was often dearer-a human life.</p></blockquote>
<p>(a.a.O.)</p>
<p>Hier wird eine Hierarchie deutlich:</p>
<ol>
<li>Teil des erjagten Tiers &#8211; ausreichendes Opfer fuer die jagende Horde bis zur naechsten Jagd.</li>
<li>Domestizierte Tiere (Teile wie Blut, Fett oder auch ganze Tiere)  &#8211; ausreichende Opfer fuer groessere, menschliche Ansiedlungen und laengere Zeitraeume (landwirtschaftliche Zyklen).</li>
<li>Menschenopfer &#8211; ausreichend fuer noch groessere, menschliche Kollektive und laengere Zeitraeume und/oder besondere Krisen</li>
<li>Opfer von besonderen Menschen (Koenig oder Stellvertreter) &#8211; ausreichend fuer groessere, menschliche Kollektive und lange Zeitraume und/oder besondere Krisen.</li>
</ol>
<p>Das  Christentum fuehrt diese Linie logisch weiter:</p>
<p>5. Opfer des Gottessohns &#8211; ausreichend fuer alle Menschen und alle Zeit.</p>
<p>Die Opferung des Gott-Menschen waere damit das Ende aller Opfer. Ich sehe da aber ein Problem.  Das Opferschema wird durch den Mythos noch verstaerkt, gleichzeitig wird den Menschen aber nur die Teilnahme an erinnerneden Ritualen angeboten (Abendmahl, Passion im christlichen Jahr). Ich glaube nicht, dass es Zufall ist, dass Pogrome gegen Juden gerade in diesen beiden Zusammenhaengen endemisch waren/sind.</p>
<p>Durch Passionsspiele etc. muessen die Teilnehmer in eine psychische Verfassung versetzt worden sein/<a href="http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-3521307,00.html">werden</a>, die nach einem richtigen Opfer verlangt. Der Vorwurf des Ritualmord ist dann eine typische Projektion. Ritualmord (=Opfer) ist genau das, wonach sich diejenigen, die den Vorwurf erheben, sehnen und unter dem Deckmantel der Bestrafung koennen sie ihr Beduerfnis dann ausleben. Aehnlich bei den Vorwuerfen des <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hostienfrevel">Hostienfrevels</a>: Das Blut, das die &#8220;Frevler&#8221; angeblich aus der Hostie ziehen, entspricht der Sehnsucht der entsprechenden Christen und durch das Blut der angeblichen Frevler wird sie befriedigt.</p>
<p>Im Judentum scheint mir eine andere Tendenz beim Thema Opfer vorzuliegen. Die erste Erwaehnung von Opfern im Tempeldienst findet sich in <a href="http://www.bibel-online.net/buch/02.2-mose/23.html">2. Mos. 23.19f</a>. Dort geht es um die Opfer an den drei Wahlfahrtsfesten. In <a href="http://www.bibel-online.net/buch/02.2-mose/29.html">2. Mos. 29.38 ff</a> werden die taeglichen Brandopfer beschrieben. Im 3. Buch Moses kommt dann <a href="http://www.bibel-online.net/buch/03.3-mose/">der grosse Schub</a>. Beim<a href="http://www.bibel-online.net/buch/03.3-mose/5.html#5,1"> Suendopfer</a> ist bemerkenswert, dass es gerade fuer unwissentlich, unbeabsichtigt oder durch Unterlassung Begangenes vorgesehen ist, wobei kein Unterschied zwischen ritueller Verunreinigung und moralischer Uebertretung gemacht wird. Nach heutigem Verstaendnis laege in bei den meisten Beispielen kein Vergehen vor oder aber eine geminderte Schuld (1. und 4.). Im Falle von wissentlich begangenen Uebertretungen kommt die Wiedergutmachung an erster Stelle (21 bis 24).</p>
<p>In den Psalmen und Propheten wird bereits deutlich gesagt, dass Opfer nur ein unzulaengliches Ritual sind und dass das Eigentliche eine innere Umkehr ist: <a href="http://www.bibel-online.net/buch/28.hosea/6.html">Hosea 6.6</a>, <a href="http://www.bibel-online.net/buch/09.1-samuel/15.html#15,22">1. Sam 15.22</a>, <a href="http://www.bibel-online.net/buch/19.psalmen/51.html">Psalm 51.17 ff</a>. <a href="http://www.solutix.de/content/view/179/112/">Hier</a> findet sich mehr zum Thema, auch <a href="http://server.hagalil.com/hagalil/judentum/torah/leibowitz/wajikra.htm">dieser Text</a> ist lesenswert.</p>
<p>Die Praxis der rituellen Opferung wurde im Vergleich zu gleichzeitigen religioesen Praktiken eingeschraenkt, vor allem geographisch &#8211; nur im zentralen Tempel -, und die Bedeutung des Opfers kontinuierlich heruntergestuft. Das erlaubte dem Judentum, den Verlust des zentralen Tempels und damit des Opferdienst zu verkraften. Gleichzeitig werden aber Elemente des Opfers in den Alltag uebernommen: Schaechtung und das Verbot, Blut und bestimmte Fette zu verzehren, stehen deutlich in Verbindung mit Opfer. Auch beim Backen gibt es ein Absondern und Verbrennen von Teig (ich gehe nicht in die Einzelheiten), das auf Opfer zurueckgeht.</p>
<p>Wenn &#8220;Opfer&#8221; in der menschlichen Psyche verankert sind, dann scheint mir der juedische Umgang, haeufige Befriedigung auf einem sehr niedrigen, emotionalen Niveau, sinnvoll.</p>
<p>Vorlaeufig reicht mir das an Spekulationen. Bei Gelegenheit moechte ich aber weiterdenken und zwar ueber den Zusammenhang von Blutrache, Menschenopfern und Selbstopferungen.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA["Opfer" (im Christentum, Judentum, in der Psychologie und was uns sonst noch einfaellt)]]></title>
<link>http://beer7.wordpress.com/2008/03/26/opfer-im-christentum-judentum-in-der-psychologie-und-was-uns-sonst-noch-einfaellt/</link>
<pubDate>Wed, 26 Mar 2008 07:34:23 +0000</pubDate>
<dc:creator>beer7</dc:creator>
<guid>http://beer7.wordpress.com/2008/03/26/opfer-im-christentum-judentum-in-der-psychologie-und-was-uns-sonst-noch-einfaellt/</guid>
<description><![CDATA[In einem Kommentarthread bei Freunde der Offenen Gesellschaft hat sich ein Dialog zwischen notoutofr]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>In einem <a href="http://blog.fdog.org/2008/03/23/kirchen-fordern-an-ostern-darf-nur-jesus-gefoltert-werden/#comments">Kommentarthread bei Freunde der Offenen Gesellschaft</a> hat sich ein Dialog zwischen <a href="http://notoutofreach.wordpress.com/">notoutofreach</a> und mir entwickelt. Weil er so langsam die Kommentarfunktion dort sprengt, versuche ich ihn hierher umzutopfen.</p>
