<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><!-- generator="wordpress.com" -->
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	>

<channel>
	<title>wortbildung &amp;laquo; WordPress.com Tag Feed</title>
	<link>http://en.wordpress.com/tag/wortbildung/</link>
	<description>Feed of posts on WordPress.com tagged "wortbildung"</description>
	<pubDate>Mon, 28 Dec 2009 20:06:48 +0000</pubDate>

	<generator>http://en.wordpress.com/tags/</generator>
	<language>en</language>

<item>
<title><![CDATA[Ich tränke, du trinkst – ich fälle, du fällst ...]]></title>
<link>http://schplock.wordpress.com/2009/11/16/kausativa/</link>
<pubDate>Sun, 15 Nov 2009 22:18:39 +0000</pubDate>
<dc:creator>Kristin</dc:creator>
<guid>http://schplock.wordpress.com/2009/11/16/kausativa/</guid>
<description><![CDATA[Heute will ich was über Verben erzählen. Und zwar über eine ganz bestimmte Art von Verben: Kausativa]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Heute will ich was über Verben erzählen. Und zwar über eine ganz bestimmte Art von Verben:<strong> Kausativa</strong>. Kausativa (von lat. <em>causa </em>‘Ursache, Grund’)  sind Verben, die ausdrücken, dass man jemanden (oder etwas)  zu etwas bringt:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-1501" title="fällen" src="http://schplock.wordpress.com/files/2009/11/2009-11-15-fallen1.png" alt="fällen" width="450" height="446" /><!--more-->Das ist aber nicht so etwas wie<em> überreden</em>, wo ich jemanden dazu bringe, zu tun, was ich will: Bei Kausativa besteht immer eine Bedeutungsbeziehung zwischen dem Kausativverb und einem Basisverb, von dem es abgeleitet ist.<a href="http://schplock.wordpress.com/2009/11/15/kausativa/#1"><sup>1</sup></a></p>
<p>Wenn ich zum Beispiel einen Baum <em>fälle</em>, dann “mache” ich ihn <em>fallen</em>. Wenn ich einen Hund <em>tränke</em>, dann “mache” ich ihn <em>trinken</em>. (Und wenn ich ihn <em><strong>er</strong>tränke</em>, mache ich ihn <em>trinken</em> bis zum Erreichen eines bestimmten Ziels.)</p>
<p>Das Basisverb (<em>fallen</em>, <em>trinken</em>) drückt also die Handlung aus, zu der ich jemanden durch das Kausativum (<em>fällen</em>,<em> tränken</em>) bringe.</p>
<p>Dabei verändern sich die “Forderungen” des Verbs. Das Basisverb ist normalerweise <strong>intransitiv</strong>, das bedeutet, dass es nur ein Subjekt braucht, aber kein Objekt: <em>Ich falle</em> (<em>vom Dach</em> ← optional).</p>
<p>Kausativa sind aber <strong>transitiv</strong>, das heißt neben einem Subjekt (dem Verursacher) muss es auch ein Objekt (dem die Handlung geschieht) geben, und zwar ein direktes (Akkusativobjekt): <em>Ich fälle <strong>den Baum</strong></em>. Nur <em>Ich fälle</em> geht in ganzen Sätzen i.d.R. nicht. (Die obige Sprechblase bitte nicht berücksichtigen <img src='http://s.wordpress.com/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';)' class='wp-smiley' /> )</p>
<p>Kausativa werden normalerweise gebildet, indem man – je nach Sprache – eine Vor- oder Nachsilbe an das Basisverb hängt (oder andere verrückte Sachen damit macht).</p>
<p>Das scheint jetzt aber bei <em>fallen </em>und <em>fällen</em>,<em> trinken</em> und <em>tränken </em>nicht der Fall zu sein – und wenn man es sich mal recht überlegt, kann man auch nicht sagen “Ich habe ihn gefällt”, wenn man dem Typen ein Bein gestellt hat. Und wenn ich Brot in Öl tränke, habe ich es dann zum Trinken gebracht? Hm &#8230; Das Verursachen steckt schon irgendwie drin, aber die Beziehung ist nicht so eindeutig.</p>
<p>Sind das also wirklich Kausativa?</p>
<p>Heute vielleicht nicht mehr – aber sie waren es mal! Zusammen mit <em>schwimmen	–	schwemmen,	sinken	–	senken,	sitzen	–	setzen,	futtern	–	füttern,	fahren	–	führen, erblinden	 –	blenden,  fließen	 –	 flößen,	 liegen	 –	 legen, schwanken	 – schwenken, saugen – säugen, verschwinden – verschwenden, springen – sprengen, wachen – wecken, winden – wenden, biegen – beugen, rinnen – rennen, &#8230;</em></p>
<p>Das zweite Wort wurde immer vom ersten abgeleitet, und zwar auf eine ganz bestimmte Art und Weise. Vielleicht fällt Euch auf, dass das erste Wort (das Basisverb) fast immer ein starkes Verb ist (mit Vokalwechsel in der Vergangenheit:<em> schw<strong>a</strong>mm</em>), das zweite hingegen ein schwaches (mit der Vergangenheit auf -<em>te</em>: <em>schwemm<strong>te</strong></em>).</p>
<p>Ursprünglich (im Germanischen) waren alle Basisverben stark. Von diesen starken Verben konnte man ganz leicht Kausativa bilden. Man nahm den Stamm der Vergangenheitsform und versah ihn mit einer speziellen Kausativendung. Hier für <em>faran</em> ‘gehen, sich fortbewegen’ (unser heutiges <em>fahren</em>):</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-1503" title="fuoran" src="http://schplock.wordpress.com/files/2009/11/2009-11-15-fuoran.png" alt="fuoran" width="450" height="146" /></p>
<p>Der Trick war also, an den Vergangenheitsstamm ein -<em>jan</em> zu hängen, et voilà. Schon im Althochdeutschen sah man aber nichts mehr vom<em> j</em>, die Endung lautete -<em>an</em> – und dann wurde sie im Mittelhochdeutschen zu -<em>en</em> (Grund: <a href="http://schplock.wordpress.com/2009/10/09/mittelhochdeutsch" target="_blank">Nebensilbenabschwächung</a>).</p>
<p>Jetzt seht Ihr aber, dass sehr viele der Kausativa noch weitere Veränderungen mitgemacht haben: <em>s<strong>e</strong>nken</em>, nicht <em>sanken</em> (von <em>sinken</em> &#8211; <em><strong>sank</strong></em>), <em>fl<strong>ö</strong>ßen</em>, nicht <em>flossen</em> (von <em>fließen</em> &#8211; <strong><em>floss</em></strong>), &#8230;</p>
<p>Das liegt am<em> j</em>-Laut in -<em>jan</em> – der hat in der deutschen Sprachgeschichte viel angerichtet:</p>
<ul>
<li>im Westgermanischen machte er vorhergehendes <em>e</em> zu <em>i</em> (<a href="http://schplock.wordpress.com/2009/04/29/tagesmus-und-gezirkumfixe/#3" target="_blank">Westgermanisch Hebung</a>),</li>
<li>im Althochdeutschen machte er <em>a</em> zu <em>e</em> (heute auch oft als <em>ä</em> geschrieben), <em>u</em> zu <em>ü</em>, <em>o</em> zu<em> ö</em>, <em>uo</em> zu<em> üe</em> (heute <em>ü</em>) und <em>ou</em> zu <em>öu</em> (heute<em> äu</em>) (<a href="http://schplock.wordpress.com/2009/04/29/tagesmus-und-gezirkumfixe/#4" target="_blank">Primär- und Sekundärumlaut</a>).</li>
</ul>
<p>So wird also aus dem <em>uo</em> in <em>fuorjan</em> wegen des<em> j</em>-Lauts ein <em>üe</em> und später dann ein <em>ü</em>. Diese Vokalveränderungen sind nur eine Zufallserscheinung. Wäre die Ableitungssilbe für Kausativa eine andere gewesen, sähen sie heute aus wie die normalen Vergangenheitsformen der Basisverben.</p>
<p>Durch diese zufällige Veränderung kann man sie aber auch heute noch, wo die Endungen längst gleich lauten, prima unterscheiden.</p>
<p>Die Bildung von Kausativa mit -<em>jan</em> ist schon lange, lange nicht mehr möglich, und seither haben die abgeleiteten Wörter ein Eigenleben entwickelt: Sie haben sich in ihrer Bedeutung verändert, manche nur leicht, andere extrem. Daher kann man heute nicht mehr so recht von einer Kausativbeziehung zwischen den Wortpaaren sprechen. Historisch bestand sie aber.</p>
<p><span style="color:#888888;">Fußnote:<br />
<a name="1"><sup>1</sup></a>Ich spreche hier von morphologischer Kausativität. Natürlich stehen auch <em>sterben</em> und<em> töten</em> in einer kausalen Relation zueinander, oder <em>schneiden</em> und <em>schneiden lassen</em>.</span></p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Von Tausend zur Million: Augmentativa]]></title>
<link>http://schplock.wordpress.com/2009/11/07/von-tausend-zur-million-augmentativa/</link>
<pubDate>Sat, 07 Nov 2009 12:52:29 +0000</pubDate>
<dc:creator>Kristin</dc:creator>
<guid>http://schplock.wordpress.com/2009/11/07/von-tausend-zur-million-augmentativa/</guid>
<description><![CDATA[Was haben Karton, Ballon, Battaillon, Salon, Medaillon und Million gemeinsam? Ganz zu schweigen von ]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Was haben <em>Karton</em>, <em>Ballon</em>, <em>Battaillon</em>, <em>Salon</em>, <em>Medaillon </em>und <em>Million</em> gemeinsam? Ganz zu schweigen von <em>Minestrone</em>, <em>Cannelloni</em> und <em>Tortelloni</em>?</p>
<p>Mehrere Dinge &#8230; zunächst einmal sind es ganz klar Fremdwörter. <!--more-->Einige davon klingen eher französisch (z.B. <em>Salon</em>), andere eindeutig italienisch (z.B. <em>Tortelloni</em>) – die französische Gruppe stammt aber ursprünglich auch aus dem Italienischen, die Wörter sind also auf indirektem Wege zu uns gelangt. (Das sind <em>Karton</em>, <em>Ballon</em>, <em>Battaillon</em>, <em>Salon</em>, <em>Medaillon</em>).</p>
<p>Dann ähneln sie sich alle strukturell: Sie enden in ihrer geschriebenen Form alle auf -<em>on</em>, -<em>one </em>oder -<em>oni</em>. <a href="http://schplock.wordpress.com/2009/11/07/von-tausend-zur-million-augmentativa/#1"><sup>1</sup></a> Und das ist kein Zufall: Alle diese Endungen sind nämlich auf eine einzige zurückzuführen, das italienische -<em>one</em>.</p>
<p>Dieses -<em>one</em> ähnelt unseren deutschen -<em>chen</em>/-<em>lein</em>-Endungen: Es verändert die “Größe” des Substantivs, an die es tritt.</p>
<p>-<em>chen</em> und -<em>lein </em>sind Verkleinerungsendungen, auch “<strong>Diminutiv</strong>suffixe”<a href="http://schplock.wordpress.com/2009/11/07/von-tausend-zur-million-augmentativa/#2"><sup>2</sup></a> genannt. Ein <em>Büchlein</em> ist z.B. ein kleines oder schmales Buch.</p>
<p>Nun gibt es auch Sprachen, die mit einer Endung<strong> vergrößern</strong> können – darunter das Italienische.</p>
<p>Hängt man -<em>one </em>an den Stamm eines italienischen Substantivs an, so sagt man damit, dass das neu entstandene Wort eigentlich dasselbe ist wie das ursprüngliche, nur größer, dicker oder sonst irgendwie “mehr”. Das nennt man dann “<strong>Augmentativ</strong>suffix”<a href="http://schplock.wordpress.com/2009/11/07/von-tausend-zur-million-augmentativa/#3"><sup>3</sup></a>.</p>
<p>So heißt das italienische <em>mille</em> ‘tausend’ – mit -<em>one </em>wird es zu <em>milione</em> ‘Million’. (Ursprünglich bedeutete <em>milione</em> übrigens nicht exakt ‘Million’, sondern einfach nur ‘sehr große Zahl’.)</p>
<p><em>Karton</em> ist dickes Papier (it. <em>carta</em>), <em>Ballon </em>ist ein großer Ball, ein <em>Battaillon</em> ist eine Ansammlung von Kompanien (it.<em> battaglia</em>), ein <em>Salon</em> ist ein großer Saal, ein <em>Medaillon</em> eine große Medaille. <em>Minestrone</em> ist eine dicke Suppe (it. <em>minestra</em>), <em>Canneloni</em> sind dicke Röhrchen (it. <em>canello</em>) und <em>Tortelloni</em> große gefüllte Pasta (it. <em>tortelli</em>).</p>
<p>Nach diesem Prinzip kann man auch heute noch neue Wörter im Italienischen bilden: <em>casa</em> ‘Haus’ &#62; <em>casone</em> ‘großes Haus’, <em>anello </em>‘Ring’ &#62; <em>anellone</em> ‘großer Ring’, &#8230;</p>
<p>Für alle, die&#8217;s interessiert, hier die genauen Wege für meine Beispielwörter:</p>
<ul>
<li>it. <em><strong>cart</strong>a</em> ‘Papier’ + -<em>one</em> &#62;  <em><strong>cart<span style="color:#ff6600;">one</span></strong></em> ‘dickes Papier, Pappe, Karton’ &#62; frz. <em>carton</em> &#62; dt. <em>Karton</em></li>
<li>it. <em><strong>pall</strong>a</em>, <em>balla </em>‘Kugel’ + -<em>one</em> &#62; <em><strong>pall<span style="color:#ff6600;">one</span></strong></em> ‘großer Ball’ &#62; frz. <em>ballon</em> ‘Ball, kugelförmiges Gefäß, Luftfahrzeug’ &#62; dt. <em>Ballon</em></li>
<li>it.<em> <strong>battagli</strong>a</em> ‘Schlachttruppe’ + -<em>one</em> &#62; <strong><em>batagli<span style="color:#ff6600;">one</span></em> </strong>‘mehrere Kompanien’ &#62;  frz. <em>bataillon </em>&#62; <em>Battaillon</em></li>
<li>it. <em><strong>sal</strong>a</em> ‘Saal’ + -<em>one</em> &#62;  <strong><em>sal<span style="color:#ff6600;">one</span></em></strong> ‘großer Saal’&#62; frz. salon ‘repräsentativer Saal, Wohnzimmer, Aufenthaltsraum’&#62; dt. <em>Salon</em></li>
<li>it. <em><strong>medagli</strong>a</em> ‘Medaille’ + -<em>one</em> &#62; <strong><em>medagli<span style="color:#ff6600;">one</span></em></strong> &#62; frz. <em>medaillon</em> &#62; dt. <em>Medaillon</em></li>
<li>it. <em><strong>minestr</strong>a</em> ‘Suppe’ &#62; <em><strong>minestr<span style="color:#ff6600;">one</span></strong> </em>‘dicke Suppe’ &#62; dt. <em>Minestrone</em></li>
<li>it. <em>canna</em> ‘Rohr’ &#62; <em><strong>cannell</strong>o</em> ‘Röhrchen’ &#62; <strong><em>cannell<span style="color:#ff6600;">oni</span></em></strong> ‘dickes Röhrchen, Canneloni’ &#62; dt. <em>Cannelloni </em>(-<em>oni</em> statt -<em>one</em>, weil das die Mehrzahl ist)</li>
