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	<title>thomas-schartl &amp;laquo; WordPress.com Tag Feed</title>
	<link>http://en.wordpress.com/tag/thomas-schartl/</link>
	<description>Feed of posts on WordPress.com tagged "thomas-schartl"</description>
	<pubDate>Sat, 28 Nov 2009 20:45:36 +0000</pubDate>

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<title><![CDATA[Thomas Schärtl: Neuer Atheismus -- die Machtlosigkeit der Theologie über den Glauben]]></title>
<link>http://kamenin.wordpress.com/2008/03/17/thomas-schartl-neuer-atheismus-die-machtlosigkeit-der-theologie-uber-den-glauben/</link>
<pubDate>Mon, 17 Mar 2008 11:02:15 +0000</pubDate>
<dc:creator>kamenin</dc:creator>
<guid>http://kamenin.wordpress.com/2008/03/17/thomas-schartl-neuer-atheismus-die-machtlosigkeit-der-theologie-uber-den-glauben/</guid>
<description><![CDATA[(zu Einleitung und Teil I) Anders, als er in der ursprünglichen Unterscheidung zwischen argumentiere]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p align="justify"><i>(zu <a href="http://kamenin.wordpress.com/2008/03/16/thomas-schartl-neuer-atheismus-%e2%80%93-eine-akademische-debatte/">Einleitung</a> und <a href="http://kamenin.wordpress.com/2008/03/16/thomas-schartl-neuer-atheismus-wie-ihn-theisten-gerne-hatten/">Teil I</a>) </i></p>
<p align="justify">Anders, als er in der ursprünglichen Unterscheidung zwischen argumentierendem und denunzierendem Atheismus eigentlich behauptet, findet Thomas Schärtl dann doch genug substanzielle Argumente bei den Neuen Atheisten, um daraus Schlüsse zu ziehen, wie die <a href="http://www.stimmen-der-zeit.de/StdZ_03_08_Schaertl_147_161_HA.pdf">Theologie auf die Kritik reagieren solle</a> [pdf]. Und bei allem Verständnis für die Schwierigkeiten, sich ernsthafte und möglichst noch relevante Gedanken über etwas Nichtgreifbares, vermutlich auch Nichtexistentes zu machen: am Ende steht wieder nur das Scheitern von Theologie, die weder ihre eigenen Fragen klären kann, noch so jemals darauf hoffen darf, gelebten Glauben zu informieren.</p>
<div align="justify"></div>
<p align="justify">Denn nach allem Bohei um „denunziatorischen&#8221; Atheismus muss Thomas Schärtl praktisch in allen Punkten die Kritik der Neuen Atheisten einräumen. Ohne es explizit zu sagen, muss er sich auf einen kaum persönlich denkbaren Gottesbegriff zurückziehen und die Theologie davor warnen, über objektiv Behauptbares überhaupt noch nachvollziehbare Aussagen zu machen. Die „Denunziation&#8221; der Atheisten besteht offenbar darin, die Schwächen, die Schärtl im Grunde ebenso sieht, er nennt sie Fundamentalismus und Kleinkariertheit, offen auszusprechen.</p>
<div align="justify"></div>
<p align="justify">Aber sein theologisches Konstrukt eines sich auf Rahner berufenden „je größeren Gottes&#8221; trägt vorne und hinten nicht. Der vorgeschlagene Gott ist einfach zu groß, um über ihn überhaupt noch etwas aussagen zu können. Es ist ein letztendlich zutiefst agnostischer Gott und damit nur in Theologie gegossener Agnostizismus. Das allein will ich ja nicht kritisieren, auch nicht die Begriffsverwirrung, das noch als Theologie zu bezeichnen. Ich vermute nur, dass diese Selbstbeschreibung sehr schnell aufgegeben wird, wo es um praktische Fragen geht. Der „je größere&#8221; Gott wäre dann auch zu groß, sich in der kulturellen Debatte auf ihn zu berufen: mit ihm lässt sich nichts rechtfertigen, keine Politik betreiben, nicht mal Kirchensteuer einziehen. Sobald es ums Politische geht, muss Schärtl entweder darauf verzichten, aus seiner Position als Christ zu argumentieren &#8212; oder er entlarvt sein Gerede vom „je größeren Gott&#8221; als reines Geschwätz von einem Gott, der halt immer ein bisschen weltfremder gedacht werden muss, wenn er in der Kritik steht, um ihn damit unangreifbar gegen Vernunftargumente zu machen; der aber gerade klein genug ist, sich in gesellschaftlichen Debatten oder im Gottesdienst auf ihn zu beziehen. Im Grunde liegt ein das Theistische nur noch vortäuschender Deismus vor. Und gerade gegen den richtet sich der Atheismus erst mal nicht, wenn er auch in der Konsequenz auf ihn verzichten kann.</p>
<div align="justify"></div>
<p align="justify">Vor allem ist diese Art Theologie nicht in der Lage, Religion zu informieren, jedenfalls nicht praktizierte. Möge Schärtl doch seinen Konfessionsangehörigen sagen, dass Gott nun mal etwas zu groß ist, um viel auf Gebete zu geben oder Gottesdienste zu besuchen, und viel zu groß, um Krebs heilen zu können. Dass er vielleicht auch zu groß ist, dem katholischen Trachtenkarneval, der Marienverehrung und dem Osterokkultismus seine Aufmerksamkeit zu widmen. Das wäre doch die erste Aufgabe eines solchen Hochtheologen: den eigenen Verein erst mal von der mühsam theologisch errungenen Wahrheit überzeugen. Viel Glück dabei, es wird nicht funktionieren. Die psychologischen Gründe, sich Religion zu widmen, werden eben zum allergrößten Teil nicht durch einen „je größeren&#8221; Gott abgedeckt.</p>
<div align="justify"></div>
<p align="justify">Darum ist es auch scheinheilig, wenn mit Berufung auf McGrath und Ward wieder der Fundamentalismusverdacht gegen den Neuen Atheismus vorgebracht wird:</p>
<div align="justify"></div>
<blockquote>
<p align="justify">[Dawkins und Hitchens] verweigern der Religion gerade das, was beide für ihre eigene Position so vehement einklagen: den Zutritt zum Forum der Vernunft und damit die Möglichkeit einer differenzierten Analyse.</p>
</blockquote>
<div align="justify"></div>
<p align="justify">Es ist doch gerade die Art der Debatte, Göttliches immer ein Stück weiter hinter der Erreichbarkeit durch Vernunft zu verorten, die Theologie selbst dieser Möglichkeit beraubt. Gott ist dann nur noch unbestimmbarer Urgrund, aber steht als Unerreichbares eben keiner Analyse mehr offen. Man kann nicht einerseits seinen Gottesbegriff der Vernunft entziehen und dann damit prahlen, dass man selbst das allervernünftigste Weltbild vertrete und eine den Vernunftbegriff ernstnehmende Kritik daran nur fundamentalistisch sein könne. Theologie wird zum reinen Wortspiel.</p>
<div align="justify"></div>
<p align="justify">Religion wird auch nicht zur notwendigen Vernunfts- und Wissenschaftskritik, weil es für diese keine Gottesannahme benötigt, mehr noch: wenn ich Vernunft und Wissenschaft nur kritisieren kann, indem ich mich auf eine Gottesannahme berufe, lege ich nur die eigenen Argumentationslücken offen, die Stellen, an denen meine Vernunft nicht mehr ausreicht, eine weltlich begründete Kritik zu üben. Und nebenbei widerrufe ich dabei die gerade noch propagierten Vorstellungen des „größeren&#8221; Gottes, die ernstgenommen eine solche Berufung verbieten sollten. Um mitzuleiden und sich die Frage nach der Gesellschaft zu stellen, in der man leben will, bedarf es eben keiner metaphysischen Begründung. Unehrlich wird da schon, wenn Atheisten Verschweigen der Geschichte des 20. Jahrhunderts vorgeworfen wird; wobei Schärtl sich selbst bemühen muss, Nationalsozialismus und Kommunismus, damit&#8217;s besser in sein Geschichtsbild von atheistischen, rationalen Untaten passt, jeglichen