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	<title>schadel-hirn-trauma &amp;laquo; WordPress.com Tag Feed</title>
	<link>http://en.wordpress.com/tag/schadel-hirn-trauma/</link>
	<description>Feed of posts on WordPress.com tagged "schadel-hirn-trauma"</description>
	<pubDate>Thu, 31 Dec 2009 02:36:46 +0000</pubDate>

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	<language>en</language>

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<title><![CDATA[Viel zu bereden]]></title>
<link>http://anhora.wordpress.de/2009/07/04/viel-zu-bereden/</link>
<pubDate>Sat, 04 Jul 2009 21:11:44 +0000</pubDate>
<dc:creator>Anhora</dc:creator>
<guid>http://anhora.wordpress.de/2009/07/04/viel-zu-bereden/</guid>
<description><![CDATA[Je besser es ihm geht, desto mehr langweilt er sich, und desto weniger lässt er uns nach den Besuche]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p class="MsoNormal">Je besser es ihm geht, desto mehr langweilt er sich, und desto weniger lässt er uns nach den Besuchen gehen. Von halb zwei bis neun Uhr abends waren wir heute in der Klinik, und zu reden gab es viel. Er ist besessen davon zu erfahren, was geschehen ist, wie er war in den wirren Phasen, was er sagte, was er tat, alles will er wissen. Sein Gedächtnis ist noch nicht gut, manches berichteten wir mehrmals. Schade ist, dass er sich an den Clownbesuch vorgestern nicht erinnert! Aber auch manches aus seinem Leben vor dem Unfall ist weg. So fiel ihm heute ein, dass er einen wichtigen Termin beim Zahnarzt hatte im Juni, aber er wusste nicht mehr warum. Dass er sich in seiner Firma um einen Auslandseinsatz in England beworben hatte, kam ihm erst wieder in den Sinn, als wir heute davon sprachen.</p>
<p class="MsoNormal">Aber vor zwei bis drei Wochen vergaß er schon während des Gesprächs, wovon er Minuten vorher geredet hatte, Vergangenes vermischte sich mit Neuem, er hatte keine Orientierung und auch schizoide Phasen kamen vor („die wollen mich umbringen hier!“). Alles Vergangenheit. Stundenlang plauderten wir miteinander, als hätten wir uns in einem Biergarten getroffen und wären verhockt.</p>
<p class="MsoNormal">Auch sein Körper wird kräftiger. Mit zwei gebrochenen Armen kann er sich im Rollstuhl nicht selbst fortbewegen, doch Sport hat er genug: In keiner Position hält es ihn lange, immerzu fängt etwas an zu schmerzen, die Beckenbrüche vor allem. Er hievte sich also mehrmals vom Bett in den Rollstuhl, vom Rollstuhl auf eine Bank, von der Bank zurück in den Rollstuhl, dann eine Weile stehen, wieder in den Rollstuhl, ins Bett, in den Rollstuhl – den ganzen Nachmittag war er in Bewegung. Wir verbrachten die meiste Zeit in dem kleinen Park vor der Klinik in der Sonne, und als wir ihn am Abend verließen, wirkte er trotzdem nicht sehr erschöpft.</p>
<p class="MsoNormal">Am Dienstag darf er endlich in die Reha. Sein Freund wird am selben Tag in dieselbe Rehaklinik aufgenommen, das ist eine wundervolle Nachricht. Es frustriert ihn nur, dass sein Freund bis dahin ein paar Tage zu Hause verbringen darf und er nicht. Aber der vor kurzem operierte Finger muss täglich versorgt werden, und das sah er ein.</p>
<p class="MsoNormal">
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Wieder ein Tag]]></title>
<link>http://anhora.wordpress.de/2009/06/26/ich-geb-dir-einen-engel-mit/</link>
<pubDate>Fri, 26 Jun 2009 20:32:04 +0000</pubDate>
<dc:creator>Anhora</dc:creator>
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<description><![CDATA[Bei der Arbeit war ich heute ganz tatterig. Nicht vor Erschöpfung &#8211; vor Freude und Erleichteru]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p class="MsoNormal">Bei der Arbeit war ich heute ganz tatterig. Nicht vor Erschöpfung &#8211; vor Freude und Erleichterung! Mein Sohn durfte heute zum ersten Mal in den Rollstuhl. So schnell geht das. Sein Vater war heute tagsüber bei ihm und hatte angerufen. Er brachte den Jungen nach draußen in den Park, nach fast vier Wochen blies frische Luft um seine Nase. Ich sprach mit ihm am Telefon, er blieb sogar ein paar Minuten dran und machte einen zwar schwachen, aber zuversichtlicheren Eindruck.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Seine Stimme klingt immer noch verändert, höher und holprig, zunächst hatten wir gedacht es kommt von den Beatmungsschläuchen während der Operationen oder so was. Inzwischen denke ich, es ist wohl eher so, dass im Moment ein schwächerer Luftstrom seine Stimmbänder zum Vibrieren bringt. Aber das wird wieder anders. Wichtig ist, dass der Junge draußen war, dass er die Sonne im Gesicht spürte, die Vögel in den Bäumen hörte und dass er das warme Wetter einfing. Er kann nun in die Reha, sobald ein Platz frei wird, und er freut sich darauf. Er will raus aus dem Krankenhaus, und man kann es verstehn.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Ein langer Weg]]></title>
<link>http://anhora.wordpress.de/2009/06/25/ein-langer-weg/</link>
<pubDate>Thu, 25 Jun 2009 19:23:42 +0000</pubDate>
<dc:creator>Anhora</dc:creator>
<guid>http://anhora.wordpress.de/2009/06/25/ein-langer-weg/</guid>
<description><![CDATA[Was können wir tun? Was können wir nur tun, um es ihm leichter zu machen? Er hat die Medizin, die er]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p class="MsoNormal">Was können wir tun? Was können wir nur tun, um es ihm leichter zu machen? Er hat die Medizin, die er braucht, die Geräte, die ihm helfen, eine Wache sitzt bei ihm Tag und Nacht, jeden Tag steht seine Familie an seinem Bett. Wir beten für ihn, wir schicken ihm gute Gedanken, wir versuchen ihn von der Ferne zu heilen, was können wir denn noch tun?</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Er war so schwach heute, so am Ende, dass ich dachte, sie haben ihm ein starkes Beruhigungsmittel gegeben. Dabei sollte er heute nichts mehr bekommen, deshalb fragte ich nach und mir wurde gesagt, dass er nur Schmerzmittel und ein Antibiotikum erhalten habe. Sein Abendessen hatte er nicht angerührt, er aß nur ein bisschen Obst, das ich gebracht hatte und das seine Schwester ihm in den Mund schob. Er hatte keine Energie heute, für nichts. Seine Stimme klang noch brüchiger als sonst und er lag müde da, ohne schlafen zu wollen. Traurig war er. Immer wieder redete er von seinem Freund, und ob er wohl noch derselbe wäre, ob er selbst noch derselbe wäre. Er hat Angst, seinen Freund zu verlieren. Ihm wurde vielleicht auch bewusst, dass sie bei diesem Unfall hätten sterben können. Er weinte. Wir  trösteten, so gut wir konnten. Es ist ein langer und harter Weg, den er gehen muss. Was für ein Idiot, der das alles verursacht hat. Was für ein absoluter Idiot.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Auch der Krankenschwester war aufgefallen, wie abgekämpft er war. Sie sagte, erschöpfte und depressive Phasen gehören zum Krankheitsbild Durchgangssyndrom. Es wurden außerdem Tests gemacht heute, das sei für ihn anstrengend. Die Hirnblutung sei immer noch da, wurde aber nicht größer. Das sei ein gutes Zeichen. Wie einen blauen Fleck müsse man sich das vorstellen, und es könne lange dauern, bis sich alles zurück bildet. Wochen. Vielleicht Monate. Teile des Gehirns können absterben, dann dauert es noch länger, bis andere Regionen deren Aufgaben übernommen haben. Bei jungen Leuten verläuft dieser Prozess in der Regel schneller und besser, doch wollen wir ihm Zeit geben.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Es ist nur so schwer. Das Annehmen dessen, was ist. Ohne etwas steuern zu können. Denn wie sehr wir es auch wollen – wir können ihm nicht helfen.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Schwer zu helfen]]></title>
<link>http://anhora.wordpress.de/2009/06/24/schwer-zu-helfen/</link>
<pubDate>Wed, 24 Jun 2009 19:58:18 +0000</pubDate>
<dc:creator>Anhora</dc:creator>
<guid>http://anhora.wordpress.de/2009/06/24/schwer-zu-helfen/</guid>
<description><![CDATA[Unser Kind hat jetzt eine Wache. Jemand sitzt jetzt 24 Stunden lang neben ihm passt auf ihn auf. In ]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p class="MsoNormal">Unser Kind hat jetzt eine Wache. Jemand sitzt jetzt 24 Stunden lang neben ihm passt auf ihn auf. In der Nacht gelang es ihm nämlich, aus dem Bett zu kommen und er stürzte. Den Knochenbrüchen habe es zum Glück nicht geschadet, ich hoffe es stimmt was die Schwester sagte. Aber man lässt ihn jetzt nicht mehr allein, es beruhigt mich das zu wissen. Sein Vater war bei ihm und sagte, dass er zum Teil sehr  durcheinander war. Vielleicht wegen der Beruhigungsmittel, die sie ihm geben, damit er liegen bleibt. Die will man in den nächsten Tagen absetzen, denn er soll wach werden, einen Rollstuhl soll er bekommen und lernen, damit umzugehn. Damit er so bald wie möglich in die Reha darf und die Therapien beginnen können.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Ich telefonierte mit ihm, aber er wollte nur kurz reden. Es strengt ihn an. Für heute kann man nur sagen: Es ist ein schwerer Kampf für ihn und für uns. Wir müssen uns auf die Betreuung im Krankenhaus verlassen und können sonst gar nichts tun. Außer beten, aber das hilft ganz bestimmt auch.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Geschafft]]></title>