<li>it.<em> torta </em>‘Torte, Kuchen’ &#62;<em> <strong>tortell</strong>i</em> ‘Küchlein, gefüllte Pasta’ &#62; <strong><em>tortell<span style="color:#ff6600;">oni </span></em></strong>‘große gefüllte Pasta’ &#62; dt. <em>Tortelloni</em> — das Gegenstück in klein sind natürlich die <em>Tortell<span style="color:#ff6600;">ini</span></em></li>
</ul>
<p><span style="color:#808080;">Fußnoten:<br />
<a name="1"><sup>1</sup></a> Gesprochen werden sie durchaus unterschiedlich, von -<em>ong</em> (<em>Karton</em>) über teilweise noch nasaliertes -<em>o</em> (<em>Salon</em>) hin zu -<em>ohn</em> (<em>Million</em>).<br />
<a name="2"><sup>2</sup></a> von lateinisch <em>deminuere </em>‘verkleinern, verringern’<br />
<a name="3"><sup>3</sup></a> von lateinisch<em> augmentare </em>‘vermehren, fördern’<br />
</span></p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Die Ich-hänge-Substantive-an-Wortgruppen-Technik: Phrasenkomposita]]></title>
<link>http://schplock.wordpress.com/2009/10/04/phrasenkomposita/</link>
<pubDate>Sun, 04 Oct 2009 19:20:00 +0000</pubDate>
<dc:creator>Kristin</dc:creator>
<guid>http://schplock.wordpress.com/2009/10/04/phrasenkomposita/</guid>
<description><![CDATA[Ich bereite gerade ein Referat vor. Es könnte das letzte meines Studiums sein. Ist das nicht gruseli]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Ich bereite gerade ein Referat vor. Es könnte das letzte meines Studiums sein. Ist das nicht gruselig?</p>
<p>Das Referat ist für ein Examenskolloquium in der deskriptiven Sprachwissenschaft, und es geht um Komposition. Das ist, ganz einfach gesagt, wenn man zwei (oder mehr) Wörter zu einem neuen zusammenfügt. Wie zum Beispiel <em>Sprache</em>+<em>Blog</em>=<em>Sprachblog</em>:</p>
<p style="text-align:left;"><a href="http://ironcreek.net/phpsyntaxtree/?"><img class="aligncenter size-full wp-image-1402" title="Sprachblog" src="http://schplock.wordpress.com/files/2009/10/2009-10-04-komposition1.png" alt="Sprachblog" width="237" height="140" /></a></p>
<p style="text-align:left;">Eine ganz skurrile Unterart der Komposita sind die sogenannten “Phrasenkomposita”. Das sind Zusammensetzungen, bei denen das Erstglied nicht etwa ein Substantiv oder ein Adjektiv ist, sondern eine ganze Wortgruppe (“Phrase”). Ein paar Beispiele:</p>
<ul>
<li><em>Schönes-Wochenende-Ticket</em></li>
<li><em>Trimm-dich-Pfad</em><!--more--></li>
<li><em>Stehaufmännchen</em></li>
<li><em>Dritte-Welt-Laden</em></li>
<li><em>40-Stunden-Woche<br />
</em></li>
</ul>
<p>Die meisten Phrasenkomposita werden aber spontan gebildet und schaffen es nie in ein Wörterbuch – “<em>Er ist ein <strong>Ich-will-zu-meiner-Mami-Heuler</strong></em>&#8221; zum Beispiel, oder “<em>Sie ist eine <strong>Ich-esse-nur-manchmal-Steak-Vegetarierin</strong></em>”.</p>
<p>Bei solchen Bildungen ist also immer die Phrase eine Einheit, und dann wird sie mit einem Substantiv kombiniert: [<em>Schönes-Wochenende</em>]<em>-Ticket</em>.</p>
<p style="text-align:center;"><a href="http://ironcreek.net/phpsyntaxtree/?"><img class="aligncenter size-full wp-image-1403" title="Phrasenkompositum" src="http://schplock.wordpress.com/files/2009/10/2009-10-04-phrasenkompositum.png" alt="Phrasenkompositum" width="357" height="192" /></a></p>
<p>Wie genau das funktioniert, also was unser Gehirn tut, wenn es Phrasenkomposita bildet, wird unter SprachwissenschaftlerInnen erbittert diskutiert. Das liegt daran, dass man kaum etwas darüber weiß, was das Gehirn so tut – die Neurolinguistik steht bei vielen Sachen noch sehr am Anfang. Vorstellungen darüber, was das Gehirn macht, gibt es aber zuhauf.</p>
<p>Was an Phrasenkomposita jetzt so spannend ist, ist die Tatsache, dass sie zwei Bereiche betreffen: die Morphologie (also die Wortebene) und die Syntax (also die Satzebene). Die Phrase ist nach syntaktischen Kriterien strukturiert, passt sich aber in ein Wortbildungsmuster ein – also in Morphologie.</p>
<p><img class="size-full wp-image-1409 alignright" title="Mentales Lexikon" src="http://schplock.wordpress.com/files/2009/10/2009-10-04-mentaleslexikon.png" alt="Mentales Lexikon" width="240" height="281" />Die Morphologie schöpft normalerweise aus Wörtern und Wortelementen, die wir kennen – in der Linguistik spricht man vom “mentalen Lexikon”. Das stellt man sich als eine riesige Art von Wörterbuch im Kopf vor. Jedes Morphem (so nennt man die Wörter und Wortelemente) hat einen eigenen Eintrag in diesem Lexikon, und wenn man ein neues Wort braucht, nimmt man sich einfach die gängigen Regeln und baut es sich zusammen. Natürlich in den allermeisten Fällen vollkommen unbewusst.</p>
<p>Komposita sind nun zunächst einmal zwei Wörter aus dem mentalen Lexikon, die man nach Kompositionsregeln miteinander kombiniert. Wenn ich zum Beispiel so etwas sage wie “<em>Gib mir mal das <strong>Internetteil</strong> da!</em>”, dann habe ich<em> Internetteil </em>regelkonform zusammengebaut um in der konkreten Situation etwas zu bezeichnen – vielleicht meine ich z.B. ein Buch, das ich im Internet bestellt habe, oder ein LAN-Kabel, oder etwas, das ich aus dem Internet ausgedruckt habe &#8230; irgendein Ding eben, das etwas mit dem Internet zu tun hat. Was genau, wird in der speziellen Situation schnell klar sein.</p>
<p>Die meisten Komposita, die wir so verwenden, sind aber keine Neubildungen, sondern welche, die schon vor langer Zeit mal jemand zusammengebaut hat. Wir benutzen einfach das fertige Produkt und haben es auch so komplett in unserem mentalen Lexikon abgespeichert. (Da gibt&#8217;s Debatten, wo die Grenze ist, aber darauf lasse ich mich jetzt nicht ein.) <em>Hausfrau </em>zum Beispiel ist nicht die Besitzerin eines Hauses (wie <em>Hausherr</em>), sondern eine Frau, die den Familienhaushalt führt. Diese spezielle Bedeutung lässt sich nicht aus den Bestandteilen erschließen, sie muss irgendwo abgespeichert sein. In ihrem Lexikoneintrag nämlich.</p>
<p>So, und jetzt kommen die Phrasen ins Spiel. Stehen die auch im Lexikon? Hat <em>Schönes Wochenende</em> einen Eintrag? Die verschiedenen Erklärungsmodelle konkurrieren da wild miteinander – ein paar will ich ganz grob skizzieren:</p>
<ul>
<li>Der <strong>syntaktische Ansatz</strong>: Das mentale Lexikon enthält gar keine Wortbildungsregeln, die Regeln folgen im Wesentlichen den syntaktischen Regeln (also denen zur Bildung von Sätzen). Im Lexikon sind nur Morpheme abgespeichert, keine komplexeren Bildungen.</li>
<li>Die <strong>Konversionsanalyse</strong>: Was wie Phrasen aussieht, sind gar keine – das sind Nomen. Sie werden durch Konversion nominalisiert, und dann erst, als neues Nomen, mit einem Zweitglied kombiniert. (Konversion bedeutet, dass die Wortart gewechselt wird, ohne bestimmte Nachsilben anzufügen. Z.B. <em>das Leben </em>aus dem Verb <em>leben</em>.) Da man dabei davon ausgeht, dass das Erstglied<em> </em>ein Nomen ist, müsste es z.B. ein Nomen wie <em>Trimm-dich </em>geben, das aber in Wirklichkeit gar nicht alleine stehen kann.</li>
<li> Die <strong>Zitatanalyse</strong>: Die Phrasen sind Zitate und gar keine richtigen Wortbestandteile. Die syntaktische Struktur der Phrasen ist also für Phrasenkomposita völlig egal, sie entstand quasi bei der Entstehung der Aussage – jetzt wird sie nur noch zitiert. Das erscheint besonders logisch für Phrasenkomposita mit kompletten Sätzen wie <em>Ich-will-zu-meiner-Mami-Heuler</em>, wo man der entsprechenden Person wirklich die Aussage “<em>Ich will zu meiner Mami!</em>” in den Mund legt. Aber ob man wirklich alle Phrasen auf (echte oder vorgestellte) Aussagen zurückführen kann?</li>
<li>Der <strong>gemischte Ansatz</strong>: Manche Konstruktionen – die lexikalisierten wie<em> Trimmdichpfad</em> – stehen im Lexikon, die anderen werden nach syntaktischen Regeln generiert und dann zur Wortbildung benutzt.</li>
</ul>
<p>Ich habe mich noch nicht entschieden, welchen Ansatz ich am plausibelsten finde – ich glaube ich schwanke zwischen Zitat und gemischtem Ansatz. Ich bin also gespannt, was im Kolloquium für Meinungen und Argumente auftauchen.</p>
<p><span style="color:#888888;">(Strukturbäume erstellt mit<a href="http://ironcreek.net/phpsyntaxtree/?" target="_blank"> phpSyntaxTree</a>.) </span></p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Will sell ebber?]]></title>
<link>http://schplock.wordpress.com/2009/09/14/will-sell-ebber/</link>
<pubDate>Mon, 14 Sep 2009 12:41:33 +0000</pubDate>
<dc:creator>Kristin</dc:creator>
<guid>http://schplock.wordpress.com/2009/09/14/will-sell-ebber/</guid>
<description><![CDATA[Nummer 2 in der Reihe “Badische Wörter seltsamen Ursprungs”: ebber ‘jemand’. [Nachtrag: Eben habe ic]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Nummer 2 in der Reihe “Badische Wörter seltsamen Ursprungs”: <em>ebber</em> ‘jemand’.</p>
<p>[Nachtrag: Eben habe ich ein Verwendungsbeispiel in meinen Aufnahmen gefunden – es geht um erhaltene Burgen im Mittelrheintal:</p>
<blockquote><p><em>ja, äh, wuhnd doo na no <strong>ebber</strong> drin?</em> (ja, äh, wohnt da denn noch <strong>jemand </strong>drin?)</p></blockquote>
<p>]</p>
<p>Mal wieder kein erkennbarer Bezug zum hochdeutschen Wort – aber dafür ähnelt es einem anderen Dialektwort auffällig: <em>ebbis </em>‘etwas’, unbetont auch oft <em>ebbs</em>. Beide Wörter sind sogenannte “<a href="http://www.canoo.net/services/OnlineGrammar/InflectionRules/FRegeln-P/Pron-Indef/Pron-Indefinit.html" target="_blank">Indefinitpronomen</a>”, also Pronomen, die nicht näher Bestimmtes bezeichnen.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-1283" title="2009-09-14-ebbis" src="http://schplock.wordpress.com/files/2009/09/2009-09-14-ebbis.png" alt="2009-09-14-ebbis" width="200" height="169" /></p>
<p>Das dialektale <em>ebbis </em>ist historisch mit dem hochdeutschen <em>etwas</em> verwandt.</p>
<p>Das Grimmsche Wörterbuch gibt althochdeutsch <em>ëddeshuaʒ</em> und mittelhochdeutsch <em>ët(e)swaʒ</em> an, das schließlich zu unserem heutigen <em>etwas</em> wurde. Es kennt aber auch die Formen <em>eppas</em>, <em>eppes</em>, die es als von der “Volkssprache” assimiliert bezeichnet.</p>
<p>Das deutet darauf hin, dass das Wort nicht nur im Badischen auftaucht – und siehe da: In zahlreichen Dialektwörterbüchern findet es sich, z.B. im<a href="http://www.woerterbuchnetz.de/woerterbuecher/pfwb/wbgui?lemid=PE02294"> Pfälzischen </a>(<em>ębəs, </em><em>ębis, </em><em>abəs</em>),<a href="http://www.woerterbuchnetz.de/woerterbuecher/rhwb/wbgui?lemid=RE01845" target="_blank"> Rheinischen</a> (<em>ębəs</em>, mit der weiteren Bedeutung ‘sehr’), <a href="http://www.woerterbuchnetz.de/woerterbuecher/ewb/wbgui?lemid=EA01470" target="_blank">Elsässischen</a> (<em>eppis</em>) und <a href="http://www.woerterbuchnetz.de/woerterbuecher/lwb/wbgui?lemid=CE00231" target="_blank">Lothringischen</a> (<em>èpəs,</em> <em>èbs,</em> <em>èbəs</em>). Im Lothringischen Wörterbuch steht als Anmerkung dabei:<em> </em>“<em>Kommt in fast allen ober- und mitteldeutschen Maa. [=Mundarten] vor</em>”. Ostmitteldeutsche Wörterbücher gibt&#8217;s leider nicht online, Hinweise dazu werden dankbarst aufgenommen!</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-1284" title="2009-09-14-ebber" src="http://schplock.wordpress.com/files/2009/09/2009-09-14-ebber.png" alt="2009-09-14-ebber" width="200" height="256" /></p>
<p>Jetzt aber zu <em>ebber</em>! Das Wort ähnelt <em>ebbis</em> nicht umsonst, es geht nämlich auf eine ähnliche Grundlage zurück:</p>
<ol>
<li>mhd. <em>ëtes-was</em></li>
<li>mhd. <em>ëtes-wër</em></li>
</ol>
<p>Im Mittelhochdeutschen (und auch schon früher) wurden die Indefinitpronomen also regelmäßig gebildet, und zwar aus<em> etes </em>und dem entsprechenden Fragepronomen (<em>was</em> für Dinge, <em>wer </em>für Menschen).</p>
<p>Außerdem konnte <em> etes </em>auch vor -<em>lîch </em>(<em>etlich</em>), -<em>wâ </em>(‘irgendwo’), -<em>war</em> (‘irgendwohin’), -<em>wenne</em> (‘manchmal’) und -<em>wie </em>(‘irgendwie’) stehen, immer mit der unbestimmten Bedeutung. Leider bin ich grade fern von meinem etymologischen Wörterbuch, aber wenn wir wieder glücklich vereint sind, werde ich mal nachschauen, ob für <em>etes </em>zu einer früheren Zeit eine konkretere Bedeutung belegt ist.</p>
<p><em>ebber </em>ist also eine Variante von <em>etwer</em>, das es im Neuhochdeutschen nicht mehr gibt. Statt dessen verwenden wir <em>jemand</em> oder <em>irgendwer</em>.</p>
<p>Wie <em>ebbis</em> ist auch <em>ebber</em> weiter verbreitet: Im <a href="http://www.woerterbuchnetz.de/woerterbuecher/pfwb/wbgui?lemid=PE02295" target="_blank">Pfälzischen</a> (<em>ębə<sup>r</sup></em>, <em>ębɒ<sup>r</sup></em>), <a href="http://www.woerterbuchnetz.de/woerterbuecher/ewb/wbgui?lemid=EA01470" target="_blank">Elsässischen</a> (<em>epper</em>) und <a href="http://www.woerterbuchnetz.de/woerterbuecher/lwb/wbgui?lemid=CE00003" target="_blank">Lothringischen</a> (<em>èbər</em>). Das Elsässische kennt darüber hinaus auch noch <em>eppe</em> ‘etwa’ und <em>eppen</em>(<em>e</em>) ‘irgendwann, von Zeit zu Zeit’ (wahrscheinlich aus mhd.<em> eteswenne</em>).</p>