<p>Ich werde mich gleich daran machen, relevante Passagen hierher zu kopieren. Die kopierten Texte folgen nicht direkt aufeinander, weil ich mE nicht relevante Passagen auslasse.<!--more--></p>
<p><a href="http://notoutofreach.wordpress.com/">notoutofreach</a>: Die widersprüchliche Einstellung von Herrn Marx zeugt meiner Meinung nach einfach davon, dass es viele Gläubige gibt, die sich des blutigen Charakters ihrer Religion nicht mehr bewusst sind. Oft haben sie auch keine Ahnung, warum Jesus für uns blutete und starb. Dabei gibt es einen guten Grund…</p>
<p><a href="http://derfuchsbau.wordpress.com/">Gideon Boess</a>: Also für mich hätte er schon mal nicht bluten/sterben müssen. Ich habe ihn nicht darum gebeten und kenne diese Person auch nicht.</p>
<p><a href="http://notoutofreach.wordpress.com/">notoutofreach</a>: Der Opfertod Jesu ist kein Thema, das man oberflächlich abtun kann. Dazu gehört die Frage, ob jemand für uns sterben musste oder nicht. Ein interessanter Denkanstoß wäre die Frage, ob du ihn darum gebeten hättest, wenn du ihn gekannt hättest. Wenn die Augenzeugenberichte der ersten Jünger wahr sind, dann lebt Jesus, und hat uns seinen Geist gegeben, um uns ‘in alle Wahrheit zu leiten’. Demnach wäre es möglich, in der Bibel eine Antwort auf die Frage zu finden, warum er für uns starb, obwohl wir ihn nicht kennen oder ihn nicht darum gebeten haben.</p>
<p><a href="http://derfuchsbau.wordpress.com/">Gideon Boess</a>: Wenn er lebt, ist er nicht tot, also kann es dann in der Bibel auch keine Antwort auf die Frage geben, warum er für “uns” starb. Und sollte er nach Lust und Laune sterben und dann wiederauferstehen können, ist doch zu Fragen, was an seinem Opfertod für “uns” dann so außergewöhnlich sein soll?</p>
<p><u>Constantin:</u> Gideon hat &#8211; so wie ich es verstehe &#8211; auf eine logische Unmöglichkeit hingewiesen…dass eine Wiederauferstehung von den Toten nicht möglich ist, weil der Tod Dauerhaftigkeit und Endgültigkeit voraussetzt (ansonsten wäre es nur ein Scheintod). Wenn also jemand “wiederaufersteht”, ist er niemals gestorben bzw. tot gewesen (da sein vorheriger Zustand nicht endgültig gewesen ist).</p>
<p><a href="http://derfuchsbau.wordpress.com/">Gideon Boess</a>: Was ich meinte, hat Constantin noch einmal richtig zusammengefasst. Es ist eigentlich auch keine provokante Frage, sondern nur eine Feststellung. Ähnlich provokant wäre es, darauf hinzuweisen, dass eins plus eins nicht zugleich zwei und fünfzehn ergeben kann. Aber ich muss auch zugeben, dass mich ein Dialog über Jesus infolge meines fehlenden Interesses für eben diese Person nicht interessiert. Mich stört es nur, wenn mir gesagt wird, der Kerl sei für mich gestorben: wär nicht nötig gewesen.</p>
<p><u>beer7:</u> Gideon, erinnerst Du Dich an die Geschichte von R. Rava aus “masechet megilla”, der besoffen an Purim seinen Freund R. Zera schlachtete und ihn am naechsten Morgen wieder zum Leben erweckte? (R. Zera lehnt aber die Einladung zum naechsten Purim ab, weil man sich nicht darauf verlassen koenne, dass jedes Jahr ein Wunder geschehe.) Hier haben wir Tod und Auferstehung viel banaler, fast schon nebenher. Eigentlich geht es ja um die Frage, wieviel Alkohol zu Purim getrunken werden soll.<br />
Dann haben wir natuerlich die fast-Opferung von Itzchak und die vollzogene Opferung von Jiftahs Tochter.<br />
Das Motiv des Opfertods ist viel tiefer und vielschichtiger, als es hier besprochen wird. Ich meine ja, dass das Christentum da einen Rueckfall darstellt, nachdem Opfer als Weg zu G”tt im gleichzeitigen Judentum gerade ueberwunden wurden.<br />
Es geht mir aber doch gegen den Strich derart oberflaechlich ueber die Glaubensmysterien von anderen zu reden.</p>
<p><u>Schmock:</u> Es geht hier um verschiedene Sichtweisen von “sterben”. Medizinisch (also Naturwissenschaftlich) ist Jesus wohl gestorben, so wird es auch in der Bibel berichtet. Die Auferstehung hingegen ist keine naturwissenschaftliche Begebenheit, sondern ein religiöses, also mit naturwissenschaftlichen Mitteln und Theorien nicht fassbar. Bevor nun der Einwand kommt, dass Jesu Auferstehung also nur eine Idee ist und keine Tatsache, wende ich ein, dass naturwissenschaftliche Aussagen nicht einfach wahr sind, sondern Theorien, die mehr oder weniger gut “funktionieren”, man kann nämlich keine Aussage über die Wirklichkeit, außer einer Tautologie, wirklich (logisch) beweisen. Gläubige Menschen machen sich halt in mancher hinsicht ein anderes Bild von der Wirklichkeit, rein logisch kann man das nicht widerlegen.<br />
“Und sollte er nach Lust und Laune sterben und dann wiederauferstehen können, ist doch zu Fragen, was an seinem Opfertod für “uns” dann so außergewöhnlich sein soll?”<br />
Das Sterben bedeutet in jedem Fall großes Leid, außerdem gibt es, wie oben gesagt zwei Sichtweisen, die physikalische und die religiöse, die physikalische sagt uns, dass Jesus gelitten hat und gestorben ist, die religiöse sagt uns, dass er auferstanden ist. Man sollte hier den Charakter von Religionen genauer betrachten, ich habe mal mit einem katholischen Priester gesprochen, der meinte, was die kath. Kirche den Leuten anbietet, sei die Hoffnung auf einen guten Gott, Auferstehung etc.. Das klingt nicht nach Sicherheit, nach “der Tod ist nicht so arg, es gibt doch die Auferstehung”, es ist nur ein Hoffen und Glauben. Die meisten Gläubigen sind wohl zweifelnd und suchend.</p>