Transzendenzanspruch abzusprechen. Es war aber gerade ein antirationales, Natur transzendierendes Geschichtsbild von Vorhersehung, Rassenüberlegenheit und in der Zukunft schon festgeschriebenem Klassenkampf, der diese Ideologien durchsetzte: mithin also ein Zuwenig an Vernunft und Naturalismus und eine Hinwendung zu übernatürlichen, überweltlichen Erklärungsmustern, mystischer Überhöhung, die in der Natur nicht zu finden ist. Das theistisch zu nennen, wäre eine Lüge; es dem Rationalismus oder dem Naturalismus zuzurechnen, wie es Schärtl implizit versucht, eine im Vergleich größere.</p>
<div align="justify"></div>
<p align="justify">Am Ende hat man das Gefühl, dass Schärtl den Naturalismus vielleicht einfach nicht versteht. Da wirft er Dawkins vor, mit evolutionären Erklärungsmustern von Altruismus vielleicht nur schlechte Metaphysik zu betreiben. Das liest sich, als verstände er nicht, dass die beschriebenen Interaktionen („Trinkgeldeffekt&#8221;) eben nicht einfach eine Analogie und menschliches Annehmen sind, so wie es der einzige Erkenntniszugang der Theologie zur Wirklichkeit ist. Dem liegen mathematisch und experimentell überprüfbare Modelle zugrunde, die sowenig Metaphysik benötigen wie die Berechnung von Planetenbahnen.</p>
<p align="justify">  Fragt Schärtl zum Abschluss dann nach der Deutungshoheit über den Gottesbegriff, um den Theologie mit dem Atheismus im Wettstreit liege, dann ist auch das nur ein Irrtum. Den Kampf um Deutungshoheit und Gottesbegriff soll er bitte schön erst mal innerkirchlich führen. Wenn seine Hochtheologie mal mehr sein sollte als eine obskure, akademische Position, erst dann wird sich der Atheismus wirklich mit ihm auseinandersetzen müssen und dann auch gerne in einer höflichen akademischen Debatte, in der es darum gehen wird, warum so ein Gottesbegriff aussage- und nutzlos und damit eben überflüssig sein wird. Aber bis dahin richtet sich Atheismus gegen das, was jenseits der Fakultäten tatsächlich als Religion gelebt wird, was Politik, Kultur und Gesellschaft beeinflusst &#8212; das, was Schärtl vermutlich genauso als Religion lebt, wenn er nicht im Rahmen akademischer Aufsätze versucht, sein Gottesbild unangreifbar zu machen, und dabei seinen Gott fast ebenso effektiv aus dem Weg räumt, wie es neue und alte Atheisten seit jeher versuchen.</p>
<p align="justify">&#160;</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Thomas Schärtl: Neuer Atheismus -- wie ihn Theisten gerne hätten]]></title>
<link>http://kamenin.wordpress.com/2008/03/16/thomas-schartl-neuer-atheismus-wie-ihn-theisten-gerne-hatten/</link>
<pubDate>Sun, 16 Mar 2008 17:01:16 +0000</pubDate>
<dc:creator>kamenin</dc:creator>
<guid>http://kamenin.wordpress.com/2008/03/16/thomas-schartl-neuer-atheismus-wie-ihn-theisten-gerne-hatten/</guid>
<description><![CDATA[(zur Einleitung) Im Zentrum Schärtls Auseinandersetzung mit dem Atheismus steht erst mal die Schubla]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p align="justify"><i>(zur <a href="http://kamenin.wordpress.com/2008/03/16/thomas-schartl-neuer-atheismus-%e2%80%93-eine-akademische-debatte/">Einleitung</a>)</i></p>
<p align="justify">Im Zentrum <a href="http://www.stimmen-der-zeit.de/StdZ_03_08_Schaertl_147_161_HA.pdf">Schärtls Auseinandersetzung</a> mit dem Atheismus steht erst mal die Schubladisierung desselben. Das kann man machen, aber man muss mit den gefundenen Kategorien nicht übereinstimmen. Zumindest sollte man sich die drei Kategorien genauer ansehen. Schärtl unterscheidet drei Hauptrichtungen:</p>
<div align="justify"></div>