<h2>Von tw zu bb</h2>
<p>Wie konnte aber <em>et</em>-<em>w</em>&#8230; zu <em>eb</em>&#8230; werden? Die Grimms sprechen von einer Assimilation, aber hier wird ja nicht <em>t</em> zu <em>w</em> oder <em>w </em>zu<em> t</em>, sondern es verändern sich gleich beide Laute. Das ist eine sogenannte “reziproke Assimilation”, bei der sich die beiden Laute gegenseitig beeinflussen. Das neue [b] beinhaltet also Merkmale der beiden vorherigen Laute (<span style="color:#339966;">grün</span> = Stimmhaftigkeit, <span style="color:#3366ff;">blau</span> = <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Artikulationsort" target="_blank">Artikulationsort</a>, <span style="color:#ff6600;">orange </span>= <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Artikulationsart" target="_blank">Artikulationsart</a>):</p>
<ul>
<li>&#60;t&#62; ist ein <span style="color:#339966;">stimmloser</span> <span style="color:#3366ff;">alveolarer </span><span style="color:#ff6600;">Plosiv </span>[t]</li>
<li>&#60;w&#62;
<ul>
<li>war früher mal ein labialisierter <span style="color:#339966;">stimmhafter</span><span style="color:#3366ff;"> velarer</span><span style="color:#ff6600;"> Approximant (=Halbvokal)</span> [w] – wie heute noch im Englischen –</li>
<li>und ist jetzt ein <span style="color:#339966;">stimmhafter</span> <span style="color:#3366ff;">labiodentaler</span> <span style="color:#ff6600;">Frikativ </span>[v]</li>
</ul>
</li>
<li>&#60;b&#62; ist ein <span style="color:#339966;">stimmhafter</span> <span style="color:#3366ff;">bilabialer</span> <span style="color:#ff6600;">Plosiv</span></li>
</ul>
<p>Nun ist es etwas schwierig zu sagen, was genau wann passiert ist. Ist <em>ebber</em> entstanden, als wir noch ein [w] hatten, oder erst, als es schon ein <span style="color:#ff6600;"> </span>[v] war? Ich tippe auf ersteres. Dann hätte das [t] seinen Artikulationsort verlagert, um dem [w] entgegenzukommen. Das [w] ist velar, das heißt der Zungenrücken ist bei der Bildung hinten am Gaumen, aber wichtiger ist hier, dass es <strong>labialisiert</strong> ist. Das bedeutet, dass man bei der Bildung beide Lippen benutzt. Wenn man zur Bildung eines Plosivs, was das [t] ja ist, die Lippen einsetzt, dann wird er bilabial und somit ein [b] oder [p]. Wir hätten also den Zwischenschritt *<em>ebwas</em>.</p>
<p>In einem zweiten Schritt hätte dann das [b] auf das [w] eingewirkt und es in seiner Artikulationsart verändert: Vom Halbvokal zum Plosiv. Et voilà, <em>ebbas</em>.<a href="http://schplock.wordpress.com/2009/09/14/will-sell-ebber/#1"><sup>1</sup></a> Übrigens: Heute schreibt man zwar noch &#60;bb&#62;, aber in Wirklichkeit ist es längst auf einen <em>b</em>-Laut zusammengeschrumpft. (Den Vorgang nennt man “Degemination”.)</p>
<p>Das [a] wurde später oft abgeschwächt, sodass man dialektal meist <em>ebb<strong>e</strong>s</em> hat. Woher das alemannische [i] stammt, kann ich leider nicht schlüssig erklären. Das Alemannische ist aber sehr <em>i</em>-phil, vielleicht wurde die abgeschwächte Endung einfach als ehemaliges [i] analysiert und dann wieder verstärkt. Das ist jetzt aber reine Spekulation!</p>
<p>Einen ganz ähnlichen Vorgang kann man übrigens zum Lateinischen hin beobachten: aus indogermanischem *<em>dw</em> wurde im Lateinischen <em>b </em>(z.B. *<em>dwis</em> ‘zweimal’ &#62; <em>bis</em>). Im Deutschen hingegen haben wir das ursprüngliche *<em>dw </em>beibehalten, es wurde lediglich durch andere Lautwandelprozesse verändert (indogerm. *<em>dw</em> &#62; germ. <em>tw</em> (1. Lautverschiebung) &#62; ahd. <em>zw</em> (2. Lautverschiebung)).</p>
<p><!--more--><span style="color:#999999;">Fußnote:</span><br />
<span style="color:#999999;"><a name="1"><sup>1</sup></a> Natürlich ist es auch umgekehrt denkbar: Das [t] assimiliert zunächst [w] in der Artikulationsart an sich, sodass es <em>etbas</em> ergibt, in einem zweiten Schritt assimiliert das [b] das [t] im Artikulationsort und der Stimmhaftigkeit, sodass<em> ebbas</em> entsteht. Ich habe das andere Szenario gewählt, weil mir <em>bw</em> plausibler erscheint als <em>tb</em>, aber ich kann leicht falsch liegen.</span></p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Flug-Hund, Meer-Katze, Fleder-Maus]]></title>
<link>http://schplock.wordpress.com/2009/09/04/hundkatzemaus/</link>
<pubDate>Fri, 04 Sep 2009 13:40:04 +0000</pubDate>
<dc:creator>Kristin</dc:creator>
<guid>http://schplock.wordpress.com/2009/09/04/hundkatzemaus/</guid>
<description><![CDATA[Habt Ihr schon mal drüber nachgedacht, dass viele Tiere nach Tieren benannt sind? Obwohl sie gar nic]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Habt Ihr schon mal drüber nachgedacht, dass viele Tiere nach Tieren benannt sind? Obwohl sie gar nicht miteinander verwandt sind? Also z.B. eine Meerkatze keine Katze ist?</p>
<p>Meistens ist der Tierbestandteil ein Wort für ein schon lange domestiziertes Tier – ist ja logisch, dass man von Bekanntem ausgeht, um Unbekanntes zu benennen. In meiner Sammlung besonders prominent<a href="http://schplock.wordpress.com/2009/09/04/hundkatzemaus/#1"><sup>1</sup></a>:</p>
<table border="0">
<tbody>
<tr>
<td>
<h2>Das Schwein</h2>
<ul>
<li>Meerschweinchen</li>
<li>Stachelschwein</li>
</ul>
</td>
<td><a href="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/59/Sow_with_piglet.jpg"><img class="alignright" src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/59/Sow_with_piglet.jpg" alt="Das Schwein" width="196" height="122" /></a></td>
</tr>
<tr>
<td><a href="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/8/89/IMG_5497.JPG/800px-IMG_5497.JPG"><img class="alignleft" src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/8/89/IMG_5497.JPG/800px-IMG_5497.JPG" alt="" width="186" height="140" /></a></td>
<td>
<h2>Das Pferd</h2>
<ul>
<li>Nilpferd, Flusspferd</li>
<li>Seepferd(chen)</li>
<li>Graspferdchen, Heupferd</li>
<li>Walroß</li>
</ul>
</td>
</tr>
<tr>
<td>
<h2>Der Hund</h2>
<ul>
<li>Seehund</li>
<li>Flughund</li>
</ul>
</td>
<td>
<p><div class="wp-caption alignright" style="width: 204px"><a href="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/55/Rough_Collie_tri-colour.jpg"><img src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/55/Rough_Collie_tri-colour.jpg" alt="" width="194" height="129" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: gwyrah (cc-by-2.0)</p></div></td>
</tr>
<tr>
<td>
<p><div class="wp-caption alignleft" style="width: 176px"><a href="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/thumb/8/8b/Hauskatze_filou.jpg/461px-Hauskatze_filou.jpg"><img class=" " src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/thumb/8/8b/Hauskatze_filou.jpg/461px-Hauskatze_filou.jpg" alt="" width="166" height="216" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Nize (cc-by-sa-2.0)</p></div></td>
<td>
<h2>Die Katze</h2>
<ul>
<li>Meerkatze</li>
<li>Eichkatze, Eichkätzchen (Eichhörnchen)</li>
<li><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Seekatzen" target="_blank">Seekatze</a> (Fischart)</li>
</ul>
</td>
</tr>
<tr>
<td>
<h2>Der Bär</h2>
<ul>
<li>Ameisenbär</li>
<li>Koalabär, Beutelbär</li>
</ul>
</td>
<td>
<p><div class="wp-caption alignright" style="width: 212px"><a href="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/a/a5/Ours_brun_parcanimalierpyrenees_2.jpg"><img src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/a/a5/Ours_brun_parcanimalierpyrenees_2.jpg" alt="" width="202" height="151" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Jean-noël Lafargue (Copyleft)</p></div></td>
</tr>
<tr>
<td>
<p><div class="wp-caption alignleft" style="width: 192px"><a href="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/4/4e/Hedgehog_germany0908.jpg/800px-Hedgehog_germany0908.jpg"><img src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/4/4e/Hedgehog_germany0908.jpg/800px-Hedgehog_germany0908.jpg" alt="CC-" width="182" height="136" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Christoph Neumueller (cc-by-sa-3.0)</p></div></td>
<td>
<h2>Der Igel</h2>
<ul>
<li><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Seeigel" target="_blank">Seeigel</a>, Strandigel</li>
<li><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ameisenigel" target="_blank">Ameisenigel</a></li>
</ul>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<h2>Und sonst noch so?</h2>
<ul>
<li>Fledermaus</li>
<li><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Seew%C3%B6lfe" target="_blank">Seewolf</a> (Fischfamilie)</li>
<li><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Seeelefant" target="_blank">Seeelefant</a> (Robbenart)</li>
<li><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Seekatzen" target="_blank">Seeratte</a> (Fischart, siehe Seekatze)</li>
<li><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Seehase" target="_blank">Seehase</a> (Fischart, Schneckenart)</li>
<li><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Seekuh" target="_blank">Seekuh</a></li>
<li><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wasserfloh" target="_blank">Wasserfloh</a> (Kleinkrebs)</li>
<li>Walfisch</li>
</ul>
<h2>Woran liegt&#8217;s?</h2>
<p>Die Gründe für solche Benennungen sind wahrscheinlich sehr vielfältig, jedes Wort hat seine eigene Etymologie.</p>
<p>Bei vielen Bezeichnungen ist ganz klar, dass man niemals dachte, das Tier gehöre zu der Gattung, nach der es benannt ist (<em>Heupferd</em>, <em>Meerschweinchen</em>, <em>Seehase</em>). Warum dann die Benennung? Der kognitive Prozess, der hier häufig mitspielt, nennt sich “Metapher”. Ja, genau, das gibt es nicht nur in Gedichten. Ein <em>Heupferd </em>könnte zum Beispiel nach dem <em>Pferd</em> benannt sein, weil es ebenfalls springt. Ein <em>Wasserfloh </em>könnte so heißen, weil er ähnlich klein wie ein <em>Floh </em>ist. Eine <em>Eichkatze </em>kann so gut klettern wie eine <em>Katze</em>. Ein<em> Seepferdchen</em> sieht einem <em>Pferd</em>ekopf ähnlich.<br />
Überhaupt ist die Gruppe der <em>See</em>-Irgendwasse ziemlich groß – vielleicht weil man versuchte, das Seetierreich ähnlich dem Landtierreich zu strukturieren? (Natürlich nicht bewusst. Und natürlich ist das nur eine wilde Vermutung.)</p>
<p>Es gibt aber auch eine Gruppe von Wörtern, bei denen man das Tier YX wirklich als eine Art von X betrachtete. Dazu gehören z.B. die <em>Walfische</em>, die man lange für eine Fischart hielt. (Natürlich entstanden die meisten Wörter, bevor unsere heutige Taxonomie entstand, sie waren also nicht wirklich “Fehlbenennungen”.)</p>
<p>Und schließlich gibt es auch noch die beliebten Volksetymologien: Das Tier hieß ursprünglich ganz anders, das Wort ähnelte aber einem bekannten Tier und wurde so daran angeschlossen. So nimmt man an, dass <em>Meerkatze</em> auf altindisch <em>markáta</em>- ‘Affe’ zurückzuführen ist. Schon im Althochdeutschen wurde es aber als <em>mer</em>(<em>i</em>)<em>kazza</em> bezeichnet.</p>
<p>Auch noch wichtig ist, dass viele dieser Wörter keine deutschen Bildungen sind, sondern Übersetzungen aus einer anderen Sprache. So stammt der <em>Seehund</em> aus dem Niederländischen oder Niederdeutschen und das <em>Flusspferd</em> aus dem Griechischen.</p>
<p>Falls Ihr noch weitere Tiere kennt, die nach Tieren benannt sind &#8230; ich freue mich über Kommentare! Auch über Beispiele aus anderen Sprachen oder Hinweise zur Herkunft der schon genannten Wörter.</p>
<p><!--more--><span style="color:#888888;">Fußnote:<br />
<a name="1"><sup>1</sup></a> Alle Bilder von Wikipedia.</span></p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Welli? Selli! Rätsellösen mit der Mittelhochdeutschen Grammatik]]></title>
<link>http://schplock.wordpress.com/2009/08/24/welli-selli/</link>
<pubDate>Mon, 24 Aug 2009 14:02:22 +0000</pubDate>
<dc:creator>Kristin</dc:creator>
<guid>http://schplock.wordpress.com/2009/08/24/welli-selli/</guid>
<description><![CDATA[Hansi, der Gewinner der Schplock-Jubiläumsverlosung 2009, hat sich nicht damit begnügt, ein Buch von]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p><a href="http://www.flohbu.de/" target="_blank">Hansi</a>, der <a href="http://schplock.wordpress.com/2009/08/10/die-ersten-werden-die-ersten-sein/" target="_blank">Gewinner</a> der <a href="http://schplock.wordpress.com/2009/08/06/zweiter-geburtstag/" target="_blank">Schplock-Jubiläumsverlosung 2009</a>, hat sich nicht damit begnügt, <a href="http://schplock.wordpress.com/2008/12/25/buchtipp-tauschende-worter/" target="_blank">ein Buch</a> von mir geschickt zu bekommen – nein, er hat mir auch postwendend ein Buch zurückgeschickt. Jippie! Und zwar die Mittelhochdeutsche Grammatik von Paul/Mitzka in der 18. Auflage, die (und deren Nachfolgerinnen) ich tatsächlich noch nicht besaß. Ich habe mich enorm gefreut und gleich angefangen, zu lesen. Bereits auf Seite 27 habe ich dann etwas herausgefunden, was ich Euch auf keinen Fall vorenthalten will &#8230;</p>