<p><u>beer7:</u> Ich meine, dass der Opfertod von Jesus eine Regression ist. Das Opfermotiv ist sehr, sehr alt und in der menschlichen Psyche tief verankert. Das Judentum hat zunaechst das Menschenopfer ueberwunden und dann nolens, volens nach der Zerstoerung des Tempels (obwohl auch das schon lange in Vorbereitung war) auch das Tieropfer.<br />
Die Kreuzigung dagegen greift das Motiv wieder ganz und gar auf, steigert es sogar, nicht mehr Tieropfer, nicht einmal mehr Menschenopfer, sondern Opfer des Gottessohnes. Mir ist bei der ganzen Sache gar nicht wohl. Denk’ mal an die psychischen Auswirkungen, z.B. Mel Gibson.</p>
<p><u>Schmock:</u>  Zum Menschenopfer:<br />
Es gibt doch einen großen Unterschied zwischen der Fastopferung Isaaks und der Hinrichtung Jesu. Jesus wurde von den Römern umgebracht, weil sie ihn als Feind oder zumindest Störenfried ansahen, Isaaks Fastopfer ist hingegen spirituell begründet, nämlich durch den Auftrag Gottes.</p>
<p><a href="http://notoutofreach.wordpress.com/">notoutofreach</a>: Und noch einmal zum Thema Jesu Opfertod. Die christliche Perspektive ist ganz klar: “Er ist das Opfer für unsere Sünden. Er tilgt nicht nur unsere Schuld, sondern die der ganzen Welt.” (1. Johannes 2,2) Obwohl Jesus primär ‘in das Seine’ gesandt war, ging seine Einladung, sein Blut als Lösegeld für die eigene Schuld anzunehmen, und sich so von der Bestrafung für und die Macht der Sünde befreien zu lassen, über nationale, kulturelle oder religiöse Grenzen hinaus. Johannes der Täufer, der letzte Prophet des Alten Bundes zeigte deswegen mit den Worten: “Das Lamm Gottes, das die Sünden der Welt wegnimmt!” auf Jesus.<br />
Der Opfergedanke ist so tief im Menschen verwurzelt, weil Gott den Menschen mit diesem Bewusstsein geschaffen hat. Unser Gewissen sagt uns: Schuld ist real. Und treibt uns dorthin, eine Sühnung und Wiedergutmachung zu suchen. Im Opfersystem des Alten Bundes legten die Anbeter ihre Hand auf den Kopf des zu schlachtenden Tieres und bekannten ihre Sünden, bevor es geschlachtet wurde. Aber natürlich kann das Blut von Stieren und Böcken niemals Schuld wegnehmen. Auch kann nicht ein Mensch für einen Anderen sterben, weil er selber zu tilgende Schuld hat. “Das Blut von Tieren kann keine Schuld wegnehmen, weil es amoralisch ist; das Blut von Menschen kann keine Sünde tilgen, weil es unmoralisch ist &#8211; das Blut Jesu allein kann Schuld wegnehmen, weil es moralisch ist.” Alle Tieropfer waren nur Vorschatten für und Hinweis darauf, dass es mehr brauchte. Das Tierblut brachte nur Jahr für Jahr eine Erinnerung an die eigene Schuldigkeit, und die ständig wiederholten Rituale und die tatsache, dass sie nicht das Gewissen reinigen konnten, zeigten die Kraftlosigkeit der Tieropfer. Jesus hingegen brachte sich selbst, einmal und ein für allemal als Opfer.</p>
<p><u>beer7:</u> Ich bin nicht willens mit Argumenten wie “Gott hat den Menschen so oder so geschaffen” zu diskutieren. Dabei bin ich selber gottglaeubig. Aber diese Art Saetze sind nicht falsifizierbar und haben in einer Diskussion daher nichts verloren.<br />
Du kennst Dich zu wenig aus mit den Opfern im israelitischen Tempeldienst. Ich bin auch kein Experte. Aber: das Suehneopfer war nur ein Detail und keineswegs der Prototyp des Opfers! Auch die Begriffe “Schuld” (bzw. “Suende”, den Du nicht benutzt hast), sind im Judentum ganz anders besetzt. In Deinem kurzen Text oben gibst Du die katholische Sicht auf das Judentum wieder. Dass diese nicht objektiv und historisch richtig sein kann, ist nachvollziehbar.</p>
<p><a href="http://notoutofreach.wordpress.com/">notoutofreach</a>: Der Zustand der geistigen Gesundheit der Erwachsenen Menschen auf diesem Planeten scheint &#8211; dem Symptomen nach zu urteilen &#8211; durch die Krankheit des moralischen Verfalls (Verderbtheit des Menschen) zerstört worden zu sein…<br />
Wegen den Opfern: ich studiere die jüdische Sichtweise und die evangelikale Deutung unter Verwendung des induktiven Bibelstudiums. Gestern Abend haben wir das Buch Exodus abgeschlossen, und Levitikus 1-7 mit der Erläuterung aller Opfer steht für nächste Woche an! Dazu studiere ich aber seit Jahren den Hebräerbrief (und habe ihn insgesamt schon mindestens 5mal gelehrt), der uns die neutestamentliche Deutung gibt. Die Hälfte dessen, was ich oben geschrieben habe, waren frei zitierte Sätze aus dem Hebräerbrief. Also keine katholische Deutung.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
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<title><![CDATA[Gestern im Shiur]]></title>
<link>http://beer7.wordpress.com/2008/01/29/gestern-im-shiur-2/</link>
<pubDate>Tue, 29 Jan 2008 12:44:58 +0000</pubDate>
<dc:creator>beer7</dc:creator>
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<description><![CDATA[Ich hatte schon kurz erwaehnt, dass wir dieses Semester im Talmudkurs, der alle zwei Wochen stattfin]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Ich hatte <a href="http://beer7.wordpress.com/2007/12/18/kulturpessismus/">schon kurz erwaehnt</a>, dass wir dieses Semester im Talmudkurs, der alle zwei Wochen stattfindet, auf das Verhaeltnis zum Land Israel eingehen.</p>
<p>Das Piece de Resistance gestern war <a href="http://www.come-and-hear.com/kethuboth/kethuboth_110.html#PARTb/">Ketubot 110b</a> und <a href="http://www.come-and-hear.com/kethuboth/kethuboth_111.html">111</a>. (An dieser Stelle moechte ich mich dafuer entschuldigen, dass ich zu einer in der Intention antisemitischen Webseite verlinke. Die Talmuduebersetzung ist aber korrekt und  die einzige, die ich Online und kostenlos finden konnte.)  Der Dialog zwischen R. Jehuda und R. Zeira bildet <a href="http://shearim.blogspot.com/2007/12/talmudic-reason-for-anti-zionism.html">die Grundlage der Ablehnung des Zionismus</a> durch manche Stroemungen der Haredim.</p>