<div align="justify"></div>
<ul>
<li>Argumentativer Atheismus</li>
<li>Kultureller Atheismus</li>
<li>Denunziatorischer Atheismus</li>
</ul>
<div align="justify"></div>
<div align="justify"></div>
<p align="justify">Geschenkt sei an der Stelle, dass man, eine Richtung als denunziatiorisch zu bezeichnen, durchaus als Denunziation verstehen kann. Bedenklicher ist dann schon, dass die vorgebliche Trennung von argumentativem und denunziatorischem Atheismus argumentativ kaum belegt wird. Vielleicht musste allein deshalb schon der zumindest räumlich eine Trennung schaffende kulturelle Atheismus noch hinzugefügt werden, bei dem es sich kaum um wirklichen Atheismus zu handeln scheint. Es mag aber auch eine Vorliebe für Trinitäten eine Rolle spielen oder die Tatsache, dass eine reine Zweiteilung es vielleicht zu nahe gelegt hätte, dass hier nur zwischen genehmen und unangenehmen Atheismus unterschieden wird.</p>
<div align="justify"></div>
<p align="justify">Der <b>kulturelle Atheismus</b> Schärtls ist über weite Strecken nur der säkulare Kapitalismus und Hedonismus.</p>
<div align="justify"></div>
<blockquote>
<p align="justify">Dieser Art des Atheismus ist ein Phänomen der Gegenwartskultur, das nichts weniger will, als das Christentum als kulturprägende Kraft zu vertreiben oder zu ersetzen.</p>
</blockquote>
<div align="justify"></div>
<p align="justify">Mithin geht es weniger um eine rationale Auseinandersetzung mit den theistischen Deutungsansprüchen, sondern um eine sie verneinende Leugnung im Praktischen. Es ist zumindest sehr fraglich, ob dahinter ein willentlicher Atheismus steckt oder nicht doch eher die unpersönlichen, weitgehend unreflektierten Strukturen des Kapitalismus. Am Rande gibt es sicherlich die atheistische Debatte um den Wert christlicher Normen, insbesondere die zentrale Stellung der Sünde im theistischen Begriffssystem. Aber die eigentliche Kraft dieser Bewegung ist nicht mal sich selbst bewusst. Sie will nicht Christentum ersetzen, sie hat, fast nebenbei, die christliche Deutungshoheit schon ersetzt. Sie interessiert sich genauso wenig für den Atheismus. Sie ist dem Alltag zu- und der akademischen Frage abgewandt. Das wird am deutlichsten, wenn Schärtl die Bildersprache der Webung bemängelt, die christliche Symbolik aufgreift und für ihre Zwecke vermarktet. Dass der Kapitalismus sich jeder Symbolik bedient und diese für sich besetzt, sofern sie ihm nützlich ist, ist doch eine kapitalismuskritische Binsenweisheit: selbst Kapitalismuskritik ist da nicht mehr als ein aufgreifbarer Slogan.</p>
<div align="justify"></div>
<p align="justify">Interessanter ist da schon der Umkehrschluss. Schärtl bemängelt in der Aneignung christlicher Symbolik, dass der christliche Transzendenzbegriff durch diesseitige, weltliche Bezüge ersetzt werde. Die Frage, die sich stellen sollte, ist da eigentlich, ob nicht das Christentum seinerseits Transzendenzansprüche durch geschickte Symbolik und PR ersetzt hat &#8212; dass somit hier nicht Tiefgründiges als Schlagwort missbraucht wird, sondern die eine Verkaufsstrategie nur für ein neues Produkt Verwendung findet. Fast schon entlarvend ist, dass Schärtl dieser Art kultureller Umdeutung nur eigene PR entgegensetzen kann: Hoffnung sieht er in medienwirksamen Inszenierungen, wie sie sich beim Sterben des letzten Papstes wie von selbst ergaben. Es sei ihm erlaubt, hinter dieser Inszenierung mehr Wahrheit zu vermuten als hinter ökonomischen PR-Slogans; letztlich ersetzt er aber nur eine Inszenierung durch die andere.</p>
<p align="justify">&#160;</p>