<p>Im Alemannischen gibt es die Wörter<em> seller</em>,<em> selli</em>, <em>sell</em>. Sie entsprechen ungefähr dem hochdeutschen ‘jener, jene, jenes’/‘dieser, diese, dieses’/‘der, die, das’. Das sind Demonstrativpronomen, aber zu dem Thema schreibe ich mal gesondert was. Jetzt geht es nur darum, dass ich jahrelang gerätselt habe, woher die Formen kommen.</p>
<p>Hier ein Beispiel aus meinen Aufnahmen für die Magisterarbeit – ich hatte danach gefragt, welche Spiele es früher gab:</p>
<blockquote><p><em>Un die Kardeschbiile, des hämmer au gho. Des het mo gwänlich vun de Vewonde irgendwie mol gschengt griegt, waisch, un &#8230; ja. <strong>Sell </strong>hämmer au gho. Un mer hänau fil gschbielt &#8230; </em></p>
<p>[Und diese Kartenspiele, das haben wir auch gehabt. Das hat man gewöhnlich von den Verwandten irgendwie mal geschenkt gekriegt, weißt du, und ... ja. <strong>Das</strong> haben wir auch gehabt. Und wir haben auch viel gespielt ...]<a href="http://schplock.wordpress.com/2009/08/24/welli-selli/#1"><sup>1</sup></a></p></blockquote>
<p>Formal hat <em>sell </em>weder mit<em> dies </em>noch mit <em>jenes </em>etwas gemein, und sonst ist mir auch kein neuhochdeutsches Wort eingefallen, dem es entsprechen könnte. Ich habe immer mal wieder von Leuten den Vorschlag gehört, es könnte mit dem französischen <em>cela</em> ‘das’ oder<em> celle</em>,<em> celui </em> ‘die, der’ zu tun haben. Da ist aber nichts dran. Es gibt ein hochdeutsches Wort. Die Mittelhochdeutsche Grammatik hat mir auf die Sprünge geholfen:</p>
<p>Die neuhochdeutsche Entsprechung ist <em>solcher</em> (<em>solche</em>, <em>solches</em>). Im Althochdeutschen lautete es noch <em>solihêr</em> oder <em>solher</em><a href="http://schplock.wordpress.com/2009/08/24/welli-selli/#2"><sup>2</sup></a>. Es gab aber die Tendenz dazu, ein <em>h </em>in unbetonter Silbe nur noch ganz schwach und schließlich gar nicht mehr auszusprechen. Das führte zur südalemannischen Form <em>solêr</em>.</p>
<p>Gleichzeitig machte auch das Wort <em>welcher</em> in seiner althochdeutschen Form <em>uuelihêr</em>, <em>uuelher</em><a href="http://schplock.wordpress.com/2009/08/24/welli-selli/#3"><sup>3</sup></a> diese Entwicklung mit und wurde zu <em>weler</em>. (Auch das gibt es noch heute als <em>weller</em>, <em>welli</em>, <em>wells</em>.)</p>
<p>Und schließlich nahm sich <em>soler</em> das <em>weler </em>zum Vorbild und beseitigte das<em> o</em> zugunsten des <em>e</em>-Lautes. Das nennt man Analogie, das eine Wort benutzt das andere als Muster, um mehr Regelmäßigkeit in die Formen zu bringen.</p>
<p><em>Seller</em> übernahm schließlich im Alemannischen die Funktions des Demonstrativpronomens, in Aufgabenteilung mit den Artikeln. Die alten Demonstrativpronomen <em>dieser </em>und<em> jener</em> finden sich im Dialekt überhaupt nicht mehr. Und wenn man die ursprüngliche Bedeutung ‘solcher’ ausdrücken will, sagt man einfach <em>so einer</em>.</p>
<p>Heute Nacht werde ich ruhig schlafen können.</p>
<p><!--more--><br />
<span style="color:#888888;">Fußnoten:<br />
<a name="1"><sup>1</sup></a> Ihr seht, dass auch <em>des </em>‘das’ benutzt wird – das Verhältnis von <em>der</em>, <em>die</em>, <em>des </em>zu <em> seller</em>,<em> selli</em>, <em>sell</em> kann man nicht mit dem der hochdeutschen Formen gleichsetzen, aber tendenziell bezeichnen <em>seller</em>,<em> selli</em>, <em>sell</em> entferntere Dinge und Konzepte als  <em>der</em>, <em>die</em>, <em>des</em>.<br />
<a name="2"><sup>2</sup></a> Nach Kluge kommt <em>solch </em>von <em>so</em>+<em>lich</em>, wobei <em>lich</em> ‘Körper, Gestalt’ hieß, also wörtlich ‘sogestalt’ oder freier ‘so geartet’. (Über die Entwicklung von <em>lich</em> habe ich schon einmal geschrieben: <a href="http://schplock.wordpress.com/2009/06/11/fronleichnam-front-den-leichen/" target="_blank">Fronleichnam frönt den Leichen</a>)<br />
<a name="3"><sup>3</sup></a> Der Buchstabe &#60;w&#62; entstand aus &#60;uu&#62;.</span></p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Bratwurst]]></title>
<link>http://gmeder.wordpress.com/2009/07/25/bratwurst/</link>
<pubDate>Sat, 25 Jul 2009 15:45:08 +0000</pubDate>
<dc:creator>gmeder</dc:creator>
<guid>http://gmeder.wordpress.com/2009/07/25/bratwurst/</guid>
<description><![CDATA[Trotz vielfacher Konkurrenz wie Pizza, Döner und Gyros behauptet sich die Bratwurst hartnäckig als t]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Trotz vielfacher Konkurrenz wie Pizza, Döner und Gyros behauptet sich die Bratwurst hartnäckig als typisch deutscher Imbiss.</p>
<p>Auch wenn die Wurst gebraten oder doch zum braten verkauft wird, ist die Herkunft des Wortes <em>Bratwurst </em>keinesfalls so nahe liegend, wie es auf dem ersten Blick scheint: die Bezeichnung bezieht sch nämlich nicht auf die Art der Zubereitung, sondern der Wortteil <em>Brat- </em>geht auf das althochdeutsche Wort <em>brato</em>, zurück. Dies bedeutet soviel wie &#8220;pures Fleisch&#8221;.<br />
Das neuhochdeutsche Wort <em>Brät</em>, das im süddeutschen Raum verbreitet ist, bedeutet „Fleisch ohne Speck und Knochen“.<br />
<em>Bratwurst </em>ist also eine Bezeichnung nach dem Hauptbestandteil der Füllung, wie bei Leberwurst und Blutwurst.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[ent-linearisieren oder de-linearisieren]]></title>
<link>http://gmeder.wordpress.com/2009/07/23/ent-linearisieren-oder-de-linearisieren/</link>
<pubDate>Wed, 22 Jul 2009 22:23:44 +0000</pubDate>
<dc:creator>gmeder</dc:creator>
<guid>http://gmeder.wordpress.com/2009/07/23/ent-linearisieren-oder-de-linearisieren/</guid>
<description><![CDATA[Stephan Magnus fragte im twitter (www.twitter.com/stephmag) ob es De- oder Entlinearisierung heißt. ]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Stephan Magnus fragte im twitter (www.twitter.com/stephmag) ob es <em><strong>De- </strong></em>oder <em><strong>Ent</strong>linearisierung</em> heißt. Zur Beantwortung dieser Frage ist zunächst festzuhalten, dass es bei diesen beiden Nomen (Substantiven) um Nominalisierungen der entsprechenden Verben handelt.</p>
<p>Das zugrunde liegende Verb ist <em>linearisieren. </em>Die beiden &#8220;Silben&#8221; <em>de- </em>und <em>ent- </em>sind Worbildungsmorpheme mit eigener Bedeutung bzw. modifizierender Wirkung auf die Bedeutung des Verb-Morphems. Zur Entscheidung der Frage müssen wird uns der Bedeutung der beiden Wortbildungsmorpheme zuwenden.</p>
<p>Einschlägige Quellen (s.u.) stellen fest, dass die beiden Wortbildungsmorpheme bei Verben folgende Bedeutung haben</p>
<blockquote><p><em>-de</em><br />
drückt aus, dass etw. aufgehoben, rückgängig gemacht wird; es beschreibt eher einen Gegensatz oder  das andere Ende einer Skala.</p>
<p><em>-ent<br />
</em>drückt aus, dass etwas in den Anfangszustand zurückversetzt bzw. rückgängig gemacht wird. <em>Ent- </em>macht aus einem Verb ein sog. deprivates Verb. Ein Verb also, dessen Bedeutung mit durch &#8220;beseitigen von etwas&#8221; beschrieben werden kann.</p></blockquote>
<p>Interessant ist, dass durch die Nominalisierung eine weitere Bedeutungsunterscheidung hinzu kommt:</p>
<blockquote><p><em>De-<br />
</em>in Verbindung mit Nomen (auch nominalisierte Verben) bezeichnet ggf. zusätzlich das Ergebnis des Rückgängigmachens eines Vorgangs</p></blockquote>
<p>Wenn also das Ergebnis einer Operation/Tätigkeit die das Linearieren wieder Rückgängig macht beschrieben werden soll, müssten es <em><strong>De</strong>linearisierung</em> heißen. Es scheint überhaupt so zu sein, dass <em><strong>De</strong>linearisierung </em>verwendet werden sollte, wenn etwas wieder in seinen ursprünglichen nicht-linearen Zustand zurückgeführt werden soll.</p>
<p><em><strong>Ent</strong>linearisierung </em>sollte verwendet werden, wenn der ursprünglich lineare Zustand in in einen nicht-linearen Zustand überführt werden soll.</p>
<p>Eine andere Möglichkeit der Aufklärung wäre, deskriptiv vorzugehen, d.h. in einem ausreichend großen Textkorpus zu untersuchen, wie die Verwendung der beiden beiden Wörter ist. Leider hat meine Anfrage bei den Textkorpora des IDS (Institut für deutsche Sprache) ergeben, dass die beiden Wörter nicht vorkommen. So kann also nicht untersucht werden, in welcher Bedeutung und in welcher Verteilung die beiden Wörter vorkommen. Wir müssen uns also auf die Beschreibungen in der linguistischen Literatur (präskriptiv) verlassen. Tröstlich ist, dass sich die konsultierte Literatur wenigsten nicht widerspricht.</p>
<p>Quellen</p>
<p>DUDEN Deutsches Universalwörterbuch.<br />
Engel, Ulrich: Deutsche Grammatik.<br />
Genzmer, Herbert: Deutsche Grammatik.<br />
Bußmann, Hadumod: Lexikon der Sprachwissenschaft.</p>
<p>IdS: Projekt OWID. <a href="http://www.owid.de" target="_blank">www.OWID.de</a></p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Fronleichnam frönt den Leichen]]></title>
<link>http://schplock.wordpress.com/2009/06/11/fronleichnam-front-den-leichen/</link>
<pubDate>Thu, 11 Jun 2009 13:17:18 +0000</pubDate>
<dc:creator>Kristin</dc:creator>
<guid>http://schplock.wordpress.com/2009/06/11/fronleichnam-front-den-leichen/</guid>
<description><![CDATA[Fronleichnam als (katholischen) Feiertag gibt es seit 1246 immer am zweiten Donnerstag nach Pfingste]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Fronleichnam als (katholischen) Feiertag gibt es seit 1246 immer am zweiten Donnerstag nach Pfingsten. Das Fest ist auf keinen konkreten biblischen Anlass zurückzuführen – gefeiert wird die körperliche Gegenwart Jesu in Hostie und Messwein bei der Wandlung. (Stichwort <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Transsubstantiationslehre" target="_blank">Transsubstantiation</a>)</p>
<p>Es handelt sich mal wieder um einen Feiertag, dessen Etymologie im Religionsunterricht alljährlich durchgekaut wurde – aber den fern vom katholischen Glauben Aufgewachsenen unter Euch kann ich vielleicht noch was Neues erzählen. Dazu werde ich das Wort <em>Fronleichnam</em> einmal auseinandernehmen &#8230;</p>
<div id="attachment_877" class="wp-caption aligncenter" style="width: 455px"><img class="size-full wp-image-877" title="2009-06-11-fronleichnam2" src="http://schplock.wordpress.com/files/2009/06/2009-06-11-fronleichnam2.jpg" alt="2009-06-11-fronleichnam2" width="445" height="252" /><p class="wp-caption-text">Das ware noch Zeiten, als zu Fronleichnam die Sonne schien ...</p></div>
<h2><span style="color:#ff6600;"><strong>Fron</strong></span>leichnam und <span style="color:#ff6600;"><strong>Fron</strong></span>dienst</h2>
<p>Das Erstglied <em>Fron</em> gibt es als eigenständiges Wort kaum noch. Wie das gleichbedeutende<em> Frondienst</em> ‘<span style="font-size:x-small;"><a href="http://de.encarta.msn.com/encyclopedia_721542679/Fron.html" target="_blank">zwangsweise Dienstleistungen in Form von körperlichen Arbeiten für unterschiedliche Herrschaftsträger</a>’ </span>steht es zwar im <a href="http://www.canoo.net/services/Controller?service=inflection&#38;input=fron&#38;" target="_blank">Wörterbuch</a>, wird aber viel seltener benutzt als letzteres. Bei Google habe ich für <em>Fron</em> quasi keine modernen Verwendungen gefunden. Für <em>Frondienst</em> schon:</p>
<blockquote><p><em>&#8220;Der Samstag sollte im Bedarfsfall wieder Werktag ohne Zuschläge sein. Die Leute gehen doch eigentlich gern zur Arbeit, das ist doch kein <strong>Frondienst</strong>&#8220;, sagte von Pierer der &#8220;Bild&#8221;-Zeitung</em>. (<a href="http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,265933,00.html" target="_blank">Manager Magazin</a>)</p>
<p><em>Private Altersvorsorge im<strong> Frondienst </strong>für die öffentliche Hand</em> (<a href="http://de.news.yahoo.com/9/20080907/foto/ppl-private-altersvorsorge-fc863309e554.html" target="_blank">Yahoo Nachrichten</a>)</p></blockquote>
<p>In der Schweiz wird <em>Frondienst </em>ganz neutral benutzt, für ‘freiwilliger Arbeitseinsatz’:</p>
<blockquote><p><em>Jeder geleistete<strong> Frondienst</strong>-Halbtag wird auf unserem <strong>Frondienst</strong>-Ausweis vermerkt. Für zehn <strong>Frondienst</strong>-Halbtage gibt es eine Gratis-Übernachtung in einer unserer Clubhütten für zwei Personen</em>. (<a href="http://www.sac-bluemlisalp.ch/index.php?id=108" target="_blank">Schweizerischer Alpinclub Sektion Blümlisalp</a>)</p>