<link>http://anhora.wordpress.de/2009/06/23/geschafft/</link>
<pubDate>Tue, 23 Jun 2009 19:34:59 +0000</pubDate>
<dc:creator>Anhora</dc:creator>
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<description><![CDATA[Angestrengt hat es ihn schon, das Zusammenflicken seiner Beckenknochen. Auch wenn das gestern Routin]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p class="MsoNormal">Angestrengt hat es ihn schon, das Zusammenflicken seiner Beckenknochen. Auch wenn das gestern Routine war und nicht besonders lange dauerte. Heute war er jedenfalls müde, am Ende. Dann wieder unruhig und aufgeregt, es wechselte. Plötzlich wollte er aufstehn, und das darf er weniger denn je. Wir versuchten ihm zu erklären, dass er Geduld haben muss, aber er verstand es nicht und wurde wütend. Ihn so zu sehn, so erschöpft und durcheinander – er tut mir so Leid.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Inzwischen ist ihm ein Bart gewachsen, naja ein Jungmännerbart, nicht viel aber an den richtigen Stellen. An Kinn und Oberlippe, ein wenig an den Seiten. Seine Haare sind gewachsen, und er sieht zum Anbeißen aus, wäre er nicht so krank. Ich möchte ihm so gern helfen, und es geht einfach nicht.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal"><span style="color:#000000;">Wenn dir einer mit dem Hammer auf den Kopf schlägt und du fällst – der Moment des Fallens, wenn du noch da bist aber nicht mehr ganz, wenn du Schmerz spürst aber noch nicht ganz – so geht es mir, seit der Unfall geschah. Es ist, als stehe ich neben mir. Und ich habe solche Kopfschmerzen. Seit Wochen. Alles ist schwer, und der endlose Regen deprimiert mich. Uns alle wahrscheinlich.</span> <span style="color:red;"></span></p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Verkehrsunfall Rossauer Lände - Fussgängerin (fast) tot]]></title>
<link>http://diegalerie.wordpress.com/2009/06/21/verkehrsunfall-rossauer-laende-fussgaengerin-fast-tot/</link>
<pubDate>Sun, 21 Jun 2009 17:32:21 +0000</pubDate>
<dc:creator>marcusjoswald</dc:creator>
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<description><![CDATA[Eine Fußgängerin wird durch ein Auto niedergefahren und schwer verletzt. Sie wurde mit dem gelben Hu]]></description>
<content:encoded><![CDATA[Eine Fußgängerin wird durch ein Auto niedergefahren und schwer verletzt. Sie wurde mit dem gelben Hu]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Verwirrung]]></title>
<link>http://anhora.wordpress.de/2009/06/19/verwirrend/</link>
<pubDate>Fri, 19 Jun 2009 21:41:22 +0000</pubDate>
<dc:creator>Anhora</dc:creator>
<guid>http://anhora.wordpress.de/2009/06/19/verwirrend/</guid>
<description><![CDATA[„Seine Augen sind größer als sonst, doch sein Blick geht ins Leere. Er ist noch nicht sich selbst.“ ]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p class="MsoNormal"><a href="http://www.carcenter-chemnitz.de/kopfkino/erlaut.htm" target="_blank"></a></p>
<p class="MsoNormal"><a href="http://www.carcenter-chemnitz.de/kopfkino/erlaut.htm" target="_blank"> </a></p>
<p class="MsoNormal">„Seine Augen sind größer als sonst, doch sein Blick geht ins Leere. Er ist noch nicht sich selbst.“ So fasste sein kleiner Bruder den Eindruck zusammen, den er heute bei seinem ersten Besuch im Krankenhaus hatte. (Zu viele Besucher wären bisher zu anstrengend gewesen.) Auch ich hab mir gelegentlich überlegt, ob diese Kulleraugen immer schon zu ihm gehörten. Am ehesten vielleicht, wenn er etwas getrunken hatte. Aber sonst?</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Er erinnerte sich heute, dass während des Tages eine Untersuchung mit ihm gemacht wurde am Kopf. Die Schwester sagte später, mit einer Sonografie der Halsschlagader wurde deren Durchlässigkeit geprüft und ob das Gehirn ausreichend durchblutet wird. Alles in Ordnung, so das Ergebnis, die Blutgefäße sind in gutem Zustand. Sie berichtete auch, dass sich bei meinem Kind klare Phasen mit großer Verwirrtheit abwechseln. Das sei normal bei Patienten mit einem <a href="http://www.carcenter-chemnitz.de/kopfkino/erlaut.htm" target="_blank">Durchgangssyndrom</a>. Wenn er in einem solchen Zustand ist, versuche er jedoch Immer wieder er aus dem Bett zu kommen, was ihm einige Male beinahe gelungen sei. Da sie am Wochenende wenig Personal haben, wäre es daher gut, wenn möglichst ständig jemand von uns bei ihm sei.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Die am Montag geplante Operation der Beckenbrüche muss verschoben werden. Kein medizinisches Problem gibt es, sondern ein rechtliches. Man mags nicht glauben, aber der Zirkus mit der Einwilligungserklärung zur OP fängt wieder an. Der Junge ist nicht klar genug im Kopf, um die Risiken der Operation einzuschätzen, wir Eltern können ihn nicht vertreten, da er volljährig ist, und der Narkosearzt weigert sich, ein Risiko einzugehn. Ich wandte ein, dass er bereits eine große Operation hinter sich hat mit einer Einwilligungserklärung durch ihn und uns Eltern. Einen Richter, den man zunächst hinzuziehn wollte, hatte man dann doch nicht gebraucht. Wo also ist diesmal das Problem?</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Die Schwester will nun den Narkosearzt der letzten Operation mit dem Narkosearzt der nächsten Operation zusammen bringen, damit sie sich austauschen können. Wenn das nichts bringt, können wir vielleicht von der Sozialstation erfahren, was man tun kann. Es darf nicht wahr sein! Als ob es kein Risiko wäre, einen jungen Mann  zum Liegen zu zwingen, womöglich wochenlang, und eines Tages schafft er es noch aus dem Bett und das instabile Becken bricht erneut!</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Auf der Sozialstation kam sein Vater heute auch nicht weiter, weil den ganzen Vormittag die Telefonleitung belegt war. Zum Thema Reha wissen wir also noch nichts.</p>
<p class="MsoNormal">Abschließend kann man nur sagen, dass unser Sohn lebhaft ist, abenteuerliche Geschichten erzählt und das Rufgerät für die Schwester entdeckt hat. „Magst du was trinken, Mama?“ „Nein danke.“ „Ach komm, du magst sicher was, ich bestell uns ein Bier.“ Schon war der Finger auf der roten Taste, bevor ich auch nur den Mund geöffnet hatte zum Protestieren. Und eine Schwester versuchte ihm verständlich zu machen, dass es im Krankenhaus kein Bier gibt.</p>
<p class="MsoNormal">–</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal"><a href="http://www.medizin-aspekte.de/06/06/goldene_regeln/goldene_regeln.html" target="_blank">Was ist ein Durchgangssyndrom?</a></p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Arme Kanalratte]]></title>
<link>http://anhora.wordpress.de/2009/06/18/arme-kanalratte/</link>
<pubDate>Thu, 18 Jun 2009 18:31:46 +0000</pubDate>
<dc:creator>Anhora</dc:creator>
<guid>http://anhora.wordpress.de/2009/06/18/arme-kanalratte/</guid>
<description><![CDATA[Es geht voran, Gott sei Dank, heute konnte er sich an Einzelheiten erinnern, die er schon gestern er]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p class="MsoNormal">Es geht voran, Gott sei Dank, heute konnte er sich an Einzelheiten erinnern, die er schon gestern erfahren hatte. Z.B. an den neuen Pin-Code seines Handys. Er wusste noch, dass er heute (”Ich habe etwas Aufregendes erlebt!”) in einem Spezialbett sitzend geduscht worden war und dass er einem anderen Jungen im Zimmer sein Handy-Ladegerät ausgeliehen hatte. Wer ihn morgen, übermorgen und am Sonntag besuchen wird, konnte er sich dagegen nicht einprägen, so oft wir es auch wiederholten. Er wird sich also überraschen lassen.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Sein Vater hat einen Rechtsanwalt gefunden, der den Jungen vertreten wird. Der Sachverhalt ist klar, der Fahrer des Audis verursachte den Unfall und seine Versicherung wird haften für alles, was man mit Geld ausgleichen kann.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Wir beschäftigen wir uns damit, die richtige Reha zu finden, die Ärzte empfehlen einen der Standorte der <a href="http://www.kliniken-schmieder.de/home/fuer-aerzte/kliniken/kliniken-schmieder-gailingen.html" target="_blank">Schmieder-Kliniken</a>. Morgen wird sich sein Vater  von der Sozialstation der Ulmer Kliniken beraten lassen. Ich bin froh, dass ich mich um solche Dinge nicht kümmern muss. Ich wüsste nicht wann. Am wichtigsten ist mir, dass er mit jungen Leuten zusammen ist, mit denen er reden kann und die vielleicht dasselbe durchmachen wie er. Am zweitwichtigsten, dass es nicht zu weit weg ist.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Aber bis dahin ist es noch ein bisschen, erst kommt die Operation nächste Woche und zuvor darf er Kraft sammeln und sich erholen. Er plapperte vor sich hin mit brüchiger Stimme, ließ sich wie immer von Herzen gerne streicheln und drücken und unterhielt sich  währenddessen über Klamotten und Schmerzensgeld, er sei doch eine arme Kanalratte.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Wir blieben nicht so lange wie sonst, er hatte vor uns Besuch gehabt von zwei Leuten aus seiner Firma, er wurde müde. Schön zu wissen, dass ich ihm nachher wenigstens in einer sms noch gute Nacht sagen kann.</p>
<p class="MsoNormal">
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Keine Ruh]]></title>
<link>http://anhora.wordpress.de/2009/06/17/keine-ruh/</link>