<div align="justify"></div>
<p align="justify">Von den verbleibenden Kategorien findet die des <b>argumentierenden Atheismus</b> bei Schärtl praktisch nur Lob. Es handelt sich hier um akademischen, fast schon der Religionsphilosophie zuordenbaren Atheismus. Es fällt nicht schwer zu verstehen, was Schärtl an dieser Art der Auseinandersetzung schätzt: sie findet nur auf akademischen Niveau statt, sie greift Religion kaum an. Sie ist mithin ungefährlich für Schärtls jenseits der akademischen Debatte ausgelebten Glauben. In der Debatte mit dem argumentativen Atheismus kann sich der Theismus auf Augenhöhe bewegen; nicht, weil sie argumentativ gleichwertig wäre, aber weil er fernab der Öffentlichkeit stattfindet. Man kann auf diese Art des Atheismus eine theologische Einlassung produzieren und das Problem für erledigt halten: es wird sich niemand finden, der dem widerspricht, weil es eben keiner liest. Schärtl lobt fast schon explizit an dieser Art des Atheismus, dass sich an ihm Theologie abarbeiten könne, ja müsse. Atheismus als Stichwortgeber irrelevanter Theologen: müsste man vielleicht Planstellen an der theologischen Instituten für schaffen, wenn das so erwünscht ist.</p>
<div align="justify"></div>
<p align="justify">Dass es gar nicht um die Form der Kritik, sondern vielmehr um die Harmlosigkeit dieses Atheismus geht, wird an zwei Stellen klar. Zum einen folgert Schärtl aus der Kritik des Neuen Atheismus das gleiche wie aus der des argumentativen: er nutzt diesen genauso für die Überlegungen, was Religion daraus für sich lernen müsse. Mithin scheint also auch der so denunzierte denunzierende Atheismus wichtige Punkte über das Selbstverständnis von Religion anzusprechen. Zum anderen scheint der grundsätzliche Unterscheidungspunkt zwischen argumentativem und neuen Atheismus der zu sein, dass ersterer historisch ist:</p>
<div align="justify"></div>
<blockquote>
<p align="justify">Der argumentative Atheismus ist ein Randphänomen geworden. Fast möchte man ihn zu den Lehrstücken der Philosophiegeschichte zählen, denen die Theologie eine Art Schärfung ihrer Sinne verdankt.</p>
</blockquote>
<div align="justify"></div>
<p align="justify">Deutlich wird das etwa daran, dass Bertrand Russell posthum in diesen theologisch akzeptierten Olymp der Religionskritik gehoben wird. Aber das ist unehrlich. Es dient nur dazu, moderne Atheisten von ihren Quellen abzuschneiden, die angeblich ganz anders gewesen seien. Russell war nicht Dawkins und schon gar nicht Hitchens; aber ihn heute als rationale, philosophische Überfigur darzustellen, dem Theologie viel verdankt, ist hinsichtlich seiner Religionskritik widersinnig. Russells einziger Vorteil ist der, seit über dreißig Jahren tot zu sein, um sich heute nicht mehr gegen die Banalisierung seiner Religionskritik wehren zu können. In seiner Zeit musste er sich mindestens so heftige Angriffe von Theologen, Gläubigen und Journalisten gefallen lassen wie heute Dawkins. Wer weiß, welche Geschichtsvergessenheit in fünfzig Jahren Theologen dazu bringen wird, Dawkins und Dennett als vorbildliche Atheisten zu loben. Tote Atheisten sind gute Atheisten.</p>
<div align="justify"></div>
<p align="justify">Bezeichnend für Schärtls ganzen Text sind aber die Konsequenzen, die er aus dem argumentativen Atheismus zieht, den er selbst ja als quasi historisch bezeichnet: Theologie müsste dies und sollte das. Wenn der Atheismus denn so alt und hilfreich war, warum hat die Theologie dann noch nicht? Sich an der Stelle zu wundern, dass heute ein neuer Atheismus aufkommt, der sich erneut mit denselben Problemen beschäftigen muss, weil nichts von der alten Kritik (außer zur Füllung wohlfeiler Aufsätze) verwendet wurde, mag der geschäftige Theologe dann mal für sich selbst beantworten, wenn ihm sein Alltagsglaube wieder Zeit für die Beschäftigung mit hochtheologische Abstraktionen lässt.</p>