<p><em><strong>Frondienst </strong>durch Vereinsmitglieder und weitere Interessierte ist einer der Stützpfeiler des Typoramas</em>. (<a href="http://www.typorama.ch/index.php?show=62" target="_blank">Typorama</a>)</p></blockquote>
<p>Was war aber die ursprüngliche, wörtliche Bedeutung?</p>
<p>Die Basis bildet das althochdeutsche <em>frō</em> ‘Herr’<a href="http://schplock.wordpress.com/2009/06/11/fronleichnam-front-den-leichen/#1"><sup>1</sup></a>, beziehungsweise dessen Genitiv Plural, <em>fr</em><em><em>ōno</em> </em>‘der Herren/der Götter’. Diese Genitivform konnte auch als Adjektiv gebraucht werden und hieß dann ‘rechtlich, gerichtlich, öffentlich’ (bezogen auf den weltlichen Herren und seinen Machtbereich) oder ‘göttlich’.</p>
<p>Die weltliche Bedeutung führte zu Wörtern wie <em>Fronbote</em> ‘Gerichtsbote’ und <em>Frondienst</em> ‘Herrendienst’ (daraus verkürzt dann <em>Fron</em>). Auch das deutsche Wort<em> frönen </em>ist mit <em>Fron</em> eng verwandt (es hieß ursprünglich ‘dienen, unterworfen sein’).</p>
<p>Die religiöse Bedeutung bescherte uns <em>Fronleichnam</em>.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-878" title="2009-06-11-fronleichnam" src="http://schplock.wordpress.com/files/2009/06/2009-06-11-fronleichnam.jpg" alt="2009-06-11-fronleichnam" width="445" height="212" /></p>
<h2>Herz<span style="color:#ff6600;"><strong>lich</strong></span>en Fron<span style="color:#ff6600;"><strong>leich</strong></span>nam!</h2>
<p>Also heißt <em>Fronleichnam </em>‘göttlicher Leichnam/Leichnam des Herren’? Nein, das ist noch nicht die ganze Wahrheit. Das Zweitglied hatte früher einmal eine andere Bedeutung: Im Alt- und Mittelhochdeutschen gab es das Wort <em>l</em><em>ī</em><em>ch</em> ‘Körper, Fleisch, Leiche’, und von ihm abgeleitet die Form <em>l</em><em>ī</em><em>ch-hinamo </em>‘Körper’. Das <em>hinamo</em> kommt vom westgermanischen <em>ham<em>ō</em>n </em>‘Hülle, Kleidung, Leib’. Die Verbindung der beiden Wörter war wahrscheinlich ursprünglich poetisch und hieß so etwas wie ‘Hülle des Fleisches’ oder ‘Gefäß des Lebens’ und somit letztlich ‘Körper’.</p>
<p>Das Wort <em>Körper</em> gibt es erst seit dem Mittelhochdeutschen (<a href="http://schplock.wordpress.com/2009/06/01/von-pentekoste-zu-pfingsten/" target="_blank">denn es hat ja ein p!</a>). Es war eine Entlehnung des lateinischen <em>corpus</em> und verdrängte das bis dahin übliche <em>l</em><em>ī</em><em>ch. </em>Erhalten hat es sich dann nur in der früheren Nebenbedeutung ‘toter Körper, Leiche’.</p>
<p>Fronleichnam heißt somit ‘Körper/Leib des Herren’ und ist eine Teilübersetzung der lateinischen Festbezeichnung <em>corpus christi</em> ‘Körper/Leib Christi’. Der Bezug zum Gefeierten wird sofort klar: Es geht ja um die körperliche Präsenz in der Eucharistie.</p>
<p>Ende gut, alles gut? Ja, aber eines muss ich doch noch schnell loswerden: Das alte Wort <em>l</em><em>ī</em><em>ch</em> ‘Körper, Fleisch, Leiche’ hat noch eine andere Entwicklung mitgemacht. Es konnte an ein anderes Wort (x) angehängt werden, das dann die Bedeutung ‘einer, dessen Körper/Gestalt x ist’ bekam. Nach und nach wurde -<em>līch </em>dann zu einer reinen Adjektivendung, ‘etwas, das in der Art von x ist’: <em>fröh-lich</em>,<em> freund-lich</em>, <em>herz-lich</em>, &#8230; Dabei verlor es auch sein langes <em>ī </em>und ist heute nur noch ein kurzes -<em>lich</em>. Durch das <em>i</em> in der Endung gab es, <a href="http://schplock.wordpress.com/2009/04/29/tagesmus-und-gezirkumfixe/" target="_blank">wo möglich, Umlaut</a>:<em> gründ-lich</em>, <em>höf-lich</em>,<em> schwärz-lich</em>.</p>
<p><!--more-->Fußnote:<br />
<a name="1"><sup>1</sup></a>Das Wort ist eng verwandt mit dem von ihm abgeleiteten<em> Frau</em>, althochdeutsch <em>frouwa</em>.</p>
<p style="position:relative;">
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[[Lesetipp] Mein Name ist Hasentochter]]></title>
<link>http://schplock.wordpress.com/2009/05/15/lesetipp-mein-name-ist-hasentochter/</link>
<pubDate>Thu, 14 May 2009 22:07:02 +0000</pubDate>
<dc:creator>Kristin</dc:creator>
<guid>http://schplock.wordpress.com/2009/05/15/lesetipp-mein-name-ist-hasentochter/</guid>
<description><![CDATA[Bei der FAZ gab&#8217;s am Dienstag einen schönen Artikel zu Namengebung in Island: Egils Töchter un]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Bei der FAZ gab&#8217;s am Dienstag einen schönen Artikel zu Namengebung in Island: <a href="http://www.faz.net/s/RubCD175863466D41BB9A6A93D460B81174/Doc~EB5521C82A31A45B7B064C1028BADBCF5~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank">Egils Töchter und Helgas Sohn</a>.</p>
<p>In Island trägt man nämlich normalerweise keinen Familiennamen, sondern einen Vaters- oder Muttersnamen. An den Vornamen eines Elternteils (früher war es immer der Name des Vaters, mittlerweile ist auch der der Mutter möglich) wird einfach -<em>dóttir</em> ‘-tochter’ bzw. -<em>son</em> ‘-sohn’ angehängt. Einen solchen Namen bezeichnet man als “Beinamen”.</p>
<p>Zur allgemeinen Verwirrung habe ich ein Schema gebastelt, das die möglichen Kombinationen darstellt. Oben die Eltern (der Übersichtlichkeit halber ohne Beinamen), unten die Kinder (<em>Helga</em> und <em>Ragnar</em> sind ihre Rufnamen).<em> </em>Die Pfeile von den Vornamen der Kinder aus zeigen an, dass das Zweitglied des Beinamens durch das Geschlecht bestimmt wird (was ja eigentlich logisch ist):</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-773" title="2009-05-isl" src="http://schplock.wordpress.com/files/2009/05/2009-05-isl1.png" alt="2009-05-isl" width="445" height="172" /></p>
<p>Im Telefonbuch sind die Isländer unter ihren Vornamen zu finden. Möglich ist das natürlich nur, weil Island so überschaubar ist – Familiennamen entstanden nämlich in den meisten Ländern als Reaktion auf die wachsenden Bevölkerungszahlen.</p>
<p>Der Artikel erklärt auch, was passiert, wenn Ausländer Isländer werden wollen, warum manche Isländer doch einen Familiennamen haben und was es mit den “Mittelnamen” auf sich hat. Lesenswert!</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Ein Rohling muss kein Wüstling sein]]></title>
<link>http://schplock.wordpress.com/2009/05/13/ein-rohling-muss-kein-wustling-sein/</link>
<pubDate>Tue, 12 May 2009 22:18:04 +0000</pubDate>
<dc:creator>Kristin</dc:creator>
<guid>http://schplock.wordpress.com/2009/05/13/ein-rohling-muss-kein-wustling-sein/</guid>
<description><![CDATA[Das versprochene zweite Computerwort − diesmal viel alltäglicher: Rohling. Eine unbeschriebene CD od]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Das versprochene zweite Computerwort − diesmal viel alltäglicher: <em>Rohling</em>. Eine unbeschriebene CD oder DVD. Ich kenne das Wort schon ewig und habe noch nie darüber nachgedacht, aber kürzlich war mir meditativ zumute:</p>
<p><em>Rohling</em> ist eine Wortbildung auf -<em>ling</em> wie <em>Abkömmling</em>, <em>Erstling</em>, <em>Sonderling</em>, <em>Günstling</em>, <em>Däumling</em>, <em>Schädling</em>,<em></em><em> Flüchtling </em>&#8230;</p>
<h2>Wen mögen die Linge?</h2>
<p>Das Suffix -<em>ling</em> sorgt dafür, dass das Wort, an das es angehängt wird, ein Substantiv wird. Dabei ist die Ausgangsbasis ziemlich egal, das -<em>ling </em>gibt es bei vielen Wortarten:</p>
<table border="0">
<tbody>
<tr bgcolor="#6495ed">
<td>Substantiv</td>
<td><em>Hof</em></td>
<td>→ <em>Höfling</em></td>
</tr>
<tr bgcolor="#ff8c00">
<td>Adjektiv</td>
<td><em>schwach</em></td>
<td>→ <em>Schwächling</em></td>
</tr>
<tr bgcolor="#00ff00">
<td>Verb</td>
<td><em>saugen</em></td>
<td>→ <em>Säugling</em></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>(Wie man sieht, gibt es in der Regel <a href="http://schplock.wordpress.com/2009/04/29/tagesmus-und-gezirkumfixe/" target="_blank">Umlaut, wegen dem [i] </a>in -<em>ling</em>.)</p>
<h2>Wirklich jeden?</h2>
<p>Jein. Substantivierungen mit -<em>ling</em> gibt es zwar zu verschiedenen Wortarten, aber ganz wichtig für die Zuneigung der Linge ist natürlich, welche Wortarten sie <strong>heute</strong> noch mögen. Neubildungen nach dem Muster von<em> Häuptling</em> oder<em> </em><em>Lehrling</em> gibt es heute quasi nicht mehr<a href="http://schplock.wordpress.com/2009/05/13/ein-rohling-muss-kein-wustling-sein/#1"><sup>1</sup></a>, die <em>Schwächlinge</em> hingegen blühen auf: Das Suffix kann mittlerweile (fast) nur noch an Adjektive treten. Der <a href="http://www.duden.de/deutsche_sprache/sprachberatung/newsletter/archiv.php?id=217#gewusst" target="_blank">Duden-Newsletter</a> gibt z.B.<em> Naivling </em>und <em>Primitivling</em> als Neuschöpfungen an.</p>
<h2>Und wer sind sie überhaupt?</h2>
<p>Die Linge sind vielseitig. Es gab sie schon im Althochdeutschen und sie bildeten damals laut Kluge “Zugehörigkeitssubstantive”. Der<em> Häftling</em> gehört also in die <em>Haft</em>, der <em>Hänfling</em> in den <em>Hanf</em>, der <em>Fremdling</em> in die <em>Fremde</em> und der <em>Fäustling</em> an die <em>Faust</em>. Jagut. Sehr allgemein.</p>
<p>Die Bildungen gehen auf ein -<em>ing</em> zurück, z.B. in<em> edil</em>+<em>ing</em>,<em> lantsidil</em>+<em>ing</em> ‘Landsasse’. Das <em>l</em> im Auslaut solcher Wörter wurde dann als Teil der Endung reanalysiert, -<em>ing</em> wurde zu -<em>ling</em>.</p>
<p>Die entstandenen Substantive sind größtenteils<strong> Menschen</strong> (<em>Sprössling</em>, <em>Liebling</em>, <em>Fremdling</em>, <em>Eindringling</em>, <em>Zögling</em>), es sind aber auch <strong>Tiere </strong>dabei (<a href="http://schplock.wordpress.com/2008/12/25/buchtipp-tauschende-worter/" target="_blank"><em>Schmetterling</em></a>, <em>Frischling</em>, <em>Nestling</em>, <em>Sperling</em>), gelegentlich <strong>Pflanzen </strong>(<em>Pfifferling</em> <span style="color:#888888;">&#60; mhd. <em>pfefferlinc</em> zu <em>Pfeffer</em></span>, <em>Schößling</em>, <em>Schierling </em><span style="color:#888888;">&#60; ahd. <em>skeriling</em> zu *<em>skarna</em>- ‘Mist’</span>) und sogar <strong>Dinge </strong>(<em>Schilling</em>, <em>Fäustling</em>) und <strong>Abstrakta </strong>(<em>Frühling</em>).</p>
<h2>Linge sind doof!</h2>
<p>Die heute noch produktiven Substantive auf -<em>ling</em> sind i.d.R. abwertende Personenbezeichnungen (fast ausschließlich für Männer verwendbar), meistens sucht man sich für sie auch gleich negative Basen aus, wie <em>Aggressivling</em>, <em>Aufdringling</em>, &#8230;</p>
<p>Diese negative Wertung ist sehr stark, es gibt keine positiven neuen Linge. Das böse Vorurteil wird aber natürlich nicht von allen älteren Bildungen geteilt, die Bezeichnungen für Nicht-Menschen sind neutral, die für Menschen können negativ sein, müssen es aber nicht. (<a href="http://abcypsilon777.blog.de/2006/10/13/mittagsplausch_mit_frau_nettesheim_die_w~1216721/">Ein netter Dialog zum Thema.</a>) Vielleicht ist die abwertende Bedeutung über den Zwischenschritt der Verkleinerung entstanden (wie bei <em>Säugling </em>oder auch den Tierjungen – <em>Frischling</em> – oder kleinen Tieren – <em>Sperling</em>, <em>Bläuling</em>). <a href="http://books.google.de/books?id=YUGl7F-vTq0C&#38;pg=PA968&#38;lpg=PA968&#38;dq=suffix+ling+produktivit%C3%A4t&#38;source=bl&#38;ots=pC_nJGJZBT&#38;sig=-fwi0jNrVoBzHGGtHyKqi_deHU8&#38;hl=de&#38;ei=xroJSvrlMsWF_QaF1JmMCw&#38;sa=X&#38;oi=book_result&#38;ct=result&#38;resnum=10#PPA968,M1" target="_blank">Weinrich et al. </a>(2003) sind der Meinung, dass die negative Bedeutung zunächst nur im negativen Adjektiv steckte und von dort aus quasi auf die Endung überging, die sich dann auch an neutrale Wörter hängen konnte, um sie schlecht zu machen: <em>Schreiberling</em>. Leider erschöpfen sich meine kursorischen Nachforschungen aus Zeitgründen hier.</p>
<h2>Ist ein Rohling brutal?</h2>
<p>Jetzt aber endlich zur unbeschriebenen CD! Das Wort <em>Rohling</em> gab es schon lange vor den CDs in Nicht-Computerbedeutung, und zwar gleich doppelt:</p>
<ol>
<li>ein brutaler Mensch</li>
<li>“<em>Guß- oder Schmiedeteil, der zum Werkstück weiterverarbeitet wird</em>.” (aus: Das neue Taschenlexikon in 20 Bänden, 1992)</li>
</ol>
<p>Hier ist schön zu erkennen, dass das Wort einmal negativ ist (wenn es einen Menschen bezeichnet) und einmal neutral (bei einem Ding).</p>
<p>Ob die beiden Bedeutungen auf eine Ursprungsform zurückgehen (d.h. von einem Objekt auf einen Menschen übertragen), konnte ich nicht herausfinden, sie können durchaus unabhängig voneinander gebildet worden sein. Grimms Wörterbuch kennt nur den groben Menschen (und gleichnamige Pilze und Frösche), was aber wegen der technischeren Bezeichnung des Metallteils nicht viel heißen muss:<a href="http://www.woerterbuchnetz.de/woerterbuecher/dwb/wbgui?lemid=GR06762" target="_blank"><em class="lemma"></em></a></p>