<pubDate>Wed, 17 Jun 2009 18:50:20 +0000</pubDate>
<dc:creator>Anhora</dc:creator>
<guid>http://anhora.wordpress.de/2009/06/17/keine-ruh/</guid>
<description><![CDATA[Mein Sohn – vor drei Tagen glaubte er sich noch Thailand &#8211; war heute am Bodensee. An seinem Be]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p class="MsoNormal">Mein Sohn – vor drei Tagen glaubte er sich noch Thailand &#8211; war heute am Bodensee. An seinem Bett steht jetzt ein Telefon, und am Nachmittag rief er mich an. „Wann kommst du?“ „Ich war gestern bei dir, heute kommt Papa.“ „Du warst gestern nicht hier.“ „Doch.“ „Und heute kommst du nicht?“ „Nein, ich kann nicht jeden Tag so früh bei der Arbeit aufhören.“ „Dann ruf ich jetzt Papa an.“ „Wo bist du denn, weißt du es?“ „Ich bin am Bodensee.“</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Verwirrt sei er gewesen heute, berichtete sein Vater am Abend. Er wollte nicht im Bett bleiben, sondern raus, nach Hause, er hatte Mühe gehabt, den Jungen zu beruhigen. Wie muss es einem Menschen gehen, der immerzu liegen muss und nicht versteht, warum?</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Das Becken muss nun doch operiert werden. Es sind vier Brüche, die am Montag oder Dienstag mit Platten und Schrauben versorgt werden. Der Fixateur externe kommt dann wahrscheinlich weg und nach einer Woche etwa könne er in einen Rollstuhl. Endlich. Einen Zwanzigjährigen kann man nicht wochenlang zum Liegen zwingen. Der Eingriff selbst sei Routine und dauere nur eineinhalb Stunden. Ansonsten verlaufe die Heilung der Knochenbrüche komplikationslos, in den nächsten Tagen wird ein weiterer neurologischer Test gemacht.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Etwa 4000 km sind wir seit dem Unfall gefahren, um ihn in der Klinik zu besuchen. Nie wieder werde ich die Strecke zwischen Ravensburg und Ulm zurücklegen ohne diesen Albtraum im Kopf.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Danke!]]></title>
<link>http://anhora.wordpress.de/2009/06/16/danke/</link>
<pubDate>Tue, 16 Jun 2009 20:37:33 +0000</pubDate>
<dc:creator>Anhora</dc:creator>
<guid>http://anhora.wordpress.de/2009/06/16/danke/</guid>
<description><![CDATA[An alle, die an ihn denken, die für ihn beten, die ihm Kraft schicken und ihn so heilen: TAUSENDMAL ]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p class="MsoNormal">An alle, die an ihn denken, die für ihn beten, die ihm Kraft schicken und ihn so heilen: TAUSENDMAL DANKE!</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Denn heute –dreimal-auf-Holz-klopf und toi-toi-toi – heute war es mir leicht, bei ihm zu sein. Er war wach, er redete zusammenhängend (wenn auch nicht alles stimmte, was er erzählte), er schien normal. Ernster als früher, erschöpfter. Seine Stimme klingt hoch, nicht wie früher. Aber ein Fremder hätte heute nicht gemerkt, was er durchgemacht hat.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Seine letzte Erinnerung vor dem Unfall war, als sie in Mönchengladbach losfuhren. Der Rest ist weg. Er habe Erinnerungen an die letzten Tage auf der Intensivstation, doch zuordnen kann er sie nicht. Wann er was gesagt oder gehört oder wen gesehen hat – er weiß es nicht. Vieles vergisst er, doch anscheinend nicht alles. Man kann wieder reden mit ihm.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Seit heute liegt er nicht mehr auf der Intensivstation, und er rief uns an, um es uns  mitzuteilen. (!) Auf einer normalen Krankenstation ist er jetzt, auf der Kinderstation, und ohne den ständigen Blick auf irgendwelche Werte am Monitor, ohne die Verkabelungen und ohne die Schwere um ihn herum ist es ein besseres Leben. In einem großen Raum liegt er zusammen mit drei Jungs, die reden, lachen, Besuch haben, es ist immer jemand zu sehen und zu hören. Einen Fernseher gibt es auch und als Simpsons lief, schauten alle hin. Es tut ihm gut, und mir auch. Etwas von meiner Erstarrung fällt ab.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Nach seinem Freund fragte er immer wieder, er wollte ihn anrufen. Aber der Junge kann noch nicht sprechen. Sein Gehirn scheint nicht so viel Schaden genommen zu haben wie das von meinem Sohn, aber durch den Kieferbruch kann er sich nur schwer verständlich machen. Das Gesicht sei etwas abgeschwollen inzwischen, die Augen könne er aber noch nicht öffnen (die Schwestern der beiden tauschen sich über ihre Brüder aus). Auch er erholt sich von Tag zu Tag. Gott sei Dank.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Gedanken ]]></title>
<link>http://anhora.wordpress.de/2009/06/15/gedanken/</link>
<pubDate>Mon, 15 Jun 2009 19:00:02 +0000</pubDate>
<dc:creator>Anhora</dc:creator>
<guid>http://anhora.wordpress.de/2009/06/15/gedanken/</guid>
<description><![CDATA[Was wünschen wir uns nicht alles für unsere Kinder. Dass sie gesund sind, hübsch, gescheit, Freunde ]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p class="MsoNormal">Was wünschen wir uns nicht alles für unsere Kinder. Dass sie gesund sind, hübsch, gescheit, Freunde sollen sie haben, Erfolg in der Schule und später im Beruf. Viel, wenn man darüber nachdenkt, und wenn eins davon wegfällt, bekommen wir Angst. Es wird uns nicht leicht gemacht zu glauben, dass schwächere Menschen dazugehören wie alle andern. Manche Eltern halten es fast für ihr eigenes Versagen, wenn Kinder nicht überall mithalten können, und ignorieren deren Schwächen.</p>
<p class="MsoNormal">Vielleicht ist es eine der schwersten Aufgaben, der Welt jeden Tag mitzuteilen: „Ja! Mein Kind ist ein besonderes Kind, und es hat allen Grund, da zu sein.“ Diese Liebe scheint uns die Gesellschaft vorzuhalten, weil Normen nicht eingehalten werden. Wir messen uns an unseren Erfolgen. Aber wollen wir zu dieser Welt gehören, die Alte und Kranke ausschließt? Oder gibt es eine andere?</p>
<p class="MsoNormal">Neu sind solche Gedanken natürlich nicht, Millionen Eltern behinderter Kinder denken sie tausendmal. Nur für mich sind sie neu. Ich denke darüber nach, dass mein Kind vielleicht noch viel Zeit braucht, um gesund zu werden, und es darf so sein, denn das Leben bewertet uns nicht nach Erfolgspunkten. Ein Spitzenverdiener findet sein Glück nicht auf dem Bankkonto, und auf der Rückbank eines Mercedes warten keine neuen Freunde. Wir haben ihn noch, unseren Sohn, und mehr gibt’s im Moment nicht zu wollen.</p>
<p class="MsoNormal">Er sei ruhig gewesen heute, entspannt, ein guter Tag, berichtete sein Vater. Wir wechseln uns jetzt ab mit den Besuchen, damit wir uns ein bisschen erholen können. Die Ärzte sind zufrieden mit ihm, er entwickle sich positiv. Nach wie vor kann er sich nicht orientieren und kaum etwas merken. Still ist er geworden seit der Operation, die Schmerzmittel dröhnen ihn weg. Er wird zu sich kommen, wenn er es will.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Alles bleibt]]></title>
<link>http://anhora.wordpress.de/2009/06/14/alles-bleibt/</link>
<pubDate>Sun, 14 Jun 2009 17:26:04 +0000</pubDate>
<dc:creator>Anhora</dc:creator>
<guid>http://anhora.wordpress.de/2009/06/14/alles-bleibt/</guid>
<description><![CDATA[Nichts bleibt im Verbleiben am Fleck alles bleibt in der Kraft entfalteter Flügel. (Annemarie Schnit]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p class="MsoNormal" style="text-align:left;"><strong><em> </em></strong><span style="font-family:Skia;">Nichts bleibt<br />
im Verbleiben<br />
am Fleck<br />
alles bleibt<br />
in der Kraft<br />
entfalteter Flügel.</span></p>
<p style="text-align:left;"><a href="http://www.schnitt-und-co.de/default.html" target="_blank">(Annemarie Schnitt)</a></p>
<p>Gefällt mir. Fand ich im Internet.</p>
<p>-</p>
<p class="MsoNormal">Er erinnert sich abends nicht, dass ich nachmittags bei ihm war. Aber er wusste – obwohl wir zuvor nicht davon geredet hatten – dass auch sein Freund im Krankenhaus liegt und er wollte ihn anrufen. Auch dass es einen Unfall gab, fiel ihm ein, in Thailand. Er redet nicht mehr so viel wie vor der Operation, und immer noch entstehen seine Geschichten oder Teile davon durch Störfeuer im Gehirn. Fast alles vergisst er, aber vereinzelt bleibt etwas hängen, und er macht sich Gedanken. Zum Beispiel fragte er nach seinem Vater (ich war mit meinem Lebensgefährten gekommen), nach dem kleinen Bruder, nach seiner Freundin. Das hatte er bisher kaum getan.</p>
<p class="MsoNormal">Immerzu warf er sich in seinen Kissen hin und her, schwitzte, litt, suchte Trost. Seine großen Augen machten uns Vorwürfe. Doch irgendwann entspannte er sich, und als wir ihn verließen, schlief er. Sie geben ihm Schmerzmittel, Beruhigungsmittel, ein Antibiotikum, etwas für den Blutdruck. Viel wird seinem Körper zugemutet, aber er ist stark.</p>
<p class="MsoNormal">Jeden Tag fahren wir an der Stelle vorbei, wo der Unfall passiert ist. Mechanisch geht dort mein Blick nach rechts oder links, je nachdem aus welcher Richtung wir kommen. Eine Zeitlang sah man auf der Straße Sand, der auf ausgelaufenes Öl gestreut worden war. Inzwischen sieht man nichts mehr.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Nach der OP]]></title>
<link>http://anhora.wordpress.de/2009/06/13/nach-der-op/</link>
<pubDate>Sat, 13 Jun 2009 16:01:31 +0000</pubDate>