<blockquote><p>Based on passages in Shir ha-Shirim (2:7, 3:5, 8:4), Rabbi Yossi ben Rabbi Hanina understands that there are three oaths that bind the Jewish people in their relationship with the non-Jewish world:</p>
<p>1. That the Jews should not return to the Land of Israel be-homah – &#8220;like a wall&#8221;</p>
<p>2. That the Jews should not rebel against the nations of the world</p>
<p>3. That the nations of the world should not oppress the Jewish people overmuch.</p></blockquote>
<p>zitiert <a href="http://www.ou.org/shabbat_shalom/article/masechet_ketubot_111112/">nach Steinsaltz</a></p>
<p>Da ich in Sachen Talmud denkbar unbeleckt bin, lese ich die Texte oft im Shiur zum ersten Mal und bin (noch) nicht durch die verschiedenen Kommentare beeinflusst. An dieser Stelle fiel mir fast die Kinnlade herunter: Koennten diese drei Bedinungen nicht als Aequivalent zu Nostradamus praesentiert werden? Und zwar in umgekehrter Reihenfolge:</p>
<p><em>That the nations of the world should not oppress the Jewish people overmuch.</em> Wenn der Voelkermord am juedischen Volkes in der Shoah nicht die Bedingung des &#8220;overmuch&#8221; erfuellen, dann weiss ich wirklich nicht, wie &#8220;overmuch&#8221; noch zu verstehen waere.<br />
<em>That the Jews should not rebel against the nations of the world.</em> Die <a href="http://www.yale.edu/lawweb/avalon/un/res181.htm">Vereinten Nationen haben mit ueberwaeltigender Mehrheit die Gruendung des juedischen Staates</a> befuerwortet. Von Auflehnung kann gar keine Rede sein.<br />
Daher hatten/haben Juden auch das Recht &#8220;als Mauer&#8221; (in Massen und mit Macht) ins Land Israel zurueckzukommen.</p>
<p>Das war, wie gesagt, meine Reaktion. Die anderen Teilnehmer tauschten sich mehr dazu aus, wie tief es sie verletzt, dass Talmudgelehrte und angesehene Rabbiner <a href="http://www.vho.org/aaargh/fran/actu/actu02/doc2002/holzio.html">den Zionismus selbst fuer die Shoah verantwortlich</a> machen. (Hier <a href="http://www.encyclopedia.com/doc/1G1-79786928.html">eine Response dazu</a>) Einer sagte, dass aber doch gerade diejenigen, die Europa rechtzeitig verliessen, gerettet wurden, waehrend Antizionisten in der Shoah umkamen. Ein anderer antwortete, dass das Urteil ja nur aufgeschoben sei, worauf ein Dritter sagte &#8220;noch zwei Jahre&#8221;, ein Vierter &#8220;noch drei&#8221;. Der Dritte gab zurueck &#8220;Du bist zu optimistisch&#8221;. Der ganze Austausch verlief sehr schnell. Die Rede war natuerlich vom iranischen Atomprogramm. Und wie so oft wundere ich mich, wie wir es fertig bringen im vollen Bewusstsein der Gefahr weiterhin unseren Alltag zu leben. </p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
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<title><![CDATA[Kleine Anmerkungen zum grossen Wissenstest - Bibel]]></title>
<link>http://beer7.wordpress.com/2008/01/08/kleine-anmerkungen-zum-grossen-wissenstest-bibel/</link>
<pubDate>Tue, 08 Jan 2008 08:54:27 +0000</pubDate>
<dc:creator>beer7</dc:creator>
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<description><![CDATA[Ich bin Flashlink30 auf den Grossen Wissenstest zur Bibel bei Welt Online gefolgt. Mein Ergebnis war]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Ich bin <a href="http://faaanblogg.blog.de/">Flashlink30</a> auf den Grossen <a href="http://appl.welt.de/quiz/index.php?quiz=bibel">Wissenstest zur Bibel </a>bei Welt Online <a href="http://faaanblogg.blog.de/2008/01/07/jetzt_gehts_scharf~3539345">gefolgt</a>. Mein Ergebnis war schlechter als ihres, aber unterwegs fielen mir ein paar Punkte auf:</p>
<p>Frage 14: Welches Tier wird im Schoepfungsbericht beim Namen genannt. Die <a href="http://bible.ort.org/books/torahd5.asp?action=displaypage&#38;book=1&#38;chapter=1&#38;verse=21&#38;portion=1">Antwort heisst &#8220;taninim g&#8217;dolim&#8221;</a>. Im modernen Hebraeisch ist Tanin ein Krokodil. Die Identifikation mit &#8220;Leviathan&#8221; erfolgt erst durch eine Talmudstelle (<a href="http://www.dafyomi.shemayisrael.co.il/bbasra/points/bb-ps-074.htm">Bava Basra 74b</a>). Im modernen Hebraeisch bedeutet Leviathan Wal, aber der Traktat, in dem diese Identifikation erfolgt, macht deutlich, dass es sich um ein Fabelwesen handelt. In der juedischen Tradition wird diese Stelle denn auch <a href="http://www.mb-soft.com/believe/txo/jewgenes.htm">mit &#8220;die grossen Meeresungeheuer&#8221; uebersetzt</a>.</p>
<p>Bei Frage 40: &#8220;Welche Tiere durften die Israeliten nicht verspeisen?&#8221; irritiert mich die Vergangenheitsform. Die gleichen Speisevorschriften werden von Juden immer noch eingehalten.</p>
<p>Frage 43: &#8220;Welchen Tod erlitt der Jünger Stephanus durch die Juden?&#8221; <a href="http://www.sofiatopia.org/equiaeon/jesus1.htm#2">Stephanus war, wie zu dieser Zeit alle Juenger, selber Jude</a>. Er wurde das Opfer einer innerjuedischen Auseinandersetzung. &#8220;Die Juden&#8221; (noch dazu mit dem bestimmten Artikel) nur auf einer Seite auszumachen, ist historisch falsch und latent antisemitisch.</p>
<p>In der Antwort auf Frage 46 wird behauptet: &#8220;Das Hohelied Salomos (Canticum canticorum) ist eine weltlich-erotische Dichtung über die Freuden des Alkohols und der Liebe („Deine Brüste sind wie zwo Rehzwillinge“ etc.). Es wurde wohl nur aus Respekt vor dem Namen Salomo ins Alte Testament aufgenommen.&#8221;</p>