<blockquote><p><a href="http://www.woerterbuchnetz.de/woerterbuecher/dwb/wbgui?lemid=GR06762" target="_blank"><em class="lemma">RÖHLING</em></a>, <em>m.</em>, <em>auch</em> rohling, <em>homo rudis, gebildet wie</em> frischling, neuling. <em>bei</em> <em class="i">M</em><em class="t">AALER</em> <em>der ihm eigenen form</em> rouw <em>entsprechend</em> röuwling (<em>der</em>) <em>ferus</em> (<em>vgl.</em> roh I): die witwe merkte wohl, wo es den rohling drückte. <em class="i">K</em><em class="t">LINGER</em> 6, 215;</p></blockquote>
<p>Trotz Unergiebigkeit der Literatur (Das Taschenlexikon kennt ihn noch nicht, Wikipedia ist ungewöhnlich kurz angebunden und Kluge gibt erst recht nichts her) wage ich es zu behaupten, dass der CD-Rohling wohl von der zweiten Bedeutung herkommt. Ebenso wie das Metallteil ist die unbeschriebene CD für unsere Zwecke “formbar” und erhält erst so ihre Bedeutung. Erscheint mir sehr plausibel. Auch wenn die gewalttätige Erklärung irgendwie schöner wäre.</p>
<p><span class="lemma">Welche</span><a href="http://www.woerterbuchnetz.de/woerterbuecher/dwb/wbgui?lemid=GR06762" target="_blank"></a><em class="lemma"> </em><span class="lemma">Linge kennt Ihr?</span><a href="http://www.woerterbuchnetz.de/woerterbuecher/dwb/wbgui?lemid=GR06762" target="_blank"><em class="lemma"><br />
</em></a></p>
<p><!--more--><span style="color:#888888;">Fußnote:</span><br />
<span style="color:#888888;"><a name="1"><sup>1</sup></a>Gegenbeispiele (?): <em><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Teigling" target="_blank">Teigling</a></em> ‘Aufbackwar<span>e in rohem Zustand’</span>, <em>Anlernling </em>‘<span>Arbeiter, Angestellter mit Kurzausbildung’</span></span></p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Tagesmus und Gezirkumfixe]]></title>
<link>http://schplock.wordpress.com/2009/04/29/tagesmus-und-gezirkumfixe/</link>
<pubDate>Wed, 29 Apr 2009 20:43:19 +0000</pubDate>
<dc:creator>Kristin</dc:creator>
<guid>http://schplock.wordpress.com/2009/04/29/tagesmus-und-gezirkumfixe/</guid>
<description><![CDATA[Mein HiWi-Job mit Otfrid neigt sich dem Ende zu – eines meiner Fundstücke zum Abschluss: Verse: 95 I]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Mein HiWi-Job mit <a href="http://titus.uni-frankfurt.de/texte/etcs/germ/ahd/otfrid/otfri.htm" target="_blank">Otfrid</a> neigt sich dem Ende zu – eines meiner Fundstücke zum Abschluss:</p>
<blockquote><p>Verse: 95    Innan thés batun thár   \   thie júngoron then méistar,<br />
Verse: 96    tház er thar gisázi   \   zi <strong>dágamuase</strong> inti ázi.</p>
<p>[<em>Indessen baten da die Jünger den Meister, dass er sich dort zum <strong>Frühstück</strong> hinsetzen und essen möge</em>.]</p>
<p>(Otfrid von Weissenburg, Evangelienbuch 2, Kapitel 14)</p></blockquote>
<p>Das Frühstück war ein “Tages<strong>mus</strong>” und bietet einen schönen Anlass dafür, sich mit dem Wort <em>Mus</em> einmal näher zu befassen. Im Althochdeutschen hieß <em>muos</em> (oder, wie hier, <em>muas </em>geschrieben) noch ‘Essen, Speise, Mus’, vom westgermanischen <em>*môsa</em>- ‘Zukost’. Wahrscheinlich war es eine Ableitung von *<em>mati</em>- Speise’ (darauf geht z.B. das englische <em>meat </em>‘Fleisch’ zurück). Heute bezeichnet es in der Standardsprache ‘Obstbrei’, regional kann es aber auch für ‘Gemüse’ stehen.</p>
<h2>Gemüse ist ein Mus(s)</h2>
<p>Ja, genau, <em>Gemüse</em> &#8230; das kommt auch von <em>Mus</em> und hieß zuerst ‘Brei, zerkleinerte Nahrung’, dann ‘pflanzliche Nahrung, essbare Pflanzen’. Von <em>Mus </em>zu <em>Gemüse</em> kommt man übrigens ganz leicht, nämlich mit dem Zirkumfix <em>gi</em>-X-<em>i</em>.</p>
<p>Ein “Zirkumfix” ist ein Element, das ein Wort von beiden Seiten umklammert. Da wo ich das X eingesetzt habe, konnten vor langer, langer Zeit einmal alle möglichen Substantive eingesetzt werden. Das so neugebildete Wort hatte auch eine neue Bedeutung: ‘Menge/Gruppe/Gesamtheit von X’. Solche Wörter nennt man daher “Kollektivbildungen” oder “Kollektiva” und man kann sie auch heute noch massenweise im Deutschen finden.<a href="http://schplock.wordpress.com/2009/04/29/tagesmus-und-gezirkumfixe/#1"><sup>1</sup></a></p>
<table border="0" align="right">
<tbody>
<tr>
<td bgcolor="#dddddd">Berg – Gebirge<br />
Feder – Gefieder<br />
Feld – Gefilde<br />
Schwester – Geschwister<br />
Stern – Gestirn<br />
Wetter – Gewitter</td>
</tr>
<tr>
<td bgcolor="#dddddd">Mauer – Gemäuer<br />
Ast – Geäst<br />
Wasser – Gewässer<br />
Bau – Gebäude<br />
Blut – Geblüt<br />
Fall – Gefälle<br />
Faß – Gefäß<br />
Haus – Gehäuse<br />
Hag – Gehege<br />
Land – Gelände<br />
Pack – Gepäck<br />
Wurz – Gewürz<br />
Zucht – Gezücht</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Durch die lange Zeit, die seit ihrer Bildung vergangen ist, haben viele dieser Kollektiva allerdings mittlerweile ganz andere Bedeutungen.</p>
<p>Wenn man sich die beiden Gruppen rechts anschaut, fällt schnell etwas auf: In der ersten Gruppe findet sich im Kollektivum immer ein <em>i</em>, wo in der Ausgangsform ein <em>e </em>steht. Das hat einen einfachen Grund:</p>
<h2><a name="3">Lustiges Lauteheben bei den Westgermanen</a></h2>
<p>Die Westgermanen hatten ein lustiges Lautgesetz namens “Westgermanische Hebung” (oder<em> </em>“<em>i</em>-Umlaut”), das besagte: Wenn in der betonten Silbe ein <em>e</em> steht und in der darauffolgenden Silbe ein <em>i</em>, <em>j</em> oder <em>u</em>, dann wird das <em>e </em>zum <em>i</em>.</p>
<ol>
<li><em>berg</em> → wird abgeleitet mit dem Zirkumfix: <em>gi</em>-<em>berg</em>-<em>i</em></li>
<li><em>gi</em>-<em>b<span style="color:#ff6600;"><strong>e</strong></span>rg</em>-<em><strong><span style="color:#00ff00;">i</span></strong></em> enthält in der betonten Silbe ein <em><span style="color:#ff6600;">e</span></em> und in der Folgesilbe ein <em><span style="color:#00ff00;">i</span></em></li>
<li>Das <em><span style="color:#00ff00;">i</span></em><span style="color:#000000;"> verwandelt</span><span style="color:#000000;"> das </span><em><span style="color:#ff6600;">e<strong> </strong></span></em><span style="color:#ff6600;"><span style="color:#000000;">ebenfalls in ein </span></span><em><span style="color:#00ff00;">i</span></em></li>
<li><span style="color:#000000;">Das Ergebnis: <em>gib<span style="color:#00ff00;"><strong>i</strong></span>rg<span style="color:#00ff00;"><strong>i</strong></span></em></span></li>
</ol>
<p>Wem das verdächtig nach <a href="http://schplock.wordpress.com/2009/03/02/ach-ich-und-die-kirschen-teil-1/" target="_blank">Assimilation</a> klingt, der hat recht: <span style="color:#000000;">Das Lautgesetz nennt sich nicht umsonst Hebung. </span><em>i</em>, <em>j</em> und <em>u</em><span style="color:#000000;">, die auslösenden Laute, werden ganz oben im Mundraum gebildet, <img class="alignleft size-medium wp-image-694" title="2009-04-29-wghebung" src="http://schplock.wordpress.com/files/2009/04/2009-04-29-wghebung.png?w=240" alt="2009-04-29-wghebung" width="240" height="300" /><em>e</em>, wie man sieht, etwas weiter unten. </span></p>
<p><span style="color:#000000;">Jetzt üben aber die Folgelaute einen enormen Druck auf das <em>e </em>aus, sie brüllen ununterbrochen “Komm her zu mir, komm her zu mir!” und schließlich gibt das <em>e</em> nach. Es lässt sich nach oben heben und wird damit zum <em>i</em>. Ein klarer Fall von vorauseilendem Gehorsam und ein triumphaler Sieg für die faule Zunge.</span></p>
<h2><a name="4">Was ihr könnt, können wir schon lange!</a></h2>
<p>Ein Blick auf die zweite Gruppe von Wörtern zeigt, dass die Westgermanische Hebung nicht alles erklären kann: Woher kommen all die Umlaute? Aus dem Althochdeutschen! Auch<em> a</em>, <em>o</em> und <em>u </em>wollten sich verändern, also kam es, schwupps, zum Primär- und Sekundärumlaut.<a href="http://schplock.wordpress.com/2009/04/29/tagesmus-und-gezirkumfixe/#2"><sup>2</sup></a><br />
Die Regel war ganz ähnlich: Wenn in der betonten Silbe <em>a</em>, <em>o</em> oder <em>u</em> standen und in der darauffolgenden Silbe ein <em>i </em>oder <em>j</em>, wurden die Laute zu <em>ä</em>, <em>ö</em> oder <em>ü</em>.</p>
<p><span style="color:#000000;">Diesmal ist aber das <em>u</em> kein Auslöser, weshalb man auch nicht von einer Hebung spricht,</span><span style="color:#000000;"><img class="alignright size-medium wp-image-696" title="2009-04-29-umlaut" src="http://schplock.wordpress.com/files/2009/04/2009-04-29-umlaut.png?w=240" alt="2009-04-29-umlaut" width="240" height="300" /></span><span style="color:#000000;"> sondern von einer “Palatalisierung”. Das bedeutet, dass die Laute sich in Richtung des Palatums (das ist der harte Gaumen) verschieben, also nach vorne – dahin, wo die auslösenden Laute (<em>i</em> und <em>j</em>) sitzen. Es wird also aus einem hinteren oder zentralen Vokal (rechts der grauen Linie) ein vorderer Vokal (links der grauen Linie), weil ein vorderer Vokal (das <em>i</em>) laut nach Gesellschaft brüllt.<br />
</span></p>
<p><span style="color:#000000;">Wir haben also wieder:</span></p>
<ol>
<li><span style="color:#000000;">ast </span>→ wird abgeleitet mit dem Zirkumfix: <em>gi</em>-<em>ast</em>-<em>i</em></li>
<li><em>gi</em>-<em><strong><span style="color:#ff6600;">a</span></strong>st</em>-<em><strong><span style="color:#00ff00;">i</span></strong></em> enthält in der betonten Silbe ein <em><span style="color:#ff6600;">a</span></em> und in der Folgesilbe ein <em><span style="color:#00ff00;">i</span></em></li>
<li>Das <em><span style="color:#00ff00;">i</span></em><span style="color:#000000;"> verwandelt</span><span style="color:#000000;"> das </span><em><span style="color:#ff6600;">a<strong> </strong></span></em><span style="color:#ff6600;"><span style="color:#000000;">in ein</span></span><em><span style="color:#00ff00;"> ä</span></em></li>
<li><span style="color:#000000;">Das Ergebnis: <em>gi<span style="color:#00ff00;"><strong>ä</strong></span>st<span style="color:#00ff00;"><strong>i</strong></span></em></span></li>
</ol>
<p><span style="color:#000000;"><span style="color:#00ff00;"><span style="color:#000000;">Wie leicht zu erkennen ist, gab es im Althochdeutschen keine totale Assimilation: <em>ä</em>, <em>ö</em> und <em>ü</em> sind dem <em>i</em> nur ähnlicher als <em>a</em>, <em>o</em> und <em>u</em>, sie sind nicht mit ihm identisch. Daher nennt man den Vorgang auch “partielle Assimilation”.</span></span></span></p>
<p><span style="color:#000000;"><span style="color:#00ff00;"><span style="color:#000000;">Das<em> e </em>in <em>Gehege </em>war übrigens auch mal ein <em>a</em>, es liegt also auch ein Umlaut vor. Warum man es nicht als <em>ä</em> schreibt, ist aber eine andere Geschichte.<br />
</span></span></span></p>
<h2><span style="color:#000000;"><span style="color:#00ff00;"><span style="color:#000000;">Der Narr hat seine Schuldigkeit getan &#8230;</span></span></span></h2>
<p><span style="color:#000000;"><span style="color:#00ff00;"><span style="color:#000000;">Jaja, das auslösende <em>i</em> in der Folgesilbe – wo ist es eigentlich hin? Im Mittelhochdeutschen gab es in den unbetonten Silben ein großes Vokalsterben: Nach und nach wurden alle Vokale abgeschwächt, bis sie am Ende nur noch [ə] waren, wie in <em>g<strong>e</strong>sagt</em>. In vielen Fällen ist dieser reduzierte Laut dann völlig weggefallen. Der Prozess heißt </span></span></span><span style="color:#000000;"><span style="color:#00ff00;"><span style="color:#000000;">“</span></span></span><span style="color:#000000;"><span style="color:#00ff00;"><span style="color:#000000;">Nebensilbenabschwächung</span></span></span><span style="color:#000000;"><span style="color:#00ff00;"><span style="color:#000000;">”</span></span></span><span style="color:#000000;"><span style="color:#00ff00;"><span style="color:#000000;"> und hatte weitreichende Folgen für das komplette Sprachsystem, aber dazu ein andermal. Jetzt gehe ich mein Nachtmus essen.<br />
</span></span></span></p>
<p><span style="color:#888888;"><!--more-->Fußnoten:<br />
<a name="1"><sup>1</sup></a>Es gibt auch <em>Ge</em>-Wörter, die nicht auf alte Kollektiva zurückgehen, sondern z.B. von Verben abgeleitet wurden (</span><span style="color:#888888;">“</span><span style="color:#888888;">Verbalabstrakta</span><span style="color:#888888;">”</span><span style="color:#888888;">) oder “Soziativbildungen” sind, d.h. die Zugehörigkeit zu etwas ausdrücken. Keine Kollektiva sind unter anderen: <em>Geschäft</em>, <em>Gesäß</em>, <em>Gerücht</em>, <em>Geschmack</em>, <em>Geschoß</em>, <em>Gesicht</em>, &#8230;</span><br />