<dc:creator>Anhora</dc:creator>
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<description><![CDATA[Man muss ihn jede Minute im Auge behalten! Aber wir wurden vor die Tür geschickt, weil sie irgendwas]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p class="MsoNormal">Man muss ihn jede Minute im Auge behalten! Aber wir wurden vor die Tür geschickt, weil sie irgendwas mit ihm machten, und nach einer Weile hörte ich ihn heiser rufen. Als ich ins Zimmer lief, saß er auf der Bettkante! Beide Beine auf dem Boden und ich konnte ihn kaum in die Kissen zurück drücken. Es brauchte drei Leute einschl. eines Pflegers, um ihn wieder in die richtige Position zu bringen. Diese bl… Schwester hatte ihn durch die Verbindungstür zu einem angrenzenden Zimmer verlassen und weder die Barrieren an seinem Bett angebracht noch mich informiert!</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Von diesem Einfall abgesehen, war er ruhig, abgekämpft. Die Narkosemittel betäuben ihn sicher noch, insgesamt hat er die Operation gestern gut überstanden. In der Nacht bekam er allerdings Fieber, irgendwo in seinem Körper gibt es einen Infekt – wahrscheinlich im Harnleiter durch den Katheter – und er bekommt jetzt ein Antibiotikum. Mir war nichts aufgefallen heute, das Fieber ist also im Griff.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Das Becken muss nicht operiert werden, das ist die gute Nachricht, der Fixateur reicht tatsächlich aus. Die anderen Brüche waren schwierig zu versorgen. Man stabilisiert statt mit außen am Knochen verschraubten Platten inzwischen mit einer Art langem Metallstift, der ins Innere des Knochens eingeführt wird und ihn zusammen hält. Das braucht nur oben und unten einen kleinen Schnitt, und alles ist stabiler. Bei unserem Sohn war das Problem, dass sein Unterschenkelknochen so stark ist, dass man drei Akkus brauchte, um mit der Bohrmaschine einen Weg zu bahnen durchs Knochenmark, und es gelang auch nur für dünnste Version.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Das Knie hingegen ging leichter, als man erwartet hatte, auch beim Oberschenkel gab es keine Probleme. Aber der linke Arm war so zertrümmert, dass sie es nicht perfekt hinkriegten. Es wird eine weitere Operation geben. Der rechte Zeigefinger wurde nur geschient, es heile auch so. Ich hoffe das stimmt und nicht, dass die Chirurgen nach sieben Stunden im OP keine Lust mehr hatten und heim wollten.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Ich war heute mit meinem Lebensgefährten schon um die Mittagszeit in der Klinik, und der Junge fragte sofort nach seinem Papa. Er kann sich also erinnern, dass ich sonst mit ihm komme. „Er muss heute arbeiten“, sagte ich, „heute Abend siehst du ihn.“ Das war in Ordnung. Wir schauten wieder seine Urlaubsbilder an und die Karte von der Firma. Daran freute er sich immer noch, und noch mehr über eine Karte, die ich ihm von seiner Schwester brachte. „Cool“, fiepte er. Es sind Bilder darauf von ihm und unserer Familie mit allen Telefonnummern, die er bald braucht, denn sein Handy überstand den Unfall nicht.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Wie immer bei den Besuchen wollte er die ganze Zeit gestreichelt werden, massiert, gebusselt, beruhigt. Es ist das Einzige, was ich für ihn tun kann. So wenig.</p>
<p class="MsoNormal">Gegen die Schmerzen bekommt er wieder Dipidolor, ein Morphium. Ich hoffe, es schadet ihm nicht. Heute ließ es ihn einfach wegdämmern und das braucht er im Moment. Er darf sich ausruhen.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">In Ulm wird er wohl noch zwei weitere Wochen bleiben. Danach geht er direkt in die Reha, möglicherweise in eine <a href="http://www.hegau-jugendwerk.de/" target="_blank"><span style="color:windowtext;">Klinik in Gailingen</span></a>. Das ist auch über eine Stunde zu fahren, aber die nächstgelegene Möglichkeit. Immerhin würde er dort junge Leute um sich haben. Etwa sechs Wochen lang wird er nicht aufstehen können und wer weiß, wann sich sein Kopf erholt. Wir wollen ihm Zeit geben und vielleicht auch den Gedanken zulassen, dass etwas zurück bleiben wird. Doch egal wie mobil oder wie klar: Wir haben ihn noch, und ich bin sehr dankbar.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Wie isst man einen Elefanten?]]></title>
<link>http://anhora.wordpress.de/2009/06/11/wie-isst-man-einen-elefanten/</link>
<pubDate>Thu, 11 Jun 2009 19:01:51 +0000</pubDate>
<dc:creator>Anhora</dc:creator>
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<description><![CDATA[In kleinen Stücken. Kleine Stücke geht es vorwärts, Tag für Tag. Heute erinnerte er sich auch nach e]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p class="MsoNormal">In kleinen Stücken.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Kleine Stücke geht es vorwärts, Tag für Tag. Heute erinnerte er sich auch nach ein paar Minuten noch an das eine oder andere, das wir ihm eben erzählt hatten. Das ist mehr als gestern.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Wir schauten uns wieder einmal die Karte an, die letzte Woche von seiner Firma kam und in der alle Kollegen und Vorgesetzten ihm gute Besserung wünschen. So oft wir sie ihm zeigen, sieht er sie zum ersten Mal. Wir gehen dann immer die Namen durch und er erklärt uns, wer das ist. Der Unterschied zu gestern ist, dass er heute weiß, dass er vieles vergisst und es ärgert ihn. Dass es so nicht bleibt, weiß er aber auch. Er ist nicht mehr wild und überreizt, er ist fast wie immer, nur  erschöpfter. Begriffe wie Krankenhaus und Ulm erreichen nach wie vor nicht seinen Kopf. Im Moment ist er davon überzeugt, er sei im Gefängnis.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Wie isst man einen Elefanten? In kleinen Stücken. Daran denke ich manchmal, wenn es zuviel zu werden scheint: die Ungewissheit, die Angst, die Hilflosigkeit. Eins nach dem andern wird heilen, und für die Zukunft wird man Lösungen finden, wenn er welche braucht. Das lege ich an dieser Stelle auch meiner Tochter ans Herz, die neben der Belastung durch ihren verletzten Bruder im Moment Prüfungen schreibt und ihre berufliche Zukunft planen und organisieren muss. Alles auf einmal geht nicht, Mädchen, aber Schritt für Schritt gehts.</p>
<p class="MsoNormal">Morgen wird er operiert, mehrere Stunden lang. Denkt an ihn, damit er es gut übersteht.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Schritt für Schritt]]></title>
<link>http://anhora.wordpress.de/2009/06/10/fortschritte/</link>
<pubDate>Wed, 10 Jun 2009 20:57:57 +0000</pubDate>
<dc:creator>Anhora</dc:creator>
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<description><![CDATA[Nicht so erschöpft wie gestern und nicht überdreht wie vorgestern, irgendetwas dazwischen war’s heut]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p class="MsoNormal">Nicht so erschöpft wie gestern und nicht überdreht wie vorgestern, irgendetwas dazwischen war’s heute. Mit seinen Sprüchen unterhielt er die Schwestern und Pfleger und als wir kamen, verbiss er sich darin, nach draußen gehen zu wollen um zu rauchen. Die Besucherin des zweiten Patienten im Zimmer, eine ältere Dame, bat er um eine Zigarette. (Sie schaute schnell weg.) Er wolle nur eben raus, ein einziges Mal, seit einer Woche habe er nicht geraucht, er hörte nicht auf. Dass er mit all den gebrochenen Knochen liegen blieben muss, dass man in einem Krankenhaus nirgendwo rauchen darf, wo er überhaupt ist und warum – es dringt nicht in sein Bewusstsein. „Wo schlaf ich heute abend? Hier doch nicht? Hast du eine Zigarette? Ich geh raus eine rauchen.“ Es gelang uns nicht ihm zu erklären, warum das nicht geht.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Solche Diskussionen reizen ihn und es war schwer, ihn davon wegzuführen. Aber schließlich schafften wir es und er  plauderte vor sich hin, lebhaft und knuddelig, wie wir ihn kennen. Sein Kopf tue weh, sonst habe er keine Schmerzen. Dreimal konnte er sich an etwas erinnern, was wir zuvor zu ihm gesagt hatten (wenn auch nur für kurze Zeit). Sein Vater und ich schauten uns jedes Mal an, nickten und lächelten.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Er wurde auf eine andere Intensivstation verlegt, hier betreut eine Krankenschwester zwei angrenzende Räume, also vier Patienten. Ich sah Flecken auf seinem Hemd, und eine Flasche, die über einen kleinen Schlauch Wundsekret auffängt, hing nicht in der Halterung, sondern lag auf dem Boden. In der bisherigen Station war mir so etwas nie aufgefallen.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Am Freitag wird er operiert. Wir erfuhren vom Chirurgen, dass nicht nur der Arm und der Zeigefinger versorgt werden, sondern auch die Brüche am rechten Bein. Das Becken werde durch den Fixateur gut zusammen gehalten, so dass er dort – mit viel Glück – vielleicht keine Operation braucht. Ein paar Wochen lang bleibt die Fixierung dann allerdings, aber es würde ihm einen oder gar mehrere große Eingriffe ersparen. Kompliziert ist die Einverständniserklärung zur Operation. Wir wurden mehrmals über alle Risiken aufgeklärt, die gebe ich hier nicht wieder. Ich habe so viel gebetet und andere auch, man hat ihm gute Gedanken geschickt und er wird von einer Fernheilerin behandelt. Seine Fortschritte sind enorm und es wird gut gehen. Fertig.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Trotzdem muss bestätigt werden, dass er die Risiken kennt, und unser Sohn ist im Moment nicht in der Lage, sie einzuschätzen. Es liegt nahe, dass seine Eltern das Einverständnis geben. Doch falsch! Nicht rechtsgültig, sagt der Staat, der Patient ist volljährig und Eltern haben nichts mehr zu sagen. Deshalb erscheint am Freitag ein Richter. Ja, richtig gelesen. Ein Richter muss damit einverstanden sein, dass die Ärzte operieren. Man sollte meinen, die nächsten Angehörigen können den Willen des Patienten beurteilen und Ärzte die medizinische Notwendigkeit. Was ein Richter beurteilen kann, müsste mir jemand erklären, denn ich versteh es nicht. Jedenfalls hat der Junge unterschrieben sowie sein Vater und ich. Am Freitag also noch ein Richter und irgendeine der vier Unterschriften wird dann wohl gültig sein. „Sonst holen wir zur Sicherheit noch Frau Merkel,“ grinste der Chefarzt.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">I</p>