<p>Das trifft nicht zu. Als Autor wird keineswegs durchgehend Koenig Shlomo gesehen, siehe <a href="http://www.dafyomi.shemayisrael.co.il/bbasra/points/bb-ps-015.htm">Bava Basra 15</a>, wo ohne weitere Diskussion Hezekia und seine Schueler als Autoren angegeben werden. Fuer den Platz des Hohen Lieds im Kanon der Schriften <a href="http://www.jewishledger.com/articles/2007/04/03/news/news08.txt">plaedierte schon Rabbi Akiva</a> damit, dass der Text eine Allegorie sei: Das Maedchen als Volk Israel, der Ewige als ihr Geliebter. Waehrend das Christentum vor allem das Eltern-Kind-Verhaeltnis im Verhaeltnis der Menschen zu Gott reproduziert, ist eine haeufige und wichtige juedische Metapher die erotische Beziehung zwischen Mann und Frau (die nicht als gleichberechtigt definiert sind, vgl. Jer. 2.2).</p>
<p>Frage 47: &#8220;Welche Frau wird hier von zwei alten Juden sexuell belästigt?&#8221; Hier stoert mich wieder, dass allein die negativen Figuren als Juden identifiziert werden. Susanna war natuerlich auch Juedin. Entweder sollte formuliert werden: Welche Frau wird von Maennern belaestigt? oder aber: Welche Juedin wird von Juden belaestigt?</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
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<title><![CDATA[Zur Heiligkeit des menschlichen Lebens ]]></title>
<link>http://beer7.wordpress.com/2007/12/26/zur-heiligkeit-des-menschlichen-lebens/</link>
<pubDate>Wed, 26 Dec 2007 10:55:03 +0000</pubDate>
<dc:creator>beer7</dc:creator>
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<description><![CDATA[Als Einleitung moechte ich vorausschicken, dass ich hier erst mal unausgegorene und verstreute Gedan]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Als Einleitung moechte ich vorausschicken, dass ich hier erst mal unausgegorene und verstreute Gedanken sammle.</p>
<p>Bei den <a href="http://fdog.wordpress.com">Freunden der offenen Gesellschaft </a>kritisiert Constantin die <a href="http://n-tv.de/896562.html">Aussage von Juergen Ruettgers</a></p>
<blockquote><p>&#8220;Eine Gesellschaft ohne Werte funktioniert nicht. Unser Grundgesetz lebt von Werten, die die Verfassung selbst nicht vorgeben kann. Werte haben immer etwas mit Religion oder mit Gott zu tun, weil sie nur so legitimiert sind. Ohne diesen Bezug wären Werte nur eine formale, blutleere Verabredung von Spielregeln.&#8221;</p>
<p>Gott sei schon allein deshalb für die Menschheit existenziell notwendig, damit sich der Mensch nicht zum Maß aller Dinge mache. &#8220;Unsere geschichtliche Erfahrung ist so, dass immer dann Menschen unterdrückt und ermordet wurden, und die Gesellschaft zutiefst inhuman wurde, wenn sich Menschen vergöttlicht haben&#8221;, sagte Rüttgers.</p></blockquote>
<p><a href="http://fdog.wordpress.com/2007/12/24/jurgen-ruttgers-gott-und-moral/#comments">Dazu meint Constantin</a>:</p>
<blockquote><p>So ziemlich alles, was die Aufklärung hervorgebracht hat, wird von Rüttgers in diesen knappen Sätzen (im Jahre 2007!) konsequent ignoriert. Der Mensch (und damit menschliches Leben und Freiheit) ist DER absolute und höchste Wert, da durch den Menschen bestimmt und abgeleitet wird, was von Wert ist und was nicht. Werte können somit nur nach objektiven Maßstäben der Vernunft bestimmt werden. Damit kann alles Wissen, alles an Erkenntnissen (und alle Werte) nur im Menschen (und seiner Vernunft) selbst seinen Ursprung haben &#8211; und nicht in irgendwelchen spirituellen Autoritäten (”Gott” etc.).</p></blockquote>
<p>Mir straeuben sich <a href="http://beer7.wordpress.com/2007/03/01/religion-anachronistisch-und-gefaehrlich/">bei solchen Aussagen regelmaessig</a> die Nackenhaare. Dass dem <a href="http://beer7.wordpress.com/2007/03/27/choose-life/">Leben in der Thora ein sehr hoher Wert</a> zugemessen wird, scheint mir offenkundig. Allerdings muss ich gleich einraeumen, dass in diesem Thoratext nicht das Leben des Individuums gemeint ist, sondern <a href="http://www.atimes.com/atimes/Front_Page/II18Aa01.html">das Leben des Kollektivs</a>.</p>
<p>An dieser  Stelle sollte ich vielleicht ein kleines Bekenntnis ablegen: Ich bin gottesglaeubig und von allen Religionen, die ich naeher kenne, fuehle ich mich im Judentum am besten aufgehoben. Als Fundamentalistin kann ich mE dennoch nicht bezeichnet werden. Nur als Beispiel: Die Thora (und damit sind <a href="http://www.jewfaq.org/torah.htm">die schriftliche und die muendliche Thora</a> = Talmud gemeint) gilt <a href="http://www.jewishencyclopedia.com/view.jsp?artid=265&#38;letter=T&#38;search=Torah">orthodoxen Juden als Gotteswort</a>. Nicht als direktes Gotteswort: da sie die Sprache der Menschen spricht, wird davon ausgegangen, dass sie mindestens eine Veraenderung durchmachte, bevor das Volk Israel sie am Sinai erhielt. Hier haetten wir also eine kleine Hintertuer gegen allzu woertliche Auslegungen, immerhin eine mehr als dem Islam zur Verfuegung steht. Fuer mein Teil habe ich kein Problem damit, auch <a href="http://www.answers.com/topic/higher-criticism">die Thora als historischen Text zu lesen und zu analysieren</a>. Nur scheint mir, dass gerade durch die spezielle Geschichte dieses Textes offenkundig wird, dass es sich um einen ganz aussergewoehnlichen Text handelt, so dass ich die Offenbarung auf Umwegen wieder eingefuehrt haette.</p>
<p>Dem Leben und dem Wohlergehen des Individuums wird auch in der Thora grossen Wert zugemessen: Eine Suche in der Luther-Bibel mit den Stichworten &#8220;Witwe, Waise&#8221;, die zusammen mit Fremdling und Armen die gesellschaftlich Schwachen darstellen, ergibt eine lange Liste von Stellen aus der Thora, in denen verlangt wird, sie zu schuetzen, bzw. jeder Missbrauch mit harten Strafen bedroht wird.</p>
<p>Noch ausdruecklicher ist das Christentum in <a href="http://www.bibel-online.net/buch/40.matthaeus/25.html#25,45"><br />