<span style="color:#888888;">Auch alles, was wir heute noch mit <em>Ge</em>-X-<em>e</em> und einem Verbstamm bilden können, sind keine Kollektiva (z.B. <em>Gedisse</em>, <em>Gemobbe</em>, <em>Gechille</em>) sondern Nominalbildungen die eine gewisse negative Einstellung ausdrücken. </span><br />
<span style="color:#888888;">Die Bildung von <em>Ge</em>-Kollektiva ist heute nicht mehr produktiv, man benutzt andere Mittel.</span><br />
<a name="2"><sup>2</sup></a><span style="color:#888888;">Es gibt gute Gründe, diesen Prozess in zwei Teilprozesse zu untergliedern, die aber für unser Gemüse nicht weiter relevant sind. Ich werfe also beide Umlaute zusammen.</span></p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Werbehefter für Motogrossrennen]]></title>
<link>http://schplock.wordpress.com/2009/04/15/werbehefter-fur-motogrossrennen/</link>
<pubDate>Wed, 15 Apr 2009 10:34:41 +0000</pubDate>
<dc:creator>Kristin</dc:creator>
<guid>http://schplock.wordpress.com/2009/04/15/werbehefter-fur-motogrossrennen/</guid>
<description><![CDATA[Neues aus Schuttertal &#8230; nachdem wir alles über am Pascal seine Mutter wissen, geht es heute um]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Neues aus <a href="http://www.schuttertal.de/" target="_blank">Schuttertal</a> &#8230; nachdem wir alles über <a href="http://schplock.wordpress.com/2009/01/16/am-pascal-seine-mutter/" target="_blank">am Pascal seine Mutter</a> wissen, geht es heute um Frau Schwab und das, was sie so macht:<br />
<a href="http://www.schuttertal.de/media/custom/1117_1522_1_k.JPG"><img class="aligncenter" src="http://www.schuttertal.de/media/custom/1117_1522_1_k.JPG" alt="" width="300" height="267" /></a><br />
Nämlich <strong>Werbehefter</strong>.</p>
<p>Im Hochdeutschen gibt es zwar das Wort<em> der Hefter</em> (Plural: <em>die Hefter</em>), das eine <a href="http://images.google.de/images?q=hefter&#38;oe=utf-8&#38;rls=org.mozilla:de:official&#38;client=firefox-a&#38;um=1&#38;ie=UTF-8&#38;sa=N&#38;hl=de&#38;tab=wi" target="_blank">Mappe zum Einheften</a> bezeichnet (oder gelegentlich einen Tacker). Wahrscheinlich wurde es aus dem Verbstamm von <em>heften</em> und der Endung -<em>er</em> gebildet, so wie <em>Bohrer </em>aus <em>bohr<span style="text-decoration:line-through;">en</span></em>+<em>er</em>, <em>Stecker</em> aus <em>steck<span style="text-decoration:line-through;">en</span></em>+<em>er</em>, und so weiter.</p>
<p>Dieses Wort ist hier aber nicht gemeint, es geht vielmehr um Prospekte, also <em>Werbe<strong>hefte</strong></em>. Der Plural auf -<em>er</em> bei diesem Wort ist eine dialektale Eigenheit: <em>Kind</em> – <em>Kinder</em>, <em>Lied</em> – <em>Lieder</em>,<em> Glied</em> – <em>Glieder</em>, &#8230; im Hochdeutschen gibt es eine ganze Gruppe von Wörtern mit Plural auf -<em>er</em>.</p>
<p>In Dialekten gibt es zwar meist dieselben (oder sehr ähnliche) Arten der Pluralbildung, aber es müssen nicht unbedingt dieselben Wörter in diese Gruppen gehören. Im Schuttertal gehört <em>Heft</em> – <em>Hefter</em> ganz regulär zur Gruppe mit -<em>er</em>-Plural, während es im Hochdeutschen zur Gruppe mit -<em>e</em>-Plural gehört (wie <em>Beet<strong>e</strong></em>,<em> </em><em>Stift<strong>e</strong></em>, <em>Weg<strong>e</strong></em>, &#8230;). Auch mit dabei: <em>Stick</em> – <em>Stick<strong>er</strong></em> ‘Stücke’.<a href="http://schplock.wordpress.com/2009/04/15/hefter/#1"><sup>1</sup></a></p>
<p>Gut möglich, dass die Verwendung von <em>Hefter</em> als Plural von <em>Heft</em> noch zusätzlich durch das vorhandene hochdeutsche Wort <em>Hefter</em> gestärkt wird, das ja auch eine sehr ähnliche Bedeutung hat.</p>
<p><span style="color:#ff6600;">[23.4.09: Zu diesem Beitrag gibt es eine <a href="http://schplock.wordpress.com/2009/04/23/schuttertal-revisited/" target="_blank">Ergänzung</a>.]</span></p>
<p><!--more--><span style="color:#888888;">Fußnote:</span><br />
<a name="1"><sup>1</sup></a><span style="color:#888888;">Auch im elsässischen Wörterbuch findet sich hier der -<em>er</em>-Plural: <a href="http://www.woerterbuchnetz.de/woerterbuecher/ewb/wbgui?lemid=ES04930" target="_blank">Stück</a>.</span></p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Wörterbuch der deutschen Wortbildung]]></title>
<link>http://arnaba.wordpress.com/2009/04/10/worterbuch-der-deutschen-wortbildung/</link>
<pubDate>Fri, 10 Apr 2009 06:17:16 +0000</pubDate>
<dc:creator>arnaba</dc:creator>
<guid>http://arnaba.wordpress.com/2009/04/10/worterbuch-der-deutschen-wortbildung/</guid>
<description><![CDATA[Hier finden Sie grafische Darstellungen der Wortbildungszusammenhänge für über 250&#8242;000 deutsch]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Hier finden Sie <strong>grafische</strong> Darstellungen der <strong>Wortbildungszusammenhänge</strong> für über 250&#8242;000 deutsche Schlagwörter mit Links zu den entsprechenden Wortbildungsregeln.</p>
<p><a href="http://www.canoo.net/services/WordformationDictionary/ueberblick/index.html?MenuId=WordFormation2"><img src="http://www.canoo.net/services/WordformationDictionary/images/Wortbildung_478_361.gif" border="0" alt="" width="478" height="361" /></a></p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[AschRmittwoch]]></title>
<link>http://schplock.wordpress.com/2009/02/25/aschrmittwoch/</link>
<pubDate>Wed, 25 Feb 2009 20:24:10 +0000</pubDate>
<dc:creator>Kristin</dc:creator>
<guid>http://schplock.wordpress.com/2009/02/25/aschrmittwoch/</guid>
<description><![CDATA[Aschermittwoch kommt von der Asche, die man auf&#8217;s Haupt streut, soweit, so transparent. Warum ]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Aschermittwoch kommt von der Asche, die man auf&#8217;s Haupt streut, soweit, so transparent. Warum aber <em>Asche<strong>r</strong>mittwoch</em>? Warum nicht <em>Aschenmittwoch </em>oder <em>Aschemittwoch</em>?</p>
<p>Synchron betrachtet, d.h. wenn man nur das heutige Deutsch anschaut, ist es nicht weiter verwunderlich. Ein Verfahren der Wortbildung ist es, zwei Wörter zu einem neuen zusammenzusetzen. Das nennt man &#8220;Komposition&#8221;. Häufig steckt aber zwischen diesen beiden Wörtern noch etwas &#8211; das Fugenelement. Laut Grammatik-Duden kommt es bei 30% der deutschen Wörter vor (allerdings scheint es mir fraglich, wie man die Zahl der deutschen Wörter messen will, da Komposition ja produktiv ist). Fugenelemente nennt man all diese <em>Heizung<strong>s</strong>keller</em>, <em>Rind<strong>er</strong>ställe</em>, <em>Lampe<strong>n</strong>schirme</em> und <em>Donaudampfschifffahrt<strong>s</strong>gesellschaft<strong>s</strong>kapitän<strong>s</strong>mützen</em>.</p>
<p>Vielen von ihnen sieht man ihre Herkunft noch an &#8211; sie sehen alten Genitivformen ähnlich, wie zum Beispiel <em>des Teufels Kerl </em>&#62; <em>Teufelskerl</em>. Die Uminterpretation als Erstglied des Kompositums nennt man &#8220;Reanalyse&#8221;. Heute hat das Fugenelement keine grammatische Funktion mehr.</p>
<p>Allerdings kommen die Fugenelemente bei weitem nicht alle von alten Genitiven &#8211; bei <em>Heizungskeller</em> sieht man es ganz gut, der Genitiv würde <em>der Heizung</em> heißen, im Plural <em>Heizungen</em>. Kein s weit und breit. Es muss nach dem Vorbild anderer Wörter, die ein Genitiv-s hatten, in den Heizungskeller eingewandert sein. (Das nennt man &#8220;Analogie&#8221;.)</p>
<p>Bei <em>Lampenschirm</em> ist es mehr eine Sinnfrage. Zwar heißt es <em>der Lampen</em>, aber ist ein Schirm wirklich für mehrere Lampen da? Doch wohl kaum? Warum hätte es jemand mit dem Plural bilden sollen?</p>
<p>Warum wird also nur der Aschermittwoch dem Vorwurf ausgesetzt, dass er sich zu Unrecht mit seinem r schmückt, wenn doch sehr viele Komposita zu fremdem Material greifen?</p>
<p>Weil er eine alte Form ist. Der Aschermittwoch hatte sein r schon immer. Wie kann das sein, wenn es <em>der Asche</em>, <em>Aschen</em> heißt? Kluge erklärt: Es ist eine regionale Pluralform. Ein Blick ins mittelhochdeutsche Wörterbuch macht nicht viel schlauer &#8211; außer dass <em>Asche</em> damals zwar meist feminin war, aber auch maskulin sein konnte. Ich habe mich auf die Suche gemacht und ins rheinische, pfälzische, elsässische, elsässisch-lothringische und luxemburgische Wörterbuch geschaut &#8211; nichts, immer mit n. Der <a href="http://www.diwa.info" target="_blank">digitale Wenker-Atlas</a> hat auch nicht geholfen, da steht keine Asche drin. Schweren Herzens gebe ich also auf &#8230; zumindest vorerst.</p>
<p>Grimms Wörterbuch kennt mit r übrigens auch <em><a href="http://www.woerterbuchnetz.de/woerterbuecher/dwb/wbgui?lemid=GA05826" target="_blank">Ascherbrödel</a></em>, <em><a href="http://www.woerterbuchnetz.de/woerterbuecher/dwb/wbgui?lemid=GA05828" target="_blank">ascherfarbig</a></em>, <em><a href="http://www.woerterbuchnetz.de/woerterbuecher/dwb/wbgui?lemid=GA05833" target="_blank">Ascherkleid</a></em> und <em><a href="http://www.woerterbuchnetz.de/woerterbuecher/dwb/wbgui?lemid=GA05834" target="_blank">Ascherkuchen</a></em>.</p>
<p>Im rheinischen Wörterbuch von gestern finden sich neben der hochdeutschen Form <em>Aschermittwoch</em> auch r-lose Formen: <em>Öschemeppeg</em> und <em>Äischemettw<span class="overline">o</span>uch</em>.<em></em></p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Liste von Wörterbücher]]></title>
<link>http://korrekturlesen.wordpress.com/2009/02/07/liste-von-worterbucher/</link>
<pubDate>Sat, 07 Feb 2009 08:29:00 +0000</pubDate>
<dc:creator>korrekturlesen</dc:creator>
<guid>http://korrekturlesen.wordpress.com/2009/02/07/liste-von-worterbucher/</guid>
<description><![CDATA[Wörterbücher sind Dinge, die vielmals nützlich sein können. Bei meiner Arbeit habe ich schon viele W]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Wörterbücher sind Dinge, die vielmals nützlich sein können. Bei meiner Arbeit habe ich schon viele Wörterbücher auf Internet gesehen und benutzt, wenn man nicht aber selber suchen ist es sind sehr nützlich auch Liste von Wörterbücher zu haben. Ich gebe ein paar links dazu:</p>
<p>http://www.erlangerliste.de/ressourc/lex.html</p>
<p>Wikipedia ist eine der beste Seiten für mich, weil fast jedes mal man da etwas finden kann, wenn man es braucht. Auch für Wörterbücher gibt es da eine entsprechende hilfreiche Seite:</p>
<p><a title="Wörterbücher" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_bedeutender_W%C3%B6rterb%C3%BCcher">http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_bedeutender_W%C3%B6rterb%C3%BCcher</a></p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Korrektor]]></title>
<link>http://korrekturlesen.wordpress.com/2009/01/24/korrektor/</link>
<pubDate>Sat, 24 Jan 2009 00:20:35 +0000</pubDate>
<dc:creator>korrekturlesen</dc:creator>
<guid>http://korrekturlesen.wordpress.com/2009/01/24/korrektor/</guid>
<description><![CDATA[Bei Korrektor handelt sich um Person, die Dokumenten überprüft und Fehler korrigierst, hinsichtlich:]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Bei <a title="korrektor" href="http://www.optimus-uebersetzung.com/translators.php">Korrektor</a> handelt sich um Person, die Dokumenten überprüft und Fehler korrigierst, hinsichtlich:</p>
<p>- Grammatik,</p>
<p>- Rechtschreibung,</p>
<p>und auch Stil, und der sachlich wird der Text überprüft. Korrektor hat ein wicthige Aufgabe auch wenn es sich um eine Korrekturlesen handelt, die nach einer <a title="Deutsch Übersetzung" href="http://www.optimus-uebersetzung.com/uebersetzung-deutsch-daenisch.php">Deutsch Übersetzung</a> durchgemacht wird. Dadurch kann man übersetzter Text viel verbessern, deshalb entscheiden sich auch Kunden für Kombination von Korrekturlesen und Übersetzung.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Was ist Lektorat]]></title>
<link>http://korrekturlesen.wordpress.com/2009/01/04/was-ist-lektorat/</link>
<pubDate>Sun, 04 Jan 2009 03:09:45 +0000</pubDate>
<dc:creator>korrekturlesen</dc:creator>
<guid>http://korrekturlesen.wordpress.com/2009/01/04/was-ist-lektorat/</guid>
<description><![CDATA[Lektorat ist ein Teil einer Übersetzungsagentur, wo spezielle Arbeiter,  Lektoren arbeiten. Sie müss]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Lektorat ist ein Teil einer <a title="Übersetzungsagentur" href="http://www.optimus-uebersetzung.com/translation-agencija.php">Übersetzungsagentur</a>, wo spezielle Arbeiter,  Lektoren arbeiten. Sie müssen Fehler in Grammatik und Rechstschreiben korrigieren und Text und Dokumente auch von Stil und Inhalt her verbessern.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Snack su Silvester: Seeunkraut]]></title>
<link>http://schplock.wordpress.com/2008/12/29/snack-su-silvester-seeunkraut/</link>
<pubDate>Mon, 29 Dec 2008 10:27:00 +0000</pubDate>