<p class="MsoNormal">Ich bin müde. Obwohl ich heute Morgen zum ersten Mal seit dem Unfall vom Alarm wach wurde und nicht schon lange vorher. Ich hab schlimme Kopfschmerzen, seit Tagen, aber die Herzschmerzen sind besser. Das war lästig, weil ich so kurzatmig geworden war, man fühlt sich ja wie 80. Oder eigentlich wie 500.</p>
<p class="MsoNormal">
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Da sein ]]></title>
<link>http://anhora.wordpress.de/2009/06/09/da-sein/</link>
<pubDate>Tue, 09 Jun 2009 19:58:50 +0000</pubDate>
<dc:creator>Anhora</dc:creator>
<guid>http://anhora.wordpress.de/2009/06/09/da-sein/</guid>
<description><![CDATA[Er war nicht mehr so außer sich wie gestern. Als wir kamen, schlief er, wachte aber bald auf und wir]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p class="MsoNormal">Er war nicht mehr so außer sich wie gestern. Als wir kamen, schlief er, wachte aber bald auf und wir redeten über dies und das, über irgendwelche Sachen unterhielten wir uns, nichts Wichtiges. Wir haben aufgehört, ihn in unsere Welt locken zu wollen. Er wird noch etwas in seiner eigenen bleiben und so nickten wir nur, als er mit dem Auto nach Gottweißwohin fahren wollte. „Natürlich“, sagten wir, „später,“ und „nein, Oma besuchen wir heute nicht,“ und „ja ich kenne das Helikopter-Spiel, das du mit Mario immer machst.“ „Über was für einen Rhabarber labern wir eigentlich?“ erkannte selbst er irgendwann.</p>
<p class="MsoNormal">Seine Geschichten handeln von Alltäglichem in neuen Verknüpfungen, und er vergisst sie, bevor sie zu Ende erzählt sind. Noch immer klingt seine Stimme hoch, anders als früher. Der Arzt meint, er entwickle sich gut, wenn man auch nie genau sagen könne und so weiter und so fort. Die Pfleger höre ich lieber: „Das haben wir öfters, die kommen alle wieder zu sich.“</p>
<p class="MsoNormal">Er brachte uns zum Lachen (Zur Krankenschwester: „Und du? Wer bist du? Stehst hier rum und siehst gut aus?!“) und erst als wir uns verabschiedeten, fing er wieder an zu agitieren. Schlug das Betttuch zurück, wollte raus, „was soll ich hier? Ich bleib doch nicht bis morgen hier liegen!“ und wurde böse. Eine Pflegerin gab ihm etwas zum Beruhigen, er leidet in diesem Zustand, weil er nichts versteht. Ein paar Mal hatte ich heute den Eindruck, er merkt, dass sein Kopf nicht wie sonst arbeitet. Immer wieder horchte er in sich hinein und schien sich zu wundern.</p>
<p class="MsoNormal">Wie es sich anfühlt, das Zurückkommen, beschrieb ein Bekannter, der einen schweren Motorradunfall überlebte. Wie durch eine Wand nehme man die Umgebung wahr. Menschen, ihre Gesichter, ihre Worte dringen schwer durch. Sich mitzuteilen braucht Kraft, denn auch das presse man durch eine Wand. Wir wollen ihm Zeit geben. Wenig reden, keine Fragen stellen, nichts erörtern. Nur da sein. Ihn reden lassen. Seine Hand halten.</p>
<p class="MsoNormal">Am Freitag wird der linke Arm und der rechte Zeigefinger operiert, ich nehme an mit einer kleineren Operation testet man, wie sein Gehirn die Narkose verträgt. Seinem Freund wurde gestern viele Stunden lang das Gesicht rekonstruiert. Er war seit dem Unfall in einem künstlichen Koma gehalten worden, und heute wachte er zum ersten Mal auf. Mit dem gebrochenen Kiefer kann er nicht sprechen, die Augen sind verbunden. Aber auf Ansprache reagiert er, und seine Eltern sehen wie wir das Positive, sind glücklich über jedes winzige Nicken.</p>
<p class="MsoNormal">Hab ich erzählt, dass der Sohn des Fahrers angerufen hat, um sich nach unserem Jungen  zu erkundigen? Sein Vater ist allem Anschein nach wieder zu Hause, stehe noch unter Schock.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Heute nur kurz..]]></title>
<link>http://anhora.wordpress.de/2009/06/08/heute-nur-kurz/</link>
<pubDate>Mon, 08 Jun 2009 18:41:36 +0000</pubDate>
<dc:creator>Anhora</dc:creator>
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<description><![CDATA[.. denn ich geh noch mal weg. Zwei Stunden lang waren wir bei ihm wie immer, und zwei Stunden lang s]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>.. denn ich geh noch mal weg.</p>
<p>Zwei Stunden lang waren wir bei ihm wie immer, und zwei Stunden lang schimpfte er. Es geht nicht in seinen Kopf, warum er in diesem Bett bleiben muss, in diesem Zimmer, warum er nicht nach Hause kann. Dass er hier bleiben muss, weil er verletzt ist, ist ihm nicht verständlich zu machen. Aufgebracht und heiser vom Schimpfen forderte er immer wieder, nach Hause gebracht zu werden. Den ganzen Tag ging es wohl so. Es war schwer ihm zu helfen.</p>
<p>Wir fragen ihn immer nach Dingen aus seinem Leben um zu sehen, was er noch weiß. Adressen, Telefonnummern, Namen usw. Das Meiste bringt er zusammen, auch heute, nur seine Adresse wusste er nicht mehr. Er dachte, er wohnt noch bei mir. Sein Vater sagte: „Du wohnst doch in der Tettnanger Straße.“ Mit großen Augen schaute er mich da an und sagte: „Bist du schon wieder umgezogen? Mitsamt mir?“</p>
<p>Über seine Sprüche und seine drollige Art muss man einfach lachen, aber es täuscht nicht darüber hinweg, dass er leidet. Weil er nicht einsieht, warum er in einem fremden Bett liegen muss und nicht aufstehn  darf.</p>
<p>Der Arzt sagt, all das sei normal, und es kann noch einige Zeit so bleiben. Wann er die erste Operation haben wird, wusste er nicht. Frühestens am Freitag. Sein Gehirn ist noch nicht so weit, eine Narkose zu verkraften.</p>
<p>Also warten und hoffen wir weiter.</p>
<p>Jetzt gehen wir noch ins Irish Pub, da spielt heute Live-Musik. Wir müssen mal unter die Leute, etwas Fröhliches um mich herum kann ich brauchen.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Der graue Hai]]></title>
<link>http://anhora.wordpress.de/2009/06/07/der-graue-hai/</link>
<pubDate>Sun, 07 Jun 2009 18:23:52 +0000</pubDate>
<dc:creator>Anhora</dc:creator>
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<description><![CDATA[Ich glaube er meint, er sei in Amsterdam. Immer wieder wundert er sich, dass wir ihn besuchen. Er fr]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Ich glaube er meint, er sei in Amsterdam. Immer wieder wundert er sich, dass wir ihn besuchen. Er fragt oft, ob wir mit dem Zug gekommen sind, wie lange wir unterwegs waren und jedes Mal erklären wir ihm, dass wir mit dem Auto gekommen sind und dass er sich in Ulm befindet. Vielleicht hört seine letzte Erinnerung irgendwo in einem Cafe auf, wo er und sein Freund das Ende des Urlaubs beklagen, und im nächsten Moment liegt er mit Schmerzen in einem Bett und seine Mutter erzählt ihm, er sei in Ulm. Ich erkläre es ihm wieder und wieder, aber wenn ich ihn zehn Minuten später frage ob er weiß, wo er ist, kann er es nicht sagen. An Adressen und Vergangenes erinnert er sich meist auf Anhieb, aber sein Kurzzeitgedächtnis arbeitet nicht. Traumbilder tauchen auf. „Ich hab dir doch gesagt, ein Hai hat mich angegriffen.“ „Aber hier gibt’s keine Haie, Kind.“ „Doch, in dem Becken, da hat mich ein grauer Hai angegriffen.“ „Und was passierte dir dann?“ „Ich wurde bewusstlos.“</p>
<p>All das sei nach einem Schädel-Hirn-Trauma nichts Ungewöhnliches, meinte der Pfleger. Wieder ein neues Gesicht übrigens. Nach einer Woche treffen wir immer noch Schwestern und Pfleger, die wir nicht kennen. Insgesamt 60 Pflegekräfte arbeiten in Schichten auf dieser Intensivstation für maximal 16 Patienten. Tag und Nacht ist jemand im Zimmer, immerzu hört man jemanden reden oder lachen. Man muss sich hier nicht verloren fühlen.</p>
<p>Die intravenöse Schmerzmittelgabe wurde eingestellt, dreimal am Tag gibt es jetzt eine Tablette (Targin) und nur bei Bedarf etwas dazu. Er hat aufgehört, an sich herumzureißen, so dass seine Hände nicht mehr ans Bett fixiert werden müssen. Auch die Sauerstoffmaske war heute weg, aber er war erschöpft. Immer wieder döste er weg und war etwas später wieder da. Zumindest halb. Er braucht Zeit.</p>
<p>Ich selbst habe mich etwas erholt, zumindest mehr geschlafen. Mein Körper fühlt sich an wie nach einem Marathon-Lauf, jedenfalls stelle ich es mir so vor. Irgendwie tatterig.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Zum Knutschen]]></title>
<link>http://anhora.wordpress.de/2009/06/06/good-old-marco/</link>