Matthaeus 25.40</a></p>
<blockquote><p>Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch: gWas ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.</p></blockquote>
<p>Trotzdem hat Constantin Recht, wenn er schreibt, dass das menschliche Leben nicht als absoluter Wert gesetzt wird. Die Seite &#8220;Evil Bible&#8221; ist viel zu oberflaechlich und primitiv fuer meinen Geschmack, aber ihre Liste <a href="http://www.evilbible.com/Murder.htm">Murder in the Bible</a> fuehrt jede Menge Textstellen auf, wo nur an der Definition des Begriffs &#8220;Mord&#8221; (vorbedacht, niedrige Beweggruende) geruettelt werden kann.</p>
<p>Ob nun aber die Aufklaerung das menschliche Leben zum Wert an sich erhoben hat, wage ich zu bezweifeln. In Sachen <a href="http://plato.stanford.edu/entries/suicide/">Selbstmord/Freitod </a> vertreten die abrahamitischen Religionen eine sehr viel striktere Auffassung als die Philospophen der Aufklaerung. Offensichtlich wird hier von der Aufklaerung nicht das menschliche Leben, sondern die menschliche Freiheit als hoechster Wert gesetzt. Wie hier deutlich wird, ist menschliche Freiheit nicht synonym  mit der Heiligkeit des menschlichen Lebens. Wo die menschliche Freiheit weltimmanent verstanden wird und ihre Grenzen durch die Freiheit anderer Menschen gesetzt sind, gibt es kein Argument gegen die Selbsttoetung. Auch die abrahmitischen Religionen gehen von der Willensfreiheit des Menschen aus. Sie setzen voraus, dass der Mensch die Wahl hat, aber sie definieren die Wahl als eine zwischen gut und boese, Leben und Tod und dabei gelten auch nicht weltimmanente Kriterien, so dass die Selbsttoetung ein Vergehen gegen Gott darstellt, in dessen Hand Leben und Tod stehen.</p>
<p>Ich verfolge meine Gedanken vorlaeufig nicht weiter, sondern hoffe auf eine rege Diskussion, sobald die Feiertage vorbei sind.</p>
<p>Hier noch ein modernes Fundstueck: <a href="http://www.duaatalislam.com/sanctity_iraq_english.pdf">The Statement of Muslim Scholars on the Sanctity of Human Life and on the Prohibition of Declaring a Believer an Apostate in Light of the Current State of Affairs in Iraq </a> vom 16. August 2007</p>
<blockquote><p>1) The sanctity of human life: God has forbidden the killing of innocents whether<br />
they be Muslim, Christian, or otherwise. All who take life without legitimate<br />
justification commit a major crime and an atrocity before God.</p></blockquote>
<p>Auch hier sehen wir, dass keineswegs jede Toetung verboten ist, sondern nur die Toetung von Unschuldigen. Jede gerechtfertigte Toetung ist offensichtlich zugelassen, wenn nicht sogar geboten. Mir faellt (natuerlich!) auch auf, dass nur Muslime und Christen ausdruecklich erwaehnt werden, waehrend Juden wohl unter &#8220;otherwise&#8221; subsumiert sein sollen. Meine Assoziation aber ist die <a href="http://www.palestinecenter.org/cpap/documents/charter.html">Hamas Charter</a>, die folgenden religioesen Text zitiert:</p>
<blockquote><p>The prophet, prayer and peace be upon him, said: The time will not come until Muslims will fight the Jews (and kill them); until the Jews hide behind rocks and trees, which will cry: O Muslim! there is a Jew hiding behind me, come on and kill him! This will not apply to the Gharqad, which is a Jewish tree (cited by Bukhari and Muslim).</p></blockquote>
<p>Und die <a href="http://www.isic-centre.org/briefing_detail.php?recordID=33">Aussagen von Scheich Muhammad Sayyed Tantawi</a>, Grand Imam der aegyptischen Al-Azhar Universitaet, die gemeinhin als hoechste Institutio des sunnitischen Islams dargestellt wird:</p>
<blockquote><p>Following calls by Israeli Rabbis for him to condemn suicide attacks on civilian targets, Tantawi in 1997 declared such operations legal, blaming Israel for fuelling the violence. He told the Arabic daily al-Hayat that the Palestinian suicide bombers acted in self defence against aggressors and their actions were justified under Islamic shari‘a (the implication being that this is true even when civilians were targeted)  [10] .</p>
<p>In 1998, Tantawi again in an interview to al-Hayat, declared that Palestinian suicide attacks are legal under shari‘a, stating that: “It is every Muslim, Palestinian and Arab’s right to blow himself up in the heart of Israel” [11] .</p>
<p>In April 2001, Tantawi was quoted by Arabic newspapers Sut al-Ama (Egypt) and al-Hayat (London-Beirut) as stating that “suicide operations are of self-defense and a kind of martyrdom, as long as the intention behind them is to kill the enemy’s soldiers, and not women and children” [12] .</p>
<p>In 2002 he went further, declaring at a reception for the leader of the Arab Democratic Party of Israel, Abd al-Wahhab Darawsheh, that suicide operations and the killing of Israeli civilians, even women and children, were permitted and indeed should be intensified [13] . In April 2002, speaking to 15,000 demonstrators at al-Azhar mosque after Friday prayers, Tantawi declared the door open for a Muslim jihad in Palestine, stating that those who carry out suicide bombings were not terrorists but martyrs [14] .</p>
<p>In 2004, following the new phenomenon of Palestinian women perpetrating suicide bombings, Tantawi was quoted in the Arabic press as confirming that Palestinian suicide bombings were acts of martyrdom, whether carried out by males or females. He also ruled that female suicide bombers are allowed to take off their hijab or wear a wider covering veil to hide their bombs in order to ensure the success of their operations [15] .</p></blockquote>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Kulturpessimismus]]></title>