<p align="justify">&#160;</p>
<div align="justify"></div>
<p align="justify">An der darauf folgenden Darstellung des <b>Neuen Atheismus</b> ist nicht viel auszusetzen: sie ist weitgehend fair, wenn natürlich nicht vollständig und im Großen und Ganzen unbeantwortet. Natürlich erfolgt das alles im Stil gemäßigter Entrüstung über die Fundamentalkritik am Gottesglauben, die als grob und eben denunziatorisch beschrieben wird. Man ist das gewohnt, auch den Widerspruch, einerseits eine überlegene argumentative Position aus einer hochvernünftigen Theologie einzunehmen, andererseits sich aber persönlich denunziert zu fühlen, wenn jemand feststellt, Volksglaube und Esoterik seien dumm. Jeder geht halt innerlich die Allianzen ein, die einem gefallen. Und wenn die Kritik trifft, dann wohl, weil sie so daneben doch nicht ging.</p>
<p align="justify">&#160;</p>
<div align="justify">    Eine kritische Betrachtung des Theologischen, was Schärtl gegen den Neuen Atheismus stellen will, folgt in <a href="http://kamenin.wordpress.com/2008/03/17/thomas-schartl-neuer-atheismus-die-machtlosigkeit-der-theologie-uber-den-glauben/">Teil II</a>.</div>
<div align="justify"></div>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Thomas Schärtl: Neuer Atheismus –- eine akademische Debatte]]></title>
<link>http://kamenin.wordpress.com/2008/03/16/thomas-schartl-neuer-atheismus-%e2%80%93-eine-akademische-debatte/</link>
<pubDate>Sun, 16 Mar 2008 14:11:33 +0000</pubDate>
<dc:creator>kamenin</dc:creator>
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<description><![CDATA[Eine im Vergleich mit vielen anderen Darstellungen schon wesentlich substanziellere Auseinandersetzu]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p align="justify">Eine im Vergleich mit vielen anderen Darstellungen schon wesentlich substanziellere Auseinandersetzung mit dem so genannten Neuen Atheismus findet sich in der aktuellen Ausgabe der <i><a href="http://www.stimmen-der-zeit.de/">Stimmen der Zeit</a>: Die Zeitschrift für christliche Kultur</i> im Artikel von Thomas Schärtl <a href="http://www.stimmen-der-zeit.de/StdZ_03_08_Schaertl_147_161_HA.pdf"><i>Neuer Atheismus: Zwischen Argument, Anklage und Anmaßung</i></a> [pdf]. Strukturell geht es zuerst um eine Charakterisierung und Kategorisierung von Atheismus, dabei dann um die theologische, theistische Auseinandersetzung mit den Inhalten. Bei aller Kritik, die ich an dem Artikel anzubringen habe, muss man das doch auseinanderhalten von Diskursbeiträgen wie solchen von <a href="http://kamenin.wordpress.com/2008/03/13/die-unredlichkeiten-eines-historikers-und-journalisten-alexander-kissler-in-der-fas/">Alexander Kissler</a>, in denen es nicht um Verständnis sondern zuvorderst um publizistisch wirksames Missverstehen geht und die damit eigentlich nur die intellektuelle Armut ihres Theismus als gut verkaufbare Bankrotterklärung unter Beweis stellen.</p>
<div align="justify"></div>