<pubDate>Sat, 06 Jun 2009 18:37:19 +0000</pubDate>
<dc:creator>Anhora</dc:creator>
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<description><![CDATA[Er redete fast die ganze Zeit. Über zwei Stunden lang. Klare Sätze! Kein Genuschel mehr. Er nahm sei]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Er redete fast die ganze Zeit. Über zwei Stunden lang. Klare Sätze! Kein Genuschel mehr. Er nahm seine Freundin in die Arme, er versteht, wer bei ihm ist und was man zu ihm spricht. Fast ist er wieder der liebe drollige Kerl, mit seinen Sprüchen und Ausrucksweisen und seinem Geplauder. Was er erzählt, sind wirre Geschichten. Erlebnisse vom Urlaub, von Autofahrten, von seinem Freund und von Leuten, die er kennt. Er reagiert auf uns, er gibt Antworten, rutscht aber schnell ab in Schilderungen von Abenteuern, die er erlebt haben mag oder nicht. Ich glaube nicht. Oder nicht alle.</p>
<p>Er suchte im Bett nach der Fernbedienung. Ihm gegenüber steht ein Monitor und er hielt ihn für den Fernseher. Wir erklärten ihm, dass das zu einem Computer gehört, immer wieder. Und er suchte nach der Fernbedienung, immer wieder. An den Stangen an Becken und Bein machte er nicht mehr so wild herum wie in den Tagen zuvor. Allmählich scheint er zu entdecken, dass sie  sich nicht wegnehmen lassen. Er wollte aufstehen, „wir gehen jetzt auf mein Zimmer, was woll’n wir denn hier“, sagte er immer wieder und turnte im Bett herum. „Was machen wir noch, was geht? Woll’n wir ewig hier rumgammeln?“ So ging es in einem fort. Die künstliche Ernährung wurde eingestellt, er kann wieder essen. Nach ein paar Bissen von einem Wurstbrot – wir redeten gerade über Restaurants – richtete er sich plötzlich auf im Bett und sagte zum Pfleger: „Für mich bitte eine große Cola.“ Bizarre Erfahrungen machen wir in diesen Tagen, und eine davon ist, dass man auch am Bett seines schwer verletzten Kindes lachen kann.</p>
<p>Die Schmerzmittel konnten reduziert werden, aber sein Blutdruck ist stark gestiegen, 220 zu 110! Das komme häufig vor nach Hirnverletzungen, sagte man uns. Er bekommt Medikamente.</p>
<p>Der Sohn des Unglücksfahrers rief an beim Vater seines Freundes. Er hatte an diesem Tag geheiratet, der Audi war auf dem Weg zur Hochzeitsfeier oder kam von dort. Die Frau, die auf dem Rücksitz starb, war die Mutter der Braut. Sein Vater sei noch im Schock, und was passiert sei, tue ihm unendlich Leid.</p>
<p>Das war’s von heute, ich lass es jetzt ruhig ausklingen, es gibt ja noch einen Mann hier. Viel haben wir nicht mehr voneinander. Bis ich zurück bin nach den Besuchen, ist es meist halb neun. Wir essen dann zusammen, ich lade meine Gedanken hier ab und geh ins Bett. Man nimmt sich nicht mehr richtig wahr, ich bin wie erstarrt. Während der Woche mache ich meinen Job, lerne weitere Abläufe und Programme der neuen Arbeit kennen. Um vier Uhr fahre ich in die Klinik zu meinem Sohn mit dessen Vater. 100 km sind das von hier. Wir stützen unsere anderen Kinder so gut wir können, und alles geht. Die einzige Schwäche, die ich mir im Moment erlaube, ist die Zigarettenpause vor und nach den Besuchen. Ich habe nicht wieder mit dem Rauchen angefangen, es ist eine vorübergehende Erscheinung, aber im Moment das einzige Vergnügen und ich erlaube es mir.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Auf dem Weg zurück]]></title>
<link>http://anhora.wordpress.de/2009/06/05/auf-dem-weg-zuruck/</link>
<pubDate>Fri, 05 Jun 2009 20:43:19 +0000</pubDate>
<dc:creator>Anhora</dc:creator>
<guid>http://anhora.wordpress.de/2009/06/05/auf-dem-weg-zuruck/</guid>
<description><![CDATA[Als wir heute zu ihm auf die Intensivstation kamen, hielten ihn gerade zwei Pfleger fest. Halb aufge]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p class="MsoNormal">Als wir heute zu ihm auf die Intensivstation kamen, hielten ihn gerade zwei Pfleger fest. Halb aufgerichtet wehrte er sich gegen ihre Umklammerung &#8211; und schaute zur Tür, als wir eintraten. Ja! Er war wach! Was man unter Wachsein verstehen kann, wenn man mit Opiaten weggedröhnt ist, aber er sah uns. Er redete. Nicht alles machte Sinn, aber einiges. Mehr als gestern. „Mir geht’s scheiße“ z.B., oder „Ich hab Schmerzen, überall“, „Lass los“, aber auch „Gewebe“ hörte ich einige Male. Dieses Wort war gefallen, während er schlief. Durch die Verletzungen stirbt Gewebe ab und produziert Stoffe, die von den Nieren verarbeitet werden müssen. Sieben Liter Flüssigkeit werden täglich durch seinen Körper geschickt, um die Nieren durchzuspülen. Darüber hatten wir uns gestern mit einem Pfleger unterhalten.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Er verlangte nach Essen, wollte ein Bier trinken und eine Kippe. Irgendjemand spielte 1:1, es fiel das Wort Urlaub und der Name seines Freundes. Der wurde heute operiert. Man musste einen Luftröhrenschnitt machen; seine Lunge hatte versagt. Seit dem Unfall ist er nicht wieder zu sich gekommen. „Es geht ihm wie dir. Er hat viele Knochen gebrochen und Schmerzen.“ „Echt?“ keuchte er. Auf Fragen gab er Antworten. Piepsig klingt er, etwas hat seine Stimmbänder gereizt. Er riss an der Beatmungsmaske und an den Fixateuren an Becken und Bein mit einer Kraft, dass wir kaum mit ihm fertig wurden. Die Schmerzen quälten ihn. All die Schläuche und Kabel sind ihm im Weg. Als erstes fehlt immer der Clip am Finger, ein kleines Ding, eins der Messgeräte an seinem Körper. Es durchleuchtet den Finger per Infrarot, genauer gesagt die Blutkörperchen und errechnet den Sauerstoffgehalt im Blut. Oder so ähnlich. Ihm ist das egal. Flupp, ist es weg.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Man stellt es sich anders vor, das Aufwachen aus der Bewusstlosigkeit. Man denkt, es beginnt mit einem Wort, dann geht es weiter mit zweien, schließlich mehreren und immer mehr. Aber so ist es nicht. Der komplette Wortschatz und die typische Ausdrucksweise sind verfügbar, doch im Gehirn herrscht keine Ordnung. Es ist, als ob Nervenblitze auf beliebige Regionen im treffen und dort Gedanken- und Sprachsplitter aufwirbeln. Es könnten ebenso gut andere Worte und andere Sätze sein. Die Art zu sprechen bleibt aber dieselbe. Die, die man immer schon kennt. Jungensprache. Gassensprache. Und jetzt scheint sie nicht mehr zu passen. Als gäbe es eine Krankenhaussprache.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Man testete heute wieder sein Gehirn. Der Befund zeigt verletzte Stellen, aber es ist nicht ganz klar, wie groß sie sind. Während der Untersuchung muss er stillhalten, was möglicherweise nicht gelungen ist. So können manche Stellen durch Verwackelung größer erscheinen. Der junge Mann vor ihm entspreche jedenfalls nicht ganz dem Befund, meinte der Arzt und war optimistisch. Er sah den Jungen an und rief laut, „Hallo, hallo hörst du mich?“ Sein Körper regte sich, er stöhnte. „Was ist drei und fünf, weißt du es?“ Wir standen um sein Bett und starrten ihn an, während er sich zur Seite wälzte. „Acht,“ seufzte er.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">„Er macht seine Sache gut“, meinte der Arzt, während uns die Erleichterung im Gesicht stand, „aber Hirnverletzungen können viel Zeit brauchen.“ Es war geplant, dass er am Montag operiert wird. Wir mit unseren Plänen! Die Neurologen geben ihn nicht frei, frühestens Ende nächster Woche könne man daran denken. Richtig so. Kein Risiko bitte, was ist schon eine Woche.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[„Ich weiß, dass ihr da seid.“]]></title>
<link>http://anhora.wordpress.de/2009/06/04/%e2%80%9eich-weis-dass-ihr-da-seid-%e2%80%9c/</link>
<pubDate>Thu, 04 Jun 2009 20:37:27 +0000</pubDate>
<dc:creator>Anhora</dc:creator>
<guid>http://anhora.wordpress.de/2009/06/04/%e2%80%9eich-weis-dass-ihr-da-seid-%e2%80%9c/</guid>
<description><![CDATA[Als ich heute Morgen in der Klinik anrief (jeden Tag rufe ich morgens, mittags und vor dem Zubettgeh]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Als ich heute Morgen in der Klinik anrief (jeden Tag rufe ich morgens, mittags und vor dem Zubettgehen an), sagte die Krankenschwester das, worauf wir so gewartet hatten: Er ist zu sich gekommen. Dem Himmel sei Dank, in der Früh habe er ein paar Sätze gesprochen, Schmerzen habe er, immer wieder Schmerzen und ob er Musik hören könne. Schon in der Nacht hatte es erste Aufwachphasen gegeben. Wir fuhren am Nachmittag früher los, um bei ihm zu sein. Als wir kamen, schlief er.</p>
<p class="MsoNormal">Sie hatten ihm wieder starke Schmerzmittel gegeben, weil er unruhig war, Dipidolor oder so ähnlich. Ein Opiat. Ironie des Schicksals, dass ihn seit einiger Zeit Drogen und bewusstseinsverändernde Medikamente faszinieren, er weiß alles darüber. Nun fließt es in seinen Adern und lässt ihn zur Ruhe kommen. Sein Puls war niedrig und er selbst völlig ruhig. Lange Zeit blieb er so. Ich betrachtete ihn, sein Gesicht voller Unschuld, wie ein Kind lag er da. Wir redeten mit ihm, streichelten ihn, hielten seine Hand wie jeden Tag.</p>