<link>http://beer7.wordpress.com/2007/12/18/kulturpessismus/</link>
<pubDate>Tue, 18 Dec 2007 13:06:44 +0000</pubDate>
<dc:creator>beer7</dc:creator>
<guid>http://beer7.wordpress.com/2007/12/18/kulturpessismus/</guid>
<description><![CDATA[Auf Acht der Schwerter bin ich auf diesen Text gestossen: Trauert nicht, Kinder Europas Gestern aben]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Auf <a href="http://acht-der-schwerter.freehostia.com">Acht der Schwerter</a> bin ich auf diesen Text gestossen:</p>
<p><a href="http://acht-der-schwerter.freehostia.com/2007/12/12/trauert-nicht-kinder-europas/#more-166">Trauert nicht, Kinder Europas</a></p>
<p>Gestern abend fand zum ersten Mal in diesem (juedischen Jahr) wieder der Thora-Talmud-Kurs statt, dessen Themen mich schon <a href="http://beer7.wordpress.com/2007/01/24/rechtsstaat-mehrheitsentscheidung-minderheitenschutz-im-talmud/">mehr als einmal </a> zu Blogeintraegen angeregt hat.</p>
<p>Als Thema fuer die naechsten Shiurim gab die Leiterin uns das Verhaeltnis zu Eretz Israel vor:</p>
<p>Im konkretesten Verstaendnis bedeutet Eretz Israel das Gebiet, das zu biblischen Zeiten den juedischen Koenigreichen zugerechnet wurde. Heute wird der Begriff von Antisemiten und Antizionisten missbraucht, die ihre eigenen Grossmachtambitionen auf den Staat Israel projezieren. Danach haette Israel Appetit auf das Gebiet vom Nil bis zum Euphrat. Den Unfug dieser Behauptung zeigen auch die weiter unten aufgefuehrten Karten <a href="http://www.globalsecurity.org/military/world/israel/greater-israel-maps.htm">auf dieser Seite</a>, die genau mit dieser Projektion hausieren geht: Das biblische Israel hat selbst in seiner groessten Ausdehnung,  den Nil und den Eurphrat nie auch nur annaehernd erreicht.</p>
<p>Abgesehen von diesem konkreten Verstaendnis steht &#8216;Eretz Israel&#8217; aber vor allem <a href="http://torahportion.wordpress.com/2006/10/31/dvar-torah-lech-lecha-5767/">fuer eine Utopie</a>. Das Land wurde schon <a href="http://www.die-bibel.de/online-bibeln/luther-bibel-1984/lesen-im-bibeltext/bibelstelle/1.Mose%2012/cache/6cff872b6b/">Avraham (damals noch Avram) fuer seine Nachkommen verheissen</a>. Dem Verheissenen Land entspricht der Bund. Wenn <a href="http://www.ldolphin.org/bozrah.html">Israel den Bund nicht einhaelt, kann es aus dem Land vertrieben</a> werden. Das ist die traditionelle Erklaerung fuer das babylonishe Exil. Diese Deutung wurde auch fuer die Zerstreuung durch die Roemer gewaehlt.</p>
<p>Angesichts der hohen Anforderungen fuehlen einige Stroemungen von Haredim (ultraorthodox ist die uebliche Beschreibung), dass Juden besser bis zur Ankunft des Messias gewartet haetten und dass die Gruendung des modernen Staates ein Sakrileg darstellt.</p>
<p>Auch in anderen politischen Zusammenhaengen ist das ein verbreitetes Denkmuster. Ein Beispiel kann <a href="http://www.sefer-torah.com/blog/">dieser Blog</a> sein, fuer den <a href="http://www.sefer-torah.com/blog/2007/07/31/parsha-eikev-5767-acting-as-jews-to-merit-eretz-yisrael">die Raeumung der juedischen Siedlungen im Gazastreifen klar in dieses Modell passt</a>. Eine gute Zusammenstellung juedischer religioeser Texte zum Thema <a href="http://www.israel613.com/ERETZ.htm">findet sich hier</a> (nur die ersten sind hebraeisch, alle folgenden dann englisch).</p>
<p>Unsere Kursleiterin meinte zu Anfang der Stunde, eine Besonderheit im Verhaeltnis von Volk Israel zu Land Israel laege darin, dass wir nicht &#8220;von hier&#8221; seien. Ich widersprach: Besonders ist nur, dass dieses Bewusstsein bewahrt wurde.</p>
<p>Die Voelker Europas koennen nicht als &#8220;Ureinwohner&#8221; gehandelt werden. Das Stichwort &#8220;Voelkerwanderung&#8221; sollte eigentlich jedem im Schulunterricht mal begegnet sein. Die Alemannen bespielsweise, von denen die Schweiz entscheidend gepraegt wurde, <a href="http://www.geschichte-schweiz.ch/alamannen.html">wanderten erst im 3. Jh n. Chr. in dieses Gebiet</a> ein. Moeglicherweise gibt es Schweizer Juden, deren Vorfahren schon frueher dort ansaessig waren&#8230; <a href="http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/BEITRAG/essays/polen.htm">Slawen sollen erst um 500 n.Chr. nach Polen</a> gekommen sein, usw.</p>
<p><img src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/5/50/Voelkerwanderungkarte.png/800px-Voelkerwanderungkarte.png" /></p>
<p>Die  &#8220;Kinder Europas&#8221; <em>(europäischstämmig)</em> sind also allenfalls eine poetische Ueberhoehung mit kurzem, historischen Gedaechtnis.</p>
<blockquote><p>“Sie waren groß von Statur”, werden sie sagen, “und hatten Haare wie Gold und Augen wie ein tiefer See. Sie konnten wunderschöne Musik komponieren und eindrucksvolle Maschinen bauen. Aber ihr Wohlstand machte sie selbstzufrieden und träge, und sie beschlossen freiwillig, auf das Wertvollste zu verzichten, was sie hatten: Ihre Kinder. Und weil sie nun keine Kinder mehr hatten, da ließen sie in ihrer Verzweiflung die Menschen herein aus dem Ödland. So kam es, dass sie überrannt wurden von den Barbaren, die heute in diesen Landen herrschen, groben Menschen, deren Herzen erfüllt waren von lodernder Wut. Und die Barbaren zerstörten alles, was die Weißen erschaffen hatten, und ließen es verfallen, große, funkelnde Städte und grüne Gärten.</p></blockquote>