<p align="justify">Natürlich stimme ich mit Schärtls Folgerungen nicht überein, aber das kann man anerkennen. Es gibt keinen Grund, eine eigentlich humanistische Ethik mit Häme zu überziehen, nur weil sie meint, eines begründenden Theismus zu bedürfen. Das nicht zu sehen, halte ich für ein Missverständnis, das Atheisten wie Theisten zu oft im Wege steht, sich über die eigentlichen ethischen und gesellschaftlichen Fragen zu unterhalten, in denen sie weniger trennt, als beide Gruppen manchmal vermuten. Gleichzeitig wird das auch dadurch gefördert, dass die theistische Kritik wohlfeil theoretisiert, aber an der notwendigen Kritik eigener Strukturen, wie sie sich in Kirchen realisieren, kraftlos abprallt: theistische Kirchenkritik erscheint immer wieder sorgsam durchdacht, akademisch, aber eher konsequenzlos. Da werden atheistische Kritiken bestätigt, sich angeeignet, aber es ändert sich eben nichts, auch nicht in der Identifikation der eigenen Position. Im Zweifelsfall steht einem der eigene Theismus immer näher als die wohlformulierte Theologie oder der eigene ethische Anspruch. Dass sich diese Art theistische Kirchenkritik eben nicht von Kirche lösen lässt und in der Öffentlichkeit unverhört verrauscht, wird anschließend den Atheisten vorgeworfen, die sich aus ihrem eigenen Anspruch heraus erst mal mit der Realität Kirche befassen müssen. Ja, würden doch Atheisten ihre Kritik nur argumentativ auf die Hochposition des Theologie beziehen&#8230; Dabei geht es dem Neuen Atheismus eben nicht mehr um die philosophische Auseinandersetzung mit philosophischen Theismus-Konstrukten. Erst mal geht es um gesellschaftliche Realitäten und Veränderungen. Sollen doch Theisten wie Schärtl endlich ihre Religion so umbauen, dass sie in der was zu sagen hätten &#8212; auf die neue Debatte lassen Atheisten sich dann schon gerne ein. Aber so lange sie in der eigentlichen Debatte nur eine akademische Irrelevanz darstellt, wird das halt eher auf obskuren Blogs abgehandelt, und es wird nicht vorgetäuscht werden, dass sich irgendwas an den eigentlichen Verhältnissen dadurch ändert, dass man in fast ebenso obskuren Zeitschriften auch Hochtheologie vertreten kann.</p>
<div align="justify"></div>
<p align="justify">Diesen Einwand muss man voranstellen, weil auch Schärtl gleich mit der hübschen Legende von der angeblichen Wiederkehr der Religion beginnt. Das einzige, was für kurze Zeit wiederzukehren schien, war ein Erwachen im von Bild-Schlagzeilen gesteuertem Volksglauben, ein kurzes Rucken in der Matrix esoterischer und abergläubischer Vorlieben, die sich ob des Medienrummels um den Papst und des Aufschreckens über islamischen Terrorismus doch wieder mal zu katholischen und protestantischen Deutungsmustern zurücksehnte. Ansonsten war da nicht viel. Die einzigen, die heute noch dazugewinnen, sind die durch ihre Missionierungskrankheit getriebenen protestantisch-fundamentalistischen Gruppierungen. Die stellen aber das genaue Gegenteil der Hochtheologie dar, die Schärtl vertreten will; mithin sollte er dasselbe Problem mit ihnen haben wie Atheisten. Das dummdreiste Esoterikchristentum der Pfingstler und Evangelikalen wird nicht bei Rahner nachschlagen, was sie denken, anbeten und aus ihrem Glauben folgern sollen. Auch nicht in der <i>Stimmen der Zeit</i>.</p>
<p align="justify">&#160;</p>
<div align="justify"></div>
<p align="justify">Teil I: <a href="http://kamenin.wordpress.com/2008/03/16/thomas-schartl-neuer-atheismus-wie-ihn-theisten-gerne-hatten/">Schärtls Kategorisierung von Atheismus</a></p>
<p align="justify">  Teil II: <a href="http://kamenin.wordpress.com/2008/03/17/thomas-schartl-neuer-atheismus-die-machtlosigkeit-der-theologie-uber-den-glauben/">Schärtls machtloser Theismus</a></p>
<p align="justify">&#160;</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>

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