<p class="MsoNormal">Erst nachdem man ihn umgebettet hatte – man wechselt regelmäßig seine Lage, prüft den Körper auf Druckstellen, tauscht Betttücher aus und glättet Falten – da wurde er unruhig und fing an zu brabbeln wie im Schlaf, wir hörten „Schmerzen“, „Aua“, er stöhnte und schimpfte, „Manno!“ Immer wieder stammelte er Sätze und Wortfetzen. An den Metallstangen an Bein und Becken riss er, versuchte sich die Beatmungsschläuche aus der Nase zu ziehn, wir kämpften und hielten ihn fest, damit er sich nichts antat. Er versuchte sich aufzusetzen, doch auch das darf er nicht. Seine Augen öffnete er nur einmal, ein erschrockener Blick, ich frage mich was er sah. Gleich darauf sank er zurück in seine Tiefen, er will jetzt noch nicht.</p>
<p>„Wir sind bei dir,“ beruhigte ich ihn, „Papa und ich sind da.“ – „Ich weiß, dass ihr da seid.“ Da! Er hatte uns gehört! Er hatte uns gehört, verstanden und geantwortet! „Ich weiß, dass ihr da seid.“ Mehr verstanden wir heute nicht von dem, was er sagte, aber auch ein Gesunder könnte nicht klar reden mit solchen Medikamenten im Blut.</p>
<p>Er soll keine Schmerzen haben, sein Körper muss sich erholen, denn nächste Woche wird er wahrscheinlich operiert werden. Wie gut, dass es diese Medikamente gibt. All die Geräte, die Schläuche, jedes einzelne Käbelchen liebe ich, und wenn es eine aus Embryonen genmanipulierte Arznei gibt oder eine, die man aus den Lebern exhumierter Leichen gewinnen müsste – ich würde sie den Ärzten aus den Händen reißen, wenn sie hilft.  Ich hab keine Ethik. Ich habe ein Kind.</p>
<p class="MsoNormal">
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Warten]]></title>
<link>http://anhora.wordpress.de/2009/06/03/warten/</link>
<pubDate>Wed, 03 Jun 2009 20:04:54 +0000</pubDate>
<dc:creator>Anhora</dc:creator>
<guid>http://anhora.wordpress.de/2009/06/03/warten/</guid>
<description><![CDATA[Auch heute schlief er, als wir ihn besuchten, weit weg träumte er seine Träume, von denen wir nichts]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Auch heute schlief er, als wir ihn besuchten, weit weg träumte er seine Träume, von denen wir nichts wissen. Die Narkosemittel wirkten noch, eine offene Wunde am Knie wurde am Nachmittag geschlossen, ein kleiner Eingriff. Er wird wieder beatmet wie üblich nach einer OP, schon heute Abend wird der Schlauch wahrscheinlich wieder entfernt. Seine Lunge wird immer wieder mit einem Schlauch abgesaugt. Das braucht er. Solange er nicht redet, hustet, sich wenigstens räuspert, funktioniert die Selbstreinigung des Organs nicht und es kann sich entzünden.</p>
<p>Seine rechte Hand sieht besser aus, sie war stark angeschwollen direkt nach dem Unfall. Versuchte er, sich damit abzustützen?</p>
<p class="MsoNormal">Sein älterer Bruder war mitgekommen, er knuffte und zupfte an ihm und ich befahl ihm aufzuhören. „Ach was, ich ärgere ihn ein bisschen, dann kommt er wieder zu sich.“ Er wird so schnell nicht zu sich kommen. Mindestens ein paar Tage noch müssen wir Geduld haben, sagen die Ärzte.</p>
<p class="MsoNormal">In der Früh tobte er, berichtete eine Ärztin am Telefon. Er hatte sich hin und her geworfen und versucht, sich aufzubäumen. Erst als sie ihm stärkere Schmerzmittel gaben, wurde er ruhig und blieb so den Tag über.  Die provisorische Fixierung der Beckenbrüche darf er nicht gefährden, auch sein rechtes Bein ist mit externen Halterungen ruhig gestellt und wird später operiert werden. Aber der linke Arm und der linke Fuß sind bereits versorgt und in Schienen.</p>
<p class="MsoNormal">Wir versuchen uns an das Warten zu gewöhnen. Unser ganzes Leben lang planen und organisieren wir, wir entwerfen Zeitpläne, legen Abläufe fest und was nicht geht, planen wir neu. Nur hier, am Bett unseres Kindes, da gibt es nichts zu planen. Ich fühle mich wie aus Stein.Wir wollen, dass er aufwacht, damit wir wissen, dass sein Gehirn keinen Schaden genommen hat. Wir wollen, dass er aufwacht, damit es uns besser geht. Aber unser Sohn hat seinen eigenen Zeitplan, und er macht ihn ohne uns.</p>
<p class="MsoNormal">Einen kleinen Schutzengel hab ich über sein Bett gehängt, eine Kollegin schenkte ihn mir heute.</p>
<p>__________________________________________________</p>
<p class="MsoNormal">Liebe Leser,</p>
<p class="MsoNormal">ich habe nur noch etwa eine Stunde am Tag Ruhe. In dieser Zeit schreibe ich hier, denn es tut mir gut, das eine oder andere loszuwerden und ihr wisst, wie es dem Jungen geht. Bitte versteht, dass ich niemanden anrufe oder zurückrufe und keine e-mails schreibe. Es sind viele, die Anteil nehmen, ich habe die Zeit nicht. Aber ich weiß, dass ihr an uns denkt und ich danke euch. Eure guten Wünsche und Gedanken kommen bei uns an.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Zeit lassen]]></title>
<link>http://anhora.wordpress.de/2009/06/02/schlafen/</link>
<pubDate>Tue, 02 Jun 2009 20:18:01 +0000</pubDate>
<dc:creator>Anhora</dc:creator>
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<description><![CDATA[Er schlief während der ganzen zwei Stunden, die wir bei ihm waren. Wir hielten seine Hand, berührten]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p class="MsoNormal">Er schlief während der ganzen zwei Stunden, die wir bei ihm waren. Wir hielten seine Hand, berührten ihn, sprachen mit ihm. Er drehte gelegentlich den Kopf, öffnete aber kein einziges Mal die Augen. Das kommt von den Beruhigungsmitteln, die sie ihm geben. Er hatte sich so hin- und hergeworfen, dass er an Kabeln und Drähten riss. Sie wieder anzubringen, wäre nicht einfach gewesen, denn er wehrt sich. Über die Mittel, die er bekommt, wäre jeder Junkie auf dem Bahnhof für kurze Zeit glücklich.</p>
<p class="MsoNormal">Also lag er da und schlief. Wie er als Kind geschlafen hatte, nur größer geworden. Sein Gesicht ist nicht mehr geschwollen, bis auf die Schürfungen und den langen Schnitt an der Wange sieht er aus wie immer. Es ist nur die rechte Gesichtshälfte betroffen, in einem Reflex muss er sich zur Seite gedreht haben. Es ist die Gesichtshälfte mit dem dem gesunden Auge. Wäre es verletzt worden – er hätte blind sein können. Ich will das nicht weiterdenken.</p>
<p class="MsoNormal">Die Hirnblutungen haben sich nicht verschlimmert, wir müssten uns im Moment keine Sorgen machen, sagte ein Arzt. Er wird noch ein paar Tage oder auch länger in diesem Zustand bleiben. Er braucht Zeit.</p>
<p class="MsoNormal">Ich stand an seinem Bett, müde. Mein Herz tut weh. Es ist, als ob ein Stahlgürtel um meine Brust immer enger gezogen würde. In der Nacht war ich mehrmals aufgewacht und wie ein Pop-up-Fenster sprang sofort dieses Bild auf, wie er da liegt mit den Drähten und wie ich ihm nicht helfen kann. Goteske Gedanken quälen mich wie “zum Glück passierte es in Biberach und nicht schon 500 km vorher.” Dieser Satz beginnt mit  “zum Glück passierte es…” und ich schäme mich und krieg es nicht weg! Ich hab schreckliche Kopfschmerzen.</p>
<p class="MsoNormal">Im Büro war es schlimm, bis die andern endlich wussten, was passiert war. Die Inhaberin war sehr verständnisvoll, sie hat selbst einen Sohn, einer Mutter braucht man nichts zu erklären. Sie bot mir an nach Hause zu gehen oder was immer mir helfe. Ich wollte bleiben, mich ablenken, aber ich weinte und weinte. Kollegen nahmen mich in den Arm, hörten mir zu, trösteten mich, jemand brachte von der Apotheke Beruhigungstabletten. Allmählich wurde es besser. Bis auf weiteres werde ich um halb vier Schluss machen, und dann nach Ulm fahren mit seinem Vater. Auf der Intensivstation sind Besuche erst ab vier Uhr erlaubt.</p>
<p class="MsoNormal">Von der Polizei haben wir Einzelheiten erfahren. Die beiden waren auf einer einspurigen Straße unterwegs kurz und fuhren etwa 80 km/h. Auch die Gegenspur war einspurig, jedoch mündete dort eine Straße ein in eine eigene Spur, so dass die Gegenfahrbahn ab dieser Einmündung zweispurig wurde. Genau an dieser Einmündung ist es passiert. Der Audi hatte vielleicht gesehen, dass ein anderes Fahrzeug einscherte, aber dieses hatte wie gesagt eine eigene Spur. Warum blieb er nicht, wo er war? Er hätte an diesem Tag nicht ins Auto steigen sollen, er hätte morgens aus dem Bett fallen und das Genick brechen sollen. Dann wäre eine Frau noch am Leben und vier Menschen gesund. Aber er fiel nicht aus dem Bett. Er brach sich nicht das Genick, sondern stieg in seinen verfluchten Audi und fuhr damit auf die Gegenspur in unseren Jungs.</p>
<p class="MsoNormal">Sie waren auf dem Weg zur Hochzeitsfeier eines Schwiegersohns.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Anderes Thema ]]></title>
<link>http://anhora.wordpress.de/2009/06/01/anderes-thema/</link>
<pubDate>Mon, 01 Jun 2009 19:44:46 +0000</pubDate>
<dc:creator>Anhora</dc:creator>
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<description><![CDATA[Die schwerste Zeit meines Lebens begann vorgestern, am Pfingstsonntag, nachmittags gegen 17h. Mein S]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Die schwerste Zeit meines Lebens begann vorgestern, am Pfingstsonntag, nachmittags gegen 17h. Mein Sohn kehrte mit seinem Freund vom Urlaub zurück, sie schafften es fast bis nach Hause, doch kurz nach Biberach kam ein Audi auf die Gegenspur und raste frontal auf sie zu.</p>
<p><a href="http://www.szon.de/lokales/biberach/region/200905310054.html?_from=rss" target="_blank">http://www.szon.de/lokales/biberach/region/200905310054.html?_from=rss<br />
</a></p>