<p>Mit der Karte der Voelkerwanderung im Hintergrund wird klar, welche Ironie darin besteht, diejenigen, die selber als Barbaren gekommen waren und eine entwickelte Zivilisation verfallen liessen, nun als die tragischen Helden zu sehen, denen dasselbe widerfaehrt, was <a href="http://korrektheiten.wordpress.com/2007/11/03/gelesen-bryan-ward-perkins-der-untergang-des-romischen-reiches-und-das-ende-der-zivilisation/">durch sie dem Roemischen Reich geschehen</a> war. Auch der Islam brachte eine Zivilisation hervor, gerade weil er das Erbe des ostroemischen Reiches unmittelbarer und schneller antrat als das christliche Abendland.</p>
<p>Mir scheint, dass in diesem Text zwei voellig unterschiedliche Konzepte, unzulaessigerweise vermischt werden. Was &#8220;Europa&#8221; und den &#8220;Westen&#8221; ausmacht, kann nicht mit der Hautfarbe  gleichgesetzt werden. (Vom Bloedsinn der blonden Haare und blauen Augen mal ganz abgesehen.) Es geht um eine bestimmte Kultur, die moeglicherweise zu geschwaecht ist, um sich einer aggressiveren Kultur gegenueber durchsetzen zu koennen.</p>
<p>Zurueck zum Shiur: Unsere Kursleiterin liess jeden Teilnehmer zu Beginn einige persoenliche Assoziationen zum Begriff &#8220;Eretz Israel&#8221; sagen. Ich war unangenehm beruehrt, dass die Mehrheit der Teilnehmer eine ambivalente bis ablehnende Position zum Besten gaben.</p>
<p>Kulturpessimus hat die Tendenz, eine <a href="http://www.jpost.com/servlet/Satellite?cid=1196847331518&#38;pagename=JPost%2FJPArticle%2FShowFull">&#8220;self-fulfilling prophesy&#8221;</a> zu sein. Das scheint mir ein ausreichender Grund zu sein, um eine solche Haltung abzulehnen.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
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<title><![CDATA[das gleiche Thema, theologisch vertieft]]></title>
<link>http://beer7.wordpress.com/2007/11/27/das-gleiche-thema-theologisch-vertieft/</link>
<pubDate>Tue, 27 Nov 2007 09:33:01 +0000</pubDate>
<dc:creator>beer7</dc:creator>
<guid>http://beer7.wordpress.com/2007/11/27/das-gleiche-thema-theologisch-vertieft/</guid>
<description><![CDATA[Israel, the hope of the Muslim world Diesen Artikel in der Asia Times fand ich sehr interessant: The]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p><a href="http://www.atimes.com/atimes/Middle_East/IK20Ak01.html">Israel, the hope of the Muslim world</a></p>
<p>Diesen Artikel in der Asia Times fand ich sehr interessant:</p>
<blockquote><p>The state of Israel embodies the last, best chance for the Islamic world to come to terms with the modern world. Received wisdom in the foreign ministries of the West holds that relations with Muslims would be ever so much easier without the annoying presence of the Jewish state, which humiliates the Muslim world. Just the opposite is true. The Israeli presence in the the Muslim world, precisely because it constitutes a humiliation.  </p>
<p>The premise of Western policy is to tread lightly upon Muslim sensibilities. That is an error of first magnitude, for Muslim sensibilities are what prevents the Islamic world from creating modern states. Islam cannot produce the preconditions for democracy in the Western sense out of its own resources.</p>
<p>Free elections in Muslim lands tend to hand power to fanatical despots. Why should that be true? The first premise of Western democracy, that the rights of the weakest and most despised citizens are sacred, stems from the Judeo-Christian notion of divine humility. The creator of the universe suffers along with his creatures, and bears a special love for the weak and helpless, a belief that appears absurd in Islam. Islam has no inherent concept of humility; it can only be imported to Muslim countries from the outside. </p>
<p>(&#8230;)</p>
<p>No injunction to &#8220;turn the other cheek&#8221; is found in the Koran, no reflection on how to learn from defeat. Something like the Book of Lamentations, which tradition attributes to the Prophet Jeremiah after the fall of Jerusalem, is unimaginable in Islam. Jeremiah tells defeated Israel, &#8220;It is good to wait quietly for the salvation of the Lord. It is good for a man to bear the yoke while he is young &#8230; Let him offer his cheek to one who would strike him, and let him be filled with disgrace.&#8221;</p>
<p>The words &#8220;humble&#8221; and &#8220;humility&#8221; occur rarely in the Koran, and in most cases (7:206 and 17:109) refer not to Muslims but rather to Jews or other conquered peoples, as in &#8220;And [the children of Israel] fall down on their faces weeping, and it adds to their humility&#8221;, or &#8220;We sent [apostles] to nations before you then We seized them with distress and affliction in order that they might humble themselves.&#8221; There are a few references to the virtue of being humble before Allah, but not one suggestion that it is good to show humility to other human beings. Nothing like Hannah&#8217;s praise of YHWH, (I Samuel 2:28), &#8220;You save the humble, but your eyes are on the haughty to bring them low,&#8221; occurs in Muslim scripture. </p>
<p>(&#8230;)</p>
<p>Because success is central to Islam’s promise, and the restoration of the Jewish commonwealth in its historic territory along with its ancient capital seems to validate Jewish scripture rather than the Koran, Israel offers an existential challenge to the Muslim world. Muslims will never accept the permanent presence of Israel unless compelled. But the bad news in this case is the good news, for if the Muslim world were to accept Israel’s existence, the collective humiliation would be so profound as to force the concept of humility into Muslim political life. The best thing Western governments could do to foster democracy in the Muslim world, in fact, is to move their embassies to Jerusalem.</p>
<p>(&#8230;)</p></blockquote>
</div>]]></content:encoded>
</item>

</channel>
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