<dc:creator>Kristin</dc:creator>
<guid>http://schplock.wordpress.com/2008/12/29/snack-su-silvester-seeunkraut/</guid>
<description><![CDATA[Ein schöner Fall, der zeigt, dass bei zusammengesetzen Wörtern (Komposita) die Teilbedeutungen nicht]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p><img class="aligncenter size-full wp-image-356" title="2008-12-29-seeunkrautwhole" src="http://schplock.wordpress.com/files/2008/12/2008-12-29-seeunkrautwhole.png" alt="2008-12-29-seeunkrautwhole" width="400" height="533" /></p>
<p>Ein schöner Fall, der zeigt, dass bei zusammengesetzen Wörtern (Komposita) die Teilbedeutungen nicht automatisch die Gesamtbedeutung ergeben &#8211; und dass man entsprechend ganz schön danebenliegen kann, wenn man die Einzelbestandteile wörtlich übersetzt:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-354" title="2008-12-29-seeunkrautcrop" src="http://schplock.wordpress.com/files/2008/12/2008-12-29-seeunkrautcrop.png" alt="2008-12-29-seeunkrautcrop" width="450" height="342" /></p>
<p>Manchmal wurden solche wörtlichen Übersetzungen übrigens zu &#8220;richtigen&#8221; deutschen Wörtern &#8211; allerdings meistens nur, wenn es entweder noch kein deutsches Wort dafür gab, oder das Wort aus irgendeinem Grund als inadäquat empfunden wurde.<br />
So etwas nennt man dann <span style="font-weight:bold;">Lehnübersetzung</span>: <span style="font-style:italic;">Hellseher</span> (frz. <span style="font-style:italic;">clairvoyant</span>), <span style="font-style:italic;">Einkaufszentrum</span> (engl. <span style="font-style:italic;">shopping center</span>), <span style="font-style:italic;">allmächtig</span> (lat. <span style="font-style:italic;">omnipotens</span>).</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[[Weihnachten] Ihr Kinderlein, kommet ...]]></title>
<link>http://schplock.wordpress.com/2008/12/22/weihnachten-ihr-kinderlein-kommet/</link>
<pubDate>Mon, 22 Dec 2008 12:56:00 +0000</pubDate>
<dc:creator>Kristin</dc:creator>
<guid>http://schplock.wordpress.com/2008/12/22/weihnachten-ihr-kinderlein-kommet/</guid>
<description><![CDATA[Weihnachtslieder geben eine Menge an sprachlichen Relikten her, die ich mir über die Feiertage ein b]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Weihnachtslieder geben eine Menge an sprachlichen Relikten her, die ich mir über die Feiertage ein bißchen anschauen will. Den Anfang macht &#8230;</p>
<p>(1) <span style="font-style:italic;">Ihr Kinderlein kommet</span></p>
<p>Schonmal gewundert, dass wir hier einen Plural mit Diminutiv (=Verkleinerungsform) haben? {kind}{er}{lein}?<br />Substantiv: {kind}<br />Pluralendung: {er}<br />Diminutiv: {lein}</p>
<p>Im Neuhochdeutschen tritt das {lein} ja direkt an das Substantiv im Singular, erwartet wäre also {kind}{lein}:</p>
<blockquote><p>&#8220;<span style="font-weight:bold;">Diminutiv, Deminutiv, Verkleinerungsform</span><br />Zu vielen Substantiven werden durch Anfügung der Suffixe -chen oder -lein Verkleinerungsformen gebildet: Haus &#8211; Häuschen, Buch &#8211; Büchlein.&#8221;<br />(Wahrig, 1997, S. 54)</p></blockquote>
<p>Bei <span style="font-style:italic;">Kinderlein</span> muss es sich also um eine veraltete Form handeln. Und tatsächlich, in Grimms Wörterbuch finden sich beim Lemma <span class="wblink"><a href="http://www.woerterbuchnetz.de/woerterbuecher/dwb/wbgui?lemid=GK04801">KINDERLEIN</a></span> viele Beispiele. Heute wird die Form kaum noch verwendet, und wenn, dann in Anspielung auf das Weihnachtslied oder beim Versuch, alterthü&#8230; ähm, altertümlich zu sprechen.</p>
<p>Im Luxemburgischen gibt es die Formen mit Pluralmarkierung direkt am Substantiv heute noch:</p>
<p>(2) <span style="font-style:italic;">kand</span> &#8216;Kind&#8217; &#8211; <span style="font-style:italic;">kanner</span> &#8216;Kinder&#8217; -&#62; <span style="font-style:italic;">kandchen</span> &#8216;Kindchen, sg.&#8217; &#8211; <span style="font-style:italic;">kannercher</span> &#8216;Kind(er)chen, pl.&#8217;<br />(3) <span style="font-style:italic;">Haus </span>&#8216;Haus&#8217;<span style="font-style:italic;"> </span>- <span style="font-style:italic;">Haiser </span>&#8216;Häuser&#8217;<span style="font-style:italic;"> -&#62; Haischen</span> &#8216;Häuschen, sg.&#8217;<span style="font-style:italic;"> &#8211; Haisercher</span> &#8216;Häuschen, pl.&#8217;</p>
<p>Und es geht sogar mit lexikalisierten Diminutiven, also mit Formen, die eigentlich auf eine Verkleinerungsform zurückgehen, jetzt aber als ganz normale Form benutzt werden:</p>
<p>(4) <span style="font-style:italic;">Meedchen</span> &#8216;Mädchen, sg.&#8217; &#8211; <span style="font-style:italic;">Meedercher</span> &#8216;Mädchen, pl.&#8217;</p>
<p>Der Unterschied zur alten deutschen Form im Weihnachtslied besteht darin, dass das Luxemburgische den Plural zweimal markiert, einmal durch das -<span style="font-style:italic;">er</span> am Stamm und einmal durch die Endung -<span style="font-style:italic;">cher</span> (statt -<span style="font-style:italic;">chen</span>).</p>
<p>Das Luxemburgische und das Deutsche gehen ja auf gemeinsame Wurzeln zurück, das Lux. ist eng mit den moselfränkischen Dialekten in und um Trier herum verwandt.<br />Da überrascht es nicht, auch auf der deutschen Seite solche Formen als Relikte zu entdecken &#8211; z.B. gibt es einen Ort namens Wincheringen im Landkreis Trier-Saarburg, in dem es die Gemarkung <span style="font-style:italic;">&#8220;Auf den Häuserchen&#8221;</span> gibt.</p>
<p>Wirft man einen Blick in Grimms Wörterbuch, so findet man unter dem Lemma <span class="wblink"><a href="http://www.woerterbuchnetz.de/woerterbuecher/dwb/wbgui?lemid=GC00159">CHEN</a></span>:</p>
<blockquote><p>&#8220;<span style="font-style:italic;">auch die pluralbildung schwankt, jene</span> ketehinne kinderchinne schellichinne <span style="font-style:italic;">sind längst veraltet, <span style="font-weight:bold;">gewöhnlich pflegt nach ahd. mhd. weise beim neutrum überhaupt die form des sg. unverändert zu bleiben</span>. einige aber erlauben sich</span> bübchens leutchens mädchens, <span style="font-style:italic;">z. b. LESSING 1, 461 in der anrede:</span> seht freundlich aus, mädchens! ich will euch etwas fröhliches melden. <span style="font-style:italic;">andere tadelhafter selbst</span> bübcher mädcher:<br />und wenn das laub herunter fällt,<br />so trauren alle ästger.<br />     MITTLER 465a,<br /><span style="font-style:italic;">wofür man doch einen noch des N entbundnen sg.</span> bübche mädche ästche <span style="font-style:italic;">anzusetzen hat. neutra und masculina, die des epenthetischen er fähig sind, vermögen es mit in die diminution zu ziehen, und von</span> beinchen bretchen bildchen häuschen kindchen lämmchen würmchen <span style="font-style:italic;">läszt sich auszer dem gleichlautigen pl. in traulicher sprache bilden:</span> beinerchen breterchen bilderchen häuserchen kinderchen lämmerchen männerchen <span style="font-style:italic;">(LESSING 1, 242) </span>würmerchen. [...] <span style="font-style:italic;">ein fehler ist der pl.</span> mäderchen <span style="font-style:italic;">oder gar</span> mädercher <span style="font-style:italic;">von</span> mädchen = mägdchen, <span style="font-style:italic;">da das f.</span> magd <span style="font-style:italic;">keinen pl.</span> mägder <span style="font-style:italic;">zu bilden vermag.</span> breterchen häuserchen <span style="font-style:italic;">u. s. w. laufen den bildungen</span> breterlein häuserlein <span style="font-style:italic;">parallel</span>.&#8221;</p></blockquote>
<p>Da ich momentan leider fern von all meinen Bücherlein bin, kann ich nicht herausfinden, ob die Version mit dem eingeschobenen Plural eine zeitweilige Variante war, oder ob sie tatsächlich die ursprüngliche Form war. Ich tippe auf ersteres, zumal der er-Plural sich ja erst recht spät verbreitet hat.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Ratschlag für Korrekturlesen]]></title>
<link>http://korrekturlesen.wordpress.com/2008/12/17/ratschlag-fur-korrekturlesen-2/</link>
<pubDate>Wed, 17 Dec 2008 02:10:30 +0000</pubDate>
<dc:creator>korrekturlesen</dc:creator>
<guid>http://korrekturlesen.wordpress.com/2008/12/17/ratschlag-fur-korrekturlesen-2/</guid>
<description><![CDATA[Jeder von uns hat eine Tageszeit in der er besonders konzentriert ist. Wenn sie es mit einem sehr an]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p><!--[if gte mso 9]&#62;  Normal 0   &#60;![endif]--> <span style="font-size:12pt;font-family:&#34;" lang="DE">Jeder von uns hat eine Tageszeit in der er besonders konzentriert ist. Wenn sie es mit einem sehr anspruchvollem Text zu tun haben ist es sinnvoll, sich so zu organisieren, dass die Korrekturlesen in der Tageszeit gemacht wird<span> </span>in der Ihre Konzentration am höchsten ist.</span></p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Schwerlesbarer Text]]></title>
<link>http://korrekturlesen.wordpress.com/2008/08/17/schwerlesbarer-text/</link>
<pubDate>Sun, 17 Aug 2008 23:42:36 +0000</pubDate>
<dc:creator>korrekturlesen</dc:creator>
<guid>http://korrekturlesen.wordpress.com/2008/08/17/schwerlesbarer-text/</guid>
<description><![CDATA[Wenn Sie mit einen Text in ungewöhnlicher Form, zu kleiner Schrift oder es mit einem schwer lesbaren]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p><!--[if gte mso 9]&#62;  Normal 0   &#60;![endif]--> <span style="font-size:12pt;font-family:&#34;">Wenn Sie mit einen Text in ungewöhnlicher Form, zu kleiner Schrift<span> </span>oder es mit einem schwer lesbaren Text zu tun haben, kann Ihnen eine Vergrößerung des Textes durch ein Fotokopiergerät behilflich sein. Wenn Sie den Text in elektronischer Form haben, drücken Sie ihn erst aus und vergrößern Sie ihn hinterher.</span></p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Ratschlag für Korrekturlesen]]></title>
<link>http://korrekturlesen.wordpress.com/2008/05/10/ratschlag-fur-korrekturlesen/</link>
<pubDate>Sat, 10 May 2008 01:10:38 +0000</pubDate>
<dc:creator>korrekturlesen</dc:creator>
<guid>http://korrekturlesen.wordpress.com/2008/05/10/ratschlag-fur-korrekturlesen/</guid>
<description><![CDATA[Oft kommt es vor, dass Sie die Lektur knapp vor dem Termin fertigstellen und in diesen Fällen ist es]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p><span style="font-size:12pt;font-family:&#34;">Oft kommt es vor, dass Sie die Lektur knapp vor dem Termin fertigstellen und in diesen Fällen ist es wichtig, dass ihnen keine Ungeschicklichkeit passiert wie zum Beispiel, dass sie dem Auftraggeber eine falsche oder veraltete Version des lektorierten Textes schicken. Lösung : Markieren sie alle Texte mit passenden Kennzeichnungen.</span></p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Korrekturlesen - Vergleiche]]></title>
<link>http://korrekturlesen.wordpress.com/2008/03/29/korrekturlesen-vergleiche/</link>
<pubDate>Sat, 29 Mar 2008 19:55:25 +0000</pubDate>
<dc:creator>korrekturlesen</dc:creator>
<guid>http://korrekturlesen.wordpress.com/2008/03/29/korrekturlesen-vergleiche/</guid>
<description><![CDATA[Diese ist eine seltenere Form von Korrekturlesen, das aber alle Situationen umfasst, in denen man vo]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><p>Diese ist eine seltenere Form von Korrekturlesen, das aber alle Situationen umfasst, in denen man von den Dokument ausgeht, dass lektoriert bzw. kopiert werden soll. Solch ein Dokument kann auch ein Handgeschriebenes Dokument sein. Das Ziel ist in diesem Fall, dass der lektorierte Text mit dem Originaltext identisch ist.</p>
</div>]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Korrekturlesen – Arten des Korrekturlesens]]></title>
<link>http://korrekturlesen.wordpress.com/2008/03/29/korrekturlesen-%e2%80%93-arten-des-korrekturlesens/</link>
<pubDate>Sat, 29 Mar 2008 19:53:13 +0000</pubDate>
<dc:creator>korrekturlesen</dc:creator>
<guid>http://korrekturlesen.wordpress.com/2008/03/29/korrekturlesen-%e2%80%93-arten-des-korrekturlesens/</guid>
<description><![CDATA[Korrekturlesen können wir in 3 Hauptgruppen einteilen : 1. Vergleich 2. Inhalt 3. Format In den näch]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><div class="snap_preview">
<p class="MsoNormal"><span>Korrekturlesen können wir in 3 Hauptgruppen einteilen :</span><span> </span><span></span></p>
<p class="MsoNormal"><span>1. Vergleich</span></p>
<p class="MsoNormal"><span>2. Inhalt</span></p>
<p class="MsoNormal"><span>3. Format</span></p>
<p><span style="font-size:12pt;font-family:'Times New Roman';">In den nächsten Posts werde ich etwas mehr von jeder einzelnen Arten des Korrekturlesens sagen.</span></div>
</div>]]></content:encoded>
</item>

</channel>
</rss>