<p><a href="http://www.szon.de/news/fotoreportagen/overview.html?fid=12338" target="_blank"> http://www.szon.de/news/fotoreportagen/overview.html?fid=12338</a></p>
<p>Mein Sohn saß in dem roten Alfa auf dem Beifahrersitz.</p>
<p>Die Feuerwehr schnitt die Jungs aus dem Auto heraus, mit dem Rettungshubschrauber brachte man mein Kind  in die Uniklinik Ulm. Noch in der Nacht fuhren wir zu ihm, weinend, seine Freundin, mein Lebensgefährte und ich. In in den langen Minuten, bevor wir zu ihm durften, machte ich mir unsinnige Gedanken darüber, dass er nun die mündliche Prüfung versäumt, um seine Ausbildung abzuschließen. Ich unterhielt mich sogar mit der Ärztin darüber, so daneben war ich. Als wir endlich zu ihm gelassen wurden, fanden wir in einem Gewirr von Kabeln, Schläuchen, Geräten und Monitoren meinen Sohn, ein zwanzigjähriger junger Mann, tief in sich hinabgesunken lag er da und nichts  zeigte Leben. Nur seine Brust hob und senkte sich im Takt der Beatmungsmaschine, sie hatten ihn in ein künstliches Koma versetzt. Kühl war er, ich erschrak, als ich sein Gesicht berührte, weil er so kühl war. Das komme vom Blutverlust.</p>
<p>Mehrfache Knochenbrüche an beiden Beinen sowie am linken Arm, das Becken gebrochen, Lunge und Herz gequetscht und mehrere leichte Hirnblutungen  &#8211; so beschrieben die Ärzte seine Verletzungen. Insgesamt sei sein Zustand stabil. Das war gestern.</p>
<p>Heute hat man die Narkosemittel abgesetzt, um ihn aus dem Koma erwachen zu lassen. Der Beatmungsschlauch wurde entfernt, er kann wieder selbst atmen. Aber er wachte nicht auf. Er schlief. Gelegentlich warf er den Kopf hin und her, öffnete ein die Augen ohne zu sehen, stöhnte, versank wieder. Über drei Stunden lang hielten wir seine Hand, sein Vater und ich. Wir streichelten sein Haar, beruhigten ihn. Und uns, gegenseitig. Wir wollten bei ihm sein, wenn er aufwacht, seine Schwester und seine Freundin waren mitgekommen. Aber er wachte nicht auf. Wir hängten ein Kreuzchen über sein Bett, ein Familienstück, das ihn beschützt. Es ist schwer.</p>
<p>_</p>
<p>Bitte habt Verständnis, wenn ich niemanden anrufe oder e-mails schreibe. Ich werde jeden Tag nach der Arbeit bei ihm sein und halte euch hier auf dem Laufenden. Ich kann das im Moment nicht jedem einzeln erzählen.</p>
<p>Wenn ihr etwas für ihn tun wollte: Betet für ihn. Bitte. Oder schickt ihm gute Gedanken, irgendwas, es hilft ihm. Er wird bald aufwachen. Ganz bestimmt. Helft mit.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Abgekommen]]></title>
<link>http://rettungsschnuffi.wordpress.com/2009/03/25/abgekommen/</link>
<pubDate>Wed, 25 Mar 2009 18:13:46 +0000</pubDate>
<dc:creator>rettungsschnuffi</dc:creator>
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<description><![CDATA[Vor einiger Zeit wurden wir abends gegen 22 Uhr zusammen mit einem HLF der Berufsfeuerwehr zu einem ]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Vor einiger Zeit wurden wir abends gegen 22 Uhr zusammen mit einem <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hilfeleistungsl%C3%B6schgruppenfahrzeug">HLF</a> der Berufsfeuerwehr zu einem Verkehrsunfall auf die Autobahn gerufen. Laut Polizeimeldung sei eine Person verletzt.</p>
<p>Bei unserem Eintreffen war die Polizei bereits vor Ort, sicherte die Unfallstelle ab und befragte gerade zwei Unfallzeugen. Die verletzte Person stand hinter der Leitplanke. Es handelte sich bei dem Patienten um einen ca. 40jährigen Mann und war äußerlich offenbar unverletzt. Auffallend waren die lallende Sprache und der deutliche Alkohol<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mundgeruch">foetor</a>.</p>
<p>Nach kurzer Betrachtung der Unfallstelle und Verwüstungspuren wird folgender Unfallhergang vermutet: Der Fahrer war an einer Autobahnausfahrt von der Straße abgekommen und ist ohne die Leitplanke zu touchieren etwa 150 Meter neben der Autobahn durch den Grünstreifen gefahren, hat dabei mehrere Straßenschilder umgefahren, sich dann gedreht und sich einmal überschlagen, um dann auf der Seite liegend keine 5 Meter vor dem Betonpfeiler einer Schilderbrücke zum liegen zu kommen. Beide <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Airbag">Airbags</a> hatten ausgelöst.</p>
<p>Der Insasse sei dann von Helfern aus dem Fahrzeug gehoben worden.</p>
<p>Der Patient gab bei unserem Eintreffen gegenüber der Polizei und meinem Kollegen an, nicht Fahrer des Wagens gewesen zu sein. Auf Nachfrage sagte er, er wüsse nicht, wo die Fahrerin abgeblieben sei.</p>
<p>Während der Kollege sich um den Patienten kümmerte, ihn nach <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Cervicalst%C3%BCtze">Stifneckanlage</a> und Lagerung auf der Trage, zum Fahrzeug brachte, gab ich derweil Rückmeldung an die Leitstelle mit dem Hinweis, es werde noch eine zweite Person vermisst und sei vermutlich aus dem Wagen geschleudert worden.</p>
<p>Anschließend griff ich nach Taschenlampe und Notfallrucksack und begann zusammen mit einem der Polizisten die Unfallstellte in einem Umkreis von etwa 100 Metern zu durchsuchen. Nach nochmaliger Kontrolle des Unfallwracks, bei dem zu erkennen war, dass die Scheiben der Beifahrerseite intakt waren und sich niemand unter dem Fahrzeug befand, durchstreifte ich die Büsche der näheren Umgebung. Auch hier war niemand zu entdecken.</p>
<p>In meinem Kopf jagten sich die Gedanken und Bilder, wie die Patientin wohl aussehen mag und wie sie wohl zugerichtet sei. Um etwas die Kontrolle über meine Hirngespinnste zurückzuerhalten, machte ich mir in Gedanken einen Plan, wie ich im Falle des Entdeckens vorgehen würde und ging die einzelnen Möglichkeiten durch. Kurze Kontrolle von Atmung und Puls, Stifneck Anlage, Bodycheck, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Peripherer_Venenkatheter">Zugang</a>, möglicherweise Beatmung? eventuell <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Herz-Lungen-Wiederbelebung">Rea</a>? Und das Ganze in irgendeinem Gebüsch auf feuchtem, grasigem Boden im Halbdunkel. Keine schönen Aussichten.</p>
<p>Zwischenzeitlich war das HLF der Feuerwehr eingetroffen und ich begab mich zum Gruppenführer, um eine kurze Übergabe der Einsatzsituation zu machen. Die Feuerwehr leuchtete daraufhin die Einsatzstelle großzügig aus und begann mit einer koordinierten Suchaktion.</p>
<p>Ich ging zum RTW, um dem Kollegen bei der Versorgung des Verletzten zu helfen. Der Patient lag auf der Trage, hatte eine Halskrause angelegt bekommen. Ein durchgeführter Bodycheck ergab keine feststellbaren Verletzungen. Der Patient konnte alle Extremitäten frei bewegen, die Lungen waren beidseits belüftet. Die Pupillen reagierten isokor aber verlangsamt. Die Sprache war verständlich aber deutlich lallend und es fiel ein deutlicher Alkoholgeruch auf. Die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Vitalparameter">Vitalparameter</a> und der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/blutzucker">BZ</a>-Wert waren im Normbereich. Auch auf weiteren Nachfragen und beschreiben der weitreichenden Konsequenzen, beteuerte der Patient weiterhin, nicht gefahren zu sein.</p>
<p>Aufgrund des Unfallhergangs, welcher ein <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sch%C3%A4del-Hirn-Trauma">SHT</a> und eventuell kaschierte innere Verletzungen nicht ausschließen ließ, entschieden wir uns zur Anlage eines periphervenösen Zugangs, 17G am rechten Unterarm.</p>
<p>Mittlerweile waren mehrere Fahrzeuge der beruflichen und freiwilligen Feuerwehr, ein weiterer <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Rettungswagen">RTW</a> und ein <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Notarzteinsatzfahrzeug">NEF</a> eingetroffen. Der Doktor <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Triage">sichtete</a> kurz unseren Patienten und führte nochmals eine eindringliche Befragung über den Unfallhergang und die Option, dass eine Person herausgeschleudert sei, durch. Wieder mit dem selben Ergebnis: Der Patient sei nicht gefahren und die Fahrerin wird vermisst.</p>
<p>Der Arzt verblieb an der Einsatzstelle und wir begannen mit dem Transport. Nach kurzer Voranmeldung: Pat. männlich, 40 Jahre, spontan atmend, Zustand nach Verkehrsunfall mit Überschlag, SHT nicht auszuschließen, Eintreffen in 20 Minuten; fuhren wir Richtung Unfallaufnahme.</p>
<p>Der Patient wurde im <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Schockraum">Schockraum</a> an das bereits wartende Klinikpersonal übergeben und eine genaue Untersuchung des Patienten begonnen. In der Aufnahme wartete bereits Personal der örtlichen Polizei, um eine Blutentnahme zu veranlassen. Bei Durchsicht der Wertgegenstände und dem Inhalt eines Rucksackes, den der Patient bei sich hatte, wurde noch ein Kampfmesser mit 30cm-Klinge entdeckt und beschlagnahmt.</p>
<p>Während wir den RTW wieder zusammenbauten, hörten wir am Funk mit, wie die Suchaktion nach etwa 30 Minuten erfolglos abgebrochen wurde.</p>
<p>Der Patient verließ etwa 3 Tage später das Krankenhaus. Es wurden keine Verletzungen festgestellt, eine <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hirnblutung">intrakranielle Blutung</a> durch mehrfache CT-Diagnostik ausgeschlossen. Der anfänglich gemessene Blutalkoholspiegel ist mir nicht bekannt.</p>
</div>]]></content:encoded>
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